#Eine Reihe von Gattungen führt nur Röhrenblüten im Köpfchen#, so

_Carduus_ (Fig. 792), die Distel, durch haarförmige Pappusborsten

ausgezeichnet, _Cirsium_ an federigen Pappushaaren kenntlich,

_Echinops_, mit einblütigen Köpfchen, die zu vielen vereinigt

sind. _Lappa_, die Klette (Fig. 790 _a_), hat Hüllkelchblätter mit

hakenförmig gekrümmter Spitze. _Cynara Scolymus_, die Artischocke.

_Cnicus benedictus_, das Benediktenkraut (Fig. 795), besitzt

einzelne, endständige Köpfchen, deren Hüllkelchblätter mit großem,

zum Teil gefiedertem Endstachel versehen und spinnwebig behaart

sind. _Centaurea_, die Kornblume, hat einen trockenhäutigen

Hüllkelch und größere, aber sterile Randblüten. -- #Andere

Gattungen haben nur zwittrige Zungenblüten im Köpfchen# und

führen gleichzeitig Milchsaftgefäße in allen Teilen. _Taraxacum

officinale_, der überall verbreitete Löwenzahn; aus einer Rosette

grob schrotsägeförmiger Blätter erheben sich die Blütenköpfchen,

jedes einzeln auf hohlem Stiele, der nach der Blüte eine zweite

Wachstumsperiode durchläuft (S. 244, Fig. 261). Die Früchte sind

schnabelförmig verlängert, so daß der haarige Pappus zu einer

fallschirmartigen, gestielten Krone wird (Fig. 794). _Lactuca

sativa_ liefert den Kopfsalat. _L. virosa_ ist der Giftlattich. _L.

Scariola_, als Kompaßpflanze durch ihre vertikal und meridional

stehenden Blattflächen bekannt (vgl. S. 310). _Cichorium Intybus_,

die Zichorie (Fig. 793 _C_) hat blaublütige Köpfchen und einen

Pappus in Form kurzer aufgerichteter Schüppchen. _C. Endivia_,

Endivie, _Tragopogon_ und _Scorzonera_ mit federigem Pappus. _Sc.

hispanica_, die als Gemüse dienende Schwarzwurzel. _Crepis_-Arten

haben einen haarförmigen Pappus, der weich, biegsam und bräunlich

ist.[505] _Sonchus_, mit vielreihigen Pappusborsten. _Hieracium_,

eine ungeheuer formenreiche europäische Gattung, hat einen weißen,

steifen, zerbrechlichen Pappus (Fig. 793 _B_). -- #Meist aber sind

zweierlei Blütenformen im Köpfchen vereinigt.# _Aster_, _Solidago_,

_Erigeron_ sind drei in zahlreichen Arten in Europa, Amerika, Asien

weitverbreitete Gattungen, von denen besonders die _Aster_-Arten

als Zierpflanzen beliebt sind. _Haastia_- und _Raoulia_-Arten

Neuseelands (Fig. 189), polsterförmige, wollig behaarte Pflanzen,

täuschen durch ihre weiße Farbe und ihre Form das wichtigste

Heerdenvieh des Landes vor, daher „vegetable sheep“ genannt.

_Inula_, eine Gattung einheimischer Kräuter mit trockenhäutigen

Hüllblättern. Bei _Gnaphalium_, _Antennaria_, _Helichrysum_

(Immortellen), _Leontopodium_ (Edelweiß) u. a. ist der trockene

Hüllkelch blumenkronartig gefärbt. _Helianthus annuus_ (die

Sonnenblume) (Fig. 793 _A_) wird wegen ihrer ölreichen Früchte

vielfach angebaut, ebenso _H. tuberosus_, der Topinambur, wegen

seiner eßbaren Knollen. _Silphium laciniatum_, nordamerikanische

Kompaßpflanze. _Dahlia_, die Georgine, stammt aus Amerika, ebenso

_Bidens_; dieser ist auch in einheimischen Arten verbreitet, die

durch ihre gegenständigen, bei Wasserformen zum Teil heteromorphen

Blätter auffallen. _Achillea_, die Schafgarbe, ist eine überall

verbreitete Staude. _A. moschata_ und _A. atrata_, hochalpine,

vikariierende Arten, diese auf Kalk-, jene auf Schieferboden.

