_Lamium_, die Taubnessel, _Stachys_, der Ziest, _Galeopsis_ (Fig.
760) mit helmförmiger, _Ajuga_ mit sehr kurzer, _Teucrium_ mit
tiefgespaltener Oberlippe zeigen einige Formverschiedenheiten.
Bei _Glechoma_ und _Nepeta_ sind die hinteren Staubblätter die
längeren, umgekehrt wie bei den übrigen Labiaten. Bei _Salvia_,
dem Salbei, sind die beiden allein vorhandenen Staubblätter für
Bestäubungszwecke eigenartig gebaut (vgl. S. 481, Fig. 540). Ihrer
aromatischen Eigenschaften wegen sind zahlreiche Lippenblütler für
#offizinelle# Zwecke herbeigezogen. Einen besonders reichen Beitrag
dafür stellen auch die trockenen Gesträuche der Mittelmeerländer,
die Macchien. So liefern _Lavandula vera_ (Fig. 761) #Flores
Lavandulae# und #Oleum Lavandulae# (Pharm. germ., austr., helv.),
_Salvia officinalis_ (Fig. 762) #Fol. Salviae# (ibid.), _Melissa
officinalis_ #Fol. Melissae# (ibid.), _Thymus Serpyllum_ #Herba
Serpylli# (ibid.), _Thymus vulgaris_ #Herba Thymi#, #Oleum Thymi#
und #Thymolum# (ibid.), _Rosmarinus officinalis_ #Folia# und #Oleum
Rosmarini# (ibid.), _Mentha piperita_ #Folia# und #Oleum Menthae
piperitae# wie #Mentholum# (ibid.), _Galeopsis ochroleuca_ #Herba
Galeopsidis# (Pharm. austr.), _Origanum vulgare_ #Herba Origani#
(ibid.), _Origanum Majorana_ #Herba Majoranae# (Pharm. helv.).
4. Ordnung. Personatae.
[Illustration: Fig. 763. Solanaceae. Diagramm (Petunia). Nach F. NOLL.]
[Illustration: Fig. 764. Solanum Dulcamara. ½ nat. Gr. -- #Offizinell#
und #giftig#.]
Gemeinsamen Ursprung mit den Tubifloren scheinen die Personatae zu
haben. Sie umfassen ebenfalls radiäre und dorsiventrale Blütenformen,
doch fehlen die falschen Scheidewände, und die Zahl der Samenanlagen
ist erheblich größer. Die 1. wichtige Familie, +_Solanaceae_+, besitzt
meist radiäre Blüten, deren Kronblätter in der Knospenlage gefaltet
sind. Der Fruchtknoten wird durch eine schräg zur Mediane stehende Wand
geteilt (Fig. 763). Die verschiedenartigen Früchte umschließen Samen
mit stark gekrümmtem Embryo im Endosperm. Anatomisch ist der Besitz
bikollateraler Leitbündel hervorzuheben.
[Illustration: Fig. 765. Atropa Belladonna. ½ nat. Gr. -- #Offizinell#
und #giftig#.]
Radiäre Blüten und Beerenfrüchte zeichnen die Gattung _Solanum_
aus. _Solanum tuberosum_ ist die Kartoffel (Fig. 201), _S.
nigrum_ der Nachtschatten, _S. Dulcamara_ (Fig. 764), der
Bittersüß, und _Lycopersicum_ die Tomate, sind weitere bekannte
_Solanum_-Arten. Über Pfropfbastarde, Periklinalchimären und
Gigasformen der _Solanum_-Arten vgl. S. 262 und H. WINKLER[497].
