Der Verlauf des Krieges.[99]

Ehe wir in die Beschreibung des ersten großen Krieges eintreten, ist es

nötig, einige Worte über $Mängel in den Quellen$ zu sagen.

[99] Hauptquellen: Clowes, Teil II; »Vie de Tromp«; »Leben Ruyters«.

Zum Vergleich auch Schomberg, Teil I; Allen, Teil I; Yonge,

Teil I.

Die besten alten Werke über die englisch-holländischen Kriege stammen

aus Holland vom Ende des 17. Jahrh., ihre Angaben machen den Eindruck

der Treue. Spätere englische Bücher, die meist auf diesen begründet

scheinen, machen einen weit parteiischeren Eindruck, so z. B. in den

Angaben über Zahl der Schiffe und über Verluste in den Gefechten; diese

werden für die holländischen Streitkräfte meist sehr hoch, für die

Engländer möglichst niedrig angegeben. Erst das neueste Buch, Laird

Clowes, läßt dem Gegner mehr Gerechtigkeit widerfahren; er vermeidet

stets übertriebene Zahlenangaben. Wir folgen seinem Beispiel.

Die sichersten alten Überlieferungen sind die Berichte und Briefe der

Admirale usw. Man kann aber daraus den Verlauf der Schlachten und

Gefechte nicht übersehen, weil sie meist nur Angaben enthalten über:

das Sichten; die Windrichtung, aber nicht immer die Kurse; die Lage der

Gegner zueinander in Beziehung auf den Wind (d. h. wer zu Luward

stand); die Einteilung der Flotten in Geschwader, aber nicht immer, wie

die Unterabteilungen zueinander standen (also nicht die

Flottenformation). Dann folgen Aufzählungen hervorragender Taten

einzelner Admirale und Kommandanten und Schilderungen von geschickten

und mutigen Angriffen oder heldenmütigem Widerstand. Taktische

Bewegungen während des Gefechtes werden selten erwähnt und dann auch

nur in angedeutetem Sinne, wenn es z. B. einem Geschwader- oder

Gruppen-Führer gelingt, sich in eine günstige Position zu setzen. Eine

chronologisch fortlaufende Erzählung fehlt fast immer. Der Grund

hierfür ist wohl darin zu suchen, daß zu dieser Zeit noch das Gefecht

nach dem Zusammenstoß meist gleich zur Melee, zu Einzelkämpfen der

Gruppen oder gar der Schiffe wurde; die Oberleitung und damit auch der

Überblick ging verloren, man erfuhr später nur, was eine jede

Gefechtseinheit für sich erlebt hatte. Diese Angaben stehen nun häufig

nach den verschiedenen Quellen, ja selbst nach ein und derselben, in

scharfem Widerspruch. Wo es möglich war, sie einigermaßen in Einklang

zu bringen, habe ich versucht, den Verlauf der Schlachten darzustellen,

wobei ich mich oft an Clowes anlehne, sonst mußte ich mich auf

vermutende Andeutungen und auf Hervorheben wichtiger Einzelheiten

beschränken. Dieser Mangel tritt besonders zur Zeit des ersten Krieges

auf und verliert sich erst später allmählich.

Die Angabe der Daten weicht in den verschiedenen Quellen oft um zehn

Tage voneinander ab, je nachdem die Autoren den alten oder neuen

Kalender berücksichtigt haben; der Gregorianische Kalender ist in den

katholischen Ländern schon Ende des 16., in den protestantischen erst

im Laufe des 18. Jahrh. eingeführt. Ich gebe nach bestem Wissen die

Daten nach dem neuen Stil. Ferner kommen noch Unterschiede von einem

Tage vor; wahrscheinlich sind diese dadurch hervorgerufen, daß aus den

Berichten und namentlich aus den Logbüchern das astronomische anstatt

des bürgerlichen Datums entnommen ist.

$Das Gefecht bei Dover am 29. Mai 1652.$ Die englische Flotte im Kanal

zur Zeit des Beginns der Feindseligkeiten kommandierte =Blake=. Er hatte

mit ihr 1651 die von Royalisten besetzt gehaltenen Kanalinseln zur

Übergabe gezwungen, dann war Admiral =Ayscue= mit einigen Schiffen der

Flotte nach Westindien gesandt, um die dortigen Kolonien dem Parlamente

zu unterwerfen. Am 28. Mai 1652 lag ein Teil der Kanalflotte unter

=Bourne= in den Downs (Rhede von Deal, geschützt durch die davorliegenden

Goodwin-Sände, dem üblichen Ankerplatz für Schiffe, um die Themsemündung

zu sichern), Blake selbst lag auf der Rhede von Rye.

=Robert Blake=, 1599 in Bridgewater als Sohn eines wohlhabenden

Kaufmanns geboren, übernahm nach kurzem Studium mit 26 Jahren das

väterliche Geschäft, führte als Oberst in der republikanischen Armee

mit Erfolg die Truppe seiner Heimat und wurde 1649 von Cromwell zum

»General at Sea« (mit Dean und Popham) ernannt. Verfolgt 1650 Prinz

Ruperts königliche Schiffe bis ins Mittelmeer, zwingt 1651 die

Kanalinseln (die Scillys und Jersey) zur Übergabe, kommandiert 1652-54

gegen Holland, bekämpft 1655 die Seeräuberstaaten Tunis und Algier,

nimmt 1657 die spanische Silberflotte in Teneriffa unter den Kanonen

von St. Cruz. Er stirbt auf der Rückreise 1657 und wird in Westminster

begraben. Obgleich bis 1649 dem Seewesen fremd, wurde er einer der

größten Seehelden Englands, fast immer siegreich auch den berühmtesten

Admiralen gegenüber. Seine Angriffe auf die Küstenwerke -- Kanalinseln,

Tunis, Teneriffa -- waren die ersten dieser Art, und die Flotten

begannen nach seinen Erfolgen solche Befestigungen gering zu schätzen.

Blake tat auch viel für die Vermehrung und die Organisation der Marine.

Er war ein ernster, pflichttreuer Puritaner, nicht ehrgeizig,

wohlwollend und fürsorglich für seine Untergebenen, ein beliebter

Vorgesetzter.

[Illustration: Robert Blake.]

Bourne hatte 9 Schiffe, 7 Kriegsschiffe von 32-52 Kanonen und 2 kleinere

Kauffahrer; Blakes Geschwader war 8 Kriegsschiffe von 36-64 Kanonen, 3

kleinere und einen Kauffahrer stark. Am 29. Mai sichtete =Bourne= eine

holländische Flotte von 42 Fahrzeugen, die von der flandrischen Küste

herüberkam. Zwei von ihr detachierte Schiffe kamen auf die Rhede,

salutierten die englische Flagge und überbrachten vom holländischen

Admiral =Tromp= die Nachricht, daß er nur durch das Wetter gezwungen sei,

zur englischen Küste zu kommen, er habe nicht länger vor Dünkirchen

liegen können. Bourne gab zur Antwort, Tromp könne die Harmlosigkeit

seiner Absichten am besten durch schleunige Entfernung beweisen; gleich

beim Sichten der Holländer hatte er »Klar zum Gefecht« machen lassen und

die Nachricht an Blake gesandt, daß er einen Angriff befürchte; nachts

ließ er den Feind durch leichte Schiffe beobachten. Mittlerweile hatte

Tromp vor Dover geankert, aber die Aufforderung (durch Schüsse) der

Befestigung dort, die Flagge zu streichen, unberücksichtigt gelassen.

