=Verlust= der Engländer 3000 Tote und Verwundete, bei den
Holländern kaum die Hälfte, bei den Franzosen (französische
Angabe) 500 Mann.
Ruyter brach das Gefecht ab und ging auf den alten Ankerplatz, die
Verbündeten liefen in die Themse ein. Wiederum behaupten diese, den
Gegner zum Rückzug gezwungen zu haben, aber =der Erfolg spricht= dieses
Mal doch noch mehr =für Ruyter=. Von einem gezwungenen Rückzuge kann
nicht die Rede sein. Er brach ab, weil es Nacht wurde und sich der Kampf
zu weit von seinem Stützpunkte entfernt hatte. Er ging mit »kleinen
Segeln« zurück, zur Fortsetzung des Kampfes am nächsten Tage bereit, und
ist nicht verfolgt worden. Zwar scheinen die Verbündeten »nach einigen
Stunden« auch gewendet zu haben, sie gingen aber am nächsten Tage nach
England, ohne etwas zu unternehmen; am 15. sind sie von den Holländern
nicht mehr gesichtet worden. Seinen strategischen Zweck hatte Ruyter in
noch höherem Maße als in der ersten Schlacht erreicht; wir werden gleich
sehen, daß die Verbündeten für sechs Wochen die See ganz frei gaben,
während die Holländer bald wieder weitere Unternehmungen ins Auge fassen
konnten.
De Jonge führt an, nach Privatbriefen (z. B. Tromps) sei die
holländische Flotte nach der Schlacht wegen Mangels an Munition auch
nicht schlagfertig gewesen. Dieser Zustand sei aber von den Behörden
geheim gehalten worden; ihm wurde auch nach Möglichkeit schnell
abgeholfen.
$Die Schlacht bei Texel. 21. August 1673.$ (In Holland auch Schlacht bei
Kijkduin genannt.) Während Ruyter bei Schooneveld ausbesserte, ergänzte
und nach und nach nicht unwesentlich durch neue Schiffe verstärkt wurde,
hielt er beständig leichte Schiffe an der englischen Küste; am 19. Juni
sandte er sogar ein Geschwader von 12 Kriegsschiffen und Fregatten, 2
Brandern und 4 Jachten unter Kontreadmiral den Haen zu einer, wenn nötig
gewaltsamen, Erkundung ab. Den Haen trieb feindliche Vorposten in die
Themse zurück und meldete am 25., daß die verbündeten Flotten eifrig
ausrüstend zwischen Queensborough und Gravesend lägen, und daß große
Truppenkörper zur Einschiffung zusammengezogen würden.
Clowes sagt, die Franzosen seien im Juni nach Brest gegangen und hätten
sich erst Mitte Juli wieder mit den Engländern vereinigt. Alle anderen
Quellen erwähnen dies nicht, so auch nicht die sonst so genauen alten
Holländer, die stets nur von »den königlichen Flotten« in der Themse
sprechen. Ein Gegenbeweis dürfte auch zu finden sein in Jal: »du
Quesne«, wo vermerkt ist, daß Generalleutnant Martel -- vom Mittelmeer
gekommen -- am 18. Juni Brest verläßt, um mit einigen Schiffen zu
d'Estrées zu stoßen, am 25. an die englische Küste kommt, Dover anläuft
und endlich bei beständigem Gegenwinde die »vereinigte« Flotte in der
Themse trifft. Auch die Operationen der holländischen Flotte lassen
vermuten, daß die Franzosen in England geblieben sind.
=Ruyter= glaubte nicht, daß der Feind schon bald wieder bereit würde, die
Zukunft sollte ihm recht geben. Seine Flotte war Ende Juni seeklar, und
Kriegsrat wie Deputierte beschlossen, an die englische Küste zu gehen, um
dort möglichst viel Schaden anzurichten, vor allem aber um dem Feinde und
ganz Europa zu zeigen, daß man nicht in die Häfen oder zwischen die
Sandbänke getrieben sei -- wie die Verbündeten ausgesprengt hatten --,
sondern die See beherrsche. Es wurde sogar in Erwägung gezogen, sich
eines französischen Hafens zu bemächtigen, um die Franzosen vom
Landkriege abzuziehen, besonders von der Belagerung Maastrichts, doch kam
die Sache vorläufig nicht zum Beschluß und auch nicht wieder zur Sprache;
Maastricht fiel am 10. Juli. Am 3. Juli ging Ruyter in See, kreuzte etwa
10 Tage vor der Themse, trieb feindliche Vorposten den Fluß hinauf,
kehrte aber dann nach der eigenen Küste zurück, weil sich eine
ansteckende Krankheit schnell auf seinen Schiffen verbreitete; sie war
zuerst unter den Leuten ausgebrochen, die im vorhergegangenen Winter zum
Dienst am Lande und auf den Binnengewässern herangezogen und schweren
Strapazen ausgesetzt gewesen waren. Er schiffte die Kranken aus, ersetzte
sie nach Möglichkeit und hielt sich wieder in der Nähe Walcherens, um
leichte Verbindung mit dem Lande zu haben und um bei den vorherrschend
westlichen Winden zu Luward der ganzen holländischen Küste und der
Themsemündung zu stehen, weil er die Nachricht erhalten hatte, die
Verbündeten würden etwa am 24. Juli seeklar sein; am 28. meldeten dann
auch Aufklärer, daß sie am Tage zuvor das Auslaufen beobachtet und bis
zum Abend etwa 130 Segel gezählt hätten.
So lange hatte man gebraucht, die englische Flotte schlagfertig zu
machen. Wiederum soll der Grund in dem mangelhaften Arbeiten der
Verwaltung gelegen haben; es machte aber auch besondere Schwierigkeit,
Mannschaften zu erlangen, die Volksstimmung wurde mehr und mehr einem
Kriege gegen Holland und dem Bündnisse mit Frankreich abgeneigt; das
Pressen brachte minderwertiges Personal, nur wenige gute und
kriegserfahrene Seeleute.
=Die Flotten der Gegner= waren stärker als bei den vorhergegangenen
Schlachten des Jahres 1673, sie bestanden aus:[197]
England: 60-62 Schlachtschiffen und Fregatten }
Frankreich: 28-30 " " " } 28 Brandern
-----------------------------------------
Verbündete: 90 " " " 28 "
20-25 Transportern und kleineren Fahrzeugen
Holland: 75 " " " 22 " 18 Jachten.
[197] Nach de Jonge, Teil II, Beilage VII.
Die Klassen entsprachen dabei den früheren Verhältnissen, es waren aber
jetzt 6 englische Schiffe über 90 Kanonen und 6 holländische über 80
Kanonen darunter.
Wieder waren auf der englischen Flotte etwa 7000 Mann Landungstruppen
eingeschifft und trotz der schlechten Erfahrung im Juni auch wieder auf
den Schlachtschiffen. 30000 Mann standen in England, besonders an der
Themse, zum Einschiffen bereit und in Frankreich war gleichfalls ein
Landungskorps aufgestellt. Die Geschwader und Divisionen wurden von
denselben Flaggoffizieren wie im Juni geführt, nur war auf holländischer
Seite Kontreadmiral den Haen an Stelle des gefallenen Vizeadmirals
Schramm getreten und eine Division des französischen Geschwaders hatte
der Generalleutnant de Martel übernommen -- wie du Quesne ein alter, sehr
tüchtiger Seeoffizier -- die dritte behielt der Chef d'Escadre des
Ardens. Das französische Geschwader bildete die Vorhut der Verbündeten,
auf ausdrückliches Verlangen Ludwigs XIV. wie man sagt, auch focht es
dieses Mal jedenfalls »unvermischt«.
Das nächste Zusammentreffen der Gegner sollte entscheidend für den Krieg
werden, aber drei Wochen vergingen, ehe es stattfand. Ruyter ging am 29.
Juli unter Segel, hielt sich in der Nähe der Küste und bekam den Feind am
30. abends in Sicht. Am 31. Juli und 1. August manövrierten die Flotten
in Sicht voneinander, die Verbündeten waren bestrebt, den Gegner von der
Küste abzuziehen. =Ruyter= aber hatte neue Nachrichten erhalten, daß in
der Themse Kauffahrteischiffe zusammengezogen würden, und nahm an, daß
Rupert ihn verlocken wolle, in den Kanal hinein zu folgen, damit dann in
seiner Abwesenheit die Truppen von der Themse aus nach Holland
hinübergeworfen werden könnten; er ging deshalb getreu seinem alten Plan
=nach Schooneveld= zurück und der Feind kam am 1. August abends aus
Sicht.
=Die verbündete Flotte= zeigte sich nun am 2. vor der Maasmündung, am 3.
vor Scheveningen, am 4. vor Egmond, Helder und Texel, zuweilen leichte
Schiffe nahe unter Land sendend. Die ganze Küste war alarmiert. Der
Strand wurde durch Bürgerkompagnien der naheliegenden Städte besetzt,
aber auch reguläre Truppen und Geschütze wurden herangezogen; ein
berittener Meldedienst und ein Signalsystem wurden längs der Küste
organisiert, um die ernste Bedrohung eines bestimmten Punktes
weitermelden zu können. Am 4. August erschien der Prinz von Oranien von
der Feldarmee selbst im Haag. Auch die Flotte wurde näher herangezogen;
sie ankerte am 8. bei Scheveningen, und hier bat Ruyter um nähere Order.
Seine bisherige, »den Feind anzugreifen, falls es zum Vorteil des Landes
wäre,« erschien ihm zu unbestimmt, der Übermacht des Feindes gegenüber
war ihm die Verantwortung zu groß. Schon die Nähe seiner Flotte hatte ja
bisher ernste Unternehmungen des Feindes gehindert; die Gefahr einer
Landung war wesentlich abgeschwächt, weil man Zeit gehabt hatte, die
bedrohten Punkte zu besetzen. Ruyter lag mithin wohl der Gedanke am
nächsten, weiter in seiner abwartenden Stellung zu bleiben und seine
Flotte nur im dringendsten Falle einzusetzen.
