Die Schiffe.[76]

Wir haben die Entwicklung des Kriegsschiffbaues bis etwa 1648 verfolgt;

die Artillerie war Hauptwaffe geworden und in den Breitseiten

aufgestellt. Es sind Beispiele der größten englischen Kriegsschiffe

gegeben, die zu Ende des vorigen Abschnittes erbaut wurden -- der erste

Zweidecker und der erste Dreidecker (vgl. Seite 100 u. 101).

[76] Hauptsächlich benützte Quellen: Clowes, Teil I, II, III; Troude,

Teil I; Jurien: Les marins du XV siècle; Arenhold; de Jonge; alle,

besonders Clowes, geben an, aus welchen technischen Quellen sie

ihrerseits geschöpft haben.

Diese großen Kriegsschiffe waren aber nur wenige, um 1648 zählte die

englische Marine in einem Gesamtbestande von etwa 75 wirklichen

Kriegsschiffen nur 2 Schiffe über 1000 tons, eben die besonders

beschriebenen, und etwa 8 zwischen 800 und 900 tons, während in dem Reste

eine sehr große Zahl ganz kleiner, unter 400 tons, enthalten war. Bei der

überhaupt geringen Zahl von Kriegsschiffen werden zunächst auch noch

weiter in großem Maßstabe Kauffahrer herangezogen, wenn es sich um

Aufstellung mächtiger Flotten handelt, ganz besonders in Holland. In

England beginnt man aber jetzt damit, wirkliche Kriegsschiffe in größerer

Zahl zu erbauen.

In den elf Jahren der Republik wurden etwa 86 Schiffe neu erbaut, davon

allein 59 in den Jahren 1649-1654, also dicht vor, während und dicht

nach dem ersten Kriege.[77] Zu diesen Schiffen treten als Vermehrung

des Bestandes noch etwa 12 »Gekaufte«, wohl als Freibeuter gebaute

Kauffahrer, und eine sehr große Zahl, über 100, »vom Feinde Genommene«;

diese werden gleichfalls meistens Kauffahrer gewesen sein, weil sie

nach dem ersten Kriege größtenteils wieder verkauft worden sind.

[77] Clowes gibt, Teil II, Seite 107 ein Verzeichnis dieser Schiffe.

Diesem Beispiele müssen dann die anderen Nationen folgen. Wenn auch noch

zu Beginn des Zeitabschnittes die größeren Kauffahrer vielen kleineren

Kriegsschiffen an Gefechtskraft nicht sehr nachstanden, so macht sich

doch nun bald ein Unterschied bemerkbar. Die neuen Kriegsschiffe werden

nicht nur geeigneter für den Kampf, sondern auch überhaupt sorgfältiger,

widerstandsfähiger gebaut und immer stärker armiert; die Kauffahrer

werden damit minderwertig, selbst die großen Schiffe der Kompagnien

genügen nicht mehr, waren doch mit wenigen Ausnahmen sogar bei der

holländisch-westindischen Kompagnie 30 Kanonen ihre stärkste Armierung.

Auch die Kriegführung wird eine andere. Auf längere Zeitdauer werden

große Flotten beansprucht, denn es handelt sich nicht mehr um einzelne

Schläge, nach deren Ausführung die Streitkräfte wieder entlassen werden.

Die zu lange Inanspruchnahme der Handelsschiffe für den Kriegsdienst

hatte bereits häufig in England Mißstimmung, ja Widersetzlichkeit

hervorgerufen. So verschwinden denn nach und nach die armierten

Kauffahrer aus den Kriegsflotten; es verschwinden auch die bisher immer

noch zu gewissen Zwecken benutzten Kriegsruderschiffe und ebenso hört der

gelegentliche Gebrauch von Riemen auf größeren Segelschiffen auf.

Da in den Kriegen von jetzt an weit höhere Anforderungen an die

Kriegsschiffe gestellt wurden als bisher, so führte -- vor anderen

Nationen zuerst wieder in England -- die Zunahme des Baues auch zu

weiteren Verbesserungen.

Hervorzuheben ist, daß die Engländer zunächst den Bau kleinerer,

höchstens mittelgroßer Schiffe bevorzugten, scheinbar ein Rückschritt

gegen die bisherige Entwicklung. Wir kennen den Bestand um 1649 (Seite

152); die Zahl der Schiffe I. Klasse über 800 tons wuchs jetzt ganz

unverhältnismäßig weniger als die der übrigen.

