Holland -- 400-500 200-400 Mann
England 600- 850 500-600 280-400 "
Frankreich 700-1200 600-700 300-500 "
Dieselbe Sorgfalt wie dem Material wandte Colbert der Organisation des
=Personals= zu. Es ist schon angedeutet, daß unter ihm versucht wurde,
eine regelrechte Rekrutierung für die Marine aus der Bevölkerung der
Küstenbezirke sicherzustellen (mit Vorteilen: Halbsold, Witwen- und
Waisenpensionen u. dgl.); Colbert strebte sogar an, daß die
Eingeschriebenen stets auf demselben Schiffe dienen sollten. Aber
obgleich in den Listen 1672 schon 60000 Mann geführt wurden, war die
Sache doch noch so wenig durchgebildet, daß bei der Mobilmachung zum
Pressen zurückgegriffen werden mußte. Colbert gründete auch
Seesoldatenkompagnien, doch mußte er diese bald wieder dem eifersüchtigen
Kriegsminister (Louvois) abtreten, und die Soldaten an Bord -- etwa ein
Drittel der Besatzung -- wurden wieder vom Kommandanten angeworben. Der
Minister sorgte auch, wie schon Richelieu es getan, für Ausbildung
tüchtiger Schiffskanoniere auf Schulen mit mehrmonatigen
Unterrichtskursen. Endlich stellte er eine regelmäßige Löhnungszahlung
sowie eine bessere Verpflegung sicher und erließ mehr zeitgemäße
Kriegsartikel.
Die Bildung eines Unteroffizier-, Deckoffizier- und =Seeoffizierkorps=
vollzog sich hier in Frankreich jetzt leichter als in den beiden anderen
großen Marinen, da die Organisation sich nicht wie dort langsam aus sich
entwickelte, sondern eben die Erfahrungen dieser Marinen schon vorlagen.
1660 bestand das höhere Offizierkorps aus 1 Admiral von Frankreich, 2
Vizeadmiralen -- alle drei, namentlich aber der erste, Herren von hoher
Geburt, selten seeerfahren --, 3 Generalleutnants und den 4 Chefs
d'Escadre, d. h. Stationschefs der Seedistrikte. Diesen unterstanden die
Hauptkriegshäfen und die Unterhaltung sowie Mobilisierung der
Streitkräfte ihres Distriktes, sie führten dann auch das betreffende
Geschwader; zur Unterstützung hatten sie einen Kapitän und einige
Leutnants des Hafens. Das Offizierkorps für die mobilen Schiffe:
Kapitäne, Leutnants, Enseignes (Unterleutnants) und Aspiranten (auch
schon von Richelieu eingeführt) war nur spärlich. Colbert trennte also
die Administration vom Offizierkorps und vermehrte dieses sehr,[177] wozu
er namentlich auch Elemente der höheren Stände heranzog. Er gründete ein
Aspirantenkorps, gardes de marine, von 200 Köpfen, davon drei Viertel
Edelleute, auch zog er Offiziere der Armee in die Marine. Eine
Marineschule mit Prüfungen wurde geschaffen; Schulschiffe zur Ausbildung
der Offiziere wurden in Dienst gestellt und genaue Bestimmung über den
Dienst an Bord erlassen: Alles mit dem ausgesprochenen Zweck, in den
Offizieren Seeleute und Soldaten, also »Seeoffiziere« zu erziehen.
[177] Die beiden Vizeadmirale -- der des Ponant (Atlantische Küsten)
und der der Levante (Mittelmeer) -- waren Oberbefehlshaber der
Seestreitkräfte in ihren Gewässern; sie führten auch die großen
Flotten dort. Doch war dies nicht immer der Fall; wie in England
waren die »Funktionen in den Flotten« durchaus nicht an die
Dienstgrade gebunden. Generalleutnants führten oft als »Admiral«
die Flotte, meist als »Vizeadmiral« die Vorhut, aber auch als
»Kontreadmiral« die Nachhut. Die Chefs d'Escadre -- wohl dem
jetzigen Dienstgrade des Kontreadmirals entsprechend -- nahmen in
den Flotten oft die Geschäfte des Kontreadmirals wahr, meist die
Stellungen der Divisionschefs.
Natürlich ließ sich ein größeres Korps nicht so schnell schaffen. 1672
war man genötigt, viele Offizierstellen mit Personal aus der
Handelsmarine zu besetzen, obgleich nur ein Teil der Schiffe zum Kriege
in Dienst gestellt wurde. Auch ließen sich die guten Grundsätze für einen
strengen Dienstbetrieb nicht immer durchführen. Gerade mit dem Adel
traten auch Elemente ein, die, gestützt auf ihre hohen Verbindungen, den
Dienst leicht nahmen; die Bevorzugung des Adels erregte anderseits
Unzufriedenheit bei den andern Offizieren. So stand die französische
Marine 1672 im Material wohl stark da, aber der Personalmangel --
vorzüglich an Offizieren und Chargen -- verbot noch die volle Verwendung.
