Dagegen haben unsere beliebten Ziergewächse wie _Tulipa_ (Fig.

202), _Hyacinthus Lilium_ (Fig. 205) _Muscari_, _Scilla_, die

Küchengewächse liefernde Gattung _Allium_, Lauch, ferner _Urginea_

(Fig. 813), die Meerzwiebel der Mittelmeerküsten und _Galtonia_,

Südafrika, ausnahmslos loculicide Kapseln. _Ornithogalum

umbellatum_ (Fig. 814) mag als Beispiel der Lebensweise dienen. Im

Herbst untersucht, zeigt die Pflanze eine Zwiebel aus fleischigen

Schuppen, deren Narben den vergangenen Blattspreiten entsprechen.

In der Achsel der innersten Zwiebelschuppe neben dem abgeblühten

Infloreszenzstiel steht ein junges, aus einer Anzahl von Blättern

gebildetes Knöspchen, seinen Schluß bildet die Blütenstandsanlage.

Im Frühjahr wachsen die Blätter zu linealen langgestreckten

Gebilden heran und erheben sich mit der Infloreszenz über den

Boden. Ihre weißen Einzelblüten enden in einem dreifächerigen

Fruchtknoten, den ein gemeinsamer Griffel krönt. Die Blattbasen,

die inzwischen fleischig angeschwollen und mit Rerservestoffen

gefüllt sind, bilden die Zwiebelschuppen, während ihre

oberirdischen Teile zugrunde gehen. In ähnlicher Weise verläuft bei

allen genannten Zwiebelpflanzen der jährliche Entwicklungsgang.

Sie können nach der kurzen Vegetationszeit allen Unbilden der

Kälte oder der Trockenheit trotzen, indem sie sich unter den

Erdboden zurückziehen. Von baumförmigen _Liliaceen_ ist _Aloë_ mit

fleischigen, häufig am Rande bewehrten Blättern (Fig. 815, 816)

zu nennen, artenreiche Gattung Afrikas. Hierher gehört auch der

„Neuseeländische Flachs“ _Phormium tenax_.

[Illustration: Fig. 812. Colchicum autumnale. ½ nat. Gr. _f_ Frucht

im Querschnitt, _g_ Samen mit Embryo, vergrößert. -- #Offizinell# und

#giftig#.]

Die durch hohes Alter ausgezeichnete und durch eigenartigen

Habitus auffallende _Dracaena_ (Fig. 817) trägt, wie die ähnlichen

Gattungen _Cordyline_ und _Yucca_, Beerenfrüchte. Ebenso _Smilax_,

Sarsaparille, mit Hilfe rankenartiger Emergenzen ihrer Blattstiele

kletternde Sträucher wärmerer Länder. Hierher ferner _Asparagus_,

Spargel, mit büschelig gehäuften Phyllokladien anstatt der

Blätter, ebenso _Ruscus_ mit breiteren, blattartigen Phyllokladien

und _Myrsiphyllum_; _Convallaria_ (Fig. 125), _Majanthemum_,

_Polygonatum_ (Fig. 143); _Paris quadrifolia_, Einbeere (Fig.

818); meist vier-, doch auch drei- bis sechsblättrig in allen

Wirteln[507]. Alle diese Pflanzen haben kriechende Rhizome, die

mit Schuppenblättern besetzt sind und jährlich entweder die Spitze

ihres Hauptsprosses als Laub- und Blütensproß über den Boden

senden, dann ihr unterirdisches Rhizom durch einen Seitenzweig

fortsetzen (_Polygonatum_), oder eine unterirdisch fortwachsende

Hauptachse besitzen, die jährlich einen Achselsproß als Laub- und

Blütensproß ausbildet (_Paris_).

#Giftig#: Zahlreiche _Liliaceen_ sind mehr oder minder giftig,

so das #Maiglöckchen#, #Tulpen#- und #Kaiserkronzwiebeln#

(_Fritillaria_), besonders aber von einheimischen Pflanzen:

_Colchicum_ und _Veratrum_; auch _Paris_ gilt für giftig.