_Atropa Belladonna_, die Tollkirsche (Fig. 765), eine sehr
giftige Staude Europas, ist an der radiären, röhrig aufgedunsenen
Blüte von trüb purpurner oder auch gelber Färbung, wie an den
schwarzglänzenden Beerenfrüchten auf stark vergrößertem Kelche zu
erkennen. Der zunächst radiäre Hauptsproß verzweigt sich unter der
Endblüte in meist drei gleich starke, plagiotrope Zweige, die sich
wickelartig weiter verzweigen; durch Hinaufwachsen des Tragblattes
an dem Achselsproß wird der Anschein gepaarter Blätter erweckt
(Fig. 765). _Capsicum annuum_ hat ähnliche Verzweigung; seine
trockenen Beerenfrüchte liefern den spanischen Pfeffer. _Datura
Stramonium_, der Stechapfel, ist ebenfalls eine _Atropa_-ähnlich
verzweigte einjährige Pflanze, die mit ihren ausgeschweiften
Blättern, den großen, in der Knospe gefalteten weißen Blüten und
den charakteristischen scharf bewehrten Kapselfrüchten leicht
kenntlich ist (Fig. 766). _Nicotiana tabacum_, die Tabakpflanze
(Fig. 767), ist in zahlreichen Kulturformen verbreitet; die großen,
wechselständigen, stark drüsig behaarten Blätter liefern nach
Trocknung und Fermentation den Tabak; die Früchte der Gattung sind
kapselförmig. _Hyoscyamus niger_, das Bilsenkraut, eine einjährige
Giftpflanze der alten Welt; die mit stark drüsig behaarten,
sitzenden, wechselständigen Blättern besetzte Achse endigt in einem
Wickel etwas zygomorpher Einzelblüten von trübgelber Farbe mit
blauer Aderung (Fig. 768); die Frucht ist eine Deckelkapsel.
[Illustration: Fig. 766. Datura Stramonium. ½ nat. Gr. Reife Frucht
aufgesprungen. -- #Offizinell# und #giftig#.]
Infolge ihres Gehaltes an giftigen Alkaloiden, die in der Medizin
Verwendung finden, zählen viele Solanaceen zu den #offizinellen#
Gewächsen, so liefert _Atropa Belladonna_ #Folia Belladonnae#,
#Radix Belladonnae# und #Atropin# (Pharm. germ., austr., helv.),
_Datura Stramonium_ #Semen# und #Folia Stramonii# (ibid.),
_Hyoscyamus niger_ #Folia Hyoscyami# (ibid.), _Capsicum annuum_
#Fructus Capsici# (Pharm. germ., helv.), _Nicotiana tabacum_ #Folia
Nicotianae# (Pharm. helv.), _Solanum Dulcamara_ #Caules Dulcamarae#
(Pharm. austr., helv.); _Scopolia carniolica_ #Scopolaminum#
(Pharm. germ.).
Durch dorsiventrale Blüten, nicht gefaltete Knospenlage der
Krone und Unvollständigkeit des Andröceums ist die 2. Familie
_+Scrophulariaceae+_ von den Solanaceen unterschieden. Außerdem hat die
zweifächerige Kapselfrucht keine schrägstehende Scheidewand.
Von den bekannten Gattungen hat nur _Verbascum_ (Fig. 769, 770
_A_), die Königskerze, fünf Staubblätter, doch sind die drei
hinteren mit wollig behaarten Filamenten und quergestellten
Antheren abweichend und nur zwei vordere normal ausgebildet. Die
Pflanzen sind zweijährig und durch stark wollige Behaarung der
mächtigen Blattrosette kenntlich. _Scrophularia_, _Linaria_ und
_Antirrhinum_, Löwenmaul, haben nur vier Staubblätter bei einer
zweilippigen Krone, bei _Gratiola_ (Fig. 770 _B_) und _Veronica_,
Männertreu, sinkt die Zahl der Staubblätter auf zwei herab.
_Mimulus_, _Torenia_ mit reizbarer Narbe vgl. S. 321. _Maurandia_
Blattstielkletterer. _Digitalis purpurea_ (Fig. 771), der
Fingerhut, mit einseits gewendeten Blüten am Schaft des im zweiten
Jahre aus der Blattrosette aufschießenden Blütenstandes, ist
giftig, und seine Blätter sind als #Folia Digitalis# #offizinell#
(Pharm. germ., austr., helv.). Ebendort die Blüten von _Verbascum
thapsiforme_ und _V. phlomoides_ als #Flores Verbasci#.
[Illustration: Fig. 767. Nicotiana Tabacum. ½ nat. Gr. --
#Offizinell# und #giftig#. _a_ Blüte, nat. Gr., _b_ Krone
aufgeschnitten, nat. Gr., _c_ Fruchtknoten, nat. Gr., _d_ und _e_ junge
Frucht. Vergr. 2.]
