+================================+
| I. Division: Penn (Admiral) |
| |
+---------------+----------------+
| Anzahl | mit |
| der Schiffe | Kanonen| Mann |
| | pro Schiff |
+===============+========+=======+
|1(»James«) | 88 | 550 |
|1 | 50 | 220 |
|3 | 40-42 | 180 |
|2 | 32-38 |100-170|
|1 | 12 | 90 |
|1 Brander | 10 | 30 |
|5 arm. Kauff. | 30-46 |100-180|
+---------------| | |
|14 Segel | | |
+===============+========+=======+
| II. Division: Lane |
| (Vizeadmiral) |
+---------------+----------------+
| Anzahl | mit |
| der Schiffe | Kanonen| Mann |
| | pro Schiff |
+===============+========+=======+
|1 (»Victory«) | 60 | 300 |
|1 | 42 | 200 |
|5 | 30-38 |110-140|
|3 arm. Kauff. | 28-34 |100-125|
|---------------| | |
|10 Segel | | |
+================================+
| III. Division: Graves |
| (Kontreadmiral) |
+---------------+----------------+
| Anzahl | mit |
| der Schiffe | Kanonen| Mann |
| | pro Schiff |
+===============+========+=======+
|1(»Andrew«) | 56 | 360 |
|1 | 40 | 160 |
|4 | 30-38 |120-170|
|2 | 24-26 | 90-100|
|1 arm. Kauff. | 30 | 100 |
|---------------| | |
|9 Segel | | |
+===============+========+=======+
=III. (blaues) Geschwader: Admiral Lawson (Kontreadmiral der Flotte).=
+================================+
| I. Division: Lawson (Admiral) |
| |
+---------------+----------------+
| Anzahl | mit |
| der Schiffe | Kanonen| Mann |
| | pro Schiff |
+===============+========+=======+
|1(»George«) | 58 | 350 |
|1 | 50 | 180 |
|3 | 40 |170-200|
|2 | 30-38 |120-150|
|1 Brander | 10 | 30 |
|4 arm. Kauff. | 30-38 |100-160|
+---------------| | |
|12 Segel | | |
+===============+========+=======+
| II. Division: Jordan |
| (Vizeadmiral) |
+---------------+----------------+
| Anzahl | mit |
| der Schiffe | Kanonen| Mann |
| | pro Schiff |
+===============+========+=======+
|1 (»Vanguard«) | 56 | 390 |
|1 | 43 | 200 |
|5 | 30-38 |120-160|
|1 | 30 | 100 |
|3 arm. Kauff. | 30-36 |110-140|
|---------------| | |
|11 Segel | | |
+================================+
| III. Division: Goodsonn |
| (Kontreadmiral) |
+---------------+----------------+
| Anzahl | mit |
| der Schiffe | Kanonen| Mann |
| | pro Schiff |
+===============+========+=======+
|1(»Rainbow««) | 58 | 300 |
|1 | 44 | 210 |
|4 | 30-36 |120-150|
|1 | 12 | 40 |
|4 arm. Kauff. | 30-36 |110-120|
|---------------| | |
|11 Segel | | |
+===============+========+=======+
$Insgesamt$: 105 Segel; darunter 5 Brander und 29 armierte Kauffahrer
(englisch genannt: hired merchantmen) mit 16459 Mann und 3840
Geschützen.
$Die Tabelle$ ist ein Auszug der im Clowes, Teil II, Seite 187,
gegebenen, in der die Schiffe einzeln mit Namen, Namen der
Kommandanten, Stärke der Armierung und Besatzung aufgeführt sind.
Clowes hebt hervor, daß die Schiffe »sogar für die damalige Richtung in
der englischen Marine außergewöhnlich« überarmiert gewesen seien.
In der Tabelle ist das »rote« Geschwader als »Erstes« vorangestellt,
während es doch wahrscheinlich »die Mitte« der Flottenformation bildete
(vgl. Seite 215); ebenso sind die Divisionen, die von den
Geschwaderchefs geführt wurden, als »Erste« bezeichnet, obgleich sie
doch in der Mitte ihrer Geschwader segelten. Wenigstens war es in
beiden Fällen später stets so.
Aus dieser Einteilung einer großen Flotte und aus der Verteilung der
Flaggoffiziere ihrem Alter nach kann man die $englischen
Admiralschargen der verschiedenen Flaggen$ herleiten. Wir haben die
»Funktionen«: Admiral, Vizeadmiral und Kontreadmiral »der Flotte«
(Mitte; Vorhut; Nachhut) und dann dieselben in jedem Geschwader. Daher
kommen die Admirale der roten, weißen und blauen Flagge als Chefs der
Geschwader und die Vize- sowie Kontreadmirale der verschiedenen Flaggen
als Chefs der entsprechenden Divisionen. Hierbei ist an die
Gesamtflotte Englands oder doch an eine ungeheuer große Flotte, wie z.
B. bei Northforeland, gedacht. Da die Flotten später kleiner wurden und
kaum je nur eine aufgestellt wurde, entsprachen in der Praxis durchaus
nicht immer die Chargen der zu einer Flotte kommandierten
Flaggoffiziere ihren Funktionen in dieser.
Die vorstehende Tabelle gibt die $Zusammensetzung der englischen Flotte$.
Sie ist so eingehend gehalten, da sie gleichzeitig die Zusammensetzung
und Einteilung einer der ungeheuer starken Flotten damaliger Zeit
veranschaulichen soll. Die englische Marine teilte jetzt schon fast stets
die Flotten in 3 Geschwader und 9 Divisionen (vgl. Seite 187), während
die Holländer noch bis 1666, in welchem Jahre Ruyter den Oberbefehl
übernahm, häufig mehr Geschwader bildeten (vgl. Seite 147, Tromp).
$Die holländische Flotte$ bestand am 12. Juni, nach Tromps Bericht, aus
98 Schiffen und 6 Brandern. Sie war in 5 Geschwader unter Tromp, de
Ruyter, de Witt, Jan Evertsen und Floriszoon geteilt; jedes Geschwader
zerfiel in 3 Divisionen.[121] Wir müssen uns wieder vergegenwärtigen, daß
die holländischen Schiffe kleiner, schwächer armiert und bemannt waren
und daß sich weit mehr eingestellte Kauffahrer in der Flotte befanden.
[121] Genauer »Vie de Tromp«, Seite 118.
Die englische Flotte stellt nahezu den ganzen Schiffsbestand ihrer Marine
dar. Holland hätte wohl mehr aufstellen können, wenn die Neubauten,
besonders aber auch die Ausrüstungen und Ausbesserung der vorhandenen
Kräfte eifriger betrieben wären. Die Admirale hatten aus Mißmut über die
geringe Berücksichtigung ihrer ständigen Klagen nur ungern ihr Kommando
angetreten.
$Die Schlacht[122] bei Northforeland-Nieuport, 12. und 13. Juni 1653.$ Am
12. Juni mit Tagesanbruch lichten beide Flotten bei leichtem Nordostwinde
Anker; die Engländer halten mit achterlichem Winde auf den Feind zu, die
Holländer erwarten sie über St. B. Bug hart am Winde liegend, wohl mit
dem Bestreben, womöglich gleich die Luvstellung zu gewinnen. =Monck=
scheint zuerst die Absicht gehabt zu haben, in breiter Halbmondformation
anzugreifen, er hatte dazu seine Geschwader auseinandergezogen; als er
aber den Feind eng geschlossen sah, zog auch er seine Kräfte wieder
zusammen, was vielleicht bei dem flauen Winde zunächst nicht ganz
gelungen ist.
[122] Diese zweitägige Schlacht ist sehr verschieden benannt:
Lowestoft; Nieuport; Dünkirchen. Nach dem Ort, an welchem sie
begann, scheint mir die Bezeichnung nach Clowes: »Northforeland«
die beste; für den zweiten Tag kann man dann wohl »Nieuport«
annehmen.
Von dem Versuch, eine Schilderung des Verlaufes der Schlacht zu geben,
muß abgesehen werden, da die Überlieferungen sehr lückenhaft und voll von
unverständlichen und unlöslichen Widersprüchen sind. Es ist dies sehr zu
bedauern, da anderseits in den Überlieferungen hervorgehoben wird, daß in
dieser Schlacht auf beiden Seiten verschiedentlich dahin gestrebt sei,
durch taktische Bewegungen Vorteile zu erringen; sie wird deshalb ein
Markstein[123] in der Geschichte der Seetaktik genannt. So soll mehrfach
um die Luvstellung manövriert sein. Hierin scheint zuerst die
holländische Flotte Erfolg gehabt zu haben, wenigstens Ruyters Geschwader
Lawson gegenüber. Dieser Vorteil geht aber infolge »Verwirrung« in der
holländischen Flotte wieder verloren, und die ganze englische Flotte
gewinnt die Luvstellung. Es wird ferner erwähnt, daß =Lawson= zum ersten
Male mit einigen »Fregatten«, also gut segelnden Fahrzeugen, das
Durchbrechen der feindlichen Linie, dieses im folgenden Jahrhundert so
wichtige taktische Manöver, mit Erfolg ausgeführt habe. Es wird endlich
und vor allem hervorgehoben, daß englischerseits länger als in früheren
Aktionen die Ordnung aufrecht erhalten und zum Nahkampf (Melee) erst
übergegangen wäre, als der Feind in »Verwirrung« geraten sei. Dies ist
wohl so zu verstehen, daß die Engländer, sobald sie die Luvstellung
hatten, in Kiellinie aus den Schiffsgruppen gebildet, solange ein
Feuergefecht führten, bis der Gegner infolge ihrer stärkeren und besser
bedienten Artillerie genügend erschüttert war; der flaue Wind an diesem
Tage begünstigte die volle Ausnützung der Überarmierung. Aber es ist, wie
gesagt, nicht möglich, die einzelnen Abschnitte des Gefechtes
festzulegen. Bei dem ersten Zusammenstoß Ruyters und Lawsons etwa um 11
Uhr werden zwar beide unterstützt durch Tromp und Monck, doch scheinen
sonst die anderen Geschwader infolge des flauen Windes nicht voll mit
eingegriffen zu haben; später, als die Engländer die Luvstellung hatten,
entbrannte der Kampf auf der ganzen Linie, und es wurde hartnäckig
gefochten. Ein Beispiel möge dies veranschaulichen: Tromp entert Penn,
wird aber zurückgeschlagen und selbst geentert; da klart er sein Schiff
durch Aufsprengen des Oberdecks von den Feinden.[124] Erst die Dunkelheit
trennt die Gegner; beide bessern während der Nacht notdürftig die Schiffe
aus. Zur englischen Flotte stieß in der Nacht Blake mit 18 Schiffen.
[123] Nach Yonge, Teil I, Seite 73, schon in früheren Zeiten in der
englischen Marine so bezeichnet.
[124] Nach »Vie de Tromp«, Seite 123 und Allen, Seite 95, trug sich
dies erst am 13. zu.
Am 13. Juni steuert =Tromp= der holländischen Küste zu, da in seiner
Flotte, besonders in den Geschwadern Ruyters und de Witts, die Munition
knapp geworden war. Wenn einzelne Quellen sagen, ein Kriegsrat früh
morgens habe beschlossen, noch eine Schlacht zu schlagen, so ist dies
wohl nur dahin zu verstehen, daß Tromp beabsichtigte,[125] wenn nötig und
unter günstigen Umständen, noch einmal kräftig vorzustoßen, um sich dann
in einem Rückzugsgefechte möglichst unbelästigt zwischen die Untiefen
unter Land zurückziehen und dort Munition auffüllen zu können. Der Wind
war südwestlich geworden. Die Engländer trachteten, möglichst Luv zu
gewinnen, um sich dann zwischen den Feind und die Küste schieben zu
können; schon um 8 Uhr beginnt teilweise ein Feuergefecht auf weitere
Entfernungen. Gegen Mittag war Tromp fast imstande, sich hinter die der
Küste zwischen Ostende und Sluys vorgelagerten Sände (die =Wielings=)
zurückzuziehen, da wurde es ganz flau. Er liegt hilflos in Lee des
Feindes und es gelingt ihm eben noch, seine zerstreuten Schiffe in
leidlicher Ordnung zu sammeln, ehe er angegriffen wird. Wieder eröffnen
die Engländer in guter Ordnung ein wirksames Feuergefecht und gehen dann
mit auffrischendem Winde zum Nahkampf über.
[125] »Vie de Tromp«, Seite 128, Tromps Bericht.
Sie haben vollen Erfolg, bei den Holländern ist die größte
Verwirrung[126] und teilweise Panik eingerissen. Die Schiffe sind unklar
voneinander gekommen, Führer von Brandern versenken oder verbrennen ihre
eigenen Fahrzeuge und retten sich in Booten; viele holländische Schiffe
fliehen, obgleich Tromp auf sie feuert. Die Engländer würden vielleicht
den größten Teil der Flotte vernichtet haben, wenn sie nicht wegen der
anbrechenden Dunkelheit und wegen der Nähe der Sände, besonders mit
Rücksicht auf ihre großen Schiffe, gezwungen gewesen wären, den Kampf
abzubrechen und zu ankern. So gelingt es der holländischen Flotte am
nächsten Morgen mit Tagesgrauen, sich zwischen den Untiefen zu bergen und
dann die Häfen zu erreichen.
[126] Auch Tromp nennt in seinem Bericht die Verwirrung eine Folge der
»Unwissenheit und Unerfahrenheit vieler Kommandanten«.
=Verluste=: Die Engländer haben in den zwei Tagen 11 Schiffe mit 1350
Gefangenen genommen, 6 versenkt, 2 verbrannt; sie selbst haben kein
Schiff verloren, auch nur wenige müssen zur Ausbesserung in die Heimat
gesandt werden. Ihr Mannschaftsverlust war nicht unbedeutend: 120 Tote,
darunter =Deane=, der am ersten Tage durch eine Kettenkugel (in dieser
Schlacht zum ersten Male von den Holländern mit besonderem Erfolg gegen
die Takelage verwendet) getötet wurde, und 236 Verwundete. Der
Menschenverlust auf holländischer Seite ist nicht bekannt.
Die Niederlage der Holländer war zwar nicht so, daß der Krieg dadurch
entschieden würde, aber die =Nachwirkung der Schlacht= war doch
bedeutend. Die englische Flotte blieb bei der günstigen Jahreszeit an der
holländischen Küste und hielt diese unter strenger Blockade; sie wurde
zum ersten Male an einer feindlichen Küste neu ausgerüstet und mit
Munition und Vorräten versehen. =De Witt=, der erneute Klagen Tromps und
seiner Admirale der Regierung überbrachte, erklärte in der Versammlung
der Generalstaaten nachdrücklich, »=die Engländer seien
jetzt unbestritten die Herren der See=«. Wieder angeknüpfte
Friedensunterhandlungen kamen nicht vorwärts, da Cromwell nach diesem
Erfolge seine Bedingungen noch verschärfte.
Die Klagen der Admirale gipfelten zunächst wieder in der
Unzulänglichkeit der Schiffe: die Engländer hätten 50 Schiffe, die dem
besten der ihrigen überlegen seien, in ihrer Flotte dagegen fänden sich
an 30 völlig unbrauchbare, deshalb seien schwerere Schiffe, besser
armiert und bemannt, nötig. Ferner wurden bessere Löhnungsverhältnisse,
Mitgabe von Munitions- und Proviant-Fahrzeugen verlangt (»Leben
Ruyters«, Seite 43).