=Martin Tromp, der Ältere=, Sohn eines Seeoffiziers, 1597 in Brielle an

der Maasmündung geboren, ging mit 9 Jahren zur See und wurde mit 11

Jahren von einem englischen Kaper gefangen, auf dem er 2-1/2 Jahre

dienen mußte. Er wurde mit 21 Jahren Offizier, mit 23 Jahren Kapitän,

40 Jahre alt Admiralleutnant. Tüchtiger Seemann, unerschrockener

Führer, vom Feinde gefürchtet, von den Untergebenen geliebt. Fällt am

10. August 1653 durch eine Gewehrkugel in der Schlacht bei

Scheveningen. Er soll in 32 Schlachten und Gefechten siegreich gewesen

sein; die wichtigste Tat war die Vernichtung der letzten spanischen

Hochseeflotte unter d'Oquendo in den Downs 1639 (Seite 141). In der

Biographie seines Sohnes Cornelis »Vie de Tromp« auch Näheres über ihn

z. B. Seite 155.

Da der Wind NO. war, so erhielt =Blake= die Meldung bald. Er lichtete

sofort Anker und kreuzte nach Osten auf, gleichzeitig sandte er Befehl an

Bourne, ihm entgegenzukommen, woraufhin dieser am 29. Mai gegen Mittag

ankerauf ging. Zu derselben Zeit verließ =Tromp=, als er Blake sichtete,

seinen Ankerplatz und steuerte nach Calais hinüber; nachdem er jedoch mit

einem von Westen kommenden holländischen Schiffe gesprochen, halste er

plötzlich und hielt auf Blakes Geschwader ab.

[Illustration: Martin Tromp, der Ältere.]

Als sich die beiden Flaggschiffe, englisch »James« (48 Kanonen),

holländisch »Brederode« (56 Kanonen) etwa querab von Folkestone einander

näherten, feuerte Blake als Aufforderung, die Flagge zu streichen,

nacheinander drei Schuß, aber ohne Erfolg. Im Gegenteil, auf den dritten

Schuß antwortete Tromp mit einer Breitseite, die vom »James« prompt

erwidert wurde. In das so entstandene Gefecht griffen die nächsten

Schiffe sofort ein; es war aber ein Kampf ohne jede taktische Anlage. Als

Tromp seinen Kurs auf die englische Flotte nahm, hatte er sich mitten

durch seine Schiffe fahrend an die Spitze gesetzt, ohne Innehaltung einer

Ordnung folgten die Seinigen; von der englischen Flotte anderseits waren

verschiedene Schiffe weit in Lee und kamen erst nach und nach auf. Die

Spitzen stießen aufeinander; die Holländer würden mit ihrer Überzahl die

Schiffe der englischen Spitze erdrückt haben, wenn nicht fast

gleichzeitig =Bournes= Geschwader herangekommen wäre und den wirren

Haufen der holländischen Schiffe seitlich hinten angegriffen hätte. Heiß

wurde gefochten, englische Küstenfischer gingen während des Gefechts an

Bord der Schiffe und halfen bei der Bedienung der Geschütze; erst die

hereinbrechende Dunkelheit trennte die Gegner. Die Engländer sammelten

sich vor Hythe, besserten ihre Beschädigungen aus und segelten dann nach

den Downs, Tromp steuerte am anderen Morgen zur französischen Küste

hinüber.

[Illustration: Gefecht bei Dover, 29. Mai 1652.]

Die englischen Schiffe haben bei diesem Gefecht schwerere Beschädigungen,

besonders auch in der Takelage, davongetragen (namentlich das

Flaggschiff), dagegen nahm Bourne zwei holländische Schiffe; es scheinen

auch die Verluste an Mannschaft auf holländischer Seite größer gewesen zu

sein, so daß man im ganzen wohl den Engländern den Erfolg zusprechen muß.

Wenn $das Gefecht$ auch taktisch wenig bietet, so ist es doch $in

verschiedener Hinsicht bemerkenswert$. Es war das erste größere

Zusammentreffen der beiden Nationen und zeigt schon die Hartnäckigkeit im

Kampf, die die drei großen englisch-holländischen Kriege kennzeichnet und

ihre Schlachten so blutig macht. Die Holländer waren an Zahl der Schiffe

doppelt so stark und siegten nicht, ein Beweis für die Überlegenheit der

englischen Schiffe (Größe, Armierung, Segelfähigkeit, Stärke und

Ausbildung der Besatzungen) im allgemeinen und auch wohl die der

Kriegsschiffe über eingestellte Kauffahrer. Bei den Engländern kamen hier

auf 15 Kriegsschiffe nur drei Kauffahrer, in der großen Zahl der

Holländer werden weit mehr gewesen sein; man kann dies mit Sicherheit

nach der Zusammensetzung der Flotte annehmen, mit der Tromp einen Monat

später auftritt.

Das Fehlen jeglicher Taktik mag seinen Grund darin haben, daß Blake noch

wenig seemännische Erfahrung hatte, der sonst erfahrene, bisher stets

siegreiche Tromp aber auf die Überzahl rechnete, und daß der Vorfall

durch die stürmische Natur des Angriffs den Charakter eines zufälligen

Zusammenstoßes erhielt.

Endlich ist zu fragen, weshalb es zum Gefecht kam. Der Krieg war zur Zeit

noch nicht erklärt, es waren sogar durch einen außerordentlichen

Gesandten Hollands in London neue Unterhandlungen im Gange, die eine

friedliche Beilegung in Aussicht stellten. Tromps Order lautete deshalb,

den Handel im Kanal zu schützen, der englischen Küste aber fern zu

bleiben und Reibungen zu vermeiden. In betreff des Flaggengrußes war ihm

überlassen, nach eigenem Ermessen zu handeln, nachdem er auf eine Frage

hierüber seiner Regierung geantwortet hatte, der Flaggengruß sei zur Zeit

des englischen Königtums wohl üblich gewesen, besonders wenn beim

Begegnen die holländische Macht die schwächere war. Da der Krieg noch

nicht erklärt war und beide Teile die Schuld des Zusammenstoßes dem

Gegner zuschrieben -- auf holländischer Seite wird behauptet, Blake habe

zuerst eine Breitseite abgegeben --, wurden beide Befehlshaber zur

Verantwortung[100] gezogen. Tromp gab an, zu keiner Zeit feindliche

Absichten gehabt zu haben, andernfalls würde er schon am 28. den

schwächeren Bourne in den Downs haben vernichten können, er sei sogar, um

Reibungen zu vermeiden, nicht einmal auf die dortige Rhede gegangen; am

29. sei der Kampf durch Blakes Breitseite hervorgerufen, die dieser

abgegeben habe, obgleich er, Tromp, durch Wegführen der Segel und Dippen

der Flagge gegrüßt habe. Beides ist mit Vorsicht aufzunehmen; der Angriff

auf Bourne wäre nicht so einfach gewesen, da die Holländer gegen Wind und

Strom unter dem englischen Feuer hätten aufkreuzen müssen, und bei der

Untersuchung des Falles englischerseits bezeugten auch die gefangenen

holländischen Kapitäne, daß Tromp zuerst eine Breitseite gefeuert habe.