Einen besonderen Verwandtenkreis innerhalb der Scrophulariaceen
bilden die Parasiten und Hemiparasiten wie die völlig
chlorophyllfreie _Lathraea_[498] und die grün beblätterten aber
mit Wurzelhaustorien auf anderen Pflanzen parasitierenden Arten von
_Tozzia_, _Bartschia_, _Pedicularis_, _Euphrasia_, _Odontites_,
_Melampyrum_ und _Alectorolophus_.
Ebenso sind die Angehörigen der 3. Familie _+Orobanchaceae+_ mit
der durch einfächerigen Fruchtknoten ausgezeichneten Gattung
_Orobanche_, Würger, rein parasitisch (Fig. 772).
[Illustration: Fig. 768. Hyoscyamus niger, blühender Sproß und Frucht.
½ nat. Gr. -- #Offizinell# und #giftig#.]
[Illustration: Fig. 769. Verbascum thapsiforme. _a_ Blüte. _b_ Kelch
und Griffel. Nat. Gr. -- #Offizinell#. Nach H. SCHENCK.]
[Illustration: Fig. 770. Scrophulariaceae. Blütendiagramme. Nach A. W.
EICHLER. _A_ Verbascum. _B_ Gratiola.]
In der Lebensweise bieten auch die Angehörigen der 4. Familie
_+Lentibulariaceae+_ Besonderheiten, so sind die Sumpf- und
Wasserpflanzen der Gattungen _Utricularia_[499] und _Pinguicula_
insektivor.
In der reduzierten 5. Familie der _+Plantaginaceae+_, sind
anemophile Gattungen wie _Litorella lacustris_ und stark dichogame,
wie der protogyne _Plantago_, Wegerich, vereinigt.
2. #Fruchtknoten unterständig.#
Die 5. Ordnung, +_Rubiinae_+,
soll ihre Verwandten in der ebenfalls durch unterständigen Fruchtknoten
ausgezeichneten Ordnung der Umbellifloren besitzen, an die sie also
anschließen würde. Die Blüten sind vier- oder fünfzählig, bei den
verwandten Familien mit zygomorphen (Caprifoliaceen) und asymmetrischen
(Valerianaceen) Blüten ändern sich die Zahlen im Andröceum und Gynäceum.
[Illustration: Fig. 771. Digitalis purpurea. ½ nat. Gr. _a_
Corolle, _b_ Kelch und Fruchtknoten, _c_ Frucht aufgesprungen, _d_
Fruchtquerschnitt. _a_-_d_ nach H. SCHENCK. -- #Offizinell# und
#giftig#.]
Die erste Familie der +_Rubiaceae_+[500] besitzt radiäre Blüten und in
den vegetativen Teilen einfache Blätter mit Nebenblättern. Einheimische
Rubiaceen gibt es nur wenige, die alle dem Formenkreis von _Asperula_,
Waldmeister, _Galium_ und _Rubia_ angehören, dadurch ausgezeichnet,
daß die Nebenblätter den Blättern gleichgestaltet sind und scheinbare
Blattquirle darstellen, die normal sechszählig sein müßten, durch
Verwachsung der benachbarten Nebenblätter vierzählig werden, aber in
den Zahlen etwas variieren.
In den Tropen sind Rubiaceen reich vertreten als Bäume, Sträucher,
Kletterpflanzen und Epiphyten.