Wenn unter den früheren Verhandlungspunkten sich nur die Forderung
einer »more intimate alliance« zwischen den beiden Staaten fand, so
wurde jetzt eine »complete coalition« verlangt; »eine völlige
Vereinigung unter einer Regierung«, aber mit einem solchen Übergewicht
auf englischer Seite, daß Holland aufgehört haben würde, ein
selbständiger Staat zu sein (Clowes, Teil II, Seite 193).
$Gefecht bei Kattwijk und Schlacht bei Scheveningen, 8. und 10. August
1653.$ Der geschilderte Zustand war für Holland unerträglich. Der Handel
und die für den Nationalwohlstand fast ebenso wichtige Heringsfischerei
waren jetzt völlig lahmgelegt. Die Engländer brachten viele sehr reiche
Prisen auf; man mußte sogar auf feindliche Expeditionen in die inneren
Gewässer und auf Landungen gefaßt sein und sah sich genötigt, Truppen an
die Küste und auf die Inseln bei der Texelmündung zu werfen. Außerdem
gärte es in verschiedenen Orten an der Küste, ein großer Teil der
Bevölkerung schob die Schuld des unglücklichen Krieges der Regierung zu
und verlangte wieder einen Statthalter.[127] Die Regierung arbeitete
deshalb mit äußerster Anstrengung an der Wiederbereitstellung der Flotte,
um den Feind von der Küste zu vertreiben; auch wurden Verfügungen[128]
erlassen, die besondere Belohnungen für kriegerische Leistungen und hohe
Entschädigungen für schwere Verwundungen versprachen.
[127] »Vie de Tromp«, Seite 133; »Leben Ruyters«, Seite 44, geben
Näheres.
[128] Diese Verfügungen ebendort, Seite 136 bezw. Seite 44.
Die Aufstellung der neuen Flotte erfolgte unter =Tromp= in der Maas und
unter =de Witt= in der Texelmündung; die nächste Aufgabe der beiden
Führer war, sich zu vereinigen. Am 3. August ging =Tromp= mit 80-90
Schiffen und 5 Brandern in See, er hielt sich mehrere Tage vor der
Maasmündung und segelte dann an der Küste entlang, die Engländer zu
suchen. Diese hatten, vor Texel liegend, am 5. August bemerkt, daß =de
Witt= seine Kräfte, 27 Schiffe nebst 4 Brandern, bei Helder dicht an der
Mündung zusammengezogen hatte, um jede günstige Gelegenheit (z. B. Nebel)
zum Auslaufen benutzen zu können. =Moncks=[129] Kriegsrat beschloß
deshalb am 7. August, mit der ganzen Flotte Tromp entgegenzusegeln und
seine Vereinigung mit de Witt zu hindern. Man ging am Abend Anker auf und
sichtete am 8. August vormittags Tromps Flotte auf der Höhe von Egmond,
etwa 20 Seemeilen südlich von Texel. Die englische Flotte war durch
Nachschub an Stelle der ausbesserungsbedürftigen Schiffe etwa gerade so
stark wie bei Northforeland, also rund 100 Segel, nach Tromps Bericht vom
8.: 90 größere, 26 kleinere Fahrzeuge.
[129] Monck führte jetzt allein den Oberbefehl, da Deane gefallen,
Blake schwer erkrankt nach England gesandt, ein neuer General zur
See noch nicht ernannt war; im Dezember 1653 erfolgte Penns
Ernennung nebst der eines dritten, der jedoch nie zur See diente.
(Clowes, Teil II, Seite 192.)
Tromp steuerte nördlich bei Westsüdwestwind, er würde also die
Luvstellung gehabt haben; zunächst lief er auch noch etwas weiter, als
aber der Wind nach Nordwesten drehte, wendete er und steuerte an der
Küste entlang südlich, denn seine Absicht war, den Feind von der
Texelmündung abzuziehen, um de Witts Auslaufen zu erleichtern, und
deshalb vorläufig ein Gefecht zu vermeiden. Die Engländer folgten scharf
und griffen um 5 Uhr mit ihren schnellsten Schiffen (den neuen Fregatten)
die letzten holländischen, schlechte Segler,[130] =auf der Höhe von
Kattwijk= an. Von englischer Seite kamen nach und nach an 30 Schiffe
heran, die Holländer unterstützten ihrerseits die angegriffenen Kameraden
nach Kräften. So nahm das Gefecht weit größere Ausdehnung an, als Tromp
beabsichtigt hatte; alle Flaggschiffe waren beteiligt und erlitten
schwere Verluste. Wie gewöhnlich trennte erst die Dunkelheit die Gegner.
Es war =Tromp= nicht gelungen, ein Gefecht ganz zu vermeiden und seine
Flotte unversehrt zu erhalten, doch war es nicht zu einer entscheidenden
Schlacht gekommen, und =de Witt= war entsetzt; dieser war in der letzten
Nacht in See gegangen, nachdem er das Fahrwasser durch Boote mit Laternen
und Fackeln ausgebojt hatte.
[130] »Vie de Tromp«, Seite 139; Tromps Bericht; »Leben Ruyters«, Seite
45.
Am 9. August wehte es hart aus Nordwesten, beide Flotten hatten genug zu
tun, sich von der Leeküste freizuhalten. So kam es zu keinem ernsten
Schlage; ein großer Vorteil für die Holländer, da de Witt Zeit gewann,
heranzukommen. Tromp näherte sich zwar morgens mit einigen Schiffen und
wechselte Schüsse, er ging aber wieder auf seine Flotte zurück, als der
Feind Miene machte, das Gefecht ernstlich aufzunehmen. Um 5 Uhr
nachmittags stieß de Witt zu ihm. Die Gegner blieben die Nacht über in
größter Nähe. Am 10. August hatte der Wind abgeflaut und war nach Süd
gegangen. Die Flotten lagen bei =Scheveningen=, beide gingen um 7 Uhr zum
Angriff vor; =die Schlacht= wurde gleich allgemein und sollte =die letzte
und blutigste= des ersten Krieges werden.
Leider sind auch über diese Schlacht die Schilderungen
widersprechend[131] und nicht in Einklang zu bringen. Es ist dies
wiederum zu bedauern, weil man aus den Andeutungen schließen kann, daß
auf beiden Seiten eine gut rangierte Formation eingenommen war, daß
diese englischerseits gut aufrecht erhalten wurde, und daß auch
mehrfach wohldurchdachte taktische Manöver ausgeführt sind. Es sei über
den Verlauf nachstehendes als wahrscheinlich erwähnt.
[131] Vgl. Clowes, Teil II, Seite 195; Allen, Teil I, Seite 48; »Vie de
Tromp«, Seite 140.
Beide Gegner waren in Flottenkiellinie aus Schiffsgruppen formiert, auf
holländischer Seite führte =Tromp= an der Spitze. Vor dem Zusammenstoß
gelingt es ihm mit den meisten Schiffen, nur einige Nachzügler
abgerechnet, die Luvstellung zu gewinnen. Er hält jedoch diese Stellung
nicht durch, sondern bricht in die feindliche Linie ein. Es war aber
nicht das Durchbrechen, um einen Teil des Feindes abzuschneiden, sondern
nach altem Brauch ein Einbrechen, Zurücksegeln und Wiedereinbrechen. Die
holländischen Quellen der Zeit heben ausdrücklich hervor, daß viele
Schiffe »3 bis 4 mal wie bei den Ruderschiffen« die feindliche Linie
durchbrochen hätten. Sein Flaggschiff »Brederode« wird dabei schlecht
unterstützt und leidet schwer unter konzentriertem Feuer. Als sich der
dichte Pulverdampf einen Augenblick lichtet, weht an Bord die Flagge für
Kriegsrat. Die holländischen Flaggoffiziere, die in der Nähe sind, eilen
an Bord und finden =Tromp= durch eine Musketenkugel =getötet=. Es wird
beschlossen, seine Flagge wehen zu lassen, um die Holländer nicht zu
entmutigen, die Engländer dagegen anzuspornen. =Jan Evertsen= übernimmt
den Oberbefehl.
Der Kampf wird mit äußerster Erbitterung fortgesetzt. Bis gegen 1 Uhr
mittags stehen die Chancen gleich; die Holländer sind mit den meisten
Schiffen immer noch zu Luward und verwenden von hier aus ihre Brander mit
Geschick und Erfolg besonders gegen die feindlichen Flaggschiffe. 2
englische Schiffe werden verbrannt, 2 Admiralschiffe leiden schwer durch
Feuer; Admiral Graves verbrennt, Peacock stirbt später an den
Brandwunden. Aber auch die Holländer haben starke Verluste, Ruyters und
Evertsens Schiffe müssen entmastet nach der Maasmündung geschleppt
werden. Gegen 1 Uhr gewinnen die Engländer, scheinbar noch wohl geordnet,
die Luvstellung, die holländischen Nachzügler in Lee kommen dadurch noch
weiter ab und halten sich dann absichtlich fern. Die Hauptmacht, jetzt
unter =de Witts= Oberbefehl, versucht wieder nach Luward zu gelangen; da
dies nicht gelingt, hält es de Witt für richtiger, nur hinhaltend zu
fechten, um die Schlacht abzubrechen; bald aber kann er nur noch mit
einigen dreißig wacker fechtenden Schiffen die Flucht der anderen
decken. Er feuert auf die Fliehenden und ruft aus: »Hätte man die
Kommandanten gehängt, als sie es früher getan, so könnten sie es jetzt
nicht wieder tun!« Mit Munitionsmangel konnte sich dieses Mal niemand
entschuldigen, auf Drängen der Admirale waren der Flotte Munitionsschiffe
mitgegeben worden. Um 8 Uhr abends wird die Flucht allgemein; die Schiffe
setzen Untersegel und was sie sonst tragen können und steuern der
Texelmündung zu. Die Engländer verfolgen bei hellem Mondschein bis
Mitternacht aber doch nur lau, auch sie müssen zunächst ihre schwer
beschädigten Schiffe von der Küste freisegeln. Am 11. August melden die
englischen Aufklärungsschiffe das Einlaufen des Feindes in den Texel, und
=Monck= führt seine Flotte nach Yarmouth, da sie nicht imstande ist,
länger die See zu halten.
=Die Verluste= waren auf beiden Seiten schwer. Die Holländer haben nach
eigenen (de Witts) Angaben 14 Schiffe verloren (wahrscheinlich sind darin
5 eingerechnet, die nur sehr schwer havariert waren), 500 Tote, 700
Verwundete, 700 Gefangene; die englischen Angaben über den Verlust des
Gegners gehen sogar bis zu 26 Schiffen, 4000 Toten und Verwundeten (8
Kommandanten) und 1300 Gefangenen (1 Admiral und 4 Kommandanten).
Die Engländer verloren nach den eigenen Angaben wenigstens 250 (nach
»Penn«) oder 400 Tote (2 Admirale, 5 Kommandanten), 700 Verwundete und 2
Schiffe; holländischerseits werden als englischer Verlust 8-11 Schiffe,
worin wohl auch die halbverbrannten oder sonst schwerbeschädigten
eingerechnet sind, und bis zu 3000 Tote und Verwundete angegeben. Aber
kein holländisches Schiff war genommen und auch die englische Flotte war
genötigt, die Häfen aufzusuchen.
Wie schwer die Verluste der holländischen Schiffe waren, die wacker
durchgehalten hatten, zeigt Ruyters Flaggschiff: 43 Tote, 53 Verwundete
von 150 Mann Besatzung; Groß- und Fockmast über Bord.
Die holländischen Gefangenen waren sämtlich von den sinkenden Schiffen
aufgefischt. Es ist behauptet, Monck habe befohlen, keine Prisen zu
machen und keinen Pardon zu geben. Dies ist nicht erwiesen;
wahrscheinlich ist, daß er erklärt hat, es sei richtiger, die
feindliche Flotte zu vernichten, als durch Besetzen von Schiffen Kraft
und Ordnung der eigenen Flotte zu gefährden.[132]
[132] Clowes, Teil II, Seite 196.
$Die Folgen der Schlacht bei Scheveningen und der Friedensschluß.$ Bis zu
einem gewissen Grade war die Schlacht trotz der Niederlage ein
strategischer Erfolg der Holländer. Die englische Flotte war nicht
imstande, die Blockade weiter durchzuführen; sie hat sie auch im weiteren
Verlaufe des Krieges nicht wieder ernstlich aufgenommen. Schon im
September geleitete =de Witt= mit 40 weniger beschädigten Schiffen einen
starken Konvoi durch die Nordsee, übernahm bei Skagen von dänischen
Kriegsschiffen eine große Zahl Ostseefahrer und holte dann heimkehrende
Atlantikfahrer ab, die sich in den norwegischen Häfen angesammelt hatten.
Seine Flotte war nach und nach bis an 70 Schiffe verstärkt; mit ihr
brachte er im Anfang November den bis gegen 400 Fahrzeuge angewachsenen
Heimkonvoi unbelästigt nach Holland zurück, obgleich die Engländer ihre
wieder instandgesetzte Flotte, allerdings nur 40-50 Segel stark, an der
holländischen Küste zeigten. Aber doch war die den Krieg entscheidende
Schlacht geschlagen; es war den Holländern nicht mehr möglich, sich noch
einmal zum Widerstande in großem Maßstabe aufzuraffen; um so weniger, als
de Witts Flotte bald nach seiner Rückkehr durch einen dreitägigen Sturm,
vor der Texelmündung liegend, fast zur Hälfte kampfunfähig gemacht wurde.
Derselbe Sturm nötigte auch die Engländer, in die Häfen zu gehen; es
wurde dann ein großer Teil ihrer Schiffe für den Winter aufgelegt.
Da England die Blockade aufgeben mußte, sah die Regierung in Holland
die Schlacht bei Scheveningen nicht als Niederlage[133] an und wollte
durch die Entsendung de Witts sowie dadurch, daß man die Flotte noch im
November draußen ließ, der ganzen Welt zeigen, daß Holland nicht
unterlegen sei; auch wurde Tromp als Nationalheld mit großen Ehren
begraben. Das Abweichen von dem alten Brauch, die Flotte im Spätherbst
in die Häfen zu nehmen, wurde anderseits von der Volksmeinung der
Regierung zum Vorwurf gemacht.[134]
[133] »Vie de Tromp«, Seite 147; ebendort das Begräbnis Tromps.
[134] »Leben Ruyters«, Seite 52.
Im Winter 1653-54 begannen neue Friedensunterhandlungen und beide Gegner
beschränkten sich bis zum Friedensschluß auf den kleinen Krieg: Entsenden
von Kreuzern gegen die feindlichen Handelsschiffe und Kreuzer. Die
holländische Regierung mußte unter allen Umständen Frieden schließen,
auch aus Gründen der inneren Politik. Die aufrührerischen Bewegungen
mehrten sich, das Verlangen nach einem Statthalter trat schärfer hervor.
Die Folgen des Krieges lasteten zu schwer auf dem Lande und der Handel
lag hoffnungslos danieder. In dem kleinen Kriege jetzt mußte Holland
weiter im Nachteil bleiben, denn sein Handel war der größere und führte
überall durch englische Gewässer.
