bedürfen zur Keimung eines geeigneten Standortes. Kleinen Samen
ist es nicht schwer, in Ritzen oder Rillen des Bodens Unterkunft
zu finden, wo sie häufig, durch besondere Eigenschaften ihrer
Oberfläche unterstützt, leicht festhaften bleiben. Größere Samen
werden durch das fallende Laub die genügende Bedeckung erhalten.
Die Früchtchen von Erodium und anderen Geraniaceen, von Avena
sterilis, Stipa-Arten und sonstigen Gramineen gelangen mit Hilfe
ihrer hygroskopischen Krümmungen in den Boden (vgl. S. 295, Fig.
276); rückwärts gerichtete Haare ihrer Oberfläche verhindern, daß
sie wieder hinausgedrängt werden. Geotropisch abwärts wachsende
Fruchtstiele (vgl. S. 304) sorgen für hinreichend tiefes Eingraben
der Früchte bei Arachis hypogaea, Trifolium subterraneum, Okenia
hypogaea u. a., negativer Phototropismus führt diejenigen von
Linaria cymbalaria in die Ritzen der von der Pflanze bewohnten
Mauern ein (vgl. S. 310).
[Illustration: Fig. 591. Thuja occidentalis. Bei _A_
medianer Längsschnitt durch den reifen Samen. In _B_ bis _E_
Keimungsstadien. _h_ Hypokotyl, _c_ Kotyledonen, _r_ Radicula, _v_
Stammvegetationskegel, _A_ 5 mal, _B_ und _C_ 2 mal vergr. _D_ und _E_
nat. Größe. Nach H. SCHENCK.]
[Illustration: Fig. 592. Pinus pinea. Keimung nach J. SACHS. _I_
Samenlängsschnitt. _y_ Mikropylenende. _II_ Keimungsbeginn. _s_
Samenschale, _e_ Endosperm, _w_ Hauptwurzel, _x_ der von ihr
ausgestülpte Embryosack (zerrissen), _r_ rote Samenhaut in der Schale.
_III_ Kotyledonen _c_ verlassen den ausgesogenen Samen, _hc_ Hypokotyl,
_w′_ Nebenwurzeln.]
Finden die so geborgenen Samen dann hinreichend Feuchtigkeit, so
quellen sie zunächst stark auf. Damit geht ihnen freilich bereits
ein Teil ihrer großen Unempfindlichkeit gegen alle Fährlichkeiten,
speziell Temperaturextreme und Trockenheit, wieder verloren, die
sie nur ihrem sehr geringen Wassergehalt verdankten. Die nächste
Aufgabe für den Samen ist alsdann die Sprengung der Samenschale,
die meist von der Wurzel besorgt wird. Da die Orientierung der
Wurzelspitze stets gegen die Mikropyle gerichtet ist, wird diese
Stelle geringeren Widerstandes von der Wurzelspitze durchbohrt
und durch Herauswachsen der stärkeren Teile des Hypokotyls
auseinandergesprengt (Fig. 591, 592). Die aus dem Samen austretende
Wurzel wendet sich alsbald geotropisch abwärts und sorgt durch
Wurzelhaare, die am #Wurzelhals#, d. h. der Grenze von Wurzelanlage
und Hypokotyl, besonders lang und zahlreich hervorbrechen, für
schleunige Befestigung des Keimlings im Boden. Inzwischen wächst
das Hypokotyl nach und nach aus der Samenschale heraus, während die
Kotyledonen zum großen Teil noch darin stecken und die Reste der
Reservestoffe aufsaugen (Fig. 591, 593 _a_). So ist eine mehr
und mehr bis an die Insertionsstelle der Keimblätter sich
hinaufziehende scharfe Krümmung des Hypokotyls unausbleiblich,
und die bei weiterem Aufwärtswachsen sich steigernde Spannung muß
schließlich die Kotyledonen aus der Samenschale herausziehen,
worauf der Keimling eine aufrechte Lage einnimmt und die Blätter
zur Assimilation ausbreitet, um ein selbständiges Leben zu
beginnen. Die Zahl der Keimblätter ist meist 2, bei einigen
Gattungen der Koniferen aber wechselt sie von 3-∞ (Fig. 592).
Die häufigste Form der Keimung ist charakterisiert durch die
oberirdische Ausbreitung der Kotyledonen, sie heißt #epigäische#
Keimung. Man findet sie bei den kleineren Samen fast ausschließlich.