Eine der wichtigsten Rubiaceen-Gattungen ist _Cinchona_ (Fig. 773);
sie liefert in verschiedenen kultivierten Arten die Chinarinde und
die daraus gewonnenen fieberwidrigen Alkaloide. Stattliche Bäume
der Südamerikanischen Anden, werden die Cinchona-Arten jetzt in
allen tropischen Kolonien angebaut. Ihre Kapselfrüchte beherbergen
zahlreiche geflügelte Samen (Fig. 774). Ebenso wichtig aber als
menschliches Genuß- und Nahrungsmittel ist der Kaffeestrauch,
_Coffea arabica_ (Fig. 775), Gebirgsbewohner Afrikas, und daneben
die im tropischen Tieflande fortkommende _Coffea liberica_. Die
Früchte sind zweisamige Steinfrüchte. Das Exokarp wird fleischig;
das Endokarp besteht aus einer dünnen Lage Steinzellen, welche die
von ihrer Silberhaut, der Samenschale, eingehüllten zwei Samen,
die Kaffeebohnen, umschließt. Zu den beerenfrüchtigen Formen
gehören die bekannten merkwürdigen Knollenepiphyten _Hydnophytum_
und _Myrmecodia_[500], die nach den neuesten Untersuchungen
aus den Exkrementen der sie bewohnenden Ameisenkolonien Nutzen
ziehen. Ebenso sind ernährungsphysiologisch _Psychotria_ und
_Pavetta_-Arten von Interesse[501], die in ihren Blättern
Stickstoff assimilierende Bakterien beherbergen; sie sind insofern
höher organisiert als die Leguminosen mit ihren Wurzelknöllchen,
als sie die Bakterien auch mit in ihre Samen einschließen und so
gleich Vorsorge für die nächste Generation treffen.
Von #offizineller# Bedeutung sind außer dem #Chininum# und #Cortex
Chinae# (Pharm. germ., austr., helv.) von _Cinchona succirubra_ und
_C. Ledgeriana_ die #Radix Ipecacuanhae# (ibid.) von dem kleinen
beerenfrüchtigen Halbstrauch Brasiliens _Uragoga Ipecacuanha_ (Fig.
776) und #Catechu# (#Gambir#), der aus den Blättern der Liane
_Ourouparia Gambir_ gewonnene Extrakt.
[Illustration: Fig. 772. Orobanche minor auf Trifolium repens
schmarotzend. ½ nat. Gr. Einzelblüte vergr.]
Die 2. Familie der _Rubiinae_ ist die der _+Caprifoliaceae+_. Sie
enthält Holzgewächse, deren verschieden gestalteten Blättern die
Nebenblätter meist fehlen. Mit radiären Blüten und dreifächerigem
Fruchtknoten ist _Viburnum_, der Schneeball, ausgestattet. Die
Früchte enthalten nur einen Samen, die unfruchtbaren Randblüten
dienen als Schauapparat; in der Zierpflanze sind nur diese
unfruchtbaren Blüten in den kugeligen Trugdoldeninfloreszenzen
vorhanden. _Sambucus_, Holunder, hat unpaarige Fiederblätter,
drüsige Nebenblätter und radiäre Blüten. Die Frucht enthält drei
Samen. Dorsiventrale Blüten finden sich beim Gaisblatt, _Lonicera
periclymenum_, einem schlingenden Strauch unserer Haine, dessen
langröhrige stark duftende Blüten durch langrüsselige Sphingiden
besucht werden. _Diervilla_ (_Weigelia_) beliebter Zierstrauch.
[Illustration: Fig. 773. Cinchona succirubra. ½ nat. Gr. Nach A. MEYER
und SCHUMANN. -- #Offizinell#.]
#Offizinell# sind #Flores Sambuci# (Pharm. germ., austr., helv.)
von _Sambucus nigra_ und #Cortex Viburni# (Pharm. austr.) von
_Viburnum prunifolium_.
In der 3. Familie _+Valerianaceae+_ finden sich Stauden mit
asymmetrischen Blüten, deren Kelch sich erst an den Früchten
als „Pappus“ entwickelt, d. h. zu einer als Flugapparat
dienenden Federkrone. _Valeriana_, der Baldrian, besitzt eine
gespornte fünfzählige asymmetrische Krone (Fig. 777, 778), drei
Staubblätter und drei Fruchtblätter, von diesen ist aber nur eines
fertil. Andere Valerianaceen haben nur zwei (_Fedia_) oder ein
(_Centranthus_) Staubblatt in der Blüte.
_Valeriana officinalis_ liefert das #offizinelle# #Oleum
Valerianae# und die #Radix Valerianae# (Pharm. germ., austr.,
helv.).