_Anthemis nobilis_, die römische Kamille, hat entweder nur

Scheibenblüten im Köpfchen, oder diese können mehr oder minder

durch Lippenblüten ersetzt sein. _Matricaria Chamomilla_ (Fig.

790 _b_ und 796), die echte Kamille, ist ein einjähriges, vielfach

verästeltes Kraut mit kegelförmig emporwachsendem, hohlem

Blütenboden, gelben Scheibenblüten und zurückgeschlagenen weißen

weiblichen Randblüten in den endständigen einzelnen Köpfchen.

_Tanacetum_ hat nur röhrige Blüten, seine Randblüten sind rein

weiblich. Auch bei _Artemisia_ sind die Blüten alle röhrenförmig

und die Randblüten meist weiblich, so _A. Absinthium_ (Wermut);

dagegen sind in dem armblütigen Köpfchen von _A. Cina_ (Fig. 797)

alle Blüten zwittrig. _Tussilago Farfara_, der Huflattich blüht

vor Erscheinen der Blätter. Der einköpfige Blütenstiel ist nur

mit Schuppenblättern besetzt, die Einzelblüten stehen auf kahlem

Blütenboden und haben einen haarförmigen, feinen weißen Pappus;

die Randblüten sind weiblich. Das Köpfchen wird von ein- bis

zweireihigen Hüllblättern umgeben (Fig. 798). Die großen, später

erscheinenden Blätter sind herzförmig, unten weißfilzig. _Petasites

officinalis_ ist eine als Pestwurz bekannte großblättrige Staude.

_Senecio vulgaris_ führt nur zwittrige Röhrenblüten und keine

Randblüten. _Doronicum_, _Cineraria_ sind verbreitete Zierpflanzen.

_Arnica montana_ (Wohlverleih) (Fig. 789, 791, 799) hat eine

grundständige Rosette aus zwei bis vier Paaren gegenständiger

Blätter und eine endständige, einköpfige Blütenachse, deren

gegenständige Vorblätter meist noch je einen einköpfigen

Blütenstand aus den Achselknospen entwickeln. _Calendula_,

die Ringelblume, und _Dimorphotheca_ zeigen unregelmäßige und

verschieden gestaltete Früchte.

[Illustration: Fig. 795. Cnicus benedictus. Nach H. BAILLON.

#Offizinell#.]

[Illustration: Fig. 796. Matricaria Chamomilla. ⅔ nat. Gr. --

#Offizinell#.]

[Illustration: Fig. 797. Artemisia Cina. Nach A. MEYER und SCHUMANN --

#Offizinell#.]

#Offizinell#: _Arnica montana_ liefert: #Rad. Arnicae# (Pharm.

austr.), #Flores Arnicae# (Pharm. germ., austr., helv.). --

_Artemisia Absinthium_: #Herba Absinthii# (ibid.). -- _Artemisia

Cina_, Turkestan: #Flores Cinae# und #Santoninum# (ibid.). --

_Matricaria Chamomilla_: #Flores Chamomillae# (ibid.) und #Oleum

Chamomillae# (Pharm. helv.). -- _Cnicus benidictus_ (#Süd#europa):

#Herba Cardui benedicti# (Pharm. germ., helv.). -- _Tussilago

Farfara_: #Folia Farfarae# (Pharm. germ., austr.). -- _Achillea

Millefolium_: #Herba Millefolii# (Pharm. austr.). -- _Anthemis

nobilis_: #Flores Chamomillae romanae# (Pharm. austr., helv.). --

_Lappa vulgaris_: #Rad. Bardanae# (ibid.). _Anacyclus Pyrethrum_

(Südeuropa): #Rad. Pyrethri# (ibid.). -- _Taraxacum officinale_:

#Rad. et herba Taraxaci# (Pharm. germ., austr., helv.) und #Folia

Taraxaci# (Pharm. austr). -- Vorderasien und Kaukasus liefern

das #persische Insektenpulver# von _Pyrethrum roseum_. Das

#dalmatinische# stammt ab von dem dort heimischen _Chrysanthemum

cinerariaefolium_.

