Die 3. Familie, _+Umbelliferae+_, ist bei weitem die umfangreichste und

wichtigste der Ordnung. Sie enthält ausschließlich Kräuter oder Stauden

von bisweilen mächtiger Größe. Der Stengel trägt wechselständige

Blätter, welche ihn mit ihren oft stark entwickelten Scheiden völlig

umfassen; er ist in massive Knoten und hohle Internodien gegliedert

und trägt meist reich zusammengesetzte, nur in wenigen Fällen

einfache Blätter. Seine Infloreszenzen sind gipfelständige Dolden

oder häufiger Doppeldolden mit Stützblättern, die eine „Hülle“ bzw.

„Hüllchen“ bilden; die Enddolden werden vielfach durch nächstjüngere

Achselsprosse übergipfelt. Ihre Einzelblüten sind weiß, grünlich oder

gelb, andere Farben sind sehr selten. (Fig. 663.) K5 (meist nur in

Form kurzer Spitzen), G5, A5, G(̅2). Die Samenanlage hängt an der

medianen Scheidewand (Fugenfläche) herab und kehrt ihre Mikropyle

aufwärts und auswärts. Die Scheitelfläche der Fruchtblätter wird von

einem geschwollenen Diskus, dem Nektariumpolster, eingenommen, das

in den Griffeln mit kugeligen Narben endet. Durch Trennung in der

Fugenfläche zerfällt die Spaltfrucht in zwei Teilfrüchtchen, die in

vielen Fällen nach ihrer Trennung noch eine Zeitlang von dem in der

Mittellinie der Scheidewand befindlichen, aus mechanisch wirksamem

Gewebe bestehenden #Karpophor#, dem Fruchtträger, festgehalten werden.

Hauptverbreitungsgebiete der Umbelliferen sind das westasiatische

Steppengebiet, das mittlere Nordamerika, Chile und Australien.

[Illustration: Fig. 663. Umbelliferae, Diagramm (Siler). Nach F. NOLL.]

[Illustration: Fig. 664. Umbelliferenfrüchte im Querschnitt. _1_

Foeniculum capillaceum. _2_ Pimpinella Anisum. _3_ Conium maculatum.

_4_ Coriandrum sativum. (_4_ mit Benutzung einer Figur von O. DRUDE.)

Vergr. -- #Offizinell#.]

[Illustration: Fig. 665. Carum Carvi. ½ nat. Gr. Fruchtstand,

Einzelblüte und Teilfrüchte am Karpophor. Vergr. -- #Offizinell#.]

Für die systematische Unterscheidung sind vor allem die Früchte

von Bedeutung. Jede Teilfrucht ist mit #fünf Rippen# ausgestattet,

welche die Leitbündel führen. An der Fugenfläche liegen die

#Randrippen# der beiden Teilfrüchte, die häufig von den übrigen

#drei Rückenrippen# verschieden sind. Zwischen den fünf Hauptrippen

finden sich bisweilen noch vier #Nebenrippen# (Coriandrum). In

der Regel folgt jedoch ein #Tälchen# auf eine Rippe, und in

jedem Tälchen verläuft ein großer, die Frucht der Länge nach

durchziehender, als #Ölstrieme# bezeichneter Sekretgang. Die

Fugenfläche führt beiderseits des Karpophors je eine Ölstrieme, so

daß sechs davon jeder Teilfrucht zukommen (Fig. 664, _1_). Daneben

finden sich bei einzelnen Formen noch anderweitige Sekretbehälter

(Fig. 664, _2_, _3_). Verschiedene Querschnittsform der Früchte,

je nachdem der quer zur Fugenfläche genommene oder der in ihr

liegende Durchmesser größer ist, Form von Rand- und Rückenrippen,

Fehlen oder Vorhandensein von Ölstriemen oder Nebenrippen

ermöglichen eine gute und sichere Erkennung der Früchte; diese

sind für die Bestimmung der Arten unentbehrlich. Da zahlreiche

Umbelliferenfrüchte als Arzneimittel und Gifte, andere als Gewürze

usw. benutzt werden, ist ihre Unterscheidung von erheblicher

Bedeutung. Das Endosperm der Umbelliferensamen hat fettes Öl als

Reservestoff gespeichert.