Als 4. Familie sei angefügt die der _Dipsacaceae_, die als krautige
Pflanzen mit gegenständigen Blättern und vier- bis fünfzähligen,
teils radiären, teils zygomorphen Einzelblüten sich hier gut
einfügen. Die Blüten stehen jede von einem Außenkelch umgeben,
der als Verbreitungsmittel dient, in Köpfchen zusammen, die von
sterilen Hüllblättern eingeschlossen werden.
[Illustration: Fig. 774. Cinchona succirubra. _A_ Blüte. _B_ Korolle
aufgeschnitten. _C_ Fruchtknoten-Längsschnitt. _D_ Früchte. _E_ Samen.
_A_-_C_ und _E_ vergr. _D_ nat. Gr. Nach A. MEYER und SCHUMANN.]
_Dipsacus_, die Weberkarde, mit stechenden Hüll- und Spreublättern,
hat vierteilige radiäre Krone, vier Staubblätter und ein
Fruchtblatt, das eine hängende anatrope Samenanlage enthält; im
Samen findet sich Endosperm (Fig. 779). Ebenfalls vierteilig ist
_Succisa_ (Fig. 780); fünfteilige Krone und größere dorsiventrale
Randblüten führt _Scabiosa_; vierteilig und einzige Gattung ohne
Spreublätter ist _Knautia_.
Der gemeinsame Charakterzug der
_+Synandrae+_
als 6. Ordnung ist darin zu finden, daß ihre Antheren, seltener die
ganzen Staubblätter, in irgendeiner Weise miteinander verwachsen oder
verklebt sind. Im übrigen kann die Blüte radiär oder zygomorph sein.
[Illustration: Fig. 775. Coffea arabica. ½ nat. Gr. Einzelblüte.
Frucht, Samen im Endokarp und daraus befreit. Etwa nat. Gr.]
Als 1. Familie sei diejenige der _+Cucurbitaceae+_ angeführt,
welche am besten schon durch die häufig bei ihr nicht durchgeführte
Sympetalie die Verbindung zu den Choripetalen, wenn auch zu
Gruppen, die in unserem kurzen Auszuge keine Erwähnung finden
konnten, aufrecht erhält. An die Cucurbitaceen sind daher auch
die übrigen Sympetalen angegliedert (vgl. Stammbaum S. 583).
Die Familie umfaßt krautige, rauhhaarige, großblättrige Pflanzen
mit meist monözisch verteilten diklinen Blüten. Kelch und Krone
verwachsen unterwärts, und die Antheren vereinigen sich paarweise,
in anderen Fällen sämtlich miteinander, wobei sie eine ∞förmige
Krümmung annehmen (Fig. 781). Der dreifächerige Fruchtknoten
wird zu einer derbschaligen Beerenfrucht. Die Ranken sind
verzweigt oder unverzweigt und entsprechen in ihrer seitlichen
Stellung einem Vorblatte. _Cucumis sativus_, die Gurke, und
_Cucumis Melo_, die Melone, werden vielfach kultiviert. Die
Gurkenpflanze ist parthenokarp[502], d. h. Bestäubung der Narbe
ist zum #Fruchtansatz# nicht nötig. _Cucurbita Pepo_, der Kürbis,
_Bryonia_, die Zaunrübe.
[Illustration: Fig. 776. Uragoga Ipecacuanha. ½ nat. Gr. Fruchtstand
daneben. -- #Offizinell#.]
[Illustration: Fig. 777. Valeriana officinalis. _a_ Blüte. Vergr. 8.
_b_ Frucht. Vergr. -- #Offizinell#. Nach H. SCHENCK.]
[Illustration: Fig. 778. Valeriana. Diagramm. Nach F. NOLL.]
[Illustration: Fig. 779. Frucht von Dipsacus fullonum im Längsschnitt,
_hk_ Hüllkelch, _end_ Endosperm, _em_ Embryo. Nach H. BAILLON.]
[Illustration: Fig. 780. Succisa pratensis. _a_ Blüte mit Außenkelch,
_b_ ohne Außenkelch, _c_ Frucht im Längsschnitt, _f_ Fruchtknoten, _hk_
Außenkelch. Nach H. SCHENCK.]