Der Krieg hat neben den unmittelbaren Kosten für die Rüstungen dem
Lande ungeheuere Verluste gebracht. Man nimmt an, daß die Engländer im
Laufe der zwei Kriegsjahre 1700 Prisen im Werte von 6 Millionen Lstrl.
aufgebracht haben, während sie kaum den vierten Teil verloren. Nur in
den außerheimischen Gewässern war der englische Handel der
gefährdetere. Wir sahen, daß England das Mittelmeer aufgab, ebensowenig
hatte seine Kraft hingereicht, den Handel in Ostindien zu schützen und
die Navigationsakte in den amerikanischen Kolonien durchzuführen.
Auch =Cromwell= war jetzt dem Frieden geneigter. Seine neue Stellung als
Alleinherrscher wurde durch einen ruhmreichen Abschluß des blutigen
Krieges befestigt; es lag ihm ferner jetzt daran, sich mit Holland, das
bisher Sympathie für die Stuarts gezeigt, gut zu stellen -- der
Friedensschluß war somit ein schwerer Schlag für die Royalisten. Er ließ
sehr in seinen Forderungen nach und sah ab von den Bedingungen, freien
Handel in der Schelde zu geben;[135] die Kriegsflotte zu vermindern; die
Fischereiabgabe aufs neue zu zahlen und dem beanspruchten Rechte, die
holländischen Schiffe in englischen Gewässern auf ihre Ladung zu
untersuchen. Vor allem wurde der Gedanke, beide Republiken zu vereinigen,
fallen gelassen.
[135] Das Abschließen des spanischen Antwerpens von der Schiffahrt --
die Sperrung der Schelde -- war eine wichtige Errungenschaft
Hollands im Westfälischen Frieden gewesen.
Am 15. April 1654 wurde der $Frieden von Westminster$ geschlossen. Hart
waren die Bedingungen immer noch; von den 32 Punkten sind folgende für
uns die wichtigsten: Holland mußte die Navigationsakte anerkennen, den
Gruß der englischen Flagge in englischen Gewässern »durch Dippen der
Flagge, Wegführen der Marssegel und Abgabe von Salutschüssen« zugestehen
und sehr bedeutende Entschädigungen zahlen. Diese setzten sich zusammen
aus den alten Forderungen, die schon als Gründe des Krieges erwähnt sind
(Seite 191), und neu hinzutretenden: Entschädigung an die
englisch-ostindische Kompagnie für Verluste während des Krieges und an
die Erben der in Amboina 1623 ermordeten Engländer sowie Ersatz für den
Schaden, den der englische Ostseehandel während des Krieges durch die
Dänen erlitten hatte.[136] Außerdem verpflichteten sich die
Generalstaaten durch eine anfangs geheimgehaltene Klausel, die
Angehörigen des Hauses Oranien von allen hohen Staatsämtern und
militärischen Kommandos auszuschließen.
[136] Zimmermann, Band II, Seite 142, nennt 85 000 Lstrl. (und
Herausgabe der Banda-Insel Palaroon) an die ostindische Kompagnie
und 3600 Lstrl. an die Erben der Amboinakaufleute. Clowes, Teil
II, Seite 200, spricht von 140 000 Lstrl. für den Schaden des
Ostseehandels und von 900 000 Lstrl. als Gesamtbetrag aller
Forderungen.
In diesen Frieden wurde =Dänemark= eingeschlossen. Auch =Portugal= hielt
es nach den Erfolgen Englands für nötig, sich mit diesem gut zu stellen;
es ersetzte die Schäden, die dem englischen Handel durch Prinz Rupert von
portugiesischen Häfen aus zugefügt waren. Selbst =Frankreich= nötigte
Cromwell zu Gefallen Karl II., Paris zu verlassen und sich nach Köln zu
begeben. Die Reibungen zur See zwischen Frankreich und England nahmen
ihren Fortgang, bis 1655 ein Handelsvertrag abgeschlossen wurde, nachdem
Blake und Penn mit großem Erfolge gegen die französischen Freibeuter
vorgegangen waren.
$Bemerkenswertes in diesem Kriege.$ Der erste englisch-holländische Krieg
ist für die Seekriegsgeschichte in verschiedener Hinsicht von großer
Bedeutung, vor allem durch den Umschwung in der Kriegführung. Bei der
Wichtigkeit dieses Umstandes sei das an verschiedenen Stellen schon
Gesagte (Seite 107, 143, 160) nochmals kurz zusammengefaßt.
In den Kriegen der älteren Zeiten war das Meer mit wenigen Ausnahmen nur
eine Marschstraße für die Heere, um den Krieg zu Eroberungen oder
Brandschatzungen in Feindesland zu tragen; daneben schädigte man den
Feind durch Wegnahme seiner Handelsschiffe. Von einer planmäßigen Anlage
und Durchführung dieser Kriegsart war jedoch keine Rede, weder von einer
völligen Inbesitznahme und dauernden Behauptung dieser Marschstraße, noch
von einer gänzlichen Unterbindung des feindlichen Seehandels. Beides
erlaubten die unzulänglichen Streitmittel nicht. Weder die Ruderschiffe
noch die älteren Segelschiffe waren imstande, längere Zeit die See zu
halten und so auf dem Meere errungene Erfolge zu behaupten und
auszunutzen. Den feindlichen Seehandel zu einem Hauptangriffsziel zu
wählen, hatte keinen Zweck, so lange er nicht so beträchtlich war, daß
man in ihm die Lebensbedingungen des feindlichen Landes ernstlich
bedrohen konnte.[137]
[137] Colomb, Kap. I. »The nature of naval warfare« mit folgender
Disposition: Ein wirklicher Seekrieg ist erst möglich, wenn im
Seehandel ein großer Teil des Reichtums eines Landes ruht und
wenn Schiffe vorhanden sind, die die See halten können. Er war
mithin vor der Zeit Elisabeths ausgeschlossen. Erst im Spanischen
Kriege wurden diese Voraussetzungen erkannt, besonders von den
Admiralen Raleigh und Monson, Das erste Ziel des Seekrieges ist
also die Beherrschung der See.
Zu Ende des 16. und im Anfang des 17. Jahrh. wurden die Schiffe
seefähiger und der Handel nahm wesentlich zu; infolgedessen sehen wir
auch die Kriegführung in ein neues Stadium treten. Es ist aber erst eine
Übergangsperiode. Die Unternehmungen gegen den Handel bleiben im
allgemeinen noch örtlicher und gelegentlicher Natur, oft mit dem
ausgesprochenen Charakter der Freibeuterei; die sonstigen militärischen
Unternehmungen sind meist noch Expeditionen gegen das feindliche Land im
alten Sinne -- das hervorragendste Beispiel, der Zug der Armada -- oder
vereinzelte Vorstöße zu ihrer Verhinderung. Selbst die Engländer, sonst
auf dem neuen Wege am weitesten fortgeschritten, fallen oft in die alte
Kriegführung -- Brandschatzung als Hauptzweck -- zurück. Es wird noch
nicht genügend darauf Bedacht genommen, durch eine planmäßige und
andauernde Durchführung des Seekrieges, durch Aus- und Abschließen des
Feindes vom Meere, den Krieg möglichst schnell zu beendigen; es gibt noch
keine Strategie, die Erringung und Erhaltung der Seeherrschaft zum Ziele
hat.
=Der erste englisch-holländische Krieg aber ist nur zur See geführt= und
warf doch Holland so nieder, wie es ein siegreicher Landkrieg mit
Invasion nicht ärger hätte bewirken können, ohne dem Sieger die Opfer an
Menschen und Vermögen aufzuerlegen, die ein Landkrieg gefordert hätte;
der Wert der von England gemachten Prisen entsprach allein dem vierfachen
Betrage des damaligen jährlichen Staatseinkommens Englands. Die
Bedingungen für eine erfolgreiche Kriegführung zur See im neueren Sinne
waren hier gegeben; beide Staaten boten dem Gegner einen großen Seehandel
als Angriffsziel dar, Schiffe einigermaßen fähig, die See andauernd zu
halten, waren vorhanden; der Schiffbau hatte in dieser Hinsicht schon
genügende Fortschritte gemacht, wenigstens ausreichend für den
beschränkten Kriegsschauplatz. Dieser Krieg war der erste, der andauernd
hohe Anforderungen an die Seestreitkräfte stellte und der zahlreiche
Erfahrungen sammeln ließ; er gab den Anstoß zur größeren Pflege der
stehenden Marinen und dadurch zu der Vervollkommnung des ganzen
Seekriegswesens -- des Schiffbaues, des Personals, der Taktik --, wie wir
sie im vorigen Kapitel kennen gelernt haben. Die erste Entwicklung einer
Strategie zur See während dieses Krieges wird auf Seite 231 betrachtet
werden.
Es ist ferner bei diesem Kriege bemerkenswert die Ausdauer und
Hartnäckigkeit, mit der man ihn auf beiden Seiten führte und die
Rüstungen betrieb. Bei der wichtigen Rolle, die das Material auf See
spielt, liegt es in der Natur der Seekriege, daß nach ernsten
Zusammenstößen der Hauptstreitkräfte eine längere Pause in größeren
Unternehmungen eintritt, die nötig ist, um das Material wieder
instandzusetzen. Hier aber werden in einem Zeitraum von 13 Monaten -- von
der Kriegserklärung bis Scheveningen -- 6 große Schlachten geschlagen,
von denen einige mehrere Tage dauern. Hervorragende Führer, seemännisch
tüchtige und tapfere Besatzungen waren auf beiden Seiten vorhanden;
gerade auch in Holland wurde stets wieder mit äußerster Anspannung
gerüstet. Wenn dieses schließlich doch unterlag, so war es eine Folge
seiner schon mehrfach erwähnten Schwächen: der minderwertigen Schiffe,
des weniger geschulten und weniger disziplinierten[138] Personals
(namentlich auch vieler Kommandanten), kurz, der mangelhafteren
eigentlichen Kriegsmarine, sowie des Umstandes, daß Holland in seiner
größeren Handelsflotte einen günstigeren Angriffspunkt bot und schwerer
geschädigt werden konnte. Dieser Umstand war weit wichtiger als die
anderen Schwächen. Die Beschützung des Handels, der während des Krieges
nicht, wie es später geschah, aufgegeben wurde, hinderte die holländische
Leitung strategisch und oft auch taktisch; der unmittelbare Verlust an
Vermögen und die Unterbindung der Lebensbedingungen zwangen Holland zum
Frieden.
[138] Als ein krasses Beispiel der Unbotmäßigkeit in der holländischen
Marine sei noch erzählt, daß, als 1652 der beliebte Admiral Tromp
durch den unbeliebten de Witt im Oberbefehl ersetzt wurde, das
bisherige Flaggschiff »Brederode« sich weigerte, de Witt an Bord
zu nehmen; er war genötigt, seine Flagge auf einem anderen
Schiffe zu heißen.
Eine $Strategie$[139], die eine dauernde Beherrschung des
Kriegsschauplatzes zum Ziele hat, finden wir zunächst auch in diesem
Kriege noch nicht. Im ersten Jahre geschehen auf beiden Seiten nur und
unter Hintansetzung aller anderen Rücksichten große Unternehmungen, um
den feindlichen Handel zu schädigen oder den eigenen zu schützen, und
auch dieses nur, wenn eine besondere Gelegenheit, wie die Fahrt eines
großen Konvois, dazu herausfordert; nebenher schwärmen zahlreiche Kreuzer
und Kaper im kleinen Kriege gegen vereinzelte Handelsfahrzeuge. Es werden
denn auch von den ersten vier Schlachten drei durch den Angriff
englischerseits auf einen Konvoi hervorgerufen, den Holland schützt und
verteidigt (Plymouth; Dungeness; Portland); ähnliche Zusammenstöße
hindert nur der Zufall (Shetlands, August 1652; holländische Küste, Mai
1653).
[139] Colomb, Kap. II, »The struggle for the command of the sea«
bespricht die Strategie im ersten Kriege nach folgender
Disposition: »Ein wirklicher Seekrieg kann geführt werden, wenn
genügend Eigentum auf dem Meere liegt, um dem Verluste eine
ernste Bedeutung zu geben, und wenn seefähige Schiffe zum Angriff
vorhanden sind. -- Der Seehandel kann unmittelbar angegriffen und
verteidigt werden, wie im ersten Abschnitt dieses Krieges; er
kann vernichtet werden, nachdem zunächst die Seeherrschaft durch
Niederkämpfung der feindlichen Flotte errungen ist, wie im
späteren Abschnitt. -- Mit einzelnen Siegen aber wird die
Seeherrschaft nicht dauernd errungen, wenn die besiegte Macht
nicht auch vernichtet ist. Die Siege, die von beiden Parteien
errungen sind, waren nur Schritte auf dem Wege zur Seeherrschaft;
der Kampf um diese war beim Friedensschlusse noch nicht beendet.«
Wir folgen im großen ganzen dieser Disposition.
Die Flotten beider Staaten waren ungefähr gleich stark. Da jedoch der
holländische Handel größer und infolge seiner Wege mehr gefährdet war,
brauchte er die Seestreitkräfte Hollands ganz zu seinem Schutze; England
mit seinem kleineren und infolge seiner geographischen Lage vom Feinde
weniger bedrohten Handel konnte freier über seine Flotte verfügen. So
wurden die Engländer im allgemeinen die Angreifenden, die Holländer sahen
sich in die Defensive gedrängt. Aber zunächst beschränkten sich die
Engländer darauf, den feindlichen Handelsschiffen in den englischen
Gewässern, die sie passieren mußten, aufzulauern; es werden deshalb alle
Schlachten dieses Abschnittes an der englischen Küste geschlagen, selbst
wo die Holländer ohne Konvoi den Feind suchen, um den Weg frei zu machen
(Kentish Knock).
Wir finden auch in dieser ersten Zeit des Krieges nie die strategische
Ausnutzung eines Sieges; stets begnügt man sich auf beiden Seiten mit dem
augenblicklichen Erfolge und erhält sich damit eine ständig drohende
Gefahr vor Rückschlägen, die auch oft genug eintreten. Der Gedanke,
zunächst die feindliche Kriegsflotte vom Meere zu vertreiben, dadurch den
eigenen Handel frei zu machen und den feindlichen völlig lahm zu legen,
bricht sich aber im Verlaufe des Krieges Bahn; es wird damit dann die
Kriegführung kräftiger offensiv. So suchen sich die Gesamtstreitkräfte
beider Staaten im Juni 1653 zur Entscheidungsschlacht (Northforeland) auf
und England trägt, als es im allgemeinen das Übergewicht gewonnen hat,
überhaupt den Krieg an die feindlichen Küsten. Nachstehendes möge dies
veranschaulichen.
