portugiesischen Macht und die damit verbundenen Kämpfe in
Zimmermann. Band 1.
Schon am 9. März 1500 lief ein Geschwader von 13 Schiffen unter =Pedro
Alvarez Cabral= aus. Nach Anweisung Vascos beabsichtigte Cabral, von der
Guineaküste direkt südlich bis zur Breite des Kaps zu steuern und dieses
dann mit den Westwinden zu umsegeln. Durch den Äquatorialstrom und
östliche Winde stark nach Westen versetzt, sichtete er im April unter 14°
S. Breite die Küste =Brasiliens=; er nahm das Land in Besitz und sandte
ein Schiff mit der Meldung heim, worauf auch schon 1501 eine Expedition
zur näheren Erforschung dahin abging. Auf dem Wege zum Kap kenterten in
einem Sturme 4 Schiffe, 2 wurden versprengt, und nur mit 6 Schiffen
langte man Ende August in Kalikut an. Hier spielte sich derselbe Vorgang
wie bei der ersten Fahrt ab; zuerst wurde man gut aufgenommen, dann aber
führten die Umtriebe der Araber wieder zu Feindseligkeiten, die
schließlich die Zerstörung von 13 großen arabischen Schiffen, das
Bombardement der Stadt und den Abbruch aller Verhandlungen zur Folge
hatten. Aber verschiedene Fürsten der Malabarküste, Vasallen vom Samorin
und eifersüchtig auf ihren Oberherrn, erlaubten nun gerade den Handel in
ihren Städten, ja sogar die Anlage von Faktoreien, so in =Kananor= und
=Cochin=. Mit reichen Gewürzladungen trafen die Schiffe am 31. Juli 1501
in der Heimat ein, so daß die Reise trotz der großen Verluste -- auf der
Rückreise blieb noch ein Schiff -- ungeheuren Gewinn abwarf. Einem
kleinen, auch im ganzen erfolgreichen Geschwader von 4 Schiffen, das
bereits im März 1501 abgegangen war und auf seiner Fahrt Ascension und
die wichtige Trinkwasserstation St. Helena entdeckt hatte, folgte nun im
Frühjahr 1502 eine mächtige Flotte von 20 wirklichen Kriegsschiffen mit
800 Soldaten unter =Vasco de Gama=, um in Indien dauernd festen Fuß zu
fassen. Auf der Hinreise wurden Faktoreien an der Ostküste Afrikas in
=Sofala=, =Mozambique= und =Kilwa= gegründet, in Indien wurden die
erlittenen Schädigungen an Kalikut und Goa gerächt, die portugiesische
Stellung in Kananor und Cochin gestärkt, der arabische Handel nach
Möglichkeit geschädigt und bei der Rückkehr 1503 zu diesem Zwecke und zum
Schutz der Faktoreien zum ersten Male eine Flottenabteilung als ständige
Macht in den indischen Gewässern zurückgelassen. Die Unternehmungen der
nächsten Jahre brachten die Erbauung von steinernen Forts in den
genannten Städten Ostafrikas, die Besetzung der Insel =Socotora= (jetzt
Sokotra) am Eingang des Roten Meeres, Festungsbauten auch in Kananor,
Cochin, Kollum, deren Radschahs sich von Kalikut losgesagt und sich zu
Vasallen Portugals erklärt hatten, sowie die Inbesitznahme der
=Anjediven-Inseln=, die einen besonders günstigen Platz als Treff- und
Sammelpunkt der Schiffe bildeten; damit waren auch Stützpunkte für den
Handel und die weitere Ausdehnung der Macht geschaffen, und in derselben
Weise schritt man nun durch Anlage neuer Stützpunkte über Malabar hinaus
nach Norden und nach Osten in den indischen Archipel hinein fort.
Eine Gründung eigentlicher Kolonien, d. h. die Inbesitznahme weiter
Ländereien, ist fast nirgend erfolgt, es blieb nur das Bestreben
maßgebend, den Gewürzhandel ganz in die Hand zu bekommen. Dazu war es
vorteilhaft, mit den einheimischen Fürsten nach Möglichkeit in Frieden zu
leben, aber notwendig, die Araber zu verdrängen. Diejenigen indischen
Herrscher, die die Errichtung von Forts in ihren Städten zuließen oder
sich doch den Anordnungen Portugals fügten und die Anlage von Faktoreien
erlaubten, traten in das Verhältnis der Bundesgenossenschaft, die anderen
waren beständigen Belästigungen und Angriffen ausgesetzt. In den von
Portugal beherrschten Häfen wurden Handelsvorschriften erlassen, Maße,
Gewichte und Preise für die Waren festgesetzt und die Araber vom Geschäft
ausgeschlossen. Man hob den Handel dieser Plätze dadurch, daß man ihre
Schiffahrt schützte, die Schiffe aller indischen Städte zuließ, ja sie
sogar, wenn sie auch für andere Häfen bestimmt waren, zum Anlaufen zwang,
während man den Handel der Orte, die sich widerspenstig zeigten und wo
die Araber noch Zutritt hatten, schädigte.
Der ausgedehnte Sicherheitsdienst zum Schutz des eigenen Handels und des
der begünstigten Städte in den indischen Gewässern, die Vernichtung des
arabischen Handels und die Unternehmungen zur Gründung neuer Stützpunkte
zur Erweiterung und Erhaltung der Macht erforderten ständige
Seestreitkräfte; die Besetzung der Forts und die Kämpfe am Lande machten
die Einrichtung von Garnisonen und die Aufspeicherung von Kriegsmaterial
notwendig. Die Mittel zu allem diesem zu liefern, war die Aufgabe der
Flotten, die mit immer größeren Schiffen nun ununterbrochen nach Indien
ausliefen und die Waren des Ostens heimbrachten.
Verhältnismäßig schnell, in etwa 40 Jahren, aber in ununterbrochenen
Kämpfen mit bedeutenden Streitmitteln auf beiden Seiten, erweiterte sich
die portugiesische Macht bis zur höchsten Blüte. Flotten von 30-40
Kriegsschiffen wurden zur Eroberung großer Städte, wie z. B. =Goas=,
=Malakkas=, zusammengezogen; gegen das Reich Kambaya, nördlich vom Reiche
Bidschapur, wurde im Jahre 1529 eine Expedition von 400 Fahrzeugen
aufgeboten. Einheimische Fürsten stellten ähnliche Flotten und Heere bis
zu 40000 Mann, einmal sogar 90000, zur Vertreibung der Portugiesen auf.
Außer den Eingeborenen zeigte sich auch ein anderer mächtiger Feind, die
=Ägypter=. Nach der Festsetzung der Portugiesen in Malabar konnten die
arabischen und persischen Händler die Gewürze nur auf dem viel weiteren
Wege aus Malakka und Sumatra beziehen, jedoch auch am Eingang zu diesen
Gewässern, vor den =Malediven= und =Ceylon=, erschienen schon 1505 die
Eindringlinge; den Eingang zum Roten Meere hatten sie besetzt und 1507
den ersten Versuch gemacht, sich der Stadt =Ormuz= am Eingang des
persischen Golfes zu bemächtigen. Da wandten sich die Herrscher von
Kalikut, Kambaya, Ormuz und Aden um Beistand an Ägypten und fanden hier,
unterstützt durch die Genueser und Venetianer, volles Entgegenkommen,
denn Ägypten, Venedig und Genua litten gleichfalls unter dem Abschneiden
des alten Verkehrsweges mit Indien. Der Sultan Ägyptens führte
infolgedessen beim Papst Klage über »Verfolgung des Mohammedanismus durch
die Portugiesen« unter Androhung von Gewaltmaßregeln in Palästina. Der
Papst schickte den Brief nach Lissabon, aber Portugal antwortete, es sei
Ägypten lediglich um seinen Handel zu tun, und im übrigen sei es nur
Christenpflicht, den Ungläubigen alle früheren Greueltaten zu vergelten.
Da sandte 1508 Ägypten eine Flotte von 12 Schiffen nach Indien; sie wurde
jedoch, trotz Vereinigung mit der Flotte vom Kambaya und nach einem
ersten Erfolge einer schwächeren portugiesischen gegenüber, im Februar
1509 bei Diu durch 19 portugiesische Schiffe vollständig vernichtet. Auch
spätere Unterstützungen von ägyptischer Seite in den Jahren 1510 und 1515
(27 Schiffe) und 1538 eine Expedition -- nunmehr türkische, da die Türken
inzwischen Ägypten unterworfen hatten -- von 70 Segeln mit 7000 Mann
konnten die Fortschritte Portugals nicht aufhalten. Zwar blieben
Rückschläge infolge von Empörungen und mißglückte Unternehmungen nicht
aus: in Malabar selbst mußte bis 1540 immer wieder mit dem Samorin
gekämpft werden; manche Niederlassungen in Vorder- wie Hinterindien und
im Archipel gingen zeitweise wieder verloren; die endgültige Festsetzung
im Reiche Kambaya erforderte andauernde Kämpfe, bis sie schließlich auf
friedlichem Wege durch Unterstützung des Landes gegen das sich im Norden
ausbreitende Reich der Mongolen (des Großmoguls in Delhi), gelang -- um
das Jahr 1540 konnte sich Portugal aber doch als Herr des Handels im
Indischen Ozean ansehen.
Seit 1505 waren Vizekönige von Indien bestellt; von ihnen haben am
meisten zur Gründung der Macht beigetragen: =Almeida= 1505-1509, =Alfonso
d'Albuquerque= (»der Große« genannt) 1509-1515 und =Nuño da Cunha=
1529-1539. Bei dem Tode des letztgenannten lag der Mittelpunkt der
=portugiesischen Macht im Osten= auf der Westküste Vorderindiens, wo
starke Festungen in Kananor (1504), Cochin (1504), Kalikut (1514), Goa
(1511), Bassein und Diu (1534) erbaut waren und alle Küstenstaaten die
Oberherrschaft anerkannt hatten.
Bassein, mit der Insel Salsette und Goa waren sogar abgetretener
Landbesitz. Goa war eine nach allen Regeln der Kunst befestigte Stadt
mit Magazinen und Werften und die Hauptstation der Seestreitkräfte für
den Spezialdienst in den indischen Gewässern. Man hielt zu diesem Zweck
eine beträchtliche Kriegsflotte, schon 1515 war sie 50 Segel stark von
teilweise für die damaligen Zeiten großen Schiffe; englische und
holländische Quellen sagen wenigstens, als ihre indischen Kompagnien
dort im Anfange des 17. Jahrh. mit Schiffen von 500-800 tons
aufgetreten seien, hätten die Portugiesen weit größere gehabt. Es ist
allerdings dabei zu bemerken, daß die portugiesisch-spanischen
Kriegsschiffe an Gefechtskraft den englischen und holländischen, auch
den Schiffen der großen Kompagnien, dem Größenverhältnis entsprechend
nicht gleichwertig waren, wie wir auch später sehen werden. Außerdem
besaßen die Portugiesen eine große Zahl großer, offener
Ruderschaluppen, Fregatten genannt, mit starker Bemannung von
Eingeborenen; wenn auch ohne Geschütze, konnten diese Fahrzeuge bei
Windstille dem Feinde sehr gefährlich werden.
Der Indische Ozean wurde im Westen beherrscht durch den Besitz von Ormuz
(1516 erobert), durch die Stützpunkte in Kilwa, Mozambique, Sofala (1504)
und auf der Insel Sokotora (1506); auch der Emir von Aden hatte (1530)
die Oberherrschaft anerkannt. Im Osten und im indischen Archipel stützte
sich die Macht Portugals auf den Besitz von =Malakka= (1511 erobert), von
festen Plätzen auf Ceylon (z. B. Kolombo 1513), Sumatra, Java und auf den
eigentlichen Gewürzinseln, den Sundainseln und Molukken (erste
Niederlassung auf Ternate 1522).
=Die Molukken= waren von den Portugiesen 1513 zuerst erreicht worden,
aber bald darauf (1521) auch von den Spaniern durch Magalhaes'
Expedition. Beide Nationen betrachteten sie als in ihrem Machtbereich
liegend und versuchten, sich festzusetzen, bis durch Vertrag von 1529
die Inseln gegen eine Abschlagssumme an Portugal fielen (vergl. Seite
77).
Den damaligen Machtbereich Portugals zeigen ferner seine Faktoreien an
der Westküste Afrikas, an den Küsten Guineas, der Goldküste, Benins,
Kongos, Anguelas und Benguelas -- das Kapland war nicht besiedelt --,
und auch Brasilien war vom Amazonenstrom bis zum La Plata in Besitz
genommen.
Auch Siam, China und Japan besuchten die Portugiesen. Mit Chinesen war
man in Malakka zusammengetroffen, China selbst wurde 1515 zuerst
erreicht, doch hatten die Versuche, einen regeren Verkehr mit China und
Japan anzuknüpfen, keinen Bestand, weil diese Länder ihnen immer wieder
verschlossen wurden; nur in Macao hielt sich eine Niederlassung. Auch
die durch Zufall herbeigeführte Entdeckung Neu-Guineas, das man für die
Nordküste eines großen Südpolkontinents hielt, hatte für den Handel
keine weiteren Folgen.
Auf dem Südostwege waren also die Küsten und Gewässer Afrikas und
Asiens bis nach China hin bekannt geworden; die Spanier hatten schon
auf dem Südwestwege die Philippinen erreicht sowie einen Teil der
Südseeinseln entdeckt, und der Schleier des fernsten Ostens war
gelüftet. Von diesem, von China und Japan bis zu den Kurilen hinauf und
von Australien der Welt nähere Kenntnis zu geben, blieb den Holländern
im 17. Jahrh. beschieden.
Die Blüte der =Macht Portugals in Indien= war von keiner langen Dauer,
schon von der Mitte des 16. Jahrh. an kann man den =Rückgang= erkennen.