Aber Holland drohte noch eine andere Gefahr. Man erwartete die Heimkehr
des großen ostindischen Convois durch die Nordsee zu jeder Stunde, und
der Feind stand zwischen der eigenen Flotte und den dem Convoi
nächstliegenden Häfen; das glückliche Einlaufen der Handelsschiffe sollte
neue Mittel zur Weiterführung des Krieges liefern. Der Kriegsrat der
Flotte sah wohl ein, daß dieser Umstand dafür spräche, alles zu
versuchen, um den Feind von der Küste zu vertreiben. Die Generalstaaten
traten gleichfalls hierfür bei dem Prinzen ein und ersuchten ihn, die
schwachen Besatzungen der Schiffe durch ein Regiment Seesoldaten, das am
Lande wohl für kurze Zeit zu einem entscheidenden Schlage auf See zu
entbehren sei, zu verstärken.
Beratungen am Lande und auf der Flotte[198] -- Oranien begab sich selbst
am 12. August, stürmisch begrüßt, auf Ruyters Flaggschiff -- führten
endlich zu dem Beschluß, den Feind zur See je eher je besser anzugreifen,
um die Küste freizumachen. Wieder sah das ganze niederländische Volk auf
die Flotte als letzte Rettung; in allen Städten wurden tägliche
Betstunden für den glücklichen Ausgang der bevorstehenden Seeschlacht
abgehalten und man ordnete an, zum allgemeinen Gottesdienst zu läuten,
sobald der Donner der Kanonen den Kampf der Flotte verkünde.
[198] Die schriftlichen und mündlichen Verhandlungen, Erlasse und
Ansprachen an die Flotte sowie die Bewegungen dieser bis zur
Schlacht genau im »Leben Ruyters«.
Am 13. August ging =Ruyter= unter Segel, um den Feind zu suchen, der
unter Texel oder Vlieland liegen sollte. Die Windverhältnisse -- sowohl
Stille wie Sturm und im allgemeinen stets Gegenwinde -- ließen nur
geringen Fortschritt machen, da Ruyter sehr vorsichtig segelte: er war
stets bestrebt, nahe der Küste zu bleiben, Beschädigungen zu vermeiden
und seine Flotte gut beieinander und in Formation zu halten; mußte er
doch bei dem für den Feind günstigen Winde jederzeit auf einen Angriff
gefaßt sein.
Erst am 18. ankerte der Admiral wegen frischen Gegenwindes etwa 15 sm.
südlich von Helder, zwischen Petten und Camperduin, und blieb hier,
besseres Wetter abwartend, am 19. liegen; seine Vorposten hatten den
Feind nördlich von Texel, gleichfalls vor Anker liegend, gesichtet. In
diesen Tagen fingen die Franzosen einen Ostindienfahrer ab, der dem
Convoi vorgelaufen war.
$Der Verlauf der Schlacht.$[199] Am 20. August lichtete =Ruyter= Anker
und steuerte bei flauem östlichen Winde Nordnordost. Um 10 Uhr vormittags
kam der Feind nördlich voraus in Sicht und hielt mit Kurs Südsüdost auf
die Holländer zu, bestrebt, die Luvstellung zu halten oder zu gewinnen.
Die Angaben über die Windverhältnisse dieses Tages sind nicht sicher; die
alten und neuen Holländer sprechen nur von östlichem Winde, die neueren
Engländer und Franzosen sagen, der Wind sei im Laufe des Tages nach
Nordwest gegangen. Es ist dies ohne Bedeutung, der Wind scheint sehr flau
gewesen zu sein, da die Schiffe zuweilen nur mit dem Strom trieben; nur
bei flauem Winde auch konnte Ruyter so manövrieren, wie er tat.
[199] Schilderung nach Vergleich der Quellen Seite 339; besonders Jal:
»du Quesne«, hinzu tritt Mahan, Teil I.
Es kam an diesem Tage noch nicht zur Schlacht: Ruyter hielt zurück, weil
einige Schiffe nicht auf Position waren; die Verbündeten, die nach
übereinstimmenden Aussagen zwar den ganzen Tag die Luvstellung hatten,
griffen nicht an, weil sich der Gegner stets nahe unter der Küste hielt.
Ruyter wendete am Nachmittag wieder nach Süden, führte unter sorgfältigem
Loten seine Flotte bis ganz dicht an den Strand heran und hielt dann nach
Mitternacht wieder ab. Die Gegner folgten allen Bewegungen, aber stets in
vorsichtig bemessener Entfernung von der Küste. =Ruyters= Manöver nun,
gestützt auf seine Kenntnis des Fahrwassers und den geringeren Tiefgang
seiner Schiffe sowie auf richtige Beurteilung der Wind- und
Stromverhältnisse, hatten den Erfolg, daß er am Morgen des 21., als der
Wind aus Ostsüdost auffrischte, zu Luward des Gegners stand -- nur 2
Seemeilen von Land (zwischen Petten und Camperduin), so daß der Seeraum
des Feindes nach Luward hin beschränkt war; er =hatte seinen Gegner= in
der Dunkelheit =ausmanövriert=.
Als die Holländer jetzt mit vollen Segeln zum Angriff herankamen,
wendeten die Verbündeten und erwarteten sie über Steuerbord-Bug beim
Winde. Ruyter steuerte zunächst etwas nach Norden, wendete dann
geschwaderweise, hielt kühn auf den Feind ab und legte sich ihm querab
über St. B. Bug. Geschwader stand gegen Geschwader: Bankers gegen
d'Estrées, Ruyter gegen Rupert, Tromp gegen Spragge; die Mitten und die
Nachhuten der Gegner waren sich ziemlich gleich, Bankers jedoch war
wesentlich schwächer als d'Estrées.
Die allgemeinere Annahme geht nämlich dahin, daß an diesem Tage auf
Anordnung Ruyters das Geschwader Bankers nur aus 10 oder 12 Schiffen
bestand, die beiden andern holländischen aus je 32 oder 33. Auf diese
Weise war die Übermacht der Verbündeten bei Mitte und Nachhut
ausgeglichen, während den 30 Franzosen eben nur 10 oder 12 Schiffe
gegenüberstanden; Ruyter soll die Absicht gehabt haben, diesen Gegner
nur zu beschäftigen. Nehmen wir dies vorläufig als zutreffend an.
Infolge der verschiedenen Art, mit der die Geschwaderchefs der
Verbündeten den Angriff aufnahmen, entwickelten sich in dem =ersten
Abschnitt der Schlacht drei getrennte Gefechte=:
D'=Estrées= steuerte hoch am Winde, um die Luvstellung zu gewinnen oder
doch die Spitze des Feindes von Luward her zu dublieren -- wie er später
sagt, auf Anordnung Ruperts; =Rupert= hielt während des Gefechtes
beständig ab, um den Feind von der Küste abzuziehen, damit dieser sich
bei etwa umspringendem Winde nicht wieder ihres Schutzes bedienen könne;
=Spragge= drehte bei, um möglichst schnell zum Kampf auf nächste
Entfernungen zu kommen -- er soll aus irgend einem Grunde persönlichen
Haß auf Tromp gehabt haben und hatte seinem König versprochen, jenen tot
oder lebendig zurückzubringen oder das eigene Leben zu lassen. Diese
Gegner trieben natürlich schnell nach Lee (Lage 1 der Skizze). So mußten
sich die Einzelgefechte der Geschwader bald voneinander örtlich trennen
(Lage 2).
Bei dem =Kampf der Vorhuten= gelang es wirklich dem Führer der ersten
französischen Division (Martel) vorzulaufen, zu wenden und die Holländer
von Luward aus zu dublieren. =Bankers= aber erkannte die Gefahr. Er hielt
sofort ab -- scheinbar ehe =Martel= von Luv aus angriff, da dessen
Schiffe infolge etwas umspringenden Windes lange in der Wendung liegen
geblieben sein sollen --, lief mit seinen 12 Schiffen durch die in Lee
gebliebenen 20 Franzosen, die in sich schlecht aufgeschlossen waren,
hindurch und steuerte nach dem Gefechtsfelde der Mitten zur Unterstützung
Ruyters. Das kurze Gefecht hier war sehr heftig gewesen, Bankers selbst
entging nur knapp der Vernichtung durch einen mit hervorragendem Schneid
geführten Brander, aber d'=Estrées= folgte nicht. Die Franzosen brauchten
lange Zeit, »die Ordnung herzustellen und auszubessern«; tatsächlich
hörte ihre Teilnahme an der Schlacht auf, obgleich Rupert versuchte, sie
durch Signal heranzuziehen.
[Illustration: Schlacht bei Texel, 21. August 1673.]
Von dieser Darstellung weichen die holländischen Angaben -- alte wie
neue -- wesentlich ab. Sie erwähnen nicht, daß Bankers' Geschwader
schwächer gewesen sei. Sie sagen sonst: Anfangs nahmen die Franzosen
den Kampf mit Mut auf, dann zog sich d'Estrées nach einem
Branderangriff zurück und mit ihm die meisten Schiffe, endlich auch
Martel; die Franzosen brachen das Gefecht ab; Bankers ließ 8 Schiffe zu
ihrer Beobachtung zurück und segelte mit den übrigen zu Ruyter.
