Nicht nur ihrer Häufigkeit und Artenzahl nach zählen die Cruciferen

zu den wichtigeren heimischen Familien, sondern auch die große

Zahl der ihnen entstammenden Nutz- und Gartenpflanzen verleiht

ihnen größere Bedeutung; auch zählen manche Cruciferen zu den

ertragreicheren Honigblumen vermöge der am Grunde der Staubblätter

aus der Blütenachse hervorgehenden Honigdrüsen. _Cheiranthus

Cheiri_ (Fig. 701 _A_). Goldlack, _Matthiola_, Levkoje, beliebte

Zierpflanzen. _Brassica oleracea_ liefert den Kohl in seinen

verschiedenen Formen: a) _silvestris_, an den nordeuropäischen

Küsten ist als wilde Form anzusehen, b) _acephala_, Blätterkohl, c)

_gongylodes_, Kohlrübe, d) _gemmifera_, Rosenkohl, e) _sabauda_,

Wirsing, f) _capitata_, Kopfkohl, g) _botrytis_, Blumenkohl,

_Brassica campestris_, Rübsen mit den Kulturformen: a) _annua_,

Sommerrübsen, b) _oleifera_, Winterrübsen, c) _rapifera_, Teltower

Rübchen. _Br. napus_, Raps: a) _annua_, Sommerraps, b) _oleifera_,

Winterraps c) _Napobrassica_, Wruke. _Brassica nigra_, Senf (Fig.

704), eine einjährige, bereits im Altertume vielfach angebaute

Pflanze. Ihre grundständigen Blätter sind fiederteilig mit

stumpfen Endlappen, völlig unbehaart bis auf einige grobe Borsten

der Blattoberseite. Die dottergelben Einzelblüten stehen von der

Spindel ab, die abgeblühten, glatten Fruchtknoten und Früchte

dagegen sind ihr angedrückt und ragen gerade aufwärts. _Sinapis

alba_, Weißer Senf, ist eine rauhbehaarte Pflanze und durch

weit von der Spindel abspreizende, lang und flach geschnäbelte

Früchte, deren Klappen grob borstenhaarig sind, wie durch

doppelt so große, weiß-gelbe Samen, leicht vom schwarzen Senf

zu unterscheiden. _Anastatica hierochuntica_, die Jerichorose,

eine durch hygroskopische Bewegung (S. 295) ihrer Zweige bekannte

einjährige Wüstenpflanze Nordafrikas. _Crambe_ (Fig. 701 _E_),

mit im unteren Teil unfruchtbaren Schoten, und _Cakile_ sind

dickblättrige Strandpflanzen, _Raphanus sativus_, ist der Rettich

und das Radieschen. _Cochlearia_, Löffelkraut. _Vesicaria_,

_Aubrietia_, _Draba_, _Lunaria_ (Fig. 701 _D_), _Erophila_-Arten,

das Hungerblümchen, _Iberis_ mit etwas dorsiventralen Blüten,

_Capsella bursa pastoris_, das Hirtentäschl (Fig. 701 _C_) sind

bekannte Cruciferen. _Isatis tinctoria_, der Waid, früher als

Farbstoff liefernde Pflanze benutzt.

#Offizinell#: #Semen Erucae# (Pharm. helv.) von _Sinapis alba_.

#Semen Sinapis# (Pharm. germ., austr., helv.) von _Brassica nigra_.

#Oleum Sinapis# (ibid.) von beiden Pflanzen.

Zur 4. Familie _+Capparidaceae+_ gehört _Capparis spinosa_, ein

kleiner Felsenstrauch der Mittelmeerländer, mit einfachen Blättern,

kurzdornigen Nebenblättern und blattwinkelständigen, radiären

Einzelblüten, die sich von denen der Cruciferen durch Spaltung der

Staubblätter in unbestimmt viele, und durch Einschiebung eines

Gynophors, unterscheiden, welches den Fruchtknoten hoch über die

Blüte emporhebt (Fig. 705). Die Frucht ist eine Beere von etwa

Pflaumengröße mit zahlreichen Samen. Junge Blütenknospen liefern

die „Kappern“.