Seine Ursachen sind zurückzuführen auf die Mißwirtschaft in der
Verwaltung infolge zu häufigen Wechsels der Vizekönige und der Beamten,
auf die Besetzung dieser Stellen mit unfähigen und unredlichen
Günstlingen; ferner auf eine falsche, engherzige Handelspolitik, die
nur auf Ausbeutung der Kolonien im Interesse der Regierung -- und der
Beamten! -- bedacht war. Einfuhr und Ausfuhr hatte die Regierung zu
ihrem Monopol gemacht und betrieb sie nur mit verhältnismäßig wenigen
großen Schiffen, auch der Handel der Eingeborenen war stark
eingeschränkt, was neben anderen Übergriffen ihren Haß erregen mußte.
Mit der inneren Schwächung der Verwaltung nahmen deshalb auch die
Empörungen, die Versuche zur Vertreibung der Bedrücker, zu. Schon in
den Jahren 1570/71 stellte ein Aufstand in fast allen Besitzungen die
ganze Herrschaft in Frage und wurde nur mühsam niedergeworfen. Im
Norden wurde das Reich des Großmoguls immer mächtiger, die Türken
entsandten wieder Flotten nach Indien und drangen gegen die Besitzungen
in Ostafrika vor; ein Seeräuberunwesen nahm überhand. Auch das Glück
verließ die Portugiesen; in den Jahren 1579-1591 gingen 22 Schiffe von
bis dahin unerhörter Größe auf den Fahrten nach Indien unter. Alle
diese Mißstände, verbunden mit kostspieligen Kriegen in der Heimat
gegen Marokko, erschöpften das kleine Mutterland.
Von 1580 an war Portugal mit Spanien vereinigt; wenn ihm nun auch die
Verwaltung seiner Kolonien und selbst das Handelsmonopol mit diesen
belassen wurde, so mußte es doch die Folgen der spanischen Politik mit
tragen. Es erschienen die Engländer und Holländer in seinen Gewässern,
anfangs als Freibeuter, später, im Anfang des 17. Jahrh., mit ihren
großen indischen Kompagnien als Nebenbuhler im Handel und als Eroberer.
Nun hatten sich die Portugiesen auch dieser zu erwehren, und dies ging
vollends über ihre Kräfte. Der Geldmangel wurde immer größer, Schiffe und
Festungen konnten nicht mehr im Stande gehalten werden, oft fehlten
selbst die Mittel, Waren aufzukaufen. Von 1640 vermochte der Vizekönig
wegen Mangels an Geld und Schiffen keine Frachtenflotte mehr nach Hause
zu senden, und am Ende unseres Zeitabschnittes hatten die genannten
Nationen den Handel der Portugiesen in Indien völlig lahmgelegt, von den
Holländern war ihnen sogar schon ein großer Teil der Besitzungen
abgenommen (vgl. Seite 82 und Seite 86).
$Der Weg der Spanier nach Westen.$ Während man in Portugal seit der Zeit
Prinz Heinrichs des Seefahrers schon planmäßig mit Erweiterung des
Handels und der Schiffahrt, mit dem Suchen nach fernen Ländern
vorgegangen war, wo man Gold, Edelsteine und kostbare Gewürze zu finden
hoffte, dachte man in Spanien zu Ende des 15. Jahrh. noch nicht an große
überseeische Unternehmungen. Das Land war schwach bevölkert, Industrie
und Handel waren wenig vorhanden, und der Ackerbau deckte kaum den
eigenen Bedarf. Es ist wohl unbedingt dem Auftreten und Drängen des
=Kolumbus= zuzuschreiben, daß =Ferdinand= und =Isabella= sich unter
diesen Umständen plötzlich und frühzeitig auf ein so weit aussehendes
Unternehmen, den Seeweg nach Indien auf dem Westwege zu suchen,
eingelassen haben, in der Hoffnung, dieselben Vorteile über See
einzuheimsen wie Portugal.
[Illustration]
Die Überlieferung erzählt, daß Kolumbus, ein tüchtiger und befahrener
Seemann, mit besonderer Vorliebe allen Sagen und Gerüchten über im
Westen liegende Inseln gelauscht, mit Eifer die geographischen Werke
seiner Zeit studiert habe und den Fortschritten der Portugiesen mit
Aufmerksamkeit gefolgt sei. Toscanellis Plan[26] scheint ihn zuletzt,
vor allem von einer verhältnismäßig leichten Ausführung seines
Vorhabens, überzeugt zu haben. Von verschiedenen Staaten,
wahrscheinlich von Genua, Venedig, England, Frankreich, sicher von
Portugal abgewiesen, gelang es ihm, aber erst nach längerer Zeit, die
Herrscher Spaniens für sich zu gewinnen; die hohen Forderungen, die er
für seine Person im Falle des Gelingens stellte, haben ihm wohl überall
geschadet.
[26] Näheres über diesen Plan, teils wörtlich, in Oncken Bd. IX.
Im Jahre 1492 erhielt Kolumbus 3 kleine Karavellen von je 120-130 tons
mit insgesamt 120 Mann Besatzung und ging am 3. August von Palos aus in
See. Zunächst steuerte er die Kanaren an, um dann auf der Breite dieser
Inseln über die sagenhafte Insel Antilia und über Cipangu (Japan) Indien
zu erreichen. Bei den Kanaren mußte man wegen Ruderausbesserung des einen
Fahrzeuges vier Wochen liegen und konnte erst am 6. September, nun aber
bald im günstigen Nordost-Passat, die Reise fortsetzen. Vom 9. September
an gab der Admiral in dem jedermann zugänglichen Schiffsjournal die an
einem Tage abgelaufene Meilenzahl um ein Viertel geringer an, als er sie
in der Tat schätzte, um die Besatzungen nicht durch die Größe der
Entfernung von Europa zu erschrecken. Schon vom 16. September an, als die
Schiffe ins Sargassomeer eintraten, glaubte er Anzeichen von der Nähe
eines Landes zu bemerken, wie im Journal verzeichnet ist: dunkler
Horizont, ohne Wind eintretender Nebel, selbst die schwimmenden
Tangmassen wurden als Anzeichen dafür gehalten; man glaubte sogar einmal,
Antilia gesehen zu haben, und hielt einen Tag daraufhin ab. Es unterliegt
keinem Zweifel, daß, je länger die Fahrt dauerte, die Mannschaft um so
lauter ihre Besorgnisse äußerte; gerade der günstige Wind ließ eine
Rückkehr schwierig, wo nicht unmöglich, erscheinen. Es mögen auch
Drohungen laut geworden sein, aber die Erzählung von dem Vertrage des
Admirals mit der Mannschaft, nach drei Tagen umzukehren, falls das
gesuchte Land nicht gesichtet sei, ist doch wohl später erfunden. Durch
den Zug zahlreicher Vögel bewogen, steuerte er vom 7. Oktober an
südwestlich, weil er wußte, daß die Portugiesen diesem Umstande häufig
die Entdeckung von Inseln verdankt hatten. Am 9. Oktober glaubte man den
Duft von Blütenbäumen in der Luft zu spüren, am 11. fischte man einen
frischgrünen Zweig, einen weiteren mit Beeren und einen mit Feuer
bearbeiteten Stab auf; am Abend desselben Tages sah man einen Lichtschein
und einige Stunden später, am 12. Oktober 2 Uhr morgens, im Mondschein
einen flachen sandigen Strand, dem man sich schon bis auf 2 Seemeilen
genähert hatte. Es war eine der Bahama-Inseln, von den Eingeborenen
=Guanahani= genannt, von Kolumbus S. Salvador getauft, wahrscheinlich das
jetzige Watlings-Island. Die Insel bot nichts, aber aus den Gebärden der
harmlosen Einwohner, von denen man kärgliche Goldschmuckstücke
erhandelte, schloß Kolumbus auf die Nachbarschaft größerer goldreicher
Inseln im Südwesten. So fuhr er am 14. weiter und fand verschiedene
andere Eilande mit üppiger Vegetation; jedoch nirgends zeigten sich
Spuren der erwarteten indischen Kultur, auch nicht, als er am 28. Oktober
Cuba und am 4. Dezember Haiti erreichte. Aber immer noch waren Kolumbus
und auch seine Kapitäne der Ansicht, in den indischen Gewässern zu sein;
verschiedene falsch gedeutete Namen bestärkten diese Annahme. An der
Küste von =Haiti=, von Kolumbus Hispaniola getauft, lief das Flaggschiff
am 24. Dezember auf und mußte verlassen werden, jedoch wurden Mannschaft
und Ladung an Land geborgen. Da man auf dieser Insel größere Mengen Gold
bei den Indianern fand, die Bewohner sehr gutmütig erschienen und der
Boden des Küstenlandes üppige Fruchtbarkeit zeigte, beschloß der Admiral,
hier eine Niederlassung zu gründen, zumal da er nicht alle Leute an Bord
seines letzten Schiffes nehmen konnte. Das dritte Fahrzeug hatte sich
nämlich einige Zeit zuvor heimlich entfernt, um auf eigene Hand das
Goldland zu suchen, doch wurde es am dritten Tage der Rückreise wieder
angetroffen; auch dieses hatte viel Gold auf Haiti eingetauscht.
Es wurde eine kleine Befestigung, Navidad genannt, erbaut und mit 40
Freiwilligen besetzt. Kolumbus selbst trat am 4. Januar 1493 die
Rückreise nach Europa an, auf der er noch bis zum 16. längs der Küste
Haitis weitere Forschungen anstellte. Nach einem mehrtägigen schweren
Sturme dicht vor den Azoren wurde am 18. Februar Santa Maria erreicht, wo
der portugiesische Gouverneur an Land gesandte Leute verhaften ließ und
erst nach einigen Tagen freigab; am 4. März zwang ein neuer Sturm,
Lissabon anzulaufen, und am 15. März ankerte man im Ausgangshafen Palos.
Kolumbus begab sich zum Hoflager in Barcelona; seine Reise durch Spanien
glich einem Triumphzuge. Nach seinen glänzenden Schilderungen der Neuen
Welt blieb man überall mit ihm überzeugt, daß der Weg nach Indien
gefunden sei, wenn auch die mitgebrachten Gegenstände -- nur zweifelhafte
Gewürze und auch nicht allzuviel Gold -- noch nicht den gehegten
Erwartungen entsprachen und auch die gesuchten Kulturländer noch nicht
angetroffen waren. Während noch die Verhandlungen (Seite 59) mit Portugal
über die »Teilung der Welt« schwebten, wurde sofort eine neue Expedition
ausgerüstet, um auf dem betretenen Wege schleunigst Fortschritte zu
machen und die entdeckten Länder in Besitz zu nehmen.[27]
[27] Genaueres über die weiteren Expeditionen, die Gründung und
Entwicklung der spanischen Kolonien in Zimmermann, Band 1.
Es sei hier gleich auf einen großen Unterschied zwischen dem Vorgehen
Spaniens und Portugals hingewiesen. Während Portugal eigentlich nur
Stützpunkte für den Handel und die Beherrschung des Meeres schuf,
gründete Spanien wirkliche Kolonien. Die spanische Rasse nahm die
entdeckten und mit Waffengewalt eroberten Länder völlig in Besitz und in
Kultur; sie wurde dort zur Hauptbevölkerung, indem sie die Eingeborenen
entweder durch Kriege und schlechte Behandlung vernichtete oder sich zum
Teil mit ihnen vermischte; sind doch aus den ehemaligen spanischen
Kolonien die jetzigen süd- und mittelamerikanischen Staaten mit
spanischer Bevölkerung hervorgegangen.
Schon die zweite Expedition des Kolumbus, die im Herbst 1493 Spanien
verließ, führte auf 14 Karavellen und 3 großen Lastschiffen außer den
Matrosen und Soldaten 1500 Auswanderer -- Ackerbauer mit Sämereien,
Weinreben, Zuchtvieh -- mit sich. Auf Haiti, wo die zurückgelassenen
Kolonisten der ersten Reise infolge ihrer Ausschreitungen gegen die
Eingeborenen ermordet waren, wurde aufs neue fester Fuß gefaßt, indem man
eine größere Niederlassung, Isabella, gründete. Als sich der Ort später
gesundheitlich ungeeignet erwies, verlegte man den Sitz der Regierung
nach St. =Domingo=. Die Insel Haiti wurde nun gewaltsam in Besitz
genommen und hier zuerst eine Kolonie, die eigene Einkünfte brachte,
geschaffen.
Ein jeder Eingeborene Haitis wurde verpflichtet, vierteljährlich eine
gewisse Menge Goldstaub (in den Minenbezirken) oder Baumwolle (in den
anderen Bezirken) abzuliefern; Saumselige oder Empörer wurden zur
Zwangsarbeit auf den von Spaniern in Besitz genommenen Ländereien
verurteilt oder als Sklaven nach Spanien gesandt. -- System der
Repartimientos. -- Als bei dem Wachsen der spanischen Einwanderung und
der Urbarmachung des Landes Arbeitskräfte mangelten, wurde einfach ein
Teil der Indianer als Sklaven an die weißen Besitzer verteilt -- System
der Encomiendas --, obgleich von Spanien aus der Befehl gegeben war,
die Eingeborenen als Freie zu behandeln, sie zur Arbeit nur durch ihre
Kaziken anhalten zu lassen und sie zu löhnen. Ähnlich ist später bei
der Inbesitznahme der anderen Inseln und der Länder des Festlandes
verfahren worden. Mit unerbittlicher Härte wurden die beiden Systeme
nebeneinander durchgeführt, wenn auch weiterhin die Regierung im
Mutterlande häufig auf den Rat und die Vorstellung einsichtiger und
menschlich fühlender Männer Gesetze und Bestimmungen erließ, um das Los
der Indianer zu mildern. Diese Härte und die Grausamkeit, mit der
Empörungen niedergeschlagen wurden, haben die Abnahme der eingeborenen
Bevölkerung, auf den westindischen Inseln sogar ihre völlige
Vernichtung, zur Folge gehabt. Der Mangel an Arbeitern veranlaßte dann
die Einführung von Negersklaven, schon von 1501 an für die
Goldwäschereien auf Haiti, die bekanntlich später nach allen Kolonien
in großem Maßstabe betrieben wurde.
