#Schwarzerle#, ist ein stattlicher Baum feuchter Wälder, er wächst
auch an Sümpfen und Flußufern der Ebene. Seine Blütenstände
erscheinen bereits im Herbste des Vorjahres als gestielte Kätzchen;
die männlichen hängen lang herab, die kurzen weiblichen sind
aufgerichtet. Männliche Blüten P 4, A 4 stehen in dreizähligen
Dichasien (Fig. 538, 682). Weibliche sind in Zweizahl vorhanden;
ihr Deckblättchen verwächst mit den vier Vorblättern zu einer
dauernden, holzigen, fünflappigen Schuppe des Zäpfchens. _Alnus
incana_ ist durch unterseits graufilzige Blätter verschieden.
_Betula verrucosa_ (Fig. 683), unsere weißrindige #Birke#, trägt
langgestielte dreieckige Blätter; auf allen jugendlichen Teilen
stehen zahlreiche Drüsenhaare, denen der harzig-aromatische Geruch
entströmt. Männliche Blütenstände werden einzeln oder zu wenigen
im Herbst des Vorjahres am Gipfel von Langtrieben gebildet. Die
Blüten (P 2, A 2 in dreizähligen Dichasien) haben tief zweispaltige
Antheren (Fig. 683 _3_, _4_). Weibliche Infloreszenzen stehen
einzeln am Gipfel kleiner diesjähriger Kurztriebe, ihre Blüten
zeigen dreizählige Dichasien unter jeder der dreilappigen, aus
Deckblättchen und den beiden Vorblättern verwachsenen Schuppen.
Der Fruchtstand hängt; nach dem Ausfallen der geflügelten Früchte
zerfällt der Zapfen durch Ablösung der Schuppen. -- _Carpinus
Betulus_. #Hainbuche#, #Weißbuche# (Fig. 684). Ein wichtiger
Waldbaum. Seine Infloreszenzen erscheinen erst im Frühjahre, die
männlichen aus vorjährigen Achselknospen ohne Blätter oder von
nur wenigen begleitet, weibliche aber meist gipfelständig. Die
Deckblättchen der männlichen Kätzchen tragen 4-10 bis zum Grunde
gespaltene Staubblätter, aber ohne Vorblätter oder Perigon.
Weibliche Blüten stehen in Zweizahl unter jedem Deckblatt, jede
von besonderem Deckblättchen und zwei Vorblättern begleitet. Diese
drei verwachsen zu der dreilappigen Hülle, welche als Flugorgan
der Verbreitung dient. -- _Corylus Avellana_, der stattliche
#Haselstrauch# unserer Wälder, entwickelt seine Infloreszenzen
bereits im Vorjahre; männliche Kätzchen hängen während des Winters
nackt herab; die weiblichen bleiben von den Knospenschuppen umhüllt
und strecken nur zur Zeit der Blüte ihre langen roten Narben
zwischen jenen hindurch ins Freie. Den männlichen Deckblättchen ist
nur #eine# perianthlose, doch mit zwei Vorblättern versehene Blüte
mit vier bis zum Grunde gespaltenen Antheren angewachsen. In den
weiblichen, sehr gestauchten Kätzchen findet sich ebenso wie bei
Carpinus ein zweiblütiges Dichasium unter jedem Deckblatte vor; die
geschlitzte Fruchthülle entsteht auch hier aus den Vorblättern und
dem besonderen Deckblatt jeder Einzelblüte. _Corylus tubulosa_, die
#Lambertsnuß#, aus Südeuropa.
[Illustration: Fig. 685. Frucht mit Cupula von Quercus Aegilops, nach
DUCHARTRE. _cp_ Cupula, _gl_ Frucht.]
[Illustration: Fig. 686. Fagus silvatica. ⅔ nat. Gr. _1_ Zweig mit
männlichen und weiblichen Blütenständen. _2_ Männliche, _3_ weibliche
Einzelblüte. _4_ Cupula, geöffnet, mit zwei Früchten. _5_ Frucht,
isoliert. _6_ Querschnitt durch eine Frucht, zeigt die gefalteten
Kotyledonen des Embryo. _2_, _3_, _6_ vergr. -- #Offizinell#.]