17. Ordnung. Cistiflorae.

Regelmäßig fünfzählige Blüten mit vermehrten, gespaltenen oder

bündelig verwachsenen Staubblättern und einem dreizähligen

oberständigen Fruchtknoten kennzeichnen die Mehrzahl der

Cistifloren.

[Illustration: Fig. 706. Blütendiagramm von Helianthemum vulgare

(Cistaceae). Nach A. W. EICHLER.]

[Illustration: Fig. 707. Diagramm von Viola. Nach F. NOLL.]

Die 1. Familie der _+Cistaceen+_ ist charakterisiert durch

strahlige, fünfzählige Blüten mit zahlreichen Staubblättern und

drei oder fünf zu einem Fruchtknoten verwachsenen Fruchtblättern

mit parietalen Plazenten. Das einheimische kleine Sonnenröschen

_Helianthemum vulgare_ (Fig. 706) und die Cistus-Arten des

Mittelmeergebietes entsprechen normalen Cistaceen. Angehörige

der 2. Familie der _+Violaceen+_ unterscheiden sich durch ihre

meist dorsiventralen Blüten, die nur fünf Staubgefäße und einen

einfächerigen Fruchtknoten besitzen (Fig. 707). In das gespornte

vordere Kronblatt ragen die beiden vorderen Staubblätter mit Nektar

absondernden Fortsätzen hinein. #Offizinell# ist #Herba violae

tricoloris# (Pharm. germ., austr., helv.).

In der 3. Familie der _+Ternstroemiaceen+_, zu der die Teepflanze

und die Kamelie gehören, fällt der allmähliche Übergang von

Kelch- in Kronblätter auf, wie ihn die Magnoliaceen zeigen,

zahlreiche Staubblätter und ein dreifächeriger Fruchtknoten mit

zentralwinkelständigen Plazenten vervollständigen das Bild.

#Offizinell#: #Folia Theae# (Pharm. austr.) von #Thea chinensis#

(Fig. 708). Durch bündelweise Vereinigung der Staubblätter und

schizogene Sekretbehälter ist die 4. Familie der _+Guttiferae+_

unterschieden. Die Gattung _Hypericum_ ist ein einheimischer

Vertreter. #Offizinell#: #Gummigutt oder Gutti#, der eingetrocknete

Sekretsaft von #Garcinia Hanburyi# (Pharm. germ., austr., helv.).

Als 5. Familie schließen sich die _+Dipterocarpaceen+_ an; sie sind

durch starke Vergrößerung aller oder einzelner Kelchblätter nach

der Befruchtung charakterisiert. #Dryobalanops Camphora# liefert

den Borneokampfer. #Offizinell#: #Dammar# (Pharm. germ., austr.)

von #Shorea Wiesneri#.

18. Ordnung. Columniferae.

Die Angehörigen dieser Ordnung besitzen fünfzählige, strahlige

Zwitterblüten, in denen einer, meist der äußere, der beiden

Staubblattwirtel unterdrückt oder nur staminodial vorhanden ist,

während der andere eine mehr oder minder große Vermehrung seiner

Glieder durch Spaltung erfährt. Vielfach geht eine Verwachsung der

Filamente daneben her. Auch die Fruchtblätter sind bisweilen durch

Verzweigung vermehrt. Der oberständige Fruchtknoten ist entsprechend

gefächert.

[Illustration: Fig. 708. Thea chinensis. Blühender Zweig. ⅔ nat. Gr.

Frucht und Samen. -- #Offizinell#.]

1. Familie _+Malvaceae+_. Charakteristisch für die Familie sind in der

Knospe gedrehte protandrische Blüten, deren Staubblätter zu einer der

Krone angewachsenen Röhre verbunden sind, welche die Griffel umhüllt

(Fig. 709, 710) und nur oben in zahlreiche freie Enden mit je einer

nierenförmigen Theca gespalten ist. K5, C5, A(∞), G(3) oder ∞. Die

Pollenkörner sind mit stachliger Exine versehen, so daß sie leicht am

Haarkleid der bestäubenden Insekten haften (Fig. 516).

