Der Verlauf des Krieges.[181]

Der dritte englisch-holländische Krieg war nicht wie die beiden

vorhergegangenen ein reiner Seekrieg, sondern für Holland auch ein

Landkrieg; wir müssen deshalb bei der Beschreibung auch die Ereignisse am

Lande fortlaufend kurz berühren. Nach den $Kriegsplänen der Verbündeten$

sollte die Republik von drei Seiten angegriffen werden: Durch Frankreich

im Südosten, durch Münster und Köln im Osten und durch eine Landung der

englisch-französischen Flotte im Norden.

[181] Hauptquellen wie Seite 263. Hierzu Jal: »du Quesne«; Bonfils.

=Holland war in einer schwierigen Lage= (»Holland in Not!«). Wir wissen

bereits, daß die regierende Partei das Heer sehr vernachlässigt hatte,

und auch die Flotte, die es nun mit zwei mächtigen Gegnern aufnehmen

mußte, konnte, wie die Verhältnisse im Innern jetzt lagen, nicht mit

gleicher Kraft auftreten wie bisher. Die Uneinigkeiten zwischen den

Provinzen waren gewachsen, die Parteien stießen immer schroffer

aufeinander. De Witts Einfluß schwand mehr und mehr, die oranische Partei

wurde mächtiger; diese setzte sogar am 24. Februar 1672 die Ernennung des

Prinzen =Wilhelm von Oranien= zum Generalkapitän der Armee für den

bevorstehenden Feldzug durch, wie die Folge zeigen sollte, zum Heile des

Landes. Man zankte sich über diese Ernennung, über abzuschließende

Bündnisse, über die nötigen Rüstungen zu Wasser und zu Lande.

Insbesondere wollten die Landprovinzen ihre Mittel für die

Landbefestigungen behalten, aber selbst Seeland zeigte sich wenig geneigt

zu Rüstungen auf dem Wasser, nur Holland tat wie bisher seine Pflicht.

Auf diese Weise wurden die Rüstungen und im besonderen die Aufstellung

einer starken Flotte sehr erschwert.

1668 hatte man nach dem Vertrage der Tripelallianz eine Flotte von 40

Kriegsschiffen im Dienst gehalten, aber nach dem Aachener Frieden wurde

sie verringert. Im Jahre 1670 seitens der Provinzen von Holland

eingebrachte Anträge, sich gegen Frankreich durch Aufstellung größerer

Seestreitkräfte zu sichern, fanden keine Zustimmung, und erst 1671, als

man auch England zu mißtrauen begann, wurde eine Flotte von 36

Kriegsschiffen mit den nötigen Fregatten und Brandern in Dienst gestellt;

dies war die Flotte Ruyters, von der die englische Jacht im August 1671

den Flaggengruß forderte. Infolge dieses Falles verlangte die Provinz

Holland sofort wiederum umfangreiche Rüstungen -- 72 Schlachtschiffe, 24

Fregatten, 24 Brander --, aber nicht vor dem Februar 1672, als man an

dem Ausbruch eines Krieges mit Frankreich nicht mehr zweifeln konnte,

ging der Beschluß durch, 40 Schlachtschiffe -- darunter 36 über 60

Kanonen -- und 24 Brander in Dienst zu stellen, -- nur eine kleine

Flotte, obgleich der Verlauf der Januar-Verhandlungen mit England auf das

Ärgste von dieser Seite schließen ließ; erst ein $Gewaltakt Englands$ --

ganz wie beim zweiten Kriege der Angriff eines Convois $vor der

Kriegserklärung$ -- war nötig, um eine Verstärkung der Rüstungen zur See

herbeizuführen.

Ein =Convoi Smyrnafahrer=,72 Segel gedeckt durch nur 5 Kriegsschiffe

von 38-50 Kanonen und eine leichte Fregatte, wurde während des Monats

März im Kanal erwartet. Der König von England hatte den Befehl

erlassen, ihn zu überfallen; 32 Schiffe unter =Admiral Holmes= waren

dazu bestimmt. Infolge nachlässig betriebener Ausrüstung waren jedoch

bei weitem nicht alle bereit, als Holmes Mitte des Monats bei Wight

liegend von dem aus dem Mittelmeer zurückkehrenden Admiral Spragge

hörte, daß der Convoi ihm auf dem Fuße folge. Anstatt nun Spragge seine

Order mitzuteilen und sich mit ihm zu verbinden, ließ er ihn

weitersegeln, um allein den Ruhm zu ernten. Er hatte nur 8

Schlachtschiffe, unter denen sich aber mindestens 3 zu 70-90 Kanonen

befanden, und 3 kleinere Segel. Der Convoi war beim Eingange des Kanals

durch leichte Segler von der Heimat her auf die gespannten Verhältnisse

mit England aufmerksam gemacht worden und nicht unvorbereitet. Von den

Kauffahrern waren 24 armiert; der Führer des Convois, =den Haen=, traf

die nötigen Maßnahmen, um mit jenen und seinen Kriegsschiffen einem

Angriff entgegentreten zu können.

Die Gegner trafen sich am 23. März auf der Höhe von Wight. Holmes rief

den Haen zu sich an Bord, doch dieser sandte nur einen Offizier; der

nächsthöhere englische Kommandant verlangte dasselbe vom Führer der

holländischen Vorhut, ebenfalls ohne Erfolg. Nun griffen die beiden

englischen Flaggschiffe die holländischen an und der Kampf wurde sofort

allgemein, dauerte als laufendes Gefecht bis zur Nacht und wurde am

nächsten Tage fortgesetzt. Trotz der Behinderung durch die nicht

armierten Kauffahrer, trotz des Todes den Haens am ersten, der schweren

Verwundung des Vorhutführers und des Todes des Nachhutführers am

zweiten Tage und endlich trotzdem, daß Holmes am zweiten Tage noch eine

Verstärkung von 4 Schlachtschiffen und einigen kleineren erhielt,

gelang es den Engländern nur, ein Kriegsschiff und 3 Kauffahrer zu

nehmen. Die Holländer setzten ihren Kurs in bester Ordnung fort -- der

erste Offizier den Haens hatte dessen Flagge wehen lassen, um

Verwirrung zu vermeiden -- und erreichten durch Nebel begünstigt am

dritten Tage Holland. Die englischen Schiffe waren teilweise sehr

beschädigt, einige mußten schon während des Gefechtes heimgesandt

werden. Das genommene Kriegsschiff sank gleich nach dem Entern; die

Beute hätte eine ungeheuere sein können, schon so betrug sie gegen

60000 Lstrl.

Bemerkenswert für die Stimmung in England, vielleicht auch das

zunehmende Verständnis für Völkerrecht kennzeichnend, ist, daß dieser

Angriff vor der Kriegserklärung selbst hier stark verurteilt wurde.

König Karl versuchte abzuleugnen, daß er den Befehl dazu gegeben, der

Zusammenstoß sei die Folge der Widerspenstigkeit der holländischen

Führer gewesen; Holmes selbst soll dem aber seines eigenen Rufes wegen

widersprochen haben.

Nun wurde in Holland eine Vermehrung der Flotte auf 48 Schiffe zu 60-80

Kanonen, 24 kleinere, 24 Fregatten und 24 Brander beschlossen; diese

Stärke ist auch nach und nach erreicht worden. Eine im April auf de Witts

und Ruyters Antrag beschlossene weitere Verstärkung um 18 Schlachtschiffe

konnte nicht mehr durchgeführt werden; der Verlauf des Landkrieges zwang

später, noch im Jahre 1672, sogar zu einer wesentlichen Verminderung der

Flotte. Gleichzeitig ward die Schiffahrt teilweise -- nach Ostsee,

Norwegen, England, Frankreich und durch den Kanal --, sowie die Ausfuhr

von Kriegsmaterial und das Dienen der Untertanen in fremden Ländern

verboten. Als bald darauf die =Kriegserklärungen= erfolgten (7. April),

die Gegner zu Lande ihre Truppen an den Grenzen zusammenzogen und die

Ausrüstung ihrer Flotten betrieben, ergriff man weitere Maßnahmen: die

großen Kompagnien wurden ermächtigt, im Auslande die Schiffe und

Besitzungen der Feinde anzugreifen; die Kaperei in europäischen

Gewässern, besonders von den Seeländern gern betrieben, wurde jedoch

untersagt und mit Gewalt unterdrückt (bis Ende 1672), um der Flotte Leute

und Kriegsmaterial zu erhalten. Baken und Tonnen wurden eingezogen, für

Bewachung der Einfahrten und der Küstenplätze mit Magazinen durch

Fregatten, durch zahlreich aufgebotene kleinere Fahrzeuge sowie durch

Sperren gesorgt. Durch Agenten und kleinere Schiffe ließ man den

Fortschritt der feindlichen Rüstungen und die Schiffsbewegungen

beobachten. Vor allem aber drängte de Witt auf Fertigstellung der Flotte.

Bei der Schwäche der Republik zu Lande war es durchaus nötig, die

Seeseite vor einer Landung zu schützen, und äußerst erwünscht, wenigstens

zur See gleich einen großen Erfolg zu erringen. Nach =de Witts Plan=

sollte die holländische Flotte den Gegnern zuvorkommen, womöglich nach

dem Vorbilde des Jahres 1667 in die Themse und andere englische Häfen

eindringen und die Schiffe dort vernichten oder der englischen Flotte,

falls diese schon ausgelaufen wäre, folgen und sie schlagen, ehe eine

Vereinigung mit den Franzosen stattgefunden habe; er scheint auch unter

Umständen, z. B. bei hierfür günstigeren Windverhältnissen, einen

ähnlichen Schlag gegen Frankreich (Brest) ins Auge gefaßt zu haben. Wenn

nun auch der Rückstand in den Rüstungen die Durchführung dieses

strategisch so wichtigen Planes vereitelte, so sollte doch Ruyter die

Aufgabe, eine Landung zu hindern, glänzend lösen. Er leistete damit bei

dem Verlaufe des Landkrieges seinem Vaterlande einen großen Dienst.