[Illustration: Fig. 813. Urginea maritima, ca. 1/10 nat. Gr. --

#Offizinell#. Nach BERG und SCHMIDT.]

[Illustration: Fig. 814. _a_-_e_ Ornithogalum umbellatum. _a_ Ganze

Pflanze, verkleinert, _b_ Blüte in nat. Gr., _c_ Blüte im Längsschnitt,

_d_ Frucht, _e_ Querschnitt durch die Frucht. Nach A. F. W. SCHIMPER.]

#Offizinell#: _Colchicum autumnale_: #Semen Colchici# (Pharm.

germ., austr., helv.); _Veratrum album_: #Rhiz. Veratri# (Pharm.

germ., helv.); _Schoenocaulon_ (_Sabadilla_) _officinale_: #Semen

Sabadillae# (Pharm. germ., austr., helv.) und _Veratrinum_ (ibid.),

_Aloë ferox_ ist die Hauptlieferantin der #Kap-Aloë#, wie _A. vera_

für #Barbados-Aloë# (ibid.), _Urginea maritima_: #Bulbus Scillae#

(ibid.), _Smilax_-Arten: #Rad. Sarsaparillae# (ibid.), _Convallaria

majalis_: #Herba Convallariae# (Pharm. austr., helv.).

[Illustration: Fig. 815. Aloë speciosa und Aloë ferox, diese mit

verzweigten Blütenständen nach R. MARLOTH. A. ferox #offizinell#.]

[Illustration: Fig. 816. Aloë succotrina. _A_ Infloreszenz. _B_

Einzelblüte. _C_ Fruchtknoten-Querschnitt.]

[Illustration: Fig. 817. Dracaena draco. Drachenbaum von Laguna,

Kanarische Inseln. Nach C. CHUN.]

Die 3. Familie _+Amaryllidaceae+_ unterscheidet sich von den

Liliaceen nur durch unterständigen Fruchtknoten. Die einheimischen

Amaryllidaceen _Leucojum_ (Fig. 819), _Galanthus_ (Schneeglöckchen)

und _Narcissus_ sind Zwiebelgewächse und im Habitus den Zwiebeln

besitzenden Liliaceen ähnlich. Die Mehrzahl der Gattungen

gehört aber den Tropen und Subtropen an, wie z. B. die häufig

in Warmhäusern kultivierten _Alstroemeria_-, _Haemanthus_-,

_Clivia_- und _Crinum_-Arten. Wichtiger ist die Gattung _Agave_.

Diese mächtigste aller Blattsukkulenten ist in zahlreichen Arten

im wärmeren Amerika zu Hause. Zur Zeit ist _Agave Sisalana_ aus

Yucatan eine der wichtigsten Faserpflanzen, die in großem Maßstabe

z. B. in Ostafrika und anderen Kolonien mit trockenem und doch

warmem Klima angebaut wird. _A. Salmiana_ liefert in ihrem nach

Abschneiden der Infloreszenzknospe überreichlich ausfließenden,

alsdann vergorenen Safte: Pulque, das Nationalgetränk der

Mexikaner. Anspruchslosere Agave-Arten sind vielfach im

Mittelmeergebiet akklimatisiert.

[Illustration: Fig. 818. Paris quadrifolia. ½ nat. Gr. -- #Giftig#.]

[Illustration: Fig. 819. Leucojum aestivum. _a_ Blütenschaft

(verkleinert), _b_ Gynäceum und Andröceum (nat. Gr.). Nach F. A. W.

SCHIMPER.]