[Illustration: Stammbaum des Columniferenastes und der anschließenden

Familien nach serodiagnostischen Untersuchungen von F. HOEFFGEN.]

[Illustration: Fig. 709. Althaea officinalis. Längsdurchschnittene

Blüte mit teilweise entfernten Kronblättern. _a_ Der Außenkelch,

_b_ der Innenkelch, _c_ die Kronblätter, _d_ das Andröceum, _f_ der

Griffel, _e_ die Samenanlagen. Nach BERG und SCHMIDT. -- #Offizinell#.]

[Illustration: Fig. 710. Malvaceae. Diagramm (Malva).]

[Illustration: Fig. 711. Malva silvestris. _a_ Blüte. _b_ Blütenknospe,

_c_ Frucht. Nat. Gr. Nach H. SCHENCK. -- #Offizinell#.]

Die einheimische Gattung _Malva_ umfaßt ausdauernde Kräuter mit

langgestielten, handnervigen Blättern. Die Blüten sind einzeln oder

in kleinen Wickeln blattachselständig verteilt; sie besitzen drei

freie Außenkelchblätter und tief ausgerandete, meist rosa gefärbte

Kronblätter (Fig. 711). Die Vegetationsorgane der nahe verwandten

Gattung Althaea sind dicht mit Büschelhaaren bekleidet, sammetig

weich. Ihr Außenkelch zählt sechs bis neun am Grunde verwachsene

Blätter. Die Früchte sind Spaltfrüchte, den zahlreichen,

kreisförmig angeordneten Fruchtblättern entsprechend. _Hibiscus_

und _Gossypium_-Arten sind Sträucher oder Bäume mit drei- bis

fünfzipfligen, langgestielten Blättern, deren Blüten mit drei

großen, die Knospen völlig verdeckenden Außenkelchblättern versehen

sind; ihre Früchte sind drei- bis fünfkarpellige, fachspaltige

Kapseln. Der dichte Filz langer Flughaare auf den Gossypiumsamen

dient ihrer Verbreitung und liefert, durch Kultur und Auslese

verfeinert, die #Baumwolle# (Fig. 712).

#Offizinell#: #Folia Malvae# (Pharm. germ., austr., helv.) von

_Malva neglecta_ und _M. silvestris_. #Flores Malvae# (ibidem) von

_M. silvestris_. #Folia Althaeae# und #Radix Althaeae# (ibidem)

von _Althaea officinalis_; #Gossypium# (ibidem) von _Gossypium

arboreum_, _G. barbadense_, _G. herbaceum_.

[Illustration: Fig. 712. Blütenzweig und aufgesprungene Frucht von

Gossypium herbaceum. ½ nat. Gr. -- #Offizinell#.]

[Illustration: Fig. 713. Tiliaceae, Diagramm (Tilia). Nach A. W.

EICHLER.]

[Illustration: Fig. 714. Tilia ulmifolia. _A_ Blütenstand, nat. Gr. _a_

Infloreszenzstiel, _b_ das Hochblatt. _B_ Frucht, längsdurchschnitten

und vergrößert, _o_ Perikarp, _p_ verkümmerte Scheidewände und

Samenanlagen, _q_ Samen, _r_ Endosperm, _s_ Keim, _t_ Würzelchen des

letzteren. Nach BERG und SCHMIDT. -- #Offizinell#.]

[Illustration: Fig. 715. Sterculiaceae. Diagramm (Theobroma). Nach A.

W. EICHLER.]

Die 2. Familie, _+Tiliaceae+_, enthält Pflanzen mit einfachen

Blättern und hinfälligen Nebenblättern. Der freiblättrige Kelch und

die Krone haben klappige Knospenlage. Die Staubblätter besitzen

introrse Antheren; dem Charakter der Ordnung gemäß ist meist nur

der innere Kreis vorhanden und gespalten (Fig. 713). Der Griffel

ist einfach. Hierher gehören meist tropische Gattungen, darunter

die krautigen, #Jute# liefernden _Corchorus_-Arten. Einheimisch

ist nur _Tilia_, die Linde, in zwei Arten. Die Blätter sind

asymmetrisch und ihr Rand ist gesägt. Die Blütenstände (Fig. 714

_A_) sind mit einem als Flugblatt ausgebildeten Vorblatte bis zur

halben Länge verwachsen und aus Dichasien zusammengesetzt. Die

breitblättrige Linde hat 3-7, die ulmenblättrige dagegen 5-15

Einzelblüten im Blütenstande. Der behaarte Fruchtknoten enthält

zwei Samenanlagen in jedem seiner fünf Fächer, eine davon verdrängt

alle übrigen (Fig. 714 _B_).