Das für den Krieg gestellte Kontingent betrug bei Solebay 1672[178] nur:
Schiffe zu Kanonen 78 70 60-68 54-58 50 38-46 12-14 Brander
Anzahl 1 7 3 2 10 7 5 8
von den schon vorhandenen 10 ganz schweren Schiffen ist keines vertreten.
[178] Jal: »du Quesne«, Teil II, Seite 64 bringt die Schiffsnamen
dieses Kontingents mit Kanonenzahl und Namen der Kommandanten der
Schiffe; Seite 98 für das Jahr 1673.
Ferner mangelte der französischen Flotte die Kriegserfahrung; ihre
Führer, auch die tüchtigen älteren Seeleute, hatten keine Übung in der
anderen Flottentaktik; die französischen Quellen heben diesen Umstand
ganz besonders hervor, die Flotte hatte nur gegen die Barbaresken
gefochten. Es ist dies wohl mit ein Grund der auffallenden Führung der
französischen Seestreitkräfte: der ängstlichen Vorsicht im zweiten
englisch-holländischen Kriege; der Lauheit und der Fehler im dritten, in
dem sogar ein erst kürzlich zur Marine übergetretener Landoffizier das
Geschwader führte. Wie beim zweiten, so drängt sich aber auch beim
dritten Kriege der Verdacht auf, daß Ludwig XIV. seine neue, noch
unsichere Waffe schonen wollte; vielleicht stellte er auch deshalb kein
stärkeres Kontingent, um so weniger, da er doch die ganze Last des
Landkrieges allein trug.
Es ist beachtenswert, daß sich in der französischen Marine das
=eigentliche Seeoffizierkorps= -- die Verschmelzung von Soldat und
Seemann -- frühzeitig stärker ausbildet als anderswo. Schon zu
Richelieus Zeiten hatten die Schiffe 1 Kapitän, 1 Leutnant, 1
Unterleutnant, und 1672 findet man auf einem 60-Kanonenschiff schon 1
Kapitän, 1 zweiten Kapitän, 2 Leutnants, 2 Unterleutnants; die
Offiziere scheinen um diese Zeit den Dienst der Maîtres, die
seemännische Führung des Schiffes, schon völlig übernommen zu haben.
Diesem frühzeitig erstarkten Seeoffizierkorps gab nun die Art seines
Ersatzes -- hauptsächlich aus dem Adel, einer damals gerade in
Frankreich hervorragend militärischen Kaste stammend --, die hier
sorgfältigere Erziehung für den Seekriegsdienst und auch wohl die
Eigentümlichkeiten des Volkes den Charakter, den es stets beibehalten
hat. Es überwiegt beim französischen Seeoffizier der Soldat gegenüber
dem Seemann. In England gewann bei der Verschmelzung der Seemann die
Überhand; der englische Seeoffizier des nächsten Jahrhunderts suchte
seinen Stolz mehr in geschickten Segelmanövern als in der Entwicklung
der militärischen Leistungsfähigkeit seines Schiffes. Dieser Umstand
sollte besonders die Leistungen der französischen Flotten in taktischen
Beziehungen eine Zeitlang -- in den Kriegen des nächsten Abschnittes --
sehr begünstigen.
$Die Verwendung der drei Marinen von 1867-1672.$ Die Seestreitkräfte
=Hollands= und =Englands= fanden in den wenigen Friedensjahren zwischen
dem zweiten und dem dritten Kriege im wesentlichen nur Verwendung im
Mittelmeer gegen die Seeräubereien der Raubstaaten. In derselben Weise,
wie wir es früher gesehen, besonders nach dem ersten Kriege, hielten
beide Nationen ständige Geschwader an der nordafrikanischen Küste. Man
war zeitweise gezwungen, diese bis zu einer Stärke von 18 Schiffen zu
30-60 Kanonen aufzustellen, da auch die Afrikaner mit Geschwadern von
Schiffen gleicher Größe auftraten; es kam zu richtigen Seegefechten, zu
gemeinsamen größeren Operationen, die dann für einige Zeit wenigstens dem
Unwesen ein Ende machten.[179]
[179] Näheres darüber. De Jonge, Teil II; Clowes, Teil II: minor
operations 1660-1714.
Auch die aufstrebende =französische Marine=[180] fand ihre erste
Verwendung im Kampf mit den Barbaresken. Eine =erste größere Expedition=
brachte das Jahr 1669. Ludwig XIV. sandte unter dem =Herzog von
Beaufort= eine Flotte von 20 Schiffen -- 1 zu 94, 3 zu 72, 12 zu 36-60, 4
zu 20 Kanonen -- und 12 Galeren mit einer Armee von 7000 Mann -- gute
Regimenter -- =nach Kreta= zur Unterstützung der Venetianer. Die Flotte
als solche fand hierbei keine Gelegenheit zur Aktion; auch die Landung
wurde, zwar anfangs glücklich, schließlich zu einem Fehlschlage; der
Herzog von Beaufort fiel (vgl. »Nebenkriege«, Kapitel X, unter
»Venedig«).
[180] Quellen wie Seite 246 angeführt. -- Bonfils, Teil I, genaue
Angaben über die Flotte usw. der Kreta-Expedition.