Bei Pimpinella, Bibernell, und den folgenden Gattungen ist

das Endosperm an der Fugenseite flach oder schwach konvex

(Fig. 664, _1_, _2_). _Pimpinella Anisum_, der einjährige

Anis. _Carum Carvi_, Kümmel, eine alte Kulturpflanze (Fig.

665), deren Blätter doppelt gefiedert-fiederspaltig sind, mit

nebenblattartigen untersten Fiederchen; die folgenden größeren

werden an der vertikal aufsteigenden Hauptspindel horizontal

gestellt. Die letzten Fiederchen endlich sind einfach lineal.

Jede gipfelständige, erstblühende Dolde wird von den aus oberen

Blattachseln entwickelten seitlichen übergipfelt. Die Pflanze

ist zweijährig. _Foeniculum_, Fenchel, _Pastinaca_, Pastinak und

_Levisticum_, Liebstöckel, blühen gelb; _Petroselinum_, Petersilie,

_Daucus_, Möhre oder Karotte, _Apium_, Sellerie, _Anethum_,

Dill, sind Gemüsepflanzen. Die Wasser- oder Sumpfpflanzen:

_Cicuta_, Wasserschierling (Fig. 666), _Sium_, Merk, _Oenanthe_,

Pferdekümmel, _Berula_, Berle, ebenso die sog. Hundspetersilie

_Aethusa Cynapium_ (Fig. 667), ein Gartenunkraut mit gekielten

Fruchtrippen und drei langlinealen außenwendigen Hüllblättchen

am Döldchen, sind sämtlich giftig. _Archangelica officinalis_,

Engelswurz, eine bis etwa 2 m hohe stattliche Pflanze, hat doppelt

gefiederte große Blätter mit sackförmigen Scheiden; ihre grünlichen

Blüten sind auffallend stark protandrisch; die Pflanze dient im

hohen Norden als Nahrungsmittel.

[Illustration: Fig. 666. Cicuta virosa. ½ nat. Gr. Rhizom-Längsschnitt.

Frucht vergr. -- #Giftig#.]

Bei _Scandix_ und _Anthriscus_, dem Kerbel, sind die Früchte

geschnäbelt, und die Fugenseite des Endosperms wird, wie bei

den folgenden Gattungen, von einer Längsrinne durchzogen.

_Chaerophyllum_, Kälberkropf. _Conium maculatum_ (Fig. 668),

der Schierling, ist eine häufige zweijährige Pflanze, oft von

stattlicher Höhe. Diese bekannte Giftpflanze ist völlig unbehaart,

die roten Flecken am Stengel wie den Blattstielen rechtfertigen

den Artnamen. Die mattgrünen Blätter sind doppelt bis dreifach

gefiedert-fiederteilig, und ihre äußersten Spitzen laufen stets in

einen farblosen stachelartigen Fortsatz aus. Diese Blattform und

die wellig gekerbten Längsrippen des der Ölstriemen in den Tälchen

entbehrenden Fruchtknotens sind neben dem eigenartigen unangenehmen

Geruch die Hauptkennzeichen der Pflanze (Fig. 664, _3_).

Bei _Coriandrum sativum_ ist die Fugenseite des Endosperms

ausgehöhlt (Fig. 664, _4_). Der einjährige Koriander hat durch

starke Verlängerung der nach außen gekehrten Kronblätter

dorsiventrale Blüten. Durch feste Verwachsung der an der Fugenseite

tief ausgehöhlten zwei Teilfrüchte wird die Gesamtfrucht kugelig

mit geschlängelten, kaum vortretenden Hauptrippen und dazwischen

etwas schärfer markierten geraden Nebenrippen.

[Illustration: Fig. 667. Aethusa Cynapium. ⅔ nat. Gr. _B_

Einzeldolde. _C_ Frucht. Vergr. -- #Giftig#.]

#Offizinell#: _Archangelica officinalis_ liefert #Rad. Angelicae#

(Pharm. germ., austr., helv.). -- _Levisticum officinale_:

#Rad. Levistici# (Pharm. germ., helv.), _Pimpinella magna_ und

_P. Saxifraga_: #Rad. Pimpinellae# (ibid.). -- _Imperatoria

Ostruthium_: #Rhizoma Imperatoriae# (Pharm. helv.). -- _Pimpinella

Anisum_: #Fructus Anisi#, #Oleum Anisi# (Pharm. germ., austr.,

helv.). -- _Foeniculum capillaceum_: #Fruct. Foeniculi# (ibid.).