#Offizinell#: #Flores Tiliae# (Pharm. germ., austr., helv.) von _T.

platyphyllos_ und _T. ulmifolia_.

3. Familie _+Sterculiaceae+_. Den Tiliaceen ähnlich weicht diese in

den Tropen verbreitete Familie ab durch verwachsenblättrigen Kelch,

gedrehte Knospenlage und zu einer Röhre verwachsene Staubblätter,

von denen die kelchständigen staminodial bleiben, während die

Kronstaubblätter oft durch Spaltung vermehrt werden (Fig. 715). Die

Antheren sind extrors.

[Illustration: Fig. 716. Theobroma Cacao. _1_ Fruchttragender Stamm.

_2_ Blühender Ast. _3_ Einzelblüte. _4_ Staubblattring. _5_ Staubblatt

von vorn. _3_, _4_ Etwa nat. Gr. _5_ Vergr. _1_, _2_ Stark verkleinert.

-- #Offizinell#. Stamm nach einer Photographie.]

_Theobroma Cacao_, der Kakaobaum (Fig. 716), ist im tropischen

Zentral- und Südamerika einheimisch, dort auch seit langer

Zeit in Kultur. Der niedrige Baum trägt kurzgestielte, steife,

brüchig-harte, einfache Blätter von erheblicher Größe, ovaler Form

und dunkelgrüner Farbe, die in der Jugend mehr hellrötlich sind

und wie bei zahlreichen tropischen Bäumen schlaff herabhängen.

Die Blüten brechen am Stamme oder an älteren Ästen aus früher

blattachselständigen, erhaltenen Knospen hervor; der Baum ist

#cauliflor#. Jedes am Grunde bauchige Kronblatt verschmälert sich

nach außen erheblich und endet mit verbreitertem Zipfel. So ist

die Gesamtform der rötlichen Blüten etwa urnenförmig, mit fünf

auseinander strahlenden Zipfeln. Der fünffächerige Fruchtknoten

enthält zahlreiche Samenanlagen in jedem Fache; bei dem

Heranwachsen der Frucht drängen sich die erweichenden Gewebemassen

der Scheidewände zwischen die einzelnen Samen ein und so wird die

reife Frucht einfächerig, vielsamig. Zwei mächtige gefaltete,

brüchige Kotyledonen des kleinen Embryos füllen die Samenschale

aus. -- _Cola acuminata_ und _C. vera_ im tropischen Afrika liefern

die Kolanüsse. #Offizinell#: #Oleum Cacao# (Pharm. germ., austr.,

helv.) und #Theobromin# (Pharm. germ., helv.) von _Theobroma Cacao_

#Semen Colae# von _Cola acuminata_ und _C. vera_ (Pharm. austr.).