Für diese Auffassung dürfte sprechen, daß Ruyter vor der Aktion kaum
genau wissen konnte, welches Geschwader den Franzosen gegenüberstehen
würde. Ursprünglich waren die Geschwader gleich stark, Ruyter hätte die
Änderung also erst am Morgen vornehmen müssen, und es ist auffallend,
daß die sonst gerade in solchen Angelegenheiten so genaue alte Quelle
(»Leben Ruyters«) nichts davon erwähnt. Gegen diese Auffassung spricht,
daß die englischen und französischen Quellen ausdrücklich so erzählen,
wie vorstehend geschildert, auch die alten, z. B. ein Bericht Colberts
an seinen König. In einem Bericht des Intendanten von Brest --
beauftragt mit Untersuchung eines Streites zwischen d'Estrées und
Martel, von dem später noch die Rede sein wird -- heißt es sogar: »Man
konnte glauben, daß sich in allen diesen Schlachten Ruyter niemals die
Mühe gab das französische Geschwader anzugreifen, so hatte er in der
letzten Schlacht (also hier) nur 10 Schiffe des seeländischen
Geschwaders geschickt, um d'Estrées zu beschäftigen.« In diesem Falle
fiele also das Verdienst der so erfolgreichen taktischen Maßregel
Ruyter zu; Bankers zeigte dann im Gefecht durch sein Verfahren große
Umsicht. Nach der holländischen Erzählung stände Bankers in erster
Linie das Verdienst zu. Aber sein Verhalten ist auch dann eine Frucht
der Erziehung Ruyters; hatte doch dieser dazu das Beispiel am 7. Juni
gegeben und immer wieder, so noch einige Tage vor der letzten Schlacht,
darauf hingewiesen, den Zusammenhang der ganzen Flotte zu wahren und
darauf zu achten, wo gegenseitige Unterstützung nötig sei.
=Der Kampf der Nachhuten= wurde während dieser Zeit auf nächste
Entfernungen mit größter Hartnäckigkeit von beiden Seiten durchgefochten,
auch =Tromp= hatte beigedreht. Die beiden Geschwaderchefs waren ähnliche
Charaktere, wie denn =Spragges= fehlerhaftes Vorgehen hier ganz dem
Tromps bei früheren Gelegenheiten gleicht. Sie lagen 3-1/2 Stunden mit
ihren Flaggschiffen backgebraßt nebeneinander. Hierbei soll Tromp während
der ersten drei Stunden gar keine Verluste gehabt haben -- auch der
Verlust einiger anderer Schiffe, z. B. Ruyters, in dieser Schlacht war
gering --, was nicht für die bisher so berühmte englische Artillerie
spricht; es war wohl eine Folge des erwähnten schlechten Ersatzes. Die
beiden Geschwader kämpften in voller Melee; beide Chefs mußten ihre
Flaggschiffe wechseln und stürzten dann wieder aufeinander ein; bei einem
abermaligen Verlassen seines Schiffes ertrank Spragge, aber auch auf
holländischer Seite fiel Vizeadmiral Sweers. Die Engländer hatten im
allgemeinen die größeren Verluste und Beschädigungen.
=Im Gefecht der Mitten= scheinen die Aussichten zuerst gleichgestanden zu
haben, infolge des beständigen Ausweichens Ruperts kam es nicht zu so
nahem Kampfe wie bei der Nachhut; doch wird die gute Ordnung in Ruyters
Geschwader hervorgehoben, nur einige Schiffe der Division van Nes waren
lau. Als aber Bankers herankam, änderte sich die Lage, nun standen 42
Holländer gegen 30 Engländer. Dabei behielt Ruyter seine Kräfte in der
Hand, schnitt durch Abzweigung von 8 Schiffen die Division Chicheley ab
und dublierte so die beiden anderen des Feindes. Es spricht für die
Engländer, daß diese Divisionen nicht vernichtet wurden, sondern sich
sogar nach und nach, allerdings unter schweren Verlusten, der Lage wieder
entzogen (Lage 3).
Beide Flottenchefs waren in Unsicherheit und in Besorgnis über das
Schicksal ihrer Nachhut, und so steuerten beide nach dem Gefechtsfelde
dieser hin; auf Parallelkursen in Schußweite aber wie in
stillschweigender Übereinkunft ohne zu feuern. Beide sparten wohl
Munition; die Schlacht hatte um 8 Uhr morgens begonnen und die
Wiedervereinigung der Mitten mit den Nachhuten fand etwa um 4 Uhr nachm.
statt. Wahrscheinlich war es die höchste Zeit für das blaue Geschwader,
daß Rupert eintraf. Tromp löste seine Melee, beide Flotten ordneten sich
und um 5 Uhr begann ein =neues Gefecht=, von dem die Quellen nur melden,
daß es bis 7 Uhr sehr blutig gewesen sei.
=Ruyter= scheint um diese Zeit den Rückzug eingeleitet zu haben,
wahrscheinlich weil nun endlich die Franzosen herankamen und weil es
dunkel wurde, aber auch die Engländer brachen ab. Die holländische Flotte
kreuzte am 22. August vor Texel und ankerte am 23. in See zwischen Texel
und Vlieland, um von hier aus die Einfahrten für den erwarteten Convoi zu
decken. Ein sofort eingerichteter und ununterbrochen durchgeführter
Aufklärungsdienst ergab während der nächsten Tage, daß vom Feinde in
gefahrdrohender Nähe nichts zu sehen sei. =Die Verbündeten= hatten gleich
nach der Schlacht zur englischen Küste hinübergehalten, um ihre
schwerbeschädigten Schiffe in Sicherheit zu bringen. In dieser Schlacht
verlor keine Partei Schiffe, außer verbrauchten Brandern; die
Beschädigungen scheinen auf englischer Seite größer gewesen zu sein --
nach holländischen Angaben waren hier 12 Schiffe entmastet, während nur 2
holländische gezwungen waren, einzulaufen. Die Holländer verloren die
Admirale Liefde und Sweers sowie 6 Kommandanten, die Engländer den
Admiral Spragge und 7 Kommandanten; der Offizier- und Mannschaftsverlust
war sonst auf englischer Seite wieder weit stärker (nach holländischen
Angaben etwa 2000 Tote und Verwundete); wiederum sprach wohl die
Überfüllung der Schiffe mit Landsoldaten hierbei mit.
Der =Sieg der Holländer=, so glaube ich das Ergebnis dieser Schlacht
bezeichnen zu können, ist in erster Linie der Umsicht Ruyters und Bankers
einerseits, der schlechten Führung auf seiten der Gegner anderseits
zuzuschreiben. Wie allgemein üblich, hatte Ruyter den Angriff so
angesetzt, daß Geschwader auf Geschwader stieß; wenn nun Bankers und
Tromp zunächst von ihrer Mitte abkamen, so war das dieses Mal natürlich,
es war hervorgerufen durch die Manöver ihrer Gegner. Bankers erfüllte
damit auch zugleich seinen Zweck, die Franzosen zu beschäftigen; mit
Umsicht und zum allgemeinen Besten wußte er aber abzubrechen und zur
Mitte zurückzukehren, als seine Lage gefährlich wurde. Ruyter verstand es
dann, die erlangte Übermacht auszunutzen. Auch Tromp ist dieses Mal wohl
zu entschuldigen, wenn er den angebotenen Nahkampf annahm; als er dies
tat, konnte er wohl kaum übersehen, daß er sich dadurch dauernd von
Ruyter trennen würde, später war er zu heiß engagiert, um abzubrechen.
Auf seiten der Verbündeten liegt die Sache ganz anders. Spragge ließ
seinen Flottenchef weiter segeln, um, wie bereits gesagt, persönlichen
Haß oder Ehrgeiz zu befriedigen. Rupert beschwerte sich bitter über ihn
und ebenso über die Handlungsweise d'Estrées'. Dieser warf dagegen Rupert
vor, durch sein Abhalten die Trennung herbeigeführt zu haben. Es ist ja
auch richtig: Beabsichtigte der Flottenführer, durch solche Manöver den
Feind von der Küste abzuziehen, so hätte er es vorher den Geschwaderchefs
bekannt geben müssen.
D'=Estrées' Verhalten= gab Anlaß zu vielen Berichten, Verhandlungen und
Untersuchungen,[200] deren Ergebnis ungefähr folgendes ist: Warum
trennte sich d'Estrées? Er habe Anweisung gehabt, die Luvstellung zu
gewinnen; dies habe er mit seiner Spitzendivision erreicht. Der Führer
dieser aber, Martel, habe zu spät gewendet, zu spät von Luward
angegriffen und dadurch Bankers Durchbruch möglich gemacht. Hiergegen
wendet sich Martel schroff, da er seine Aufgabe ausgeführt und den Gegner
zu dem verzweifelten Manöver gezwungen habe, d'Estrées' Aufgabe wäre nun
gewesen, jenen dabei zu vernichten; ja, d'Estrées habe von Anfang an die
Schwäche des Feindes übersehen müssen, ihn (Martel) allein demselben
gegenüberstellen und sich zu Rupert begeben können -- dies ein Vorwurf,
den auch Prinz Rupert erhob. Warum kam d'Estrées später nicht heran? Er
habe geglaubt, gut zu tun, wenn er sich die Luvstellung für einen
späteren Kampf (am nächsten Tage?) möglichst sichere; das Signal Ruperts,
das ihn heranrief, habe er nicht verstanden. Er sagt, es sei
signalisiert: »venir mouiller (ankern) dans les eaux de l'amiral«; Rupert
sagt, das Signal habe bedeutet »venir dans les eaux de l'amiral. Möglich,
daß das Signal das erste bedeutete, daß bei der Unvollkommenheit des
Signalsystems Rupert es zum Heranruf benutzte, und er hat wohl recht mit
der Behauptung, es wäre nicht mißzuverstehen gewesen; d'Estrées kam ja
aber auch nicht zum »Ankern« heran! Im übrigen behauptet dieser, er habe
nur etwa eine Stunde ausgebessert, dann aber Rupert erst am Abend
erreichen können, da dieser immer abgehalten habe; Bankers hat doch aber
die Mitten bald erreicht, und außerdem sagen die meisten Quellen (auch
französische), das französische Geschwader habe mehrere Stunden rangiert.