Von den etwa 100 während der Republik beschafften Schiffen -- 86 gebaute,

12 gekaufte -- waren: 4 über 800 tons (alle 1000 und darüber), 60-80

Kanonen; 20 von 600-800 tons, 48-52 Kanonen; 25 von 400-600 tons, 36-40

Kanonen; 25 von 200-400 tons, 20-34 Kanonen; 25 noch kleinere.

Sämtliche Schiffe über 20 Kanonen, wenigstens die Neubauten, führten

ihre schwereren Geschütze auf zwei Hauptdecken und darüber leichtere

auf Vor- und Quarterdeck; sie waren also Zweidecker, wenn auch die

obere Hauptbatterie nicht immer ganz eingedeckt war (vgl. Seite 169,

Skizze über Aufstellung der Geschütze).

Die vier Schiffe der ersten Klasse und viele der zweiten sind erst nach

dem Kriege gebaut.

Die großen Schiffe waren immer noch zu unhandlich und zu wenig seefähig,

zu gefährdet an den Küsten und in schlechtem Wetter, auch der Umstand,

daß man im ersten englisch-holländischen Kriege den Hauptwert auf das

Bedrohen des feindlichen Handels durch Aufbringen von Kauffahrern legte,

ließ die mittleren Schiffe geeigneter erscheinen; sie konnten überdies

schneller und billiger beschafft werden.

In Hinsicht auf die Taktik machte sich vorerst auch kein großes Bedürfnis

nach mächtigen Schiffen geltend; der Bedarf daran als Flagg- oder

Gruppenführer-Schiffe war vorhanden. Mit der neuen Kriegführung, die sich

in erster Linie gegen die feindlichen Streitkräfte richtete, und mit der

langsam fortschreitenden Verbesserung der Schiffe ändert sich dies. Nicht

nur größere Fahrzeuge, als bisher, und in größerer Anzahl werden wieder

gebaut, sondern die Schiffe mit einer bestimmten Kanonenzahl wachsen auch

immer weiter an Tonnengehalt. Noch durch das ganze 18. Jahrh. hält sich

dieses Bestreben, so wird z. B. das 80 Kanonen-Schiff im nächsten

Zeitabschnitte vom Dreidecker zum Zweidecker, weil es derartige

Größenverhältnisse erhalten hat, daß die Kanonen auf zwei Decken

aufgestellt werden können.

Bei Besprechung der Schiffsklassen später wird man das mächtige Wachsen

des einzelnen Schiffes in jeder Klasse ersehen.

Die Engländer begannen ferner die Schiffe länger im Verhältnis zur Breite

zu bauen -- früher 3: 1, jetzt 3-1/2: 1, Ende des 17. Jahrh. 4: 1 --,

niedriger über Wasser, mit kleineren Aufbauten und mit besseren Linien

unter Wasser, um schnellere Schiffe und stabilere Geschützstände zu

erhalten; »Ils les frégatèrent«, sagt darüber ein alter französischer

Autor (Seignelay).

Als einer der ersten dieser moderneren Bauten ist wohl der »=Constant

Warwick=« anzusehen, 1646 als Freibeuter gebaut und 1649 von der Marine

angekauft, 379 tons, 90' lang, 28' breit, 30 Kanonen. Diesem Schiffe

folgten ähnliche; als ein Muster weit größerer Schiffe derselben Art

zeigen die englischen Quellen den »=Speaker=,« gebaut 1649, 778 tons,

34-3/4' breit, 116' lang, 64 Kanonen. Es war dies ein schweres

Schlachtschiff (Zweidecker) der damaligen Zeit und erscheint noch 1660

unter dem Namen »Mary« als Schlachtschiff III. Klasse. Die Abbildung

zeigt im Vergleich mit den Schiffen des vorigen Abschnittes den

Fortschritt in den Formen des Schiffsrumpfes.