Kolumbus kehrte im Herbst 1496 von seiner zweiten Reise, auf der er noch
Cuba genauer erforscht und Guadeloupe, Puerto Rico, Jamaica gefunden
hatte, nach Spanien zurück. Für kurze Zeit erlahmte hier das Interesse an
der Sache, da ein Teil der Auswanderer unbefriedigt mit ihm
zurückgekommen war. Sie hatten sich in ihrer Erwartung, schnell
ungeheuren Reichtum zu erlangen, getäuscht gesehen: Nur Ackerbauer fanden
ihre Rechnung, nicht aber Goldsucher; die Einwanderer litten, besonders
an der Küste, unter dem Klima; die Verhältnisse der neuen Kolonie
entwickelten sich nur langsam infolge der häufigen Empörungen der
Eingeborenen, der Unbotmäßigkeit der Kolonisten selbst und der Intriguen
der Beamten gegeneinander. So konnte Kolumbus für seine dritte
Expedition, auf der er bei der Ausreise Trinidad entdeckte, nur wenig
Kolonisten gewinnen, obgleich die Auswanderung allen Spaniern erlaubt und
denjenigen sogar ein Jahr Verpflegung zugesichert war, die sich zur
Abgabe von 2/8 des zu findenden Goldes und 1/10 der sonstigen Produkte
verpflichteten.
Nun wurde aber, gegen das dem Kolumbus versprochene Recht, von 1499 an
auch anderen Männern die Erlaubnis zu Entdeckungen erteilt, sowie der
Handel nach den Kolonien unter Aufsicht der Regierung und gegen Abgaben
vom Gewinn überhaupt freigegeben. =Alonso de Hojeda=, begleitet vom
Italiener =Amerigo Vespucci=, erreichte 1499 =Südamerika= beim
Amazonenstrom und erforschte von dort die Küste bis Venezuela; =Pedro
Niño= brachte bald darauf von hier eine reiche Perlenladung heim;
=Rodrigo de Bastidas= entdeckte den Spuren Hojedas folgend den Golf von
Darien und kehrte mit Gold, Brasilholz und Sklaven zurück. Da um dieselbe
Zeit auch in Haiti reichere Goldlager gefunden wurden, stieg der
Unternehmungsgeist wieder, und es begann jetzt eine Periode von
Entdeckungsfahrten, Auswanderungszügen und Kolonisierungen, unternommen
von Abenteurern, oft auch Verbrechern, aber auch besseren Elementen mit
Familie, in der sich in verhältnismäßig kurzer Zeit die Macht Spaniens
ungemein ausdehnte. Kolumbus selbst besuchte auf seiner vierten und
letzten Reise 1502 Yucatan, Honduras und die Bai von Chiriqui, wo er von
neuen Goldländern und zuerst vom Stillen Ozean hörte; er war überzeugt,
hier in der Nähe einer Wasserstraße nach Westen zu sein, wie er denn
überhaupt bis zu seinem Tode glaubte, Ostasien gefunden zu haben.
Bald wurden auf vielen westindischen Inseln, besonders den Großen
Antillen, an den Küsten Süd- und Mittelamerikas Niederlassungen
gegründet; von einer dieser erreichte =Balbao= am 25. September 1513 den
Stillen Ozean beim Golf von St. Miguel und erhielt hier genauere Kunde
über das Goldland =Peru=.
Seit 1511 war die Kolonisation =Kubas= energisch in die Hand genommen und
brachte reichen Gewinn, aber nirgends war man mit dem Ertrage zufrieden,
sondern suchte neue Goldländer. Von Kuba aus wurden die Küsten von
Florida und =Mexiko= erforscht und dieses 1519-1521 durch =Cortez=
erobert. An der Westküste Mittelamerikas wurden Schiffe erbaut, mit denen
man weiter vordrang, bald auch über den Stillen Ozean, was später bei
Schilderung des Südwestweges mit betrachtet werden soll. Von Mexiko aus
wurde Kalifornien aufgesucht, von Panama aus, wohin Kolonisten vom Golf
von Darien hinübergegangen waren, strebte man nach Peru. =Pizarro=
erforschte 1524 die Küste Kolumbiens, erreichte 1526 die Bucht von
Guayaquil und eroberte 1531-1536 das langersehnte =Peru=; von hier aus
wurde =Chile= in Besitz genommen.
So sehen wir um die Mitte des 16. Jahrh. Westindien, Mittelamerika, die
nördlichen und westlichen Küstenländer Südamerikas bis Patagonien
hinunter in den Händen der Spanier. Waren die Eroberungen der wichtigen
Reiche des Festlandes auch nur mit geringen Streitmitteln ausgeführt,
so folgten doch bald Ströme von Einwanderern. Ein wahres
Auswanderungsfieber, das das Mutterland zu entvölkern drohte, hatte
Spanien ergriffen, und die Forschung und die Kolonisation drangen schnell
von den Küsten ins Innere vor. Schon 1541 wurde der Amazonenstrom zum
ersten Male von Peru aus bis zur Mündung befahren und von Chile aus stieß
man bald auf die von dem La Plata ausgehenden Kolonisten (vgl. Seite 74).
Anfangs war Haiti der Haupt- und Mittelpunkt der =Verwaltung der
Kolonien= gewesen; später stellte man die einzelnen selbständigen
Verwaltungsbezirke unter Vizekönige (Gouverneure, Generalkapitäne), die
unmittelbar unter dem »=Amt (Rat) von Indien=« in Sevilla standen.
Die Spanier haben durch ihre verkehrte Kolonialpolitik während der
ersten Jahrhunderte die reichen überseeischen Besitzungen lange nicht
zu einer ihren Anlagen entsprechenden Blüte gebracht. Für sie war nur
die dauernd sichere Ausbeutung der Metallschätze im Interesse der Krone
die Hauptsache, eine planmäßige Entwicklung der Kolonien war weder
beabsichtigt noch erwünscht. Bald schon wurde die Auswanderung nicht
mehr begünstigt, sondern sehr erschwert, und der Handel der Kolonien
mit Spanien und unter sich durch allerhand Maßnahmen eingeschränkt:
Durch hohe Ein- und Ausfuhrzölle hüben und drüben, durch eine lästige
Kontrolle der Regierung und durch Ausschluß aller fremden Schiffe vom
Handel, die bis zur Mitte des 17. Jahrh. ohne weiteres als feindlich
behandelt wurden; gestrandete Seeleute tötete man sogar oder sandte sie
in die Bergwerke.
Trotzdem ist diese Kolonialpolitik nicht ausschließlich auf Unfähigkeit
oder Kurzsichtigkeit zurückzuführen, sie dürfte den Verhältnissen und
Bedürfnissen des Mutterlandes lange Zeit entsprochen haben. Spanien
war durch die reichen Erwerbungen eine Großmacht geworden und hatte
eine Weltpolitik begonnen, die nur weiter durchgeführt werden konnte,
wenn die Geldquellen in gleicher Stärke weiter flossen; im übrigen
besaß das Land weder eine Überproduktion an Waren noch an Menschen,
brauchte also keine großen Absatzmärkte und Auswanderungsgebiete, ja
durfte diese nicht einmal voll ausnutzen. Es kam wie gesagt nur darauf
an, möglichst große Einkünfte für die Krone aus dem Minenbetrieb und
dem Handel zu ziehen, sowie dafür zu sorgen, daß die Länder dem
Mutterlande erhalten blieben. Eine Folge dieser Politik war zunächst,
daß die westindischen Kolonien und auch die an der Nordküste
Südamerikas, die in ihren Erträgen nicht mit Mexiko, Peru usw. zu
vergleichen waren, für lange Zeit vernachlässigt wurden und
zurückgingen. Viele der Weißen zogen nach dem Festlande, Arbeitermangel
trat mit Ausrottung der Indianer ein, und Neger wurden nicht genug
eingeführt. Die westindischen Gewässer wurden der Tummelplatz von
Schmugglern, Seeräuber machten Meer und Küsten unsicher, und andere
Nationen setzten sich ungehindert in Besitz von noch nicht oder nur
schwach besiedelten Inseln. Für die reichen Festlandsbesitzungen lag
aber die Gefahr nahe, daß sich hier bei zu großer selbständiger innerer
Entwicklung Unabhängigkeitsgelüste regen könnten: deshalb griff man zur
Beschränkung der Einwanderung. Aus demselben Grunde wurden die Klassen
der Kreolen (d. h. Eingeborene von spanischen Eltern stammend) und der
Mischbevölkerung, die ständig zunahmen und zum Teil über große Vermögen
verfügten, soweit möglich in Unbildung erhalten, der Gegensatz und die
Eifersucht zwischen den verschiedenen Klassen (Spanier, Kreolen,
Mischlinge der verschiedenen Grade) genährt und die amtlichen
Stellungen, besonders die höheren Posten, fast nur mit Spaniern
besetzt. Die Ansiedelung Fremder wurde tunlichst erschwert, wo sie
nicht zu vermeiden war, wurde ihnen durch die Inquisition das Leben
verbittert. -- Alles Maßnahmen, um Intelligenz, Einigkeit und
Selbstbewußtsein von der Bevölkerung fern zu halten; die Regierung der
Länder lag in den Händen der wenigen Spanier.
Über die Durchführung dieser Politik wachte der »Rat von Indien« mit
unnachsichtlicher Strenge, in seiner Hand lag die oberste
Gerichtsbarkeit und die ganze Verwaltung der Kolonien; selbst die
Inquisition wirkte in seinem Dienste, wie denn wie überall unter
spanischem Zepter auch in den Kolonien die Kirche eine übergroße Macht
darstellte und ungeheure Reichtümer erwarb. Die Stellung der Vizekönige
war zwar mit großen Ehren und reichen Einkünften bedacht, aber ihre
Machtbefugnisse waren sehr durch die ihnen beigegebenen Gerichts- und
Verwaltungshöfe beschnitten. Wie die Vizekönige, so wechselten auch die
Mitglieder dieser Höfe häufig; waren für jene Bestimmungen erlassen,
daß sie nicht zu populär wurden, so durften auch diese keine
Familienbeziehungen und keinen Grundbesitz in den Kolonien haben. Alle
Einrichtungen zielten darauf hin, die Beamten nicht selbständig walten
und auch nicht zu festen Fuß fassen zu lassen. Diese Bevormundung
führte zur Verknöcherung der Verwaltung und hinderte doch nicht, daß
bei den Beamten Willkür und Unredlichkeit einrissen. Die Kolonien haben
aber lange Zeit ihren Zweck erfüllt; allein die Gewinnung von Gold und
Silber soll von 1493-1600 einen Wert von 4027 Millionen Mark gehabt
haben.
Von der 2. Hälfte des 16. Jahrh. an wurden auch die spanischen Kolonien
und der Handel mit ihnen, wie die der Portugiesen in Indien, durch die
Angriffe der Engländer und Holländer schwer geschädigt. Die Absperrung
und die feindliche Behandlung der Fremden führten diese zu Versuchen, den
Verkehr durch Gewaltmaßregeln zu erzwingen, was sich zunächst und
hauptsächlich durch Überfälle und Wegnahme der mit den Schätzen Amerikas
heimkehrenden Schiffe zeigte. Der Verkehr Spaniens mit Amerika durch nur
einmal jährlich ausgesandte Flotten hatte bei der Unsicherheit der Meere
eine gewisse Berechtigung. Aber gerade die Regelmäßigkeit dieser Fahrten
gab den Feinden die Möglichkeit, große Operationen zum Abfangen dieser
Flotten vorzubereiten und durchzuführen. Zu einem bestimmten Zeitpunkt im
Jahre versammelten sich in Sevilla zwei starke Geschwader, aus den
größten Schiffen der Zeit bestehend, zur Verschiffung von Waren nach
Amerika. Die eine (Galeonenflotte) ging mit Ausfuhrartikeln für Mexiko
und Mittelamerika nach Veracruz, die andere (=Silberflotte=) mit Waren
für Peru und Chile, die auf Maultieren über den Isthmus nach Panama
geschafft wurden, nach Portobello (oder Nombre de Dios). Am
Bestimmungsort hielten beide Flotten große Messen ab, nahmen die dort
aufgespeicherten Naturerzeugnisse und Metallschätze als Rückfracht ein
und vereinigten sich in Havanna, von wo aus sie als =Silberflotte=
gemeinsam die Rückreise antraten.
[Illustration: FERDINAND MAGELLANUS.]
$Der Südwestweg nach Indien.$ Auf der zweiten portugiesischen Reise nach
Indien (Cabral 1500; vgl. Seite 60) war Brasilien entdeckt und in Besitz
genommen. In Lissabon erkannte man sofort, daß dieses Land als Station
für die Reisen nach Indien von großem Vorteil sein würde, und sandte 1501
eine Expedition, für die =Vespucci= als Teilnehmer gewonnen war, zur
näheren Erforschung aus. Aus einer Küstenfahrt vom Kap S. Roque bis zu
32° S. Breite und der der Spanier vom Amazonenstrom bis zum Golf von
Darien (Seite 68) gewann man die Überzeugung, daß man einen großen
Kontinent vor sich habe, und Vespucci wies zuerst auf die Möglichkeit
hin, durch seine Umsegelung Indien zu erreichen. Er unternahm selbst in
portugiesischem Dienst 1503 eine Reise zu diesem Zweck, kam jedoch nur
bis zur Bai von Bahia, veranlaßte aber 1508, als Reichspilot in
spanischen Dienst zurückgetreten, ein gleiches Unternehmen von dort aus.
Ungünstige Umstände, besonders Unfähigkeit und Uneinigkeit der Führer,
vereitelten den Erfolg; man kam nicht viel weiter als früher. Es war aber
doch festgestellt worden, daß die Küste Südamerikas bis 40° S.
südwestlich lief. Dies und die Entdeckung des Stillen Ozeans durch Balbao
1513 ließ den Plan Vespuccis durchführbar erscheinen und ermutigte den
Spanier Dias de Solis zu einem neuen Versuch; er kam indes nur bis zum La
Plata, wo er von Eingeborenen getötet wurde. Ihm folgte =Fernao de
Magalhaes=.