Die #hypogäische# Keimung findet sich hauptsächlich bei großsamigen
Dikotyledonen, deren Keimblätter als Reservestoffbehälter dienen,
wie Vicia faba, Pisum, Aesculus, Juglans, Quercus u. a. Ihr
Charakteristikum besteht darin, daß die Kotyledonen, nachdem die
Wurzel sich im Boden befestigt hat, in der Samenschale verbleiben,
während das epikotyle Stammende sich zwischen den Keimblättern
emporrichtet und die Folgeblätter entwickelt. So scharf
morphologisch die Trennung beider Keimungsformen ist, so wenig
ist dieser Unterschied systematisch verwertbar; schon innerhalb
der Papilionaceen z. B. finden sich mannigfache Übergangsstufen;
Phaseolus vulgaris keimt epigäisch, Phaseolus multiflorus
hypogäisch.
Die #Keimung monokotyler Samen# weicht von den beschriebenen
Fällen dadurch ab, daß nach der Hauptwurzel der Kotyledon mit
seinem Scheidenteil aus dem Samen austritt (Fig. 593_b_), während
das andere Ende des Keimblattes sehr lange im Samen verbleibt und
als Saugorgan die im Endosperm aufgespeicherten Reservestoffe
dem Keimling zuführt, dessen erstes Blatt alsbald aus dem
Scheidenteil des Kotyledons hervortritt. Sehr harte Samenschalen
weisen besondere Vorkehrungen auf, welche das Austreten der Wurzel
erleichtern. So finden sich an der Kokosnuß drei Keimlöcher vor,
den drei Fruchtblättern entsprechend. Dasjenige, vor welchem der
einzige zur Entwicklung gelangende Keimling mit seinem Wurzelende
liegt, ist von nur sehr dünner Schale überdeckt, die beiden
anderen dagegen sind fest verschlossen. Die harte Steinschale der
Palme Acrocomia sclerocarpa (Fig. 594) besitzt an der der Wurzel
vorgelagerten Stelle einen leicht herausschiebbaren Pfropf; in der
ganzen Familie der Scitamineen sind ähnliche Deckel vorhanden.
[Illustration: Fig. 593. Keimlinge von _a_ Scorzonera humilis. _b_ Iris
pseudacorus. Nach G. KLEBS.]
[Illustration: Fig. 594. Schnitt durch den oberen Teil der Frucht von
Acrocomia sclerocarpa. _S_ Steinschale, _P_ Pfropf, _K_ Keimling, _E_
Endosperm. Nach E. PFITZER.]
Ganz abweichende Verhältnisse, die hier nur kurz erwähnt werden
können, zeigen die sog. „viviparen“ Pflanzen (Fig. 659). Die
Viviparie stellt eine zum Standort in Beziehung stehende
ökologische Anpassung der tropischen Mangrovepflanzen dar. Sie
lassen ihre einsamigen Früchte bereits an der Mutterpflanze
keimen, d. h. die Fruchtwandung wird vom mächtig heranwachsenden
Keimling, der zunächst mit dem Radikularende aus der Mikropyle der
Samenschale hervordringt, ebenfalls durchbrochen, und das ins Freie
tretende Hypokotyl erreicht z. B. bei Rhizophora mucronata und Rh.
mangle bis über 1 m Länge (vgl. Fig. 187 u. 659), so daß die vom
Baum fallenden Keimlinge mit dem zugeschärften Wurzelende bei ihrem
ansehnlichen Gewicht tief in den Schlamm eindringen, dort festen
Fuß fassen und sich sogleich weiterentwickeln können.
Anordnung der Klassen, Ordnungen und Familien.
I. Klasse. Gymnospermae[472].
Die Gymnospermen sind nach morphologischen Gesichtspunkten
(wie nach den Ergebnissen der Serodiagnostik (S. 524) nicht
einheitlicher Abstammung. Vielmehr gehen die Cycadeen zwar auf
die Cycadofilices (vgl. S. 461 Pteridospermeae) zurück, wohl
vermittelst der Benettitaceae (vgl. S. 522, Cycadeoidea), aber die
Coniferae würden auf die Lycopodinae ligulatae zurückzuführen sein,
wobei die Deckschuppe dem Blatte, die Fruchtschuppe vielleicht der
Ligula? entsprechen könnte. Die Abietineenzapfen bestehen demnach
aus zahlreichen Makrosporophyllen, und jeder Zapfen entspricht
einer Blüte, nicht einem Blütenstand, so daß sich ein direkter
Anschluß an die spiralig aufgebauten Magnoliaceenblüten ergibt.