Die Bewegungen der Flotten begannen früher als der Einbruch der Feinde

vom Lande her, wenden wir uns deshalb zunächst jenen zu.

$Die Schlacht bei Solebay, 7. Juni 1672.$ Der Plan de Witts hatte

verlangt, daß die holländische Flotte früher bereit war als die

feindlichen. Wir sahen aber, daß überhaupt schon spät der Beschluß gefaßt

war, eine große Flotte in Dienst zu stellen; nun traten noch

Verzögerungen beim Ausrüsten und Auslaufen ein. Nur die Schiffe der

Provinzen Hollands waren Ende April seeklar; in Friesland und Seeland

fehlte Geld und es mangelte an Leuten; es stellten sich nicht genügend

Matrosen, und die Soldaten waren zur Landverteidigung nötig -- in Seeland

soll die seemännische Bevölkerung über das Verbot der Freibeuterei

erbittert gewesen sein. Die Regierung von Seeland machte auch

Schwierigkeiten beim Auslaufen der fertigen Schiffe: Man wolle die

eigenen Küsten nicht entblößen und die Schiffe nicht der Übermacht des

Feindes aussetzen. Endlich erschwerten ungünstige Wasserverhältnisse das

Auslaufen der in dem Vlie versammelten Schiffe Amsterdams und der schon

am 3. Mai in Texel eingetroffenen Fahrzeuge der Maas. So kam es, daß

=Ruyter=, trotz eifriger Unterstützung seitens de Witts und der

Deputierten auf der Flotte, erst am 10. Mai imstande war, den allgemeinen

Sammelplatz Texel mit 35 Schlachtschiffen (nur 1 von Friesland) zu

verlassen; zwei Tage mußte er dann vor Seeland auf das Kontingent von

dort, vorläufig nur 6 Schiffe, warten und wurde endlich weitere zwei Tage

durch Nebel und Stille an der Küste festgehalten. Da inzwischen

Aufklärungsfahrzeuge gemeldet hatten, daß die in der Themse ausgerüsteten

Engländer den Fluß bereits am 12. verlassen hätten, ging Ruyter am 15.

Mai nach den Downs hinüber. Er fand hier keine Feinde, erfuhr dagegen,

daß bereits am 14. die Vereinigung der englischen und französischen

Flotte bei Wight stattgefunden habe. =Ruyters Order= enthielt die

Ausführung der erwähnten Absichten de Witts für die Verwendung der Flotte

zu einem Schlage gegen England oder seine Streitkräfte =vor= einer

Vereinigung der Gegner. Sollte diese aber schon stattgefunden haben, so

sei eine Schlacht zu vermeiden, falls nicht die Umstände einen günstigen

Ausgang sicher voraussehen ließen.

Der Admiral war am 15. vor Dover zu Anker gegangen, stürmisches Wetter

hinderte bis zum 17. den Zusammentritt des Kriegsrates. In diesem wurde

dann der Order entsprechend beschlossen, die Flotte zwischen den

Wielingen und der Maasmündung, 5-6 sm von Land, zu halten und von dort je

nach den Umständen zu operieren, bei der Übermacht des Feindes möglichst

nur an der eigenen Küste zu fechten, um in den Gefechten beschädigte

Schiffe leichter bergen zu können. Es beginnt damit die =strategische=

und =taktische Führung des Krieges holländischerseits=, wie sie für den

dritten Krieg kennzeichnend ist: Die flacheren Wassertiefen und die Sände

der eigenen Küste als Ausgangspunkt einer Defensive mit kräftigen

Offensivstößen zu machen. Gleichzeitig war es so leichter möglich, die

noch in der Ausrüstung befindlichen Schiffe heranzuziehen; es sei

vorausgeschickt, daß während der Bewegungen der Flotte vom 17. Mai bis 5.

Juni der Bestand nach und nach auf die bei Solebay vorhandene Stärke

gebracht wurde. Der größere Teil der neu hinzutretenden Schlachtschiffe

wurde wieder von den Admiralitäten Amsterdams und der Maas gestellt.

Obgleich nun Cornelis de Witt, der wieder einer der Deputierten war,

seinem Bruder gemeldet hatte, daß die englische Flotte die Themse bis auf

wenige Schiffe verlassen hätte und diese sich bei einem Angriff hinter

die seit 1667 wesentlich verstärkte Stellung von Gravesend zurückziehen

würden, kam der Ratspensionär doch immer wieder auf einen Vorstoß in die

Themse zurück; er rechnete mit der moralischen Einwirkung auf die

Bevölkerung Londons, wie sie das Vorgehen gegen die Schiffe und Arsenale

im Medway 1667 hervorgerufen hatte. Um diesem Wunsche Rechnung zu tragen,

beschloß der Kriegsrat am 20. Mai, wenigstens ein kleines Geschwader in

die Themse zu senden. Ruyter ging zur englischen Küste hinüber, ankerte

am 23. vor der Themsemündung beim Königstief und sandte am 24. =van

Ghent= mit 15 leichteren Kriegsschiffen und Fregatten, 8 Brandern und 16

Avisojachten das Revier hinauf, während er das Gros bereit hielt, den

feindlichen Flotten entgegenzutreten. Wie in der Flotte vorausgesehen,

blieb das Unternehmen gänzlich ohne Erfolg; van Ghent sah sich noch an

demselben Tage genötigt, es aufzugeben, auch stieß er infolge ungünstiger

Umstände erst am 26. wieder zum Gros.

Die englischen Fahrzeuge, 6 kleinere Kriegsschiffe und 5 Brander,

hatten sich hinter Sheerness zurückgezogen, und die Befestigungen

erwiesen sich derartig verstärkt, daß nichts zu machen war. Der Rückzug

wurde durch Gegenwind sehr erschwert, zumal da die Schwierigkeit des

Fahrwassers infolge Verlegung der Seezeichen noch gewachsen war. -- Die

Expedition scheint wirklich nur, um dem Wunsche de Witts nachzukommen,

unternommen zu sein, ohne große Hoffnung auf einen Erfolg zu setzen.

Noch am 19. Mai hatte C. de Witt seinem Bruder geschrieben: »Wenn wir

unbestrittene Herren der See wären, würde ich den Plan gutheißen, aber

den Fluß hinaufzugehen mit einem so mächtigen Feinde im Rücken, halte

ich für sehr gefährlich.« Die ganze Flotte setzte man zwar nicht ein,

aber leicht konnte van Ghents Geschwader als Opfer fallen.

Am 27. meldete eine Fregatte, sie habe tags zuvor die feindliche Flotte

südlich von Godwinsand gesichtet. Da =Ruyter= plangemäß nur unter

günstigen Umständen von der eigenen Küste aus fechten wollte, keineswegs

aber auf Legerwall[182] der feindlichen, so führte er seine Flotte

östlich bis zum Galloper und dann südlich zur holländischen Küste

hinüber; hier hielt er sich, bei westlichem Winde an- und abstehend,

zwischen Ostende und Walcheren. Schon am 29. kam die feindliche Flotte zu

Luward in Sicht und blieb es fast ständig bis zum 31. Sie benützte aber

die günstige Stellung nicht, folgte auf Parallelkursen außer Schußweite

den Bewegungen Ruyters und kam am 31. aus Sicht.

[182] Ein Schiff ist auf Legerwall, wenn es durch die Nähe der Küste in

Lee in seinen Bewegungen behindert, bei Sturm sehr gefährdet ist.

Es ist aus den Quellen nirgend zu ersehen, weshalb der =Herzog von York=

-- Oberbefehlshaber der seit dem 14. Mai vereinigten Flotten -- nicht

angegriffen hat. Man muß annehmen, daß er während der Bewegungen der

Holländer gegen die englische Küste durch die damals herrschenden

östlichen Winde bei Wight festgehalten ist und daß er später durch seine

Manöver den Gegner von der holländischen Küste hat abziehen wollen; auch

soll er die Hoffnung gehabt haben, einen durch die Nordsee

zurückerwarteten Convoi Ostindienfahrer abzufangen. Am 31. ging er in die

Nordsee (bis zur Doggerbank?) und dann =nach der Solebay= (3. Juni), um

Wasser und Proviant aufzufüllen. Ruyter hatte Gruppen von Fregatten zum

Suchen des Feindes entsandt, war selbst mit der Flotte am 2./3. Juni bis

Northforeland gesegelt und erhielt hier am 6. früh die Meldung, daß York

in schlechter Ordnung und ungünstig auf Legerwall in Solebay läge. Sofort

sah der Kriegsrat hierin eine der in der Order ausdrücklich erlaubten

günstigen Gelegenheiten, den Feind anzugreifen -- selbst an seiner Küste

--, die eigene Flotte war ja wesentlich stärker geworden. Gleich nach

diesem Beschluß brach Ruyter auf; östlicher Wind begünstigte die Fahrt

und ließ erwarten, daß man den Feind auf Legerwall überraschen würde.