Tromp führte endlich an, er habe am 29. aufs neue den Kurs zur englischen

Küste genommen, weil er von dem ihm begegnenden holländischen Schiffe

erfahren hätte, daß von Westen eine Anzahl reich beladener Kauffahrer

käme, die durch englische Schiffe gefährdet werden könnte.

[100] »Vie de Tromp«: Berichte beider Führer Seite 15 u. ff., ebendort

Briefwechsel zwischen ihnen und Vorstellungen der holländischen

Gesandten den Fall betreffend. =Clowes=, Teil II, Seite 148.

So ist denn anzunehmen, daß Tromp am 28. an der englischen Küste

erschien, um Stand und Stärke der englischen Flotte zu erkunden, am 29.

wollte er wohl zum Schutz der Kauffahrer seine gewaltige Macht zeigen,

dabei darauf vertrauend, daß angesichts seiner Stärke die Engländer den

Flaggengruß nicht fordern würden. Als dies doch geschah, kam es zum

Zusammenstoß, was bei dem herrschenden Haß auf beiden Seiten und bei der

damaligen allgemeinen Neigung zu gesetzlosem, gewalttätigem Vorgehen auf

See nicht sehr zu verwundern ist.

$Weitere Ereignisse bis zur Kriegserklärung.$ Der Zusammenstoß bei Dover

erregte in England große Entrüstung, das Haus des holländischen

Botschafters mußte vor dem Pöbel geschützt werden, und die neuen

Unterhandlungen[101] zerschlugen sich. Auch die Engländer zogen jetzt

Kauffahrer in großer Zahl zum Kriegsdienste ein und preßten in den

südöstlichen Grafschaften alle Seeleute zwischen 15 und 50 Jahren.

Außerdem traf Anfang Juni =Ayscue= auf seiner Rückkehr von Westindien in

Plymouth ein; er führte 36 auf Grund der Navigationsakte genommene Prisen

und zwar hauptsächlich Holländer mit sich.

[101] Über diese Verhandlungen, in denen England seine Forderungen

verschärfte, näheres in »Vie de Tromp«, Seite 27 ff.

=Blake=, dessen Flotte jetzt stark vermehrt und von ihm in den Downs

sorgfältig organisiert war, erhielt Befehl auszulaufen, um die

holländische Heringsfischerei an der Nordostküste Schottlands zu

zerstören und feindliche Handelsschiffe auf ihrem Wege von der Ostsee

oder bei den Shetlands abzufangen. Viele aus dem Atlantik kommende

holländische Schiffe wählten zu dieser Zeit den Kurs nördlich um

Großbritannien, um die Scherereien und Gefahren -- Visitation und etwaige

Beschlagnahme durch die Engländer -- im Kanal zu vermeiden.

=Ayscue= erhielt Befehl, damit die Themsemündung nicht ganz unbeschützt

bliebe, =nach den Downs= zu gehen, wo er am 30. Juni eintraf; vorher nahm

er noch die Gelegenheit wahr, am 22. Juni bei Lizard ein Konvoi

holländischer Portugalfahrer anzugreifen, von denen er einige nach

heftigem Kampf mit den begleitenden Kriegsschiffen nahm.

=Blake= segelte am 7. Juli nach Norden mit nunmehr 39 Kriegsschiffen, 2

Brandern, 2 Schaluppen und 18 armierten Kauffahrern; Ayscue blieb mit nur

14 Schiffen, wovon die Hälfte Kauffahrer, in den Downs zurück; die

Absicht, ihn von der Themse aus zu verstärken, mußte aufgegeben werden,

da Tromp an der Küste erschien.

=Tromp=, der jetzt auch den Befehl erhalten hatte, den Feind nach

Möglichkeit zu schädigen, wurde von dem aus London zurückkehrenden

Gesandten über Ayscues Schwäche unterrichtet und beschloß, diesen

anzugreifen. Tromps Flotte war 92 Segel stark: 20 Kriegsschiffe (30-40

Kanonen), 12 kleinere (Fregatten, 8-10 Kanonen), 6 Brander und 54

armierte Kauffahrer. Sein Angriff, von Norden bei günstigem Winde

angesetzt, mißlang jedoch, da Ayscue dicht unter Land, geschützt durch

das Kastell von Deal und verschiedene behelfsmäßige Batterien unmittelbar

am Strande, lag und der Wind sich zu seinen Gunsten änderte. Tromp folgte

nun Blake, kam aber auch hier zu spät; bereits war die holländische

Fischerflotte vor dem Firth of Moray in alle Winde zersprengt, die 13

schützenden kleinen Kriegsschiffe (Fregatten) waren bis auf eins genommen

und ebenso etwa 100 Fischerfahrzeuge mit 1500 Mann; diese wurden jedoch

von Blake wieder freigegeben, um seine Flotte nicht zu schwächen, als er

weiter bis zu den Shetlands segelte. Hier fand ihn Tromp am 5. August, es

kam aber nicht zum Gefecht, weil ein schwerer NW.-Sturm einsetzte. Die

englische Flotte fand Schutz unter Land, die holländische litt schwer.

Nur mit 39 Schiffen kehrte Tromp nach Holland zurück; von den übrigen war

ein Teil gesunken, der Rest stark beschädigt und zerstreut, und die

Heimkehr der letzten Schiffe zog sich bis in den September hinein.

Der Vergleich der beiden Flotten hier zeigt deutlich die mehrfach

erwähnte Schwäche Hollands. Bei Blake kamen auf 41 Kriegsschiffe 18

Kauffahrer, bei Tromp auf 32 aber 54.

=Blake= folgte zwar der holländischen Flotte, aber er verfolgte sie

nicht. =Tromp= wurde nach seiner Rückkehr vom Kommando entsetzt: er hatte

den endgültigen Bruch herbeigeführt, den Handel nicht schützen können,

gegen die feindliche Flotte nichts erreicht und endlich die halbe Flotte

verloren; außerdem war er als Anhänger der Oranier der Regierung

unbequem. An seine Stelle trat =Witte de Witt= als Oberbefehlshaber und

unter ihm Ruyter.

$Die Kriegserklärung. Gefecht bei Plymouth am 26. August 1652.$ Erst am

28. Juli war der Krieg erklärt. Das Bisherige war eigentlich nur ein

Vorspiel gewesen; auch der kleine Krieg, das Aufbringen von

Handelsschiffen durch Kreuzer und Kaper, hatte lange schon vor der

Kriegserklärung begonnen. Auch hierin war England durch seine größeren

Schiffe im Vorteil; eine holländische Verfügung, die verbot, Kaperbriefe

an Schiffe unter 200 tons und unter 20 Geschütze zur eigenen Sicherheit

dieser auszugeben, mußte wegen Mangels an besserem Material zurückgezogen

werden. Die kriegerischen Unternehmungen nach der Kriegserklärung trugen

zunächst denselben Charakter wie die des Vorspiels, nämlich: Schutz des

eigenen Handels, Bedrohung des feindlichen. Auf englischer Seite wurde

=Ayscue= zu diesem Zweck nach dem Westen des Kanals gesandt, =Blake=

stand mit der Hauptmacht im Osten. Von beiden Nationen kreuzten

zahlreiche einzelne Schiffe zum Aufbringen feindlicher Kauffahrer und zur

Warnung der eigenen.

