Die Verluste waren auf beiden Seiten schwer. Die Holländer verloren nach
eigenen Angaben an Schiffen: 1 genommen, 1 aufgeflogen, 3 gesunken, doch
sollen noch einige verbrannt sein; von den Engländern ist 1 gesunken,
mehrere, darunter 3-4 größere, mußten sofort nach Portsmouth zur
Ausbesserung gesandt werden. Der Mannschaftsverlust war beiderseitig auf
einzelnen Schiffen ungeheuer groß.
Während der Nacht bessern beide Flotten aus. Aus =Tromps= Berichte kann
man entnehmen, daß er nach einem Kriegsrat beschloß, von weiteren
Angriffen abzusehen und nur seine Aufgabe, den Schutz des Konvois, zu
verfolgen. Er konnte diesen nicht entlassen, weil er fürchtete, daß die
Engländer noch weitere Streitkräfte im Osten hätten, und er war nicht
stark genug, eine Bedeckung für ihn abzuzweigen; außerdem wurde auf
vielen seiner Schiffe die Munition knapp, so daß er sogar den Befehl zu
sparsamer Verwendung geben mußte. Er segelte deshalb am 1. März weiter
und hielt sich mit der Flotte in Halbmondformation zwischen dem Konvoi
und dem Feinde, um jedem ernstlichen Nachdrängen entgegentreten zu
können. Die Engländer folgten mit der Absicht, möglichst viele Schiffe
abzufangen; sie schießen deshalb bei Zusammenstößen gegen ihren
sonstigen Brauch auf die Takelage,[117] um die Schiffe zu lähmen (vgl.
Seite 197).
[117] »Vie de Tromp«, Seite 95.
Am 1. März kommt es auf der =Höhe von Wight= zwischen Teilen zu einem
schweren Gefecht, in dem besonders =Ruyter= den Feind mehrfach
zurückwirft; sein Schiff wird dabei so zerschossen, daß es am Abend in
Schlepp genommen werden muß. Dagegen gelingt es =Lawson= mit einigen
»Fregatten« -- neuere gute Segler sind gemeint -- 2 Kriegsschiffe und 10
oder 12 Handelsschiffe vom rechten Flügel abzuschneiden und zu nehmen.
Viele Schiffe des Konvois verlieren das Zutrauen auf ihren Schutz und
brechen aus, um die französische Küste zu erreichen; manche von ihnen
werden genommen. Auch am dritten Tage (2. März) greifen die Engländer
mehrfach an; die Zahl der holländischen Kriegsschiffe wird immer kleiner,
denn viele derjenigen, die die Munition verschossen hatten, suchen ihr
Heil auf eigene Faust. Am Abend dieses Tages standen die beiden Flotten
unter Land südwestlich von =Kap Grisnez=. Die Engländer ankern, da nach
Ansicht ihrer Lotsen dem Feinde während der Ebbe in der Nacht ein
Dublieren des Kaps unmöglich sein mußte; der Wind war schon am 2. März
flau und östlich geworden. Am Morgen des 3. März aber sind alle Holländer
außer Sicht, die Engländer gehen deshalb nach ihrer Küste zurück.
Der größere =Verlust in dieser dreitägigen Aktion= war sicher auf seiten
der Holländer, die mindestens 12 Kriegsschiffe gegen nur eins der
Engländer verloren. Beide Führer schrieben sich in ihren Berichten,[118]
die unmittelbar nach den Begebenheiten und vor Eingang genauer Meldungen
abgesandt sind, den Sieg zu. =Tromp= hatte ja auch seine Aufgabe, den
Konvoi heimzubringen, gelöst, aber er hatte außer den Kriegsschiffen
wenigstens 30 seiner Schutzbefohlenen verloren.
[118] »Vie de Tromp«, Seite 99 und 101, wörtliche Wiedergabe der
Berichte Tromps und Blakes.
