Die nächste Aufgabe der englischen Flotte war, die holländische auf ihrer
Rückkehr von Ré abzufangen. =Tromp= war an Zahl der Schiffe, etwa 80,
wohl etwas überlegen, doch waren diese wie bisher minderwertig und durch
den Konvoi von etwa 250 Handelsfahrzeugen sehr behindert. Am 28. Februar
1653 sichteten sich die Gegner in der Mitte des Kanals auf der Höhe von
=Portland=. Tromp geht sofort zum Angriff über, da er die Engländer in
einer Lage sieht, die ihm Erfolg verspricht.[116] Die Überlieferungen
sind sehr lückenhaft, sie lassen aber doch den Verlauf ungefähr
verfolgen; besonders aber kann man erkennen, welchen Einfluß ein
selbständiges Handeln befähigter Unterführer, hier Penns und Lawsons,
hat. Es ist das erste Mal, daß derartige Fälle genauer bekannt sind.
[116] Schilderung der Schlacht nach Clowes, Teil II, Seite 168; »Vie de
Tromp« und »Leben Ruyters« geben nur Taten holländischer Schiffe;
die wenigen Andeutungen anderer Art weichen oft von Clowes ab.
=Tromp= kam mit frischem Westnordwestwinde den Kanal hinauf, die
englische Flotte steuerte südwestlich, wahrscheinlich in breiter
Formation mit halbem Winde. =Monck= war während der Nacht mit seinem
Geschwader einige Seemeilen nach Lee geraten, =Penn= stand zwar in Blakes
Nähe, aber auch bei diesen beiden Geschwadern waren die Divisionen
getrennt und Nachzügler zurückgeblieben, die besseren Schiffe hatten die
schlechteren ausgesegelt; bei =Blake= waren nur 10 oder 12 Schiffe in
unmittelbarer Nähe. Somit war Tromp die Gelegenheit gegeben, den Feind
auf schwachen Punkten mit Übermacht anzugreifen. Er befahl seinem Konvoi,
zu Luvard außerhalb des Feuerbereichs zu bleiben, und hielt in
Flottendwarslinie aus Geschwadergruppen (vielleicht auch eine Art
Halbmondformation) auf den Feind ab, wobei er selbst mit dem Zentrum auf
Blake zusteuerte.
Wohl hätte =Blake= dem Angriff ausweichen und sich auf Moncks Geschwader
einheitlich zum Gefecht formieren können, aber er verschmähte dies, ging
an den Wind und nahm den Kampf an. So kamen seine wenigen Schiffe
zunächst mit Tromps ganzem Geschwader ins Gefecht, wurden gleich darauf
von =Ruyters= Geschwader seitlich angegriffen und =Evertsens= Schiffe
drohten die völlige Umschließung zu vollenden.
Der letzteren Gefahr begegnete =Penn=. Auch er war sofort an den Wind
gegangen und kam gegen Evertsen mit den St. B. Seiten zum Gefecht, um
aber nicht von Blake getrennt zu werden und um Evertsen von diesem
abzuhalten, wendete er, segelte durch den Gegner durch und griff in
Blakes Kampf ein; Evertsen behielt seinen Kurs bei und griff Monck an.
Eine zweite Unterstützung erhielt Blake durch richtiges Manövrieren
seines Vizeadmirals =Lawson=. Dieser stand mit seiner Division etwas
zurück und wäre, wenn auch er gleich an den Wind gegangen, durch Ruyter
von Blake getrennt gewesen. Er lief deshalb zunächst weiter, bis er
imstande war, über St. B. Bug auf Tromp zuzuliegen, dann erst wendete er
und verstärkte so den Stoß Penns kurze Zeit nachher.
Auf diesem Hauptkampfplatze wurde mit der Hartnäckigkeit, wie sie eben
die Kämpfe dieser Zeit kennzeichnet, in der Melee gefochten; furchtbares
Feuergefecht in nächster Nähe, Schiffe werden geentert und
wiedergenommen. Als immer mehr Engländer herankommen, die noch fehlenden
Divisionen und die Nachzügler des roten und blauen Geschwaders, bricht
Tromp gegen 4 Uhr nachmittags das Gefecht ab. Er fühlte sich wohl diesen
frischen Kräften nicht mehr gewachsen und fürchtete, daß sich ein Teil
gegen den Konvoi wenden würde; er sagt später in seinem Bericht, um 4^h
pm habe der Gegner eine Gruppe schneller Schiffe zu diesem Zwecke
abgesandt. Verfolgt wurde er nicht, wohl da die stärksten Schiffe der
Engländer in dem für sie so harten ersten Zusammenstoß sehr gelitten
hatten; es waren auch Blake und Bourne schwer verwundet. Bei dem weißen
Geschwader wurde der Kampf bis zur Dunkelheit fortgesetzt, scheinbar
jedoch ohne große Erfolge.
[Illustration: Die Schlacht bei Portland, 28. Februar 1653.