_Carum Carvi_: #Fruct. Carvi# (ibid.). -- _Coriandrum sativum_:

#Fruct. Coriandri# (Pharm. austr.). -- _Petroselinum sativum_:

#Fruct. Petroselini# (Pharm. helv.) und #Rad. Petroselini# (Pharm.

austr.). -- _Conium maculatum_: #Herba Coni#i (Pharm. germ.,

austr.), #Fructus Conii# (Pharm. helv.). -- _Dorema Ammoniacum_

(Persien): #Ammoniacum# (Pharm. germ., austr., helv.). -- _Ferula

galbaniflua_ und andere Arten (Persien): #Galbanum# (Pharm. germ.,

austr., helv.). -- _Ferula Narthex_ (Tibet) und _F. Asa foetida_

(Persien): #Asa foetida# (ibid.).

[Illustration: Fig. 668. Conium maculatum. ½ nat. Gr. -- #Offizinell#

und #giftig#.]

7. Ordnung. Centrospermae.

Pflanzen meist mit Zwitterblüten von dem fünfzähligen Dikotylentypus.

An die Polycarpicae, und zwar die Berberidaceae, sollen nach den

sero-diagnostischen Untersuchungen die Centrospermae anschließen, denen

nach ihrer zentralen Placenta auch die Primulinae angehören würden.

Während ich die hierher zugewiesenen Lentibulariaceae am alten Platze

bei den Scrophulariaceae belasse, weise ich den Cactaceae die ihnen von

jeher angewiesene Stelle neben den Aïzoaceae zu, da ihr Hinaufrücken

fast bis an den Sympetalenast kaum morphologisch zu rechtfertigen ist.

1. Familie _+Aïzoaceae+_. Gattung _Mesembryanthemum_. Perenierende,

meist krautige, stark xerophile und blattsukkulente Pflanzen

Südafrikas. Die hermaphroditen Blüten haben eine vielblättrige,

aus Staubblättern umgebildete Krone, zahlreiche Staubblätter und

2-∞ Fruchtblätter, die hygroskopische Kapselfrüchte liefern. Die

Gattung enthält steinähnliche „Mimicry“-Arten wie _M. truncatellum_,

_pseudotruncatellum_, _Bolusii_ und _calcareum_[477].

2. Familie _+Cactaceae+_. Diese auf Amerika beschränkte Familie

umfaßt blattlose Stammsukkulenten von sehr geringen bis zu

gewaltigen Dimensionen, deren Zwitterblüten strahlig, seltener

dorsiventral sind mit vielzählig spiraligem, langsam von Kelch in

Krone übergehendem Perianth und vermehrtem Andröceum und Gynäceum.

Der unterständige Fruchtknoten ist einfächerig und enthält

zahlreiche wandständige Plazenten mit langgestielten Samenanlagen.

Die Früchte werden zu Beeren, deren Fleisch wesentlich aus diesen

Samenstielen hervorgeht.

[Illustration: Stammbaum des Astes der Centrospermen und der

anschließenden Familien nach den sero-diagnostischen Untersuchungen von

F. MALLIGSON.]

Nur _Peireskia_ und einzelne _Opuntia_-Arten haben noch Blätter,

andere Opuntien nur flache Sproßglieder (Fig. 195). _Cereus_

(Fig. 199), _Echinocactus_ u. a. haben Längsrippen, _Mamillaria_

freie Höcker (Mamillen); die zahlreichen Dornbüschel auf den

Gliedersprossen, den Rippen oder den einzelnen Mamillen entsprechen

je einem Achselsproß, dessen Tragblatt verkümmert ist, während die

Blattanlagen der verbreiterten Sproßachse in Dornen umgebildet

werden (Fig. 669).