19. Ordnung. Tricoccae[489].

+_Euphorbiaceae._+ Gewächse von außergewöhnlich verschiedenartigem

Habitus wie Kräuter, Sträucher, blattlose Stammsukkulenten, Bäume mit

normalen Blättern oder auch mit Blattschuppen und assimilierenden

Phyllokladien, stimmen die Euphorbiaceen darin überein, daß sie

eingeschlechtige, radiäre Blüten mit meist einfacher Blütenhülle

oder ganz ohne solche besitzen. Das Andröceum ist diplostemon oder

vielzählig. Die weiblichen Blüten sind durch einen oberständigen,

dreikarpelligen und dreifächerigen Fruchtknoten charakterisiert, der

in jedem Fache 1-2 hängende Samenanlagen enthält mit ventraler Raphe,

Mikropyle also aufwärts und auswärts gekehrt. ~Sie wird von einem

plazentaren Auswuchs, dem #Obturator#, gedeckt (Fig. 717); dieser

vermittelt Leitung und Ernährung der Pollenschläuche und schwindet

nach der Befruchtung (vgl. S. 495). Die von dem äußeren Integument

ausgebildete _Caruncula_ (Fig. 719 _D_) bleibt dagegen an dem reifen

Samen noch vorhanden, dessen Ablösung von der Plazenta ihrer Mitwirkung

zu danken ist. Früchte sind Kapseln, deren Außenwände elastisch von

einer Mittelsäule zurückschnellen und so die Fächer öffnen. Die Familie

ist über die ganze Erde verbreitet.~

[Illustration: Fig. 717. Obturator an der Samenanlage von Euphorbia

dioica. Nach PAX in ENGLER-PRANTL.]

[Illustration: Fig. 718. Mercurialis annua. ½ nat. Gr. Männliche

blühende Pflanze und Einzelblüte. Stück einer weiblichen Pflanze,

Einzelblüten und Frucht. -- #Giftig#.]

#Wichtige Gattungen#: Zahlreiche Euphorbiaceen zeigen bei

diözischer oder monözischer Blütenverteilung einen sehr einfachen

Blütenbau, so _Mercurialis_ (Fig. 718), durch zweikarpelligen

Fruchtknoten abweichend; die Gattung _Croton_, männliche Blüten mit

doppeltem, weibliche mit einfachem Perianth, enthält die wichtigen

offizinellen Arten: _C. Eluteria_ und _C. Tiglium_. Dagegen ist

die in vielen einheimischen Arten vertretene Gattung _Euphorbia_,

Wolfsmilch, neben anderen ausgezeichnet durch Vereinigung

zahlreicher, einfachst gebauter Blüten in sehr komplizierten

Blütenständen, #Cyathium# genannt (Fig. 719, 720, 721), die

besonders in zygomorpher Ausbildung wie bei _Pedilanthus_, ganz

den Eindruck einer Einzelblüte machen. Das Cyathium besteht

aus einer nackten, langgestielten und nach unten umgewendeten

weiblichen Gipfelblüte, die von mehreren Gruppen ebenfalls

gestielter, auf je ein vom Stiel abgegliedertes Staubblatt

beschränkter, männlicher Blüten umgeben wird. In einigen Fällen ist

die weibliche Einzelblüte und jede männliche Blüte mit eigenem,

kleinem Perianth versehen. Stets aber wird der ganze Blütenstand,

das Cyathium, durch fünf Hüllblätter umschlossen, mit denen vier

große elliptische oder zweihörnige Nektardrüsen alternieren, welche

den Eindruck der Einzelblüte erhöhen. Dort, wo die übergebogene

weibliche Blüte herabhängt, fehlt die fünfte Drüse. Zwischen den

vor je einem Hüllblatte (Fig. 720) stehenden Gruppen männlicher

Blüten sind zerschlitzte Haarbildungen auf der Infloreszenzachse

vorhanden, die im Längsschnitte (Fig. 719 _B_) sichtbar werden.

Solche Blütenstände pflegen nun, in dichasialen Zweigen zu

mehreren angeordnet, sich zu drei- bis vielstrahlig-trugdoldigen

Gesamtinfloreszenzen zu vereinigen. Häufig ist die weibliche Blüte

nur in einzelnen von ihnen entwickelt, in den anderen rudimentär

geblieben. Zahlreiche, besonders afrikanische _Euphorbia_-Arten

haben die Gestalt von kaktusähnlichen Stammsukkulenten (Fig. 721).

[Illustration: Fig. 719. Euphorbia Lathyris. _A_ Cyathium. Vergr. 4.

_B_ Cyathium längsdurchschnitten. Vergr. 7. _C_ Frucht aufgesprungen

zeigt das Mittelsäulchen (_c_). _D_ Samenlängsschnitt, Keimling im

Endosperm, _ca_ Caruncula, Vergr. 4. (_A-D_ nach H. BAILLON.)]