Auf holländischer Seite erhielt =Ruyter= den Befehl, mit einem

Geschwader, das während Tromps letzter Fahrt ausgerüstet war, 50-60 nach

auswärts bestimmte Handelsschiffe durch den Kanal zu geleiten.

=Michael de Ruyter=,[102] 1607 zu Vlissingen in dürftigen Verhältnissen

geboren, ging mit 11 Jahren als Kauffahrtei-Schiffsjunge zur See, kurze

Zeit diente er auch im Heere und 1637 führte er einen Kaper gegen

Frankreich. 1640 trat er in den Staatsdienst und wurde der

hervorragendste Admiral der Niederlande. Er war unerschrocken,

beharrlich, umsichtig, pflichttreu und ein vorzüglicher Seemann;

politisch gemäßigter Republikaner. Sein liebenswürdiger, einfacher und

doch vornehmer Charakter erwarb ihm die Hochachtung seiner Gegner, die

Liebe seiner Untergebenen. Er fiel 1676 als Leutnant-Admiral-General

bei Agosta und wurde in Holland mit fürstlichen Ehren unter Teilnahme

aller Schichten der Bevölkerung begraben.[103]

[102] Siehe das Titelbild.

[103] Bei »Agosta« später noch einige Angaben über Ruyter. Beste

Biographie: »Leben Ruyters«, vgl. Quellenverzeichnis.

Ruyter übernahm das Kommando nur ungern;[104] 1652 zum dritten Male

verehelicht, hatte er sich vom Seefahren zurückziehen wollen. Auch

scheinen ihm der schlechte Zustand der Flotte sowie das Parteiwesen,

das in ihr wie im Lande herrschte, Bedenken gemacht zu haben; nur durch

Anruf seiner Vaterlandsliebe ward er gewonnen.

[104] »Leben Ruyters«, Seite 19.

Als =Ruyter= das Kommando am 10. August übernahm, bestand die Flotte nur

aus 15 Schiffen. Er erklärte verschiedentlich, mit so wenigen und

außerdem den Schiffen der Feinde an Stärke nachstehenden Fahrzeugen die

Aufgabe nicht ausführen zu können; er hatte nämlich Angaben über die

Stärke Ayscues, die allerdings hinsichtlich der Größe der Schiffe

übertrieben waren. Während er bis zum 21. August auf die zu begleitenden

Kauffahrer wartete, wurde seine Flotte durch zwei Nachschübe verstärkt.

Am genannten Tage segelte er von Gravelines mit großer Vorsicht und mit

Verwendung zahlreicher Aufklärungsschiffe den Kanal hinab. Am 26. August

traf er südlich von =Plymouth= in der Mitte des Kanals auf =Ayscue= und

beide Teile gingen sofort zum Angriff über.

=Ruyters Flotte bestand= aus 30 Kriegsschiffen:[105] 16 zu 28-26 Kanonen

mit 120-180 Mann (nur das Flaggschiff »Neptun« hatte bei 28 Kanonen 134

Mann); 4 zu 24 Kanonen, 70-100 Mann; 2 unbekannter Größe; 6 zu 30

Kanonen, 100-110 Mann; 2 zu 40 Kanonen, 200 Mann. Die beiden zu 40

Kanonen waren Schiffe der ostindischen Kompagnie; aber auch sonst werden

Kauffahrer darunter gewesen sein, so z. B. die 30 Kanonenschiffe, die

eine so geringe Zahl an Mannschaften im Verhältnis zur Kanonenzahl haben.

Ein Vergleich der genauen Liste aller Schiffe Ruyters mit englischen

Listen, z. B. für Dover oder später Northforeland, zeigt, wieviel

schwächer die Holländer armiert und bemannt waren. Ein englisches Schiff

von 36 Kanonen (allerdings überarmiert) entsprach an Größe vielleicht

einem holländischen von 28 Kanonen; jenes hatte 120-160 Mann, dieses nur

80-120 Besatzung. Hinzu traten noch 3 Gallioten und 6 Brander. Von den

Schiffen seines Konvois wählte Ruyter ferner etwa 20 verhältnismäßig

stark armierte aus und stellte sie in die Gefechtsformation, die üblichen

drei Geschwadergruppen, ein; den Rest sandte er nach Lee. Die Brander

wurden zu je 2 auf die Geschwader verteilt mit dem Befehl, die größten

Schiffe des Feindes anzugreifen; die Gallioten waren beauftragt,

brennenden oder sinkenden Schiffen Hilfe zu leisten.

[105] »Leben Ruyters«, Seite 22.

=Ayscue= war etwa 40 größere Kriegsschiffe (darunter 2 zu 60 Kanonen, 8

zu 36-40 Kanonen), 8 kleinere und 4 Brander =stark=, also an Zahl und

Stärke der Kriegsschiffe, wie die Engländer selbst zugeben, überlegen; da

aber, wie anderseits die Holländer zugestehen, die eingestellten Schiffe

des Konvois zum großen Teil voll ihre Pflicht taten, kann man wohl die

Kräfte als gleich ansehen.

Der Wind war NO., die Engländer standen beim gegenseitigen Sichten zu

Luward. Über den taktischen =Verlauf des Gefechts= ist sonst nichts

bekannt, die Überlieferungen rühmen nur die Taten einzelner

Kommandanten; es scheint sofort die Melee eingetreten zu sein. Vom

frühen Nachmittag bis zur Dunkelheit wurde heiß gekämpft, wieder scheinen

die Holländer den größeren Verlust an Leuten, die Engländer die größeren

Beschädigungen an den Schiffen, besonders in der Takelage erlitten zu

haben. Beide Teile behaupten, zwei oder drei Gegner vernichtet, selbst

aber kein Fahrzeug verloren zu haben. Beide schreiben sich den Sieg zu,

da aber Ayscue am andern Tage zum Ausbessern nach Plymouth ging, Ruyter

dagegen seinen Konvoi sammelt und mit nur zwei Kriegsschiffen aus seinem

Schutze entläßt, weil er keine ernstliche Belästigung für ihn mehr

befürchtet, ist wohl den Holländern der Erfolg zuzuschreiben; daß Ayscue

trotz seines bisherigen guten Rufes nicht mehr aktiv verwendet wird,

zeugt von dieser Auffassung auch englischerseits.[106]

[106] Clowes, Teil II, Seite 157, nimmt an, daß beide Gegner kein

Schiff verloren hätten. »Vie de Tromp«, Seite 67, und »Leben

Ruyters«, Seite 23, sagen, die Engländer würden vernichtet sein,

wenn es Ruyter gelungen wäre, die Luvstellung zu gewinnen und von

dort aus seine Brander zu verwenden.