Tromp gibt den Mannschaftsverlust der Engländer auf 2000 Tote und
Verwundete gegen 600 Tote und etwas mehr Verwundete der Holländer an;
es ist dies gewiß überschätzt, vielleicht unter dem Eindruck der
Verluste der Engländer am 28. Februar an der Stelle, wo Tromp selbst
focht. Der große Verlust der Holländer an Schiffen ist damit leicht zu
erklären, daß das fechtende Material der Engländer weit besser war,
mehr und auch neuere Kriegsschiffe, und daß die Holländer sich
zurückzogen, wobei verkrüppelte und versprengte Fahrzeuge dem Verfolger
leicht in die Hände fallen mußten.
$Neue Rüstungen.$ In beiden Ländern wurden die größten Anstrengungen
gemacht, ihre Flotten baldigst wieder schlagfertig herzustellen.
=England= verfügte noch über mehr Schiffe, als bei Portland gefochten
hatten, aber die Bemannung machte Schwierigkeit. Die Löhnung war gering
und wurde unregelmäßig gezahlt, die Folge davon war Unzufriedenheit, ja
Meuterei auf den Schiffen; viele Engländer dienten sogar in Holland,
wobei sie, wie Schotten und Iren im gleichen Falle, ihr Gewissen damit
entlasteten, daß sie für die Sache ihres rechtmäßigen Königs kämpften.
Man mußte wiederum in großem Maßstabe auf das Heer zurückgreifen;
übrigens hatten die eingeschifften Soldaten bei Portland durch ihr
Gewehrfeuer sehr gute Dienste geleistet. Auch in =Holland= machte die
Bemannung zunächst Schwierigkeit, die aber bald durch Lohnerhöhung
gehoben wurde; man hatte ferner die Walfischfahrt nach Grönland verboten,
um mehr Leute für die Flotte zu erhalten und auch um die Grönlandsfahrer
dem Angriff der Engländer zu entziehen. Im Schiffsmaterial blieb Holland
weiter im Nachteil. Auf die beständigen Klagen der Admirale hin hatte man
zwar eine große Zahl wirklicher Kriegsschiffe auf Stapel gelegt, diese
Schiffe waren aber noch nicht fertig. Die Admirale klagten sogar darüber,
daß die Ausbesserung der in den Schlachten beschädigten Schiffe
vernachlässigt[119] würde.
[119] Nach »Vie de Tromp« war der Bau von 30 Schiffen, nach »Leben
Ruyters« Seite 40, sogar der von 60, in zwei Raten, angeordnet;
sie werden dort »Fregatten« genannt (vgl. Seite 164.)
Da eigentlich in beiden Ländern in einem großen Teil der Bevölkerung
Neigung zum Frieden war, knüpfte Holland neue Verhandlungen an, auf deren
Erfolg man namentlich rechnete, als Cromwell im April 1653 das »lange
Parlament« aufgelöst und sich der Alleinherrschaft bemächtigt hatte, aber
sie zerschlugen sich, weil Cromwell von seinen 1651 aufgestellten
Forderungen nicht abging. Bald wurden nun die Feindseligkeiten wieder
aufgenommen. =Tromp= erhielt den Befehl, Mitte Mai einen Konvoi von 200
Schiffen, von den verschiedenen Häfen Hollands nach Frankreich und
Spanien bestimmt, bis zum Norden Schottlands zu geleiten und in den
dortigen Gewässern angesammelte Fahrzeuge heimzubringen. Die englische
Flotte unter =Monck= und =Deane=[120] hatte Kenntnis davon erhalten und
ging zur holländischen Küste, um womöglich schon das Sammeln der
Handelsschiffe und ihre Vereinigung mit der Flotte, sonst aber den Marsch
des Feindes zum Angriff zu benutzen.
[120] Blake war zur Zeit der Parlamentsauflösung an der Ostküste
Englands stationiert, wie man sagt, da Cromwell seiner Zustimmung
zu erwähntem Staatsstreiche nicht sicher war. Yonge, Teil I,
Seite 72.