[Illustration: Fig. 687. Diagramme weiblicher Dichasien von: _A_
Castanea vulgaris, Fig. 688, _B_ Fagus silvatica und _C_ der
Einzelblüte von Quercus pedunculata, nach A. W. EICHLER. Deckblatt _b_.
Vorblätter α, β. Vorblätter der Sekundanblüten zur Cupula verwachsen α,
β, α′, β′.]
#Offizinell#: #Oleum Betulae empyreumaticum#, Birkenteer (Pharm.
austr., helv.), von _Betula verrucosa_.
2. Familie _+Cupuliferae+_. Ihre blattachselständigen Infloreszenzen
tragen teils männliche, mit Perianth versehene Blüten, teils weibliche,
die einzeln oder zu mehreren von einer _Cupula_ (Fig. 685 _cp_)
umhüllt werden, d. h. einem aus verwachsenen Vorblättern entstandenen
Gebilde. Der dreifächerige Fruchtknoten trägt je zwei hängende anatrope
Samenanlagen im Fache und endet in drei Narben.
[Illustration: Fig. 689. Quercus pedunculata. Längsschnitt durch den
jungen Fruchtknoten. _b_ Becher, _e_ Samenanlagen, _d_ Fruchtknoten,
_c_ Perigon, _f_ Griffel, _g_ Narbe. Vergr. Nach BERG u. SCHMIDT.]
[Illustration: Fig. 690. Quercus pedunculata. _A_ Blühender Zweig. _B_
Männliche Blüte. _C_ Staubblätter. _D_ Weibliche Blüte. _B_-_D_ vergr.
_E_ Fruchtstand. _F_ Cupula. _G_-_H_ Samen. -- #Offizinell#. Nach A. F.
W. SCHIMPER.]
Die Cupuliferen sind hauptsächlich in der gemäßigten Zone
der nördlichen Hemisphäre verbreitet, außerdem im tropischen
Asien. #Wichtige einheimische Arten#: _Fagus silvatica_,
#Buche#, #Rotbuche# (Fig. 686), einer der wichtigsten Laubbäume
Deutschlands, in schönen Waldungen besonders an der Ostseeküste
vertreten, wo seine Ostgrenze jedoch Königsberg nicht erreicht.
Die zweizeilig stehenden Blätter sind ganzrandig, elliptisch,
kurzgestielt und besonders in der Jugend ringsum fein bewimpert.
Blütenstände finden sich durchweg an diesjährigen Trieben. Die
männlichen sind seitenständig, kopfförmig und hängend, ihre
Einzelblüten mit schief glockenförmigem Perianth haben meist
8-12 Staubblätter. Weibliche Infloreszenzen sind gipfelständige,
zweiblütige Dichasien, welche die Cupula (Fig. 688 _B_) bis zur
Reife der zu dreieckigen Nüssen heranwachsenden Früchte völlig
einschließt, um alsdann in vier Nähten aufzuspringen. _Castanea
vulgaris_, #Edelkastanie#, im Mittelmeergebiet zu Hause, reift
ihre Früchte noch in Süddeutschland. Ihre Infloreszenzen stehen
an diesjährigen Trieben aufrecht; sie führen teils nur männliche
Blüten, teils unten weibliche, oben männliche, in dichasialer
Anordnung. Die weiblichen dreiblütigen Dichasien (Fig. 687
_A_) liefern drei von der scharf stachlichten Cupula völlig
umschlossene Nüsse. Die Cupula öffnet sich mit vier Klappen.
_Quercus pedunculata_, #Stieleiche# (Fig. 689 und 690) und _Quercus
sessiliflora_, #Traubeneiche#, #die mächtigsten# Laubbäume
der europäischen Wälder, haben ovale, rings mehrfach stumpf
ausgebuchtete Blätter. Die männlichen Infloreszenzen brechen
zugleich mit dem frischen Laube aus vorjährigen Blattachselknospen
hervor, ihre Blüten stehen einzeln mit 5-7 Perianth- und 6-12
Staubblättern an der hängenden Achse. Weibliche Infloreszenzen
finden sich am Gipfel diesjähriger Sprosse blattachselständig,
aufrecht, wenigblütig mit einzelnen Blüten, die bei der Stieleiche
langgestielt, bei der Traubeneiche ungestielt sitzend sind. Jede
Blüte wird von ihrer (Fig. 688 _C_) erst an der reifen Frucht voll
entwickelten Cupula umhüllt.
