Die Teilung der spermatogenen Zelle ergibt bei Araucaria neben der

sterilen Zelle, dem Dislokator GOEBELS, die Antheridium-Mutterzelle,

die durch eventuelles Platzen des Dislokators losgelöst wird.

Sie liefert zwei zunächst gleichgroße Spermakerne in gemeinsamer

Plasmahülle, doch scheint einer von ihnen häufig nach und nach zu

schwinden. Das ist bei den Taxaceen zur Regel geworden. Fig. 557

von _Torreya taxifolia_, einer nordamerikanischen Taxacee, zeigt im

Pollenschlauchende neben den Kernen des Schlauches (_k_) und der

sterilen Schwesterzelle (_s_) einen sehr großen funktionsfähigen

(_sp^1_) und einen um mehr als die Hälfte kleineren, nicht fertilen

Spermakern (_sp^2_), jeder von eigener Plasmamasse umhüllt. Die

Größendifferenz ist bei Taxus selbst noch erheblicher. Während nun

die Cupressineen durchweg zwei gleiche Spermazellen besitzen, haben

die Abietineen, ähnlich den Araucarien und Taxaceen zwei ungleich

große generative Kerne in gemeinsamer Plasmamasse (Fig. 556). Der

vorangehende größere allein ist fruchtbar.

[Illustration: Fig. 558. Taxus baccata. Längsschnitt durch das

sporogene Gewebe mit einer Embryosack-Mutterzelle, nach stattgehabter

Tetradenteilung. Vergr. 250. Nach E. STRASBURGER.]

[Illustration: Fig. 559. Medianer Längsschnitt durch die

empfängnisreife Samenanlage von Picea excelsa. Vergr. 9. _e_ Embryosack

mit dem Prothallium gefüllt, _a_ Bauchteil, _c_ Halsteil eines

Archegoniums, _o_ Eizelle, _n_ Eikern, _nc_ Nucellus, _p_ Pollenkörner

auf und in der Knospenwarze, _t_ Pollenschläuche, _i_ Integument, _s_

Samenflügel. Nach E. STRASBURGER.]

Die #Makrosporophylle# tragen in der Regel zwei #Makrosporangien#.

Die meist nur in Einzahl vorhandene Makrosporenmutterzelle geht eine

#Tetradenteilung# ein (Fig. 558); doch entwickelt sich von ihren

vier Tochterzellen nur #eine# zum #Embryosacke#, der #Makrospore#.

Sie verdrängt die Schwesterzellen und nach und nach den gesamten

sporogenen Zellkomplex. Die Makrospore füllt sich unterdessen mit

Prothalliumgewebe, das aus wiederholten Teilungen ihres Zellkernes und

zugehörigen Zellplasmas hervorgeht und den ganzen Innenraum einnimmt

(Fig. 559). Am Scheitel des Prothalliums werden #Archegonien# angelegt,

die aus einer mächtigen Eizelle und einem kurzen Halsteil bestehen und

denen der Pteridophyten und Cycadeen auch darin gleichen, daß kurz vor

der Befruchtung eine kleine Bauchkanalzelle von der Eizelle abgegeben

wird (Fig. 560), die bald zugrunde geht.

[Illustration: Fig. 560. Längsschnitt durch den Scheitel eines

Embryosackes von Picea excelsa mit zwei Archegonien, deren

Bauchkanalzelle bkz bereits abgeteilt ist, _on_ Eikern, _v_ Zahlreiche

Eiweiß-Vakuolen. Nach E. STRASBURGER. 80.]

Die Befruchtung selbst sei bei Torreya taxifolia dargestellt. Der

Pollenschlauch ist nach Durchbrechung der oberen Abschlußwandung in

die Eizelle eingebrochen, und der fertile Spermakern hat sich auf den

Eikern gelegt, während das Plasma der Spermazelle beide Kerne umhüllt.

Der übrige Inhalt des Pollenschlauches, wie er in Fig. 557 vorhanden

war, findet sich in einer oberen Ecke der Eizelle zusammengedrängt.

Die weitere Verschmelzung der Kerne zum Keimkern zeigt Fig. 562 _A_ für

Picea excelsa.