[Illustration: Fig. 595. Cycas revoluta-Gruppe aus einem Tempelgarten
in Japan. Die mächtigsten Stämme in Japan von 8 m Höhe und 2 m Umfang.
Nach G. R. WIELAND.]
Die +1. Ordnung+, _Cycadinae_, enthält als #einzige Familie# die
_Cycadaceae_. Die Cycadeen sind den Tropen und Subtropen angehörige
Holzgewächse. Und zwar ist _Cycas_ in Asien heimisch, _Macrozamia_
und _Bowenia_ in Australien, _Encephalartos_ und _Stangeria_
gehören Afrika an; dagegen besitzt Amerika die Gattungen _Dioon_,
_Zamia_, _Ceratozamia_ und _Microcycas_. Den Habitus eines
Cycadeenhaines gibt Fig. 595 wieder, wo zahlreiche ansehnliche
Exemplare von _Cycas revoluta_, darunter auch verzweigte,
beisammenstehen.
Der Stamm ist mit Dickenwachstum begabt, er bleibt entweder
unverzweigt oder stellt ein Sympodium dar und bringt große,
gefiederte Laubblätter von mehrjähriger Dauer und lederiger
Beschaffenheit in gipfelständiger Rosette abwechselnd mit
schuppenförmigen Niederblättern hervor. Diese bekleiden gemeinsam
mit den Basen der abgeworfenen Laubblätter die Oberfläche des
säulenartigen oder knollenförmigen Stammes. In allen Teilen der
Pflanzen finden sich Schleimgänge. Die Leitbündel sind kollateral,
führen jedoch im Gefäßteil nur Tracheïden.
Die Blüten der Cycadaceae sind diözisch verteilt. Fig. 596 stellt
eine blühende weibliche Pflanze von _Cycas revoluta_ dar. Der
Vegetationskegel des Stammes bildet hier abwechselnd Laubblätter
und Makrosporophylle. Die Laubblätter sind in der Jugend gleich
denen der Farne eingerollt. Ein Sporophyll ist in Fig. 596_a_
genauer wiedergegeben. Es zeigt noch die gefiederte Form der
Laubblätter, entbehrt aber des Chlorophylls und ist dicht mit
braunen Haaren bedeckt. Der Basis genähert trägt es zwei bis acht
randständige Makrosporangien an Stelle von Fiedern. Jede blühbare
weibliche Cycaspflanze durchläuft also in regelmäßigem Wechsel eine
vegetative und eine Blütenperiode; die Blüte, von der Gesamtheit
der Sporophylle dargestellt, wird stets durchwachsen, da dem Stamme
die Fähigkeit sich zu verzweigen im allgemeinen fehlt. Dagegen
vereinigen die männliche Cycaspflanze und die übrigen Cycadaceae
ihre Sporophylle in terminalen Zapfenblüten von oft riesigen
Dimensionen; eine Seitenknospe des Stammes schiebt sodann diese
terminalen Blüten beiseite und setzt in sympodialem Aufbau das
Wachstum in ursprünglicher Richtung fort.
[Illustration: Fig. 596. Cycas revoluta, weiblich, blühend. Nach einer
Photographie. _a_ Makrosporophyll (Fruchtblatt) von Cycas revoluta
(nach SACHS). _b_ Mikrosporophyll (Staubblatt) von Cycas circinalis
(nach RICHARD).]
Derartige Zapfen bestehen aus zahlreichen Sporophyllen, die
in spiraliger Stellung an der Achse aufeinander folgen.
Mikrosporophylle sind auf ihrer Unterseite mit zahllosen
Mikrosporangien übersät, wie Fig. 596_b_ für _Cycas_ darstellt.
Makrosporophylle der übrigen zapfenblütigen Cycadaceae
beschränken die Zahl der Makrosporangien auf je zwei, welche dem
_Cycas_ gegenüber erheblich abgeänderten Sporophyll am Rande
eingefügt werden, wie Fig. 597 für _Ceratozamia robusta_ zeigt;
Entwicklungsgeschichte vgl. S. 485.