[Illustration: Fig. 720. Diagramm eines Dichasialzweiges von Euphorbia,

fertile weibliche Blüte nur im Mittelcyathium. Nach A. W. EICHLER.]

[Illustration: Fig. 721. Euphorbia resinifera. Nat. Gr. Nach BERG und

SCHMIDT. -- #Offizinell#.]

_Euphorbia_ und andere, aber durchaus nicht alle Angehörigen

der Familie, enthalten einen bei jeder Verletzung aus den

ungegliederten (bisweilen auch gegliederten wie bei Hevea)

Schläuchen reichlich ausfließenden Milchsaft, der in vielen Fällen

giftig ist.

Ein wichtiger Bestandteil des Milchsaftes von _Hevea_-Arten (_H.

Sieberi_, _discolor_, _rigidifolia_, _paucifolia_, _lutea_,

_guyanensis_, _Spruceana_) ist der #Kautschuk# (vgl. [486]),

welcher als #Para#kautschuk in den Tropen Südamerikas, speziell

im Gebiet des Amazonas, gewonnen, lange Zeit etwa 50 % der

Gesamtkautschukproduktion der Erde deckte, jetzt aber durch den

in Kolonien gewonnenen Hevea-, Ficus- und Castilloa-Kautschuk

weit überholt ist. Daneben ist der von _Manihot Glaziovii_,

einer ebenfalls südamerikanischen Euphorbiacee, erhaltene

#Ceara#kautschuk zu erwähnen. Eine nahe verwandte Pflanze, _Manihot

utilissima_, gibt in ihren Wurzelknollen ein außerordentlich

wichtiges Nahrungsmittel der Tropen ab: #Maniok# oder #Cassave#,

ein Stärkemehl, dessen feinste Sorten als #Tapioka# oder

brasilianisches Arrowroot eine Rolle im Welthandel spielen. Der in

Brasilien einheimische Strauch wird jetzt überall in den Tropen

kultiviert.

[Illustration: Fig. 722. Ricinus communis. Stark verkl. Nach BAILLON.

-- #Giftig# und #offizinell#.]

_Ricinus communis_ (Fig. 722) ist ein hoher Strauch des tropischen

Afrika, der als Zierpflanze gezogen, in unserem Klima alljährlich

erfriert. Der hohle Stamm ist an den massiven Knotenstellen mit

langgestielten schildförmigen, handförmig eingeschnittenen Blättern

besetzt. Infloreszenzen (Fig. 723) stehen terminal, werden jedoch

durch vegetative Seitensprosse überholt. Sie tragen unten männliche

Blüten mit häutigem, 4- bis 5blättrigem Kelch und bäumchenartig

verzweigten Staubblättern; jede letzte Endigung trägt eine Theca.

Darüber weibliche Blüten mit 3-5 Kelchblättern, einem großen

dreiteiligen Fruchtknoten, der außen mit warzigen Stacheln übersät

ist und in drei große gegabelte, rote Narben ausläuft. Bei der

Reife liegt ein gefleckter Samen mit weißer Caruncula in jedem

Fache.

[Illustration: Fig. 723. Ricinus communis. Blütenstand. ½ nat. Gr.

Junge Frucht längsdurchschnitten. -- #Offizinell#.]

#Offizinell#: #Euphorbium# (Pharm. germ., austr., helv.) von

_Euphorbia resinifera_ (Marokko). #Cortex Cascarillae# (Pharm.

germ., austr., helv.) von _Croton Eluteria_ (Bahama-Inseln). #Oleum

Crotonis# (Pharm. germ., austr., helv.) von _Croton Tiglium_

(Ostindien). #Kamala# (Pharm. germ., austr., helv.), Drüsenhaare

der Fruchtkapsel von

_Mallotus philippinensis_ (ostasiatische Tropen), #Oleum Ricini#

(Pharm. germ., austr., helv.) von _Ricinus communis_. #Kautschuk#

(Pharm. germ.) von _Hevea_-Arten und _Manihot Glaziovii_.