Die 4. Familie _+Iridaceae+_ gleicht den Amaryllidaceen im Besitze

eines unterständigen Fruchtknotens, unterscheidet sich aber von ihnen

und dem Liliaceentypus durch das Fehlen des inneren Andröceumwirtels

(Fig. 820) (vergl. die atavistische Form Iris pallida, Lam. forma

abavia Heinricher S. 474, Fig. 528). Die beiden Perigonkreise sind

nicht immer gleichförmig. Die Iridaceen zeigen stets ungestielte

Blätter und überwiegend knollenförmige oder gestreckte Rhizome, während

Zwiebeln minder häufig sind. Die Früchte werden zu loculiciden Kapseln.

Die Familie ist vorzugsweise im Kapland und den wärmeren Teilen

Amerikas heimisch.

_Crocus sativus_, der Safran, ist eine alte Kulturpflanze des

Orients mit schmal-grasartigen Blättern und knollenförmigem Rhizom.

Die Blüten sind steril, wenn sie nicht mit Pollen wilder Formen

bestäubt werden. Ihre großen Narben liefern den „Crocus“ oder

Safran (Fig. 821). Andere Arten werden häufig als Zierpflanzen

kultiviert. _Iris_, eine auch in Deutschland mit der Sumpfpflanze

_I. Pseudacorus_ einheimische Gattung, ist durch zweizeilige

#reitende# Blätter ausgezeichnet, d. h. die Blätter umfassen das

dickfleischige Rhizom mit ihrer Scheide, steigen vertikal empor und

zeigen zwei gleiche Flanken bei schwertförmigem Umriß (Fig. 822).

Die ansehnliche Blüte schlägt ihren äußeren Perigonkreis abwärts,

wölbt dagegen den inneren empor, ihre drei Antheren werden von den

drei großen, kronartig entwickelten Griffelästen völlig überdeckt,

die auf ihrer Außenseite einen kleinen dreieckigen Narbenlappen

tragen. In der Gattung _Gladiolus_ ist die Gleichartigkeit der

Perigonblätter noch weiter gestört, die Blüten werden dorsiventral.

#Offizinell#: _Crocus sativus_: #Crocus# (Pharm. germ.,

austr., helv.). _Iris florentina_, _pallida_, _germanica_ des

Mittelmeergebietes: #Rhizoma Iridis# (ibid.).

[Illustration: Fig. 820. Diagramm der Iridaceae (Iris).]

[Illustration: Fig. 821. Crocus sativus. Griffel mit dreiteiliger

Narbe. Nach H. BAILLON. -- #Offizinell#.]

5. Familie _+Bromeliaceae+_. Diese große, fast ausschließlich

amerikanisch-tropische Familie mit typisch xerophilen Blättern von

rosettenförmiger Anordnung enthält zahlreiche meist epiphytisch

lebende Pflanzen (Gattung _Tillandsia_) mit zwittrigen Blüten. Bei

erdbewohnenden Formen sind alle Blätter scharf bewehrt. _Ananassa

sativa_ liefert in ihrem Fruchtstande die Ananas.

Die +4. Ordnung+ der +Enantioblastae+ ~ist durch atrope

Samenanlagen ausgezeichnet, die sich sonst nur selten finden.

Es liegt also der Keimling dem Nabel gegenüber an der Spitze

des Endosperms. Familie _Commelinaceae_. Eine nur in den

Tropen und Subtropen verbreitete Familie, deren Perianth in

Kelch und Krone differenziert ist. _Commelina_, die Haare der

Staubblätter von _Tradescantia_ bilden ein für Plasmaströmung

und Kernteilungsfiguren bekanntes und geeignetes Objekt. _Rhoeo

discolor_, Mexiko, vielfach in Kultur.~

[Illustration: Fig. 822. Iris germanica, ½ nat. Gr. -- #Offizinell#.]

b) #Blüten mehr oder minder reduziert.#

5. Ordnung. Glumiflorae.

Die Ordnung der Spelzenblüher umfaßt ausschließlich Gewächse von

grasartigem Habitus und ein- bis mehrjähriger Dauer. Sie ist in

ihren beiden Familien über die ganze Erdoberfläche verbreitet.