[Illustration: Fig. 798. Tussilago Farfara. Nach H. BAILLON. --

#Offizinell#.]

[Illustration: Fig. 799. Arnica montana. ½ nat. Gr. -- #Offizinell#.]

2. Unterklasse. Monokotylae.

Die mit einem Keimblatt versehenen Angiospermen, die Monokotylen, sind

ihrem Gesamtaufbau nach meist Kräuter oder Stauden, seltener Sträucher

oder Bäume.

Ihr kleiner Embryo streckt bei der Keimung sein Würzelchen und

Hypokotyl aus der Samenschale, während der scheidenförmige Kotyledon

häufig mit seinem oberen Ende darin stecken bleibt und die Aufsaugung

des meist reichlich vorhandenen Nährgewebes besorgt. Die Hauptwurzel

stellt ihr Wachstum früher oder später ein und wird durch zahlreiche

Adventivwurzeln, die aus dem Stamm entspringen, ersetzt. Bei den

Gräsern sind solche bereits am Embryo angelegt. So fehlt den

Monokotylen durchweg ein einheitliches, auf eine Hauptwurzel und ihre

Verzweigung zurückführbares Wurzelsystem, wie die Gymnospermen und

Dikotylen es meist besitzen.

[Illustration: Stammbaum der Monokotylen nach den serodiagnostischen

Untersuchungen von E. WORSECK.]

Der Stammvegetationspunkt bleibt mehr oder minder lange von dem

Scheidenteil des Kotyledons umschlossen. Er bringt auch weiterhin

langscheidige, am Grunde längere Zeit fortwachsende Blätter in

zweizeiliger oder wechselständiger Anordnung hervor. Das Stammwachstum

ist häufig beschränkt, Verzweigung fehlt in vielen Fällen ganz oder

führt doch nur selten zur Bildung einer reichverzweigten Krone.

Die Blätter pflegen ungestielt und parallelnervig, von schmaler

langgestreckter, linearer oder elliptischer Form zu sein (Fig. 800).

Durch frühzeitiges Absterben bestimmter Teile der Blattspreite kommen

die gefiederten oder gefächerten Palmblätter wie die durchlöcherten

Blätter einiger Araceen zustande.

In anatomischer Hinsicht sind die Monokotylen durch #geschlossene#,

über den ganzen Stammquerschnitt verteilte #Leitbündel# (vgl. Fig. 164,

S. 123) ausgezeichnet, welche kein Kambium zu entwickeln vermögen.

Infolgedessen fehlt den Monokotylen das Dickenwachstum entweder

gänzlich, oder es tritt in den seltenen Fällen, wo es sich findet, in

der Weise auf, daß am Außenrande des Zentralzylinders vollkommen neue,

geschlossene Bündel und zwischen ihnen Grundgewebe gebildet werden.

[Illustration: Fig. 800. Blatt mit streifiger Nervatur (Polygonatum

multiflorum). ¾ nat. Gr.]

[Illustration: Fig. 801. Diagramm einer typischen Monokotylenblüte.]

Monokotylenblüten sind in der Regel pentazyklisch gebaut, besitzen

also zwei Perianthkreise, zwei Andröceum- und einen Gynäceumwirtel.

Die typische Zahl der Glieder eines jeden Wirtels ist #drei#. Beide

Perianthkreise sind meist gleichartig ausgebildet, somit als Perigon zu

bezeichnen (Fig. 801). Demnach entspricht die Blütenformel P 3 + 3, A 3

+ 3, G(3) der typischen Monokotylenblüte.

a) #Blüten radiär.#

1. Ordnung. Helobiae.

Die Ordnung begreift in sich nur Wasser- oder Sumpfpflanzen. Ihre

radiären Blüten haben ein in zwei Kreisen angeordnetes, häufig

apokarpes Gynäceum, das Schließ- oder Balgfrüchtchen entwickelt, deren

Samen kein Nährgewebe um den großen Embryo ausbilden. Die Ordnung

vermittelt durch ihren Blütenbau den Anschluß der Monokotylen an die

Polycarpicae, vgl. S. 523[474] und den Stammbaum.