In einigen Fällen (vielleicht aber bei allen Cycadeen und

Koniferen) ist die Kernvereinigung weit komplizierter als bisher

angenommen. So schildert HUTCHINSON für Abies balsamea den

Vorgang der Verschmelzung derart, daß die beiden miteinander

vereinigten Kerne sich jeder für sich teilen und dabei die haploide

Chromosomenzahl erkennen lassen. Die Chromosomen treten dabei aber

paarweise zusammen, was der eigentlichen Verschmelzung entsprechen

dürfte, gerade wie es im Diakinesestadium der heterotypischen

Teilung zu sehen ist. Dann wird durch Querteilung der Paare und

Auseinanderweichen der beiden Längshälften die zu fordernde

diploide Zahl hergestellt. CHAMBERLAIN schließt sich dieser

Darstellung für die Cycadee Stangeria an.

[Illustration: Fig. 561. Befruchtung bei Torreya taxifolia. Nach

COULTER und LAND. Beschreibung im Text.]

[Illustration: Fig. 562. _A_, _B_ Picea excelsa. Vergr. 73. Nach K.

MIYAKE. _C_-_I_ Pinus Laricio. _C_-_G_ Vergr. ca. 200. Nach N. I.

KILDAHL. _H_, _I_ Vergr. 104. Nach COULTER und CHAMBERLAIN. _on_

Eikern, _sp_^1, _sp_^2 Spermakerne, _s_ Suspensor. Beschreibung im

Text.]

Nach doppelter Teilung des Keimkernes wandern die vier Kerne ins

untere Ende des Eies und ordnen sich in einer Ebene nebeneinander an

(Fig. 562 _B_); da die weitere Entwicklung des Embryos nicht für

alle Gattungen die gleiche ist, so sei sie hier zunächst für Pinus

dargestellt.

Bei #Pinus# Laricio (Fig. 562) wandern die aus der zweifachen Teilung

des Keimkernes entstandenen vier Kerne ebenfalls in die Basis der

Keimzelle, ordnen sich in einer Fläche nebeneinander an und teilen sich

wieder (_C_). Zwischen diesen acht Kernen, die in zwei Stockwerken

übereinander liegen, bilden sich zunächst #Querwände#, dann Längswände

aus; so entsteht ein achtzelliger „#Proëmbryo#“ (_DE_). Die vier oberen

Zellen bleiben jedoch gegen die Keimzelle hin offen, so daß ihr Plasma

mit dem Keimzellplasma in Verbindung steht. Diese vier oberen Zellen

treten zunächst in Teilung ein (_F_). Darauf folgt Teilung der unteren

vier Zellen (_G_). Der Proëmbryo besteht demnach jetzt aus vier Etagen

von je vier Zellen. Das oberste Stockwerk bildet den Abschluß der

Keimzelle. Die drei übrigen beteiligen sich an der weiteren Entwicklung

in der Art, daß das obere, wohl als Rosette bezeichnete, durch eine

stärkere Wand, die Basalplatte, völlig gegen das Ei abgeschlossen wird

(Fig. 563 _p_). Das mittlere wächst zum #Embryoträger# oder #Suspensor#

(Fig. 662 _I_ _s_) aus und schiebt die letzte, zur #Embryo#bildung

bestimmte Etage vor sich her in das mit Nährstoffen gefüllte

#Prothallium#gewebe hinein.

Nach neueren Untersuchungen von BUCHHOLZ spalten sich die

Suspensorzellen mit den jungen Embryoanlagen bei Pinus ausnahmslos

auseinander (Fig. 563), so daß jedes befruchtete Archegonium vier

Embryonen liefert und bei der durchweg erfolgenden Befruchtung von

mehreren Archegonien eine außergewöhnlich starke Polyembryonie die

Regel ist. Eine Querteilung der Suspensorzellen findet nicht statt,

doch nehmen die an den Suspensor stoßenden oberen 1-3 Reihen von

Embryozellen als „Embryonalschläuche“ an der weiteren Verlängerung

lebhaften Anteil, was insofern von Bedeutung ist, als nur der am

weitesten ins nährstoffreiche Prothallium eingedrungene Embryo Aussicht

hat, im Konkurrenzkampfe obzusiegen und als alleiniger Embryo erhalten

zu bleiben.

Die Verschiedenheiten in der Embryobildung der Abietineen sind

derart, daß Pinus und Cedrus etwa gleichaltrig, Tsuga erst in etwas

späterem Alter ihre Embryoanlage spalten; bei Abies, Picea, Larix und

Pseudotsuga unterbleibt eine Spaltung, und es wird stets nur #ein

einheitlicher# Embryo aus jedem befruchteten Archegonium entwickelt. Er

besitzt dann die vorher für Cycadeen geschilderte Gliederung, nur ist

die Zahl der Keimblätter bei den Koniferen, besonders den Abietineen,

oft höher als zwei.