Der einzige Vertreter der +2. Ordnung+, _Ginkgoinae_, die auf
die Familie der _Ginkgoaceae_ beschränkt ist, ist der aus Japan
stammende, bei uns jetzt vielfach angepflanzte Baum _Ginkgo
biloba_. _Ginkgo biloba_ verliert jährlich seine langgestielten,
ein- bis mehrfach zweilappigen, Adiantum ähnlichen Blätter.
Bei diözischer Blütenverteilung sind die hüllblattlosen
Staubblätter zahlreich an einer gestreckten Achse vereinigt,
ihre Mikrosporangien besitzen ein „#Endothecium#“ (S. 470). Die
Makrosporangien stehen zu zweien auf dem Gipfel kurzer Sprosse
in einer kragenartig die Sporangien umgebenden Wucherung, dem
Sporophyll (Fig. 598). Entwicklungsgeschichte vgl. S. 485.
[Illustration: Fig. 597. Ceratozamia robusta. Ein Makrosporophyll mit
zwei Makrosporangien. Nach K. GOEBEL.]
In der +3. Ordnung Coniferae+, den Koniferen, sind die unter dem Namen
der „#Nadelhölzer#“ bekannten Pflanzen vereinigt. Stattliche Gewächse
von baumförmigem oder strauchartigem Habitus, mit holzigen Stämmen
versehen, zeichnen sie sich durch den gemeinsamen Charakter kleiner,
ungeteilter, fester, flacher oder kantiger, meist xerophil gebauter
Nadelblätter von meist mehrjähriger Dauer aus, so daß Nadelhölzer, bis
auf wenige Vertreter, wie die Lärche, zu der „#immergrünen#“ Vegetation
zählen. Eine reiche Verzweigung in Lang- und Kurztriebe typischer Form
findet sich bei den Gattungen Pinus, Larix und Cedrus. In allen Fällen
aber sind Hauptstamm und Seitenzweige durch Wachstumsrichtung und
-stärke scharf unterschieden, wenigstens an jüngeren Individuen. Im
Alter nehmen die Bäume oft Schirmform an.
[Illustration: Fig. 598. Ginkgo biloba. Männlicher Kurztrieb mit Blüte
und jungen Blättern. _a_, _b_ Staubblätter, _c_ weibliche Blüte,
_d_ Frucht, _e_ Steinkern daraus, _f_ derselbe im Querschnitt, _g_
im Längsschnitt nach Ausbildung des Embryo, _h_ weibliche Blüte mit
ausnahmsweise zahlreichen gestielten Samenanlagen. -- Männliche Blüte
und _c_ in nat. Gr., _d_ ein wenig verkleinert, die übrige Figur
vergrößert. Nach L. C. RICHARD, _a_-_d_ nach A. W. EICHLER.]
Der Mangel an Tracheen im Holz, wie in den Gefäßteilen der jungen
Pflänzchen, ist in anatomischer Hinsicht charakteristisch. Große
Tracheïden mit eigenartigen Hoftüpfeln besonders auf den radialen
Längswänden vertreten ihre Stelle und bilden Holzkörper von
außerordentlicher Gleichmäßigkeit. Der Mehrzahl der Koniferen ist
reicher Harzgehalt in allen Teilen eigen.
Die Nadelhölzer sind im Gegensatz zu den Cycadinae meist Bewohner
gemäßigter Zonen, auch gehören sie mit zu den am weitesten gegen
den Pol vordringenden Baumformen. Wo sie innerhalb der Wendekreise
auftreten, handelt es sich meist um Arten, die hoch ins Gebirge
hinaufsteigen.
Nach den Verschiedenheiten ihrer Blütenbildung werden die Koniferen auf
zwei Familien verteilt.
Die _Taxaceae_ sind charakterisiert durch weibliche Blüten mit einem
oder wenigen Makrosporangien, die in der Regel mit einem Arillus
versehen sind. Diese Blüten pflegen nicht zapfenförmig zu sein. Die
Mehrzahl der Vertreter hat diözische Geschlechtsverteilung.
Die _Pinaceae_ dagegen führen mehrere Samenanlagen in jeder
weiblichen Blüte, welche aus zahlreichen, an einer Spindel zu Zapfen
vereinigten Sporophyllen gebildet wird. Ein Arillus fehlt, und die
Geschlechtsverteilung ist meist monözisch.