Holziger Schaft eignet nur der Gattung Bambusa. Das allen gemeinsame

Merkmal liegt in der Vereinigung zahlreicher Einzelblüten, die eines

ausgebildeten Perianthes entbehren, dagegen von trockenhäutigen

Hochblättern, #den Spelzen#, gestützt werden, zu mehr oder minder reich

zusammengesetzten Blütenständen. Ebenso wie das Perianth, das entweder

vollständig ausfällt oder zu Borsten oder Schüppchen verkümmert, fehlt

häufig der innere Andröceumwirtel. Der oberständige Fruchtknoten ist

stets einfächerig und enthält nur eine Samenanlage; er entspricht bald

drei Fruchtblättern (Cyperaceen), bald zweien (einige Carices), bald

nur einem (Gramineen). Die Narben sind von erheblicher Größe, papillös

fadenförmig oder federig, wie es die Windbestäubung verlangt. Die

Früchte sind Schließfrüchte.

[Illustration: Fig. 823. Scirpus setaceus. Nat. Gr. _1_ Blühende

Pflanze. _2_ Gipfel eines fertilen Halmes. _3_ Einzelblüte. _4_

Dieselbe vom Rücken. _5_ Dieselbe ohne Deckspelze. _6_ Früchte. _2_-_6_

vergr. Nach G. F. HOFFMANN.]

[Illustration: Fig. 824. Eriophorum augustifolium. Etwa nat. Gr.

_1_ Fruchtender Halm. _2_ Ein blühendes Ährchen. _3_ Einzelblüte.

_4_ Dieselbe ohne Spelze. _5_ Früchtchen. _3_-_5_ vergr. Nach G. F.

HOFFMANN.]

1. Familie _+Cyperaceae+_. Die Riedgräser sind durch ihren meist

dreikantigen, in der Regel weder knotig gegliederten noch hohlen Halm

und die geschlossenen Scheiden ihrer Blätter kenntlich. Ihre Blüten

sind entweder eingeschlechtig, und dann meist monözisch (Carex), oder

zwittrig, wie bei der Mehrzahl der Gattungen. Der Fruchtknoten ist

zwei- oder dreikarpellig mit grundständiger, aufrechter, anatroper

Samenanlage. Die Fruchtschale ist nicht mit der Samenschale verwachsen,

die einen kleinen, rings von Endosperm umschlossenen Embryo enthält.

#Wichtige Gattungen#: _Cyperus_, _Scirpus_ und _Eriophorum_

haben zwittrige Blüten, Fig. 823 zeigt eine blühende Pflanze des

einjährigen _Scirpus setaceus_, mit steifen, oberseits gerinnten

Blättern. Fertile Halme mit langem oberstem Internodium tragen die

_1-3_ Ährchen endständig; sie werden durch das in der Richtung

des Halmes aufstrebende Hüllblättchen zur Seite gedrückt und sind

mit zahlreichen dachziegeligen Spelzen bedeckt. Nur die untersten

größeren bleiben steril, alle anderen decken je eine nackte

Zwitterblüte. _Eriophorum angustifolium_, das zur Blütezeit wenig

auffallende #Wollgras#, bringt am Gipfel des fertilen Halmes drei

bis sieben langgestielte Ährchen mit zahlreichen dachziegelig

deckenden Spelzen. Die Einzelblüten sind am Grunde von vielen

Haaren umgeben, die von Staubblättern und Griffeln überragt werden.

Zur Fruchtzeit dagegen sind die Haare bis etwa 3 cm lang geworden

und ragen weit über die Spelzen hervor. Sie bilden ein für die

Verbreitung der Früchtchen wichtiges Flugorgan. Durch ihre weiße

Farbe machen sie die Pflanze und ihre dann herabhängenden Ähren

zu einem auffälligen Bestandteil unserer torfigen Wiesen (Fig.