Die =Zusammensetzung der Flotten= ist bereits genauer gegeben (Seite 313,

318); danach bestand:

Über über kleinere Brander Besatzung

40 K. 20 K. u. = Kanonen

Transporter

Die englische: 45 12 30 16 = 3376 22442

Die französische: 26 4 5 8 = 1724 10744

--------------------------------------------------

Verbündeten = 71 16 35 24 = 5100 33186

Die holländische = 61 14 22 36(44?) = 4484 20738

In Dünkirchen standen 2000 Franzosen zur Einschiffung bereit, um nach

gelungener Landung übergeführt zu werden; für England wird diese Maßregel

nicht erwähnt, ist jedoch wahrscheinlich: 1673 werden 6000 Mann angeführt

und auch 1672 hatten die Franzosen Orders über »Zusammenwirken mit den

englischen Landungstruppen«; jedenfalls befanden sich auf den englischen

Transportern reichlich Soldaten. -- Beide Flotten waren in 3 Geschwader

zu je 3 Divisionen geteilt. Bei den Verbündeten führte der =Herzog von

York= den Oberbefehl und die Mitte (»Royal Prince« 120 Kanonen), die

Nachhut Montagu, Earl of Sandwich (»Royal James« 100 Kanonen); das

französische Kontingent bildete unter dem Vizeadmiral =Comte d'Estrées=

(»St. Philippe«, 78 Kanonen) die Vorhut, der zweite im Kommando war

Generalleutnant =Abraham du Quesne=[183] (»Le Terrible«, 70 Kanonen). Bei

den Holländern hatte =Ruyter= Oberbefehl und Mitte (»7 Provinzen« 82

Kanonen), Leutnantadmirale Bankers Vorhut, van Ghent Nachhut, hinzutraten

Leutnantadmiral von Nes, 5 Vize- und 5 Kontreadmirale. Die Geschwader

waren auf beiden Seiten etwa gleich stark; Ruyter hatte aber eine

besondere Anordnung getroffen, wohl in der Hoffnung, den Feind zu Anker

oder doch in Unordnung zu überraschen. Von jeder der 9 Divisionen waren 2

Kriegsschiffe und 2 Brander abgesondert; diese bildeten eine besondere

Gefechtslinie, um einen Branderangriff in großem Maßstabe auszuführen,

unter dessen Wirkung dann die Flotte angreifen sollte.

[183] Über d'Estrées und du Quesne finden sich Angaben gelegentlich der

Schlachten von Texel und Stromboli, Seite 349, 367.

$Der Verlauf der Schlacht$: Die Küste bei Southwold läuft annähernd

Nordsüd; die englisch-französische Flotte lag ihr parallel, die Vorhut am

südlichsten. Noch am 6. Juni soll Montagu den Herzog von York auf die bei

dem herrschenden Winde, frischer Ostnordost, gefährliche Lage aufmerksam

gemacht haben, aber mit einer kränkenden Bemerkung, »übergroße Vorsicht«,

abgewiesen sein. Auch sonst war man sorglos; am 5. war die Meldung

eingegangen, Ruyter sei zur holländischen Küste zurückgekehrt, am 7. war

ein Teil der Besatzungen mit Booten an Land, um Wasser zu holen. Da lief

früh morgens eine französische Vorpostenfregatte mit vollen Segeln vor

dem Winde ein; sie meldete durch Kanonenschüsse und Signale das Nahen des

Feindes. =Ruyter= kam mit achterlichem Winde heran in zwei Dwarslinien,

die erste durch die Branderdivision gebildet. (Skizze Lage 1); die

Verbündeten mußten in größter Eile unter Segel gehen.

[Illustration: Schlacht bei Solebay. 7. Juni 1672.]

Der Wind stand recht auf den Strand; dieser war so nah, daß es nicht

möglich war, abzuhalten, um eine gute Linie zu bilden. Zum Glück war es

flau oder flaute ab, so daß der holländische Angriff wenigstens nicht

während des Ankerlichtens und Segelsetzens erfolgte; der so gut

vorbereitete Branderangriff hätte sonst verhängnisvoll werden können. Der

=Herzog von York= hatte Befehl gegeben, oder gab ihn jetzt durch Signal,

über Backbord-Bug nach Norden zu liegen; Nachhut und Mitte verfuhren

dementsprechend, die Vorhut (d'Estrées) dagegen ging über Steuerbord-Bug

nach Südosten und trennte sich so von der Flotte. Ruyters Angriff war,

wie üblich, so angesetzt, daß Geschwader auf Geschwader stieß, so griff

Ruyter York und Ghent Montagu an; Bankers wandte sich gegen d'Estrées

(Lage 2). Es wird gewöhnlich angenommen, daß Ruyter die englischen

Geschwader mit Übermacht angegriffen habe; ich habe aber nirgend

ausgesprochen gefunden, daß er zu diesem Zweck eine andere Einteilung

seiner ursprünglich gleichstarken Geschwader vorgenommen habe. Es ist

jedoch wahrscheinlich, daß die ganze erste holländische Dwarslinie, in

der auch 6 Schlachtschiffe und 6 Brander der Vorhut standen, ihren

Angriff auf die englischen Geschwader richtete, als das französische sich

von seiner Flotte entfernte. Um diese Zahl war dann Bankers schwächer,

Ruyter stärker und somit seinem Gegner gleich oder gar etwas überlegen,

wenn auch seine Gesamtflotte schwächer als die des Feindes war.

Der =Hauptkampf zwischen den Holländern und Engländern= begann zwischen 7

und 8 Uhr morgens und wurde ein äußerst blutiger; Ruyter erklärte ihn

später für den erbittertsten und hartnäckigsten seines Lebens. Wieder

einmal ist leider der Verlauf nicht genau zu verfolgen, da die alten

Quellen mehr die Schilderungen einzelner Vorfälle geben, er dürfte

ungefähr folgender gewesen sein:[184] Die englische Nachhut (Montagu)

hatte ziemlich gleichmäßig Anker gekappt, Segel gesetzt und so den Stoß

des Feindes in guter Ordnung aufgenommen. Die englische Mitte, die

zunächst in Verwirrung war, fand auch noch Gelegenheit, die Ordnung

einigermaßen herzustellen -- teilweise wurden die Schiffe durch Boote auf

ihre Posten geschleppt --, da der Angriff Ruyters sich infolge der Flaute

verzögerte. Bei dem Angriff stießen die entsprechenden Geschwader und

Divisionen, Flaggschiffe gegen Flaggschiffe, ziemlich genau aufeinander,

und es entspann sich ein laufendes Gefecht in größter Nähe, bei dem aber

die Schiffe bald durcheinander trieben.

[184] Hauptquellen für die nachstehende Schilderung: »Leben Ruyters«;

de Jonge, Teil II; Jal: »du Quesne«; Bonfils, Teil I; Mahan, Teil

I; Clowes, Teil II.

In dem Kampf der Vorhuten gewannen die Engländer die Oberhand; =Ghent=

fiel und nun wurde, obgleich auch =Montagu= beim Verlassen seines

brennenden Flaggschiffes ertrank, von verschiedenen Schiffen der

holländischen Nachhut flauer gefochten, so daß eine größere Zahl der

englischen Nachhutschiffe in den Kampf der Mitten eingreifen konnte.

Hierdurch kam =Ruyter= in bedrängte Lage, bis der Vertreter Ghents dessen

Geschwader aufs neue gesammelt heranführte und das Gleichgewicht

herstellte. Nach einigen Stunden waren die kämpfenden Geschwader dem

Strande immer näher gekommen und, mit den Sänden bei Lowestoft voraus,

genötigt zu wenden. Der Wind frischte nachmittags etwas auf; dieser

Umstand sowie das freiere Wasser gaben Gelegenheit, die Ordnung wieder

besser herzustellen. Es geht aus der Beschreibung einzelner Kämpfe

hervor, daß beide Gegner davon Gebrauch machten: bedrängte Schiffe oder

Gruppen werden herausgehauen und zur Gefechtslinie zurückgeführt; es wird

also darauf hingewirkt, eine entstandene Melee wieder zu entwirren. Das

allgemeine Gefecht entbrannte dann wieder auf das heftigste, sich nun

nach Süden hinziehend. Ruyter und wohl auch York strebten danach, sich

den fechtenden Vorhuten zu nähern.

Der =Kampf der beiden Vorhuten= war ein Ferngefecht geblieben. Es ist

nicht aufgeklärt, weshalb d'=Estrées= den Kurs nach Südosten gewählt hat.

In England und Holland tauchte (wie gegen Beaufort 1666) der Verdacht

auf, er habe geheime Instruktion gehabt, seine Flotte zu schonen; dieser

Verdacht wird sogar von einzelnen französischen Autoren geteilt (Sue).

D'Estrées selbst hat berichtet, er habe wohl überlegt so gehandelt, weil

sein Gegner über Steuerbord-Bug herangekommen sei; er habe diesen

angreifen, durchbrechen und sich mit York vereinigen wollen. Andere

Berichterstatter (Augenzeugen) sagen, es sei für die französischen

Schiffe, als am weitesten nach Lee liegend, zu schwer, wenn nicht

unmöglich gewesen, den Kurs parallel mit dem nahen Strande durchzuhalten.

Dieser Grund erscheint stichhaltig, ja, für die ganze Flotte wäre der St.

B. Bug der richtigere gewesen, da er frei von der Küste führte und so

auch Raum zum Manövrieren gegeben hätte. =Bankers= folgte den Franzosen

auf Parallelkurs, führte aber ein Feuergefecht auf halbe

Kanonenschußweite, scheinbar, um sie nur zu beschäftigen und von einer

Wiedervereinigung mit York abzuhalten.

Dieses Verfahren entsprach wahrscheinlich einer Anordnung Ruyters, denn

Bankers und seine Seeländer waren kampflustige Männer. Ruyter achtete

wohl die Franzosen gering oder rechnete mit der erwähnten geheimen

Instruktion. In Holland selbst wurde auch gesagt, Ruyter habe Anweisung

gehabt, die Franzosen zu schonen, um Ludwig XIV. nicht zu erbittern und

dadurch Verhandlungen zu erschweren. In diesem Falle war es aber nicht

richtig, den Franzosen die Seeländer gegenüber zu stellen, weil diese

vorwiegend oranisch und somit antifranzösisch gesinnt waren.