[Illustration: Fig. 599. Taxus baccata. _A_ Habitusbild eines
Zweiges mit weiblichen Blüten, bei * zwei Samenanlagen an demselben
Primansprößchen. Nat. Gr. _B_ Ein Blatt mit achselständiger
Samenanlage. Vergr. 2. _C_ Längsschnitt durch die gemeinsame
Mediane des Priman- und Sekundansprößchens, _v_ Vegetationskegel
des Primansprößchens, _a_ Arillusanlage, _e_ Embryosackanlage, _n_
Nucellus, _i_ Integument, _m_ Mikropyle. Vergr. 48. -- Nach E.
STRASBURGER. #Giftig#.]
Familie _Taxaceae_. Die Angehörigen der Taxaceen sind in
verschiedenen kleinen Gattungen teils auf der nördlichen
Hemisphäre, wie _Taxus_, _Torreya_, _Cephalotaxus_, vorwiegend
aber in zahlreichen Gattungen auf der südlichen Hemisphäre
verbreitet. Als wichtigste von diesen ist die Gattung _Podocarpus_
zu nennen, deren zahlreiche Arten sich als stattliche Bäume in
den Bergwaldungen meist der asiatischen Tropen finden und in den
gemäßigten Zonen Ostasiens und der australisch-neuseeländischen
Inselwelt eine weite Verbreitung besitzen. Ihre weiblichen Blüten
sind kleine Sprosse, deren Sporophylle fleischig anschwellen; 1
oder 2 davon tragen je eine anatrope, von fleischig werdendem
Arillus umhüllte Samenanlage auf dem Gipfel. Die auf demselben
oder auf einem anderen Individuum vorhandenen männlichen Blüten
stellen kleine aufgerichtete Zäpfchen dar, die mit zahlreichen
Mikrosporophyllen besetzt sind. Jedes Sporophyll trägt unterseits
zwei Sporangien, deren Mikrosporen mit Flugblasen versehen sind.
Die #Eibe#, _Taxus baccata_, ist die einzige in Europa vorhandene
Art der Familie (Fig. 599, 600). Jetzt vielfach in Anlagen
gepflanzt, hat sie früher eine große Verbreitung als immergrünes
Unterholz unserer Wälder besessen. Einzelne mächtige Exemplare
finden sich in Nord- und Mitteldeutschland noch vor, größere
Bestände sind wohl nur spärlich erhalten geblieben. Der Baum
erreicht eine Höhe von etwa 10 m. Seine Zweige sind sämtlich als
Langtriebe ausgebildet und tragen an den aufstrebenden Hauptästen
allseitig, an den wagerecht ausgebreiteten Seitenzweigen nach
rechts und links gescheitelt, flache Nadelblätter von mehrjähriger
Dauer. Der Baum ist diözisch. Die Blüten sitzen auf der Unterseite
der Zweige und entstehen als Achselsprosse vorjähriger Nadeln.
Männliche Blüten werden von einer Anzahl Schuppenblätter am Grunde
umhüllt und enthalten etwa 10 schildförmige Staubblätter, mit
je 5-9 Pollensäcken (Fig. 600 _A_). Bei ihrer Öffnung wird die
Außenwand nach Lösung an der Basis und den Seiten zurückgeschlagen;
so ähnelt das Staubblatt einem nach unten aufgespannten Schirm, in
dessen Höhlung die ausgefallenen Pollenmassen liegen bleiben, bis
der Wind sie entführt. Die Pollenkörner von Taxus entbehren der
Flugblasen. Weibliche Blüten (Fig. 599) entstehen meist einzeln als
sekundärer Achselsproß der obersten Schuppe eines primären Triebes,
dessen zur Seite gedrängter Vegetationskegel sich nicht weiter
entwickelt. Sie bestehen aus einer einzigen atropen Samenanlage,
die von einem Integument umhüllt wird. Die den Gymnospermen
eigene Tropfenausscheidung aus der Mikropyle ist hier besonders
gut zu beobachten. Während der Samenentwicklung bildet sich ein
fleischiger Arillus aus, der als hochroter Becher den reifen Samen
umgibt. Das Laub und der Samen, nicht aber der ihrer Verbreitung
durch Vögel dienende süße Arillus, sind #giftig#.