Die Buche liefert Brennholz, Teer, Holzessig; Quercus technisch
verwertetes Holz, gerbstoffreiche Rinde für die Gerberei. Kork von
der Korkeiche.
#Offizinell#: #Cortex Quercus# (Pharm. germ., austr., helv.) und
#Semen Quercus# (Pharm. austr.). Die im Orient heimische _Q.
infectoria_ erzeugt an jungen Zweigen, wenn von der Gallwespe,
Cynips tinctoria Hart., gestochen, die offizinellen Galläpfel,
#Gallae# (Pharm. germ., austr., helv.). _Fagus silvatica_ gibt #Pix
liquida# (Pharm. austr.).
14. Ordnung. Saliciflorae.
Familie _+Salicaceae+_. Diözische Bäume und Sträucher mit
einfachen wechselständigen Blättern und Nebenblättern, die vor der
Beblätterung blühen. Ihr einfächeriger zweikarpelliger Fruchtknoten
ergibt eine Kapselfrucht mit zahlreichen wandständigen, beschopften
und endospermfreien Samen.
[Illustration: Fig. 691. Salix viminalis. _A_ Blühender, männlicher
Zweig. Nat. Gr. _B_ Männliche Blüte, mit Deckblatt, vergr. _C_
Weibliches Kätzchen. _D_ und _E_ Weibliche Blüten. vergr. _F_ Frucht.
Nat. Gr. _G_ Dieselbe, vergr. _H_ Samen, vergr. Nach A. F. W. SCHIMPER.]
[Illustration: Fig. 692. Populus nigra. _1_ Männliche Infloreszenz. _2_
Weiblicher Blütenstand. _3_ Männliche, _4_ weibliche Einzelblüte. _5_
Früchte. _6_ Samen. _1_ und _2_ ¾ nat. Gr. _3_-_6_ vergr.]
_Salix_, #Weide#, und _Populus_, #Pappel#, sind die einzigen
Gattungen der Familie. _Salix_, mit aufrechten Kätzchen versehen,
ist an Insektenbestäubung angepaßt und besitzt daher männliche
wohlriechende Blüten, klebrigen Pollen und Nektarien in Gestalt
kleiner Diskusschuppen. Die Zahl der Staubblätter wechselt in den
verschiedenen Arten von 2-5. Deckschuppen sind ganzrandig (Fig.
691). Bei uns an Flußufern weit verbreitet. Als unterirdische
niedrige Stämmchen, die nur ihre jedesmaligen jungen Triebe über
den Boden emporsenden, gehören _Salix_-Arten im hohen Norden
und Hochgebirge zu den häufigeren Pflanzenformen. _Populus_
mit anemophilen Blüten. Der Diskus ist hier mehr krug- bis
schüsselförmig ausgebildet und Honigabsonderung fehlt. Durch
langgestielte, pfeilförmige Blätter unterscheiden sich die
einheimischen Pappelarten habituell erheblich von den Salices. Die
Blüten stimmen bis auf die zerschlitzten Deckblättchen mit denen
von _Salix_ überein. Kätzchen hängend (Fig. 692).
#Offizinell#: #Cortex Salicis# von _Salix alba_, _Salix fragilis_
usw. (Pharm. helv.).
15. Ordnung. Urticinae.
Die Ordnung enthält Pflanzen mit unscheinbaren, kleinen Blüten
in dichten Blütenständen. Staubblätter sind den Perigonblättern
gleichzählig und stehen vor ihnen. Der oberständige, ein- oder
zweikarpellige Fruchtknoten ist meist einfächerig mit einer hängenden
Samenanlage, die Nüsse oder Steinfrüchte ergibt. Samen in der Regel
endospermhaltig.
[Illustration: Fig. 693. Ulmus campestris. ⅔ nat. Gr. _1_
Blütenzweig. _2_ Zweig mit Früchten. _3_ Einzelblüte, vergr.]