Zur Störung des Sammelns kam man zu spät, auch zu einem Zusammenstoße kam
es nicht, da man sich nicht sichtete, obgleich die Flotten am 15. Mai nur
wenige Meilen voneinander entfernt waren. =Tromp= führte den Konvoi
wohlbehalten nach Norden; wenn er auch den Rückkonvoi verfehlte, so kam
er doch mit der Flotte und ebenso der Konvoi Ende Mai ungehindert nach
Holland zurück. Die englische Flotte hatte nach seiner Abfahrt die
holländische Küstenschiffahrt und Fischerei gestört, einen erfolglosen
Versuch gemacht, Schiffe in dem Vlie zu nehmen und die ganze feindliche
Küste alarmiert.
Nach der Rückkehr, Ende Mai, erfuhr =Tromp=, daß in den Downs ein
kleines englisches Geschwader läge -- es war =Badiley= mit dem
Mittelmeergeschwader und einem kleinen Konvoi von 18 Schiffen, kurz
vorher aus dem Mittelmeer eingetroffen -- und ging mit der ganzen Flotte
hinüber, mit der Absicht, den Feind von beiden Seiten anzugreifen und zu
erdrücken. Aber Badiley war gewarnt und in die Themse eingelaufen. Die
zuerst ankommenden holländischen Geschwader unter =Ruyter= konnten nur
noch einige der Kauffahrer, die nahe am Lande bei Dover und Deal lagen,
unter heftigem Feuer der dortigen Befestigungen erbeuten (4. Juni).
Inzwischen war auch =Monck= in See gewesen, um Tromp zu suchen. Als
dieser erfuhr, daß die englische Flotte am 3. und 4. Juni bei Nieuport an
der flandrischen Küste, und am 8. Juni vor Walcheren gesehen und nach
Norden gesegelt sei, folgte er. Am 11. Juni lag die englische Flotte auf
der Rhede von Yarmouth, die holländische etwa 12 Seemeilen nordöstlich
von Northforeland; beide hatten Kenntnis voneinander und beabsichtigten
den Kampf, Tromp wollte sich zwischen den Feind und die Themsemündung
schieben. Monck ging noch an demselben Tage Anker auf und ankerte wieder
außerhalb des Gabart-Sandes etwa 15 Seemeilen südöstlich von Orfordness.
Zum ersten Male standen sich jetzt fast die vollen Streitkräfte der
beiden Staaten gegenüber, die Holländer dieses Mal nicht, wie bisher in
allen großen Schlachten, durch einen Konvoi behindert. Es schien die den
Krieg entscheidende Schlacht bevorzustehen.
$Die englische Flotte bei Northforeland am 12. Juni 1653.$
I. =(rotes) Geschwader: Die Generale Monck und Deane
(Admirale der Flotte).=
+================================+
| I. Division: Die Generale |
| |
+---------------+----------------+
| Anzahl | mit |
| der Schiffe | Kanonen| Mann |
| | pro Schiff |
+===============+========+=======+
|1(»Resolution«)| 88 | 550 |
|1 | 50 | 220 |
|4 | 40-42 |160-180|
|1 | 38 | 140 |
|1 | 26 | 100 |
|1 | 14 | 90 |
|3 Brander | 10 | 30 |
|4 arm. Kauff. | 36-44 |140-180|
+---------------| | |
|16 Segel | | |
+================================+
| II. Division: Peacock |
| (Vizeadmiral) |
+---------------+----------------+
| Anzahl | mit |
| der Schiffe | Kanonen| Mann |
| | pro Schiff |
+===============+========+=======+
|1 (»Triumph«) | 62 | 350 |
|4 | 40-48 |160-200|
|4 | 33-37 |120-150|
|3 arm. Kauff. | 34-44 |120-180|
|---------------| | |
|12 Segel | | |
+================================+
| III. Division: Howett |
| (Kontreadmiral) |
+---------------+----------------+
| Anzahl | mit |
| der Schiffe | Kanonen| Mann |
| | pro Schiff |
+===============+========+=======+
|1(»Speaker«) | 56 | 300 |
|1 | 46 | 180 |
|3 | 40-50 |170-180|
|3 | 30-38 |120-160|
|1 | 26 | 100 |
|2 arm. Kauff. | 30-34 |110-120|
|---------------| | |
|11 Segel | | |
+===============+========+=======+