=Rückblick auf den Krieg.= Die erste Maßregel Englands war die Entsendung
Blakes mit der Hauptmacht gegen die holländische Fischerei und Schiffahrt
in der Nordsee, Ayscue wird nur mit schwachen Kräften berufen, die
Sicherung der Themse zu übernehmen. Der Gefahr durch die ganze feindliche
Flotte, der dadurch Ayscue und die Holland naheliegenden englischen
Küsten ausgesetzt wurden, scheint man sich gar nicht bewußt gewesen zu
sein. Tromp macht aber auch nur einen schwachen Versuch, Ayscue zu
vernichten; als ihm dies nicht leicht gelingt -- allerdings überschätzte
man damals noch den Wert von Landbefestigungen Schiffen gegenüber sehr
--, gibt er den Plan auf und folgt Blake bis zu den Shetlands, in erster
Linie doch nur, um holländisches Eigentum zu verteidigen. Ungünstiges
Wetter verhindert den Zusammenstoß. Nach Blakes Rückkehr sendet man
Ayscue wieder nach dem Westen des Kanals, anstatt mit beiden Flotten
gemeinsam die Holländer anzugreifen, wozu sich eine so günstige
Gelegenheit bot, da Tromps Flotte schwer gelitten hatte. So gelingt es
Ruyter, einen Konvoi wohlbehalten durch den Kanal zu führen, den nur etwa
gleichstarken Ayscue bei Plymouth mit Erfolg abzuwehren und den heimwärts
bestimmten Konvoi zurück zu geleiten.
[Illustration: Schauplatz des ersten englisch-holländischen Krieges
1652-1654.]
De Witt, an Tromps Stelle zum Oberkommando berufen, macht nun zum ersten
Male den Versuch, eine größere Entscheidung durch einen Angriff auf die
Hauptmacht des Feindes herbeizuführen; Kentish Knock wird geschlagen,
ohne daß es sich um einen Konvoi handelt. Die Nebenumstände lassen aber
vermuten, daß de Witt mehr unter dem Antriebe, etwas Bedeutendes zu
leisten, gehandelt hat, als infolge strategischer Einsicht. Die
holländische Regierung verfolgte diese Art der Kriegführung jedenfalls
nicht weiter, sondern ordnete auch fernerhin wieder nur die Begleitung
großer Konvois durch die Kriegsflotte an. Aber auch die Engländer nützen
ihren Sieg nur in altem Sinne aus durch Aufbringen feindlicher
Kauffahrer. Wenn auch der hereinbrechende Winter ihren Schiffen den
Aufenthalt an der feindlichen Küste unmöglich machte, man sich wenigstens
noch nicht zu bleiben getraute, und wenn man auch vom Feinde bei der
vorgerückten Jahreszeit nichts Ernstliches mehr erwartete, so durfte doch
die englische Flotte nicht zersplittert werden, wie es geschehen ist. Man
überschätzte den Erfolg einer einzelnen siegreichen Schlacht, die
allerdings für den Augenblick die Herrschaft über die See gebracht hatte.
Diese Kurzsichtigkeit führte zur Niederlage Englands bei Dungeness.
Tromp verfällt nach dieser Schlacht derselben irrigen Auffassung. Schon
sein Angriff entsprang nur der Absicht, seinen Konvoi sicher weiter zu
führen und die sich bietende günstige Gelegenheit einem schwächeren
Feinde gegenüber zu benutzen. Anstatt nach dem Siege dahin zu streben,
den geschlagenen Feind gänzlich zu vernichten -- die Position in den
Downs war nach Abbruch der behelfsmäßigen Batterien nicht mehr so stark
--, überhaupt die Offensive den getrennten englischen Geschwadern im
Kanal gegenüber aufrecht zu erhalten, beschränkt er sich auf die
defensive Aufgabe, seinen Konvoi nach Ré zu geleiten und einen
heimkehrenden zurückzuführen. Während seiner Abwesenheit geht die
holländische Herrschaft über den Kanal schnell wieder verloren, England
hat Zeit, seine Kräfte zu sammeln und ihm bei seiner Rückkehr (bei
Portland) entgegenzutreten. Den Zusammenstoß bei Portland hätte Tromp mit
dem günstigen Winde vielleicht vermeiden können; er tat es wohl nicht,
weil er der Beständigkeit des Windes sowie der Segelfähigkeit vieler
seiner Kauffahrer nicht vertraute und daher fürchtete, von den Engländern
auf dem Marsche eingeholt und angegriffen zu werden, wie sie es ja auch
bei der Verfolgung nach der Schlacht mit großem Erfolge taten. Eine
weitere Ausnutzung des Sieges wagen aber die Engländer wiederum mit
Rücksicht auf die Jahreszeit nicht.
Im letzten Abschnitt des Krieges wird nun Tromp noch einmal beordert,
Kauffahrer auswärts und heimwärts zu geleiten (Mai 1653). Jetzt aber
erwarten die Engländer den Feind nicht mehr in ihren eigenen Gewässern,
sondern versuchen, schon die Sammlung der Kriegs- und Handelsschiffe an
der holländischen Küste zu verhindern. Sie kommen zwar zu diesem Zwecke
zu spät und begnügen sich mit Aufbringen von Küstenfahrern und
Alarmierung der Küsten, immerhin war es eine bedeutsame Erweiterung der
Offensive. Überhaupt zeigen sich die Engländer von jetzt an mehrfach
unmittelbar vor den feindlichen Häfen (Ende Mai, Anfang Juni 1653) und
halten in den eigenen Gewässern ihre Flotte der feindlichen Küste näher
(Yarmouth, Juni). Als nun auch Tromp nach seiner Rückkehr zur Offensive
übergeht, indem er zunächst den Vorstoß gegen die Downs macht und dann
die englische Hauptmacht sucht, kommt es am 12.-13. Juni 1653 zur
Schlacht bei Northforeland-Nieuport, zum Kampf der Gesamtkräfte beider
Staaten, ohne daß ein Konvoi den Anlaß gegeben hat. Nach dieser Schlacht
nutzen die Engländer den Sieg aus, indem sie den Feind bis vor seine
Häfen verfolgen und dann die feindliche Küste unter Blockade halten; ja,
zu diesem Zwecke bessern und rüsten sie zum ersten Male dort ihre Flotte
aus und kehren dazu nicht wie bisher nach jeder größeren Schlacht in die
heimischen Häfen zurück. Der Ausfall Tromps, um die Blockade aufzuheben,
führt zur Schlacht bei Scheveningen dicht an der holländischen Küste (10.
August). Trotz ihres taktischen Sieges hier mußten die Engländer die
Blockade aufgeben, da auch sie zu sehr geschwächt waren. Daß sie dann
später den Krieg nicht wieder tatkräftig aufnahmen, ja, sogar mit
geringeren Streitkräften als die Holländer auftraten, wird auf Cromwells
Neigung zum Frieden zurückzuführen sein.
Beim Friedensschluß war der Kampf um die Seeherrschaft noch nicht
entschieden, die holländische Flotte war keineswegs niedergekämpft; nicht
sowohl militärische Gründe als die allgemeine Erschöpfung und die
Volksstimmung zwangen Holland, Frieden zu schließen. Daß aber die
Kriegführung im allgemeinen energischer geworden ist, beweist wohl auch
die Tatsache, daß beide Nationen, abweichend vom bisherigen Brauch,
versuchen, im Herbst 1653 eine Flotte bis in den Winter hinein ständig
auf See zu halten; der erste schwere Wintersturm zeigt dann allerdings,
daß die damaligen Schiffe dem noch nicht gewachsen waren.
Der Verlauf dieses Krieges lehrt, daß zur Erreichung großer Ziele auf
oder über See -- hier die völlige Lahmlegung des feindlichen Handels, der
Schutz des eigenen -- die =unbestrittene Beherrschung der See durch
Niederkämpfen der feindlichen Seestreitkräfte= nötig ist. Die Engländer,
von Anfang an mehr auf die Offensive hingewiesen und weniger an ihrer
Durchführung behindert, tragen zuerst diesem Grundsatz Rechnung. Während
sie in der ersten Hälfte des Krieges nur auf möglichst starke Schädigung
des Handels, nicht auf schleunigere Beendigung des Krieges hinzielen,
richten sie in der zweiten Hälfte ihre Stöße mehr gegen die Streitkräfte
des Feindes. Aber auch die Holländer versuchen gegen das Ende, zunächst
die feindliche Kriegsflotte aus dem Felde zu schlagen. Sie geben dann in
den späteren Kriegen ihren Handel ganz auf, weil sie eingesehen haben,
daß ihre Kräfte nicht ausreichen, gleichzeitig diesen zu schützen und um
die Seeherrschaft zu ringen. »Der Kampf der Seestreitkräfte miteinander
tritt in den Vordergrund.«
* * * * *
[Illustration]
Viertes Kapitel.
Nebenkriege 1654-1665.
$England-Spanien 1654-1659. Holland-Portugal 1656-1661.$
$Schweden-Dänemark 1655-1660. Frankreich-Spanien 1635-1659.$
Vor der Schilderung des nächsten großen Seekrieges zwischen England und
Holland müssen wir uns mit einigen Nebenkriegen beschäftigen, in denen
die Flotten dieser Staaten eine Rolle spielen.
$England$[140] befand sich nach dem Frieden von Westminster und nach dem
Abschluß des französischen Handelsvertrages mit allen Völkern im Frieden,
es hatte überall seinen Willen erreicht (Seite 229). =Cromwell= jedoch
wünschte einen auswärtigen Krieg, um die Aufmerksamkeit des Volkes von
der inneren Politik -- der gegen ihn gerichteten Bestrebungen der
strengen Republikaner und der Royalisten -- abzulenken; er brach einen
$Krieg mit Spanien$ vom Zaune. Reibungen mit diesem Staate hatten in
Westindien nie aufgehört, da England hier seinen Einfluß und seine
Besitzungen zu erweitern fortfuhr und Spanien dies mit den alten
grausamen Mitteln zu vereiteln suchte. So war gerade dieser Krieg von
religiösem und kommerziellem Standpunkte aus volkstümlich; er versprach
außerdem reiche Beute.
[140] Näheres Clowes, Teil II, Seite 201; Zimmermann, Band II,
Seite 136.
Schon im Sommer 1654 wurde die Ausrüstung zweier Flotten betrieben; ihr
Zweck ward streng geheim gehalten, so daß man sowohl in Frankreich wie in
Spanien in Erwartung eines gegen sich gerichteten Unternehmens stand.
=Penn= erhielt den Befehl über eine dieser Flotten: 18 Kriegsschiffe -- 1
zu 60, 4 zu 54, 3 zu 44, 3 zu 40, 2 zu 36, 4 zu 30 Kanonen --, 20
Transporter. Die kleineren Kriegsschiffe und die Transporter waren
vorzugsweise mit Soldaten bemannt, deren insgesamt 3000 Mann unter
General =Venables= eingeschifft waren. Die Expedition segelte am
Weihnachtstage 1654 nach Westindien, ihr Erfolg war die $Eroberung
Jamaicas$.
Auf Barbados und anderen englischen Besitzungen wurde die Stärke der
Landtruppen nahezu verdoppelt und ein Landungskorps von Matrosen unter
dem Vizeadmiral der Flotte formiert. Am 31. März 1655 verließ die
Expedition Barbados und landete am 13. und 14. April 7000 Mann auf
Haiti in der Nähe der Stadt Domingo unter Venables Befehl, Penn mit
der Flotte als Rückhalt. Am 25. wurde jedoch das Landungskorps mit
einem Verlust von 1700 Mann völlig geschlagen, die gänzliche
Vernichtung soll nur das Matrosenkorps verhindert haben. Die
Landoffiziere gaben nun weitere Unternehmungen hier auf, weil sie ihren
Truppen, Strafgefangenen und unzuverlässigen königlichen Soldaten,
nichts zutrauten.
Um nicht ganz ohne Erfolg heimzukehren, wandte sich die Expedition nach
=Jamaica= und eroberte in wenig Tagen, 10.-17. Mai, die schwach
kolonisierte und nur von einer Miliz verteidigte Insel. Diese blieb von
jetzt an in englischem Besitz, wenn auch Spanien verschiedene
Wiedereroberungsversuche machte und die in die Berge geflüchteten
spanischen Kolonisten mit ihren Negersklaven lange noch einen
Guerillakrieg gegen die Engländer führten.
Die Landtruppen auf der Insel und einige Schiffe auf der westindischen
Station, behufs Schädigung der Spanier, zurücklassend, kehrte Penn nach
England heim; er wie Venables kamen wegen des Mißerfolges auf Haiti
trotz der wichtigen Eroberung Jamaicas auf kurze Zeit in den Tower.
Die zweite Flotte unter =Blake= segelte am 29. September 1654 nach dem
=Mittelmeer=. Sie bestand aus 25 Segeln: 1 zu 60, 2 zu 54, 3 zu 50, 1 zu
46, 2 zu 40, 4 zu 36, 2 zu 34, 2 zu 32, 1 zu 30, 2 zu 22 Kanonen und 5
kleineren.
Blake hatte den Befehl, vorläufig nichts gegen Spanien zu unternehmen.
Der Krieg war ja noch nicht erklärt und man wollte die Abfahrt der
spanischen Silberflotte nicht stören, um sie womöglich in die Hände Penns
fallen zu lassen -- Penns Expedition geschah wieder einmal nach dem alten
Grundsatz: »Kein Frieden gilt unter der Linie«, d.h. in außereuropäischen
Gewässern --, im Gegenteil, es sollte den Anschein haben, als ob die
Flotte Blakes nur zum Nutzen Spaniens wirke, indem sie gegen die
Barbaresken vorging. Ihre erste Tat war auch die in ihrer Art berühmte
$Vernichtung einer tunesischen Flotte unter den Befestigungen von Tunis$.
=Blake= machte zunächst eine Demonstration gegen den Papst und gegen
den Herzog von Livorno wegen ihrer Unterstützungen des Prinzen Ruprecht
nach der Revolution und der Holländer im ersten Kriege. Später ging er
nach Tunis, wo eine Flotte für den Sultan ausgerüstet wurde. Am 4.
April 1655 griff er diese, neun noch ungetakelte aber armierte Schiffe,
unter den Kanonen der Forts von Porto Farina an, die =erste große Tat
dieser Art=, wie er uns schon als erster Angreifer von
Landbefestigungen aus den Operationen gegen die königstreuen
Kanalinseln bekannt ist (Seite 198). Er teilte seine Flotte in zwei
Divisionen und schickte die leichten Schiffe gegen die feindlichen
Fahrzeuge, die schweren gegen die Forts. Seine schweren Schiffe nahmen
trotz des heftigsten Feuers in vollster Ordnung ihre Plätze ein und
kämpften vermöge ihrer guten artilleristischen Ausbildung die Forts
nieder, dann wurden die feindlichen Schiffe durch die armierten Boote
genommen.
Mittlerweile war =Penns= Auftreten in Spanien bekannt geworden, und nun
erhielt =Blake= den Befehl, die spanischen Küsten zu blockieren, um die
Silberflotte abzufangen und das Entsenden von Verstärkungen nach
Westindien zu hindern. Der Zustand der Schiffe und seine eigene
Gesundheit zwangen ihn jedoch, im Oktober nach England zurückzukehren.
Dem Abschluß des Friedens und des Handelsvertrages mit Frankreich 1655
ließ England bald ein Bündnis mit diesem Staate, der im Kriege mit
Spanien war, folgen. Nun wurde auch englischerseits der Krieg erklärt;
er sollte die letzte große Tat Blakes, die $Vernichtung der Silberflotte
vor Teneriffa, 1656$, bringen.