[Illustration: Fig. 600. Taxus baccata mit Früchten. ½ nat. Gr. _A_
Männliche Blüte nach RICHARD. -- #Giftig#.]
Familie _+Pinaceae+_. In der Familie der Pinaceen sind
die wichtigsten Nadelholzbäume enthalten, die sich nach
Verschiedenheiten der Blattstellung und Lage der Samenanlagen auf
zwei Unterfamilien verteilen lassen. Alle Formen mit gegenständigen
oder quirlständigen Blättern fassen wir als _Cupressineae_
zusammen. Diesen kommt auch eine aufrechte Stellung ihrer
Samenanlagen zu.
Alle Formen mit wechselständigen Blättern bilden die Unterfamilie
der _Abietineae_, welche fast ausnahmslos umgewendete Samenanlagen
besitzen.
Unterfamilie _+Cupressineae+_. Die Cupressineen haben teils
quirlständige Nadeln, wie unser Wacholder (Fig. 601), teils
schuppenförmige und dann dekussiert stehende Blätter wie
Thuja-Arten und _Juniperus sabina_ (Fig. 602). Doch zeigen die
Keimpflanzen von Thuja noch nadelförmige Blätter, und einzelne
Zweige der schuppig beblätterten Juniperus-Arten fallen ebenfalls
häufig auf Nadelblätter und dreizählige Blattquirle zurück, so daß
man diese als ältere Blattform aller Cupressineen zu betrachten
berechtigt ist. _Taxodium distichum_ trägt zweizeilig beblätterte
hinfällige Kurztriebe.
Die Blüten der Cupressineen sind monözisch, nur bei Juniperus
meist diözisch verteilt. Die männlichen sind bei Juniperus
communis blattachselständig. Der kleine Sproß beginnt mit einer
Anzahl anliegender Schuppenblätter (Fig. 601 _Aa_) und endet mit
einigen Wirteln von schildförmigen Sporophyllen _c_, die auf der
Unterseite je 2 bis 4 Mikrosporangien (_d_) tragen, welch letztere
sich mit einem vertikalen, in Längsrichtung des Sporophylls
verlaufenden Riß öffnen. Die Stellung der weiblichen Blüten ist
die gleiche. Auf die Hülle der Schuppenblätter (Fig. 601 _B_)
folgt ein Quirl Fruchtblätter (Fig. 601 _Cb_); jedes trägt schräg
vor der Mittellinie eine aufrechte Samenanlage _c_. Nach der
Befruchtung geht hauptsächlich aus dem Grunde der Sporophylle
fleischiges Parenchym hervor, welches die drei Makrosporangien
emporhebt und sich zwischen sie eindrängt, ohne jedoch den freien
Raum ganz auszufüllen. Die drei Fruchtblätter wachsen dann über
den Samenanlagen völlig zusammen. Eine Verwachsungsnarbe auf dem
Scheitel kennzeichnet noch an der reifen Beerenfrucht die Grenzen
der Fruchtblätter. Übrigens ist Juniperus die einzige Gattung der
Cupressineen mit Beerenfrüchten; die anderen wie _Cupressus_,
_Thuja_, _Taxodium_ tragen Zäpfchen und führen ihre Samenanlage auf
einer kaum abgegliederten Wucherung der Zapfenschuppen.
[Illustration: Fig. 601. Juniperus communis. ⅔ nat. Gr. -- Zweig
mit Früchten und Zweig mit männlichen Blüten. -- #Offizinell#. _A_
Männliche Blüte, _B_ fertiler Zweig mit weiblicher Blüte, _C_ weibliche
Blüte, ein Fruchtblatt zurückgeschlagen, _D_ Frucht nach BERG und
SCHMIDT.]
_Juniperus communis_, der Wacholder, ist ein auf der ganzen
nördlichen Hemisphäre verbreiteter, stellenweise sehr häufiger
Strauch. _Juniperus sabina_, der Sadebaum (Fig. 602), findet sich
in den Alpen und sonstigen mittel- und südeuropäischen Gebirgen als
niederliegender Strauch. Die Zypresse, _Cupressus sempervirens_,
ist im Mittelmeergebiet zu Hause. _Thuja_-Arten, Lebensbäume
genannt, werden als Ziersträucher und Bäume bei uns angepflanzt.