Magalhaes, ein Portugiese, hatte mehrfach Fahrten nach Indien
ausgeführt und als Offizier in Marokko gefochten; in Ungnade gefallen,
trat er aus dem Dienste und beschäftigte sich mit Kosmographie und
Nautik. Er verfolgte mit Aufmerksamkeit die ebengenannten Expeditionen
sowie die Fahrten der Portugiesen in Indien nach Osten, auf denen diese
die Molukken erreicht hatten. Da die portugiesischen Seeleute aus
Ruhmredigkeit die Entfernung von Malakka nach den Molukken sehr
übertrieben, kam Magalhaes auf den Gedanken, daß die allseitig
ersehnten Inseln schon in spanischem Machtbereich lägen, und erbot
sich, sie für Spanien auf dem Südwestwege aufzusuchen.
Am 20. September 1519 trat Magalhaes mit 5 Schiffen -- 2 zu 130 tons, 2
zu 90 tons, 1 zu 60 tons -- die Reise an. Er verfolgte die brasilianische
Küste vom Kap Augustin ab südlich und erforschte sie genauer -- besonders
die Bucht von Rio de Janeiro und die La Platamündung --, in der Hoffnung,
eine Straße nach dem von Balbao gefundenen Westmeere anzutreffen. Vom 31.
März bis 24. August 1520 überwinterte er im St. Julian-Hafen (49° 15'
S.). Wie alle seine Vorgänger auf ihren ersten großen Entdeckungsfahrten
hatte auch er mit der Zaghaftigkeit seiner Besatzungen zu kämpfen;
während des Winterquartiers kam es sogar zur offenen Meuterei eines
Teiles. Am 21. Oktober erreichte er nach Verlust eines Schiffes durch
Strandung das Kap Virgines und damit den Eingang der nach ihm benannten
Straße, deren Tiefenverhältnisse es bald nach dem Einsegeln
wahrscheinlich erscheinen ließen, daß man es diesesmal nicht mit einer
Bucht, sondern mit einer Durchfahrt zu tun habe. Wiederum verlangte jetzt
ein Teil seiner Untergebenen umzukehren und die weitere Lösung der
Aufgabe einer neu und besser ausgerüsteten Expedition zu überlassen, aber
Magalhaes blieb fest und setzte die Reise fort. Eines seiner besten
Schiffe, das er zur Untersuchung eines Nebenkanals entsendet hatte,
verließ ihn hier und kehrte nach Spanien zurück, während der Admiral
schon nach zwölf Tagen -- den Zeitverbrauch durch Untersuchung der
verschiedenen Wasserstraßen und Wiedersammeln der Flottille abgerechnet
--, am 28. November, bei Kap Pillar den =Stillen Ozean= erreichte.
Vom Kap Pillar aus richtete Magalhaes seinen Kurs gerade nach Norden,
behielt bis zu 47° S. Breite die Küste in Sicht und setzte erst auf 37°
S. seinen Kurs nach Nordwesten. Die westliche Begrenzung des
südamerikanischen Festlandes war hierdurch erkannt.
Bei schönem Wetter und günstigem Winde, deshalb »Stiller Ozean« benannt,
aber unter harten Entbehrungen wurde das große Weltmeer durchfahren.
Wasser und Proviant wurden knapp und kaum noch genießbar; Ratten und
selbst das zum Schutz in der Takelage angebrachte Schamfielingsleder
wurden gegessen, Skorbut trat infolgedessen auf und forderte Opfer. Der
Kurs führte zwischen den Paumotu- und Markesas-Inseln hindurch; von den
ersten wurde am 24. Januar 1521 ein unbewohntes Eiland (Puka-Puka?)
besucht und am 4. Februar auf einem zweiten (Flint?) eine zweitägige Rast
zum Fischen gemacht. Dann wurde die Reise zwischen den Gilbert- und
Marschall-Inseln und zwischen diesen und den Karolinen hindurch
fortgesetzt und nun der Kurs wieder nach Westen aufgenommen, bis man am
6. März auf die Ladronen (Guam und St. Rosa) stieß. Wohl wußte Magalhaes,
daß sein Ziel, die Molukken, unter dem Äquator lag, aber er zog es vor,
sich zunächst an Orten zu verproviantieren, die Schiffe auszubessern und
auszuruhen, wo er voraussichtlich noch nicht die Portugiesen antraf. Er
behielt deshalb den Westkurs bei und gelangte nach Ansegelung einiger
kleinen Inseln zu den =Philippinen= (Zebu). Die Kaufleute dort waren
bereits mit Portugiesen zusammengekommen, und man fand auch schon
arabische Händler vor. Obgleich von den Arabern als Portugiese
verdächtigt, wurde der Admiral doch von dem malaiischen Häuptling gut
aufgenommen, fiel aber beim Versuche, hier festen Fuß zu fassen und den
Häuptling als Vasallen Spaniens zum Oberherrscher der benachbarten Inseln
zu machen, in einem Kampfe auf der kleinen Insel Mactun.
Wenn Magalhaes auch sein Ziel nicht mehr erreicht hat, so ist seine
Expedition doch wohl =die größte nautische Tat jener Zeit=. Vasco da
Gamas Reise bildete nur den Abschluß einer Reihe von Unternehmungen,
die ihm schon tüchtig vorgearbeitet hatten, und die einzige große Fahrt
über See unternahm er mit Hilfe geübter Lotsen. Kolumbus fuhr zwar
wagemutig ins offene Meer, aber mit frischen Kräften und von Anfang bis
zu Ende unter günstigen Wind- und Wetterverhältnissen. Magalhaes
dagegen trat seine Reise in ein unbekanntes Weltmeer mit Schiffen an,
die schon eine für damalige Zeit ungeheuere Leistung hinter sich
hatten. So steht er von den drei kühnen Seeleuten wohl am höchsten da,
und er fand auch, während die Fahrten der beiden anderen sofort und
dann ununterbrochen wiederholt wurden, erst 50 Jahre später einen
Nachfolger in Drake durch dessen Weltumsegelung.
Nach des Admirals Tode verließ das Glück die Expedition, deren Führung
=Sebastian de Elcano= übernommen hatte. Infolge Verrates mußten die
Schiffe nach großem Verluste Zebu verlassen; das seeuntüchtigste Schiff
wurde wegen Mannschaftsmangels verbrannt, die beiden letzten Fahrzeuge
erreichten unter Führung Eingeborener Borneo (Stadt Brunei). Trotz guter
Aufnahme zuerst mußten sie auch von hier mit Zurücklassung einiger
Gefangener fliehen, segelten östlich um die Insel und kamen am 8.
November 1521 bei den =Molukken= (Insel Tidor) an. Hier stießen sie mit
den Portugiesen, die um diese Zeit auf der benachbarten Insel Ternate Fuß
faßten, zusammen, doch setzte man sich vorläufig friedlich auseinander,
und die beiden Schiffe nahmen reiche Ladung an Bord. Als man Mitte
Dezember die Weiterfahrt antrat, mußte ein Schiff wegen Seeuntüchtigkeit
zurückbleiben. Das letzte, die »Viktoria«, segelte am 21. Dezember mit
einer Besatzung von 47 Spaniern und 13 Indiern ab, erreichte über Timor
und Neu-Amsterdam die afrikanische Küste, umschiffte am 18. und 19. Mai
1522 das Kap und traf, nach den größten Strapazen und Entbehrungen,
Verlusten an Toten durch Krankheit und an Gefangenen (zuletzt noch beim
Besuch der Kapverden von den Portugiesen gemacht), am 6. September in
Spanien ein. Die erste Erdumsegelung war vollführt, nur 18 Europäer
hatten die nahezu drei Jahre dauernde Reise überstanden, jedoch soll die
Fracht an Gewürznelken des einen Schiffes die Kosten der ganzen
Expedition gedeckt haben.
Das auf Tidor zurückgebliebene Schiff verließ die Insel am 6. April
1522 mit einer Besatzung von 50 Spaniern. Man beabsichtigte, durch den
Stillen Ozean zurückzukehren, und steuerte nach Nordosten. Nach
monatelangem Umherirren war man aber genötigt, zu den Molukken
zurückzugehen und sich in den Schutz der Portugiesen zu begeben. Das
Schiff war wrack und nur noch 17 Spanier lebten. Sie und 12 Mann, die
als Ansiedler auf Tidor zurückgelassen und bei der endgültigen
Inbesitznahme Ternates durch die Portugiesen gefangen genommen waren,
wurden absichtlich in ungesunden Orten festgehalten und erst nach
langer Zeit nach Europa befördert. Nur drei Mann erreichten nach
mehreren Jahren Spanien.
Die =Kolonisation der auf dem Südwestwege entdeckten Länder= war zunächst
ziemlich bedeutungslos. =Brasilien= wurde von den =Portugiesen= im
wesentlichen nur als eine Station für ihre indischen Flotten geschätzt.
Der Handel dorthin war nur gering und wurde mehr von Franzosen betrieben,
die sogar um 1516 auf kurze Zeit festen Fuß gefaßt hatten. Erst als 1530
die Spanier am La Plata reiche Minen entdeckten, wuchs in Portugal das
Interesse für Brasilien. Man trat schärfer gegen fremden Handel auf und
gründete planmäßig Niederlassungen, indem man große Lehen (capitanias) an
Private gegen entsprechende Abgaben überließ. Jetzt begann die Kolonie
sich zu entwickeln. Das Land wurde in Kultur genommen; die Eingeborenen
behandelte man dabei ähnlich, wie die Spanier in ihren Besitzungen es
taten, auch führte man wie diese Neger ein. Städte wurden gebaut, und
nach und nach bildete sich ein lebhafter Handel mit dem Mutterlande aus.
Auch diese Kolonie hatte von der Mitte des 16. Jahrh. an unter Angriffen
der Engländer, Holländer und Franzosen zu leiden und Versuche der beiden
letzten, sich festzusetzen, abzuwehren.
Im Südosten Amerikas nahmen die =Spanier= vom =La Plata= aus die Länder
in Besitz. Die Kolonisierung begann mit der Gründung von Buenos-Ayres
(1534) und Asuncion (1537) und machte rasche Fortschritte, so daß bald
die Verbindung mit Peru und Chile hergestellt war und die Besiedelung der
La Plata-Staaten teilweise auch von dort geschah.
Der »Stille Ozean« gehörte zweifellos in den Machtbereich Spaniens, auf
die =Molukken= aber machten =beide= Nationen Anspruch. Eine 1524 zur
Regelung dieser Frage eingesetzte Kommission kam zu keinem Ergebnis, da
beide Parteien bei ihrer Ansicht über die Lage der Inseln zur
Demarkationslinie blieben und keine die Mittel besaß, der anderen ihre
Fehler zu beweisen; die Differenz der Ansichten betrug 46
Längengrade.[28]
[28] Die Insel Tidor liegt tatsächlich auf 127-1/2° O. Greenwich; die
Demarkationslinie war 131-1/2° O. Greenwich; Spanien nahm für
Tidor 158°, Portugal 112° O. Greenwich an.
Die Portugiesen hatten sich schon auf Ternate festgesetzt, die Spanier
beabsichtigten ein gleiches auf Tidor. In Mittelamerika wurde eifrig nach
einer Durchfahrt geforscht, um den weiten Weg abzukürzen, aber auch eine
Expedition zur Besitzergreifung wurde 1525 von Spanien durch die
Magalhaesstraße gesandt. Von sieben Schiffen gelangte jedoch nur eins, an
Mannschaft geschwächt und völlig seeuntüchtig, am 1. Januar 1527 nach
Tidor; die übrigen waren verloren oder versprengt; eins war nach Mexiko
gekommen, gewissermaßen auch ein Erfolg, weil hierdurch die westliche
Begrenzung Südamerikas mehr bekannt wurde. Die schwache Besatzung des
wohlbehalten eingetroffenen Schiffes befestigte sich auf Tidor und hielt
sich auch einige Zeit, da sie von Mexiko aus Unterstützung bekam; aber
von den drei dazu entsandten Schiffen war ebenfalls nur eins angekommen,
und sein Versuch, dann noch weitere Unterstützungen heranzuholen,
mißlang. Mehrfach versuchte es, nach Osten zurückzusegeln, immer mußte es
widriger Winde wegen umkehren und fiel schließlich den Portugiesen in die
Hände. Der Rest der Spanier, 16 Mann, wurde von Tidor nach Hamalhera
vertrieben und behauptete sich hier bis zum Abschluß eines Vertrages.
1529 verzichtete nämlich Spanien gegen eine Summe von 350000 Dukaten auf
die Inseln, die Demarkationslinie wurde auf 17 Längengrade östlich davon
angenommen. So war Portugal im alleinigen Besitz des Gewürzhandels und
blieb es bis zu seiner Verdrängung durch die Holländer. Die bedeutende
von Portugal gezahlte Abfindungssumme muß man aber wohl als einen Erfolg
der ersten Erdumsegelung für Spanien ansehen.
Die =Philippinen= hätten nach dem letzten Vertrage zur Erdhälfte
Portugals gehört, dennoch fielen sie =Spanien= zu. Von Mexiko aus wurden
von 1536 an Expeditionen dorthin entsendet, die auch verschiedene neue
Inselgruppen der Südsee und sogar (1545) Neuguinea berührten. Diese
Entdeckungen hatten aber weiter keine Folgen, und auch auf den
Philippinen wurde zunächst nichts erreicht. Den sich feindlich stellenden
Eingeborenen gegenüber waren die Unternehmungen zu schwach; man war stets
zur Proviantierung auf die Molukken und somit auf die Güte der
Portugiesen angewiesen, und die Schiffe fielen schließlich immer diesen
in die Hände, weil alle Versuche, nach Mexiko zurückzukehren, wie früher
an den widrigen Winden scheiterten; durch den Indischen Ozean aber nach
Europa zu segeln, verbot der Vertrag. Erst 1565 gelang es einer größeren
Flotte, auf Zebu festen Fuß zu fassen, und gleichzeitig ward der Rückweg
gefunden. Ein versprengtes Schiff entdeckte nämlich durch Zufall nördlich
von 40° N. Breite den günstigen Wind nach Mexiko; der Führer der Flotte
hatte diesen Weg gesucht in der Überzeugung, wie beim Atlantik nördlich
vom Passat westliche Winde anzutreffen. Damit war die Verbindung zwischen
Mexiko und den Philippinen hin und zurück gesichert; bald wurden alle
Inseln unterworfen, 1570 Luzon erobert und Manila gegründet; Portugal
fürchtete man auch nicht mehr, denn um diese Zeit war das kleine
Nachbarland erschöpft und seine Macht in Indien schon im Rückgange.