[Illustration: Fig. 563. Weiter entwickelter Embryo von Pinus

Banksiana. _s_ Suspensor, _e__{1} erster Embryonalschlauch, _r_

Rosette, _p_ Basalwand. 80. Nach J. T. BUCHHOLZ.]

c) Gnetineen[464].

Die letzte Ordnung der Gymnospermen, die Gnetineen, zeigt

eine abweichende und eigenartige Entwicklung. Zwar ist die

Mikrosporenbildung und -keimung nicht erheblich von derjenigen

der anderen Gymnospermen verschieden, wenn auch die Abgrenzung

der generativen Zellen minder deutlich zu werden, ja teilweise zu

fehlen scheint, so daß #zwei# gleich große Kerne in gemeinsamer

Plasmahülle vorliegen. Aber bei den Makrosporen zeigen sich größere

Abweichungen. Die Makrosporen von #Ephedra# und #Welwitschia#

besitzen ein wohlausgebildetes Prothallium. Ephedra entwickelt

am Scheitel Archegonien, die etwa denen der Koniferen gleichen.

Welwitschia läßt 2-5 kernige Schläuche vom Prothalliumscheitel aus

in das Nucellusgewebe hinein den eindringenden Pollenschläuchen

entgegenwachsen; ihre Deutung als Archegonien wird durch die

bauchige Erweiterung der Basis wahrscheinlicher. #Gnetum# endlich

bildet kein Prothalliumgewebe, sondern zeigt den Embryosack (Fig.

564) lediglich mit zahlreichen im Plasma verteilten Eikernen

gefüllt. Die beiden generativen Kerne des Pollenschlauches

verschmelzen mit je einem weiblichen Kern, dann erst beginnt

die Endospermbildung. Auf die Verwendung beider Spermakerne im

Embryosack sei mit Rücksicht auf die „doppelte Befruchtung“ der

Angiospermen hingewiesen. Von allen beim Eindringen mehrerer

Pollenschläuche in größerer Zahl entstandenen Keimzellen kommt nur

#ein# Embryo zu voller Entwicklung.

+B. Angiospermen+[465]. a) #Die Mikrosporen der Angiospermen#

bilden noch vor ihrem Verstäuben eine #Antheridiummutterzelle#

(Fig. 565 _A m_), die sich uhrglasförmig von der großen vegetativen

Pollenzelle abtrennt, ohne eine Zellulosehaut auszuscheiden. Sie

löst sich allmählich von der Außenwandung und liegt zur Zeit

der Pollenverbreitung als spindelförmiges Gebilde in der Mitte

der Mikrospore neben dem vegetativen Pollenkern (_k_). Bei der

Keimung auf der Narbe wandert der vegetative Kern und hinter ihm

die Antheridiummutterzelle in den Pollenschlauch ein. Diese tritt

in Teilung, und die beiden generativen Tochterkerne (_g_) bleiben

ohne besondere Abgrenzung einer zugehörigen Plasmamasse frei im

Pollenschlauch. Sie sind von länglich ovaler oder ellipsoidischer

Form und wandern hintereinander im Schlauch abwärts. Den Gymnospermen

gegenüber ist also das #Fehlen sowohl der Prothalliumzellen# und der

sterilen Schwesterzelle des Antheridiums, wie einer Zellulosemembran

für dieses, endlich das #Auftreten nackter generativer Kerne statt

generativer Zellen# im Pollenschlauch hervorzuheben. Die Rückbildung

des männlichen Prothalliums ist demnach so weit gegangen, daß nur die

unumgänglich notwendigen Teile erhalten geblieben sind.

Ob das von HERRIG beobachtete Auftreten zweier Sperma#zellen# bei

künstlicher Keimung von monokotylen Pollenkörnern sich bei normaler

Keimung ebenfalls zeigt, wäre zu untersuchen.

[Illustration: Fig. 564. Embryosackscheitel von Gnetum rumphianum. Kurz

vor der Keimzellenbildung. _wk_ Weibliche Kerne, _mk_ männliche Kerne,

_pk_ Pollenschlauchkern, _ps_ Pollenschlauch. Vergr. 500.]