Die 1. Familie _+Alismaceae+_ ist in der warmen und gemäßigten Zone

weit verbreitet. Einheimische Arten: _Alisma Plantago_, _Sagittaria

sagittifolia_ und _Butomus umbellatus_ sind häufige deutsche

Sumpfpflanzen mit langgestielten, rispigen oder doldenartigen

Blütenständen. Ihre Einzelblüten sind durch Besitz von Kelch und

weißer, bei _Butomus_ rötlicher Krone ausgezeichnet. Das Andröceum

ist sechs- oder mehrzählig, das Gynäceum ist apokarp, sechs- oder

vielzählig, wirtelige und spiralige Stellung kommt vor (Fig.

802). _Sagittaria_ dagegen ist monözisch, ihre Blüten werden

eingeschlechtig durch Fehlschlagen des anderen Geschlechtes; die

männlichen enthalten zahlreiche Staubblätter und unfruchtbare

Fruchtblätter, die weiblichen nur Staminodien und zahlreiche freie

Fruchtblätter auf stark gewölbter Blütenachse (Fig. 803). Die

Blätter sind bei _Butomus_ lang lineal, gerinnt dreikantig; bei

_Alisma_ und _Sagittaria_ langgestielt mit löffelförmiger bzw.

pfeilförmiger Spreite. Individuen beider Gattungen, die tief in

flutendem Wasser stehen, zeigen lang bandförmige Blätter, wie sie

bei der Keimung als Übergangsformen auftreten; solche Pflanzen

kommen nicht zur Blüte.

[Illustration: Fig. 802. Blütendiagramm von Echinodorus parvulus, einer

Alismacee. Nach A. W. EICHLER.]

[Illustration: Fig. 803. Sagittaria sagittifolia. _a_ Blüten. _b_

Frucht, nach Entfernung eines Teiles der Karpelle. Vergr. _b_ nach

ENGLER und PRANTL.]

2. Familie _+Potamogetonaceae+_. _Potamogeton_ ist in vielen

verschiedenen Arten in stehenden wie fließenden Gewässern auf der

ganzen Erde verbreitet. Seine Blätter sind meist untergetaucht mit

langen, einseitig geschlitzten Axillarstipeln. Die zwittrigen,

vierzähligen Blüten mit apokarpem Gynäceum sind in einem über

das Wasser emporragenden ährenförmigen Blütenstand vereinigt.

_P. natans_ unserer Tümpel führt zur Blütezeit meist nur

Schwimmblätter, da die untergetauchten stielrunden Wasserblätter

bereits vergangen sind (Fig. 804). _Ruppia maritima_, _Zanichellia

palustris_ sind Brackwasserformen; _Zostera marina_ ist das an

allen nördlich temperierten Meeresküsten häufige #Seegras#,

vielfach als Polstermaterial verwendet.

[Illustration: Fig. 804. Potamogeton natans. Blühender Sproß. ½ nat.

Gr.]

3. Familie +_Najadaceae_+. _Najas marina_ diözisch. ♂ Blüte mit

einem Staubblatt. ♀ mit einem Fruchtblatt in becherförmigen Hüllen.

4. Familie +_Hydrocharitaceae_+. _Hydrocharis morsus ranae_ und

_Stratiotes aloides_ sind schwimmende einheimische Wasserpflanzen,

die sich besonders durch Ausläuferbildung vermehren und ganz

oder in Form von Winterknospen überwintern. Ihre Blüten sind

diözisch und entomophil. In den männlichen Blüten finden sich

mehrere dreizählige Wirtel von Staubblättern; die weiblichen

haben Staminodien und zwei dreizählige Kreise von Fruchtblättern.