Für den Südwestweg nach Indien sind noch einige Punkte von nur
=geographischer Bedeutung= zu erwähnen. Die Berührung Neuguineas regte
an, den vermuteten =großen Südkontinent= zu suchen, als dessen
Nordküste man Neuguinea ansah. Am Ende des 16. und zu Anfang des 17.
Jahrh. entdeckten zu diesem Zweck von Peru ausgesandte Expeditionen
neue Inselgruppen der Südsee und auch die Torresstraße, doch sollten
erst spätere Zeiten diese Entdeckung wiederholen und verwerten; die
Kunde über die Torresstraße blieb sogar überhaupt ein in den Archiven
Manilas begrabenes Geheimnis (Cook entdeckte die Straße 1770 neu). 1616
umsegelten die Holländer zuerst das =Kap Hoorn= und fanden damit einen
günstigeren Weg zur Umschiffung Amerikas von Osten als die
Magalhaesstraße mit ihren beständigen Westwinden; 1642 umsegelte der
Holländer Abel Tasman von Mauritius aus =Australien= (und Tasmanien)
und stellte damit fest, daß dieser Kontinent, Neuholland getauft,
nicht mit dem großen Südpolkontinent zusammenhinge; das gleichfalls
gesichtete =Neuseeland= wurde nun lange Zeit (bis zu Cook 1770) für den
Ausläufer eines solchen gehalten.
$Der Nordwest- und der Nordost-Weg nach Indien.$ Der Gedanke, Indien auf
$nordwestlicher Bahn$ zu finden, wurde zuerst in England gefördert, aber
die Anregung hierzu gab wieder ein Italiener. =Giovanni Cabotto= (=John
Cabot=), Genueser von Geburt, später venetianischer Bürger, ließ sich
1490 in Bristol nieder. Bristol war durch seinen Stockfischhandel nach
Südeuropa schon ein berühmter Hafen geworden. Englische und dänische
Fischer besuchten seit Anfang des 15. Jahrh. bereits regelmäßig Island,
und aus Island stammten Überlieferungen von den alten Normannenfahrten
nach Ländern im Westen des Atlantischen Ozeans. Schon von 1491 an
unternahmen Bristoler Kaufleute auf Anregung Cabots Entdeckungsfahrten
nach dem Westen, 1496 erhielt er auch vom König Unterstützung und ein
Patent, das ihn gegen eine Abgabe ermächtigte, unter königlicher Flagge
zu fahren, zu entdeckende Länder in Besitz zu nehmen und sie im Namen des
Königs zu regieren. Im Mai 1497 trat er die Reise an und erreichte
Amerika am Johannistage wahrscheinlich beim Kap Bonavista; er segelte
dann die Küste von =Labrador= entlang, bis ihn Treibeis zur Umkehr zwang.
Schon Anfang August traf er wieder in Bristol ein. 1498 folgte eine
zweite Fahrt mit 5 Schiffen, doch ist von ihrem Ergebnis nichts Sicheres
bekannt, ebensowenig von einer späteren seines Sohnes Sebastian, der
nachher für lange Jahre in spanische Dienste trat. In den nächsten Jahren
folgten andere Schiffe, auch französische und portugiesische, den Spuren
Cabots nach =Neuschottland=, =Neufundland= und Labrador. Man lernte den
Fischreichtum dieser Küsten kennen, und Fischer der genannten Nationen
begannen dort ihre Tätigkeit. Zur eigentlichen Besiedlung erschien das
Land aber zu rauh und zu arm. Größere Unternehmungen ruhten etwa 20
Jahre, bis die Erfolge Magalhaes' wieder den Wunsch nach einer nördlichen
Durchfahrt bei den Völkern wachriefen, die sich noch nicht recht in den
Machtbereich der Spanier und Portugiesen wagten. Wir finden dann neue
Versuche Frankreichs (z. B. 1524 der Florentiner Verrazano in
französischem Dienste) und Englands (von 1527 an) zur Erforschung der
Küste; alle erreichten nur etwa 53° N. Breite, jedoch wurde die Küste von
hier bis zu 34° N. Breite (besonders durch den Franzosen =Cartier= 1534)
genauer bekannt.
So war man bis an die Entdeckungen der Spanier im Süden herangekommen;
die =Ostküste Nordamerikas= war festgelegt und sollte bald das Ziel der
Kolonisation von Frankreich, England und Holland werden. Neue Versuche,
den Weg nach Indien zu finden, wurden dagegen erst wieder nach einer
Pause von 50 Jahren gemacht: die früh angetroffenen Eismassen hatten
abgeschreckt. Die Engländer unter Elisabeth nahmen sie erst wieder auf,
doch wurde in dem Zeitabschnitt von 1576-1632 das Ziel ebensowenig
erreicht; durch die verschiedenen Entdeckungsfahrten hatte man aber von
den polaren Küstensäumen Amerikas ein wesentlich klareres Bild gewonnen.
Die Namen der großen Seeleute, die diese Unternehmungen leiteten, sind in
der Karte verewigt: =Frobisher= (1576-1578), =Davis= (1585-1587),
=Hudson= (1609-1611), =Baffin= (1614-1616), =Fox= und =James= (1631 bis
1632).[29] Dann trat gar eine Pause von nahezu 200 Jahren (bis 1818) ein,
und erst 1850 (Mac Clure) wurde das Vorhandensein eines Wasserweges von
der Baffinsbai bis zur Beringsstraße festgestellt.
[29] Genaueres über diese Expeditionen siehe Clowes, Teil 1 und 2 in
den Kapiteln Voyages and Discoveries.
Unternehmungen, Indien auf einem $Nordostwege$ zu erreichen, begannen
erst um 1553. Es könnte dies befremden, aber man nahm bis dahin im Westen
und Süden Europas an, daß das Festland Europas mit Grönland
zusammenhinge. Vom Bestehen einer Küstenschiffahrt von der Nordwestküste
Norwegens bis zum Weißen Meere und vom Weißen Meere bis zum Karischen
Meerbusen erfuhr man erst um 1549 durch das Werk eines deutschen
Gesandten in Moskau. Wahrscheinlich hierdurch angeregt, rief =Sebastian
Cabot= bei seiner Rückkehr nach England eine Gesellschaft englischer
Kaufleute -- später die moskowitische Handelsgesellschaft genannt -- ins
Leben mit dem Zweck, auf dem nordöstlichen Wege Länder dem Handel zu
öffnen, zu denen der Einfluß der Hansa nicht reichte, und womöglich um
den Norden Europas herum nach Indien zu gelangen. Die Holländer folgten
bald nach. Das Hauptziel ist bekanntlich auch hier nicht erreicht und
Kolonien sind nicht gegründet worden; auch der Handel wurde nie
bedeutend.
Eine erste englische Fahrt 1553 unter Sir Hugh Willoughby kam bis zum
=Weißen Meere=, von wo aus man mit Moskau in Verbindung trat, eine zweite
bis Nowaja Semlja, eine dritte 1580 bis zum =Karischen Meer=; weiter
kamen auch die Holländer bei verschiedenen Expeditionen 1566-1599 nicht.
Beide Nationen trieben aber regelmäßigen Handel mit und an den
neuentdeckten Gestaden und gründeten dort Agenturen, die bedeutendsten
seit 1584 in =Archangel=.
Die Versuche, Indien zu erreichen, wurden im Anfange des 17. Jahrh., als
die holländisch-ostindische Kompagnie gegründet war und den Handel mit
Indien auf dem Südost- und Südwestwege allein in der Hand hatte, von
holländischen Kaufleuten, die dieser Kompagnie nicht angehörten,
erneuert, später von der Kompagnie selbst und von der englischen
moskowitischen Gesellschaft fortgesetzt. Aber man kam nicht weiter als
früher, auch Versuche, von Nowaja Semlja aus oder längs der Ostküste
Grönlands über den Nordpol zu steuern, scheiterten an den
unüberwindlichen Eismassen, und so wurde im Nordosten wie im Nordwesten
der Plan für lange Zeit, für 250 Jahre (Nordenskiöld und Palander,
1878-1879), aufgegeben.
Die Versuche, den Nordostweg zu finden, brachten aber ein sehr wichtiges,
praktisches Ergebnis. Es wurde =Spitzbergen= entdeckt und der Reichtum
seiner Gewässer an Walen und Robben erkannt.
Schon von 1597 an sandten die Engländer vereinzelte Schiffe zum Fang
nach dem hohen Norden, wobei ihnen Basken -- erfahren in Fang des
damals noch vorhandenen Biskaya-Wals -- als Lehrmeister dienten. Von
1608 an wurde die =Fischerei= in größerem Maßstabe betrieben, und 1611
erhielt die moskowitische Gesellschaft das alleinige Recht dazu sowohl
englischen als fremden Fischern gegenüber. Trotzdem erschienen 1612
auch die Holländer, neben ihnen Basken und Franzosen dort, und es
entspann sich hier nun ein jahrelanger regelrechter Kampf, bis im Jahre
1627 ein Vertrag den Engländern den Südwesten, den Holländern den
Nordwesten der Inseln als Fischereibezirk zusprach.
Das Heraustreten der Engländer und Holländer (Franzosen) in die
Ozeane.[30]
Um die Mitte des 16. Jahrh. waren die Ozeane mit Ausnahme der
nördlichsten und südlichsten Gewässer befahren und die Entdecker auf den
verschiedenen Wegen nach Indien überall zusammengestoßen; unbekannt waren
nur noch die arktischen Regionen, die Westküste Nordamerikas, die
Nordküste Asiens und Australien. Spanien und Portugal, die
Hauptentdecker, hatten sich in der Beherrschung der ergiebigsten Gebiete
der neuerschlossenen Erde geteilt und zogen reichen Gewinn aus den
überseeischen Besitzungen oder aus dem Monopol des Seehandels nach den
neuen Ländern. Sie sollten sich aber nicht lange ungestört dieser
Vorteile erfreuen; bald erwuchsen ihnen gefährliche Mitbewerber in den
=neu aufblühenden Seemächten England, Holland= und bis zu einem gewissen
Grade auch Frankreich. Holland und England waren seit Ende des 15. Jahrh.
als Nebenbuhler der =Hansa= in den nordischen Gewässern aufgetreten, die
bekanntlich im Laufe des 16. Jahrh. ihre Bedeutung und Macht verlor. An
ihrem Rückgange waren nicht vorwiegend, wie oft gesagt, die Umwälzungen
im Welthandel durch die Entdeckungen schuld. Diese sind in der 1. Hälfte
des 16. Jahrh. noch nicht tiefgreifend genug gewesen; Spanier und
Portugiesen, die Völker der Entdeckungen, sind nie nach dem Norden
gekommen; nicht diese, sondern Holländer und Engländer wurden die Erben
der Hansen. An der ersten Folge der Entdeckungen, nämlich der zunehmenden
Schiffahrt vom Norden nach der Pyrenäischen Halbinsel, beteiligte sich
die Hansa in demselben Maße wie England und Holland. Sie sank, als die
skandinavischen Reiche sowie England erstarkten und die hansische
Handelsherrschaft abschüttelten, gleichzeitig wuchs die Macht des
deutschen Fürstentums und strebte erfolgreich danach, die verlorene
Herrschaft über die deutschen Städte im allgemeinen wiederzugewinnen. Die
Aufgabe des hansischen Städtebundes, seine Herrschaft auf der See zu
verteidigen und seine politische Unabhängigkeit zu wahren, wurde zu groß
für die immer kleiner werdende Zahl der Städte; unglückliche Seekriege
offenbarten die innere Schwäche des Bundes und untergruben die Achtung
vor seiner Macht. Die nordischen Staaten begünstigten die neuen Händler,
Holländer und Engländer, und beschnitten die der Hansa gewährten Rechte,
wie es auch Elisabeth in England tat. Wenn die Hansen zu Anfang des 16.
Jahrh. die Ostsee als ihr Meer ansehen konnten, so waren sie an seinem
Ende dort nur noch geduldet.
[30] Hauptquellen: Zimmermann, Band 1-5; Clowes, Teil 1 und 2, Kapitel
Military History and Voyages; de Jonge, Teil 1; Nauticus 1900 und
1901; Rodenberg.
Um diese Zeit erlitten die Hansen nun noch zwei schwere Einbußen: die
Heringszüge wandten sich nach der Nordsee und wurden die Beute der
englischen und noch mehr der holländischen Fischer; diese betrieben den
=Heringsfang= 1634 mit 2500 bis 3000 Fahrzeugen, selbst an den Küsten
Schottlands, und erzielten daraus einen jährlichen Gewinn von 20
Millionen Mark. Ferner zog sich ein großer Teil des russischen Handels
infolge der nordischen Kriege in der Ostsee nach den von den Engländern
und Holländern gegründeten Agenturen in Archangel.
Mit dem Niedergange der Hansa wuchs die Schiffahrt Englands und Hollands
seit der Mitte des 16. Jahrh. ganz bedeutend. Während im Jahre 1531 nur
310 holländische Schiffe nach der Ostsee gefahren waren, liefen im April
1587 gegen 800 dahin aus, und 1640 sollen gar 1600 den Sund passiert
haben; der englische Handel erreichte hier um diese Zeit bei weitem nicht
denselben Umfang, den 1600 holländischen Schiffen stehen nur 430
englische gegenüber.