Das sommergrüne _Taxodium distichum_ bildet ausgedehnte Sumpfwälder
an den Nordküsten des mexikanischen Golfes von Florida bis
Galveston, während das immergrüne _Taxodium mexicanum_ auf dem
mexikanischen Hochplateau weit verbreitet ist, in zum Teil
mächtigen Exemplaren, wie „dem großen Baum von Tule“, der von
HUMBOLDT auf 4000 Jahre geschätzt, bei 50 m Höhe 44 m Stammumfang
besitzt (Fig. 603).
[Illustration: Fig. 602. Zweig von Juniperus Sabina mit Früchten. --
#Offizinell# und #giftig#. Gez. H. SCHENCK.]
[Illustration: Fig. 603. Taxodium mexicanum auf dem Kirchhofe Sa. Maria
de Tule bei Oaxaka. Der große Baum von Tule, einer der ältesten Bäume
der Erde. Nach einer Photographie.]
Unterfamilie _+Abietineae+_. Die männlichen Blüten (vgl. S. 479)
bestehen lediglich aus einer am Grunde mit Schuppenblättern
besetzten Achse, an der zahlreiche Staubblätter sich finden, die
auf ihrer Unterseite Pollensäcke tragen. Ihre Zahl ist bei den
_Abietineen_ im engeren Sinne auf zwei beschränkt, sie steigt
bei _Agathis_ und _Araucaria_ auf 5-15. Die Mikrosporen haben
meist Flugblasen. Weibliche Blüten stellen durchweg Zapfen
dar, sie bestehen also aus einer Achse und Zapfenschuppen, den
Makrosporophyllen. Bei _Agathis_ und _Araucaria_ trägt jede Schuppe
#eine# anatrope Samenanlage an der Basis. -- Ähnlich liegen die
Verhältnisse bei _Sequoia_ und _Sciadopitys_, deren Schuppen
aber stets #mehrere# (4-9) anatrope Samenanlagen auf einem sich
schärfer abhebenden Auswuchs tragen. Bei den _Abietineen_ im
engeren Sinne ist die Trennung dieses Auswuchses von der Schuppe
weiter durchgeführt; man findet eine zweite, mit der Zapfenschuppe
am Grunde verbundene innere Schuppe, welche die #beiden, stets
anatropen# Samenanlagen trägt. #Die äußere Schuppe heißt
Deckschuppe, die innere Fruchtschuppe# (Fig. 604 _C_, 605 _5_).
Die Fruchtschuppe wird erheblich stärker ausgebildet. Sie ist der
verholzende, die Samenanlage schützende Teil. Schon zur Zeit der
Blüte wird meist die Deckschuppe von der Fruchtschuppe überdeckt
und erst bei genauer Untersuchung kenntlich. Doch gibt es einige
Arten, z. B. _Abies_-Arten (Fig. 604), _Pseudotsuga Douglasi_
usw., welche die Deckschuppe stets und in jedem Alter des Zapfens
zwischen den Fruchtschuppen deutlich hervortreten lassen.
#Wichtige Gattungen und Arten#: _Agathis_ (_Dammara_) ist im
Malayischen Archipel und bis nach Neuseeland hinüber verbreitet.
_Agathis australis_ und _A. Dammara_ liefern Kauri-Kopal, jedoch
nicht das Dammaraharz. _Araucaria brasiliana_ und _A. imbricata_
sind stattliche Waldbäume Südamerikas. Zur Gattung _Sequoia_
gehören die gewaltigen Baumgestalten der Mammutbäume aus der
kalifornischen Sierra Nevada, _Sequoia gigantea_, deren Stämme
über 100 m Höhe und 12 m Durchmesser erreichen, und die schöne,
jener an Höhe und Dicke kaum nachstehende _S. sempervirens_ der
Küstengebirge.
[Illustration: Fig. 604. Abies pectinata. _A_ Männliche Blüte, _f_
Schuppen, _h_ Sporophylle. _B_ Deck- _d_ und Fruchtschuppe _fr_ von
oben, _C_ dieselben von unten. _Sa_ Geflügelte Samen. Nach BERG und
SCHMIDT. #Offizinell#. _D_ Abies Nordmanniana mit reifen, zum Teil
zerfallenen Zapfen, verkl. aus ENGLER-PRANTL.]