_Cactaceae_ bilden einen Hauptbestandteil der Vegetation im

regenarmen Südwesten der Vereinigten Staaten von Nordamerika,

Mexiko und den Anden Südamerikas. Ihre eigenartige Gestaltung kehrt

bei Euphorbiaceen und Asclepiadaceen unter ähnlichen klimatischen

Bedingungen wieder (vgl. S. 149). (Konvergenzerscheinung.) Die

Gattungen _Rhipsalis_, _Epiphyllum_ und _Phyllocactus_ enthalten

zahlreiche epiphytische Formen. Im Mittelmeergebiet verwildert:

_Opuntia Ficus indica_, deren Früchte genießbar sind, wie auch

zahlreiche andere Arten der Familie in ihrer Heimat als Obstbäume

geschätzt werden. Einige Cactaceae, wie _Anhalonium_ u. a.,

führen stark giftige Alkaloide und Saponine. _Opuntia_ und

_Nopalea_-Arten (_Nopalea coccinellifera_) dienen zur Kultur der

Cochenille-Schildlaus, die den Karminfarbstoff liefert.

[Illustration: Fig. 669. Cereus geometrizans. Zwei Rippen eines

fünfrippigen Stammes mit Blüten und Früchten. ¾ nat. Gr.]

3. Familie +_Caryophyllaceae_+. Hierher gehören Kräuter mit

einfachen, lineal-länglichen, in der Regel gegenständigen Blättern

und pentazyklischen fünfzähligen Blüten mit Kelch und Krone; die

Andröceumkreise sind obdiplostemon, und der einfächerige Fruchtknoten

ist oft unvollständig gefächert. K5, C5, A5 + 5, G(5) (Fig. 671).

Die Kapselfrüchte bergen zahlreiche Samen, die einen um das mehlige

Perisperm herumliegenden gekrümmten Embryo enthalten.

[Illustration: Fig. 670. Saponaria officinalis. ½ nat. Gr. --

#Giftig#.]

[Illustration: Fig. 671. Diagramme von Caryophyllaceen. _A_ Viscaria,

Scheidewände im unteren Teile des Fruchtknotens vorhanden. _B_ Silene,

Scheidewände fehlen. Nach A. W. EICHLER.]

[Illustration: Fig. 672. Agrostemma #Githago#. Blühender Zweig und

Frucht. ½ nat. Größe. -- #Giftig#.]

_Cerastium_- und _Stellaria_-Arten gehören zu dem Frühjahrsschmuck

unserer Fluren und Wälder mit ihren zierlichen weißen Blüten

und gespaltenen Kronblättern. _Dianthus_-Arten, Nelken, sind an

Wegrändern, sonnigen Hügeln, im Mittel- und Hochgebirge durch ihre

leuchtenden Farben oder ihren Geruch auffallend. Als Ackerunkraut

ist die filzig-behaarte Kornrade, _Agrostemma Githago_ (Fig. 672),

mit blauroten Blüten häufig, ihre Samen sind giftig. _Saponaria

officinalis_, ein meterhohes Kraut mit gegenständigen breiten

Blättern, ist saponinhaltig und darum giftig (Fig. 670).

#Offizinell#: #Herba Herniariae# (Pharm. austr.) von _Herniaria

glabra_ und _H. hirsuta_.

4. Familie +_Chenopodiaceae_+ enthält Kräuter mit wechselständigen

Blättern und typisch fünfzähligen Blüten mit einem Perigon- und

Andröceumkreis: P5, A5, G(2-5). Die #Staubblätter# stehen #vor den

Perianthblättern#, Reduktionen zu eingeschlechtigen Blüten sind

nicht selten. Eine grundständige, kampylotrope Samenanlage ist im

einfächerigen Fruchtknoten enthalten, der zu einer Nuß wird. Der Samen

birgt einen gekrümmten Embryo, der das mehlige Perisperm rings umlagert.

[Illustration: Fig. 673. Diagramm der Primulaceen (Primula). Nach F.

NOLL.]

[Illustration: Fig. 674. Anagallis arvensis. ½ nat. Gr.

Längsdurchschnittene Blüte und aufgesprungene Kapsel. Vergr. --

#Giftig#.]

[Illustration: Fig. 675. Cyclamen europaeum. Verkl. _A_ Blühende

Pflanze. _B_ Frucht mit sich schraubig in die Erde einrollendem

Fruchtstiel. Nach H. G. REICHENBACH. -- #Giftig#.]