824). _Cyperus papyrus_ in Ägypten lieferte in den Längsscheiben

seiner schenkeldick werdenden Halme das „Papier“ des Altertums,

die Papyri. _Carex_ hat nackte eingeschlechtige Blüten, welche

in der Regel monözisch verteilt sind. Die männlichen Ähren sind

einfach; in der Achsel eines jeden Deckblättchens sitzt eine

männliche Blüte, aus drei Staubblättern gebildet (Fig. 825

_A_). Die weiblichen Ährchen tragen in der Deckblattachsel je

ein Seitensprößchen, aus einer vom schlauchförmigen Vorblatt,

dem Utriculus, umgebenen Spindel _a_ und dem in seiner Achsel

sitzenden, bald zwei- bald dreikarpelligen Fruchtknoten bestehend

(Fig. 825 _B-E_).

[Illustration: Fig. 825. _A_ Diagramm einer ♂ Carexblüte, _B_ einer

dreinarbigen, _C_ einer zweinarbigen ♀ Carexblüte. _D_ Aufriß einer ♀

Carexblüte, _E_ des zwittrigen Ährchens von Elyna. _a_ Sekundansproß,

_utr_ Utriculus oder Vorblatt des Sekundansprosses. Nach A. W. EICHLER.]

[Illustration: Fig. 826. Schema des Grasährchens. _g_ Die Hüllspelzen,

_p__{1} und _p__{2} palea inferior und superior. _B_ Die Blüte, _e_ Die

Lodiculae. Sämtliche Achsenteile verlängert gedacht.]

2. Familie +_Gramineae_+[508]. Die echten Gräser besitzen stielrunde

hohle (Ausnahme: Mais und Zuckerrohr), durch massive Knotenstellen

gegliederte Halme, zweizeilige Blattstellung und eine meist offene

Scheide, die an der Basis knotig verdickt zu sein pflegt. An der Grenze

der Blattscheide und -spreite ragt fast ausnahmslos ein erhabener

häutiger Rand über das Blatt hervor: die #Ligula# (vgl. Fig. 138).

Gramineenblüten finden sich in ähren-, trauben- oder rispenartigen

Gesamtblütenständen vereinigt, die jedesmal aus ährenartigen

Teilinfloreszenzen, den „#Ährchen#“, zusammengesetzt sind. Meist ist

das Ährchen mehrblütig. Es beginnt in der Regel (Fig. 826, 827) mit

zwei (in einzelnen Fällen einer, oder 3-4) sterilen #Hüllspelzen#

(#gluma#); in zweizeiliger Anordnung wie diese folgen die fertilen

#Deckspelzen# (#palea inferior#) mit je einer Blüte in ihren Achseln.

Die Deckspelzen sind oft #begrannt#, d. h. sie tragen eine steife

widerhaarige Borste auf dem Rücken oder an ihrer Spitze, die #Granne#.

Jedem Einzelblütchen geht eine #Vorspelze# (#palea superior#) vorauf.

Es folgen zwei kleine Schüppchen, die als Schwellkörper zur Öffnung der

Blüte beitragen (Fig. 828 _B_, _C_) und #Lodiculae# heißen; endlich das

meist aus einem dreigliedrigen Wirtel bestehende Andröceum und der mit

zwei federartig verzweigten papillösen Narben gekrönte Fruchtknoten. Er

umschließt eine anatrope oder schwach kampylotrope Samenanlage.

[Illustration: Fig. 827. Diagramm der Grasblüte. Die fehlenden Teile

matt punktiert. _ax_ Achsenende der Ährchenachse, _pi_ palea inferior,

_ps_ palea superior (äußeres Perigon), _l_ Lodiculae (inneres Perigon),

_st_ äußerer, _st′_ innerer Staubblattkreis, _c_ laterale Fruchtblätter

_c′_ dorsales Fruchtblatt. Nach J. SCHUSTER.]