Im Frühjahr 1656 führte =Blake= eine große Flotte an die spanische
Küste und hielt dort trotz seiner gebrochenen Gesundheit ein Jahr die
Blockade aufrecht. Einige seiner Schiffe brachten zwei Fahrzeuge der
spanisch-westindischen Flotte auf, so reich beladen, daß der Transport
der Beute an Gold, Silber und Juwelen von Portsmouth nach London 38
Wagen erforderte. Im Frühjahr 1657 erhielt Blake die Nachricht von der
Heimkehr einer neuen Silberflotte, er ging ihr entgegen und traf sie in
=Sta. Cruz auf Teneriffa=. Die Spanier waren auf den Angriff
vorbereitet, hatten die Schätze gelandet, die Befestigungen verstärkt
und die Schiffe zur Rückfahrt nach Westindien klargemacht. Zur eigenen
und der Stadt Verteidigung waren 10 Schiffe im Halbkreis längs der
Bucht nördlich von der Stadt verankert, die 6 schwersten Galeonen
dagegen vor diesen in Linie vermoort, was ein Fehler war, denn sie
maskierten das Feuer der anderen 10 Schiffe.
Die Windverhältnisse der Rhede von Sta. Cruz sind einem Angriff unter
Segel sehr ungünstig. Entweder weht ein unbeständiger Landwind, der
angreifende Schiffe der Gefahr aussetzt, bekalmt[141] zu werden, oder
eine gleichmäßige frische Seebrise, die wieder ein Abbrechen des
Gefechts schwierig, für beschädigte Schiffe fast unmöglich macht. Um so
kühner war Blakes Plan: Mit Seewind und Flut anzugreifen, die Schiffe
zu zerstören und dann mit der Ebbe wieder das freie Wasser zu gewinnen.
Er gelang. Der Admiral selber beschäftigte die Befestigungen nördlich
und südlich von der feindlichen Flotte, sein Vizeadmiral ankerte querab
der Galeonen, setzte diese außer Gefecht und enterte sie. Als nun die
Forts ihr Feuer auf die Prisen richteten, ließ Blake diese und auch die
kleineren Schiffe in Brand setzen. Das Glück begünstigte das
Unternehmen. Als die Ebbe einsetzte, kam eine sonst seltene, stetige
Landbrise auf und führte die englischen Schiffe sicher von der Rhede;
sie hatten zwar nur 40 Tote und 110 Verwundete gehabt, waren aber doch
stark beschädigt. Wenn auch keine Beute gemacht werden konnte, so war
doch der Verlust der Spanier durch Vernichtung der ganzen Flotte groß.
[141] Durch die Nähe des Landes in Windstille zu geraten.
Blake hatte hier wiederum gezeigt, daß Schiffe mit Erfolg
Küstenbefestigungen bekämpfen konnten; schon Schriftsteller seiner Zeit
bezeichnen ihn als den ersten Führer, der solches gewagt habe. Er starb,
nachdem er noch bis zum Juli die Blockade an den spanischen Küsten
geleitet hatte, auf der Rückreise nach England am 7. August 1657
unmittelbar vor dem Einlaufen in Plymouth.
Die $Geschichte Englands$ bietet nun $bis 1665$ besonderes nicht mehr.
Die spanischen Küsten wurden weiter blockiert. Die englische Flotte
unterstützte durch Blockade die Wegnahme =Dünkirchens= durch die
Franzosen 1658. Die Stadt fiel nach dem Pyrenäischen Frieden 1659 laut
Vertrag an England, doch verkaufte sie Karl II. 1662 an Louis XIV.; ein
ungeheurer Fehler, denn sie wurde ein wichtiger Stützpunkt für die
Franzosen, besonders später für den Freibeuterkrieg gegen England.
Die Jahre 1658 und 1659 brachten =Flottendemonstrationen nach der
Ostsee=, wo England, Holland und Frankreich bestrebt waren, weder
Dänemarks noch Schwedens Macht zu groß werden zu lassen, sich aber auch
gegenseitig eifersüchtig beobachteten (schwedisch-polnischer Krieg). Im
Anfang der sechziger Jahre endlich wurden weitere Expeditionen gegen die
=Barbaresken= sowie zur Einsetzung der englischen Macht in =Tanger=, das
als Mitgift seiner portugiesischen Gemahlin an Karl II. (wie auch Bombay)
gefallen war, übernommen. 1660 führte ein Geschwader unter Montagu den
König =Karl= II. von Holland nach =England= hinüber; in der Marine waren
Montagu, Lawson und Penn die Hauptförderer der königlichen Sache gewesen.
$Holland.$[142] Nachdem im ersten englisch-holländischen Kriege die
Engländer das Mittelmeer geräumt hatten, waren auch die holländischen
Seestreitkräfte dort sehr vermindert. Infolgedessen nahm der Seeraub
durch die =Barbareskenstaaten= wieder überhand; kleinere Flotten
derselben schlossen fast die Straße von Gibraltar und dehnten ihre Züge
bis zur portugiesischen Küste aus. Nach dem Friedensschluß wandte sich
auch Holland, wie England, gegen dieses Unwesen und =Ruyter= führte in
den Jahren 1654-1657 mit Erfolg drei Züge dorthin.
[142] Hauptquellen: De Jonge, Teil I; »Vie de Tromp«; »Leben Ruyters«,
in beiden letzten genaue Beschreibung der Züge nach Mittelmeer,
Portugal und Ostsee.
$1656 erklärte Holland den Krieg an Portugal$, nachdem es vergeblich die
Rückgabe seiner früheren Besitzungen in Brasilien und Westafrika sowie
eine große Geldentschädigung verlangt hatte. Noch in demselben Jahre
wurde eine Flotte unter dem Leutnantadmiral =Wassenaer= zur feindlichen
Küste gesandt, die, als Ruyter vom Mittelmeer aus zu ihr gestoßen war,
aus 28 Segeln bestand. In drei Geschwader geteilt, blockierte sie die
Küsten und brachte viele reiche Kauffahrer, besonders Zuckerschiffe aus
Brasilien, auf; 1658 führte =Ruyter= 22 Schiffe, alle von der Admiralität
Amsterdam gestellt, zu gleichem Zweck dorthin. Zum Schlagen kam es nie,
da die portugiesische Flotte die Häfen nicht verließ. -- Dieser Krieg
konnte jedoch überhaupt nicht mit voller Energie fortgeführt werden, da
man bald die Seestreitkräfte im Norden nötiger brauchte; weitere
Feindseligkeiten spielten sich nur in Indien ab, bis 1661 ein Frieden
geschlossen wurde, in dem Holland gegen eine Zahlung von 8 Millionen
Gulden und freien Handel in allen portugiesischen Kolonien auf Brasilien
und die strittigen Punkte in Westafrika verzichtete.
Im Norden spielte sich seit 1655 der
$schwedisch-polnisch-brandenburg-dänische Krieg 1655-1660$ ab, in den
Holland tätig eingriff, weil es die Erfolge Schwedens mit Besorgnis für
seinen so wichtigen Ostseehandel ansah. Wie immer ein Freund der
schwächeren Macht in der Ostsee -- wir sahen es auf seiten Dänemarks
gegen die Hansa, dann auf seiten Schwedens gegen Dänemark --, trat
Holland jetzt auf seiten Dänemarks.
$Der schwedisch-polnische Krieg$:[143] Die Kämpfe um die Herrschaft in
der Ostsee, das Erstarken Schwedens in ihnen haben wir bis 1648
verfolgt (Seite 110). 1655 griff =Karl X. Gustav= von Schweden den
König =Johann Kasimir= von Polen, der Ansprüche auf die Thronfolge in
Schweden erhob, von Pommern und Litauen aus an. Da ein Teil der Polen
zu ihm überging, hatte er zunächst großen Erfolg; nach kurzer Zeit war
fast ganz Polen in seiner Hand, und der Kurfürst von Brandenburg zur
Neutralität gezwungen. 1656 wurde auch Westpreußen bis auf die Stadt
=Danzig=, die von einer holländischen Flotte geschützt wurde, erobert.
Durch Wiederabfall der Polen gefährdet, gewann der Schwedenkönig sich
den Beistand Brandenburgs und erfocht mit ihm den glänzenden =Sieg bei
Warschau= 28./30. Juli 1656.
[143] Genaueres über die Tätigkeit der nordischen Flotten in den auf
Seite 44 u. 109 gegebenen Quellen. Über ihre Stärke um 1655
vergl. Seite 148.
Nun aber trat ihm eine Liga von Rußland, dem Kaiser und Dänemark
entgegen, der sich später auch Brandenburg anschloß. Dänemark glaubte,
diese Gelegenheit benutzen zu können, um die Verluste des Friedens von
Bromsebrö 1645 wieder gut zu machen.
Karl Gustav warf sich mit aller Kraft auf Dänemark. Seine Flotte wurde
zwar zunächst von der dänischen in Schach gehalten, aber mit der Armee
eroberte er über Pommern, Mecklenburg, Holstein, schließlich im Januar
1658 über die gefrorenen Belte vordringend, Fünen, Langeland, Laaland,
Moen, ging nach Seeland über und belagerte, nun auch von der Flotte
unterstützt, Kopenhagen.
So erzwang er den $Frieden von Roeskild$, 26. Februar 1658, worin
Dänemark die Provinzen Bleckingen, Schonen, Halland, Bohuslän,
Drontheim, sowie die Insel Bornholm abtrat und dem Vorschlage
beistimmte, gemeinsam mit Schweden den Sund für fremde Kriegsschiffe zu
schließen. Schweden war zum Frieden geneigt geworden, weil ein
polnisch-brandenburg-kaiserliches Heer Dänemark zu unterstützen drohte.
Die Sperrung des Sundes durchzuführen, zeigte sich aber Dänemark nicht
gewillt, wozu es wohl durch Holland und England in deren eigenem
Interesse bewogen oder gar genötigt wurde. Da griff =Karl Gustav= im
August 1658 unversehens aufs neue an. Nach den schnellen Erfolgen des
vorigen Feldzuges hoffte er wohl durch völlige Niederwerfung Dänemarks
den alten Gedanken der Kalmarischen Union jetzt verwirklichen zu
können. Er bemächtigte sich Korsörs und belagerte wiederum
=Kopenhagen=, von den anderen Inseln waren seine Truppen noch gar nicht
zurückgezogen. Die Stadt verteidigte sich tapfer und wurde durch die
blutige =Schlacht im Sunde= von einer holländischen Flotte wenigstens
auf der Seeseite entsetzt; die Belagerung zu Lande dauerte fast bis zum
Friedensschlusse.
Im weiteren Verlaufe des Krieges (1659) eroberten die festländischen
Verbündeten Dänemarks: Pommern, Schleswig-Holstein, Jütland, Alsen,
Fünen (Nyborg 14. November); an dieser letzten Waffentat nahm wiederum
eine holländische Flotte großen Anteil.
=Holland=, =England= und =Frankreich=, die keine der beiden Mächte in
der Ostsee zu stark werden lassen wollten, hatten sich im =Haager
Konzert=, Mai 1659, vereinigt, um Frieden zu vermitteln. England und
Frankreich war der von Holland im Norden erlangte Einfluß zu bedeutend
geworden, und so mischten auch sie sich kräftiger ein, sobald die
Aussicht auf Frieden mit Spanien ihnen freiere Hand ließ. Die
Vermittlung blieb bei der Hartnäckigkeit des Schwedenkönigs längere
Zeit ohne Erfolg und eine schnellere kriegerische Entscheidung durch
die holländische Flotte auf seiten Dänemarks wurde wieder durch die
Anwesenheit einer englischen Beobachtungsflotte und durch die
diplomatische Vertretung Frankreichs gehindert. Erst nach dem Tode
Karls X. Gustavs, im Februar 1660, kam es im Juni 1660 zum $Frieden von
Kopenhagen$ zwischen Dänemark und Schweden (im Mai schon zu Oliva
zwischen Schweden und Brandenburg-Polen). Die Bedingungen für das
geschlagene Schweden waren sehr günstig: dieselben, die das siegreiche
im Frieden von Roeskild errungen hatte; nur blieben jetzt Bornholm und
Drontheim bei Dänemark und, das Wichtige für die Vermittler, die
geplante Sundsperre fiel weg.
=Schweden= hatte seine Grenzen endgültig an den Sund und an das
Kattegat gerückt, hatte die Mitherrschaft über die Einfahrt in die
Ostsee errungen, ja, war die =erste Macht in der Ostsee= geworden.
Die $Beteiligung der holländischen Marine$ an diesem Kriege ist sehr
bedeutend, während die zur Ostsee entsandten englischen Flotten nirgends
tätlich eingriffen. In der ersten Zeit des schwedisch-polnischen Krieges
verstärkte Holland nur den Schutz seiner Handelsschiffe in der Ostsee,
als aber Karl X. Gustav 1656 =Danzig= bedrohte und man fürchtete, daß
diese Kornkammer geschlossen, sowie Ein- und Ausfuhr im Osten zu sehr von
den Schweden abhängig werden könnte, beschloß man einzugreifen, um wie
elf Jahre vorher zur Erhaltung des Gleichgewichtes in der Ostsee
beizutragen. Der Leutnantadmiral =Wassenaer=,[144] unter ihm Ruyter als
Vizeadmiral, führte eine große Flotte nach Danzig, deren Erscheinen im
Juli 1656 die Stadt vor der Übergabe rettete und die holländischen
Handelsverhältnisse vorläufig sicherstellte, bis Dänemark im
unglücklichen Frieden von Roeskild gezwungen wurde, dem Vorschlage
Schwedens, für fremde Kriegsschiffe den Sund zu sperren, beizustimmen.
[144] Nach dem Tode Tromps in der Schlacht von Scheveningen wurde
=Jakob van Wassenaer=, Heer van Opdam, ein Kavallerieoffizier von
hoher Geburt, zum Leutnantadmiral von Holland und Westfriesland
ernannt. Die drei Provinzen von Holland wagten nicht, ihren
nächstältesten Vizeadmiral Witte de Witt dazu zu befördern, da er
zu unbeliebt bei seinen Untergebenen war. Um alle Unzufriedenheit
durch ein Übergehen zu vermeiden, wählten sie diesen Mann von
hoher Geburt. Aus denselben Gründen den Admiralen Seelands
gegenüber bestätigten die Generalstaaten Wassenaer auch in der
Stellung als Oberbefehlshaber der Gesamtstreitkräfte, er trat
aber als solcher während des ersten Krieges nicht mehr in
Tätigkeit. Die Ernennung erregte böses Blut bei allen
Seeoffizieren. W. selbst versuchte den Posten abzulehnen; später
wurde ihm, wie wir sehen werden, oft der Vorwurf gemacht, seine
Stellung nicht richtig ausgefüllt zu haben.
[Illustration: Jakob van Wassenaer.]
Zunächst griff Holland hierauf jedoch noch nicht wieder ein, hoffend, daß
diese Bedingung bei Dänemarks Abneigung dagegen nicht durchgeführt werden
würde. Als aber nach dem neuen Angriff Schwedens 1658 die Kriegslage
sofort für Dänemark so ungünstig stand und Karl Gustav Kopenhagen zu
Wasser und zu Lande hart bedrängte, ergriff man die =Offensive=. Wieder
führte =Wassenaer= eine Flotte von 35 Kriegsschiffen nach dem Sunde mit
dem Befehle: Truppen zur Unterstützung Kopenhagens zu landen,
beschlagnahmte Kauffahrer zu befreien und die schwedische Flotte bei
günstiger Gelegenheit zu schlagen; sollten Kopenhagen und Kronenburg
schon genommen sein, sei der Sache Dänemarks nach eigenem Ermessen bis
zum Eintreffen weiterer Befehle zu nützen.