Der »=Constant Warwick=« wird gemeiniglich als »=erste Fregatte=«

bezeichnet. Das Fahrzeug war aber keine Fregatte im späteren Sinne. d.

h. ein Schiff nicht für die Schlachtlinie, sondern für alle Dienste,

die Schnelligkeit und doch eine gewisse Gefechtskraft erforderten, mit

nur einer Hauptbatterie. Da nun bei der Schilderung der kriegerischen

Ereignisse nach den Quellen oft der Ausdruck »Fregatte« gebraucht

werden wird, seien hierüber einige Worte gesagt. Schon zur Zeit der

Ruderschiffe hatte man leichte und schnelle Galeren für Nachrichten-

usw. Dienst »Fregatten« benannt und behielt diese Bezeichnung in der

ersten Zeit der Segel-Kriegsschiffe bei. Galeon bedeutete

Gefechtskraft, Fregatte Schnelligkeit. Daher der Ausspruch »ils les

frégatèrent«, als England die Schiffe im allgemeinen auf größere

Schnelligkeit baute, daher auch wohl die Bezeichnung »Fregatte« für den

»C. Warwick« und für bald darauf ähnlich gebaute Fahrzeuge, die

sämtlich zur Schlachtflotte zählten. Nach Angaben über Aufstellung der

Geschütze auf Schiffen seiner Größe muß man annehmen, daß »Constant

Warwick« ein Zweidecker war, womit auch die äußere Ähnlichkeit mit der

späteren Fregatte fällt. Im ersten Kriege bauen auch die Holländer eine

große Zahl neuer Kriegsschiffe, die als »Fregatten« erwähnt werden. Da

in Holland aber gerade wirkliche Kriegsschiffe als Schlachtschiffe

fehlten und wir wissen[78], daß sie sämtlich über 40 Kanonen führten

und die stärksten Schiffe Hollands waren, ist wohl anzunehmen, daß man

sie nur im eben ausgeführten Sinne »Fregatten« nannte. Die eigentliche

Fregatte bildet sich erst im nächsten Zeitabschnitt aus, ihre Blütezeit

erreicht sie Ende des 18. Jahrh. Ihren Dienst nehmen bis dahin, wenn

auch Gefechtskraft verlangt wird, die kleineren Zweidecker wahr, wenn

es nur auf Schnelligkeit ankommt, die noch kleineren Fahrzeuge. Diese

sind meistens gemeint, wenn in der Folge von Fregatten die Rede ist;

zuweilen scheint man aber, dem Vorstehenden entsprechend, mittelgroße

neue Fahrzeuge damit zu bezeichnen, wo man ihre besonders gute

Segelfähigkeit hervorheben will.

[78] Clowes, Teil II, Seite 150.

Im allgemeinen muß man aber sagen, daß sich die Vervollkommnung der

Kriegsschiffe zunächst mehr auf Verbesserung der Armierung und auf die

Ausbildung bestimmter Schiffsklassen erstreckte. Vom rein seemännischen

Standpunkte aus geht die Entwicklung der Schiffe in diesem Abschnitt

langsamer vorwärts, als man bei dem gewaltigen Aufschwung der Kriegs- und

Handelsmarinen erwarten sollte. Noch lange blieben See- und

Segeleigenschaften der schweren Schiffe mäßig, sie wurden nur sehr

langsam besser. Infolge der anfangs immer noch recht plumpen Formen über

und unter Wasser, mittschiffs mit fast ganz plattem Boden, waren die

Schiffe wenig stabil und rollten stark, auch ihre Segeleigenschaften

wurden hierdurch noch immer beeinträchtigt; der neue »fregattenähnliche«

Bau scheint erst nach und nach auf die schweren Zwei- und die Dreidecker

ausgedehnt zu sein.

[Illustration: Englisches Schlachtschiff »The Speaker«.]

Noch 1740 klagen englische Seeoffiziere darüber, daß sie bei schwerem

Wetter die unterste Batterie, in der doch das stärkste Kaliber stand,

nicht gebrauchen könnten. Wenn, auch nach französischen Angaben, die

Engländer mit der Verbesserung des Schiffbaues begannen, so wurden sie

doch frühzeitig von den Franzosen überholt. Bei Zusammentreffen mit der

französischen Flotte als Freund oder Feind loben die englischen

Seeleute bald den Bau der fremden Schiffe, und England nimmt sie,

zuweilen als eroberte, in diesem und dem nächsten Abschnitt oft zum

Vorbild. 1663 z. B. sah man, daß die Franzosen auf ihren

Hauptschlachtschiffen (70 Kanonen) die Pforten der untersten Batterie

4' über Wasser hatten und 3 Monat Proviant stauen konnten, gegen 3' und

gegen 10 Wochen auf den eigenen; man wählte nun 4-1/2' und 6 Monat.

Auch 1673 nahm man wieder französische Pläne zum Vorbilde, um im

Seegang gefechtsfähigere Schiffe zu erhalten.