Auch der Verkehr beider Nationen nach dem Süden und dem Mittelmeer wuchs
an, wiederum besonders der der Holländer. Diese hatten bald den
Zwischenhandel zwischen der Pyrenäischen Halbinsel und dem Norden in die
Hand genommen und trotz ihres Krieges mit Spanien erweitert; als ihnen im
Verlauf des Krieges die Häfen der Halbinsel geschlossen wurden, setzten
sie den Handel mittels Schmuggel fort, der Ausschluß von Spanien führte
auch ihre Schiffe mehr ins Mittelmeer. Von dem Bestreben der beiden
jungen Seemächte und Frankreichs, im Norden Wege nach Indien zu finden,
hörten wir bereits, auch wie dieses die Entwicklung einer blühenden
Hochseefischerei an verschiedenen Stellen mit sich brachte.
Die Tätigkeit auf allen diesen Gebieten in den nordischen Gewässern mit
ihren Beschwerden und Gefahren war für die Holländer und Engländer eine
gute Schule zur Ausbildung ungemein tüchtiger Seeleute, die sich bald
stark genug fühlten, die Macht und die auf päpstlichen Bullen fußenden
Rechte der Spanier und Portugiesen nicht mehr zu achten. Ihre Schiffe
erscheinen in den südlichen Meeren; zunächst sind es bewaffnete
Kauffahrer der Engländer, von den Spaniern Piraten genannt, die einzeln
und in Geschwadern -- in Kriegszeiten mit Kaperbriefen versehen und von
der Regierung unterstützt -- die mit Edelmetallen und Tropenerzeugnissen
heimkehrenden Schiffe und die Kolonien bedrohen, später treten bewaffnete
kaufmännische Expeditionen beider Völker zur Gründung von Niederlassungen
und Anknüpfung von Handelsverbindungen hinzu; eine endlose Reihe von
kleinen und großen Zusammenstößen in allen Teilen der Welt ist die Folge.
Dieser Kampf gegen die Spanier und Portugiesen wird geschürt durch
Glaubenshaß, die große Frage des Zeitalters, und ist bei den Holländern
gleichzeitig der auf das Meer übertragene Streit gegen ihre Unterdrücker,
in dem England ihnen als Bundesgenosse zur Seite steht.
[Illustration: Francis Drake.]
Von $England$ aus unternahm schon zwischen 1530 und 1540 William Hawkins
mit einem Schiff von 250 tons drei erfolgreiche Reisen nach Guinea und
Brasilien und brachte Gold, Elfenbein und wertvolle Naturerzeugnisse
heim. Seinem Beispiele folgten andere; lange Fahrten, schlechte
Verpflegung, Skorbut, außer den Gefahren zur See Zusammenstöße mit den
Portugiesen machten auch diese Reisen zu einer Schule für die englischen
Seeleute, besonders für die Kapitäne. Die Unternehmungen mehrten sich
unter Elisabeth, die ja auch die Entdeckungen im Norden und die
Hochseefischerei förderte, und wurden bald in kleinen Geschwadern und mit
größeren Schiffen ausgeführt. Sie erzielten besonders großen Gewinn, als
mit ihnen der Negerhandel von Afrika nach Westindien verbunden wurde.
1562 brachte John Hawkins, Sohn des eben Genannten, mit 3 Schiffen zu 120
und 100 tons die ersten Sklaven hinüber, 1565 mit 4 Schiffen, worunter
schon eins von 700 tons war. Auf einer dritten Reise 1568 hören wir, daß
sich die Engländer zum ersten Male die Erlaubnis zum Handel in Rio de la
Hacha und Cartagena mit Waffengewalt erzwingen und infolgedessen in San
Juan de Ulloa, Mexiko, von den Spaniern überfallen und teilweise
vernichtet werden. Damit beginnt die =englische Freibeuterei=[31] in
größerem Maßstabe. Einer ihrer berühmtesten Führer, =Francis Drake=, war
Kapitän eines der Schiffe Hawkins' gewesen; er soll den Spaniern Rache
geschworen haben für die grausame Behandlung seiner Kameraden, die der
Inquisition in die Hände gefallen waren. Es heißt in England: »Ob Krieg
ob Friede zwischen England und Spanien, Krieg zwischen Drake und den
Landsleuten der Inquisition war stets hinfort.«
[31] Besonders in Clowes, Teil I, viel über die Freibeuterzüge.
Im Jahre 1572 erschien er mit drei kleinen Schiffen -- zu 70, 25 tons und
einem noch kleineren -- sowie drei auseinanderzunehmenden Pinassen, wozu
noch ein einzelner Freibeuter stieß, am Isthmus von Panama und griff
Nombre de Dios an, von wo aus die Reichtümer Perus nach Europa verschifft
wurden. Abgeschlagen gelang es ihm dennoch, mit Hilfe von entlaufenen
Sklaven (Indianern), auf dem Isthmus den Silbertransport abzufangen. Bei
dieser Gelegenheit sah er den Stillen Ozean und betete zu Gott, »to give
him life and leave, once to sail an english ship on that sea.«
Als ein Beispiel der Kühnheit englischer Freibeuter dieser Zeit
folgender Vorfall: Drake kehrte nach England als reicher Mann zurück
und tat einige Jahre in Irland Dienst. In dieser Zeit rüstete sein
Leutnant =John Oxenham= ein Schiff von 140 tons aus, um das eben
gelungene Wagnis zu wiederholen. Da er hörte, daß die Transporte jetzt
stets von starker Bedeckung begleitet würden, beschloß er, sich der
Schätze Perus schon auf dem Wege nach Panama zu bemächtigen. Er
marschierte über den Isthmus, baute an der Westküste eine Pinasse und
fing wirklich im Stillen Ozean, den er also als erster Engländer
befuhr, zwei reichbeladene Schiffe. Da er aber die Besatzung entkommen
ließ, wurde er vor seinem Rückmarsch über den Isthmus überfallen, ein
Teil seiner Leute blieb im heftigen Kampf, er selbst mit dem Rest wurde
in die Bergwerke von Lima geschickt.
Im Jahre 1577 erhielt Drake die Mittel, seine Hoffnung zu erfüllen. Er
segelte am 13. Dezember mit fünf Schiffen -- sein Flaggschiff »Pelican«,
auf der Reise »Golden Hind« umgetauft, zu 100 tons, ferner je eins zu 80,
30, 50, und 15 tons --, aber ein Sturm nach Passieren der Magalhaesstraße
zerstreute das Geschwader; zwei Schiffe gingen verloren, zwei kehrten
nach England zurück, und nur mit dem Flaggschiff erreichte Drake Callao.
Während seiner weiteren Fahrt nahm er zwei reiche Kauffahrer weg und
suchte die Küste bis 48° N. Breite, weiter als die Spanier bisher
gekommen waren, nach einer Durchfahrt ab; dann segelte er als =erster
englischer Weltumfahrer= durch den Stillen und den Indischen Ozean heim.
Am 26. September 1580 traf er in Plymouth ein; die Königin Elisabeth
speiste bei ihm an Bord des »Golden Hind« und schlug ihn zum Ritter.
Dieses erste Erscheinen der =Engländer im Stillen Ozean= erregte
natürlich in Spanien und seinen Kolonien Furcht und Zorn, doch
beantwortete Elisabeth einen Protest dagegen mit der Erklärung, sie
erkenne die durch Bullen verliehenen Rechte nicht an und würde nur
wirklich besetztes Land als spanisches Eigentum achten. Spanien machte
infolgedessen Versuche, die östliche Einsegelung in die Magalhaesstraße
durch befestigte Niederlassungen zu sperren und spätere Expeditionen
schon im Atlantik abzufangen. Solche Expeditionen folgten bald.
1582: 1 Schiff zu 400, 1 zu 300, 1 zu 40 tons, eine Pinasse; doch mußte
man nach Zusammenstoß mit den Spaniern schon in Brasilien umkehren;
1586: 1 zu 120, 1 zu 60, 1 zu 40 tons; man kam bis Mexiko, plünderte
Städte, zerstörte Schiffe, nahm ein Silberschiff zu 700 tons, umsegelte
ebenfalls die Erde und kehrte 1588 nach Verlust der beiden kleineren
Fahrzeuge zurück (Thomas Cavendish); 1589, außer der Brandschatzung von
Bahia ein Mißerfolg; 1593 ging wieder ein Hawkins, Richard, in der
dritten Generation, mit einem Schiff von 350 tons zur Westküste
Amerikas, plünderte zahlreiche Warenhäuser und machte reiche Prisen,
erlag aber schließlich der spanischen Übermacht.
Weit gefährlicher aber als dieses Erscheinen vereinzelter Schiffe an der
Westküste Amerikas wurde den Spaniern das Auftreten der =Engländer in
Westindien= und im =Atlantik=. Der Ausschluß vom Handel in Westindien und
die verlockende Nähe der reichen spanischen Besitzungen reizten die
englischen Seefahrer, sich für die ihnen entgehenden Vorteile auf
unrechtmäßigem Wege durch Wegnahme spanischer Schiffe und Plünderungszüge
zu entschädigen. Den ersten Zügen Hawkins' und Drakes folgten andere,
Drake selbst brandschatzte 1585 nochmals St. Domingo, Cartagena und die
Niederlassungen in Florida. Von diesem Jahre an, in dem sich Elisabeth
offen auf die Seite der in Aufstand getretenen Niederlande stellte, war
außerdem offener Kriegszustand zwischen den beiden Nationen; man kann nun
die englischen Raubzüge nicht gut mehr Piraterie nennen, denn die Schiffe
waren mit königlichen Patenten zur Schädigung des Feindes versehen. Drake
erhielt als erster ein solches, und Privatpersonen wurden sogar
königliche Schiffe zu Kaperzwecken zur Verfügung gestellt. Ganz besonders
mehrten sich diese Unternehmungen, als Macht und Ansehen der
spanisch-portugiesischen Seemacht infolge der Armadakatastrophe gesunken
war und England energisch den Krieg auf dem Meere gegen Spanien führte.
Private Züge mit königlichen Patenten und Unternehmungen der Kriegsmarine
lassen sich jetzt kaum auseinanderhalten: in den Geschwadern der ersteren
werden Kriegsschiffe als Kern verwendet und die königlichen Flotten
enthalten wiederum viele, oft sogar in der Mehrzahl, geheuerte Kauffahrer
(vgl. S. 133 »England nach Abwehr der Armada«). Auch Englands
Ansiedelungsversuche in Nordamerika und Westindien gingen nicht ohne
Gewalttätigkeiten ab, so daß um das Ende des 16. Jahrh. Spaniens Seefahrt
und seine Kolonien ununterbrochen den Angriffen englischer Einzelschiffe
und Geschwader ausgesetzt waren, bis endlich mit dem Friedensschluß 1604
und dem Verbot Jacobs I., spanische Schiffe aufzubringen, wenigstens die
größeren Züge dieser Art aufhörten.
In der ersten Hälfte des 17. Jahrh. beginnen dann aber =kaufmännische und
kolonisatorische Unternehmungen= in Asien und Amerika; so erfolgte $das
Auftreten der Engländer in Indien$ und führte trotz des Friedens in
Europa zu weiteren Kämpfen mit Portugal.
1587 hatte Drake bei den Azoren einen großen portugiesischen
Ostindienfahrer »San Felipe« aufgebracht, der eine Ladung von 2
Millionen Mark an Wert führte. Aber wichtiger war, daß auf ihm Papiere
gefunden wurden, die genauen Aufschluß über die Art des Betriebes des
ostindischen Handels sowie über den enormen Gewinn, den er abwarf,
gaben; diese Umstände waren ebenso wie Karten und Segelanweisungen der
indischen Gewässer von den Portugiesen stets geheim gehalten. Es soll
dieser Fund viel dazu beigetragen haben, die Engländer nach Indien zu
führen.
Schon im Jahre 1591 segelte eine erste Expedition von 3 größeren Schiffen
unter =James Lancaster= nach Indien. Zwar gingen sämtliche Fahrzeuge nach
vielen Abenteuern verloren, aber man hatte doch das Ziel erreicht,
verschiedene reiche portugiesische Schiffe genommen und war mit dem
Sultan von Atchin, dem größten Feinde Portugals, in Verbindung getreten;
Lancaster selbst kam wohlbehalten zurück. Eine zweite Expedition 1596
hatte keinen Erfolg. Am 31. Dezember 1600 (nach Clowes 1599) erhielt eine
Gesellschaft von Kaufleuten als =ostindische Kompagnie=[32] den
königlichen Freibrief mit verschiedenen Rechten zum Handel nach Indien.
Im Februar 1601 (nach Clowes 1600) verließ ihr erstes Geschwader -- 1
Schiff zu 600 tons, 1 zu 260, 1 zu 240 nebst 2 oder 3 Proviantschiffen --
unter Lancaster mit Briefen der Königin an die indischen Fürsten,
besonders an den Sultan von Atchin, England, schloß Handelsverbindungen,
gründete Faktoreien in =Atchin= und =Bantam= und kehrte September 1603
(1602) zurück. Eine zweite Reise derselben Schiffe (März 1604) verlief
ebenso günstig, beide warfen einen Gewinn von 95% ab; auf Fahrten 1606,
1607 und 1608 wurde ein noch höherer erzielt. Einige Mißerfolge
abgerechnet, wuchs die Macht der Kompagnie schnell, besonders als man
sich nach dem Festlande, zunächst der Westküste Vorderindiens, wandte, wo
man von den bald auch in Indien erschienenen Holländern weniger gestört
wurde; überall machte man sich die Unzufriedenheit der Eingeborenen mit
den Portugiesen geschickt zunutze. 1612 wurde eine Faktorei in =Surat=
errichtet, Kompagnie und Regierung traten mit dem Großmogul in
freundschaftliche Verbindung. Jahr für Jahr folgten sich die Reisen; 1618
betrug die Zahl der Schiffe der Kompagnie schon 36. Ihre Größe war
200-600 tons, besonders beliebt scheinen solche zu 500 tons, 20-30
Geschütze mittleren Kalibers, 200 Mann, ähnlich den Kriegsschiffen der
Zeit, gewesen zu sein. Zusammenstöße mit den Portugiesen in wirklichen
Seegefechten von Geschwadern zu 4-8 Schiffen fielen meist zugunsten der
Engländer aus; wenn auch die Portugiesen an Zahl und Größe der Fahrzeuge
häufig überlegen waren und noch über die erwähnten (Seite 63) großen
offenen Boote verfügten, so waren ihre Schiffe doch nicht so
gefechtskräftig und wurden auch wohl weniger geschickt geführt und
bedient.