_Vallisneria spiralis_, eine Süßwasserpflanze der Tropen, ist bis

in die oberitalienischen Seen verbreitet; _Helodea canadensis_,

die Wasserpest aus Nordamerika, ist in jedem Wasserloch zu finden;

beide sind hydrophil (vgl. S. 479).

2. Ordnung. Spadiciflorae.

Der gemeinsame Charakter dieser Ordnung wird bedingt durch den

eigenartigen Blütenstand: er ist ährenartig, besitzt aber eine

angeschwollene dicke, oft fleischige Achse, stellt also einen #Kolben#,

#Spadix#, dar. Die Einzelblüten sind meist diklin, monözisch oder

seltener diözisch.

Die 1. Familie _+Typhaceae+_ umfaßt einheimische Sumpfpflanzen mit

langen linealen Blättern und langgestielten Blütenkolben, die oben

die männlichen, darunter die weiblichen Blüten tragen, beide sind

in großer Zahl ohne Blütenhülle zusammengedrängt. Daran schließt

unmittelbar die zweite Familie _+Sparganiaceae+_ an, deren Kolben

kugelig sind und deren Einzelblüten ein Perigon besitzen.

3. Familie _+Pandanaceae+_. Eigenartige, auf Stützwurzeln stehende

Bäume oder kletternde Sträucher, die in allen den Indischen Ozean

umlagernden Tropenländern und pazifischen Inseln heimisch sind und

auch wohl als Schraubenpalmen bezeichnet werden, weil ihre langen,

scharf bewehrten, rinnenförmigen Blätter in dreizeiliger Schraube

lückenlos den Stamm umlaufen. Ihre männlichen und weiblichen

diklinen Blütenstände sind endständige Kolben, die perianthlose

Einzelblüten tragen und in der Achsel scheidiger Deckblätter

stehen. _Pandanus_ (vgl. Fig. 807 vor den Palmen), _Freycinetia_

(vgl. S. 482).

4. Familie _+Palmae+_[506]. Die Palmen sind eine ausschließlich

tropische und subtropische Familie von meist baumförmigen Angehörigen.

Ihr schlanker, fast immer einfacher, nur bei den afrikanischen

_Hyphaene_-Arten gabelig verzweigter Stamm besitzt meist auf seiner

ganzen Länge denselben Durchmesser. Einzelne Formen weisen jedoch

eine deutliche Dickenzunahme gegen die Basis hin, bisweilen auch in

der halben Stammhöhe, auf, die nur auf Vergrößerung der vorhandenen

Elemente und eventuell örtlich beschränkten Neubildungen beruht. Genau

so verhalten sich übrigens auch die Pandanaceen. Die Blätter bilden

eine gipfelständige Krone und erreichen oft gewaltige Dimensionen.

Es sind entweder Fieder- oder Fächerblätter, meist langgestielt,

deren Zerteilung durch Einreißen der ursprünglich einfachen, in der

Knospenlage gefalteten Spreiten an den absterbenden Faltungsstellen

zustande kommt. Der Blütenstand ist in einigen Fällen terminal, wie

bei der Sagopalme, _Metroxylon_; das Individuum stirbt dann mit

der Fruchtbildung ab. Häufiger jedoch stehen die Infloreszenzen

blattachselständig. Sie sind während der Entwicklung von einer

mächtigen, sehr widerstandsfähigen Scheide, der #Spatha#, umhüllt, die

zur Zeit der Blüte aufplatzt und den einfachen oder meist verzweigten

Blütenstand ins Freie treten läßt (Fig. 805).