=Ruyter= teilte sogar am 28. August seinen Kommandanten mit, daß er

beabsichtige, den Feind in Plymouth aufzusuchen;[107] dieser Angriff

sollte am 30. stattfinden, aber ein in der Nacht vorher einsetzender

südlicher Sturm zwang die Holländer, den Plan aufzugeben und von der

Leeküste frei zu segeln. Ruyter kreuzte noch bis Ende September im Westen

des Kanals, dann kehrte er nach Holland zurück, da er die Nachricht

erhalten hatte, daß Blake mit der feindlichen Hauptmacht in See sei, um

ihn abzufangen; auch hatte seine Flotte in einem dreitägigen schweren

Sturme sehr gelitten und verschiedene Kommandanten zeigten sich

unbotmäßig[108] oder ungeschickt[108] in der Führung ihrer Schiffe. Auf

der Rückreise sichtete er einen Teil der Flotte Blakes (unter Penn), er

wich jedoch einem Gefechte aus, wohl mit Rücksicht auf seine durch die

Schlacht und die Stürme geschwächten Schiffe und weil er den anderen Teil

der englischen Macht in der Nähe wußte. Am 2. Oktober trat er bei

=Dünkirchen= unter den Befehl =Witte de Witts=, der die Flotte Tromps

übernommen hatte. Diese war aber, wie uns bekannt, eben erst wieder

völlig versammelt und bedurfte der Ausbesserung; so hatte Blake schon im

Rücken Ruyters mit seinen unversehrten Schiffen den Kanal beherrscht,

viele Prisen aufgebracht und war dann westlich gesegelt, um Ayscues

ausbesserungsbedürftiges Geschwader dort zu ersetzen. Nach Ruyters

Rückkehr war der ganze Kanal in den Händen Englands.

[107] In »Vie de Tromp«, Seite 69, und »Leben Ruyters«, Seite 26,

wörtliche Wiedergabe seiner Ansprache. Er spricht darin die

Hoffnung aus, den Feind zu überraschen, indem viele Offiziere und

Leute am Lande sein würden, und daß diejenigen seiner

Kommandanten, die sich in der Schlacht weniger gut benommen, dies

wieder gutmachen könnten. Über seine Kapitäne klagte er später

noch einmal, als beim Kreuzen häufig Schiffe zu weit abkommen; er

spricht dabei von »mutwilligen und dummen« Kommandanten.

(»Leben Ruyters«, Seite 28.) Unbotmäßigkeit, Lauheit und

Ungeschick wird im ersten holländisch-englischen Kriege den

Kommandanten öfters vorgeworfen, wohl eine Folge der politischen

Parteien im Lande und mißverstandener republikanischer Ansichten

oder auch des Mangels an eigentlichen Marineoffizieren.

$Blake vernichtet am 7. September 1652 ein französisches

Geschwader.$[108] Dieser Vorfall kennzeichnet wiederum die Kriegführung

zur See und das Verhältnis der Völker auf dem Meere zueinander in dieser

Zeit. England war zwar im Frieden mit Frankreich, aber auf der See waren

Reibungen an der Tagesordnung. Belästigung des englischen Handels durch

französische Freibeuter, die Unterstützung, die den Royalisten in

Frankreich zu teil geworden war, die Nichtanerkennung der Republik und

endlich Streitigkeiten über die Fischerei auf den Neufundlandbänken

hatten seit 1650 zu Gewaltmaßregeln und Aufbringen von Schiffen

englischerseits geführt. Es bestand jetzt zur See eine Art Kriegszustand,

der Zusammenstöße einzelner Kriegsschiffe, im Mittelmeer gar kleinerer

Geschwader, zur Folge hatte. Nun war Frankreich mit Spanien im Kriege

(1635-1659, vgl. S. 109). =Dünkirchen=, seit 1646 von Frankreich besetzt,

wurde von den Spaniern belagert. Ein französisches Geschwader unter dem

=Herzog von Vendôme= sollte Truppen, Munition und Vorräte in die in

höchster Bedrängnis befindliche Stadt werfen; =Blake= stieß am 7.

September 1652 auf dieses Geschwader, griff sofort an und schlug es in

einem laufenden Gefechte. Er nahm oder zerstörte 7 von den 8 begleitenden

Kriegsschiffen und zerstreute die Transporter; Dünkirchen fiel

infolgedessen wenige Tage später.

[108] Clowes, Teil II, Seite 159; du Sein, Teil II, Seite 572; Troude,

Teil I, Seite 104.

Diese Tat war denn doch ein Kriegsakt, der selbst über die Grenzen der

damals üblichen Gewaltmaßregeln hinausging, dennoch erfolgte seitens

Frankreichs nichts als diplomatische Vorstellungen; Spanien dagegen

sprach dem englischen Parlamente seinen Dank aus. Diesen Staat sich

geneigt zu erhalten, war auch wohl der Grund zu der unerhörten Tat

gewesen; im Mittelmeer nämlich lagen die Verhältnisse nicht zu Englands

Gunsten.

=Der Krieg im Mittelmeer.= Im Mittelmeer war der englische Handel, einige

gelegentliche Expeditionen gegen afrikanische Piraten abgerechnet, bis

zum Jahre 1650 unbeschützt gewesen; im genannten Jahre verfolgte, wie

schon früher erwähnt, Blake (später Penn) den Prinzen Rupert bis dorthin,

und von dieser Zeit an wurde ein ständiges Mittelmeergeschwader gehalten,

das neben dem Schutz des Handels auch dort Zwangsmaßregeln gegen

Frankreich ausübte. Bei Ausbruch des Krieges mit Holland aber war dieses

Geschwader recht schwach, nur 6 Kriegsschiffe (30-42 Kanonen) und 2

armierte Kauffahrer, während die Holländer gegen 30 Schiffe an

verschiedenen Stellen des Westmittelmeeres hatten; von ihnen war die

Station kurz vor Kriegsbeginn wesentlich verstärkt worden. Das englische

Geschwader war sogar noch in zwei Teile geteilt, der eine Teil unter

=Appleton= lag in =Livorno= und wurde nach der Kriegserklärung sofort

durch 14 oder 18 Holländer unter =van Galen= blockiert, nur die

freundliche Haltung des Großherzogs von Toskana schützte ihn vor

Wegnahme. Der andere Teil, 4 Kriegsschiffe unter =Badiley=, begleitete

einen Konvoi vom Orient her. Badiley, vom Kriegszustand unterrichtet,

versuchte nun ebenfalls nach Livorno zu kommen, wurde jedoch am 6.

September 1652 von van Galen, der nur einige Schiffe vor Livorno

zurückgelassen hatte, mit großer Übermacht bei =Elba= angegriffen und

nach mehrstündigem harten Kampf gezwungen, in =Porto Longone=

einzulaufen, wohin er seinen Konvoi bei Beginn des Gefechts vorausgesandt

hatte; hier schützte ihn gleichfalls der Gouverneur Elbas.

Ein Schiff (»Phönix«) war bei dem Gefecht in die Hände der Holländer

gefallen, wurde aber bald darauf, nachdem es in das holländische

Geschwader eingestellt war, auf der Außenrhede von =Livorno= (am 30.

September 1652) =durch Boote= des englischen Geschwaders wieder

=genommen=. Es ist dies das erste genauer bekannte Beispiel jener kühnen

Unternehmungen dieser Art, in denen die Engländer sich später so

auszeichneten.

=Kapitän Cox= führte die Expedition; er armierte 3 Boote mit je 30

Mann, nur mit Äxten und Entermessern bewaffnet sowie versehen mit

Mehlsäcken, um die Gegner zu blenden. In dunkler Nacht fuhr man ab und

erreichte, zweimal durch die Dunkelheit getrennt, beim dritten Male das

Schiff, auf dem infolge eines vorangegangenen Festes schlechte Wache

gehalten wurde. Verabredungsgemäß hatte die Besatzung des einen Bootes

die Ankertaue zu kappen, die des zweiten aufzuentern und Segel zu

setzen, die des dritten Bootes alle Luken zu schließen und den Feind

niederzuhalten. Es gelang vollkommen, fast ohne Widerstand; der in

seiner Kajüte überraschte Kommandant, =Cornelius Tromp= (der Sohn

Martins), sprang aus dem Kajütenfenster und erreichte schwimmend oder

mit Hilfe des Bootes am Heck ein anderes holländisches Schiff. Kapitän

Cox segelte mit dem wiedergenommenen Schiff nach Porto Longone zu

dessen altem Geschwader.