Bis 1700 stellte man im Norden im allgemeinen die Seefahrt während des

Winters ein; die Stürme und die langen, dunkeln Nächte waren besonders

für größere Schiffe, die kaum aufkreuzen konnten und stark trieben, in

den beschränkten Gewässern zu gefährlich. Denn auch die Betakelung ließ

viel zu wünschen übrig. Noch lange glaubte man, die Segel recht bauchig

schneiden zu müssen, sie waren deshalb höher als die Masten und Stängen;

noch lange blieben die Untersegel die Hauptsegel. Bei zunehmendem Winde

barg man zuerst Bram- und Marssegel, dann wurde das Untersegel geführt

und gereeft, noch bis 1720 machte man es auf Deck fest.

Doch wird im Laufe des Zeitabschnittes das Marssegel das Hauptsegel;

gegen Ende des Abschnittes erscheinen Stagsegel zwischen den Masten und

die Vorsegel. Diese verdrängen den kleinen Mast auf dem Bugspriet; dann

tritt der Klüverbaum[79] auf, und das große Lateinsegel am letzten Mast

wird zum Besan[80], indem der unterste Teil der langen Raa wegfällt und

das Segel dort am Mast befestigt wird, zunächst noch ohne Besansbaum.

Auch die Schiffsformen unter und über Wasser werden nach und nach

günstiger. Der Fortschritt in allem wird um so stetiger, seit man um die

Mitte dieses Zeitabschnittes beginnt, den Schiffbau nach bestimmten

Regeln zu betreiben. Nach den gewonnenen Erfahrungen wird das Verhältnis

der Hauptmaße zueinander für Schiffskörper und Takelage festgesetzt,

sowohl für das einzelne Schiff einer gegebenen Größe, wie auch für die

verschiedenen Größenklassen. Gegen Ende des Abschnittes sind See- und

Segeleigenschaften erreicht, die zum Segeln beim Winde, zum Aufkreuzen

und zum Freihalten von Leeküsten einigermaßen genügen. Nur die größeren

Dreidecker blieben immer noch unhandlich und rank, weshalb man diese

weiter bis zur Mitte des 18. Jahrh. unter gewöhnlichen Umständen im

Winter aufzulegen pflegte.

[79] Nach Jurien Teil II, Seite 158, erst 1760 bezw. 1770

Wie schon angedeutet, zeichneten sich besonders die Franzosen bald im

Schiffbau aus; anfangs des nächsten Abschnittes (um 1760) verfügten sie

über Schiffstypen, die eigentlich allen Anforderungen genügten. Als ein

um die Mitte des vorliegenden Zeitabschnittes (1692 während des

englisch-französischen Krieges) auf der Höhe der Zeit stehendes Schiff I.

Klasse sei der französische »=Royal Louis=« erwähnt und dargestellt

(Seite 166): 186' lang, 51' breit, 108 Kanonen, 900 Mann. Der Vergleich

mit der Abbildung des »Royal Sovereign« (Seite 101) zeigt die günstigeren

Formen über Wasser, kleineres Gallion, niedrigeres Heck; die Takelage

jedoch ist in der langen Zeit nur wenig verbessert. Weitere Fortschritte

sollen erst im nächsten Abschnitt zur Anschauung gebracht werden, da

Schiffe dieser Art in den großen Kriegen des vorliegenden, die mit 1714

abschließen, noch keine Verwendung finden.

Die $Beiboote$ wurden zwischen Fock und Großmast mit Takeln eingesetzt.

Die feste Reeling war dort häufig unterbrochen, wie früher zum Gebrauch

der Hilfsriemen. Davits wurden erst viel später eingeführt; zu Anfang der

Periode scheinen die Schiffe nur 2-3 Boote gehabt zu haben.

[Illustration: Französisches Linienschiff »Royal Louis«.]

Nach Clowes, Teil II, Seite 113 hatten die größeren englischen Schiffe

z. Zt. des ersten Krieges eine Pinnace von max. 29' Länge, ein Skiff

max. 20', ein Longboat max. 35'. Das Longboat wurde nie eingesetzt,

sondern achteraus geschleppt. Im Gefecht war es, vielleicht auch die

anderen, bemannt, um Brander abzuwehren oder abzuschleppen. Die Boote

wurden auch häufig während des Gefechts wegen des mangelhaften

Signalsystems zum Überbringen von Befehlen und Meldungen, sowie

gelegentlich zum Tauen des Schiffes ins Gefecht benutzt.

Noch einige $wichtige Verbesserungen$ zur Erhaltung und Führung der

Schiffe seien angeführt.