Diese Absicht gelang. D'Estrées war nicht imstande, ein Nahgefecht

herbeizuführen oder gar die Luvstellung zu gewinnen. In seinem Bericht

machte er =du Quesne= -- seinem tüchtigsten Flaggoffizier, der die Spitze

führte -- den Vorwurf, ihn in seinen Absichten nicht unterstützt, nicht

hoch genug gesteuert zu haben; du Quesne wurde auch im nächsten Jahre

nicht verwendet, blieb aber in Colberts Gunst. Der französische Admiral

mag ein entscheidenderes Gefecht gesucht haben, denn auch er war ein

tapferer Mann, aber ihm und seiner Flotte fehlte die nötige Schulung; ein

Versuch des Durchbruchs würde den kriegstüchtigen Holländern gegenüber

auch wohl sehr ungünstig ausgefallen sein.[185] Gegen Abend brach Bankers

das Gefecht ab, steuerte seiner Flotte zu und vereinigte sich bald mit

dieser.

[185] Mahan, Teil I, Seite 142, verweist auf einen gleichartigen

Versuch der Spanier bei St. Vincent 1797, der verhängnisvoll

wurde.

Die Nacht trennte auch die Hauptgegner in der Schlacht zwischen 8 und 9

Uhr abends; beide Teile behaupten, der andere habe abgebrochen. Bei den

beiderseitigen Verlusten, Beschädigungen, der Erschöpfung, dem

Munitionsmangel und der Dunkelheit war dazu Grund vorhanden. Außerdem war

besonders Ruyters Flaggschiff stark beschädigt und anderseits scheint

d'Estrées nicht so früh zur verbündeten Flotte gestoßen zu sein als

Bankers zur holländischen.

Ruyter setzte beim Angriff seinen Kurs auf York mit den Worten:

»Steuermann, das ist unser Mann«; dieser antwortete: »Mein Herr, Ihr

sollt ihn haben.« Die »7 Provinzen« wurden auf Pistolenschußweite an

den »Royal Prince« herangeführt und beide Schiffe begrüßten sich mit

einer Breitseite. Zwei Stunden wurden weitere Breitseiten gewechselt --

Ruyters Schiff soll an dem Tage 3500 Kugeln verschossen haben --, dann

mußte Yorks Schiff schwer beschädigt weichen und er seine Flagge auf

»St. Michael« setzen; abends war er genötigt, auf »London« überzugehen.

-- Van Nes, Vizeadmiral der Mitte, nahm das Schiff des Vizeadmirals

der feindlichen Mitte (»Royal Catherine« 80), doch wurde es bald

zurückerobert. Van Brackel, uns schon vom Medway her rühmlichst

bekannt, griff mit der »Hollandia« (60 Kanonen), einem der Schiffe der

Branderlinie, und ihrem Brander den weit stärkeren und höheren »Royal

James« (100 Kanonen, Flaggschiff Montagus) an. Lange währte der

ungleiche Kampf, bis van Ghent und 2 Brander der »Hollandia« zu Hilfe

kamen. Auch jetzt noch wehrte sich Montagu tapfer, schoß 2 Brander in

den Grund und löste die Enterhaken der »Hollandia«; van Ghent fiel. Der

dritte Brander aber setzte den »Royal James« in Flammen, und Montagu

ertrank, wie bereits erwähnt, beim Verlassen des Schiffes. Der

gerettete Kommandant klagte später, der Vizeadmiral der Nachhut habe

seinen Chef in der höchsten Not zu Luward mit einigen Schiffen

passiert, ohne Hilfe zu bringen; der Angeklagte ist einigermaßen zu

entschuldigen, er war es, der einen Teil der Nachhut mit richtigem

Blick zur Verstärkung Yorks heranführte.[186]

[186] Weitere lesenswerte Schilderungen im »Leben Ruyters«.

Am 8. Juni manövrierten die Flotten in Sicht voneinander, beide wollen

vergeblich die Erneuerung des Kampfes gesucht haben; am 9. ging =Ruyter

zur holländischen Küste zurück=, ohne daß die Feinde ihm folgten.

Der =Verlust= der Engländer betrug 4 Schiffe und etwa 2500 Mann an Toten

und Verwundeten, der der Holländer 2 Schiffe und weniger Leute; der

Verlust der Franzosen war unwesentlich. Auf beiden Seiten waren viele

Schiffe schwer beschädigt, daß aber nach einem so heftigen Kampfe der

Verlust an Schiffen so viel geringer ist, als in den beiden ersten

Kriegen, kann doch wohl als ein Beweis des Fortschrittes im Schiffbau

gegen den der Artillerie angesehen werden.

=Beide Teile schrieben sich den Sieg zu=! Die Verbündeten behaupteten

gewissermaßen das Feld; Ruyter ging zurück, da er durchaus ausbessern und

ausrüsten mußte. Er hat aber seine strategische Aufgabe gelöst, denn auch

der Feind war für längere Zeit außerstandgesetzt, sein Hauptziel, die

Unterstützung des Landkrieges durch eine Landung, zu verfolgen; dies war

gerade zu dieser Zeit eine Lebensfrage für Holland.

$Die weiteren Ereignisse des Jahres 1672.$ Der =Landkrieg= hatte sofort

beim Beginn einen Verlauf genommen, der verhängnisvoll für die

Niederlande zu werden drohte. Ende Mai und Anfang Juni eröffneten die

feindlichen Armeen -- 120000 Franzosen, 30000 Mann von Münster und Köln

-- den Feldzug. Die Hauptmacht der Franzosen unter =Turenne= und =Condé=

erschien vom Kurfürstentum Köln aus vor den Festungen der Südostgrenze,

z. B. Wesel; die spanischen Niederlande wurden vermieden und nur ein

Beobachtungskorps gegen sie aufgestellt. Die bischöflichen Truppen

griffen die Provinz Gröningen an; ein französisches Korps unter dem

Marschall von =Luxembourg= operierte zwischen beiden. In den Niederlanden

war während der 21 jährigen statthalterlosen Zeit die Armee arg

zurückgegangen: die Offizierstellen waren nach Gunst aus den regierenden

Familien besetzt, die Soldaten meist Fremde, sonst minderwertiges und

nicht geachtetes Material; die Festungen und ihre Armierung waren

vernachlässigt. Der neuernannte Generalkapitän, =Wilhelm von Oranien=,

zählte erst 21 Jahre, seine Befugnisse waren beschränkt; er fand nur ein

Heer von etwa 70000 Mann vor, von dem die Hälfte auf die vielen Festungen

verteilt war, ohne aber diesen damit eine genügende Besatzung zu geben.

So fielen denn auch in wenigen Tagen den Franzosen fast alle

Grenzfestungen in die Hände und die Bischöflichen bemächtigten sich

verschiedener Grenzstädte Gröningens. Die feindlichen Armeen drangen dann

in die Landprovinzen ein. Im Laufe des Juni besetzten die Franzosen ganz

Geldern und Utrecht, ließen vor einigen sich haltenden Festungen

Beobachtungskorps zurück und standen somit an der Grenze der Provinz

Holland. Die Bischöflichen, denen sich die Provinz Oberyssel ergeben

hatte, belagerten Gröningen, die einzige Festung der Provinz gleichen

Namens und Frieslands. Prinz Wilhelm hatte sich mit nur etwa 9000 Mann

nach Holland zurückziehen müssen, nachdem die Besatzung der sich

haltenden Städte verstärkt worden war.

Infolge dieser schweren Schläge verbreiteten sich in den 14 Tagen nach

der Schlacht bei Solebay Schrecken und Verwirrung in den Niederlanden,

und der innere Hader wuchs. Die Partei der Regierung, namentlich in

Holland mächtig, war für schleunigen Friedensschluß und knüpfte schon

Mitte Juni Verhandlungen mit England und Frankreich an; ihre Anhänger

waren zu den größten Demütigungen bereit, um sich vor den unmittelbaren

Folgen einer Invasion und dem Emporkommen der Gegenpartei auf ihre Kosten

zu bewahren. Die oranische Partei aber wollte sich den schroffen

Forderungen der Feinde nicht unterwerfen.

De Witts Partei war zu folgenden =Friedensbedingungen= bereit:

Abtretung aller Landstriche außerhalb der 7 Provinzen in Deutschland,

Flandern, Brabant, und Limburg; dies anzunehmen soll Turenne Ludwig

XIV. geraten haben. Ludwig XIV. verlangte aber auf Louvois' Antrieb

noch: Abtretung eines Teiles von Geldern mit wichtigen Festungen,

Zollfreiheit für französische Waren, große Vorteile für die Katholiken

in den Niederlanden, 16 Millionen Gulden Kriegskosten, eine jährliche

Deputation demütigender Art und endlich die Erfüllung der Forderungen

Englands. Diese nun bestanden in: 1 Million Lstrl. Kriegskosten,

jährlich 10000 Lstrl. für die Heringsfischerei, die Erhebung Oraniens

zum Souverän und als Pfand für die Erfüllung dieser Bedingungen die

Abtretung dreier großer Inseln an der Maas- und Scheldemündung. Trotz

der ihm zugedachten Erhebung zum Souverän war es gerade Wilhelm von

Oranien, der zur Ablehnung der Vorschläge und zum äußersten Widerstande

ermahnte.

Von der oranischen Partei wurde der schlechte Zustand der

Landesverteidigung, wohl mit Recht, der Hinneigung der Gegenpartei zu

Frankreich zugeschrieben, der Fall der Festungen sogar dem Verrat. Der

Haupthaß fiel auf de Witt, schon am 22. Juni erfolgte ein Attentat auf

diesen, die Partei gewann immer mehr an Macht, und nun sollte gerade von

Amsterdam -- dem Hauptsitz der Gegenpartei bisher -- der Anstoß zu einer

Verteidigung des Vaterlandes auf Leben und Tod ausgehen: Muyden am

Zuidersee -- der Schlüssel zum Hafen der Stadt und wichtig für die

Beherrschung der Hauptdeiche -- war durch ein feindliches Streifkorps

genommen, der Magistrat war geneigt, zu kapitulieren, da zwang man ihn zu

energischen Verteidigungsmaßregeln und stellte 60 Bürgerkompagnien auf;

Muyden wurde wiedergenommen, die Deiche wurden durchstochen. Diesem

Beispiele folgten sämtliche Städte Hollands, und Wilhelm von Oranien

besetzte die schmalen Wege, die aus Geldern und Utrecht zwischen den

Gewässern nach Holland hineinführten, mit hinreichender Mannschaft.