Es liegen doch wohl grobe Fehler d'Estrées' vor; Martels Ausfälle gegen
ihn waren derart, daß dieser wegen derselben in die Bastille kam.
[200] Sehr genau in Jal: »du Quesne«, Teil II, Seite 115.
Wiederum ging das Gerücht, der französische Chef habe geheimen Befehl
gehabt, seine Flotte zu schonen, worauf wir später zurückkommen werden;
anderseits geben =Personalnotizen über d'Estrées= vielleicht auch einige
Aufklärung:
D'Estrées war einer jener von der Armee übernommenen Offiziere, bis
1668 Generalleutnant und gleich als Vizeadmiral angestellt, tüchtig und
tapfer, aber ohne jede seemännische Erfahrung. Von den alten
Seeoffizieren, vor denen er einrangiert, wurde er natürlich scheel
angesehen, und dabei stieß er sie durch hochmütiges Wesen vor den Kopf.
So hatte ihm 1672 du Quesne weichen müssen, Martel hatte er gleich bei
dessen Eintreffen im Juli 1673 durch Unterlassung zustehender
Ehrenbezeugungen und später durch den Tenor in schriftlichen Befehlen
beleidigt. Er war ferner in übergroßem Selbstbewußtsein unzugänglich
für Ratschläge erfahrener Seeleute und mischte sich doch in technische
Einzelheiten. Ein schlagendes Beispiel der Art sei gegeben, das auch
ein Bild der Seegebräuche dieser Zeit zeigt, ehe sich ein
Seeoffizierkorps voll ausgebildet hat: 1678 strandete d'Estrées mit
allen 8 Schiffen seines Geschwaders in Westindien. Sein Flaggkapitän
erzählt darüber: »Mittags hatte der Admiral mit den Steuerleuten das
Besteck in die Karte eingetragen. Als ich in die Kajüte treten wollte,
traf ich auf den weinend herauskommenden dritten Steuermann. Er sagte
mir, er sei vom Admiral beschimpft, weil er mehr Abtrift angenommen
habe als die anderen. Mir sagte dann der Admiral: der Lump läßt mich
einen Kurs laufen, der Teufel weiß wohin.« Naiv fügt der Flaggkapitän
hinzu: »Da ich nicht wußte, wer recht habe, sagte ich nichts, um nicht
einen gleichen Sturm auf mich zu laden.« -- Einige Stunden später ging
das Geschwader auf einer Reihe von Felsen, den Avesinseln, verloren.
Einen =Sieg der Holländer= können wir also die Schlacht nennen. Alle die
Umstände, die nach den beiden Schlachten von Schooneveld zugunsten der
Holländer sprachen, treten hier in =taktischer und strategischer
Beziehung= noch weit schärfer hervor: Die Verbündeten haben dieses Mal
das Feld geradezu geräumt, weder in der Nähe des Schlachtfeldes geankert,
noch eine Verfolgung auch nur scheinbar versucht; sie sind sofort nach
der englischen Küste gegangen, um ihre vielen beschädigten Schiffe in
Sicherheit zu bringen; ihr Mannschaftsverlust war wieder größer. Der
strategische Erfolg der Schlacht war noch bedeutender. Nicht nur war
wiederum die augenblickliche Gefahr einer Landung abgewendet, die
Verbündeten gaben vielmehr den Plan, von der Küste aus in den Landkrieg
einzugreifen, jetzt ganz auf. Wie wir gleich sehen werden, zeigten sich
ihre Flotten nicht mehr auf dem Meere, so waren auch die niederländischen
Häfen dem Handel wieder geöffnet; der ostindische Convoi kam glücklich
ein, einige Schiffe waren den Engländern im Atlantik (bei St. Helena) in
die Hände gefallen. Der moralische Einfluß des endgültigen Abschlagens
der verbündeten Flotten ging noch weiter, er führte zum Frieden mit
England; König Karl konnte das schon lange unpopuläre Bündnis mit den
Franzosen nicht länger aufrecht erhalten, nachdem diese sich in den Augen
seines Volkes als ungenügende, unzuverlässige, wenn nicht sogar
verräterische Verbündete gezeigt hatten.
Die große Bedeutung, die diese letzte Schlacht haben würde, war in
Holland allgemein erkannt. Wie angeordnet, strömte das Volk in den
Kirchen zusammen, als der Donner der Kanonen in Amsterdam und ganz
Nordholland den Zusammenstoß der Flotten meldete, und wohl aus vollem
Herzen stieg das Gebet »um den Sieg des Vaterlandes und der gerechten
Sache« zum Himmel auf. Den Eindruck auf das englische Volk hatte
Oranien vorausgesehen; als er am 12. August die Flotte besuchte, wies
er die höheren Offiziere und die Besatzung des Flaggschiffes darauf
hin, daß noch ein Erfolg zur See den Frieden mit England und damit eine
wichtige Wandlung im Kriege bringen würde.
$Der kleine Krieg gegen den Handel und in den Kolonien$ war gleichfalls
zugunsten der Holländer ausgefallen. Wir wissen, daß sie den eigenen
Handel in den nördlichen Gewässern verboten hatten; es wird ausdrücklich
gesagt »im Kanal und Nordsee«, die fernen Meere werden dieses Mal nicht
erwähnt. Die anfänglich untersagte =Kaperei= wurde im Herbst 1672
freigegeben und sofort lebhaft aufgenommen. Allein von Seeland, das wie
stets darin voranging, liefen gegen 100 Fahrzeuge aus; sie machten reiche
Beute, hatte sich doch der englische Handel in den letzten Jahren sehr
gehoben. Während der Indiensthaltung der großen Flotte im Sommer 1673
aufs neue verboten, wurde das Auslaufen der Kaper im Herbst auch wieder
erlaubt.
In =Indien= gelang es den Holländern, den Fortschritten der Franzosen
wirksam entgegenzutreten. In =Westindien= griff 1673 ein kleines
Geschwader, freilich ohne dauernden Erfolg, englische und französische
Niederlassungen an. =New York= wurde den Engländern entrissen, diese
nahmen die damals noch unwichtige Insel Tabago; die beiden Eroberungen
wurden beim Friedensschluß zurückgegeben. Dagegen behielten die
Engländer =St. Helena= als wichtigen Stützpunkt gegen die holländische
Kapkolonie und für den Weg nach Indien. Die Insel war ursprünglich von
Holland besetzt, fiel 1657 an England, wurde 1672 von Holland, aber schon
1673 wieder von England erobert (vgl. über Kolonien auch Kapitel XII).
$Der weitere Verlauf des Krieges bis zum Frieden mit England$
(Westminster 19. Februar 1674) bringt keine wichtigen Ereignisse zur See
mehr. Die holländische Flotte wurde schleunigst wieder schlagfertig
gemacht und während dieser Zeit der Feind stets beobachtet. Erkundungen
und Nachrichten von Kauffahrern ergaben, daß die verbündete Flotte
infolge stürmischen Wetters und Gegenwindes erst Anfang September in die
Themse eingelaufen sei, später, daß die englische Flotte abrüste und die
französische nach ihren Häfen abgegangen wäre. In Holland beabsichtigte
man zuerst, sobald als möglich in See zu gehen und den Convoi auf der
Doggerbank zu erwarten; als man dann aber vermutete, dieser sei mehr oder
weniger versprengt, wurde beschlossen, die Flotte vor die Themse zu
senden, um so die einzeln zurückkehrenden Indienfahrer besser schützen zu
können und zugleich dem Gegner und Europa zu zeigen, daß man schlagfertig
geblieben sei.
Ruyter ging am 12. September in See, aber beständig stürmisches Wetter
hinderte die Ausführung des Planes; die Flotte wurde mehrmals versprengt.
Am 22. September wurde sie aufgelöst und der Winterdienst eingesetzt,
dagegen gab man jetzt die Kaperei frei. Die einlaufenden Kriegsschiffe
wurden mit Jubel und Ehren begrüßt; Ruyter und verschiedene Admirale
erhielten Dotationen. Die Marine hatte aber auch ihre Pflicht getan; der
=Landkrieg= mit Frankreich nahm jetzt eine andere Wendung, da die Truppen
von der Küste und auch Mannschaften von der Flotte frei wurden. Wenn er
auch noch vier Jahre dauern sollte, so waren doch die Niederlande bald
nicht mehr der Schauplatz.
=Oranien eroberte= Naarden am Zuidersee (12. September); wie Muyden
wichtig war zum Halten der durch die Überschwemmung geschaffenen
Defensivstellung, so war es Naarden zu Offensivunternehmungen, die
jetzt von hier aus ins Werk gesetzt wurden. Die Franzosen hielten nicht
lange mehr stand, sie waren auch sonst bedroht. Infolge ihres
Auftretens im Deutschen Reich, Verletzung der Neutralität in
verschiedenen Gebieten, mußte der Kaiser endlich Ernst machen und auch
Spanien raffte sich auf; um noch rechtzeitig seine Niederlande vor der
Eroberungspolitik Ludwigs XIV. zu sichern. Der =Kaiser= und =Spanien=
schlossen am 30. August 1673 ein =Bündnis mit Holland=.
Ludwig versuchte jetzt unter milderen Bedingungen mit der Republik
Frieden zu schließen und gab seine Pläne hier vorläufig auf, um den
Krieg mit dem Hause Österreich in Deutschland und Spanien durchführen
zu können; Holland weigerte sich.