[Illustration: Fig. 828. Festuca elatior. _A_ Ährchen (vgl. Fig.

826) mit zwei offenen Blüten, unten die beiden sterilen Hüllspelzen.

Vergr. 3. _B_ Die Blüte; vorn die beiden Lodiculae, hinten die

Vorspelze (palea superior), Fruchtknoten mit federartigen Narben. _C_

Eine Lodicula. _D_ Fruchtknoten, von der Seite, mit dem Stiel einer

abgeschnittenen Narbe. _B-D_ Vergr. 12. Nach H. SCHENCK.]

[Illustration: Fig. 829. Medianer Längsschnitt durch den unteren Teil

eines Weizenkorns. Links unten der Keim mit dem Scutellum _sc_, _l′_

Ligula, _vs_ Leitbündel des Scutellum, _ce_ sein Zylinderepithel,

_c_ Scheidenteil des Kotyledons, _pv_ Stammvegetationskegel, _hp_

Hypokotyl, _l_ Epiblast, _r_ Radicula, _cl_ Wurzelscheide, _m_

Austrittsstelle der Radicula, _p_ Fruchtstiel, _vp_ sein Leitbündel,

_f_ Seitenwandung der Furche. Vergr. 14. Nach E. STRASBURGER.]

Nicht immer ist der Bau so stark reduziert; so hat die Reisblüte

(Fig. 832) ein vollzähliges Andröceum, ebenso die Bambuseen,

welche daneben drei Griffel besitzen und auch drei Lodiculae

aufweisen. _Streptochaeta_ endlich hat eine normale pentazyklische

Monokotylenblüte, deren Gynäceum der Anlage nach dreizählig

ist. Man ist daher berechtigt, die Lodiculae als dem inneren

Perianthkreis entsprechend anzusehen, während die Vorspelze zwei

verwachsene Blätter des äußeren Perianthkreises, dessen drittes

fehlt, darstellen könnte. Im Gynäceum ist von den ursprünglichen

drei Karpellen meist nur ein, aus den zwei lateralen Fruchtblättern

gebildetes, Doppelblatt übrig geblieben. Nach dieser Auffassung,

die z. B. von GOEBEL vertreten wird, gelangt man zu dem umstehenden

Diagramm (Fig. 827).

Über die Windblütigkeit der Gräser vgl. S. 479. Die Frucht zeigt

eine innige Verwachsung von Frucht- und Samenschale, sie wird

Karyopse genannt. Der Embryo liegt dem stärkereichen Endosperm

seitlich mit seinem Kotyledon, dem #Scutellum#, an, welches bei der

Keimung als Saugorgan die Aufnahme der gespeicherten Reservestoffe

bewirkt (Fig. 829).

[Illustration: Fig. 830. Getreidearten. _A_ Roggen. Secale cereale. _B_

Spelt, Triticum Spelta. _C_ Zweizeilige Gerste. Hordeum distichum. _D_

Weizen, Triticum vulgare. -- _D_ #Offizinell#.]

Zu den Gräsern zählen als wichtige Nutzpflanzen vor allem die

eigentlichen Brotpflanzen: Der #Weizen#, _Triticum_ (Fig. 830 _B_

und _D_), mit einzelstehenden zwei- bis vielblütigen Ährchen, deren

Hüllspelzen breiteiförmig sind (Fig. 831 _B_). Von Weizenarten

unterscheidet F. KOERNICKE 1. _Tr. vulgare_, #Saatweizen# mit

verschiedenen Unterarten; 2. _Tr. polonicum_, #Polnischer Weizen#;

3. _Tr. monococcum_, #Einkorn#. Der #Roggen#, _Secale cereale_

(Fig. 830 _A_). Die Ährchen stehen einzeln und sind zweiblütig,

ihre Hüllspelzen pfriemlich (Fig. 831 _A_). Die #Gerste#, _Hordeum

vulgare_ (Fig. 830 _C_). Die einblütigen Ährchen stehen zu dreien,

bei den Unterarten _H. hexastichum_ und _H. tetrastichum_ sind

#alle# Reihen, bei _H. distichum_ ist #nur die Mittelreihe#

fruchtbar. Der #Hafer#, _Avena sativa_, und der #Mais#, _Zea Mays_.