Es war der =Wendepunkt des Landkrieges=, der Invasion war eine Schranke

gesetzt. Was wäre aber die Folge gewesen, wenn in diesem Monat der Not

und Uneinigkeit die verbündete Flotte einen Angriff auf die Küsten

gemacht hätte? Hiervon blieb man durch die Schlacht bei Solebay bewahrt.

Sonst aber hatte $die holländische Marine im Jahre 1672$ keine

Gelegenheit mehr, sich auf ihrem eigentlichen Felde hervorzutun, wenn

auch nochmals eine Landung drohte. Das Zurückgehen der Flotte nach der

Schlacht von Solebay wurde von den Gegnern der Gebrüder de Witt wieder

als eine Art von Verrat ausgelegt: man habe die Franzosen schonen wollen.

Gewiß wäre es richtig gewesen, dem Feinde zur See weiter Abbruch zu tun,

aber es war unmöglich; die Flotte bedurfte dringend der Ausbesserung und

Neuausrüstung. Nach dem Einlaufen wurde sofort hiermit begonnen, jedoch

die Ereignisse am Lande griffen hindernd ein. Man brauchte in den

Festungen die vorhandene Munition und auch Mannschaften; auch hoffte man

auf Frieden mit England, und die Franzosen allein fürchtete man zur See

nicht. So wurde am 24. Juni beschlossen, die Flotte auf 48

Schlachtschiffe und 18 Fregatten herabzusetzen und die Besatzungen der in

Dienst bleibenden Schiffe zu vermindern. Die so frei gewordenen

Mannschaften stießen in besonderen Verbänden unter ihren bisherigen

Führern -- See- und Seesoldaten-Offizieren -- zur Armee oder bildeten die

Besatzungen kleinerer Fahrzeuge auf den Flüssen und Binnengewässern.

Schon bei Ausbruch des Krieges hatte man diese Schiffe zur Unterstützung

des Heeres in Dienst gestellt (auf Maas, Rhein und Yssel); jetzt wurde

die Zahl vermehrt, namentlich auf dem Zuidersee (auch im Dollart), weil

der Feind dessen östlichen Strand im Besitz hatte. Zu Lande und auf den

Flottillen haben die Marinemannschaften während des weiteren Krieges

wesentliche Dienste geleistet.

=Ruyters Flotte= -- 47 Schlachtschiffe, 12 Fregatten, 20 Brander, schwach

an Munition und Besatzung -- konnte nicht daran denken, sich weit von den

Küsten zu entfernen. Der Admiral, dem von dem Prinzen völlig freie Hand

gelassen wurde, hielt sich zwischen den Sänden vor der Maasmündung (auf

der Goede-Rhede oder der Schooneveld-Rhede), die Seegatten bei Texel und

Vlieland wurden durch Fregatten und leichte Fahrzeuge gedeckt; was man an

Truppen erübrigen konnte, es war wenig, hatte man nach Texel und

Hellevoetsluis geworfen. Die =verbündete Flotte= erschien Anfang Juli, 90

Schlachtschiffe und Fregatten stark und mit einer großen Zahl

Landungstruppen an Bord, versuchte zunächst, Ruyter herauszulocken und

zeigte sich dann vor Texel. Am 13. und vom 18-20. Juli erschienen

kleinere Fahrzeuge, das Fahrwasser untersuchend. Die Holländer mußten

hier, wo sie so schwach waren, eine Landung erwarten; Ruyter hatte

Anweisung, seine Flotte erst einzusetzen, wenn der Feind wirklich lande.

Weshalb dieser zwischen dem 13. und 20. nicht ernstlich vorging, läßt

sich nicht erkennen. Vielleicht waren die Windverhältnisse ungünstig, es

wehten scheinbar meist frische ablandige Winde; wahrscheinlicher ist es,

daß man die segelfertige Flotte Ruyters in der Flanke fürchtete und

hoffte, sie durch Scheinbewegungen zunächst herauslocken und dann

schlagen zu können. Die Überlieferung schreibt die Abwendung der Gefahr

der Vorsehung zu: Als die Verbündeten an dem zur Landung bestimmten Tage

auf die Flut warteten, habe die Ebbe 12 Stunden gelaufen. Neuere Quellen

verweisen diese Erzählung in den Bereich der Sage. Tatsächlich trat die

Vorsehung später für Holland ein. Am 21. Juli begann ein schwerer

Südweststurm, der drei Tage mit äußerster Kraft wehte und dann noch fast

drei Wochen mit nur kurzen Unterbrechungen anhielt. Die feindliche Flotte

wurde durch diesen Sturm nach Norden vertrieben und so zugerichtet, daß

sie »wie nach einem scharfen Gefecht« in englische Häfen zurückkehren

mußte.

Das Jahr 1672 brachte weitere wichtige Ereignisse zur See nicht mehr.

Ruyter blieb in seiner Defensivstellung[187] und seitens der Verbündeten

war der Plan zu einer Landung, aus nicht bekannten Gründen, für dieses

Jahr aufgegeben. Die Franzosen gingen am 28. September von der Themse

nach Frankreich ab. Karl II. wollte sie gern in England behalten; es

wurde abgelehnt, da die Ausbesserungen dort teurer als in den heimischen

Häfen kommen würden.[188] Ein Teil der englischen Flotte machte noch den

Versuch, den lang erwarteten Convoi Ostindienfahrer auf der Doggerbank

abzufangen, man verfehlte ihn aber; Ruyter, der die Küste entlang ihm

entgegengegangen war, führte die Schiffe glücklich heim. Ende September

wurde in Holland der Winterdienst zur Bedeckung der Seegatten

eingerichtet und die Flotte sonst aufgelegt; man gab aber jetzt die

Kaperei frei. Ein geplantes Unternehmen, mit einem kleinen Geschwader

französische Häfen anzugreifen, kam nicht zur Ausführung.

[187] Die Bewegungen Ruyters von nun an und auch schon früher in seiner

Defensivstellung fast tageweise im »Leben Ruyters«.

[188] Nach Jal: »du Quesne«, Teil II, Seite 91, nur ein Vorwand.

Wir müssen uns nun nochmals den $inneren Verhältnissen Hollands$ und dem

$Landkriege$ zuwenden. Die schimpflichen Friedensbedingungen, die die

Gegner stellten, und auch der Schaden, den die Überschwemmung hervorrief,

hatten das niederländische Volk aufs höchste erbittert. Es war

entschlossen, das, was der Feind und das Wasser noch vom Lande übrig

gelassen, aufs äußerste zu verteidigen, ja, wenn dies nicht mehr zu

halten sei, auszuwandern und in Ostindien ein neues Holland zu gründen.

Die oranische Partei gewann ganz die Herrschaft; Anfang Juli wurde

=Wilhelm von Oranien= -- zuerst in Seeland, dann in Holland, schließlich

von den Generalstaaten -- zum =Statthalter=, Generalkapitän und

Generaladmiral auf Lebenszeit ernannt.

Der Parteihaß führte aber zu blutigen Taten. =Cornelis de Witt= wurde

eines Attentatsversuchs gegen den Statthalter angeklagt, gefoltert und

zur Verbannung verurteilt; als sein Bruder, =der Ratspensionär=, ihn im

Gefängnis besuchte, wurden beide (19. August) auf abscheuliche Weise

=ermordet=. Selbst auf Ruyter fiel der Haß eines Teiles des Volkes als

einen Freund der Brüder, obgleich er das volle Vertrauen des

Statthalters besaß. Der Pöbel wollte im September sein Haus stürmen,

nur ein in der Nähe liegendes Kriegsschiff konnte es hindern, im

Oktober versuchte sogar ein Mann, ihn zu ermorden.

Die Friedensverhandlungen hatte man vorsichtigerweise noch längere Zeit

fortgeführt, um die nur langsam zunehmende Überschwemmung erst wirksam

werden zu lassen. Während dieser Zeit hatten sich auch sonst die

Verhältnisse im Landkriege bedeutend günstiger gestellt. Der =Große

Kurfürst= hatte schon am 6. Mai einen Vertrag mit der Republik

geschlossen, wonach er sie mit 20000 Mann unterstützen wollte. Er bewog

auch den =Kaiser= zu einem Bündnis (25. Juni) behufs Aufrechterhaltung

des Besitzstandes in Europa, wie dieser im Westfälischen, Pyrenäischen

und Aachener Frieden festgesetzt war. Im Juli rückten die

brandenburgischen und die österreichischen Truppen heran, so daß sich

=Ludwig= XIV. genötigt sah, den Prinzen von Condé mit 18000 Mann den

Österreichern im Elsaß und Turenne mit 20000 den Brandenburgern in

Westfalen entgegenzustellen. Nach dem Plane Friedrich Wilhelms sollten

sich die Brandenburger und Österreicher in Hessen-Kassel vereinigen, über

den Rhein gehen und so den Franzosen in den Rücken fallen. Aber durch den

bestochenen Minister Lobkowitz zurückgehalten, kamen die Österreicher

unter Montecuculi nur langsam heran; der Große Kurfürst allein war zu

schwach; so bezog man ohne vorherige Waffentaten später überall

Winterquartiere.

Immerhin waren die Niederlande entlastet. Wenn auch die übrigen Franzosen

unter Luxembourg in Utrecht und Geldern zurückgeblieben waren, so kam

doch ihr Vordringen zum Stehen, ja =Oranien= konnte sich einiger Städte

wieder bemächtigen. Auch der Angriff der bischöflichen Truppen scheiterte

an dem hartnäckigen Widerstande der Festung Gröningen; mit großem Verlust

zogen sie nach 40tägiger Belagerung ab; die Provinzen Gröningen und

Friesland waren gerettet. Im Dezember 1672 machte Oranien sogar mit 30000

Mann einen allerdings erfolglosen Vorstoß gegen die wichtige französische

Festung Charleroi. Mittlerweile hatte starker Frost die Gewässer der

Überschwemmungen mit Eisbrücken belegt. =Luxembourg= wollte diesen

Umstand und die Abwesenheit Oraniens zur Eroberung Leydens und des Haags

benützen, um sich so im Herzen der Provinz Holland festzusetzen.