20. Ordnung. Gruinales.

Zwittrige, durchaus fünfgliedrige, strahlige Blüten mit oberständigem,

gefächertem Fruchtknoten [also K5, C5, A5 + 5, G([5=])] finden sich

bei den meisten Angehörigen der Ordnung. Sind die Blüten dorsiventral,

so tritt häufig Reduktion ein (Polygalaceen). Die Staubblätter sind am

Grunde verwachsen, obdiplostemon oder haplostemon und führen an ihrer

Außenseite Nektarien oder solche sind als ringförmiger intrastaminaler

Diskus vorhanden (Rutaceen). Die Samenanlagen sind meist hängend

orientiert, mit aufwärts gerichteter Mikropyle und ventraler Raphe oder

haben bei abwärts gerichteter Mikropyle eine dorsale Raphe.

[Illustration: Fig. 724. Blütendiagramme von Geraniaceen. _A_ Geranium

pratense. _B_ Pelargonium zonale. Nach A. W. EICHLER.]

[Illustration: Fig. 725. Frucht von Pelargonium inquinans. Vergr. 3.

Nach H. BAILLON.]

[Illustration: Fig. 726. Linum usitatissimum. _A_ Nat. Gr. _B_ und _C_

Vergr. 3. -- #Offizinell#. Gez. H. SCHENCK.]

[Illustration: Fig.727. Erythroxylon Coca. ⅔ nat. Gr. -- #Offizinell#.]

Zu der 1. Familie _+Geraniaceae+_ gehören die Gattungen Geranium

mit radiären und Pelargonium mit dorsiventralen Blüten (Fig.

724); beide haben handnervige Blätter. Die fünf geschnäbelten

Fruchtblätter führen zwei Samenanlagen in jedem Fache; sie lösen

sich bei der Reife von einem Mittelsäulchen ab, öffnen sich dabei

und entlassen den Samen oder bleiben geschlossen und können sich

durch hygroskopische Krümmungen der Grannen in die Erde einbohren

(Fig. 725, vgl. Fig. 295, S. 276).

2. Familie _+Linaceae+_. _Linum usitatissimum_ (Fig. 726). Der

#Lein# ist eine alte, einjährige Kulturpflanze. Ihre zahlreichen

radiären, blauen, kurzlebigen Blüten mit am Grunde verwachsenen

Staubblättern und fünf freien Griffeln beschließen, in traubigen

Wickeln stehend, den mit kleinen schmalen Blättern reich besetzten

Stengel, dessen Bastfasern nach geeigneter Zubereitung zu Leinwand

verwebt werden. Die Samen der fünffächerigen Kapsel dienen zur

Ölgewinnung _Oleum Lini_ und sind auch ihrer Schleimepidermis wegen

#offizinell#: #Semen Lini# (Pharm. germ., austr., helv.) von _Linum

usitatissimum_.

Zu der kleinen 3. Familie der _+Erythroxylaceae+_ gehört der

#offizinelle# kleine Strauch _Erythroxylon Coca_ aus Peru

mit ungeteilten ganzrandigen lebhaft grünen Blättern und

blattachselständigen Gruppen kleiner weißer Blüten (Fig. 727). Er

liefert: #Cocaïnum# (Pharm. germ., austr., helv.) und #Folia Coca#

(Pharm. germ., helv.).

_Guajacum officinale_, ein Bäumchen Westindiens mit gegenständigen,

paarig gefiederten Blättern gehört zu der 4. Familie

_+Zygophyllaceae+_ und liefert das #offizinelle# Guajakholz und

Guajakharz: #Lignum Guajaci# (Pharm. germ., austr., helv.). #Resina

Guajaci# (Pharm. austr., helv.).

[Illustration: Fig. 728. Ruta graveolens. ⅓ nat. Gr. -- #Offizinell#.]

[Illustration: Fig. 729. Blütendiagramm von Citrus vulgaris. Nach A. W.

EICHLER.]

[Illustration: Fig. 730. Citrus vulgaris. ½ nat. Gr. -- #Offizinell#.]

[Illustration: Fig. 731. Quassia amara. ½ nat. Gr. Nach BERG und

SCHMIDT. -- #Offizinell#.]