Chenopodiaceen sind vielfach Bewohner des Meeresstrandes und

überhaupt auf salzhaltigem Boden verbreitet, so in den großen

asiatischen Salzsteppen und Wüsten. _Salicornia_ am Meeresstrande

und sonst auf Salzboden (vgl. S. 147). -- Neben dem als

Gemüsepflanze zu erwähnenden Spinat (_Spinacia oleracea_ Winter-,

_Sp. glabra_ Sommerspinat) ist vor allem die #Zuckerrübe#,

_Beta vulgaris_ var. _Rapa_, von Wichtigkeit. Sie liefert den

offizinellen Zucker (Pharm. germ., austr., helv.). Die Pflanze ist

zweijährig. Im ersten Jahre bildet sie eine dick anschwellende,

fleischige Wurzel, die von der Knospe und einer Anzahl saftiger,

dickstieliger, ganzrandiger, oft etwas gekrauster Blätter gekrönt

wird. Aus dieser Blattrosette treibt im zweiten Jahre ein reich

verzweigter rispenförmiger Blütenstand hervor, mit unscheinbaren,

grünlichen Einzelblüten reich besetzt, deren Fruchtknoten

dreikarpellig ist. Am Schluß des ersten Jahres geerntet, liefert

die Wurzel Rohrzucker, welcher die gespeicherte Reservenahrung

darstellt. Durch stete Zuchtwahl ist der Zuckergehalt von 7-8% auf

etwa 15% durchschnittlich gebracht, steigt jedoch bis 21%, ja 26%.

Die Stammpflanze der Zuckerrübe ist _Beta patula_. _Chenopodium_

und _Atriplex_ sind häufige Unkräuter in der Nähe menschlicher

Wohnungen. Von _Chenopodium ambrosioides_ stammt die offizinelle

#Herba Chenopodii# (Pharm. austr.).

8. Ordnung. Primulinae.

Familie der _+Primulaceen+_. Das Diagramm (Fig. 673) zeigt nur

einen Staubblattkreis, der aber nicht alterniert, sondern vor

den sympetalen Kronblättern steht. Die zentrale Placenta ist

charakteristisch. Die Gattung _Primula_ ist weit verbreitet;

einheimisch sind zahlreiche Arten, die mit dem der Familie

eigenen einfächerigen oberständigen Fruchtknoten und einfachem

Griffel ausgerüstet sind. _Primula_ besitzt sehr ausgeprägte

dimorphe Heterostylie (Fig. 545). _Anagallis_ mit seiner

Deckelkapsel (Fig. 674) und _Cyclamen_ (Fig. 675) sind bekannte

_Primulaceen_-Gattungen. Die frischen Knollen von _Cyclamen_,

das Kraut von _Anagallis_ und die Drüsenhaare verschiedener

_Primula_-Arten [_Pr. obconica_, _Corthusa Mathioli_[482]] sind

giftig.

9. Ordnung. Polygoninae.

Die einzige Familie, _+Polygonaceae+_, enthält meist perennierende

Kräuter mit hohlen, knotig gegliederten Stengeln und einfachen

wechselständigen Blättern. Ihre häutigen Nebenblätter sind zu

einer die Stammknospe überziehenden Tüte, #Ochrea#, verwachsen

die vom Stamme durchbrochen wird und als röhrenartiges Organ an

der Internodiumbasis erhalten bleibt (Fig. 676). Die Familie ist

vorwiegend in der nördlichen gemäßigten Zone heimisch.

[Illustration: Fig. 676. Blatt von Polygonum amplexicaule mit der

Ochrea _st_. ⅓ nat. Gr.]

[Illustration: Fig. 677. Rheum officinale. _A_ Blüte. _B_

Blütenlängsschnitt. _C_ Gynäceum mit Diskus. _D_ Rheum compactum,

Frucht. Vergr. Nach LÜRSSEN.]

#Gattungen#: Die Gattung _Rheum_, #Rhabarber#, stammt aus Ostasien

und trägt mächtige, grundständige, einfache, handförmig geaderte

Blätter und aufstrebende, sehr große, rispige Blütenstände.

Die Einzelblüten besitzen zwei Perigonkreise von gleichartiger

Ausbildung, zwei Staubblattkreise, deren äußerer durch Spaltung

verdoppelt ist, also P3 + 3, A6 + 3, G(̲3). -- Große drüsige

Diskusschuppen deuten auf Insektenbesuch hin. Der dreikantige

Fruchtknoten ist in der Reife dreiflügelig (Fig. 677 _D_).