Die Flotte setzte sich zusammen aus: 1 Schiff zu 72 Kanonen; 1 zu 59; 1
zu 50 -- die drei Flaggschiffe --; 10 zu 40-42; 12 zu 30-38; 8 zu
26-28; 2 zu 22-23 Kanonen. Hierzu traten 6 Transporter zu 16-24 Kanonen
mit 2000 Soldaten, 28 Transporter mit Proviant usw. für die Flotte und
für Kopenhagen. Die Vorhut -- 11 Schiffe, 1 Brander -- führte
Admiralleutnant de Witt; das Zentrum -- 13 Schiffe, 2 Brander -- der
Flottenchef, die Nachhut -- 11 Schiffe, 1 Brander -- Vizeadmiral
Floriszoon.
Wassenaer erschien am 3. November 1658 vor dem Sunde und mußte hier wegen
widriger Winde zu Anker gehen. =Kronenburg= war bereits gefallen und der
Sund hinter der Linie Kronenburg-Helsingborg durch die schwedische Flotte
gesperrt. Diese unter dem Admiral =Karl Gustav Wrangel= war in vier
gleichstarke Geschwader geteilt und bestand aus 38 (44?) Kriegsschiffen,
die den holländischen mindestens gewachsen waren, wahrscheinlich waren
sogar mehr schwerere darunter; ein großer Teil der Schiffsbesatzungen
bestand aus englischen und deutschen Seeleuten, viele der Schweden hatten
in Holland gedient.
Am 8. November kam frischer Nordwind auf, =Wassenaer= lichtete mit
Tagesanbruch Anker und passierte zwischen den beiden Befestigungen, wider
Erwarten ohne von ihrem Feuer zu leiden, da die meisten Kugeln die Mitte
des Fahrwassers nicht erreichten -- =Karl Gustav= befand sich auf
Kronenburg und soll eigenhändig das erste Geschütz abgefeuert haben.
Zwischen 10 und 11 Uhr vormittags stieß die holländische Flotte auf die
schwedische. Der Verlauf der $Schlacht im Sunde$ ist aus den sonst
ausführlichen Quellen nicht zu ersehen; sie geben wie üblich nur die
Erlebnisse einzelner Schiffe, besonders der Flaggschiffe (Gruppentaktik).
Anzunehmen ist, daß beide Flotten in Kiellinie waren, die Schweden
»beim Winde« den Feind erwartend, und daß die Holländer durch
Einbrechen in die feindliche Linie sofort die Melee herbeiführten, wie
wir es meist bei ihnen sahen. Kurze Andeutungen scheinen dies zu
bestätigen: de Witt läuft bei der feindlichen Vorhut vorbei, ohne ihr
Feuer zu erwidern, und greift den feindlichen Oberbefehlshaber an.
Gleich darauf erscheint Wassenaer an derselben Stelle, und de Witt
finden wir im Kampf mit dem feindlichen Vizeadmiral. Diese beiden
Gegner treiben mit dem Strom auf Grund, de Witt wird von einer Anzahl
Feinde umringt, enfiliert, geentert, ohne Hilfe zu erhalten, und fällt
mit dem Degen in der Faust. Wassenaer setzt Wrangel außer Gefecht
(Ruderhavarie), der sich unter Kronenburg zurückziehen muß, wird aber
selbst hart bedrängt und erhält erst später Entsatz. Besonders
hervorgehoben wird, daß überall die holländischen Flaggschiffe am
kräftigsten angegriffen werden; auch Floriszoons Schiff ist längere
Zeit in großer Gefahr, er selber fällt. Es scheint also, als ob die
Schweden ihre Ordnung besser bewahrt, ihre Schiffe besser
zusammengehalten haben, vielleicht unterstützt durch Kenntnis des
Fahrwassers und der Stromverhältnisse. Schließlich muß aber doch die
größere Kriegstüchtigkeit der Holländer den Ausschlag zu ihren Gunsten
gegeben haben.
Der Kampf endete mit dem Siege der Holländer. Der Verlust der Schweden
war: 3 Schiffe genommen, 8 vernichtet, 1000 Tote, 450 Gefangene; die
Holländer verloren nur das Schiff de Witts (die alte berühmte
»Brederode«; sie wurde geentert, sank aber später), 400 Tote, 3 Brander.
Obgleich die Schweden nach etwa 5-6 Stunden zu Luward standen und die
Holländer mit Wind und Strom südlich getrieben waren, brechen jene das
Gefecht ab und gehen unter den Schutz von Kronenburg. Sie gaben also den
holländischen Kriegsschiffen und den mit Proviant versehenen Transportern
den Weg nach Kopenhagen frei und standen zur See von der Belagerung der
Stadt ab. Von Kronenburg aus ging die schwedische Flotte, mit dem König
an Bord, bald darauf nach Landskrona, allerdings ihrerseits nun auch
unbelästigt durch die holländische oder dänische Flotte.
=Wassenaer= war nach der Schlacht sundaufwärts gegangen, traf bei der
Insel Hven einen Teil der dänischen Flotte unter Admiral =Bielke=, der
durch den Nordwind am Erscheinen in der Schlacht verhindert worden war,
und ankerte an der Küste Seelands nördlich von Kopenhagen; verschiedene
Schiffe mußten zur Ausbesserung nach der Stadt. Am 9. trafen dort auch
die Transporter mit den Soldaten und Lebensmitteln ein, wodurch die
Verteidigung der Stadt wesentlich unterstützt wurde.
An einem der nächsten Tage ging =Bielke= mit seinen und einigen
holländischen Schiffen nach Hven, um die schwedische Flotte abzufangen
oder doch in =Landskrona= durch Versenken von Fahrzeugen einzuschließen.
Zum Abfangen kam man aber zu spät und das Einschließen wurde auch nur
unvollkommen erreicht; ein Angriff mit Brandern wurde abgeschlagen.
=Wassenaer= führte in seinem =Berichte= an, viele der Kommandanten
hätten nur lau gefochten und die Admirale im Stich gelassen, wenigstens
nicht genügend unterstützt -- eine Klage, die wir bereits aus dem
ersten großen Kriege kennen. Es erregte diese Äußerung Ärgernis in den
Provinzen von Holland, besonders in Amsterdam, da doch bei etwa
gleichen Kräften ein großer Erfolg erzielt war. Wassenaer wurde deshalb
nach seiner Rückkehr zur Rede gestellt und ihm dabei vorgehalten, er
habe vor der Schlacht, wie doch vorgeschrieben oder üblich, keinen
Kriegsrat gehalten; seine Unterführer hätten keine Instruktionen
gehabt, andernfalls würden seine Schiffe nicht so bald nach dem
Zusammenstoß über den ganzen Sund zerstreut gewesen sein und die
Niederlage der Feinde wäre eine noch weit größere geworden.
Man nahm auch die Gelegenheit wahr, ihm eine nicht genügende Ausnützung
des Sieges vorzuwerfen; er habe ein zweites Mal angreifen oder doch dem
Feinde den Weg nach Landskrona verlegen müssen; wenigstens habe er
später die Operationen gegen genannten Hafen energischer betreiben und
selbst leiten müssen, anstatt sogar holländische Schiffe einem
dänischen Admiral zu unterstellen. Die Angelegenheit verlief im Sande,
vielleicht durch den Einfluß der Generalstaaten, aber auch die
Untersuchung gegen die angeklagten Kapitäne wurde niedergeschlagen.
Man muß wohl zugeben, daß die holländische Flotte mehr hätte leisten
können. =Aber lag dies in der Politik der Generalstaaten=? Der Wunsch,
Schweden nicht ganz niederzuwerfen, zeigt sich während des ganzen
Krieges, wie wir noch sehen werden; auch Dänemark sollte nicht zu mächtig
werden, nur Frieden und Gleichgewicht wollte man in der Ostsee haben. So
erhielt Wassenaer jetzt schon den Befehl, die genommenen Kriegsschiffe an
Dänemark auszuliefern, aufgebrachte Kauffahrer aber an Schweden
zurückzugeben, falls von dort das Gleiche geschähe. Im Sinne dieser
Politik war es auch, daß man nach der Schlacht den Beschluß faßte, zwar
noch mehr Truppen unter Bedeckung einiger Kriegsschiffe nach Kopenhagen
zu werfen, den größten Teil der Flotte jedoch aus Sparsamkeitsgründen
zurückzuziehen. Diese Absicht wurde scheinbar nur aufgegeben, da auch
England die Entsendung einer =großen Flotte= vorbereitete. Der Transport
erschien hierdurch gefährdet, die weitere Anwesenheit starker Kräfte
anderseits nötig. England war, wie auch Frankreich, argwöhnisch auf den
in der Ostsee erlangten Einfluß Hollands geworden; schon 1658 hatte sich
dort ein englisches Geschwader gezeigt und 1659 ging in der Tat wiederum
eine starke Flotte (42 Segel) unter =Montagu= dahin ab, die wohl in
erster Linie die Aufgabe hatte, die Holländer zu beobachten und
gegebenenfalls in Schach zu halten.
So sandte man denn trotz des in der Heimat auftretenden
Mannschaftsmangels -- die Hochseefischerei mußte teilweise eingestellt
werden -- eine zweite starke Macht von 39 Kriegsschiffen, 3 Brandern mit
1743 Geschützen und 7700 Mann unter =Ruyter=, der eben aus dem Mittelmeer
zurückgekehrt war, zur Verstärkung Wassenaers ab. 4000 Mann, auf einigen
Transportern meist aber auf den Kriegsschiffen eingeschifft, waren zur
Verstärkung Kopenhagens bestimmt; ein Konvoi von Kauffahrern schloß sich
an. Als Ruyter im Juni 1659 zu Wassenaer gestoßen war, zählte die
Gesamtflotte 80 Kriegsschiffe mit 12 900 Mann, ausschließlich der
erwähnten 4000 Soldaten; sie war stark genug, wenn erforderlich, der
eingetroffenen englischen Macht entgegenzutreten. Vorläufig sollte jedoch
die Flotte nicht eingreifen und auch die Truppen durften nicht
ausgeschifft werden. Im Haager Konzert war unmittelbar nach Ruyters
Abfahrt vereinbart, daß zunächst nichts unternommen, sondern nur durch
die Anwesenheit der Flotten auf einen Frieden -- mit den Bedingungen von
Roeskild, aber ohne die Sundsperre -- hingewirkt werden solle. Die Frist
der Waffenruhe für die holländischen Streitkräfte wurde in der Folge
immer weiter verlängert, und es ist interessant, ihre Bewegungen[145]
unter steter Beobachtung der englischen zu verfolgen. Die französischen
Diplomaten wirkten in demselben Sinne. Die Friedensverhandlungen kamen
aber nicht vorwärts. Vor allem wollte Karl Gustav die Sundschließung
nicht aufgeben, obgleich der holländische Gesandte auf die Nutzlosigkeit
dieser Maßnahme hinwies, indem er sagte: »Ich habe die Schlüssel zum
Sunde (die holländischen Kriegsschiffe) doch schon in Amsterdam liegen
sehen.«
[145] Sehr genau im »Leben Ruyters«; dort auch die Orders der
Generalstaaten, der Verlauf der Friedensverhandlungen usw.
Erst als am 5. September 1659 Montagu mit der englischen Flotte nach der
Heimat abging -- unter dem Vorwande, neu ausrüsten zu müssen, in Wahrheit
aber, um Monck bei Einsetzung Karls II. zu unterstützen --, kam die
holländische Flotte wieder in Tätigkeit. Es folgen nun Operationen an der
Küste Schwedens und der Teile Dänemarks, die noch in schwedischem Besitze
waren. Sie werden größtenteils geleitet von =Ruyter=, unter ihm Cornelis
Evertsen jun., da Wassenaer Anfang November nach Abgang der Engländer
gleichfalls mit etwa 20 Schiffen zurückgezogen war, wie denn auch ein
weiterer Teil der Flotte zum Handelsschutz abgezweigt wurde.
Die erste und Hauptaktion war die Unterstützung des Angriffs der
festländischen Verbündeten Dänemarks von Deutschland aus, der Haupterfolg
die $Eroberung Fünens mit der Stadt Nyborg 1659$.
=Ruyter= führte auf seinen und den dänischen Schiffen ein dänisches
Heer von 5200 Reitern und 4600 Mann Fußvolk unter General Schack von
Kiel nach dem stark besetzten Fünen. Ein Teil seiner Schiffe war nach
dem kleinen Belt gesandt worden, um die Aufmerksamkeit der Schweden
dorthin zu ziehen und um den Übergang eines
brandenburgisch-kaiserlich-polnischen Heeres -- General von Eberstein
mit 4000 Reitern und wenig Fußvolk[146] -- nach Fünen bei Middelfart zu
unterstützen.
[146] Ich erinnere daran, daß seit der letzten Zeit des Dreißigjährigen
Krieges eine Zeitlang die Kavallerie in den Heeren häufig
überwog, daß aber ein Teil davon, die Dragoner, vorzugsweise zu
Fuß focht.
Auf Fünen standen etwas über 7000 Schweden, davon 4500 Reiter, unter
dem General Steenbock und dem Prinzen von Sulzbach. Ruyter und Schack
versuchten am 8. November vergeblich, die Landung bei Nyborg zu
erzwingen, aber am 10. gelang es unter Ruyters persönlicher Führung,
bei =Kerteminde= trotz schwedischer Schützengräben Fuß zu fassen und in
zwei Tagen auch die ganze Reiterei auszuschiffen. Am 14. war Eberstein
nach Fünen hinübergegangen, und beide Heere vereinigten sich am 19. bei
=Odense=. Die Schweden wurden auf Nyborg gedrängt und am 22. unter
schweren Verlusten aus ihrer starken Stellung eine Meile vor der Stadt
in diese hineingeworfen; bei dem Treffen sollen sich besonders die
Holländer ausgezeichnet haben. Bei der nun folgenden =Belagerung
Nyborgs= bringt die holländische Flotte die, Stadt und Hafeneinfahrt,
deckenden Werke zum Schweigen, legt sich zum Teil in den inneren Hafen
und bombardiert, so daß die Stadt am 25. auf Gnade und Ungnade
übergeben werden muß und die Insel für die Schweden verloren ist. Die
Schweden verloren 2000 Tote und 5000 Gefangene, die Verbündeten nur 500
Tote.
Ruyter ging dann zum Ausrüsten nach Lübeck und von dort nach Kopenhagen.
Die naheliegende weitere Unterstützung, die Truppen nach Seeland zum
Entsatze der Hauptstadt überzuführen, scheint wiederum unterblieben zu
sein, um Schweden nicht zu sehr niederzuwerfen, England und Frankreich
nicht zu reizen, wenn auch als Grund die vorgerückte Jahreszeit angegeben
wurde.