Plötzlich einsetzendes Tauwetter zwang ihn aber zu eiligem Rückzuge auf

den Dämmen und nur die Feigheit eines holländischen Oberst entzog die

11000 Franzosen der völligen Vernichtung. Damit waren auch hier die

Feindseligkeiten für den Winter vorbei.

Die Lage der Niederlande war zu Ende des Jahres weit günstiger, als man

bei Beginn des Krieges hätte erwarten können. Unter der kräftigen

Führung Wilhelms von Oranien verweigerte jetzt die Republik die Annahme

der Friedensbedingungen, $die sie selbst früher angeboten$ hatte.

Die Schlachten bei Schooneveld am 7. und 14. Juni 1673.

Das Jahr 1673 brachte jedoch wieder einen Umschlag zuungunsten der

Niederlande. Die =Kriegsereignisse am Lande= begannen in Westfalen. Der

Große Kurfürst war nicht imstande, von hier aus der Republik Hilfe zu

bringen, da ihn die Österreicher ohne Unterstützung ließen und die

Niederlande die versprochenen Gelder nicht zahlten; die Macht Frankreichs

und der Bischöfe war ihm überlegen, sein Land wurde verwüstet. Er schloß

am 6. Juni mit den Franzosen einen Neutralitätsvertrag, wonach diese

seine Lande räumten und 800000 Lire zahlten, um den geschädigten

Provinzen wieder aufzuhelfen. Die Untätigkeit der Österreicher im Elsaß

hatte auch hier die Franzosen frei gemacht und Condés Armee konnte

gleichfalls zur Unterstützung Luxembourgs herangezogen werden. Die

vereinigten Streitkräfte sollten nun die Provinz Holland angreifen und

die Seestreitkräfte wiederum gleichzeitig eine Landung in dieser Provinz

oder in Seeland bewerkstelligen. Zum Angriff der Provinz Holland von

Utrecht und Geldern aus war auch eine große Zahl flachgehender, platter

Fahrzeuge auf dem Zuidersee hergestellt -- diese zeigten sich später

völlig unbrauchbar --, Oranien sah sich deshalb genötigt, mit seinem

Heere auch die ganze Ostgrenze der Provinz Holland zu besetzen und die

Abwehr einer Landung wieder nur den Seestreitkräften zu überlassen. Auch

die in Holland wohl noch gehegte Hoffnung, wenigstens mit England zum

Frieden zu kommen, erfüllte sich nicht; der englische Kanzler erklärte im

Parlament am 14. Februar mit Beziehung auf Holland: »Delenda est

Carthago.« --

So wurde denn am 10. März die Indienststellung von 48 tüchtigen

Kriegsschiffen, worunter 36 zu 60-80 Kanonen, 12 Fregatten und 24

Brandern beschlossen; ein Geheimbeschluß von demselben Tage -- nach de

Jonge geheim, um auch den Feind zu einer weniger starken Rüstung zu

verleiten -- fügte noch 24 Schiffe und 12 Fregatten hinzu.

Wieder beteiligten sich nur Holland und Seeland an dieser Rüstung;

Friesland und Gröningen waren durch den Landkrieg zu sehr mitgenommen und

noch immer vom Lande her arg bedrängt; erst vor der letzten Schlacht

dieses Krieges stellten sie einige wenige Schiffe.

Die Indienststellung wurde möglichst beeilt, die Kaperei und die

Schiffahrt in den europäischen Gewässern aufs neue eingestellt, und

Anfang Mai waren 31 Kriegsschiffe -- darunter 4 zu 80 Kanonen, 3 zu

70-76, 9 zu 60-68 -- 12 Fregatten, 18 Brander unter Ruyters Kommando

segelfertig. Die Flotte bestand zunächst nur aus Schiffen der

holländischen Kontingente, Seeland war infolge Geldmangels noch nicht

bereit. Die =Absicht= war, wie im Vorjahre dem Auslaufen der englischen

Flotte zuvorzukommen, und im besondern =englische Häfen= durch Versenken

von großen, schwerbelasteten Fahrzeugen =zu sperren=.

Schon am 10. Mai erschien =Ruyter= vor der Themse und sandte sofort die

Kontreadmirale van Nes und Vlugh mit 2 Schlachtschiffen, 6 Fregatten, 6

Brandern, sowie einigen kleineren Segeln stromauf, um 8 solcher

Senkschiffe an zwei wichtigen Stellen des Fahrwassers zu versenken.

Nebeliges Wetter hinderte das Vordringen, und am 13. zeigten sich

beträchtliche englische Streitkräfte: nach Meldung hiervon zogen sich die

detachierten Admirale auf Befehl zur Flotte zurück.

Ruyter und der Kriegsrat hatten beschlossen, das Versenken der Schiffe

aufzugeben, weil es sich angesichts des Feindes nicht mit der nötigen

Sorgfalt ausführen ließe, und mit der Flotte zur eigenen Küste

zurückzukehren, da überraschende Unternehmungen überhaupt nicht mehr

möglich erschienen. Man hatte erfahren, daß die Ausrüstung der Engländer

in der Themse und in Portsmouth zu weit vorgeschritten und dem bisherigen

Mannschaftsmangel abgeholfen sei; auch das Eintreffen der Franzosen mußte

man erwarten.

Wohl ist es auffallend, daß die Flotte der Verbündeten nicht früher

bereit gewesen ist, um gegen die holländische Küste zur Blockade und

Landung vorzugehen, obgleich schon im Februar vom englischen Parlament

die Mittel zur Ausrüstung bewilligt waren. Die Verzögerung scheint der

Verwaltung zur Last zu fallen, die nach dem Ausscheiden des Herzogs von

York als Lordhighadmiral nicht mehr besonders sorgfältig arbeitete. Die

Franzosen sollen nicht geneigt gewesen sein, Brest zu verlassen, ehe

die englische Flotte in See wäre. Nur der Energie des neuen englischen

Oberbefehlshabers, =Prinz Rupert=, gelang es, durch Zusammenraffen

aller fertigen Streitkräfte auf der Themse wenigstens den Vorstoß

Ruyters abzuwehren. Auch hatte es der englischen Flotte an Seeleuten

gefehlt; unmittelbar vor dem Erscheinen der Holländer waren aber

verschiedene große Convois vor London eingetroffen, deren Besatzungen

nun gepreßt wurden; die bevorstehende Ankunft dieser Convois war Ruyter

unbekannt oder er hat sie verfehlt.

Wenn die Verbündeten eine Landung unternehmen oder der Republik ihre

Hilfsquellen zur See völlig abschneiden wollten, so mußte ihre erste

Aufgabe sein, =Ruyters= Flotte zu schlagen. Dieser wußte sich, wie im

Vorjahre nach Verminderung der Flotte, zu schwach, die beiden Gegner auf

offener See zu erwarten, zumal da er sich zwischen beiden befand. In

Übereinstimmung mit dem Kriegsrat, dem Statthalter und den Generalstaaten

beschloß er wiederum, eine Defensivstellung (bei Schooneveld oder etwas

südlicher bei Ostende) einzunehmen, von hier aus den Feind zu beobachten,

Landungsversuchen entgegenzutreten und nur unter günstigen Verhältnissen

zu fechten. Er ging am 14. Mai nach =Schooneveld= zurück und führte in

der Folge diese =offensive Defensive= (vgl. Seite 323) meisterhaft durch.

Die nach und nach verstärkte =holländische Flotte=[189] =bestand= am 7.

Juni aus:

52 5 9 20 8 10

Schlacht- zu 80-82 K. 70-78 K. 60-68 K. 50-58 K. 42-48 K.

schiffen: 340-530Mann 320-420Mann 240-400Mann 230-280Mann 170-225Mann

12 22-36 K. 14 4-12 K. 25 2-4 K.

Fregatten: 90-160 Mann Avisojachten: 25-34 Mann Brander: 12-45 Mann

mit im ganzen 3600 Kanonen, 18000 Mann.

[189] Nach de Jonge, Teil II, Beilage V, übereinstimmend mit anderen

Quellen.

Während der Ausrüstung erklärten sich die Admiralitäten von Holland

bereit, mehr Schiffe zu stellen als ihnen zufiel, jedoch dann schwächer

bemannt; bemerkenswerterweise lehnte Ruyter es ab und riet,

überflüssige Mannschaft an Seeland abzugeben, wo Mangel herrschte: »Er

wolle lieber weniger, aber in jeder Hinsicht tadellos ausgerüstete

Schiffe führen.«

Die Flotte war in 3 fast gleichstarke Geschwader zu je 3 Divisionen

geteilt[190]: Vorhut Leutnantadmiral =Bankers=, Vizeadmirale Evertsen und

Star; Mitte =Ruyter= (»7 Provinzen« 82 Kanonen), Leutnantadmiral van Nes

und Vizeadmiral de Liefde: Nachhut Leutnantadmiral =Tromp= »Gouden Leeuw«

80 Kanonen), Vizeadmirale Sweers und Schram, Sweers war aber zur Zeit der

ersten Schlacht noch nicht eingetroffen; zur 3. (Nachhut-) Division eines

jeden Geschwaders trat noch ein Kontreadmiral.