Die Einzelblüten sind in der Regel eingeschlechtig und nach

dem regelmäßigen Monokotylentypus gebaut, also P3 + 3, A3 + 3

für die männlichen, P3 + 3, G(̲3) für die weiblichen. Fig. 805

zeigt den Blütenstand von Cocos nucifera mit der Spatha, die

ihn am Grunde noch umgibt. Man bemerkt neben zahlreichen, nach

den Infloreszenzenden hin in dicht gedrängten Ähren stehenden

männlichen Blüten einzelne am Grunde befindliche, noch ungeöffnete

weibliche von erheblich größeren Dimensionen; Cocos ist also

monözisch. Der einfächerige Fruchtknoten besteht aus drei

miteinander verwachsenen Fruchtblättern, in denen sich jedoch nur

ein Fruchtfach entwickelt. Die reifen Früchte hängen zu mehreren

an einem Fruchtstande. Jede Frucht ist von einem glatten Exokarp,

einem grobfaserigen Mesokarp und einem steinharten Endokarp

umhüllt. Das lufthaltige Mesokarp (Kokosfaser) bedingt die

Schwimmfähigkeit und damit die große Verbreitung der Palme über

alle Tropenküsten. An der Basis zeigt jedes Karpell „ein Keimloch“

(Fig. 806) im Endokarp, das zuwächst; am wenigsten Widerstand

bietet dasjenige, dem der Keimling anliegt. Endosperm wird in

dicker Lage rings an der Wandung abgelagert; es ist sehr fettreich

und bildet die #Kopra# des Handels. Der Innenraum wird zum Teil von

einer Flüssigkeit, der sog. Kokosmilch, ausgefüllt, die für die

Keimung von Bedeutung sein dürfte. Der keimende Embryo entwickelt

in den Hohlraum hinein ein mächtiges Saugorgan, welches dem

Keimling Reservestoffe zuführt und ihn schließlich ganz ausfüllt.

Fig. 807 gibt den Habitus eines Kokoswäldchens wieder.

[Illustration: Fig. 805. Cocos nucifera. Blütenstand der Kokospalme.

Stark verkleinert.]

Doch nicht überall sind die Verhältnisse die gleichen. Bei _Areca

Catechu_ (Fig. 833) ergibt die aus ähnlichem Fruchtknoten entwickelte

Frucht eine Beere, indem das Mesokarp grobfaserig-fleischige Konsistenz

annimmt. Das weiße, durch einwachsende dunkle Zellstreifen der

Samenschale #ruminierte# Endosperm wird hier steinhart, weil Zellulose

als Reservestoff abgelagert ist. Ebenso ist die Frucht der diözischen

Dattelpalme, _Phoenix dactylifera_, eine Beere, die aber aus einem

apokarpen Gynäceum hervorgeht; von den drei freien Fruchtblättern

wird nur eines völlig ausgebildet. Sonstige wichtige Nutzpflanzen

unter den Palmen sind: _Elaëis guineensis_, die afrikanische

#Ölpalme#. _Calamus_-Arten liefern das #Stuhlrohr#, _Metroxylon_-Arten

#Sago#, beide im asiatisch-australischen Tropengebiet zu Hause:

_Phytelephas macrocarpa_, eine amerikanische stammlose Palme,

liefert #vegetabilisches Elfenbein# im harten Endosperm ihrer Samen.

Verschiedene Arten lassen nach Abschneiden der Infloreszenzanlagen eine

Menge zuckerhaltigen Saftes ausfließen, der bald zu Palmwein vergoren,

bald (_Arenga saccharifera_) zur Gewinnung von Rohrzucker eingedickt

wird.

#Offizinell#: _Areca Catechu_ (trop. Asien) liefert #Semen Arecae#

(Pharm. germ., helv.).

[Illustration: Fig. 806. Kokosnuß, nach teilweiser Entfernung des

faserigen Mesokarps, verkleinert. Nach E. WARMING.]

[Illustration: Fig. 807. Kokosinseln bei Hilo, Hawaii. Pandanus

odoratissimus vor den Palmen.]

5. Familie _+Araceae+_. Die Araceen sind meist Kräuter oder Stauden;

im feuchten Walde der Tropen treten sie als Wurzelkletterer auf (Fig.

808) und spielen dort eine hervorragende Rolle. Einige Arten, wie

_Monstera_, zeigen Zerteilung und Durchlöcherung ihrer mächtigen

Blattspreiten durch Absterben genau umschriebener Stellen (vergl.