=Im Winter= 1659/60 fror die Flotte vor Kopenhagen ein, und nun
unterstützte =Ruyter= die Verteidigung, da mit dem Falle der Stadt auch
seine Flotte arg gefährdet gewesen wäre; er sandte Soldaten und Matrosen
in die Werke und ließ die Schiffe durch Aufhauen des Eises gegen Entern
schützen. Vom Aufgehen des Eises bis zum Friedensschlusse erfolgten nur
noch kleinere Bewegungen zur Überwachung der schwedischen Flotte, da sich
mit dem Tode Karl Gustavs die Friedensaussichten sofort günstiger
stellten.
Die Erfolge in der Ostsee hatten den alten Ruf der holländischen Marine,
der durch den unglücklichen englisch-holländischen Krieg gelitten hatte,
wieder hergestellt.
In den Jahren 1661-1663 und auch 1664 wurde =Ruyter=, einmal auch Tromp
jun., ins $Mittelmeer$ gesandt. Während Holland im Norden beschäftigt
war, hatten die Seeräubereien der Barbaresken aufs neue überhand
genommen. Verschiedentlich wurden zwar Verträge abgeschlossen oder
Verträge erzwungen, doch wurden diese immer wieder von den Barbaresken
gebrochen. Im ersten Jahre hatte der Admiral noch den geheimen Befehl,
Spaniens Silberflotten zu schützen, als England und Portugal mit Spanien
im Kriege waren. Es ist dies wieder ein bemerkenswertes Kennzeichen
damaliger Verhältnisse, denn eben hatte Holland mit Portugal Frieden
geschlossen. Dieser Friede wurde aber erst 1662 ratifiziert und
gegenseitige Schädigungen, sowie dadurch hervorgerufene Gewaltmaßregeln
hörten selbst dann noch nicht auf. In den späteren Jahren kam es in den
spanischen Gewässern, sogar bei gemeinsamem Vorgehen gegen die
Barbaresken, schon zu Reibungen mit England, oft nur wegen
Etikettenfragen. 1664 erfolgte ein Zusammenstoß ernsterer Art an der
Westküste Afrikas, der mit Anlaß zum zweiten Kriege gab (vergl. Seite
252).
Wir müssen auch $Frankreich$[147] kurz berühren. Der =Krieg mit Spanien=,
der 1635 ausgebrochen war, als Richelieu auf seiten Schwedens in den
Dreißigjährigen Krieg eintrat (Seite 109), wurde nach dem Westfälischen
Frieden fortgeführt. Er spielte sich zu Lande in den spanischen
Niederlanden, an der spanischen Grenze aber auch in den spanischen
Besitzungen Italiens und in den nördlichen Provinzen Spaniens ab, da
Frankreich verschiedene Aufstände in Katalonien, Aragonien, dem
Königreich beider Sizilien sowie auch den Abfall Portugals für seine
Zwecke ausnutzte. Die von =Richelieu= neu gegründete Flotte nahm daran
lebhaften Anteil durch Unterstützung der Landheere, durch Angriffe auf
Küstenstädte und auf die feindliche Flotte, um die Verbindung Spaniens
mit seinen Nebenländern abzuschneiden. So kam es zu verschiedenen
Gefechten nicht unbedeutender Flotten -- Kampf um die Lerinischen Inseln,
Schlachten bei Guetaria und bei Genua, Cadiz, Tarragona -- besonders
solange die französische Marine die unter Richelieu ([+] 1642)
erlangte Stärke hatte. Bei den Kämpfen im Mittelmeer spielten zwar die
Galerenflotten die Hauptrolle; beide Nationen waren etwa gleich stark in
dieser Waffe. Es treten aber auch Flotten von Segelkriegsschiffen oder
armierten Kauffahrern auf, sowohl in der Biscaya wie im Mittelmeer; in
der Schlacht bei Cadiz 1640 soll der französische Admiral =de Brézê=, zu
Luward stehend, sogar schon das Manöver gemacht haben, durch einige
seiner Schiffe den Feind dublieren zu lassen. Doch bieten im allgemeinen
die Ereignisse nichts derart Wichtiges, um hier näher darauf einzugehen.
[147] Du Sein, Teil II, zählt die Gefechte auf; Chab.-Arnault etwas
genauer.
=Der Bürgerkrieg der Fronde= lähmte den Krieg gegen Spanien sehr,
besonders auch zur See, da =Mazarin= nicht mehr die nötigen Mittel für
die Marine flüssig machen konnte, und 1652 traf diese der schwere Verlust
des Geschwaders unter Vendôme durch Blake (Seite 208), wodurch auch
Dünkirchen in die Hände der Spanier fiel. Anderseits wirkte die Flotte
mit zur Unterwerfung der Fronde in Bordeaux (1649 und 1653), bei einem
letzten Aufstande in Neapel (1653) und schlug die spanische bei Barcelona
(1655). Die Macht der spanischen Marine erlahmte immer mehr, weil dieser
Staat seit 1654 mit England im Kriege war und seine Küsten blockiert
wurden. Nachdem 1657 das Bündnis mit England abgeschlossen war, wurde,
wie schon erwähnt, 1658 =Dünkirchen= mit Unterstützung der englischen
Flotte zurückerobert (durch Turenne), zunächst laut Vertrag an England
abgetreten, aber 1662 von diesem gekauft. Louis XIV. schuf hier durch
Ausbau und Befestigung des schon von den Spaniern gegründeten
Kriegshafens einen mächtigen Stützpunkt für seine Seestreitkräfte. 1659
war Spanien gezwungen, Frieden zu schließen -- den $Pyrenäischen
Frieden$, ratifiziert 1661. Es verlor die Provinzen nördlich von den
Pyrenäen, sowie Teile und verschiedene wichtige Plätze seiner
Niederlande; hierdurch näherte sich das immer mächtiger werdende
Frankreich den Grenzen Hollands. Der Krieg hatte die Wichtigkeit einer
starken Marine für Frankreich gezeigt und Louis XIV. (Colbert) wandte ihr
von jetzt ab, allerdings auch für kolonialpolitische Ziele, die größte
Sorgfalt zu. In Hinsicht auf diese Punkte hat der französisch-spanische
Krieg wohl Interesse für uns. Verwicklungen mit Holland sollten bald
eintreten und die neue französische Marine kam zur Geltung; vor ihrem
Auftreten im Norden erhielt sie ihre Feuertaufe in Kämpfen gegen die
=Barbaresken= 1664 und 1665.
Auf einen =venetianisch-türkischen Krieg= 1645-1669, in dem Frankreich
auftrat, soll bei späteren Kriegen zwischen diesen Staaten am Ende des
Abschnittes näher eingegangen werden.
[Illustration]
* * * * *
[Illustration]
Fünftes Kapitel.
Der zweite englisch-holländische Krieg 1665-1667.
$Die politische Lage um 1662. Gründe des Krieges.$ Die Betrachtung der
»Nebenkriege« hat uns bis in den Anfang der sechziger Jahre geführt und
gezeigt, daß um diese Zeit in den europäischen Gewässern überall Frieden
war. Aber der zweite englisch-holländische Krieg lag in der Luft, und in
diesem trat Frankreich (sowie auch Dänemark) auf die Seite Hollands.
In $England$ war 1660 das Königtum wieder eingesetzt. =Karl= II. stellte
die alte Regierung wieder her, Ober- und Unterhaus sowie die bischöfliche
Kirche, und erstrebte den Ausgleich zwischen den Bischöflichen, den
Presbyterianern und den Katholiken. Ohne feste Grundsätze jedoch, ließ er
sich in seiner inneren wie äußeren Politik vornehmlich durch die
Geldbedürfnisse für seine üppige Hofhaltung leiten. So war seine äußere
Politik schwankend. Obgleich er von Frankreich, noch unter Mazarin, auf
Cromwells Forderung ausgewiesen war, verkaufte er doch 1662 das für
England so wichtige Dünkirchen an Frankreich und neigte immer mehr zu
Louis XIV. hin, da dieser ihn auch sonst mit Geld unterstützte und
dadurch teilweise vom Parlament unabhängig machte.
Wenn Karl II. aber auch in erster Linie mehr auf seinen als auf Englands
Vorteil bedacht war, so gab er doch, sobald die Lage bedenklich wurde,
der Volkstimmung nach, um nicht dem Schicksal seines Vaters zu verfallen,
auch führte ihn sein Haß gegen Holland mit der öffentlichen Meinung
zusammen. Ihm war ein Krieg mit Holland erwünscht. Er haßte das Land als
Republik, er haßte die augenblickliche Regierung dort, da sie ihn auf
Cromwells Forderung ausgewiesen hatte und auch seinen Verwandten, dem
Hause Oranien, feindlich gegenüberstand. Es wird ihm aber auch
nachgesagt, er habe den Krieg gewünscht, um dafür bewilligte Gelder für
sich zu verwenden.
Die Stimmung des Volkes, wenigstens eines wichtigen Teiles, war feindlich
gegen Holland. Der erste Krieg hatte den Kampf der beiden Länder nicht
zum Austrage gebracht. Besonders auf englischer Seite blieb die
Eifersucht auf den immer noch weit größeren und trotz der Navigationsakte
weiter zunehmenden holländischen Handel bestehen; die wichtige und
erfolgreiche Rolle, die Holland in der Ostsee gespielt hatte, konnte
England nicht vergessen. Als sich nach der Thronbesteigung Karls II. im
Innern Ruhe eingestellt hatte, trat die Neigung zur Fortführung des
Kampfes um die erste Stelle auf den Meeren wieder kräftig hervor; an
äußeren Anlässen, diese kriegerische Stimmung zu schüren, fehlte es
nicht.
$Holland$ hatte sich von den Folgen des ersten Krieges erholt. Sein
Besitz in Indien war weiter gewachsen; der Handel blühte auf allen Meeren
wie nie zuvor; seine Finanzen waren geordnet. Letzteres war vornehmlich
das Verdienst =Jan de Witts=, der seit dem Tode Wilhelms II. von Oranien
während der sogenannten ersten statthalterlosen Zeit (1650-1672)
Ratspensionär (erster Beamter) der Provinz Holland, aber in Wirklichkeit
durch den Einfluß seiner bedeutenden Gaben der oberste Leiter der ganzen
Republik war. Das erfolgreiche Auftreten in der Ostsee, die neu bewiesene
Tüchtigkeit der Flotte, die Geschicklichkeit und Festigkeit seiner
Diplomatie -- wieder de Witts Verdienst -- hatten Holland überall neues
Ansehen verschafft.
Dennoch war es in einer mißlichen Lage. Solange Spaniens Macht groß
dastand, hatte es im Interesse Englands und Frankreichs gelegen, die
Republik stark und unabhängig zu sehen, als aber Spanien nicht mehr zu
fürchten war, drohten Holland gerade von diesen Mächten Gefahren. England
gelüstete nach Hollands Handels- und Seeherrschaft, Frankreich wollte die
spanischen Niederlande haben. Der Verlust der Handels- und Seeherrschaft
mußte der Ruin Hollands werden; das erstarkte Frankreich an Stelle des
geschwächten Spaniens als unmittelbaren Nachbar zu erhalten, war
militärisch und auch für den Handel nicht unbedenklich, selbst wenn die
spanischen Niederlande geteilt wurden, wie es Frankreich zunächst
vorschlug. Kam Antwerpen in französischen Besitz, so hatte die Schließung
der freien Schiffahrt dorthin wohl ein Ende; aber auch in holländischem
Besitz mußte Amsterdam, der Hauptsitz der regierenden Partei, den
Wettbewerb dieser in früheren Zeiten so bedeutenden Handelsstadt
fürchten. Diesen Gefahren gegenüber hatte es der Leiter der Politik nicht
leicht. Im Volke bestanden zwei Parteien: die eine war für das Haus
Oranien, die andere für die republikanische Verfassung, wie sie
augenblicklich bestand; jene neigte zu England und wünschte eine starke
Armee, diese war für Frankreich und eine starke Marine; sie bestand aus
den Kaufleuten in den Seeprovinzen und hier vornehmlich in Holland mit
Amsterdam und Rotterdam, welche Provinz mehr als die Hälfte der Ausgaben
des ganzen, lose geknüpften Staatenbundes trug. Da nun diese Partei, also
die Handelsaristokratie, die herrschende war, so konnte die Regierung ihr
Hauptaugenmerk auf die Flotte richten und die englische Gefahr war ja
auch die ernstere und nächste; es wurde ihr jedoch nicht leicht, schon im
Frieden genügend Mittel für die Wehrkraft aufzubringen, da selbst ihre
Anhänger nur in der Not zu größeren Opfern bereit waren. Wie es bei einem
reinen Handelsvolke ganz natürlich ist, war man in Holland überhaupt
einem neuen Kampfe abgeneigt, wenn auch gerade die herrschenden Kreise
infolge des demütigenden Friedens und der großen Verluste im ersten
Kriege England grollten; man wollte doch die Früchte des Verkehrs im
Frieden einheimsen. Die Regierung hatte denn auch Karl II. den Hof
gemacht, sobald seine Aussichten auf den Thron stiegen, aber vergeblich,
sein Haß überwog. Während die Verhältnisse sich zuspitzten, versuchte man
immer noch, durch Unterhandlungen dem Kriege vorzubeugen. Man nahm auch
die Vermittlung des scheinbar wohlgesinnten Frankreichs in Anspruch;
alles blieb fruchtlos, weil England den Krieg durchaus wollte.
So brach infolge der Handelseifersucht ein zweiter blutiger Krieg aus
zwischen den beiden Völkern, die als protestantische und parlamentarische
Staaten gegen das katholische und absolute Frankreich hätten
zusammengehen sollen; erst die allgemeiner werdende Erkenntnis der Pläne
Louis' XIV. führte sie nach dem Kriege für kurze Zeit zusammen, dauernd
und ernstlich erst nach der Vertreibung Jakobs II. aus England (1688).
In $Frankreich$ hatte =Louis= XIV. nach dem Tode Mazarins 1661, also bald
nach dem Pyrenäischen Frieden, die Regierung allein ergriffen und seinen
Ministern erklärt, er werde fortan sein eigener Premierminister sein. Von
diesem Zeitpunkte an begann er die Pläne Richelieus und Mazarins mit
aller Kraft zu verfolgen: Frankreich an Stelle Österreich-Spaniens zur
ersten Macht Europas zu machen und sie auf Kosten dieser Länder
auszudehnen. Die absolute königliche Herrschaft besaß er nach Beendigung
der letzten inneren Wirren -- durch die Unterdrückung der Fronde --;
tüchtige Minister (Louvois, Colbert) schmiedeten ihm die Waffen zu seinen
nun bald folgenden Eroberungskriegen.
Zunächst faßte er die Erwerbung der spanischen Niederlande ins Auge;
seine Ansprüche leitete er von seiner Gemahlin Maria Theresia, der
ältesten Tochter des Königs Philipp IV. von Spanien, her. Zwar hatte
diese allen Erbansprüchen entsagen müssen, aber diese Entsagung erklärte
Louis XIV. aus verschiedenen Gründen für nichtig und hielt den
Erbanspruch auf die Niederlande auch aufrecht, als dem König Philipp
später noch ein Sohn geboren wurde. Er stützte sich hierbei auf die
eigenwillige Auslegung eines alten Lehnsbrauches in diesen Provinzen,
wonach die Tochter erster Ehe vor einem Sohne zweiter Ehe erbte, das »jus
devolutionis«, und griff später Spanien in seinen Niederlanden an (1667
der Devolutionskrieg). Noch bei Lebzeiten Philipps ([+] Sept.