[190] Einteilung nach »Leben Ruyters« und »Vie de Tromp«. In ersterem

auch die Instruktion Ruyters über die Segelordnung bei

verschiedener Lage zum Feinde: in Luv oder Lee, über St. B. oder

B. B. Bug. -- De Jonge und (danach?) englische Quellen geben

Tromp die Vorhut; nach genannter Order war dies aber nur in

gewissen Lagen der Fall, wie denn stets der Leutnantadmiral von

Seeland, also hier Bankers, den rechten Flügel oder die

eigentliche Vorhut führte.

=Tromp= war am 30. April wieder als Leutnantadmiral von Amsterdam

angestellt. Wilhelm von Oranien hielt viel von ihm als treuem Anhänger

seiner Partei, wie es schon sein Vater gewesen. Der Prinz hatte jedoch

vorher dringend eine Versöhnung mit Ruyter verlangt und diese in seiner

Gegenwart herbeigeführt. Die Ernennung Ruyters zum

Leutnantadmiralgeneral war wohl gerade auch deshalb mit erfolgt, um

ferneren Streitigkeiten mit Tromp vorzubeugen. Die beiden tüchtigen

Admirale haben sich auch in Zukunft vertragen.

Die =Flotte der Verbündeten= hatte sich Ende Mai bei Wight vereinigt; am

29. Mai wurde sie von Karl II. und York besucht.

Sie bestand aus etwa[191] 81 Schlachtschiffen, 11 Fregatten und 34 (42?)

Brandern.

[191] Nach de Jonge, Teil II, Beilage V, und Clowes, Teil II, Seite

310. Genaue Angaben über England sind nicht vorhanden; die

französischen Schiffe mit Namen, Kommandanten und Kanonen in Jal:

»du Quesne«, Teil II, Seite 48, dort auch die »Namen« der

englischen Schiffe.

=England= stellte 54(?) Schlachtschiffe, darunter 3 mit über 100

Kanonen, 4 mit 90, 16 mit 60-80, 9(?) mit 50-58 Kanonen; 8 Fregatten;

24 Brander.

=Das französische Geschwader= zählte 27 Schlachtschiffe, eins mit 100

die übrigen mit 50-70 Kanonen, 3 Fregatten und 10 (18?) Brander.

Die englischen Schiffe führten eine große Zahl Soldaten für die Landung

an Bord, 6000 Mann standen in Yarmouth zum Einschiffen bereit. Die

Gesamtflotte war eingeteilt: Vorhut =Prinz Rupert=[192] (»Royal Charles«

100 Kanonen), Vizeadmiral Harman, Kontreadmiral Chichely; Mitte =Comte

d'Estrées= (»Reine« 104 Kanonen), Vizeadmiral des Ardens (»Terrible« 70

Kanonen), Kontreadmiral de Grancey (»Orgueilleux« 70 Kanonen), (Ardens

und Grancey waren dem Range nach Chefs d'Escadre); Nachhut =Admiral

Spragge=, Vizeadmiral Kempthorne, Kontreadmiral Butler.

[192] Angaben über Prinz Rupert Seite 264.

Obgleich Rupert den Oberbefehl hatte -- sein Geschwader führte auch die

rote Flagge -- nahm er doch die Vorhut und ließ d'Estrées -- Geschwader

mit der weißen Flagge --, die Mitte. Nach den englischen und den

holländischen Quellen soll es geschehen sein, um die Franzosen zwischen

den beiden englischen Geschwadern zu haben, da man ihnen nach den

Erfahrungen im Vorjahre nicht traute. Die neuesten englischen Autoren,

wie z. B. Clowes, nehmen sogar als feststehend an, daß in der Schlacht

am 7. Juni die Division des Ardens in das rote, die Division de Grancey

in das blaue Geschwader und dafür englische Divisionen in die Mitte

eingestellt seien; Angaben im »Leben Ruyters« scheinen dies zu

bestätigen. Die französischen Quellen aber wissen hiervon nichts; daß

die Franzosen in die Mitte genommen wurden, geben sie zu; einige von

ihnen führen auch als Grund das Mißtrauen der Engländer an.

Die $erste Schlacht bei Schooneveld$, 7. Juni 1673. Am 1. Juni hatte

=Ruyter= zur Übung mit seiner Flotte taktische Bewegungen gemacht und war

mittags außerhalb der Sände zu Anker gegangen; abends meldeten die

Vorposten das Nahen der Verbündeten. Auch diese ankerten, weil es schon

zu spät war, um etwas zu unternehmen. Am folgenden Tage gingen zwar beide

Flotten unter Segel, es kam aber wegen flauen Windes nicht zur

Annäherung, und vom 3. bis zum 6. hinderte stürmisches Wetter weitere

Unternehmungen; den 6. benützten beide Flotten, ihre Ankerordnung wieder

herzustellen, weil viele Schiffe vertrieben waren. Am =7. Juni= lichteten

die Verbündeten vormittags Anker und kamen in Halbmondform (Dwarslinie?)

heran. Ruyter hatte den Angriff für diesen Tag erwartet und »kurz Stag«

hieven lassen,[193] um zum Gegenstoß im geeigneten Augenblick bereit zu

sein.

[193] Die Ankerkette so weit einwinden, daß der Anker nur eben noch

hält.

[Illustration: Prinz Rupert.]

Die Nachrichten über diese Schlacht -- geschlagen an einem holländischen

Bußtage und am Jahrestage von Solebay -- sind mangelhaft; ihr

wahrscheinlicher Verlauf sei kurz geschildert.[194]

[194] Die beste ältere Beschreibung im »Leben Ruyters«, die beste

neuere bei de Jonge, Teil II.

Die Küste erstreckt sich Nordost-Südwest; der Wind war westlich, also

günstig zum An- und Abstehen. =Rupert= rechnete, entweder den Feind zum

Fechten von der Küste abzulocken, oder ihn zum Rückzug zwischen die

Sände bewegen und dabei dann mit Brandern angreifen zu können. Zu

diesen Zwecken zweigte er von allen Geschwadern 35 kleinere

Schlachtschiffe und Fregatten mit 10 Brandern ab, die vor seiner

Schlachtlinie auf den Feind zuliefen und auf große Entfernung das Feuer

eröffneten (dies erinnert sehr an Ruyter bei Solebay).

Auffallenderweise waren diese vorausgesandten Schiffe keinem

gemeinsamen Oberbefehl unterstellt; sie kamen in Unordnung heran und

gingen in noch größerer auf ihre Flotte -- jedes Schiff nach dem ihm

zunächst befindlichen Geschwader -- zurück, als =Ruyter= ihnen in

voller Ordnung entgegentrat. Infolgedessen und auch wohl infolge

längerer Fahrt in schwer zu haltender Dwarslinie war die englische

Flotte nicht gut ausgerichtet, als gegen 1 Uhr mittags der holländische

Angriff erfolgte. =Tromp= auf dem rechten, nördlichen Flügel stieß

zuerst mit Rupert zusammen; beide Gegner gingen über Steuerbord-Bug an

den Wind und es entspann sich ein heftiges Gefecht dieser Geschwader.

Auch Ruyter ging mit Mitte und Nachhut (jetzt =Bankers=) an den Wind,

um mit Tromp aufgeschlossen zu bleiben; das Gefecht wurde allgemein. Um

2 Uhr gab Ruyter durch Signal den Befehl zum Wenden, er wollte seinem

Hauptplane entsprechend den Kampf in der Nähe der Küste halten.

=Tromp= wendete nicht, obgleich er den Befehl sogar noch durch eine

Jacht erhielt. Er hatte sich wohl wieder festgebissen, bei seinem

ehrgeizigen Charakter diesmal um so erklärlicher, da sein Gegner das

englische Geschwader unter Rupert war. In dem Kampf der Hauptflotte

durchbrachen Ruyter und Bankers die feindliche Linie; Ruyter brachte

dadurch große Verwirrung in das Geschwader d'=Estrées=', Bankers jedoch

war dem englischen Geschwader gegenüber weniger glücklich, sein

Flaggschiff ward schwer beschädigt und seine Ordnung ging verloren.

Ruyter nutzte deshalb seinen Erfolg nicht aus, sondern entsetzte

Bankers und stellte zunächst die Ordnung wieder her. Auch dann nutzte

er hier die günstige Lage des Gefechts nicht aus -- verschiedene

feindliche Schiffe waren abgeschnitten, der größere Teil der Feinde

stand in Lee -- sondern er führte die wiedervereinigte Mitte und

Nachhut Tromp zu Hilfe (etwa 6 Uhr). Er sagte: »Das Wichtigste zuerst;

es ist besser, dem Freunde zu helfen, als dem Feinde zu schaden.«

Tromps Geschwader war arg mitgenommen. Der Admiral selbst hatte zweimal

sein Flaggschiff wechseln müssen, nach der Schlacht mußte er nochmals

auf ein anderes übergehen; sein Vizeadmiral Schramm war gefallen.

Gerade zu rechter Zeit kam Ruyter heran, so daß Tromp ausrief: »Kinder,

da kommt unser Großvater (so wurde Ruyter von den Leuten genannt), uns

zu helfen! Ich werde ihn auch nie verlassen, so lange ich lebe!«

Nach der Vereinigung mit Tromp wendete Ruyter mit der ganzen Flotte

wieder nach Südwesten. Die Verbündeten folgten; sie scheinen aber,

obgleich zu Luward stehend, den Nahkampf nicht mehr gesucht zu haben;

die Dunkelheit trennte gegen 10 Uhr die Gegner. Ruyter ankerte etwa auf

der Stelle, wo der Kampf begonnen hatte, die Verbündeten standen einige

Seemeilen nach Norden hin von der Küste ab und gingen dann auch zu

Anker.