Montecuculi kam den Rhein herab, um Oranien die Hand zu reichen; dieser
drang nach Belgien ein und vereinigte sich, durch ein spanisches Korps
verstärkt, bei Andernach mit den Österreichern. Gemeinschaftlich
eroberten sie Bonn (12. November) und mehrere Festungen am Unterrhein;
sie drohten so, den Franzosen den Rückzug abzuschneiden. Ludwig XIV.
gab deshalb auf Rat Turennes die gefährliche vorgeschobene Stellung in
den Niederlanden auf, seine Truppen räumten schleunigst die Provinzen
Utrecht und Geldern -- nicht ohne diese noch gründlich zu
brandschatzen; Marschall Luxembourg brachte nur mit Mühe seine Armee
an Montecuculi und Oranien vorbei in Sicherheit. Auch die Bischöfe
räumten Oberyssel; =das Gebiet der Niederlande war frei vom Feinde=.
Der =Krieg mit England=, und damit der eigentliche Seekrieg, kam bald =zu
Ende=. Von Holland angeknüpfte Verhandlungen wurden von Spanien
unterstützt. Dieses drohte bei weiterem Kriege sein friedliches
Verhältnis mit England abzubrechen; wenn man nun hier auch diesen Gegner
nicht hoch einschätzte, so fürchtete man doch, daß dadurch dann der
eigene blühende Handel mit Spanien den Niederlanden zufallen würde. Aber
auch sonst war schon länger, wie bereits angedeutet, die Volksstimmung
für die Holländer und gegen die Franzosen. Jene hatten sich als brave und
tüchtige Gegner die Sympathie erworben, diese waren mindestens
unzuverlässige Verbündete gewesen; außerdem regte sich immer mehr der
protestantische Geist und das Mißtrauen gegen den König und seine Partei
mit ihren Plänen hinsichtlich der inneren Politik. Endlich fürchtete man
einen neuen Wettbewerb des Seehandels Frankreichs, dessen Aufblühen durch
zu großes Schwächen der Republik begünstigt werden würde, mehr als den
alten mit Holland. Als Karl II. im Januar 1674 neue Mittel für Rüstungen
verlangte: »nur um dadurch den Frieden schneller herbeizuführen«,
erwiderte das Haus der Gemeinen einstimmig, es würde nur dann Gelder
bewilligen, wenn Holland billige Friedensbedingungen ausschlüge. In
Holland hatte man zwar für das Jahr 1674 die Ausrüstung einer sehr
starken Flotte -- 84 Schlachtschiffe über 40 Kanonen usw. -- beschlossen,
was wohl auch einen Druck auf Beschleunigung der Verhandlungen ausüben
sollte und auch ausübte, man war aber doch sehr zum Nachgeben bereit. So
mußte auch Karl sich fügen und am 19. Februar 1674 wurde der =Frieden in
Westminster= geschlossen.
Wie viel Holland am Frieden lag, zeigen die =Bedingungen=, die immer noch
sehr günstig für England waren, wenn sie auch bei weitem nicht den von
Karl früher geforderten entsprachen: Holland mußte auf für England
vorteilhafte Vereinbarungen über den Handel in Ostindien eingehen und die
während des Krieges wiedergenommene Kolonie New York (von nun ab für
immer) zurückgeben; 2 Millionen Gulden an Karl zahlen und vor allem das
Flaggenrecht in ausgedehntem Maße anerkennen. Sogar die in England
geworbenen Regimenter blieben beim französischen Heere; sie wurden nur
auf den Aussterbe-Etat gesetzt, ihre Mannschaft durfte nicht weiter
ergänzt werden.
=Das Flaggenrecht= wurde strenger und genauer festgesetzt. Der
Flaggengruß (Seite 229) wurde jetzt von allen holländischen
Kauffahrern, Kriegsschiffen und Flotten jedem englischen
Kriegsfahrzeuge gegenüber in den englischen Gewässern verlangt. Da der
Umfang dieses Machtbereichs in den früheren Verträgen unerörtert
geblieben war, wurde er jetzt auf das uns bekannte weite Gebiet (Seite
189) festgesetzt. Auch wurde jetzt besonders betont, daß Holland damit
Englands Vorherrschaft zur See anerkenne, während nach dem zweiten
Kriege gesagt war, der Gruß gelte der »Majestät« des Königs.
So endete der für lange Zeit letzte Krieg zwischen England und Holland.
Die Beziehungen der beiden hartnäckigen Gegner wurden bald noch inniger
durch Abschluß eines Handelsvertrages (Dezember 1674) und durch die
Verheiratung =Wilhelms von Oranien= mit =Maria= von York, der ältesten
Tochter des späteren Königs Jakob II. Infolge dieser Heirat wurde
Oranien, schon durch seine Mutter ein Enkel Karls II., neben Maria König
von England (1688).
Mit dem Frieden zwischen England und Holland hört der weitere Krieg
Frankreichs und Hollands auf, ein großer Seekrieg zu sein. Diese beiden
Länder führten jetzt vorwiegend einen Landkrieg. Zusammenstöße zur See
fanden fast nur in fernen Gewässern statt; sie sollen unter »Kolonien«
(Kapitel XII) oder unter »Nebenkriegen« (im nächsten Kapitel;
insbesondere Ruyters letztes Auftreten bei Stromboli und Agosta)
angeführt werden. Der weitere Krieg brachte aber England noch
unmittelbar große Vorteile, da ihm während seiner Dauer der europäische
Zwischenhandel Hollands größtenteils zufiel.
$Bemerkenswertes im dritten Kriege.$[201] Beim =Material= ist zwar keine
große Änderung in der Anzahl der Schiffe eingetreten, aber es sind doch
Fortschritte zu verzeichnen. Auf beiden Seiten hat sich die =Vertretung
der Klassen= in der Gesamtzahl der Schiffe nicht unbedeutend verschoben.
Die Hauptkraft der Engländer liegt jetzt in Schiffen von 50-60 Kanonen
und in den ganz schweren über 80 Kanonen. Die alte Überlegenheit der
englischen Flotte in ihrer Bestückung ist durch die Vermehrung dieser
schwersten Schiffe noch gewachsen, da diese auch das schwerste Kaliber
führen, das Holland gar nicht besitzt. Die Hauptkraft der Holländer liegt
in Schiffen von 60-70 Kanonen, die aber, wie wir wissen, artilleristisch
nicht viel mächtiger als englische 50-60 Kanonen-Schiffe sind; die
Franzosen haben bei der Gründung ihrer Marine besonders 60-70
Kanonen-Schiffe und solche über 80 Kanonen gebaut -- diese letzteren
treten allerdings nicht auf. Wir rechnen zwar zu den Schlachtschiffen
noch immer alle Schiffe über 40 Kanonen, aber die zu 40-50 Kanonen haben
bei Engländern und Holländern in den Flotten sehr abgenommen, bei den
Franzosen sind sie überhaupt nicht vorhanden. Dagegen ist die Zahl der
Schiffe mit 20-40 Kanonen -- bei den Holländern und Franzosen schon
ausdrücklich »Fregatten« genannt -- nicht zurückgegangen, die der noch
kleineren (in Holland Advisjachten genannt; von 1674 an werden statt
ihrer meist »Snauwen« erwähnt: Fahrzeuge mit 8 Kanonen, 36 Mann,
Kuttertakelage) ist sogar wesentlich gestiegen. Man ersieht daraus, das
einerseits von dem Schlachtschiff (Linienschiff) immer mehr Gefechtskraft
verlangt wird -- die Linie wird dadurch mächtiger und auch schon etwas
kürzer --, daß anderseits dem Aufklärungs- und Meldedienst mehr Wert
beigelegt wird.
[201] Jurien de la Gravière sagt in einem seiner Werke: in den
holländisch-englischen Kriegen werden die stehenden Marinen
geboren; Colomb führt aus, daß erst in diesen Kriegen eine
Kriegführung um die Beherrschung der See auftritt. In unseren
Betrachtungen über die Entwicklung der Seestreitkräfte und in den
Schlußbetrachtungen zu den ersten beiden Kriegen haben wir
gesehen, wie zutreffend diese Aussprüche sind; der dritte und
letzte englisch-holländische Krieg zeigt gleichfalls große
Fortschritte im Seekriegswesen.
Wir haben früher gesagt (Seite 168 u. 171), der Fortschritt in der
=Artillerie= läge in der Zeit des dritten Abschnittes mehr in der
planmäßigen Bestückung der Schiffe als in der Verbesserung der Waffe
selbst. Im dritten Kriege haben wir nun die auffallende Erscheinung, daß
trotz schärfster Aktionen in nächster Nähe der Verlust an Schiffen weit
geringer ist als in den beiden ersten Kriegen; die Artillerie muß also
mit dem Fortschritt im =Schiffbau= nicht Schritt gehalten haben. Ein
Hauptfortschritt im Schiffbau ist in diesem Zeitabschnitt ja ebenfalls
die Durchführung einer Klasseneinteilung, aber die Schiffe selbst wurden
doch auch besser gebaut. Die Möglichkeit, taktische Manöver besser
durchzuführen, spricht ferner für größere Segelfähigkeit der Schiffe;
endlich ist es nicht unwahrscheinlich, daß, wenn die Winterruhen noch
immer lange innegehalten werden, dieses mehr eine Folge alten Brauches
als der ungenügenden Seefähigkeit der Schiffe ist.
Sehr bedeutend ist die Zahl der =Brander= gewachsen. Es werden größere
Angriffe mit dieser Waffe geplant (Solebay; erste Schlacht bei
Schooneveld), deren Erfolge allerdings durch die Umstände vereitelt
werden. Es ist überhaupt bemerkenswert, daß ihre Leistungen gegen den
zweiten Krieg zurücktreten; es ist den Schlachtschiffen leichter
geworden, ihnen auszuweichen und sie abzuschlagen (Seite 188).