In die Mitte des 17. Jahrh. fällt =die Einführung des Zwischendecks=. Bis

dahin waren nur die schweren Decke zur Aufstellung der Geschütze

vorhanden, bei Schüssen in der Nähe der Wasserlinie konnte man nur mit

Leitern zum Leck gelangen. Die Engländer zuerst legten längs der Bordwand

unterhalb der Wasserlinie ein leichtes Deck, einen Umlauf, für den

Verkehr der Zimmerleute während des Gefechts. Aus diesem entstand das

Zwischendeck, das die Schiffe auch wesentlich wohnlicher gestaltete.

Verschiedene Versuche wurden gemacht, um den =Schiffsboden= vor dem

Bohrwurm =zu schützen= und auch um eine glatte Oberfläche zur Erhöhung

der Fahrt zu erhalten. Das Belegen mit Bleiplatten, in Spanien und auch

in der englischen Kauffahrteimarine seit dem 16. Jahrh. viel im Gebrauch,

war in der englischen Kriegsmarine wegen des dadurch hervorgerufenen

galvanischen Stromes, der wichtige Eisenteile zerstörte (Nägel der

Beplankung, Ruderfingerlinge), nicht beliebt und ist nur zeitweise

versucht. Mehr verbreitet war ein Belag von doppelten dünnen Planken mit

einer Zwischenlage von geteertem Tierhaar. Auch Farbenkompositionen

wurden versucht, doch kam die Lösung dieser wichtigen Frage durch

Bekupferung erst in der nächsten Periode.

Am Ende des 17. Jahrh. wurde das =Ruderrad= an Stelle des direkten

Steuerns mit der Ruderpinne gebräuchlich.

Für die =Nautik=, ist zu erwähnen: Der Kompaß wurde technisch verbessert,

und man begann der Mißweisung Aufmerksamkeit zu schenken. Schon 1699-1700

wurde ein englisches Kriegsschiff eigens zu ihrer Bestimmung in den

Südatlantik gesandt; das Fahrzeug führte auch viele Längenbestimmungen

aus. 1731 konstruierte Hadley den Reflexions-Quadranten (Spiegel-Oktant),

der weit genauere Beobachtungen gestattete als der bisher allein

vorhandene Davis-Quadrant (verbesserter Jakobsstab); besonders wichtig

war dies für die Beobachtung der Monddistanzen, der einzigen Methode zur

Bestimmung der Länge auf See.

Bereits 1598 hatten Spanien und bald darauf Holland Preise ausgesetzt

für die Erfindung einer sicheren Längenbestimmung an Bord, England

folgte 1714. Wie ungenau diese bisher war, kann man aus der geringen

Anforderung bei dieser Ausschreibung ersehen. Es sollte gezahlt werden:

10000 Lstrl. für die Genauigkeit der Bestimmung auf 1° Länge, 15000

Lstrl. auf 2/3°, 20000 auf 1/2°. Da wurde denn schon früh der Versuch

gemacht, die Länge mittels Uhren zu bestimmen, aber erst 1761 erreichte

man gute Ergebnisse. Ein Chronometer von Harrison verlor auf einer

Reise nach Westindien und zurück während vier Monaten trotz schlechtem

Wetter nur 1 m 54,5 s.

Die nautischen Hilfstabellen für astronomische Beobachtungen wurden

verbessert; das 1675 gegründete Observatorium zu Greenwich sollte sich

besonders dieser Aufgabe widmen. Genaue Journal- (Logbuch) Führung wurde

den Schiffen vorgeschrieben. Vermessungen wurden, namentlich von England,

vorgenommen und viel Sorgfalt auf Herstellung der Seekarten verwandt,

vorzugsweise allerdings zunächst für die heimischen Gewässer und

allenfalls den Atlantik, andere blieben noch lange unvollständig.

Betonnung, Bebakung und Beleuchtung der Küsten wurden gepflegt (der

berühmte Leuchtturm von Eddystone zeigte sein Licht zuerst im Oktober

1698).

In allen Ländern erweiterte man die =staatlichen Werften=; sie beginnen

sich zu solchen Einrichtungen auszubilden, wie man sie heute unter

Kriegswerften versteht, so daß die Marinen immer freier von der

Privatindustrie wurden.

Seekriege und Seekriegswesen, Erster Band in ihrer weltgeschichtlichen Entwicklung. Mit besonderer Berücksichtigung der grossen Seekriege des XVII. and XVIII. Jahrhunderts. · 第 20 / 58 题