Alle diese sind der Kultur in gemäßigtem Klima zugänglich. Ihre

Heimat ist, bis auf die des amerikanischen Mais, voraussichtlich

Westasien oder Südosteuropa; in wildem Zustand bekannt sind nur

_Triticum monococcum_ var. _aegilopodioides_ als Stammform des

Einkorns, _Tr. dicoccoides_ als wahrscheinliche Stammform des

Weizens, _Secale montanum_ als Stammform des Roggens, _Hordeum

spontaneum_, dem _H. distichum_ nahestehend, Stammform der Gerste.

Diese wilden Formen sind durch Auseinanderfallen ihrer Spindel

bei der Fruchtreife gekennzeichnet, eine Eigenschaft, die für

Kulturformen höchst unvorteilhaft wirken müßte.

[Illustration: Fig. 831. _A_ Ährchen des Roggens, zweiblütig. _B_

Ährchen des Weizens, mehrblütig.]

[Illustration: Fig. 832. Oryza sativa. Blütenrispe, ½ nat. Gr.

Einzelnes Ährchen, vergr. -- #Offizinell#.]

Das wichtigste tropische Getreide ist der #Reis#, _Oryza sativa_

(Fig. 832), bis in die warm temperierten Länder hinein in größtem

Maßstabe kultiviert (Fig. 833) und bei hinreichender Feuchtigkeit

von unerreichter Fruchtbarkeit. Speziell in Afrika ist die

#Mohrhirse#, _Andropogon Sorghum_, in mehreren Varietäten zu Hause.

Sie bildet als _Durrha_ die wichtigste Brotpflanze für diesen

ganzen Kontinent; schließlich bleiben die im Mittelmeergebiet und

in Asien kultivierten _Panicum miliaceum_, #echte Hirse#, und _P.

italicum_, #Kolbenhirse#, zu erwähnen, beide asiatischen Ursprungs.

Als Nahrungsmittel nimmt ferner das #Zuckerrohr#, _Saccharum

officinarum_, ein übermannshohes, im tropischen Asien, Vorder- und

Hinterindien beheimatetes perennierendes Gras, eine wichtige Stelle

ein. Es wird zur Zeit überall in den Tropen kultiviert, um aus dem

fleischigen Mark des hier #nicht hohlen Stengels# durch Auspressen

und Eindicken des Saftes #Rohrzucker# zu gewinnen.

Als wichtige heimische #Futtergräser# unserer Wiesen mögen genannt

sein:

_Agrostis alba_, _Alopecurus pratensis_, _Anthoxanthum odoratum_,

_Arrhenatherum elatius_, _Avena flavescens_ und _pubescens_,

_Briza media_, _Dactylis glomerata_, _Holcus lanatus_, _Lolium

perenne_, _Phleum pratense_, _Poa pratensis_; außerdem sind

zu beachten _Aira_-, _Bromus_-, _Calamagrostis_-, _Festuca_-,

_Melica_- usw. Arten. Eine außerordentlich mannigfaltige Anwendung

finden endlich die baumförmigen tropischen #Bambus#-Arten in

ihren stattlicheren Vertretern: Häuser, Wände, Fußböden, Leitern,

Brücken, Stricke, Wasserkrüge, Kochgefäße, Wasserleitungsröhren

usw. werden aus den Stämmen angefertigt, so daß diese Pflanzen für

die dortigen Verhältnisse geradezu unentbehrlich genannt werden

müssen.

#Giftig#: Der einjährige #Taumellolch#, _Lolium temulentum_ (Fig.