[32] Näheres in Clowes I und II, Kapitel »Voyages«; Zimmermann II, auch
besonders über die kriegerischen Ereignisse; die Gefechte selbst
in Clowes II, >Military history<.
Gefährlicher wurden der Kompagnie die Holländer, die den Engländern nach
Indien gefolgt und dort bald weit mächtiger geworden waren. Beide
Nationen taten sich gegenseitig sowohl mit Gewalt wie durch Beeinflussung
der einheimischen Fürsten möglichst viel Abbruch. Von 1619 an gingen sie
zu beiderseitigem Vorteil auf kurze Zeit zusammen gegen Portugal vor: Sie
setzten eine gemeinsame Behörde, "Council of defence", ein, organisierten
eine Flotte von 20 gemeinschaftlich gestellten Kriegsschiffen und teilten
sich die Kosten der Garnisonen an Plätzen, wo sie beide interessiert
waren; sie einigten sich über Handelsgebiete und verabredeten, den Handel
nach China, Japan und den Philippinen -- der übrigens von den Engländern
bald für längere Zeit wieder aufgegeben wurde -- gemeinsam zu betreiben.
Wie viel mächtiger Holland war, kann man daraus ersehen, daß im Jahre
1622 28 englischen Schiffen 83 holländische Fahrzeuge gleichzeitig auf
der Station gegenüberstanden. So beanspruchten die Holländer denn auch,
aus dem Vertrage den größeren Vorteil zu ziehen. Schon 1623 war die
feindselige Stimmung schlimmer als je zuvor; im Februar dieses Jahres
wurden im holländischen Amboina 10 dort angesessene Engländer mit ihren
Dienern unter der Anschuldigung, sich mit den Eingeborenen gegen die
Holländer verschworen zu haben, von diesen gefoltert und hingerichtet.
Diese »=Amboina-Affäre=« führte zu Vergeltungsmaßregeln seitens Englands
selbst in den europäischen Gewässern und sollte später einer der Gründe
des ersten holländisch-englischen Krieges werden.
In den nächsten Jahren erzielte die englisch-ostindische Kompagnie
eigentlich nur Erfolge den Portugiesen gegenüber. Ihnen wurde ein
Handelsgebiet nach dem andern, besonders auf dem Festlande,
abgenommen.[33] Der schwerste Verlust wurde ihnen aber dadurch zugefügt,
daß man 1622 die Perser bei der Eroberung des wichtigen Platzes =Ormuz=
unterstützte. Reibungen mit Holland vermied man nach Möglichkeit, indem
man seinem Hauptgebiet, der Inselwelt, fernblieb und dort schon Besetztes
größtenteils wieder aufgab.
[33] Es wurden z. B. Faktoreien an der =Koromandelküste= und in
=Bengalen= gegründet.
Im Vergleich mit Holland war zu Ende des geschilderten Zeitabschnittes
der Einfluß Englands in Indien noch gering; außer einigen Faktoreien mit
schwachen Forts besaß die Kompagnie kein Eigentum. Von 1636 an hatte sie
auch unter dem Wettbewerb einer zweiten Gesellschaft, der Courtenschen,
zu leiden, die gleichfalls Rechte erhalten hatte und Faktoreien anlegte,
bis sie 1649 mit der ostindischen Kompagnie verbunden wurde. In arge
Bedrängnis versetzten endlich die Kompagnie, die auf eine Unterstützung
aus der Heimat nicht rechnen konnte, die überlegenen Holländer während
des ersten englisch-holländischen Krieges. Bis zu ihrer Erstarkung und
Blüte verging noch manches Jahr.
$Das Festsetzen der Engländer in Nordamerika$ begann mit der gewaltsamen
Inbesitznahme der Fischerei auf den Neufundlandbänken. Diese hatte sich
so entwickelt, daß 1578 dort etwa 50 englische, 100 spanische, 30
baskische, 100 portugiesische und 150 bretagnische Fahrzeuge fischten.
Königin Elisabeth unterstützte die Hochseefischerei in jeder Hinsicht,
sie hatte sogar 1563 angeordnet, daß jeder Engländer Mittwochs und
Sonnabends Fisch essen solle, wie die Akte besagt, »zur Förderung der
Fischer und Seeleute, der Häfen und der Schiffahrt«. 1583 wurde nun von
=Neufundland= (St. Johns), wo schon eine Fischerkolonie bestand,
feierlich Besitz genommen, bei Ausbruch des Krieges mit Spanien 1585
legte man auf alle spanischen und portugiesischen Fischerfahrzeuge
Beschlag und nahm die Besatzungen gefangen; damit waren diese Nationen
vom Fischereibetrieb ausgeschlossen.
1584 erhielt =Walter Raleigh= ein Patent zur Besitzergreifung aller zu
entdeckenden Länder in Amerika, die noch nicht im Besitz christlicher
Fürsten seien. Seine ersten Niederlassungen in Nordcarolina (Roanoke)
hatten aber keinen dauernden Bestand; erst als 1606 zwei Kompagnien, die
von Plymouth und die von London, das Besiedlungsrecht für Nordamerika
erhielten -- die eine von 42°-45° N., die andere von 34°-38°, die
dazwischen liegende Küste war beiden zugestanden --, kam die Kolonisation
vorwärts, wenn auch anfangs nur langsam infolge gegenseitiger Eifersucht
und Kämpfe mit Indianern und mit benachbarten Niederlassungen der
Holländer und Franzosen. Die ersten Ansiedelungen wurden an der
Chesapeake-Bai (Virginia) und am Kennebec-Flusse (Maine) gegründet;
andere Gesellschaften folgten, so daß bis 1635 =die ganze Küste von
Virginia bis Maine= von Engländern besiedelt war, geteilt in eine Anzahl
Kolonien, fast genau den jetzigen Küstenstaaten der Union entsprechend,
mit getrennter, sogar bald dem Mutterlande gegenüber ziemlich
selbständiger Verwaltung. Nur am Delaware und am Hudson bestanden um
diese Zeit noch einige holländische und eine schwedische Niederlassung,
die erst um 1664 an England fielen. Im Norden der englischen Kolonien
waren Acadia (Neubraunschweig und Neuschottland) und Kanada in
französischem Besitz, und auch Neufundland war nicht allein von
Engländern, sondern auch von Franzosen besiedelt, so daß es trotz
formeller Besitzergreifung zu dieser Zeit noch nicht als englische
Kolonie angesehen werden kann. Carolina, zum spanischen Florida gehörig
und von französischen Hugenotten aufgesucht, wurde zwar bald auch von
Engländern, hauptsächlich von Virginien aus, bevölkert, kann aber erst
vom Ende des 17. Jahrh. an als englische Besitzung betrachtet werden.
Virginia und die sogenannten Neuenglandstaaten (New Hampshire,
Massachusetts, Connecticut, Rhode Island) entwickelten sich mehr und
mehr; Virginia besonders nach Einführung des Tabakbaues mit Hilfe von
Negersklaven, von den Neuenglandstaaten vorzüglich die, wohin sich aus
England ausgewiesene Puritaner wandten, wie z. B. Massachusetts.
Versuche Raleighs, 1594-1617 in =Südamerika= (Guayana) Niederlassungen zu
gründen, und spätere hatten keinen dauernden Erfolg; erst 1652 gelang es,
hier festen Fuß zu fassen. Dagegen nahm England in der ersten Hälfte des
17. Jahrh. noch von einigen $westindischen Inseln$ Besitz. In den Jahren
1605-1630 wurden St. Lucia, St. Christopher (dieses mit Franzosen
gemeinschaftlich), Barbados, Tabago, St. Martin, Nevis, Tortuga, Antigua
besiedelt. Einige dieser Kolonien hatten anfangs viel von spanischen
Angriffen zu leiden und gingen zeitweise wieder verloren, andere blühten
schnell auf, so besonders =Barbados=. Die für die Zukunft wichtigste
Besitzung in Westindien erlangte England 1655 durch Eroberung der
langbegehrten Insel =Jamaica=. Auf dem Wege nach Amerika ist auch 1612
die erste Kolonie auf den =Bermudas= gegründet, die sich ungestört
schnell entwickelte und schon 1619 ihr Parlament hatte. Von hier wandte
man sich 1646 nach den Bahamas, wurde von dort aber später von den
Spaniern wieder vertrieben.
$Holland$ ging, obgleich es in den europäischen Gewässern die Engländer
überholt hatte, doch erst später als diese auf die Ozeane hinaus. Zwar
soll schon 1585 dafür Stimmung gemacht worden sein, Spanien in seinen
Kolonien anzugreifen, aber man getraute es sich noch nicht. Als aber nach
der Armada-Katastrophe der eigentliche, bisher nur in den Küstengewässern
geführte Krieg auf die offene See überging, ja sogar im Verein mit
England an die feindlichen Küsten getragen wurde, wuchs die Zuversicht
und Unternehmungslust. Die Erfolge der englischen Freibeuter und die
Beeinträchtigung des Zwischenhandels durch Schließen der
spanisch-portugiesischen Häfen veranlaßte auch die Holländer, dem
Beispiel der Engländer zu folgen, den feindlichen Handel auf dem Ozean zu
stören, in den fernen Weltteilen Handelsverbindungen selbst zu suchen und
Kolonien zu gründen.
Die Haupterfolge errang man in $Indien$, wo England bald überflügelt
wurde. 1595 unternahm =Cornelis Houtman= im Auftrage einer
Handelsgesellschaft mit 4 Schiffen die erste Reise nach Indien, besuchte
Java und Sumatra und kehrte 1597 mit 3 Schiffen zurück; andere folgten.
1602 wurden die verschiedenen Gesellschaften zu einer, =der ostindischen
Kompagnie=,[34] vereinigt, die das Recht erhielt, vom Kap bis zur
Magalhaesstraße Handel zu treiben, im Namen der Generalstaaten Bündnisse
und Verträge abzuschließen, Festungen zu bauen, Militär zu halten und
Beamte anzustellen. Nun folgten sich die Expeditionen Jahr für Jahr, und
der Machtbereich der Kompagnie wuchs ungemein schnell.
[34] Näheres in Zimmermann, Band V.
Unter schweren Kämpfen mit den Portugiesen, die im Anfang an Zahl und
Größe der Schiffe überlegen waren und ihnen bereits Errungenes zeitweise
wieder entrissen, setzten die Holländer sich zunächst auf den =Molukken=
fest: 1603-1610 erwarben sie Amboina, Banda, Tidor, Ternate; 1619 wurde
=Batavia= gegründet und bald der Mittelpunkt der sich immer weiter auf
der Inselwelt ausbreitenden Besitzungen. Aber auch an der Süd- und
Ostküste Hinterindiens gründeten sie Faktoreien und wurden 1641 durch die
Eroberung =Malakkas= nun Herren der Gewässer des Malaiischen Archipels
und des Handels dort. Sie folgten den Engländern nach Vorderindien
(Surat) und nach =Bengalen= und bedrohten dort die letzten bedeutenden
portugiesischen Besitzungen; später (1656) gelangten sie in den Besitz
Ceylons und einiger wichtiger Punkte der Malabarküste (Cochin 1663).
=Ihre Handelsreisen= dehnten die Holländer aus nach Formosa, den
Philippinen, China und Japan; die englischen Versuche, in den letzten
beiden Ländern Verbindungen anzuknüpfen, wurden bald wieder aufgegeben;
die Holländer allein haben während zweier Jahrhunderte Zutritt auf
einer kleinen japanischen Insel bei Nagasaki gehabt. Wenn sie auch in
China jetzt noch keinen Einlaß fanden -- hier hat nur Portugal für
lange Zeit in Macao eine Niederlassung besessen --, so wurden doch
durch sie die östlichen Umrisse Asiens bis zu den =Kurilen= (1634
entdeckt) bekannt. Vom Malaiischen Archipel aus berührten sie
gelegentlich die Küste Neuguineas, auf ihren Reisen nach Indien die
Westküste Australiens, und 1642 umsegelten sie Australien und
Tasmanien. Es ist aber auch dies nur von =geographischem Interesse=.
Neuguinea und Australien reizten nicht zu weiteren Unternehmungen,
weshalb die Kenntnis von diesen Ländern wie von Neuseeland bis 1770
(Cook) unvermehrt blieb; erst 1786 begann die Besiedlung Australiens
von England aus.
Das Verhältnis der holländisch-indischen Kompagnie zur englisch-indischen
wurde bereits geschildert. Wenn sie nach dem Vorfall in Amboina zuweilen
zusammengingen, wo es beiden Nutzen versprach, und ihre Seestreitkräfte
sich mehrfach zum Angriff auf die Portugiesen vereinigten, so wurden
anderseits die Kriege der beiden Nationen in Europa auch in Indien
zwischen den Kompagnien ausgefochten.
Die ungeheuere =Macht der ostindischen Kompagnie=[35] und ihr Wachsen
in kurzer Zeit kann man aus dem Bestande ihrer Schiffe ersehen. In den
ersten fünf Jahren des Bestehens der Kompagnie gingen 40 Schiffe nach
dem Osten ab; 1616 besaß sie 45 größere Schiffe und viele kleinere;
1622 waren in Indien 83 Fahrzeuge, und zwar 52 Schiffe, 18 Jachten, 13
Fregatten (Ruderboote wie die der Portugiesen, Seite 63),
folgendermaßen verteilt: 16 vor Batavia; 8 nach den Molukken; 5 Küste
Goa bis Surat; 2 in Bantam; 4 nach Sumatra; 3 in Surat; 16 nach China;
4 in Patang; 1 in Mokka; 1 in Japan; 7 Koromandel; 10 Malakkagewässer;
5 nach Manila; -- 12 Schiffe wurden von Holland erwartet. Die Schiffe
hatten eine Größe von 300-900 tons, 20-30 Kanonen, die Jachten 100-200
tons. Die kleineren Schiffe und Fahrzeuge waren mehr für den
Zwischenverkehr in Indien bestimmt, die größeren fuhren von und nach
der Heimat und zeigten die Flagge von den arabischen und persischen
Gewässern bis Japan.