[Illustration: Fig. 732. Blütendiagramm von Polygala myrtifolia. Nach

A. W. EICHLER.]

[Illustration: Fig. 733. Polygala Senega. _A_ Blüte, _a_ kleine

Kelchblätter, _b_ große Kelchblätter, _c_ Kahn, _e_ seitliche

Kronblätter, _d_ Anhängsel des medianen Kronblattes. _B_ Andröceum, _h_

Antheren, vergr. -- Nach BERG und SCHMIDT. -- #Offizinell#.]

[Illustration: Fig. 734. Polygala Senega. ½ nat. Gr. -- #Offizinell#.]

#Wichtige Gattungen# enthält die 5. Familie _+Rutaceae+_.

_Ruta graveolens_ (Fig. 728), die Raute, eine ausdauernde,

halbstrauchige Pflanze mit doppelt gefiederten bis fiederteiligen

Blättern. Die Endblüten ihrer dichasialen Blütenstände sind bei

kräftigen Exemplaren fünfzählig, alle anderen vierzählig, strahlig,

mit großem intrastaminalem Diskus. _Dictamnus fraxinella_, der

einheimische Diptam, besitzt ansehnliche, dorsiventrale Blüten

in rispigen Infloreszenzen mit oben freien Fruchtblättern. Die

wichtigste Nutzpflanzen-Gattung ist _Citrus_[490]. Abweichend vom

Typus zeigen ihre Blüten (Fig. 729, 730) zahlreiche Staubblätter

in einem Kreise bündelweise vereinigt und eine Vermehrung der

Beerenfrüchte liefernden Fruchtblätter. Das Fruchtfleisch besteht

aus Zotten von saftreichen Zellen, welche in die Fächer einwachsen;

ihre Samen sind durch Adventivembryonen oft mehrkeimig (vgl. S.

500). Viele Arten haben einfache Blätter mit mehr oder minder

geflügeltem Blattstiel; diejenigen anderer Arten jedoch sind

dreizählig, und das Gelenk an der Einfügungsstelle der Spreite

zeigt, daß jene scheinbar einfachen Blätter unpaarig gefiederten

entsprechen, deren Endfiederchen allein erhalten blieb. Dornen

an der Blattansatzstelle entsprechen den ersten Blättchen der

Achselknospe. _Citrus_ ist ostasiatischen Ursprungs; mehrere

Arten haben in den wärmeren Himalayatälern ihre Heimat, und

wohl alle wichtigen Kulturformen sind von den Chinesen zuerst

gezogen worden. _Citrus decumana_, Pompelmus, tropisch; _Citrus

medica_, diejenige Form, welche den Griechen beim Zuge Alexanders

als „medischer Apfel“ bekannt, wurde, ist jetzt in verschiedenen

Varietäten verbreitet, von denen _Citrus_ (_medica_) _Limonum_

unserer #Zitrone# entspricht. Dieser Baum dürfte vom 3.

oder 4. Jahrhundert unserer Zeitrechnung ab im Mittelmeergebiet

gezogen worden sein. _Citrus_ (_medica_) _Bajoura_ (Cedro ital.,

Cedratier franz.), die Cedrate liefert aus ihren dickschaligen

Früchten das Zitronat. _Citrus Aurantium_ kommt in zwei

verschiedenen Formen vor, als _Citrus_ (_Aurantium_) _vulgaris_,

Fig. 730, #Pomeranze#, und _C._ (_Aurantium_) _sinensis_

#Apfelsine#; _Citrus nobilis_, #Mandarine#, ebenfalls

chinesischer Abstammung. Durch Pfropfung erhaltene Chimären von

_Citrus aurantium_ und _C. limonum_ heißen _Bizzaria_.

[Illustration: Fig. 735. Blütendiagramm von Ilex Aquifolium. Nach A. W.

EICHLER.]

[Illustration: Fig. 736. Acer Pseudoplatanus. ½ nat. Gr. _1_ Zweig

mit terminaler, hängender Blütenrispe. _2_ Männliche, _3_ weibliche

Einzelblüte. _4_ Früchte. _5_ Diagramm nach A. W. EICHLER.]

Lehrbuch der Botanik für Hochschulen · 第 76 / 90 段