b) #Makrosporen. Die für die Angiospermen charakteristische Abweichung

von dem vorher geschilderten Entwicklungsgange des gymnospermen

Makrosporangiums# beginnt erst, wenn nach der Tetradenteilung der

Makrosporenmutterzelle der allein zur Ausbildung gelangende Embryosack

seinen Kern wiederum teilt (Fig. 566 _1_-_5_). Der „#primäre

Embryosackkern#“ teilt sich, die Tochterkerne weichen auseinander

und teilen sich abermals und zum dritten Male. Hierauf erst tritt

teilweise Zellbildung um diese Kerne ein (Fig. 566 _6_-_8_). Im oberen,

der Mikropyle zugekehrten, wie im unteren Ende des Embryosackes

entstehen drei nackte nur von Plasmahaut umgebene Zellen; die beiden

übrigbleibenden „Polkerne“ wandern gegeneinander in die Mitte der Zelle

und vereinigen sich zum „#sekundären Embryosackkern#“. Die Zellen des

unteren Zellendes heißen #Antipoden# oder #Gegenfüßlerinnen#; sie

entsprechen den vegetativen Prothalliumzellen, wie solche bei den

Gymnospermen bis auf Gnetum die ganze Makrospore füllen.

Bei Peperomia hispidula und Pandanus u. a. ist die Zahl der

Antipoden eine erheblich größere; ob dieses Verhalten vielleicht

als primitives Merkmal zu deuten ist, muß bis auf weiteres

dahingestellt bleiben.

#Die drei oberen Zellen dagegen stellen den „Eiapparat“ dar# (Fig.

568). Zwei einander gleichende seitliche werden als #Synergiden#

oder #Gehilfinnen# bezeichnet, die dritte, tiefer in den Embryosack

hineinragende ist die #Eizelle# selbst. Die Gehilfinnen vermitteln den

Übertritt des Pollenschlauchinhaltes in den Embryosack. Auch hier ist

also die Reduktion fast bis an die Grenze des Möglichen gegangen; #an

Stelle der mehr oder minder zahlreichen Archegonien in der gymnospermen

Makrospore ist nur eine Eizelle vorhanden#. Die Synergiden kann man

entweder als steril gewordene Archegonien oder mit TREUB und PORSCH als

Halszellen des zum Eiapparat gewordenen Archegoniums ansprechen (Fig.

568).

[Illustration: Fig. 565. Pollenkorn von Liliummartagon und seine

Keimung. Vergr. 400. _k_ Pollenkornkern, _m_ Mutterzelle des

Antheridiums, _g_ generative Kerne. Nach E. STRASBURGER.]

In manchen Fällen erfährt die Embryosackmutterzelle keine

Tetradenteilung mehr, sondern liefert nur drei oder zwei

Tochterzellen, oder sie wird ohne Teilung direkt zum Embryosack,

der bei Cypripedium und Plumbagella seinen Inhalt unter Ausfall

der letzten Teilung auf Eizelle, zwei Polkerne und einen

Antipodenkern, oder bei Cypripedium in anderer Verteilung auf

Eizelle, zwei Synergiden und einen Polkern, also jedesmal

auf vier Kerne beschränkt, während bei den sich sonst ebenso

verhaltenden Lilium-Arten die normale Achtzahl erreicht wird.

Die Reduktionsteilung findet dann im Embryosack statt, ist

also vom Ende der Sporophytengeneration in den Anfang der

Gametophytengeneration verschoben. Für weiter sich findende

Abänderungen der Embryosackbildung und -ausstattung vgl.[466].

Da ein direkter Zutritt der Mikrosporen zu den im Fruchtknoten

eingeschlossenen Makrosporen hier ausgeschlossen ist, müssen sie auf

der #Narbe# keimen (Fig. 567). Ihre #Pollenschläuche durchwachsen

die ganze Länge des Griffels#, und in der Regel dringt dann ein

Schlauchende durch die #Mikropyle# zum Nucellusscheitel vor. Dieser

häufigste Fall des Pollenschlauchzutrittes wird als #Porogamie#

bezeichnet. Doch sind neuerdings zahlreiche Abweichungen davon bekannt

geworden.

[Illustration: Fig. 566. Embryosackentwicklung von Polygonum

divaricatum. _1_-_7_ Vergr. 320, _8_ Vergr. 135. _m_

Embryosackmutterzelle, _emb_ Embryosack, _st_ sterile Schwesterzellen,

_e_ Eizelle, _s_ Synergiden, _p_ Polkerne, _a_ Antipoden, _k_

sekundärer Embryosackkern, _cha_ Chalaza, _mi_ Mikropyle, _ai_, _ii_

äußeres und inneres Integument, _fun_ Funiculus. Nach E. STRASBURGER.]