Palmae). Die Araceenblüten sind sehr reduziert und meist diklin an

einer unverzweigten, fleischig-kolbigen Achse, Spadix, angeordnet, die

an der Basis eine Spatha von oft lebhafter Färbung als Schauapparat

besitzt, z. B. bei _Anthurium Scherzerianum_ „Krebsschere“ und

_Richardia aethiopica_ „Kalla“ genannt, zwei in unseren Gewächshäusern

häufig kultivierten Araceen. Die Früchte sind meist Beeren, die

häufig lebhaft rote, bläuliche oder weiße Farben zeigen. _Colocasia_

(s. S. 200) und _Caladium_ vielfach ihrer riesigen und zum Teil

Blumenblatt-ähnlich schön gefärbten Blätter wegen in Kultur. _Ariopsis_

und _Spathicarpa_ mit charakteristischen Infloreszenzen.

[Illustration: Fig. 808. Wurzelkletternde Araceen im feucht-tropischen

Walde von Chiapas. (Cafetal Trionfo.) Von den hoch oben befindlichen

Exemplaren werden Wurzeltaue zum Boden entsandt, die ihnen nach

Absterben des Stammes zur Ernährung dienen.]

#Deutsche Vertreter#: _Acorus Calamus_, der Kalmus, ist erst im

Laufe der letzten 2 bis 3 Jahrhunderte aus dem wärmeren Asien

zu uns gewandert. Seine Blüten sind vollständige, zwittrige

Monokotylenblüten, die an einem kurzen Kolben sitzen, der

endständig ist, aber von seiner blattartigen Spatha zur Seite

gedrängt wird (Fig. 809). Die in unseren Torfsümpfen verbreitete

_Calla palustris_ und _Arum maculatum_ (Fig. 810), eine mit

knolligem Rhizom ausdauernde Staude unserer Laubwälder, sind

wie viele andere Araceen giftig. _Arum_ entwickelt eine Anzahl

langgestielter, pfeilförmiger Blätter, deren braune Flecken der

Pflanze den Beinamen gegeben haben. Die monözischen, perianthlosen

Blüten sind an einem endständigen Kolben, dem Aronstab, angeordnet

und werden von einer oben weit geöffneten grünlichen Spatha völlig

umhüllt. An der Basis des Kolbens tief im Grunde der Spatha sitzen

die weiblichen Blüten, in geringem Abstand darüber die männlichen

und weiter oben, gerade der Einschnürung und Verengung der Spatha

entsprechend, einige steril gewordene Blüten von haarförmiger

Gestalt. Sie sind wie Reusenhaare abwärts gebogen und gestatten

kleinen, durch den eigenartigen Geruch und die angenehme Wärme

in den kalten Frühjahrsnächten angelockten Insekten wohl den

Eintritt in den unteren erweiterten Kessel, hindern aber ihren

Wiederaustritt, bis die weiblichen Blüten durch von anderen Blüten

mitgebrachten Pollen bestäubt sind, worauf die Haare schrumpfen

und den Ausgang freigeben. Beim Verlassen des Gefängnisses müssen

die Insekten an den inzwischen geöffneten männlichen Blüten

vorbeikriechen, mit deren Pollen bedeckt sie andere Blüten

aufsuchen.

[Illustration: Fig. 809. Acorus Calamus, blühende Pflanze. Einzelblüte

von oben und im Profil. ½ nat. Gr. -- #Offizinell#.]

[Illustration: Fig. 810. Arum maculatum, ½ nat. Gr. Blütenstand und

Fruchtstand, ⅔ nat. Gr. -- #Giftig#.]

#Offizinell#: _Acorus Calamus_: #Rhizoma Calami# (Pharm. germ.,

austr., helv.) und #Oleum Calami# (Pharm. germ.).

3. Ordnung. Liliiflorae.

Strahlige fünfwirtelige Monokotylenblüten mit oberständigem oder

unterständigem Fruchtknoten sind das Charakteristikum der Ordnung

(Fig. 801). Das Perianth ist in beiden Kreisen gleichartig als Perigon

ausgebildet. Im Andröceum wird nur bei den Iridaceen ein Wirtel

unterdrückt. Das Gynäceum wechselt in der Stellung, doch ist stets ein

aus drei Karpellen zusammengesetzter, meist dreifächeriger Fruchtknoten

vorhanden.