Die =Schlacht= wurde bis in die neueste Zeit meist »=unentschieden=«

genannt, beide Teile schrieben sich den Sieg zu. An Schiffen haben, außer

Brandern, scheinbar nur die Franzosen 2, die Holländer 1 (nach der

Schlacht gesunken) verloren; die Beschädigungen waren etwa gleich;

genommen wurde kein Schiff. Der Mannschaftsverlust ist unbekannt, der

englische soll infolge der Überbemannung mit Landsoldaten der weit

größere gewesen sein. Die Verbündeten rühmten sich, den Feind zum

Rückzuge gezwungen zu haben, aber die neueren Autoren auch dieser Länder

erkennen den =Erfolg Ruyters= an: Er hat einen überlegenen Feind

angegriffen und ihm gleiche Verluste zugefügt; er hat für den Augenblick

den Hauptzweck des Gegners vereitelt. Auch hat er sich keineswegs zu

seinem Schutz zwischen die Sände zurückgezogen, sondern ist kampfbereit

in See geblieben; daß er wieder auf seinem alten Platze ankerte, aber

doch einige Seemeilen weiter seewärts, lag in seinem Hauptplane. Die

Verbündeten haben seinen »Rückzug« nicht gehindert und auch in den

nächsten Tagen nichts unternommen.

Das Benehmen der Franzosen in dieser Schlacht wurde von den Engländern

als vorwurfsfrei anerkannt. Nur die Verwendung der Brander ihrerseits

tadelte man; Sie hätten zu früh mit mehr Mut als Überlegung

angegriffen, ehe feindliche Schiffe genügend niedergekämpft oder doch

bewegungslos gemacht seien.

$Die zweite Schlacht bei Schooneveld, 14. Juni 1673.$ Beide Gegner

besserten auf ihren Ankerplätzen aus. Die Holländer waren dabei im

Vorteil; sie konnten Material vom Lande beziehen, die Verwundeten von

Bord geben, Munition und Mannschaften ergänzen. Auch stießen an Stelle

des verlorenen und zweier sehr beschädigten Schiffe (zu 60, 50 und 40

Kanonen) zwei Schlachtschiffe 1. Klasse (zu 84 und 82 Kanonen, eins davon

mit Admiral Sweers, Geschwader Tromp), einige Fregatten und Brander zur

Flotte, so daß diese fast genau die alte Stärke wieder hatte. Durch

beständig am Feinde gehaltene Aufklärer erfuhr Ruyter, daß dem Gegner

etwa 30 Segel fehlten, meist kleinere Kriegsschiffe und Brander, die zur

Ausbesserung nach Haus gesandt oder verbraucht waren. Ferner waren die

Holländer, dicht unter der Küste, kaum einem Angriff ausgesetzt und

konnten mit Ruhe arbeiten und sich erholen, während die Verbündeten Tag

und Nacht auf einen Angriff gefaßt sein mußten. Die Aussichten der

Holländer standen also jetzt in allem günstiger als bei der ersten

Schlacht und =Ruyter= beschloß, je eher je besser anzugreifen. Der 14.

Juni wurde dazu angesetzt, falls die Windverhältnisse günstig; die Flotte

war schon am 12. bereit, man mußte aber die Zustimmung angekündigter

Staatendeputierter haben. Diese trafen rechtzeitig ein, und am

festgesetzten Tage um 11 Uhr vorm. ging Ruyter bei frischem östlichen

Winde unter Segel. Die Berichte über =diese Schlacht= sind nicht nur

mangelhaft, sondern auch widersprechend; am wahrscheinlichsten scheint

mir folgender =Verlauf=:[195]

[195] Schilderung nach Vergleich von: »Leben Ruyters«; de Jonge,

Teil I; Clowes, Teil II; Jal: »du Quesne«.

Die Verbündeten wurden teilweise durch den Angriff überrascht. Rupert

war zwar auf ihn gefaßt; da der Wind am 13. abends östlich geworden

war, hatte er Vorbereitungen zum schnellen Untersegelgehen getroffen

und war selbst die Nacht über aufgeblieben. Admiral Spragge war

lässiger und begab sich sogar am 14. früh mit seinem Kontreadmiral an

Bord des Flottenflaggschiffes; hier verweilte er zu lange oder konnte

nicht schnell genug zurückkommen, als die Holländer erschienen.

Die Küste läuft Nordost-Südwest; der Wind war steif aus Ost, später

Nordost; die Verbündeten lagen in Nordwesten der Holländer, das blaue

Geschwader (Spragge) am meisten zu Luward. Rupert hatte jetzt mit dem

roten Geschwader die Mitte übernommen; ob dieses Mal Engländer und

Franzosen in den Geschwadern gemischt waren, ist unsicher. Die

holländische Flotte kam in guter Ordnung heran, Tromps Geschwader

führte. =Rupert= gab Befehl, Anker zu lichten und über Backbord-Bug die

Linie zu bilden. Das rote und das weiße Geschwader führten den Befehl

schnell aus; das blaue, das auf seine Flaggoffiziere wartete,

verzögerte sich. Die Holländer sagen, die Gegner schienen zuerst den

Kampf haben aufnehmen zu wollen, dann aber hätten sie nach Nordwesten

abgehalten. Es ist also anzunehmen, daß Rupert zuerst über Backbord

beim Winde steuerte, entweder, um die Luvstellung zu gewinnen

(holländische Quellen) oder um das noch ungeordnete blaue Geschwader zu

decken (französische Quellen). Das erstere mißlang, da Tromp sofort

auch hoch beim Winde steuerte, die Deckung wurde unnötig, weil Spragge

sich noch rechtzeitig -- wenn auch in Unordnung, es sollen Teile des

blauen Geschwaders in die beiden anderen versprengt sein (französische

Quellen) -- auf seinen Platz vor dem roten Geschwader begab. Nun hielt

Rupert ab, um den Feind von der Küste abzuziehen (englische Quellen).

Die Holländer folgten, das Feuer wurde auf weite Entfernungen eröffnet,

aber erst zwischen 4 und 5 Uhr nachmittags kam es zum ernsteren Kampf;

sei es, daß Rupert sich jetzt weit genug von der Küste glaubte, sei es,

daß Tromp das blaue Geschwader eingeholt hatte und Rupert nun genötigt

war, den Kampf auf der ganzen Linie aufzunehmen. Es ist klar, daß Tromp

dem Gegner am nächsten sein mußte, und Spragge stand wohl auch noch

immer etwas zurück. Jedenfalls kam um diese Zeit die Spitze Tromps mit

Spragge ins Gefecht; aufeinanderfolgend griff Tromp selbst ein, Ruyter

stieß mit Rupert und Bankers mit d'Estrées zusammen.

Vizeadmiral Sweers, der Führer der ersten Division Tromps, war mit

seinem Flaggschiff (»Weißer Elephant«, 82 Kanonen) und 3 Fregatten

vorgelaufen. Er kam zuerst an den Feind und wurde so zugerichtet, daß

er bald darauf das Gefecht verlassen mußte. Tromp legte dies als Mangel

an Tapferkeit aus, eine Untersuchung ergab aber die schweren Verluste

und Beschädigungen des »Elephant« und Oranien legte den Streit bei.

Es entspann sich nun ein laufendes Gefecht über Backbord-Bug, das

jedoch nur auf mittlere Entfernungen geführt wurde, so daß die wirksame

Verwendung der Brander ausgeschlossen war; auch der schon begonnene

Nahkampf der Vorhuten wurde infolge schwerer Beschädigungen der

Takelage auf Tromps Flaggschiff wieder getrennt. Schon der englischen

Küste nahe, wendete Ruyter nach sechsstündigem Feuergefecht bei

Eintritt der Dunkelheit (10 Uhr) mit seiner ganzen Flotte und ging

unter kleinen Segeln auf seinen Ankerplatz zurück, den er am nächsten

Nachmittage unbelästigt erreichte.

Auch diese =Schlacht= galt als =unentschieden=. Auf keiner Seite war ein

Schiff verloren. Der Mannschaftsverlust war nicht so schwer als in der

ersten und scheint bei den Gegnern etwa gleich gewesen zu sein; bei den

Holländern betrug er nur 216 Tote und 285 Verwundete.[196] Zum Nahgefecht

war es im allgemeinen nicht gekommen. Die Holländer wollen stets den

Nahkampf erstrebt und insbesondere soll Ruyter versucht haben, in das

rote Geschwader einzubrechen. Die Gegner jedoch sollen jeden Versuch

durch Abhalten vereitelt haben; als die Gelegenheit sich endlich bot,

wäre es zu dunkel gewesen. Nach französischen Angaben habe Ruyter

überhaupt nur die Absicht gehabt, den Feind für längere Zeit aus dem

Felde zu schlagen und ihn zu nötigen, infolge Munitionsverbrauchs und

Beschädigungen seiner Schiffe die eigenen Häfen aufzusuchen, ohne dabei

im Gefecht die holländische Flotte großen Verlusten auszusetzen.

Allerdings scheint Rupert dem Nahkampf ausgewichen zu sein, obgleich er

den Vorteil hatte, daß die Holländer vielfach ihre untersten Batterien

nicht gebrauchen konnten. Der schlechte Zustand seiner Schiffe, die

vielen Verwundeten von der ersten Schlacht an Bord und das Bestreben, den

Feind von der Küste abzuziehen, erklären dies wohl. Es wird aber auch

auf den Geist in seiner Flotte geschoben, nämlich: Mißstimmung zwischen

Engländern und Franzosen -- vom Lobe der Franzosen englischerseits hört

man dieses Mal nichts; d'Estrées klagt über Mangel an Unterstützung und

mißbilligt in der Folge verschiedene Maßnahmen Ruperts -- sowie

Opposition mancher englischen Offiziere, die der katholischen Hofpartei

angehörten, gegen Rupert; schon vor dieser zweiten Schlacht waren Stimmen

laut geworden, zur Ausbesserung und Ausrüstung nach England zu gehen; am

15., als der Prinz nochmals fechten wollte, drang diese Ansicht im

Kriegsrate durch.

Seekriege und Seekriegswesen, Erster Band in ihrer weltgeschichtlichen Entwicklung. Mit besonderer Berücksichtigung der grossen Seekriege des XVII. and XVIII. Jahrhunderts. · 第 34 / 58 题