1. Familie _+Ulmaceae+_. _Ulmus campestris_ (Fig. 693), #Rüster#,
ein häufiger Baum Mitteleuropas. Bei ausgesprochen zweizeiliger
Beblätterung und dorsiventraler Verzweigung aller Triebe kommt
die regelmäßige Rundung der Krone älterer Exemplare nur dadurch
zustande, daß die Blattflächen eines jeden Nebenzweiges um einen
gewissen Winkel von denen des Hauptzweiges abweichen. Die Blätter
sind stets asymmetrisch. Blüten stehen geknäuelt in den Achseln
vorjähriger Blätter, sie sind zwitterig oder durch Fehlschlagen
eingeschlechtig, ihre Staubblätter in der Knospe gerade. Die
Früchte reifen meist vor der Beblätterung des Baumes, der bereits
im Februar oder März blüht. Sie sind breit geflügelt und werden
durch den Wind verbreitet. _U. montana_, _U. effusa_ nahe verwandte
Formen. _Celtis_, mit Steinfrüchten, wird in verschiedenen Arten
häufig angepflanzt.
2. Familie +_Moraceae_+. Hierher gehören meist Bäume oder Sträucher
mit reichem Milchsaftgehalt, deren Blätter wechselständig stehen und
hinfällige Nebenblätter haben. Ihre Blüten sind eingeschlechtig, in
köpfchenähnlichen oder schüsselförmigen Infloreszenzen vereinigt und
meist vierzählig.
[Illustration: Fig. 694. Ficus bengalensis im botanischen Garten von
Buitenzorg. Einige Epiphyten auf den wagerecht abspreizenden Ästen.]
#Wichtige Vertreter#: Außer den #Maulbeerbäumen#, die zur
Seidenraupenzucht (_Morus alba_) oder als Fruchtbäume (_Morus
nigra_) (Fig. 588 _B_) vielfach gezogen werden, ist vor allem
die Gattung _Ficus_ zu nennen. Der nördlichste Vertreter ist
der gewöhnliche Feigenbaum, _Ficus carica_[484] (Fig. 541), im
Mittelmeergebiet einheimisch und seit langer Zeit kultiviert;
ein niedriger Baum mit großen, fingerförmig eingeschnittenen
Blättern, der seine Nebenblätter als Schutzkappe über der Knospe
geschlossen behält. Blütenstände in Form krugförmiger Gebilde mit
enger Mündung tragen ihre Einzelblüten auf der inneren Oberfläche
dicht beisammen. Die flach scheibenförmigen Infloreszenzen von
_Dorstenia_-Arten, welche auf der Oberseite mit Einzelblüten
besetzt sind, stellen in mancher Beziehung ähnliche Bildungen dar,
über das Fortschleudern ihrer Fruchtsteinkerne vgl. GOEBEL[485].
Über die Bestäubung der Feigen vgl. S. 481, Fig. 541. Die
verbreiterte Blütenstandsachse mit dem Perigon der Einzelblüten
bildet den fleischigen, süßschmeckenden Teil der Eßfeigen. Die
kleinen harten Kernchen sind aus dem Fruchtknoten hervorgegangene
Einzelfrüchtchen, Nüsse. -- _Ficus_-Arten gehören mit zu den
gewaltigsten Baumgestalten tropischer Wälder. Vor allem merkwürdig
ist der Banyan, _Ficus bengalensis_ in Ostindien. Auf Baumästen
keimend aus Samen, der von fruchtfressenden Vögeln dorthin gebracht
war, entwickelt er sich zu einem stattlichen Epiphyten. Aber erst
wenn seine Wurzeln den Boden erreicht haben und die Pflanze nicht
mehr auf die karge Epiphytenernährung angewiesen ist, zeigt sie
ihre Eigenart. Der Wirtsbaum, auf dem sie sitzt, wird nach und
nach erdrosselt, immer neue Wurzeln erreichen den Boden und bilden
säulengleiche Stämme, so daß schließlich ein ganzer Wald aus dem
kleinen Keimling hervorgeht, und in dem Schatten der Krone ein Dorf
Raum genug findet (Fig. 694). Milchsaft von _Ficus elastica_ wird
zur Gewinnung von Kautschuk den Bäumen durch Einschnitte entzogen.