In der 1. Familie _+Juncaceae+_ sind grasähnliche Gewächse

mit vollständiger Liliiflorenblüte vereinigt, deren Perigon

spelzenähnlich ist, so daß auf Windbestäubung zu schließen ist. Der

Pollen bleibt in Tetraden vereinigt. Der oberständige Fruchtknoten

ist ein- oder dreifächerig und wird von drei langen papillösen

Narben gekrönt. Ein mehliges Endosperm umgibt den in Kapselfrüchten

entwickelten Samen. Die Familie ist in der gemäßigten Zone beider

Hemisphären verbreitet.

Die Gattung _Juncus_, #Binse#, ist in zahlreichen Arten bei uns

vertreten. Ihre stielrunden, mit Luftkammern versehenen Halme

und Blätter finden sich überall an Wassertümpeln und Flußläufen.

Die auf Windbestäubung eingerichteten Blüten (Fig. 811) sitzen

knäuelig am Gipfel der Sprosse, oft durch das in der Richtung der

Achse gestellte Stützblatt zur Seite gedrängt. Ihre Früchte sind

vielsamig. _Luzula_ mit flachen Blättern und dreisamigen Früchtchen

ist in mehreren im Frühling blühenden Arten verbreitet.

Die Blüte der 2. Familie _+Liliaceae+_ entspricht vollkommen einer

typischen Liliiflorenblüte mit gefärbtem Perigon und zumeist

entomophiler Bestäubung. Der Fruchtknoten ist oberständig und enthält

zahlreiche Samen, deren Endosperm hornig oder fleischig sein kann.

Die Früchte sind septicide oder loculicide Kapseln, in anderen Fällen

Beeren.

Die Mehrzahl der Liliaceen sind mit Zwiebeln, Knollen oder

sonstwie gestalteten Rhizomen perennierende krautartige Gewächse,

die vorzugsweise in den warm temperierten Gebieten beheimatet

sind. _Colchicum autumnale_, Herbstzeitlose (Fig. 812), ist

eine häufige, sehr giftige, ausdauernde Staude unserer Wiesen;

untersucht man die Pflanze im Herbst, wenn sie ihre Blüten

öffnet, so findet sich eine braune feste Hülle, die eine Knolle

und den ihr an der Basis angewachsenen, blühenden Seitentrieb

umgibt. Dieser bringt drei kurze ringförmige Scheidenblätter,

und in der Achsel des dritten befindet sich eine Knospe, die

Anlage des nächstjährigen Blütensprosses, dessen basales Ende zur

Tochterknolle wird. Im Frühjahr ist die Knolle ausgesogen und

von der Tochterknolle verdrängt. Die drei Laubblätter erheben

sich mit ihrer dunkelgrünen, langen, rinnenförmigen Spreite über

den Boden und umscheiden die gestreckte Achse, die am Gipfel die

septiciden Kapselfrüchte trägt (Fig. 812 _f_), deren Samen als

Semen Colchici offizinell sind. -- Der giftige Germer, _Veratrum

album_, ist eine ansehnliche Staude unserer Bergwiesen; die

großen, elliptischen, längsgefalteten Blätter bilden eine buschige

Rosette. Eine endständige, stattliche, pyramidale Rispe trägt die

grünlich-weißen, polygamen Blüten. Ebenfalls septicide Kapseln hat

_Schoenocaulon_ (_Sabadilla_) _officinale_, ein grasblättriges

Zwiebelgewächs der mittelamerikanischen und venezolanischen Anden,

das offizinelle Bedeutung besitzt. Hierher gehört auch die windende

_Bowiea_ (Südafrika), die schön blühende _Gloriosa_ und _Littonia_,

beides Blattspitzenranker.

[Illustration: Fig. 811. Juncus lamprocarpus. _a_ Teil der

Infloreszenz. _b_ Blüte, vergr., _c_ Gynäceum, vergr. Nach A. F. W.

SCHIMPER.]

Lehrbuch der Botanik für Hochschulen · 第 79 / 90 段