1665) begann er diesen Eroberungskrieg politisch vorzubereiten. Von
England fürchtete er bei dem Charakter seines Königs keinen Widerstand,
wichtiger war das Verhalten des geld- und seemächtigen Hollands. Um sich
die dort regierende Partei günstig zu stimmen, schloß er 1662 ein
Defensivbündnis mit der Republik. Auf einen Offensivvertrag ließ sich de
Witt nicht ein, um nicht gezwungen zu sein, zu der sehr unerwünschten
Eroberung selbst mitzuwirken. So aber gewann er die Unterstützung
Frankreichs gegen England und behielt doch freie Hand, sich der
Vereinigung Belgiens mit Frankreich zu widersetzen. Vor Ausbruch des
Krieges übernahm nun Louis XIV. die Vermittlung und trat später (1666)
sogar offen auf Hollands Seite.
Es ist aber sehr fraglich, ob seine Vermittlung ernstlich gemeint war und
so durchgeführt ist. Es konnte ja nur in seinem Vorteil liegen, wenn die
beiden Gegner sich schwächten; jedenfalls hat seine Flotte nicht in den
Krieg eingegriffen, als er später als Verbündeter auftrat. Louis wollte
wohl diese eben von Colbert geschaffene und in der Entwicklung begriffene
Waffe noch nicht aufs Spiel setzen, sondern sie für später bewahren. Je
geschwächter Holland aus dem Streite hervorging, um so leichter mußte es
der von Louis zunächst vorgeschlagenen Teilung Belgiens geneigt werden.
Sein zweideutiges Spiel geht nicht nur aus dieser lauen Haltung Holland
gegenüber hervor, sondern auch daraus, daß er, wie schon angedeutet und
wie wir noch weiter sehen werden, während der ganzen Zeit mit Karl II. in
Verbindung stand. Und wie er die Zwietracht zwischen den beiden Gegnern
nährte, so schürte er auch den Hader der Parteien in Holland.
Die äußeren Anlässe zum Kriege. Die Kriegserklärung.
Es fehlte nicht an Anlässen, die kriegerische Stimmung zu steigern,
besonders in England. Die Handelskompagnien der beiden Länder stießen
überall in den außereuropäischen Gewässern zusammen und bei der
Überlegenheit der holländischen meistens zum Nachteil der englischen.
Diese erhoben denn auch zuerst Klagen und brachten es dahin, daß England
in einer Weise auftrat, die wiederum Holland zwang, scharfe
Gegenmaßregeln zu ergreifen. Die Schilderung der Ereignisse[148] wird
zeigen, daß sich die Völker schon vor der Kriegserklärung im
Kriegszustande befanden.
[148] »Leben Ruyters« (besonders die Ereignisse), »Vie de Tromp«
(besonders die Verhandlungen der Staaten), kürzer: de Jonge, Teil
I, und Clowes, Teil II, Seite 254 und 422.
Den englischen Handelskompagnien wurde es in allen Meeren schwer, neben
den schon weit mächtigeren holländischen festen Fuß zu fassen; sie
wandten sich oft Hilfe heischend an das Parlament. Solche Forderungen
traten besonders 1663 auf. -- Die englisch-ostindische Kompagnie
beschwerte sich, daß die Holländer noch immer die laut Friedensschluß
von 1654 abzutretende Bandainsel Polaroon in Besitz hätten, daß sie
feindlich gegen die indischen Fürsten und Städte aufträten, die ihr die
Anlage von Faktoreien gestattet hätten, daß sie in jeder Hinsicht
selbst mit Waffengewalt den englischen Handel hinderten. Großer Schaden
sei der Kompagnie, mittelbar und unmittelbar, schon zugefügt; ungeheure
Summen wurden dafür vorgerechnet. Man war außerdem in England der
Ansicht, daß der berüchtigte Vorfall in Amboina noch nicht genügend
gesühnt sei. Ähnliche Klagen liefen gleichzeitig beim Parlament ein von
der nach dem Mittelmeer fahrenden türkischen Kompagnie und von der 1662
gegründeten afrikanischen Kompagnie; auch bei dieser handelte es sich
um Zurückgabe einiger Plätze, die -- früher in englischem Besitz, dann
aufgegeben -- von Holland eingenommen waren, so z. B. Capecoastcastle.
Unberechtigt sind die Klagen wohl nicht gewesen. Wir haben den Verkehr
auf dem Weltmeer genügend kennen gelernt, um zu wissen, wie gewalttätig
der schon Mächtigere draußen dem Nachkommenden entgegentrat; jedoch ließ
auch England nicht ruhig alles über sich ergehen, sondern antwortete, wo
es ging, mit Vergeltungsmaßregeln, zu welchem Zweck z. B. 1661 ein
kleines Geschwader an die Westküste Afrikas gesandt wurde. Zur
Herbeiführung des Krieges waren diese Zusammenstöße aber nur ein Vorwand.
Die öffentliche Meinung in England und damit der wirkliche Kriegsgrund
finden deutlich ihren Ausdruck in den Monck zugeschriebenen Worten: »Was
kommt es auf diesen oder jenen Kriegsgrund an? Was wir brauchen, ist ein
Stück mehr von dem Handel, den die Holländer jetzt haben!«
Dementsprechend begann man in England zu rüsten -- außergewöhnlich
zahlreiche Indienststellungen, lebhafte Tätigkeit auf den Werften, Füllen
der Magazine -- und unternahm 1663-1664 eine größere $Expedition gegen
holländische Kolonien In Westafrika und Nordamerika$, durch die die
befestigte Insel Gorée am Kapverde, Capecoastcastle sowie einige andere
Plätze an der Goldküste und vor allem Neuamsterdam (New York) den
Holländern abgenommen wurden.
Die Expedition zählte 22 Segel, teils Schiffe der afrikanischen
Kompagnie, teils königliche; letztere hatte der =Herzog von York=
gestellt, der gleichzeitig Protektor der Kompagnie und Lordhighadmiral
war. Sie segelte 1663 unter =Admiral Holmes=, der schon den Zug 1661
befehligt hatte. Holmes machte vom Januar 1664 an die aufgeführten
Eroberungen in Afrika und brachte dort viele Schiffe auf. Dann ging er
nach Nordamerika und nahm im August mit Hilfe der benachbarten
englischen Kolonien Neu-Niederland in Besitz; dem Entsender der
Expedition zu Ehren nannte Holmes Neu-Amsterdam jetzt Neu York.
Hollands Vorstellungen wegen der Gewalttat in Afrika fruchteten nichts.
Die englische Regierung betrachtete den Zug als eine Privatangelegenheit,
versprach Untersuchung, setzte aber ihre Rüstungen fort. Auch in Holland
hatte man im Mai 1664 eine größere Flotte als sonst im Frühjahr unter
Wassenaer zusammengezogen; wie man sagte, gegen die Barbaresken und
spanischen Freibeuter. Sie wurde beständig verstärkt, und bald
verlautete, daß sie Befehl habe, an der holländischen Küste zu bleiben,
zu üben und durch leichte Schiffe die englische Flotte zu beobachten. Man
fürchtete nämlich, diese würde gegen die heimkehrenden Ostindienfahrer
vorgehen, die wie stets im Frühjahr von der Biscaya abgeholt wurden;
übrigens hatte man die entgegengesandte Bedeckung auch wesentlich
verstärkt und befohlen, um Schottland zurückzusegeln. Als nun Holmes' Zug
bekannt geworden war, beschloß man zuerst, mit den Frühjahrsschiffen der
westindischen Kompagnie eine Verstärkung der Kriegsschiffe nach Afrika zu
senden. Da dies aber zu lange gedauert haben würde und auch nicht geheim
gehalten werden konnte, gab man gleich darauf Befehl an =Ruyter= im
Mittelmeer, nach Guinea zu gehen, die verlorenen Plätze wiederzunehmen
und den englischen Handel »in außereuropäischen Gewässern« zu schädigen.
Dieser Befehl war streng geheim, damit man in England nicht aufmerksam
würde und damit das englische Mittelmeergeschwader unter Lawson nicht
folge. Die Geheimhaltung ging so weit, daß selbst einige Mitglieder des
Rates, die den Befehl unterschrieben, ihn nicht kannten; er war ihnen
nach einer sehr arbeitsreichen Sitzung zur Unterschrift mit
untergeschoben worden.[149]
[149] »Leben Ruyters«, Seite 222.
=Ruyter= gelang es, die afrikanischen Besitzungen zurückzuerobern und
auch sonst den Engländern in Westindien und im Atlantik großen Schaden
zuzufügen.
$Ruyters Zug 1664-1665 nach Westafrika und Amerika$ ist bemerkenswert,
weil er die schwierige Aufgabe mit großem Geschick löste.[150] Ruyter
war im Mittelmeer gegen die Barbaresken stationiert, englischerseits
befand sich Admiral Lawson zu gleichem Zwecke dort. Als Ruyter den
Befehl erhalten hatte, nahm er unter allerlei Vorwänden an der
spanischen Küste Proviant für ein Jahr. Es gelang ihm, Lawson über
seine Bestimmungen zu täuschen, und so erschien er ungehindert und
unerwartet Ende Oktober an der =westafrikanischen Küste=. Hier eroberte
er zunächst Gorée zurück, dann, auf die holländische Station Elmina
gestützt, die an der Goldküste verlorenen Punkte und auch das englische
Cormantyne; Capecoastcastle widerstand mit Erfolg. Im Februar 1665 ging
er, 12 Schiffe und 1 Brander stark, nach =Westindien=. Nach einem
vergeblichen Angriff (29. April) auf eine große Zahl englischer
Kauffahrer unter dem Schutz der Batterien auf Barbados verproviantierte
er sich auf holländischen und französischen Inseln und ging dann nach
=Neufundland=. Vor Guinea, in Westindien und in den nördlichen
Gewässern brachte er viele Schiffe auf, die teils verkauft, teils
heimgesandt wurden, so daß der Zug reiche Beute eintrug. Ende Juni trat
er die Rückreise nach Holland an.
[150] Näheres »Leben Ruyters« und in »Vie de Tromp«.
Schon in Westindien hatte er vom Ausbruch des Krieges gehört; er
beabsichtigte deshalb, durch die Nordsee zu segeln und gab als
Treffpunkt die Faröer Inseln und dann die Küste Norwegens (Stadtland)
an. Wohlbehalten hier angekommen, erhielt er die Nachricht von der
unglücklichen Schlacht bei Lowestoft (14. Juni). Da er nun die
Engländer in der Nordsee vermutete, um ihn abzufangen -- dies war in
der Tat der Fall --, steuerte er mit allen Vorsichtsmaßregeln längs den
Küsten der deutschen Bucht und lief am 6. August 1665 in die Westerems
ein.
Sobald man in England das Auftreten Ruyters in Afrika erfuhr, ließ man
die Maske fallen. Die in den englischen Häfen liegenden holländischen
Schiffe wurden mit Beschlag belegt, englische Kriegsschiffe und
Freibeuter brachten in kurzer Zeit an 130 feindliche Schiffe auf.
Holland antwortete mit Beschlagnahme von Fahrzeugen, ließ aber den
Befehl, feindliche Schiffe auf See aufzubringen, noch nicht in Kraft
treten. Immer noch hoffte man, den Frieden erhalten zu können, wobei man
besonders auf die Vermittlung Frankreichs rechnete. Die Rüstungen wurden
aber ununterbrochen fortgesetzt. Anfangs hatten die Generalstaaten den
Provinzen hierfür noch andere Gründe angeben müssen, um sie geneigt zu
machen: es würde nötig sein, die Konvois -- z. B. den schon erwähnten
nach Guinea -- mit starken Flotten durch den Kanal zu führen; bald aber
wurde doch von allen Stellen der Krieg selbst ins Auge gefaßt -- der
Konvoi nach Guinea segelte tatsächlich nur mit gewöhnlicher Bedeckung,
weil eine Verstärkung der westafrikanischen Station nach Ruyters Erfolg
nicht mehr nötig war --, und nun rüsteten alle Admiralitäten mit einer
seltenen Einmütigkeit und unter Aufbietung aller Mittel. Es wurde
beschlossen, 24 Kriegsschiffe erster Klasse zu bauen, für das kommende
Jahr (1665) die Indienststellung aller Schiffe vorzubereiten und dazu die
Mannschaften der Flotte von 1664 im Dienst zu behalten. Wassenaers Flotte
hatte man auf Wunsch Louis' XIV. während der Verhandlungen wie
alljährlich mit Beginn des Winters zurückgezogen, es war jedoch ein
größerer Teil der Schiffe als sonst im Winter in Dienst belassen. Am 23.
Dezember 1664 wurde ferner sämtlichen Kauffahrern und Fischern das
Auslaufen verboten, um sie nicht der Gefahr aufgebracht zu werden,
auszusetzen und um die Leute für die Bemannung der Flotte zu haben.
Auch Karl II. zögerte noch mit der Kriegserklärung, wohl der vorgerückten
Jahreszeit wegen und um die Rüstungen zu vollenden, zu denen das
Parlament noch mehr Mittel bewilligen sollte. Da aber schlug eine letzte
Gewalttat Englands dem Faß den Boden aus. Am 29. Dezember 1664 $griff der
Admiral Allin$ in der Straße von Gibraltar $den heimkehrenden
holländischen Smyrna-Convoi an$.
Der Konvoi bestand aus 30 Kauffahrern mit nur 3 Kriegsschiffen
Bedeckung. Allin überfiel ihn mit 7 Kriegsschiffen. Als der
holländische Admiral =van Brakel= längsseit kam, um zu salutieren,
wurde er mit einer scharfen Breitseite empfangen und dann der Konvoi
angegriffen. Dank der tapferen Gegenwehr, auch der Handelsfahrzeuge,
fielen nur 3 Schiffe in die Hände der Engländer -- eines war im Kampf
vernichtet; zwei versprengte, die ohne Befehl vorausgesegelt waren,
wurden abgeschnitten --, die übrigen retteten sich in spanische Häfen,
van Brakel fiel.
Nach diesem Gewaltakt »in europäischen Gewässern« beschloß Holland den
Krieg. Es erließ nun auch den Befehl, alle feindlichen Kriegs- und
Handelsschiffe in europäischen Gewässern anzugreifen (24. Januar 1665)
und brach die diplomatischen Beziehungen ab; =der Krieg war erklärt=. Die
englische Kriegserklärung erfolgte im Februar; beide Staaten
wetteiferten, ihre Schlachtflotten aufzustellen. -- $Frankreich$ trat
erst im Januar 1666 durch förmliche Kriegserklärung auf die Seite
Hollands, ebenso Dänemark. Es ist bereits darauf hingewiesen, daß die
französische Flotte keinen tätigen Anteil an den Kriegsoperationen nahm;
du Sein erwähnt in der Geschichte der französischen Marine diesen Krieg
überhaupt nicht.
Auch $Dänemark$ kam mit England nur zu kleinen Zusammenstößen in der
Ostsee.
Holland sandte die englische Kriegserklärung an alle seefahrenden
Mächte mit dem Hinweis darauf, daß auch deren Seehandel durch den von
England heraufbeschworenen Krieg schwer leiden würde.