Rheum-Arten werden vielfach als Zierpflanzen, mehr noch als Gemüse

gebaut. _Rumex acetosa_, #Sauerampfer#, einheimische Gemüsepflanze

mit spießförmigen Blättern. Ihr Blütenbau gleicht demjenigen von

_Rheum_, doch fehlt der innere Staubblattkreis. _Polygonum_-Arten

mit gefärbtem, fünfblätterigem Perigon und wechselnder Zahl im

Andröceum; _Fagopyrum esculentum_ liefert in seinen dreikantigen

Früchten #Buchweizen# (Fig. 585 _B_).

#Offizinell#: #Rhizoma Rhei# von _Rheum officinale_, _Rh. palmatum_

und wohl noch anderen Arten. (Pharm. germ., austr., helv.) _Herba

Polygoni_ von _Polygonum aviculare_ (Pharm. austr.).

10. Ordnung. Loranthiflorae.

1. Familie _+Santalaceae+_. Grüne, im Boden wurzelnde

Halbparasiten, die den Wurzeln anderer Pflanzen durch Haustorien

Nährstoffe entziehen. _Thesium_-Arten einheimisch. #Offizinell#:

#Oleum Santali# (Pharm. germ., austr., helv.) aus dem Holze von

_Santalum album_, das für Kunsttischlerei geschätzt ist. 2. Familie

_+Loranthaceae+_. Auf Baumästen lebende, belaubte, halbparasitische

Sträucher, die besonders in den Tropen häufig sind und z. B. im

tropischen Amerika durch die Farbenpracht ihrer Blüten zu Zeiten

auffallen. #Einheimisch#: Der seltene _Loranthus europaeus_ lebt

auf Eichen; _Viscum album_ (Fig. 678), die Mistel, ein häufiger

immergrüner Halbparasit auf den verschiedensten Bäumen, trägt

gegenständige, am Ende verbreiterte, ganzrandige Blätter am knotig

gegliederten Stamm. Die weißen Beerenfrüchte werden von Vögeln

verbreitet. Aus den Samen treibt ein der Wurzelhaube entbehrender

„Senker“ durch die Rinde bis ans Holz, in das er nicht eindringen

kann. Sein Scheitel wird vom Jahreszuwachs des Holzes umwallt; die

dem jeweiligen Kambium des Wirtes entsprechende Region vermittelt

weiteren Zuwachs.

[Illustration: Fig. 678. Viscum album. ½ nat. Gr. Mit Blüten und

Früchten.]

11. Ordnung. Juglandiflorae.

Die Familie _+Juglandaceae+_ enthält stattliche, monözische Bäume

der nördlichen Hemisphäre mit unpaarig gefiederten, aromatischen

Blättern in wechselständiger Anordnung ohne Nebenblätter und mit

stark reduzierten Blüten.

Der #Walnußbaum#, _Juglans regia_ (Fig. 679), ist in Westasien und

im östlichen Mittelmeergebiet einheimisch und wird jetzt in ganz

Europa viel kultiviert. Im Frühjahr strecken sich aus vorjährigen

Achselknospen lang herabhängende, dicke ♂ Kätzchen hervor, deren

Achse mit zahlreichen Einzelblüten bedeckt ist. Jede besteht aus

3-5 Perianthblättern, welche mit zwei Vorblättern zusammen dem

Deckblatt angewachsen sind und zahlreiche Staubblätter umhüllen.

Sie sind gegen die Infloreszenzspitze gekehrt. Weibliche Blüten

stehen in geringer Zahl am Gipfel der jungen Sprosse. Ihre zwei

Fruchtblätter enden in großen, federigen, auseinanderspreizenden

Narben, und das Perigon ist ebenfalls mit Deckblatt und Vorblättern

verwachsen. Der unterständige, einfächerige Fruchtknoten entwickelt

seine grundständige atrope Samenanlage zur Steinfrucht. In der

Fruchtschale liegt ein von dünner Samenschale umschlossener Embryo

mit großen, ölreichen Kotyledonen, die durch unvollkommene, falsche

Scheidewände mannigfach gelappt sind; ein Endosperm fehlt. Auch

andere _Juglans_-, und _Carya_-Arten liefern eßbare Samen und

geschätztes Nutzholz.