Man hatte keine Feuerwaffen gebraucht, um »die Neutralität des Hafens

nicht zu verletzen«, ein Grundsatz, den der ältere Tromp selbst

aufgestellt haben soll. Der =Großherzog von Toskana= beschwerte sich aber

bitter darüber und war von nun ab den Engländern weniger günstig gesinnt,

was üble Folgen haben sollte. Vorläufig blieben beide englische

Geschwader in Livorno und Porto Longone von den holländischen

Streitkräften, die sich durch Zuzug aus dem Westmittelmeer verstärkten,

blockiert und zur Untätigkeit gezwungen; man versuchte nun sich durch

Armieren von Kauffahrern gleichfalls zu verstärken, was auch in geringem

Maße gelang.

$Die Schlacht bei Kentish Knock, 8. Oktober 1652.$ =Witte de Witt=[109],

der neue holländische Oberbefehlshaber, zeigte sich am 21. September

zuerst im Kanal. =Blake= wurde sofort davon benachrichtigt, aber es

gelang ihm bekanntlich nicht, =Ruyter= vor seiner Vereinigung mit der

holländischen Hauptmacht abzufangen; die beiden holländischen Führer

trafen sich am 2. Oktober zwischen Dünkirchen und Nieuport. Sie

unterzogen ihre Schiffe zunächst einer genauen Besichtigung und sandten

alle nicht völlig gefechtsfähigen (10 Schiffe und 5 Brander) zur

Ausbesserung in die Häfen. Es blieben ihnen etwa 64 Fahrzeuge, während

Blake etwa 68 im Osten des Kanals zusammenzog. Obgleich die Unterführer

der Holländer, besonders de Ruyter, darauf hinwiesen, daß man dem Feinde

namentlich in der Güte und Gefechtskraft der Schiffe unterlegen sei,

beschloß de Witt doch, den Feind aufzusuchen. Er glaubte wohl, weil er an

Tromps Stelle gesetzt war, unter allen Umständen dessen Mißerfolge

ausgleichen und durch einen entscheidenden Schlag, dieses Mal unmittelbar

auf die feindlichen Hauptstreitkräfte gerichtet, dem Handel im Kanal Luft

schaffen zu müssen. Er beabsichtigte, den Feind auf seinem Sammelpunkte,

den Downs, anzugreifen, aber =Blake= war gleichfalls fertig und suchte

auch den Kampf.

[109] Witte Cornelius de Witt, 1599 in Brielle geboren, ging mit 17

Jahren zur See und stieg bis zum Admiralleutnant; tüchtig,

kampflustig aber hartnäckig, schroff und unbeliebt. Vom

Oberkommando entsetzt, diente er später weiter auch unter

früheren Untergebenen. Er fiel 1658 in der »Schlacht im Sunde«.

[Illustration: Schlacht bei Kentish Knock, 8. Oktober 1652.]

Blake hatte am 8. Oktober morgens bei frischem Westwinde seinen

Ankerplatz verlassen und sichtete den Feind gegen Mittag nordöstlich von

Northforeland. =De Witt= lag hart beim Winde über St. B. Bug hinter der

Bank von =Kentish Knock=, damit beschäftigt, seine Flotte zu rangieren.

Es hatte Tags zuvor schwer geweht, und wie gewöhnlich waren verschiedene

Schiffe versprengt. De Witt wurde gewissermaßen überrascht und konnte nur

durch schnelle Fahrzeuge noch Befehle zur Herstellung der Ordnung

ausgeben. Seine Flotte war in 4 Geschwader geteilt: de Ruyter, de Witt,

de Wildt; das vierte unter Evertsen bildete eine Reserve mit dem Befehl,

an der bedrängtesten Stelle einzugreifen. Der Wind war südwestlich und

flauer geworden. Blake führte seine Flotte in drei Geschwadern (Blake,

Penn, Bourne) heran und schob sich mit den beiden ersten zu Luward

zwischen den Feind und die Untiefen; Bourne stand etwas zurück. Das

Gefecht wurde an der Spitze sofort sehr scharf, zwei Holländer waren

gleich entmastet, aber verschiedene englische Schiffe, besonders von

Penns Geschwader einschließlich des Flaggschiffes, kamen auf der Bank

fest oder stießen wenigstens auf sie. De Witt wendete mit allen Schiffen

zugleich, wahrscheinlich um die schwersten Schiffe Blakes zu vermeiden

und um sich auf das Geschwader Bourne zu werfen; als er aber mit Bourne

zusammenstieß, wurde er auch von =Penn= angegriffen. Während nämlich

Blakes Schiffe durch ihren Kurs fast vor dem Winde zunächst nach Lee

geführt waren, hatte sich das Geschwader Penn, um von der Bank frei zu

liegen oder wieder freizukommen, genötigt gesehen, über B. B. Bug an den

Wind zu gehen, und war nun in günstiger Lage zum Eingreifen. Penn selbst

schreibt: »Der Umstand des Unklarkommens von der Bank, der so

verhängnisvoll hätte werden können, trug zum glücklichen Entscheide bei.«

Der Kampf wütete etwa von 3 Uhr nachmittags bis zum Eintritt der

Dunkelheit, die Verluste waren schwer auf beiden Seiten, doch waren die

Holländer in jeder Hinsicht im Nachteil. Nach englischen Angaben wurden 2

Holländer genommen, 1 verbrannt, dagegen kein englisches Schiff verloren;

holländische Quellen geben 600 Tote und Verwundete, sowie schwere

Beschädigungen an Schiffen und Takelage zu, behaupten aber, der englische

Mannschaftsverlust sei größer gewesen. De Witt wollte am nächsten Tage,

hartnäckig und für seine Stellung besorgt, den Kampf wieder aufnehmen,

aber im Kriegsrat stimmten seine Admirale entschieden dagegen unter

Hinweis auf die erlittenen Verluste und Beschädigungen, auf die

minderwertigen und unvollständig bemannten Schiffe sowie darauf, daß die

holländischen Schiffe nicht beisammen seien, die Engländer aber

Verstärkung erhalten hätten.

Am 9. morgens standen etwa 20 Schiffe weit in Lee und kamen auch nicht

heran. Ähnlich hatten schon einige der Versprengten am 8. gehandelt,

andere hatten sich im Gefecht lau erwiesen; die bekannte Unbotmäßigkeit

und Unfähigkeit einzelner Kommandanten. De Witts Beschwerde später

fruchtete nichts; ihre große Zahl und ihre politischen Freunde

schützten die Beschuldigten.

Nach »Vie de Tromp« und »Leben Ruyters« stieß in der Nacht eine

Verstärkung von 16 Segeln zu Blake, wahrscheinlich die ausgebesserten

Schiffe Ayscues.

=De Witt= mußte sich fügen und segelte mittags der heimischen Küste zu.

Die Engländer wurden vormittags durch den flauen Wind verhindert, den

Feind ernstlich zu engagieren; später folgten sie, brachen dann aber am

Abend die Verfolgung ab, um die Gefahren der holländischen Küste zu

vermeiden. Sie gingen nach den Downs zur Auffüllung von Vorräten und zur

Ausbesserung.