Über die Bewertung des =Personals= zur Zeit dieses Krieges ist bereits
bei Betrachtung der Streitmittel (Seite 313 u. 317) gesprochen; das
Wichtigste wird in nachstehendem nochmals mit hervorgehoben werden.
Was nach dem zweiten Kriege über den Fortschritt in der =Taktik= gesagt
ist, trifft in erhöhtem Maße für den dritten zu: das Bestreben, die
Kiellinie beim Winde aus Einzelschiffen zu bilden, diese Linie gut
geordnet und eng aufgeschlossen zu erhalten, die Geschwader zusammen zu
behalten und die ganze Flotte einheitlich zu leiten; die Melee wird
vermieden oder doch, wenn schon eingetreten, wieder entwirrt und die
Ordnung hergestellt, um dann zu neuem Kampfe überzugehen. Die Holländer
sind jetzt in der Durchführung dieser Grundsätze, in der
Gefechtsdisziplin überhaupt, den Engländern gleichwertig, ja überlegen;
wenn in den Schlachten getrennte Geschwaderkämpfe eintreten, so ist es
bis auf einen Fall (Tromp, 7. Juni 1673) die Schuld der Geschwaderchefs
der Verbündeten (Solebay, Texel). Dieser Fortschritt auf seiten der
Holländer ist unbedingt das =Verdienst Ruyters=; er gebot ja auch von
allen Führern dieser Zeit über die größte Erfahrung. Von Jugend auf als
Seemann erzogen und durch alle Dienstgrade gelaufen, war er stets im
Kriegsdienste tätig gewesen und hatte die ganze Entwicklung der bis jetzt
geschaffenen Taktik in den letzten Kriegen als Divisions-, Geschwader-
und Flottenchef durchgemacht. So ist denn =Ruyters Taktik= als der
höchste Stand der Taktik jener Zeit anzusehen, und es ist wohl wert, ihre
Hauptgrundsätze nochmals hervorzuheben. Ruyter bringt seine Flotte nicht
mehr ungestüm nur zum Schlagen an den Feind; er bereitet seine Schlachten
bedächtig vor und führt sie dann planmäßig und doch energisch durch; der
Überfall bei Solebay und die drei rangierten Schlachten des Jahres 1673
liefern gleichmäßig die Beweise hiervon.
Der Überfall bei Solebay glückte infolge guter Beobachtung des Feindes
und vorzüglicher taktischer Navigierung, er würde unter günstigeren
Windverhältnissen noch weit verhängnisvoller für den Feind geworden
sein; dadurch, daß Ruyter die Franzosen nur beschäftigte, war er
imstande, dem gefährlicheren Gegner kräftig entgegenzutreten.
In der ersten Schlacht bei Schooneveld wartet Ruyter kampfbereit den
Angriff ab und benutzt dann einen günstigen Augenblick zum
energischsten Gegenstoß auf den weit überlegenen Feind. Mit seinem
eigenen Geschwader den Franzosen gegenüber erfolgreich, nützt er dies
nicht aus, sondern entsetzt nacheinander seine beiden weniger
glücklichen Geschwader, ordnet die Flotte wieder, bricht ab, als er
seinen Zweck erreicht hat und -- seinem strategischen Plane
entsprechend -- nichts mehr aufs Spiel setzen will. In der zweiten
Schlacht bei Schooneveld greift er unter den günstigeren Verhältnissen
und überraschend an. Die Art, wie der Feind den Angriff aufnimmt --
unter beständigem Ausweichen -- würde in früheren Zeiten sicher zu
einer Lockerung der holländischen Ordnung geführt haben. Ruyter aber
hält jetzt die Flotte zusammen, bricht wieder ab, als es ihm passend
erscheint, bleibt aber völlig kampfbereit. Möglich sogar, daß er
überhaupt nicht entscheidend kämpfen wollte, um seine Flotte unversehrt
zu erhalten; er erreichte dennoch seinen strategischen Zweck.
Die Schlacht bei Texel ist sein Meisterstück zu nennen. Hier benützt er
seine Stellung unter der eigenen Küste nicht nur, wie vor dem Eintreten
in die vorhergegangenen Schlachten, zum Schutz, sondern auch dazu, den
Feind auszumanövrieren und dann aus günstiger Windstellung anzugreifen.
Wieder beschäftigt er nur durch Bankers die Franzosen, erringt selbst
durch Abschneiden eines feindlichen Teiles großen Erfolg und bricht
endlich wiederum in vollster Ordnung ab, als er seinen Zweck erreicht
hat.
Gleich hier sei hingewiesen auf Ruyters letztes Auftreten im
Mittelmeer. Dort liefert er uns noch ein für die Geschichte der
Seetaktik höchst bemerkenswertes Beispiel (vgl. Seite 378/79).
Unterstützt wurde Ruyter bei der Durchführung seiner Taktik dadurch, daß
die Unterführer und Kommandanten in diesem Kriege seinen Befehlen und
Absichten folgten. Aber auch dies ist ein Verdienst seiner Erziehung und
seines Vorbildes; er hatte für Stärkung der Disziplin und Einbürgerung
eines gesunden militärischen Geistes in der holländischen Marine gesorgt.
Sein vorgeschrittener militärischer Standpunkt ist schließlich noch
daraus zu erkennen, daß er bei der Indienststellung 1673 »lieber weniger,
aber gute Schiffe« haben wollte.
Begünstigt wurden seine Erfolge allerdings durch die =Fehler der
feindlichen Führer= und durch den schlechteren Zustand der verbündeten
Flotten in mancher Hinsicht; diese Fehler und Mängel, sowie ihre
wahrscheinlichen Ursachen haben wir bei den Schilderungen bereits
genügend hervorgehoben. Gefochten haben die Engländer mit ihrer alten
Bravour, wie die Holländer es früher getan, als sie im inneren Wert und
in der Taktik unterlegen waren. Die Gegner hatten eben die Rollen
gewechselt; York und Rupert, sonst schneidige Männer und tüchtige
Seeleute, waren keine Blakes, Moncks und Ruyters, der innere Wert der
englischen Marine war gesunken, der der holländischen gestiegen -- diese
stand 1673 auf ihrem Höhepunkt.
Es führt uns dies nochmals auf das =Verhalten der Franzosen=, auf den
allgemein verbreiteten Verdacht, daß d'Estrées seine Flotte auf Befehl
geschont habe. Beweise dafür sind nicht vorhanden. Etwaige Befehle
müßten streng geheim gewesen und vernichtet sein; die vorhandenen weisen
im Gegenteil alle auf tapferes Fechten hin.
Es ist ja möglich, daß Ludwig XIV. im Jahre 1673 dem Bündnis mit
England nicht mehr recht traute; von verschiedenen Seiten ging ihm die
Warnung zu, daß in England nur noch der König und sein Hof daran
hingen. Aber immer bleibt es schwer, anzunehmen, daß ein Kriegsherr
seinem Admiral und seiner Flotte zumuten könnte, eine solche Rolle zu
spielen. Jedoch sagt selbst ein französischer Autor (Troude), in der
Untersuchung des Streites d'Estrées' gegen Martel habe jener zu
verstehen gegeben, daß der König gewünscht habe, »seine Flotte erhalten
zu sehen und den Engländern nicht zu sehr zu trauen.« Wie volkstümlich
diese Ansicht war, zeigt ein Gespräch holländischer Matrosen. Als
einige dieser bei Texel ihre Verwunderung aussprachen, daß die
Franzosen den Engländern nicht zu Hilfe kamen, sagt ein anderer: »Ihr
Narren! Sie haben die Engländer geheuert, für sie zu fechten; ihr
ganzes Geschäft hier ist, zu sehen, daß sie auf ihre Kosten kommen.«
Die französischen Schriftsteller, die die Ausgabe solcher Geheimbefehle
bestreiten, schieben das eigentümliche Verhalten ihrer Flotte in beiden
Jahren auf die mangelnde Erfahrung ihrer Offiziere im Flotten- und
Geschwaderkampf, insbesondere auf die Unfähigkeit d'Estrées' in dieser
Hinsicht und auf seine Unzugänglichkeit für Ratschläge erfahrenerer
Untergebener. Dem sei nun wie ihm wolle, immerhin werden wir auf zwei
wichtige Punkte hingewiesen; zunächst auf ein =neues Verdienst Ruyters=.
Im Bericht über die mehrfach erwähnte Untersuchung gegen Martel sagt der
Intendant von Brest: »Man konnte glauben, daß Ruyter sich in allen diesen
Schlachten nie die Mühe gab, das französische Geschwader anzugreifen, und
daß er bei Texel 10 Schiffe lediglich zu dessen Beschäftigung abgeschickt
habe.« Ruyter hat dann also diesen Gegner richtig eingeschätzt, dessen
Untüchtigkeit oder Unzuverlässigkeit erkannt und seinen Nutzen daraus
gezogen; eine wichtige Eigenschaft für einen höheren Führer.
Das Benehmen der Franzosen deckt ferner eine $Schwäche der Bündnisse$
auf. Augenblickliche politische Interessen können zwei Staaten zu
Verbündeten in einem Kriege machen. Dabei kann aber bei ihnen eine für
die Waffenbrüderschaft gefährliche Abneigung gegeneinander bestehen, und
es kann politische Eifersucht dahin führen, daß einer von ihnen die
völlige Niederwerfung des gemeinschaftlichen Gegners sowie zu große
Erfolge seines Verbündeten gar nicht wünscht. Man ist also nicht sicher,
ob und wie weit der Bundesgenosse dasselbe Ziel -- in der Schlacht wie im
Kriege überhaupt -- verfolgt, ob er bereit ist, das Gleiche einzusetzen.