_Castilloa elastica_ ist ein wichtiger Kautschuk liefernder Baum
Zentralamerikas. _Artocarpus_-Arten, Brotbäume, sind bekannte
Fruchtbäume der Tropen, deren riesige Fruchtstände roh oder
geröstet genossen werden.
#Offizinell#: _Morus nigra_ liefert #Syrupus mororum# (Pharm.
helv.); _Ficus elastica_ (Ostindien), _Castilloa elastica_
(Mexiko) und andere tropische Moraceen liefern in ihrem Milchsafte
#Kautschuk#[486] (Pharm. germ.).
3. Familie +_Cannabinaceae_+. _Humulus Lupulus_, #Hopfen#, ist in
Mitteleuropa einheimisch, sein ausdauerndes Rhizom bringt jedes
Jahr neue schlingende Triebe (Fig. 695). Der Stamm und seine
gegenständigen handnervigen Blätter sind rauhhaarig; ersterer trägt
eigenartige Widerhaken, die ein Herabgleiten von einer einmal
gefaßten Stütze hindern. Die männlichen Blüten der diözischen
Pflanze sind fünfzählig, mit geraden Staubblättern versehen und
in Dichasien angeordnet mit mittelständigem Bereicherungssproß.
Die weiblichen Teilblütenstände sind kätzchenförmig; an ihrer
Achse sitzen spreitenlose Hochblätter die auf ihre Nebenblattpaare
reduziert sind. Der Achselsproß dieses Hochblattes ist unterdrückt;
jedes Nebenblatt trägt zwei Blüten, je von einem eigenen Deckblatte
umhüllt, in der Achsel. Diese Deckblätter wachsen bei der Reife
über die Nebenblätter hinaus und bedingen das zäpfchenähnliche
Aussehen des Fruchtstandes. Sie tragen die Hopfendrüsen, derenwegen
die Pflanze kultiviert wird.
_Cannabis sativa_, #Hanf#. Einjähriges, in Indien heimisches
Kraut, mit fingerförmig zerteilten rauhen Blättern, die unten
gegenständig, in der Blütenregion wechselständig angeordnet sind.
Blütenstände wie beim Hopfen, doch ist der bei den weiblichen
unterdrückte Mitteltrieb hier zu einem laubigen Sproß ausgewachsen.
Die Deckblättchen tragen nur je #eine# Blüte in der Achsel. In
den Laubblattachseln des Mitteltriebes wiederholt sich dasselbe,
und so kommt die dichtbuschige Infloreszenz des weiblichen
Hanfes zustande. Die Pflanze wird in Europa ihrer ein bis einige
Zentimeter langen Bastfasern wegen gebaut. Weibliche Blütenstände
indischer Herkunft sind auf allen Teilen mit einer Menge von
Drüsenhaaren bedeckt, die eine harzige, klebrige Masse absondern;
sie werden für medizinische Zwecke benutzt und dienen im Orient zur
Bereitung eines narkotisch wirkenden Genußmittels „#Haschisch#“.
[Illustration: Fig. 695. Humulus Lupulus. _1_ Männlicher Blütenstand.
_2_ Weibliche Infloreszenz. _3_ Zwei weibliche Blüten in der
Deckblattachsel. _4_ Fruchtzäpfchen. ½ nat. Gr.]
#Offizinell#: _Cannabis sativa_ liefert #Fructus Cannabis# (Pharm.
helv.); _Cannabis sativa_ var. _indica_ liefert #Herba Cannabis
indicae# (Pharm. austr., helv.). -- Die Drüsen der Zapfenschuppen
von _Humulus Lupulus_ sind als #Lupulinum#, s. #Glandulae Lupuli#
(Pharm. austr., helv.), gebräuchlich, der ganze Zapfen als
#Strobilus Lupuli# (Pharm. helv.).
4. Familie _+Urticaceae+_. Hierher gehören meist perennierende
Kräuter mit einfachen Blättern und Nebenblättern, deren zweizählige
anemophile Blüten durch Fehlschlag eingeschlechtig geworden
sind, also Blütenformel P 2 + 2, A 2 + 2. Die Staubblätter in
der Knospenlage durch Einwärtskrümmung gespannt. schlagen beim
Aufblühen elastisch zurück und verstäuben dabei ihren Pollen.