834), hat in der Regel von Pilzhyphen umsponnene und dann durch

Alkaloidgehalt giftige Früchte; pilzfreie Früchte der Pflanze sind

unschädlich[509]. Die Pflanze ist einjährig, entbehrt der sterilen

Triebe und kann dadurch leicht von den häufigen _Lolium_-Arten,

_perenne_ und _multiflorum_, unterschieden werden. Der Taumellolch

ist das einzige giftige Gras.

[Illustration: Fig. 833. Für Reiskulturen hergerichtetes Terrassenland

in Ceylon. Das für den jungen, einzeln zu pflanzenden Reis notwendige

Wasser läuft von Terrasse zu Terrasse, deren erhöhte Ränder eine

Abflußstelle besitzen. Im Vordergrunde Bananen (Musa), in der

Mitte eine Arecapalme, vorn rechts eine Kaffeeplantage. Nach einer

Photographie.]

#Offizinell#: _Saccharum officinarum_: #Saccharum# (Pharm. germ.,

austr., helv.). _Agropyrum repens_: #Rhizoma Graminis# (Pharm.

austr., helv.). _Triticum vulgare_: #Amylum Tritici# (Pharm. germ.,

austr., helv.). _Oryza sativa_: #Amylum Oryzae# (ibid.).

c) #Blüten zygomorph.#

6. Ordnung. Scitamineae.

Tropische Stauden von zum Teil gewaltigen Dimensionen, in einzelnen

Fällen baumartig mit dorsiventralen oder asymmetrischen Blüten

entsprechen dem Typus dieser Ordnung. Das Perianth ist in Kelch

und Krone gesondert und das Andröceum stark reduziert, zum Teil

staminodial, kronblattähnlich. Der unterständige, dreifächerige

Fruchtknoten enthält Perisperm führende Samen.

1. Familie +_Musaceae_+. Die Banane, _Musa_ (Fig. 835), ist

eine der wichtigsten Fruchtpflanzen aller tropischen Gegenden.

Einander dicht umschließende Scheiden der mächtigen Blätter bilden

ein stammartig aussehendes Gebilde, aus dem die endständige

Infloreszenz ihre großenteils parthenokarpen[510] dichtgedrängten

Beerenfrüchte herabhängen läßt. _Musa textilis_ liefert Manilahanf;

_Ravenala_ besitzt einen Holzstamm, _Strelitzia reginae_ (Fig. 542)

vom Kap wird ihrer prächtigen, ornithophilen Blüten halber häufig

kultiviert.

2. Familie _+Zingiberaceae+_. Die dorsiventralen Einzelblüten

stehen in Ähren von bisweilen köpfchenartigem Habitus. Eine

dreizipfelige Krone ragt aus dem unscheinbaren röhrigen Kelch

hervor. Wenn der äußere Staubblattkreis nicht gänzlich fehlt, ist

er in zwei seitlichen Staminodien vertreten (Fig. 836 _sst__{1},

_sst__{2}). Im inneren Staubblattkreis ist das hintere Staubblatt

allein fertil (_st_), die beiden übrigen sind vereinigt und in Form

petaloider Staminodien ausgebildet; sie stellen als #Labellum#

(_l_) durch ihre Größe und hervortretende Lage, wie durch lebhafte

Färbung den Schauapparat der Zingiberaceenblüte dar. Der Griffel

verläuft in dem röhrenartigen Einschnitt zwischen den beiden

#Thecae# des Staubblattes. Aus dem Fruchtknoten wird eine Kapsel.

Die Zingiberaceen gehören meist dem tropischen Asien an.

[Illustration: Fig. 834. Lolium temulentum. -- #Giftig#. Nach H.

SCHENCK.]

[Illustration: Fig. 835. Gruppe von Musa sapientum mit Manihot

utilissima. Ceylon, nach einer Photographie.]

Lehrbuch der Botanik für Hochschulen · 第 80 / 90 段