Es ist dieses in erster Linie ein Punkt politischer, also gewissermaßen
strategischer Natur und den Bündnissen für Land- wie für Seekriege in
gleicher Weise eigentümlich.
Den =Bündnissen zur See= haftet aber noch eine andere Schwäche in
taktischer Beziehung an. Wenn in einer Landschlacht verbündete
Streitkräfte auftreten, so spielen die Verschiedenheit und ein ungleicher
Grad der Ausbildung, die Schwierigkeit gegenseitiger Verständigung keine
so große Rolle wie zur See; den verschiedenen Truppenkörpern können
verschiedene Aufgaben, wenn auch unter gemeinschaftlichem Oberbefehl und
aneinander anlehnend, gestellt werden; sie schlagen dann bis zu einem
gewissen Grade getrennte Schlachten. Anders zur See; strategisch können
natürlich verbündete Flotten auch hier miteinander arbeiten, taktisch
kaum. Hier ist, bei der Schlacht im offenen Meere wenigstens, nur ein
Schlachtfeld; die ganze Streitmacht muß in einer Hand bleiben, kann
taktisch nur gemeinsam verwendet werden. Da werden sich Verschiedenheit
in Art und Stand der Ausbildung und in formaler Taktik, die Schwierigkeit
der Befehlsübermittlung durch ein bisher nicht gemeinschaftliches
Signalsystem, der Mangel am gemeinsamen Üben taktischer Bewegungen sehr
fühlbar machen; die vorhin angeführten gefährlichen Einflüsse moralischer
oder politischer Natur werden gleichfalls schwerer wiegend einwirken. --
Der zweite und der dritte englisch-holländische Krieg lassen die Schwäche
von Bündnissen zur See in allen diesen Hinsichten klar erkennen.
$Über Strategie.$[202] Im ersten holländisch-englischen Kriege griffen
die Engländer den holländischen Handel an; zunächst, indem sie den
Convois auflauerten, später als der Gegner erlahmte, indem sie schon
seine Küsten blockierten; die Schlachten entspannen sich um Convois oder
bei den Versuchen, für diese den Weg freizumachen. Im zweiten Kriege
hatten die Holländer den Handel gänzlich eingestellt, da sie die
Unmöglichkeit, ihn genügend zu schützen, erkannt hatten. Das Bestreben
beider Parteien ging dahin, die Seeherrschaft zu erringen; erst wenn dies
gelungen -- sei es durch siegreiche Schlachten, sei es durch freiwillige
Aufgabe seitens des Gegners --, suchte man den Feind durch größere
Angriffe auf Handel oder Küstenplätze und durch Blockaden zu schädigen.
Im dritten Kriege aber beabsichtigten die Verbündeten, den Feind, der zu
Lande von allen Seiten bedroht war, auch von seiner Küste her mit großer
Truppenmacht anzugreifen. Die Durchführung dieser Absicht war einerseits
für die Angreifer viel schwieriger, der Angegriffene anderseits sah sich
in weit größerem Maße bedroht als in den früheren Kriegen; der Kampf um
die Herrschaft auf den trennenden Gewässern war deshalb noch wichtiger
als bisher. Die Seestreitkräfte der Verbündeten hatten den Weg über See
zur sicheren Überführung und ungestörten Landung der Invasionsarmee
völlig und dauernd freizumachen; die Holländer, infolge ihrer schwächeren
Flotte in die Defensive gedrängt, mußten dahin streben, bei aller Energie
im Kampfe um die Seeherrschaft doch ihre Seestreitkräfte möglichst
unversehrt zu erhalten, um sie stets im äußersten Falle -- bei der
Landung -- noch mit Erfolg einsetzen zu können.
[202] Anschließend an Seite 231 und Seite 300. Plan des
Kriegsschauplatzes Seite 301. -- Colomb bespricht (Kapitel IV)
den Krieg nach folgender Disposition: die Erfahrung hat gelehrt,
daß der größere Handel von einer dem Gegner nur gleichen Flotte
nicht geschützt werden kann; Holland verbietet wieder den Handel,
bis eine größere Stärke erreicht ist. Der unmittelbare Kampf um
die Seeherrschaft wird bei Solebay wieder aufgenommen. Es ist
unnütz, Landungen vorzubereiten, ehe die feindliche Flotte
vertrieben ist; das Einschiffen von Truppen seitens der
Verbündeten war nutzlos.
Der Strategie auf beiden Seiten war also eine bedeutende Aufgabe
gestellt. Diese wurde von der holländischen Marine trotz der sonstigen
Schwierigkeiten, mit der sie zu kämpfen hatte, glänzend gelöst, wie denn
die holländische Kriegführung überhaupt die einsichtsvollere war. Um eine
größere Armee sicher an der feindlichen Küste zu landen, war es für die
Angreifer nötig, die feindliche Flotte unschädlich zu machen; es war dies
möglich: durch Abziehen derselben von der Küste; durch Festhalten an
einem Punkte; durch Vernichtung. Es ist nichts davon gelungen. Der Feind
ließ sich nicht weglocken, obgleich der Versuch dazu in beiden
Kriegsjahren gemacht wurde; er ließ sich auch nicht verleiten, unter
ungünstigen Umständen zu fechten; ihn trotzdem zu vernichten, war die
Kriegführung der Angreifer nicht energisch genug, und, ihn an einem Orte
dauernd festzuhalten, waren sie nicht stark genug. Diese beiden letzten
Punkte sind die wichtigen bei Beurteilung der =Kriegführung seitens der
Verbündeten=, denn sie lagen in ihrer Hand; sie hängen außerdem eng
miteinander zusammen.
Von den vereinigten Mächten muß man annehmen, daß sie imstande gewesen,
bedeutend stärkere Seestreitkräfte aufzustellen. Die englische Flotte
allein hätte der Hollands überlegen sein können; aber sie war
vernachlässigt, und man benutzte hier die Bundesgenossenschaft
Frankreichs nicht zur Erlangung einer wuchtigen Übermacht, sondern zum
Sparen an Rüstungen. Auch Frankreich besaß schon im Material eine gleich
starke Marine, aber sie war entweder noch nicht schlagfertig, oder man
hatte »andere Gründe«, ihre Kraft nicht voll zu entfalten; vielleicht
sprach beides zusammen.
Ich verweise hierbei auf das, was Seite 356 über die =Schwäche von
Bündnissen= gesagt ist. Ein Beweis, daß England (der König) die
Bundesgenossenschaft Frankreichs zum Sparen an den eigenen Rüstungen
benutzte, dürfte darin zu finden sein, daß Holland mit diesem Umstande
rechnete: Es faßte den Beschluß zu größeren Rüstungen 1673 »geheim«, um
England zu verleiten, auch weniger zu rüsten. England überschätzte dann
den Wert des Bündnisses, anstatt sich auf eigene Kraft zu verlassen.
Die »anderen Gründe«, weshalb Frankreich nicht stärker zur See auftrat,
sind dagegen Beispiele zu der Behauptung von der Schwäche der Bündnisse
in politischer und strategischer Hinsicht; man wollte die eigene Flotte
schonen, die beiden Nebenbuhler um die Seeherrschaft im großen Sinne
sich gegenseitig schwächen lassen.
Wenn nun von Seiten der Verbündeten die Rüstungen nicht bis zum höchsten
Maße betrieben wurden, so läßt dies darauf schließen, daß man den Feind
oder die Schwierigkeit der Aufgabe unterschätzte. Mit einer gemeinsamen
Flotte noch einmal so stark als die holländische hätte man versuchen
können, den Feind festzuhalten und dennoch gleichzeitig die Truppen unter
genügender Bedeckung hinüberzuführen und zu landen; nach der
notgedrungenen Herabsetzung der holländischen Flotte im Juli 1672 wären
die Verbündeten aber imstande gewesen, mit einer noch weit bedeutenderen
Übermacht aufzutreten. Infolge der ungenügenden Rüstungen aber war es
notwendig, als ein Ablocken von der Küste nicht gelang, sogar das
Blockieren der feindlichen Flotte aufzugeben, um sie durch
Demonstrationen an anderen Orten wenigstens zum Verlassen ihrer sicheren
Stellung und zum Folgen längs der Küste zu zwingen (1673).
Eine Unterschätzung der Schwierigkeit der Aufgabe ist auch darin zu
erkennen, daß man Juni 1673 und, trotz übler Erfahrung, auch im Juli
die Flotte selbst mit Anbordnahme von Landungstruppen belästigte. Es
erinnert dies an die alte Kriegführung -- handstreichartige Einfälle in
Feindesland ohne höheren Zweck als Brandschatzung --, während Holland
schon bei seinem Zuge 1667 gegen Themse und Medway die zur Landung
bestimmten Truppen nur auf besonderen Fahrzeugen einschiffte.
Tatkraft vermißt man aber auch bei der Kriegführung selbst. In beiden
Jahren zeigt sich, daß man mit Recht eine Landung für untunlich hielt,
solange die feindliche Flotte unversehrt an der Küste stand. Dachte man
nun ernstlich an eine Landung, so mußte auch schärfer vorgegangen werden,
sobald sich gezeigt hatte, daß sich der Feind nicht zum Schlagen von der
Küste abziehen ließ. Aber nur einmal (Schooneveld, 7. Juni 1673) ist der
Versuch gemacht, diesen in seiner geschützten Stellung anzugreifen; nach
dem Fehlschlagen wird der Versuch nicht etwa gleich wiederholt, man läßt
sich sogar selbst überraschen (Schooneveld, 14. Juni). Mangel an Energie
zeigt sich endlich darin, daß die verbündeten Flotten in beiden Jahren
erst spät auftraten und nach Mißerfolgen stets längere Zeit, endlich
sogar ganz, von der See verschwanden; die wahrscheinlichen Gründe hierfür
sind im Laufe der Schilderung des Krieges angeführt.