Weibliche Blüten besitzen ein verwachsenes Perianth und nur ein
Fruchtblatt, mit einer grundständigen atropen Samenanlage. Die
reifen Früchte von _Pilea_- und _Elatostema_-Arten werden durch
aus Staminodien entwickelte Schleuderorgane fortgeschnellt. In den
Tropen reicher als bei uns verbreitete Pflanzenfamilie.
Manche Urticaceen sind durch den Besitz von Brennhaaren (vgl. Fig.
52) ausgezeichnet, wie unsere Brennesseln, _Urtica dioica_ und
_Urtica urens_, und die gefährlichen tropischen _Laportea_-Arten.
Einige Urticaceen sind wichtige Faserpflanzen, wie _Boehmeria
nivea_, Ramie. Unsere einheimischen Nesselarten lieferten vor
Bekanntwerden der Baumwolle Gespinstfasern und kamen infolge des
Krieges und seiner Folgen wieder zu Ehren.
Greifen wir hier vor Einschiebung des Columniferenastes auf den
Stammbaum der Hauptreihe (S. 524) zurück, so würden sich zunächst die
Rhoeadinae, denen morphologische Beziehungen zu den Polycarpicae nicht
wohl abgesprochen werden können, anreihen, denen sich die Cistiflorae
anschließen, worauf dann auf die Resedaceae die Columniferae folgen. Da
die Resedaceae von jeher in Beziehung zu den Capparidaceen einerseits,
den Cistiflorae (Parietales pro parte) andererseits gebracht sind,
so wird diese Anordnung, die sich nicht anders als durch Anreihung
ausführen läßt, den morphologischen wie den serodiagnostischen
Beziehungen am besten entsprechen.
Die +16. Ordnung+ _+Rhoeadinae+_ enthält meist Kräuter mit
wechselständigen Blättern. Ihre zwittrigen Blüten sind aus meist
zweigliedrigen Quirlen aufgebaut; sie besitzen einen oberständigen
einfächerigen Fruchtknoten, der die Samenanlagen an den verwachsenen
Rändern der Karpelle, den Plazenten, trägt (Fig. 696). Die Narben
stehen über den Nähten der Fruchtblätter, und die Öffnung der Frucht
erfolgt durch Abspringen der Fruchtblätter von den Plazenten.
Den Anschluß der Ordnung an die Polycarpicae stellt die 1. Familie
der _+Papaveraceen+_[487] her durch gewisse Merkmale, wie Gehalt
an Milchsaftschläuchen (Nymphaeaceen), Vorkommen dreizähliger
Blüten bei Bocconia (Berberidaceen), Anordnung der Narben direkt
auf den Fruchtblättern und das, wenn auch seltene Vorkommen
apokarper Gynäceen wie bei typischen Vertretern der Polycarpicae
(z. B. Platystemon). Die große Vermehrung der Staubblätter, die
zyklisch stehen, wird auf Spaltung zurückgeführt. Die Samen haben
reichliches Endosperm.
[Illustration: Fig. 696. Blütendiagramm der Papaveraceen. Glaucium.
Nach A. W. EICHLER.]
[Illustration: Fig. 697. Papaver Rhoeas. ½ nat. Gr. -- #Offizinell#.]
_Chelidonium majus_, Schöllkraut, hat gelben Milchsaft und
zweikarpelligen Fruchtknoten. Als Zierpflanzen dienen verschiedene
Arten von _Escholtzia_, _Argemone_ und _Papaver_. _Papaver
rhoeas_, Mohn, als Unkraut in Kornfeldern oder auf trockenen
Wiesen verbreitet (Fig. 697). Charakteristisch ist die scharf
abwärts gekrümmte Lage der Blütenknospen. _Papaver somniferum_
stammt aus dem Orient und ist in allen Teilen reich an weißem
Milchsafte. Die mit Wachs hellblau bereifte, völlig glatte
Pflanze, deren Blütenstiel allein vereinzelte grobe Borsten
trägt, hat sitzende, am Rande unregelmäßig gesägte bis gekerbte
Blätter und eine violette oder weiße Blumenkrone mit dunklen
Flecken am Grunde. Der einfächerige Fruchtknoten springt bei der
Reife nur an den Fruchtblattspitzen von den zahlreichen, tief
einschneidenden Plazenten ab, die Fruchtblätter biegen sich unter
dem überstehenden, flachen narbentragenden Deckel weg nach außen,
und ihre nierenförmigen Samen werden aus den Löchern vom Winde
herausgeschleudert.