#Offizinell# ist _Citrullus Colocynthis_, die Koloquinte, eine
ausdauernde Pflanze der asiatischen und afrikanischen Wüsten
nördlich des Äquators; in den Achseln ihrer tief dreilappig
fiederschnittigen Blätter stehen einzeln männliche Blüten mit drei
Antheren, von denen zwei paarig verwachsene die doppelte Zahl von
Windungen haben wie die fünfte unpaare, die weiblichen Blüten in
gleicher Stellung. Die Früchte werden zu trockenen Beeren, die
Pflanze liefert #Fructus Colocynthidis# (Pharm. germ., austr.,
helv.) (Fig. 783).
[Illustration: Fig. 781.
Fig. 782.
Fig. 781 u. 782. Ecballium (Cucurbitaceae). Diagramm. Fig. 781
Männlich. Fig. 782 Weiblich. Nach A. W. EICHLER.]
[Illustration: Fig. 783. Citrullus Colocynthis. ½ nat. Gr. _1_
Sproß mit männlicher und weiblicher Blüte. _2_ Sproßgipfel mit
männlichen Blütenknospen und Ranken. _3_ Männliche Blüte ausgebreitet.
_4_ Weibliche Blüte längsdurchschnitten. _5_ Junge Frucht
querdurchschnitten. -- #Offizinell#.]
Die Zusammenfügung der folgenden Familien mit den Cucurbitaceen ist
lediglich auf Grund des morphologischen Merkmals der verwachsenen
Antheren möglich. Eine wirkliche Verwandtschaft erscheint, vom
morphologischen Standpunkte aus, unwahrscheinlich, nachdem
durch die Untersuchungen von KRATZER die sehr verschiedenartig
verlaufende Samenentwicklung dargelegt ist. Immerhin soll
Plasmaverwandtschaft nach dem serodiagnostischen Stammbaum
vorhanden sein.
[Illustration: Fig. 784. Blütendiagramm von Campanula medium. Nach A.
W. EICHLER.]
[Illustration: Fig. 785. Campanula rotundifolia. Blüte. Nat. Gr. _a_
Ganz, _b_ im Längsschnitte. H. SCHENCK.]
[Illustration: Fig. 786. Blütendiagramm von Lobelia fulgens. Nach A. W.
EICHLER.]
Die 2. Familie, die der +_Campanulaceae_+, enthält
milchsaftführende Kräuter mit radiären Blüten und drei- oder
fünfzähligen Fruchtknoten. Die Staubblätter sind der Blütenachse
eingefügt und mit ihren Antheren verklebt oder verwachsen. Die
Gattung _Campanula_ (Fig. 784, 785) ist bei uns vielfach vertreten
und bildet mit ihren blauen Glocken einen Schmuck der sommerlichen
Vegetation. _Phyteuma_ hat ährenförmige Blütenstände, deren Blüten
ihre Kronblätter nur an der Basis öffnen. Erst wenn der in der
Knospe entleerte Pollen von den Griffelfeghaaren[503] hinausgefegt
ist, öffnen sich die Kronblätter und spreizen die Narbenschenkel
auseinander. _Jasione_ hat kopfige, an Kompositen erinnernde
Infloreszenzen.
Die 3. Familie der +_Lobeliaceen_+ unterscheidet sich nur durch
dorsiventrale Blüten und zwei Fruchtblätter von den Campanulaceen.
Das mediane Kelchblatt steht auf der Vorderseite vor einem tiefen
Schlitz der Krone; durch Drehung oder Übernicken der ganzen
Blüte wird die normale Stellung hergestellt (Fig. 786). _Lobelia
Dortmanna_ hat als nordische Wasserpflanze Interesse, da sie völlig
den Habitus einer _Litorella_ angenommen hat.
#Offizinell# ist #Herba Lobeliae# von _L. inflata_, Nordamerika
(Fig. 787).
[Illustration: Fig. 787. Lobelia inflata. Spitze einer blühenden und
fruchtenden Pflanze.]
3. Familie _+Compositae+_[504]. Über die ganze Erdoberfläche
verbreitete große Familie mit meist krautigen Angehörigen -- baumförmig
ist z. B. _Senecio Johnstoni_. Die Blüten stehen in Köpfchen beisammen.