[35] de Jonge, Teil I Seite 213 ff., sowie Beilage 37 gibt nähere
Angaben: über den Schiffbestand zu verschiedenen Zeiten; über oft
bedeutende Gefechte mit den Portugiesen in Indien sowie auch auf
den Reisen nach Indien mit den Spaniern im Atlantik und an der
Westküste Amerikas, wo die Holländer jetzt der Schrecken der
spanischen Kolonien geworden waren.
Seit 1595 hatten auch Fahrten der Holländer nach $Westafrika$ begonnen,
und man hatte trotz des Widerstandes der Portugiesen befestigte
Faktoreien an der Goldküste angelegt und bald den Handel dort fast ganz
in die Hand bekommen. Diese Forts wurden 1631 der westindischen Kompagnie
übergeben, die schließlich die letzten Punkte der Portugiesen an der
Goldküste und auch die Insel St. Thomé sowie St. Paolo de Loanda einnahm.
Die beiden letzten Eroberungen mußten jedoch 1648 zurückgegeben werden,
Holland hielt sich aber schadlos, indem es 1652 das =Kapland=, das zwar
von Portugal beansprucht, aber nie besiedelt war, als einen wichtigen
Stützpunkt für die Fahrten nach Indien besetzte.
Auch in =Ostafrika= beunruhigte man die portugiesischen Kolonien, die so
schon im Anfang des 17. Jahrh. viel von Türken und Eingeborenen zu leiden
hatten; ein Versuch 1607, sich in Mozambique gewaltsam festzusetzen,
gelang jedoch nicht.
Nach $Nordamerika$ wandte sich Holland 1609. =Hudson= machte seine erste
Reise zur Erforschung eines Nordwestweges im Dienst der
holländisch-ostindischen Kompagnie und erforschte dabei besonders die
Küste beim Delaware- und Hudson-Flusse. An beiden Flüssen gründeten bald
darauf, trotz englischen Einspruchs, Amsterdamer Kaufleute
Niederlassungen mit Forts -- der Ursprung der jetzigen Staaten New Jersey
und New York --, der ganze Küstenstrich wurde Neu-Niederland genannt.
Diese Kolonie wurde der holländisch-westindischen Kompagnie unterstellt
und war ein wichtiger Stützpunkt für die Kreuzer gegen den spanischen
Handel. Anfangs wuchs sie nur langsam und konnte selbst ein Niederlassen
der Schweden 1635 an der Mündung des Delaware nicht hindern. Infolge der
Erlaubnis der Einwanderung von Kolonisten aller Völker hob sie sich dann
und vertrieb 1655 die Schweden, fiel aber doch schon 1664 den Engländern
zu.
Von weit größerer Bedeutung aber und den Spaniern sowie Portugiesen
gefährlicher war das Auftreten der Holländer in $Südamerika$,
$Westindien$ und sonst im $Atlantik$, als man den Krieg auf das offene
Meer übertrug und den spanischen Handel angriff. Schon von 1604 an, also
gerade als die größeren englischen Raubzüge aufhörten, suchten
holländische Geschwader besonders die brasilianische Küste auf. Um 1621
wurde die holländische =westindische Kompagnie= gegründet mit demselben
Zweck wie die ostindische, hauptsächlich aber, um in organisiertem
Seeraub mit starken Geschwadern den Verkehr des Feindes mit seinen
Kolonien zu stören und zu unterbinden. Da der Reichtum Hollands in den
letzten Jahren sehr zugenommen hatte, wuchs sie noch schneller als ihre
ältere Schwester in Ostindien.[36]
[36] de Jonge I Seite 217 ff., Beilage II. Nähere Angabe über Größe,
Armierung, Bemannung der Schiffe, über Zusammensetzung der Flotten
und einige ihrer Haupttaten.
Schon in den Jahren 1624 und 1625 war sie imstande, vier Flotten in See
zu schicken, die zusammen aus 72 Schiffen mit 1200-1300 Geschützen und
9000 Seeleuten und Soldaten bestanden. In den Jahren 1623-1636 hat sie
mehr als 800 Schiffe mit 62000 Mann teils für Handelszwecke, teils --
die größeren -- nur für Kriegszwecke auslaufen lassen; der Bestand an
Mannschaften war oft für längere Zeit 24000 Mann. Welchen Schaden diese
Kräfte dem feindlichen Handel zufügten, ersieht man daraus, daß während
dieser 13 Jahre mehr als 600 feindliche Kriegs- und Handelsschiffe
genommen wurden, darunter z. B. 1623 30 Brasilienfahrer und 1628 die
ganze Silberflotte, die dem Admiral =Pitt Heyn= vor Havanna in die
Hände fiel.
Auch die Schiffe der westindischen Kompagnie waren, ähnlich der
ostindischen, aber teilweise schwerer armiert, Fahrzeuge von 200-1000
tons, 10-44 Geschützen, 60-250 Mann; die Hauptkraft bestand aus solchen
von 500-700 tons, 30-40 Geschützen, 200 Mann. Die Schiffe der
Kompagnien waren zum großen Teil größer als die damaligen holländischen
Kriegsschiffe.
Einige der =Antillen= wurden 1625, und 1634 =Curaçao= besetzt, auch in
$Brasilien$ wurde ein größeres =Kolonialreich= geplant. Eine der
erwähnten 4 Flotten -- 23 Segel, 500 Geschütze, 1600 Mann --
hatte 1624 Bahia erobert; 1625 wurde diese Stadt zwar durch eine
spanisch-portugiesische Flotte von 67 Segeln mit 12000 Mann
zurückgewonnen, aber 1630 faßte eine neue holländische Expedition[37] in
=Pernambuco= (Olinda, Recife) wieder Fuß. Von hier aus wurde in den
nächsten Jahren ein großer Teil der Küsten Brasiliens erobert und eine
Kolonie, Neu-Holland mit der Hauptstadt =Recife=, gegründet, die aber
infolge des schwachen Zuzugs von holländischen Kolonisten nicht lange
bestand. Als 1640 Portugal wieder frei von Spanien und damit ein
Verbündeter Hollands wurde, begann man, die militärischen Ausgaben für
die Kolonie einzuschränken. Die von England geschürte Gärung unter den
nie bezwungenen Urkolonisten nahm zu und offene Empörung brach aus. In
jahrelangen Kämpfen vertrieben die Empörer, von Portugal heimlich
unterstützt, nach und nach die Holländer, bis diese, auch noch durch den
ersten englisch-holländischen Krieg behindert und geschwächt, im Januar
1654 die letzten Posten an Portugal zurückgaben.
[37] Ihre Ausrüstungskosten wurden durch einen Teil der Schätze der
erbeuteten Silberflotte bestritten.
Auch an der Nordküste Südamerikas, in =Guayana=, wurden in der ersten
Hälfte des 17. Jahrh. einige Niederlassungen gegründet; die wichtigsten
lagen am Essequibo und Berbice, also im jetzigen Britisch-Guayana,
während die ersten englischen Niederlassungen im jetzigen
niederländischen Surinam entstanden. Die Besitzverhältnisse in Guayana
haben sich in den nächsten 200 Jahren infolge der vielen Kriege zwischen
Holländern, Engländern und Franzosen beständig verschoben.
Auch $Frankreich$ hatte mit überseeischen Unternehmungen begonnen, wenn
auch nicht in demselben Umfange wie die Holländer. Franzosen waren schon
im Mittelalter an den Fahrten nach den wiederaufgefundenen Kanarischen
Inseln beteiligt. 1402 gründete ein Hofbeamter Karls VI. dort ein kleines
Staatswesen; französische Seeleute aus Dieppe und Rouen haben um die
Mitte des 14. Jahrh. die Westküste Afrikas besucht und Faktoreien
angelegt, aber innere und äußere Kriege ließen alles wieder verfallen.
Nach, allerdings nicht beglaubigten, Überlieferungen sollen die Franzosen
vor den Portugiesen und Engländern Brasilien und Neufundland entdeckt
haben; sicher ist, daß sie seit Anfang des 16. Jahrh. beide Länder
besuchten. In =Brasilien= wurden bei Bahia Ansiedelungen gegründet, aber
1516 von den Portugiesen zerstört; der schon lebhafte Handel ging jedoch,
wenn auch unter Kämpfen mit den Portugiesen, weiter. Ebenso scheiterten
die ersten Versuche des Entdeckers =Cartier= 1535 und 1541, in Kanada
(Quebec) Fuß zu fassen; eine 1555 auf Admiral Colignys Anregung
gegründete Kolonie in Rio hielt sich nur bis 1566 und eine solche an der
Küste von Florida (1562) wurde bald (1565) von den Spaniern zerstört. Die
Grausamkeit, die die beiden südlichen Nationen bei diesen Gelegenheiten,
wie beim Vorgehen gegen den französischen Handel überhaupt, zeigten,
hatte zur Folge, daß die französischen Seeleute der Bretagne (vorzüglich
Dieppes) und der Gascogne auf spanische und portugiesische Schiffe Jagd
machten, wo sie nur immer konnten; aus ihnen vor allem entstanden die
=Flibustier=.
Größere überseeische Unternehmungen ruhten während des Religionskrieges
in Frankreich, und auch der Seehandel ging zurück, nur die Korsaren und
die Hochseefischer an der Küste Amerikas setzten ihre Gewerbe fort. Unter
=Heinrich= IV. wurden neue Versuche mit einigem Erfolge gemacht, indem
1605 die erste Niederlassung von dauerndem Bestande in Kanada (Quebec)
und in Neu-Schottland (Port Royal an der Fundybay, jetzt Annapolis
genannt) gegründet wurden, aber erst unter =Richelieu= nahmen diese
Unternehmungen größeren Umfang an. Die Ansiedelungen in Neu-Schottland
und Neu-Braunschweig, zusammen $Acadia$ genannt, und in $Kanada$ mehrten
sich, und man erforschte das Gebiet um und südlich von den kanadischen
Seen. Zu einer rechten Blüte kamen diese Kolonien immer noch nicht, zum
erfolgreichen Kampf mit den Indianern und den benachbarten Engländern
wurden sie zu schwach besiedelt.
Die Gesellschaften, von denen die Kolonisation betrieben werden sollte,
gaben der damaligen Volksneigung entsprechend mehr auf den Pelzhandel,
als auf Anlage fester Siedelungen. Erst unter =Colbert=, in der zweiten
Hälfte des 17. Jahrh., bevölkerten sich diese und gewannen an Bedeutung;
nun begannen die langdauernden Kriege mit den englischen Nachbarkolonien.
Richelieu hat aber sein Augenmerk auch wieder auf die südlichen Meere
gerichtet, und hier hatte Frankreich schon zu seiner Zeit größeren
Erfolg, nämlich in $Westindien$. Schon 1625 setzten sich Franzosen auf
St. Christopher fest und vertrugen sich dort mit den Engländern, auch
kehrten beide zusammen zurück, als sie 1629 von den Spaniern vertrieben
waren. Nach verschiedenen anderen Gesellschaften trat 1635 die
=westindische Kompagnie= (Compagnie des Iles de l'Amérique) ins Leben,
und dieser gelang es bald, =Martinique= und =Guadeloupe= zu besetzen.
Eine andere Gesellschaft hatte in Guayana, 1626 am Sinnamuri, 1634 in
Cayenne Fuß gefaßt, und von hier aus wurde die Kolonisation Surinams
begonnen. Zu den schon erwähnten Antillen traten von 1643-1651 noch die
Inseln St. Lucie, Marie Galante, St. Barthélémy, Grenada und andere; um
1683 zählte man 40000 Weiße im französischen Westindien. Französische
Abenteurer ließen sich auf der Nordküste Domingos und der benachbarten
Insel La Tortue als Boucaniers oder Flibustier nieder.
In $Afrika$ war 1626 eine Faktorei am Senegal errichtet, etwas später
bildeten sich Handelsgesellschaften nach Sierra Leone und Guinea, alle
diese Unternehmungen betrieben in erster Linie Sklavenhandel. Endlich
wurden auch die ersten Beziehungen mit $Indien$ angeknüpft. Schon 1529
war eine Reise nach den Molukken gemacht worden; seit 1604 folgten
nacheinander Handelsunternehmungen verschiedener Gesellschaften nach
Indien. 1642 begünstigte Richelieu die Bildung einer Kompagnie; ihr
Versuch, sich auf Madagaskar niederzulassen, wurde jedoch bald für fast
ein Jahrhundert wieder aufgegeben (Fort Dauphin bis 1672). Auch die
Versuche Colberts, unter dem die ersten Faktoreien und Niederlassungen in
Surat, Pondichéry, Tonkin, Ceylon und auf der Insel Bourbon angelegt
wurden, hatten noch keinen großen Erfolg und schufen nur den Grund für
den späteren Kolonialbesitz im fernen Osten.
Die Versuche $anderer kleiner Staaten$, überseeisch aufzutreten, sind von
keiner Bedeutung für unsere Betrachtungen geworden, da ihnen die
Unterstützung einer ausreichenden Seemacht fehlte. Von =Dänemark= aus
wurde eine Niederlassung an der Koromandelküste (Trankebar 1620)
gegründet, =Schweden=, schon am Delaware erwähnt, besaß kurze Zeit eine
Faktorei an der Goldküste und unterhielt auch eine Zeitlang direkte
Verbindung mit China. Beide Nationen gingen nach den Antillen; Dänemark
nahm einige der Jungfern-Inseln (St. Thomas) in Besitz, aber im
allgemeinen blieben sie doch darauf angewiesen, ihre Kolonialwaren durch
England und Holland zu beziehen, und auch ihr Handel im Mittelmeer, der
aufzublühen begonnen hatte, ging unter dem Wettbewerb genannter Nationen
bald zurück. Die Bestrebungen des weitsichtigen Großen Kurfürsten, auch
=Brandenburg= Kolonialbesitz zu sichern, fallen erst in den nächsten
Zeitabschnitt.