Der Versuch de Witts, den Handel durch Angriff auf die feindlichen

Seestreitkräfte frei zu machen, war gescheitert. Der Erfolg der Engländer

befestigte ihre Herrschaft über den Kanal noch mehr; ihre kleinen Kreuzer

machten reiche Beute.

$Niederlage der Engländer bei Dungeness, 10. Dezember 1652.$ Nach dem

letzten Erfolge hoffte man in England, Holland würde geneigt zum Frieden

sein, wenigstens erwartete man bei der vorgerückten Jahreszeit zunächst

von dort keine größeren Unternehmungen mehr. Die Flotte Blakes wurde

deshalb ohne Bedenken sehr geschwächt. Man sandte ein Geschwader von 18

Schiffen in den Sund, da Reibungen mit Dänemark[110] entstanden waren,

und 12 Schiffe wieder nach dem Westen des Kanals; Penn begleitete mit 20

Schiffen Kauffahrer und mehrere Schiffe gingen in die Themse, um

ausgebessert zu werden; sogar die behelfsmäßigen Batterien bei Deal, die

Ayscue in den Downs so gut geschützt hatten, wurden als unnötig

eingezogen. In Holland dagegen rüstete man trotz des herannahenden

Winters mit aller Kraft, um durch Einstellung von Begleitschiffen den

völlig brachliegenden Handel zu schützen. Schon vor der letzten Schlacht

war es nötig gewesen, das Auslaufen von Kauffahrern ohne Schutz von

Kriegsschiffen zu verbieten; so hatten sich jetzt an 300 nach auswärts

bestimmte Schiffe angehäuft, die ihre Reise vor dem Winter antreten

mußten, und bei der Insel Ré vor La Rochelle sammelten sich zahlreiche

Heimkommende, um durch den Kanal geleitet zu werden, denn auch an diesem

üblichen Sammelpunkt war das Verbot des Alleinsegelns bekannt gemacht

worden.

[110] Dänemark hielt zu Holland, indem es mit vertragsmäßig dazu

bestimmten Kriegsschiffen holländische Kauffahrer schützte, ja

sogar konvoiierte, englische Fahrzeuge dagegen aufbrachte. Das

erwähnte englische Geschwader wurde durch Sturm verhindert, etwas

zu leisten.

Anfang Dezember war eine Flotte von 73 Schiffen mit kleineren Fahrzeugen

und Brandern seeklar.[111] Der Oberbefehl war wieder an =Tromp= gegeben,

unter ihm standen Ruyter, Jan Evertsen und Floriszoon; de Witt war

erkrankt. =Blake= verfügte in den Downs nur über 37 Schiffe nebst einigen

kleineren Fahrzeugen. Wahrscheinlich hatte =Tromp= Kenntnis von Blakes

Schwäche. Er ließ den Konvoi, die 300 nach auswärts bestimmten

Kauffahrer, an der flämischen Küste und erschien am 9. Dezember in der

Frühe mit seiner ganzen Flotte hinter Goodwin-Sands; Blake lichtete nach

kurzem Kriegsrat Anker. Beide Flotten steuerten südlich.

[111] Im »Leben Ruyters«, Seite 30, wird gerade bei dieser Gelegenheit

hervorgehoben, daß sich in der Flotte sehr viel eingestellte

Kauffahrer befanden, und daß um diese Zeit zuerst dringende

Anträge für den Bau von Kriegsschiffen gestellt seien.

Verschiedentlich ist darüber geschrieben, weshalb der sonst so wohl

überlegende =Blake= bei seiner Schwäche diesen Schritt tat. Das

Wahrscheinlichste dürfte sein, daß er seinen Ankerplatz nicht für sicher

hielt, namentlich da die schützenden Batterien am Lande eingegangen

waren; er dachte wohl daran, daß Tromp 1639 hier den Spanier d'Ocquendo

wie in einer Falle gefangen hatte. Auch ist es möglich, daß er an dem

trüben Wintermorgen die Stärke des Feindes nicht erkannte; später konnte

er nicht zurück, da der anfänglich südwestliche Wind nach NW. drehte und

stark auffrischte.

Am 9. Dezember verhinderte der starke Wind einen Kampf, Blake ankerte am

Abend vor Dover, Tromp einige Seemeilen leewärts von ihm. Am 10. Dezember

morgens lichteten beide Flotten Anker und steuerten auf Parallelkursen,

über B. B. Bug beim Winde, der Küste entlang, doch konnten die Holländer

den Feind erst erreichen, als etwa um 1 Uhr der Lauf der Küste (vgl.

Skizze: Dover, Seite 202) die Spitze der Engländer bei =Dungeness=

zwang, sich ihnen zu nähern. Es kam zu einem heftigen Kampfe der auf

beiden Seiten führenden und schwersten Schiffe, in dem die Holländer an

Zahl weit überlegen waren. Die Überlieferungen melden blutige

Schiffsduelle;[112] besonders die Admiralschiffe sind beteiligt; erst

werden Breitseiten gewechselt, dann wird zum Entern längsseit gegangen;

mehrfach liegen 3 auch 4 Schiffe nebeneinander. Wie gewöhnlich trennt

erst die Dunkelheit die Gegner. Der Erfolg war auf seiten der Holländer;

Blake verlor 5 Schiffe (2 genommen, 3 gesunken), von den Holländern war

nur ein Schiff durch einen Zufall aufgeflogen. =Blake= war genötigt, das

Feld zu räumen, er ankerte auf Dover Rhede und ging später nach den Downs

zurück. =Tromp= machte keinen Versuch, den Sieg bis zur Vernichtung des

Feindes auszunützen, sei es, daß er doch auch stark gelitten, sei es, daß

für eine derartig energische Kriegführung eben noch kein Verständnis war;

man dachte nur an den Konvoi und war mit dem Teilerfolge zufrieden. Er

lag einige Tage zur Ausbesserung bei Dungeness und hatte Gelegenheit,

einige ostwärts segelnde Engländer abzufangen; er ließ sogar landen, um

Vieh zu rauben; dieses Unternehmen brachte jedoch nur Verluste. Dann

führte er seinen Konvoi bis zur Insel Ré, von wo aus er die Biscaya

beherrschte, während heimwärts bestimmte Fahrzeuge sich dort weiter

sammelten.[113]

[112] Unter den sich besonders auszuzeichnenden Schiffen findet man

Namen, die seitdem in der englischen Flotte stets wieder

erscheinen: »Victory«, »Vanguard«, »Triumph« (Blakes

Flaggschiff).

[113] Bei diesen Fahrten soll Tromp einen Besen im Topp geführt haben,

als Zeichen, daß er den Kanal reingefegt habe. Nach Clowes, Teil

II, Seite 174, ist dies eine Sage: Ein Besen im Topp sei damals

das Zeichen gewesen, daß das betreffende Schiff zum Verkauf

stehe. So sei die Erzählung wohl ein Witzwort von jemandem, der

Tromp in St. Martin auf Ré seine Prisen habe verkaufen sehen.

Aber auch dann bezeugt der lange Glaube an die Erzählung, daß die

Holländer nach Dungeness einige Zeit die Herrschaft im Kanal

hatten.