[Illustration: Fig. 679. Juglans regia. ½ nat. Gr. _1_ Zweig mit

jungem Laub, männlichen Kätzchen und weiblichen Blüten am Gipfel. _2_

Männliche, _3_ weibliche Einzelblüte. _4_ Frucht, deren äußere Schale

zum Teil entfernt ist. -- #Offizinell.#]

#Offizinell#: #Folia Juglandis# (Pharm. germ., austr., helv.) von

_Juglans regia_.

12. Ordnung. Piperinae.

Einzige Familie _+Piperaceae+_. Wichtig ist die Gattung Piper

mit dreizähligen, meist aber reduzierten Blüten, einfächerigem

Fruchtknoten, der eine Steinfrucht mit Perisperm ergibt, welches

den von spärlichem Endosperm umhüllten Embryo einschließt.

Zerstreute Leitbündel auf dem Stammquerschnitt erinnern an die

Monokotylen, doch ist Dickenwachstum vorhanden. Die Stammpflanze

des Pfeffers _Piper nigrum_, ist ein im malayischen Gebiete

heimischer, jetzt überall in den Tropen angebauter Wurzelkletterer

(Fig. 680). Seine unreifen Früchte geben den #schwarzen Pfeffer#,

nach der Reife und Entfernung der fleischigen äußeren Fruchtschale

den #weißen Pfeffer#.

#Offizinell#: #Cubebae# (Pharm. germ., austr., helv.). Früchte

von _Piper Cubeba_ (Fig. 681), durch stielartigen Fortsatz der

Fruchtbasis vom schwarzen Pfeffer unterschieden. _Fructus piperis

nigri_ (Pharm. austr.), Früchte von _P. nigrum_.

[Illustration: Fig. 680. Piper nigrum. ½ nat. Gr.]

[Illustration: Fig. 681. Piper Cubeba. _a_ Fruchtstand, nat. Gr., _b_

männliche Blüte, vergr., _c_ weibliche Blüte, Längsschnitt, vergr., _d_

Frucht. Längsschnitt, vergr. Nach BERG und SCHMIDT. #Offizinell#.]

13. Ordnung. Querciflorae[483].

Diese Ordnung umfaßt unsere wichtigsten Laubbäume, deren ungeteilte

Blätter hinfällige Nebenblätter besitzen. Die Blüten sind sehr stark

reduziert, stets monözisch verteilt und stehen in Kätzchen oder

Köpfchen. Der Fruchtknoten ist unterständig mit hängenden Samenanlagen,

welche einsamige, endospermlose Nüsse bringen.

1. Familie _+Betulaceae+_. Die männlichen Blüten sind der

Deckschuppe angewachsen. Der zweifächerige Fruchtknoten hat zwei

lange Narben und eine hängende anatrope Samenanlage in jedem Fache.

Die Pflanzen sind vorzugsweise auf der Nordhemisphäre verbreitet.

[Illustration: Fig. 682. Alnus glutinosa. Diagramme der männlichen und

weiblichen Blüten (nach A. W. EICHLER). Deckblatt _b_, die zugehörigen

Vorblätter α β, α′ β′.]

[Illustration: Fig. 683. Betula verrucosa. _1_ Blütenzweig, männliche

Infloreszenzen gipfelständig, weibliche an kleineren Seitenzweigen. _2_

Dichasium aus drei weiblichen Blüten. _3_ Männliche Einzelblüte. _4_

Ein Staubblatt. _5_ Ein Fruchtsproß. _6_ Frucht. _1_ und _5_ ⅔ nat.

Gr., _2_-_4_ und _6_ vergr. -- #Offizinell#.]

[Illustration: Fig. 684. Carpinus Betulus. _1_ Blühender Zweig,

männliche Kätzchen aus vorjährigen Knospen, weibliche am jungen neuen

Jahrestriebe. _2_ Fruchtstand. _3_ Männliche Einzelblüte. _4_ Ein

Staubblatt. _5_ Deckblatt mit zwei weiblichen Blüten. _6_ Weibliche

Einzelblüte (nach BÜSGEN). _7_ Frucht. _1_, _2_, _7_ ⅔ nat. Gr.,

_3_-_6_ vergr.]

Lehrbuch der Botanik für Hochschulen · 第 74 / 90 段