Die Einzelblüten sind radiär oder dorsiventral, und es finden sich
entweder nur gleiche oder auch verschiedene im Köpfchen vereinigt.
Staubblätter sind fünf vorhanden, der Kronröhre angewachsen; ihre
Antheren sind intrors und bilden durch Verwachsung ihrer Kutikula
eine Röhre (Fig. 788), welche vom noch unentwickelten Griffel unten
geschlossen wird. Die Blüten sind protandrisch, so daß der frühzeitig
entleerte Pollen bei der Streckung des Griffels von den Feghaaren nach
oben hinausgedrängt wird. Der fertig entwickelte Griffel ist oben stets
in zwei Narben gegabelt. Die einzige Samenanlage des einfächerigen
Fruchtknotens ist stets anatrop und aufrecht (Fig. 791), die Samen
sind endospermlos. Die Früchte sind vielfach von einem als Kelch
anzusehenden Haarkranze, dem Pappus (Fig. 789), gekrönt, der ihrer
Verbreitung durch den Wind dient. Als Reservestoff findet sich in
Wurzeln und Knollen (Fig. 203) meist Inulin, in den Samen Aleuron und
fettes Öl.
[Illustration: Fig. 788. Compositae. Diagramm (Carduus). Nach F. NOLL.]
[Illustration: Fig. 789. Arnica montana. _a_ Randblüte, _b_
Scheibenblüte, _c_ diese im Längsschnitt. Vergr. Nach BERG und SCHMIDT.]
[Illustration: Fig. 790. _a_ Lappa major. Köpfchen im Längsschnitt mit
hakenförmigem Hüllkelch und mit Spreublättchen auf dem Blütenboden.
_b_ Matricaria Chamomilla, ohne Spreublättchen. Vergr. Nach BERG und
SCHMIDT. -- #Offizinell#.]
[Illustration: Fig. 791. Arnica montana. _a_ Köpfchenachse, nach
Entfernung der Früchte. Vergr. _b_ Frucht im Längsschnitt, vom
Pappus ist nur der untere Teil gezeichnet. Nach BERG und SCHMIDT.
#Offizinell#.]
[Illustration: Fig. 792. Andröceum von Carduus crispus. Vergr. 10. Nach
H. BAILLON.]
Die Einzelblüten sind entweder radiär mit fünflappiger Krone, sie
heißen #Röhrenblüten# (Fig. 789, _b_, _c_), oder es kommen durch
Unterdrückung der Oberlippe #einlippige# Blüten zustande, deren
#Unterlippe drei Zipfel zeigt# (Fig. 789 _a_). Sehr ähnlich sind
diesen letzteren die #zungenförmigen Blüten#, wie _Taraxacum_ sie
führt: einseitig tief gespalten, #am Rande mit fünf Zipfeln#.
Häufig sind neben solchen Kompositen, die nur Röhrenblüten oder
nur Zungenblüten in ihren Köpfchen besitzen, andere, die in der
Mitte Röhrenblüten (Scheibenblüten), am Rande einlippige Blüten
(Randblüten) tragen. Meist tritt dann zu einer etwa vorhandenen
Differenz der Färbung eine solche des Geschlechts hinzu, indem
die röhrenförmigen Scheibenblüten zwittrig, die einlippigen
Randblüten rein weiblich sind, d. h. die Köpfchen sind #heterogam#
(_Matricaria_, _Arnica_). Endlich finden sich bisweilen am Rande
völlig steril gewordene Blüten (Centaurea Cyanus), die nur als
Schauapparat zur Anlockung von Insekten dienen können.
[Illustration: Fig. 793. Kompositenfrüchte. _A_ Helianthus annuus. _B_
Hieracium virosum. _C_ Cichorium Intybus. Nach H. BAILLON.]
[Illustration: Fig. 794. Fruchtköpfchen von Taraxacum officinale.
Haarkelch auf den erhaltenen Früchtchen durch einen stielförmigen
Schnabel emporgehoben; Infloreszenzboden umgeschlagen. Etwa nat. Gr. --
Nach K. GOEBEL.]