=Die Kriegführung der Holländer= zeigt sich in einem ganz anderen Lichte;
sie ist weit tatkräftiger und dabei planmäßig während des ganzen Krieges.
Durch alle Verhältnisse zur Defensive gezwungen, verlieren doch die
Leiter -- de Witt und Ruyter; Oranien und Ruyter -- nicht aus dem Auge,
welche Vorteile zuvorkommende Offensivstöße haben können.
Im Jahre 1672 wird versucht, die Ausrüstung der Engländer in ihren Häfen
zu stören oder sie wenigstens vor ihrer Vereinigung mit den Franzosen zu
schlagen, später beabsichtigt man, ähnlich wie im letzten Kriege gegen
die Themse vorzugehen; 1673 will man die Themse durch versenkte Schiffe
sperren. Alle diese, strategisch so richtigen Pläne konnten leider nicht
durchgeführt werden, da die Flotte nicht rechtzeitig fertig wurde; auch
den größten Bemühungen der leitenden Personen war es nicht gelungen, die
Schwierigkeiten zu überwinden, die sich infolge des Mangels an
Zentralisation in der Marineverwaltung und des Streites der Parteien im
Lande einer schnelleren Ausrüstung entgegenstellten.
Ein glücklicher Schlag 1672 gegen die englische Flotte in ihren
Gewässern vor Ankunft der Franzosen würde wahrscheinlich den Verlauf
des ganzen Krieges wesentlich beeinflußt haben, wenn man nach seiner
späteren Geschichte urteilen darf: England wäre wohl frühzeitig zum
Frieden geneigt gewesen; Frankreich hätte dann allein zur See kaum
etwas unternommen, wie wir es nach 1674 sehen werden; Holland hätte
alle Mittel für den Landkrieg frei, die Küsten und damit seine
Lebenskraftquelle offen gehabt.
Aber der Wachsamkeit, der Umsicht und der Tatkraft Ruyters gelingt es
doch, im Jahre 1672 den Feind bei Solebay zu überraschen und dadurch
Holland zur Zeit der höchsten Not von der Gefahr einer Landung zu
befreien.
Nach den Offensivstößen führt dann in beiden Jahren Ruyter meisterhaft
eine offensive Küstenverteidigung durch. Den Feind scharf beobachtend,
liegt er an seiner Küste auf Wassertiefen, in denen dieser ihn nicht
anzugreifen wagt; er läßt sich nicht herauslocken, bricht aber hervor,
sobald die Umstände günstig sind. Im Jahre 1672 genügt seine
Anwesenheit, den Feind von ernsten Unternehmungen gegen die Küste
abzuhalten, obgleich Holland genötigt war, seine Flotte zu vermindern, um
Mannschaften und Kriegsmaterial für den Landkrieg freizumachen.
Frühzeitig gehen die Verbündeten in englische Häfen zurück und Ruyter
gelingt es, einen Convoi Ostindienfahrer aus der Nordsee heimzuholen. Im
Jahre 1673 vertreibt er, rechtzeitig von seinem Stützpunkte aus
vorbrechend, durch die Schlachten bei Schooneveld den Feind von den
Küsten; er folgt aber nie weiter, als sein Plan, die flacheren Gewässer
taktisch und strategisch auszunutzen, erlaubt.
Daß er diesen Plan für den einzig richtigen hielt, zeigt sich auch
sonst bei verschiedenen Gelegenheiten: Nur auf Drängen de Witts
unternimmt er 1672 noch nach der Vereinigung der feindlichen Flotten
den Vorstoß in die Themse; er setzt dabei aber nicht die ganze Flotte,
sondern nur ein kleines Geschwader unter Ghent ein. Ebenso fanden auch
die Vorschläge -- November 1672 und Ende Juni 1673; wahrscheinlich von
Befehlshabern der Armee ausgegangen --, gegen einen französischen Hafen
zu operieren, nicht seine Zustimmung.
Stets geht Ruyters Bestreben dahin, die Flotte zum unmittelbaren Schutz
der Küste unversehrt zu halten. Selbst als im Juli 1673 die Gefahr einer
Landung sehr ernst wird -- eine »Armee« steht in England bereit -- will
er nur schlagen, wenn diese wirklich ausgeführt werden sollte; sein
schlagfertiges Bereitliegen läßt Zeit gewinnen, die Küsten in
Verteidigungszustand zu setzen. Erst als es sich gleichzeitig darum
handelt, die Küste für das Einlaufen des großen Convois -- wichtig für
die Weiterführung des Krieges -- freizumachen, ist er bereit, die Flotte
einzusetzen. Er führt diese nun mit größter Vorsicht heran, benutzt
meisterhaft die taktischen Vorteile, die ihm seine Stellung unter der
Küste bietet, und vertreibt durch die Schlacht bei Texel den Feind
endgültig von der See.
Einen weiteren Fortschritt in der Kriegführung der Holländer, der
wesentlich zur erfolgreichen Durchführung ihrer Strategie beitrug, zeigt
der =vervollkommnete Aufklärungsdienst= (übrigens auch von den Engländern
mehr als bisher gepflegt). Durch Agenten und Erkundungen ist man über den
Stand der feindlichen Rüstungen unterrichtet; während des ganzen Krieges,
besonders auch gleich nach jeder Schlacht, sind Aufklärungsschiffe oder
kleinere Geschwader am Feinde, um seine Bewegungen zu beobachten. Die
Holländer waren so vor Überraschungen sicher, konnten selbst überraschend
auftreten (Schooneveld II; Solebay) und waren imstande, Demonstrationen
an der feindlichen Küste zu unternehmen, wenn der Gegner die See geräumt
hatte. Diese Beunruhigungen sowie der Beschluß zur Ausrüstung einer sehr
starken Flotte für 1674, obgleich schon Friedensunterhandlungen mit
England schwebten, zeigen auch die energischere Kriegführung des
schwächeren Hollands und haben zur Beschleunigung des Friedensschlusses
beigetragen.
Auch =im kleinen Kriege= war Holland im Vorteil. Sein Handel war in
Gewässern, in denen er gefährdet war, eingestellt; seine Kaper machten
reiche Beute. Daß in beiden Jahren die wertvollen Ostindienconvois nach
siegreichen Schlachten glücklich einkamen, ist ein lehrreicher Beitrag
zur Beurteilung des Kreuzerkrieges (vgl. Seite 305).
$Eine Zusammenstellung der Hauptereignisse$ möge vorstehende
Betrachtungen belegen und nochmals veranschaulichen, in welcher
ruhmreichen und wirkungsvollen Weise die holländische Marine unter
schwierigen Verhältnissen in den Krieg eingegriffen hat:
Frühjahr $1672$ Krieg mit Frankreich und England unvermeidlich, dennoch
nur die Indienststellung von 40 Schiffen beschlossen. 23. März greifen
die Engländer den Smyrnaconvoi an; nun Ausrüstung von 96 Schiffen
angeordnet, aber die Ausführung, außer in der Provinz Holland,
saumselig; 7. April Kriegserklärung.
15. Mai Ruyter an der englischen Küste; zurück, da die feindlichen
Flotten schon vereinigt; 23. Mai Ruyter vor der Themse; nach Ghents
Vorstoß, auf Wunsch de Witts unternommen, zurück. 29.-31. Mai
vergebliche Versuche der Verbündeten, die holländische Flotte von ihren
Küsten abzuziehen.
7. Juni überrascht Ruyter (75 Schiffe) den Feind (87 Schiffe) bei
Solebay und geht unverfolgt zurück: hierdurch die Gefahr einer Landung
in Holland zur Zeit der höchsten Not abgewehrt. Die Flotte, auf 59
Segel herabgesetzt, wird an der Küste gehalten; die Verbündeten,
13.-20. Juli in Sicht, wagen keine Landung, werden durch Sturm
zerstreut und räumen für dieses Jahr die See. Ruyter holt den
Indienconvoi ein; Kaper in Tätigkeit.
Zu Lande im Juli die Deiche durchstochen, um die Provinz Holland zu
halten. Brandenburg und Österreich schreiten ein und die Niederlande
erhalten Luft; Luxembourgs Einfall im Dezember schlägt fehl.
$1673$ Brandenburg und Österreich treten zurück, die Niederlande aufs
neue arg bedrängt; wiederum droht eine Landung. 10. Mai versucht
Ruyter, die Themse zu sperren; durch Prinz Ruperts Tatkraft vereitelt.
29. Mai verbündete Flotten vereinigt, haben Truppen an Bord und weitere
stehen bereit; sie erscheinen 1. Juli an der holländischen Küste (91
Schiffe). Am 7. Juli ihr Angriff mit Brandern bei Schooneveld (erste
Schlacht) durch Ruyter (64 Schiffe) abgeschlagen; 14. Juni greift
Ruyter überraschend an (zweite Schlacht), die Verbündeten laufen in die
Themse ein.
3.-13. Juli Ruyter vor der Themse, dann in seiner Defensivstellung. Die
Verbündeten erscheinen Ende Juli: Truppen an Bord, eine »Armee« zur
Überführung bereit; sie versuchen am 31. August und 1. September
vergeblich, die holländische Flotte in den Kanal zu ziehen und bedrohen
dann die Küsten (90 Schiffe). Ruyter (75 Schiffe) geht zum Angriff vor,
um dem Indienconvoi die Einfahrt frei zu machen. 21. August sein Sieg
bei Texel: Verbündete zur Themse, Franzosen bald nach Brest; sie geben
den Landungsplan endgültig auf. Ruyter zu Demonstrationen in See, der
Convoi läuft glücklich ein.