Wahrscheinlich sind bei Dungeness nicht alle Holländer im Gefecht

gewesen, da die schlechteren Segler beim Beginn zu weit in Lee waren;

erwiesen ist, daß verschiedene englische Kommandanten sich absichtlich

ferngehalten haben, nicht nur solche von armierten Kauffahrern, sondern

auch solche von Kriegsschiffen und mit sonst gutem Ruf. Blake bat,

bedrückt durch die Niederlage, um Entsetzung von seinem Kommando und

forderte eine Untersuchung gegen die Pflichtvergessenen. Sein erster

Wunsch wurde nicht erfüllt, es wurde ihm im Gegenteil ein Vertrauensvotum

zuteil. Die Untersuchung[114] aber wurde sofort eingeleitet und hatte

wichtige Folgen: die Entlassung und Bestrafung mehrerer Kapitäne; die

Verordnung, daß Kauffahrteischiffer in Zukunft ihre Schiffe nicht mehr im

Gefecht führen sollten; den Neubau zahlreicher Kriegsschiffe, unter

anderen von 30 Fregatten (d. h. gut segelnden Schiffen, vgl. Seite 164).

[114] Die Untersuchungsakten liegen nicht mehr vor, so daß der Grund

für das Verhalten der Kriegsschiffkommandanten unbekannt ist. Man

glaubt, es Einflüssen der royalistischen Partei zuschreiben zu

müssen.

$England gibt das Mittelmeer auf.$ Die Schlacht bei Dungeness hatte auch

üble Folgen für die Engländer im Mittelmeer; dies sei, zeitlich etwas

vorgreifend, hier kurz geschildert. Zunächst war es nicht möglich, eine

Verstärkung, wie beabsichtigt, dorthin zu senden, ferner aber wurde die

Haltung des =Großherzogs von Toskana= ernster. Holland hatte ihm

Vorstellungen über den Neutralitätsbruch durch Wiedernahme des »Phönix«

gemacht, und jetzt, wo die Holländer im Norden im Vorteil waren, wollte

sich der Großherzog nicht mehr mit Entschuldigungen und Desavouierung der

Offiziere englischerseits begnügen, sondern forderte Wiederherausgabe des

Schiffes oder Verlassen des Hafens seitens des englischen Geschwaders;

die Holländer blockierten deshalb mit ihrer ganzen Macht Livorno.

=Badiley= versuchte nun verabredungsgemäß, am 14. März 1653, durch sein

Erscheinen vor dem Hafen den Feind abzulenken, um =Appleton= den Weg zu

beiderseitiger Vereinigung freizumachen. Die Holländer gingen auch

scheinbar zum Angriff auf Badiley vor, als aber =Appleton= nunmehr bei

ablandigem Winde zu früh den Hafen verließ, wandten sie sich sofort gegen

diesen und vernichteten ihn, ehe Badiley zur Unterstützung herankommen

konnte. Appletons Flaggschiff »Leopard«, das einzige Kriegsschiff, und 4

armierte Kauffahrer wurden genommen, ein Schiff flog auf, nur einem

gelang es, Badiley zu erreichen. Wie heiß das Gefecht[115] war, kann man

daraus ersehen, daß »Leopard« von 200 Mann Besatzung 150 Tote und

Verwundete verlor. =Badiley= wurde nicht weiter verfolgt, da seine 4

Kriegsschiffe und 2 armierten Kauffahrer an Größe allen Holländern

überlegen waren. Er ging zunächst nach Elba zurück, später nach Messina

und endlich im Mai nach England in der richtigen Erkenntnis, daß er, ohne

Unterstützung, im Mittelmeer ohne jeden Nutzen sei. Tatsächlich war seine

Rückberufungsorder auch schon unterwegs; England hatte sich genötigt

gesehen, die Mittelmeerstation vorläufig aufzugeben.

[115] Über das Gefecht etwas genauer: Clowes, Teil II, Seite 176;

Allen, Teil I, Seite 44; »Vie de Tromp«, Seite 105. Im letzten

Angaben über die Schicksale der einzelnen Schiffe und über den

Gesamt-Mannschaftsverlust: Engländer 286 Tote, 293 Verwundete;

Holländer 123 Tote, etwa ebensoviel Verwundete. Der holländische

Admiral van Galen wurde tödlich verwundet.

$Die Schlacht bei Portland am 28. Februar 1653.$ Wenn auch nach der

Schlacht bei Dungeness für einige Wochen der Kanal in den Händen der

Holländer war und zahlreiche holländische Schiffe dort mit Erfolg

kreuzten, so müssen doch neue Rüstungen und Maßregeln in England bald

wieder einen Umschlag herbeigeführt haben; es ist z. B. bekannt, daß

schon im Januar 1653 Genua die englische Regierung um einen Freipaß durch

den Kanal zur Überführung zweier in Holland erbauter Kriegsschiffe bat.

Mitte Februar 1653 war eine englische Flotte von etwa 70 Schiffen

seeklar, darunter viele der neuerbauten schnellen Schiffe

(fregattenähnliche!), die sich gut bewähren sollten. Zur Bemannung der

Schiffe hatte man stark auf die Armee zurückgreifen müssen. Die Flotte

stand unter den Generalen zur See =Blake=, =Deane= und =Monck=. Blake

führte das Zentrumgeschwader (rote Flagge), Monck die Vorhut (weiße

Flagge), und =Penn= die Nachhut (blaue Flagge); Deane blieb bei Blake an

Bord. Jedes Geschwader war wieder in drei Divisionen geteilt, die unter

dem betreffenden Geschwaderchef sowie einem Vizeadmiral und einem

Kontreadmiral standen.

=Monck= und =Deane= waren wie Blake aus der Armee hervorgegangen; Deane

fiel schon 1653 in der Schlacht bei Northforeland-Nieuport. =Monck=,

geboren 1608, zeichnete sich als Feldherr bereits unter Karl I. aus,

wurde dann aber ein besonderer Vertrauter Cromwells. Nach dessen Tode

und seines Sohnes Sturz trat er für Karl II. und Wiedereinsetzung des

Königtumes auf; der neue König erhob ihn zum =Herzog von Albemarle=. Er

führte im ersten und zweiten Kriege mehrfach den Oberbefehl zur See mit

Ruhm, doch erreichte er Blake nicht; er starb 1670.

=William Penn=, geboren 1621, war Berufsseemann; er wurde 1644 Kapitän,

1648 Kontreadmiral, 1650 Vizeadmiral und 1653, nach Deanes Tode,

General zur See; er zeichnete sich gerade als »Seemann« aus. Clowes

schreibt hierüber z. B.: »Es war (bei Portland) ein Glück für England,

daß Deane von seinem Rechte keinen Gebrauch machte, sondern Penn die

Führung des blauen Geschwaders überließ; so blieb wenigstens dieses in

den Händen eines Seemannes.« Penn starb 1670. Ebenso war =Lawson=, der

Vizeadmiral des roten Geschwaders, Seemann von Beruf; auch er zeichnete

sich hier, sowie später noch in den höchsten Stellungen aus. Er fiel

1665.

[Illustration: Die Schlacht bei Portland, 28. Februar 1653.

Seekriege und Seekriegswesen, Erster Band in ihrer weltgeschichtlichen Entwicklung. Mit besonderer Berücksichtigung der grossen Seekriege des XVII. and XVIII. Jahrhunderts. · 第 25 / 58 题