#Offizinell#: #Semen Papaveris# (Pharm. germ., helv.), #Fructus
Papaveris immaturi# (Pharm. germ., austr., helv.), #Opium# (aus dem
Milchsafte) (Pharm. germ., austr., helv.), #Morphium# (ibid.) alles
von _Papaver somniferum_. #Flores Rhoeados# (Pharm. austr., helv.)
von _Papaver Rhoeas_.
Die 2. kleine Familie der _+Fumariaceen+_ ist interessant durch das
Vorkommen transversal zygomorpher Blüten bei _Corydalis_ (Fig. 698)
und zweisporniger bisymmetrischer Krone bei _Dicentra spectabilis_.
Die Früchte sind bei _Fumaria_ Nüßchen, bei _Corydalis_ und
_Dicentra_ Kapseln. Die Samen haben Endosperm.
[Illustration: Fig. 698. Diagramm von Corydalis cava, nach A. W.
EICHLER. Am Grunde des Staubblattes, über dem Sporn, eine Nektardrüse.]
[Illustration: Fig. 699. Cruciferae. Diagramm (Brassica). Nach F. NOLL.]
[Illustration: Fig. 700. Cardamine pratensis. Blüte ohne Perianth.
Vergr. 4. Nach H. BAILLON.]
[Illustration: Fig. 701. Früchte der Cruciferae. _A_ Cheiranthus
Cheiri. _B_ Lepidium sativum. _C_ Capsella Bursa pastoris. _D_ Lunaria
biennis. _E_ Crambe maritima. Nach H. BAILLON.]
3. Familie +_Cruciferae_+[488]. Die Familie der Kreuzblütler ist
besonders auf der Nordhemisphäre zu Hause und zählt bei uns und im
Mittelmeergebiet zu den arten- und individuenreichsten, der man
überall begegnet. Es sind meist ein- oder zweijährige Kräuter oder
Stauden mit wechselständigen Blättern, traubigen, meist deck- und
vorblattlosen Blütenständen und radiären, stets seitlich stehenden
Einzelblüten. K2 + 2, C4, A2 + 4, G(̲2) (Fig. 699). Der Kelch beginnt
mit einem median stehenden Wirtel, vier Kronblätter alternieren mit dem
Kelche. Zwei äußere Staubblätter sind kürzer als die vier (bzw. zwei
bis auf den Grund gespaltenen) medianen (S. 107) inneren (Fig. 700).
Die Fruchtblätter bilden einen oberständigen, meist schotenförmigen
Fruchtknoten, der durch eine falsche (S. 471), zwischen den parietalen
Plazenten ausgespannte Scheidewand (Fig. 701 _A_, _C_, _D_)
zweifächerig wird und sich durch Abheben der Fruchtblattmittelstücke
klappig öffnet. Die Samen bleiben dabei mit der falschen Scheidewand
und den Plazenten am Tragstiele erhalten. Bisweilen, z. B. bei Isatis,
finden sich Schließfrüchte. Der gekrümmte Keimling liegt von einer
einzigen Zellschicht Endosperm umgeben in der Samenschale (Fig. 702,
703).
[Illustration: Fig. 702. Querschnitt durch den Samen des schwarzen
Senfs, Brassica nigra. _rad_ Radicula, _cot_ Kotyledonen, _proc_
Leitbündelanlagen. Nach A. MÖLLER.]
[Illustration: Fig. 703. Samen, quer durchschnitten; Würzelchen und
Keimblätter in verschiedener Lagerung sichtbar. _A_ Cheiranthus Cheiri.
Vergr. 8. _B_ Sisymbrium Alliaria. Vergr. 7. Nach H. BAILLON.]
[Illustration: Fig. 704. Brassica nigra. ½ nat. Gr. -- #Offizinell#.]
[Illustration: Fig. 705. Capparis spinosa, blühender Zweig und junge
Frucht auf ihrem Gynophor. ½ nat. Gr.]