Nachdem M. TREUB zuerst für Casuarina nachgewiesen hatte, daß die

Pollenschläuche hier von der Chalaza her zu dem höchst eigenartig

entwickelten, zahlreiche Makrosporen bergenden sporogenen Gewebe

gelangen, ist eine größere Zahl derartiger, als #Chalazogamen# den

normalen Porogamen gegenübergestellter Formen bekannt geworden. Es

gehören hierher vor allem die Casuarinaceen, dann die Juglandaceen,

Betulaceen, Ulmaceen, Celtoideen, Urticaceen, Cannabinaceen,

Euphorbiaceen, die alle das gemeinsame Merkmal haben, daß sie ihre

Pollenschläuche innerhalb der Gewebe der Samenanlage verlaufen

lassen. Sie verschmähen also den Durchtritt durch die Mikropyle,

die in einigen Fällen auch geschlossen wird (bei den Urticaceen)

oder die bei den Euphorbiaceen durch den Obturator gedeckt ist,

-- und bahnen sich den Weg zum Embryosack teils von seinem

Chalazaende (Fig. 569), teils von der Seite her zum Eiapparate,

indem sie das zwischenliegende Gewebe durchbrechen. Da die

genannten Familien nach der Auffassung vieler Autoren am unteren

Ende der Dikotylenreihe stehen sollen, hat man in dieser Art des

Pollenschlauchwachstums innerhalb der Gewebe eine Annäherung

an die ursprünglicheren Verhältnisse bei den Gymnospermen

erblicken wollen, wo ebenfalls zur Erreichung des Embryosackes

das ganze darüberliegende Gewebe des Nucellus vom Pollenschlauche

durchwachsen werden muß (Fig. 559). Weiter findet nun NAWASCHIN,

daß auch bei der Entwicklung des #Pollenschlauchinhaltes# dieser

Pflanzen deutliche Anzeichen einer gegenüber der Mehrzahl der

Angiospermen niedrigeren Entwicklungsstufe vorhanden sind, indem

die beiden generativen Kerne (bei Juglans), von einer gemeinsamen

Plasmahülle umgeben, in den Embryosack eintreten, um hier erst

allmählich nackt hervorzutreten und ihre Funktionen zu erfüllen.

Aller Wahrscheinlichkeit nach handelt es sich in den genannten

Familien aber um stark reduzierte Formenkreise, nicht, wie der

genannte Autor meint, um aufsteigende; dem Aussehen nach können ja

beide übereinstimmen.

[Illustration: Fig. 567. Fruchtknoten von Polygonum convolvulus mit

atroper Samenanlage (schematisiert). _fs_ Stielartige Basis, _fu_

Funiculus, _cha_ Chalaza, _nu_ Nucellus, _mi_ Mikropyle, _ii_ inneres,

_ie_ äußeres Integument, _e_ Embryosack, _ek_ Embryosackkern, _ei_

Eiapparat, _an_ Antipoden, _g_ Griffel, _n_ Narbe, _p_ Pollenkörner,

_ps_ Pollenschläuche. Vergr. 48. Nach H. SCHENCK.]

[Illustration: Fig. 568. Funkia ovata. Nucellusscheitel mit Eiapparat

vor der Befruchtung, _o_ Eizelle, _s_ Synergide. Vergr. 390. Nach E.

STRASBURGER.]

[Illustration: Fig. 569. Längsschnitt durch einen Fruchtknoten von

Juglans regia zur Darstellung der Chalazogamie. Vergr. 6. _ps_

Pollenschlauch, _e_ Embryosack, _cha_ Chalaza (schematisiert).]

So gelangt der Pollenschlauch mit den beiden generativen Kernen an

den Embryosack. Er entläßt seinen Inhalt, welcher durch eine der

Synergiden zur Eizelle vordringt. Die betreffende Synergide stirbt

ab. #Einer der beiden generativen Kerne dringt in die Eizelle ein

und verschmilzt mit dem Eikerne: die befruchtete Eizelle umgibt

sich mit einer Zellulosemembran. Der zweite generative Kern ist am

Ei vorbeigewandert und vereinigt sich mit dem großen „sekundären

Embryosackkern“ zum „Endospermkern“# (Fig. 570, 571). Beide männlichen

Kerne haben oft pfropfenzieherartig gewundene Form, so daß NAWASCHIN,

der das Eindringen und Verbleiben des zweiten generativen Kernes zuerst

beobachtet hatte, sie direkt mit den Spermien der Sporenpflanzen

vergleicht. Die Weiterentwicklung pflegt sodann mit der Teilung

des Endospermkernes einzusetzen, der zunächst eine große Zahl im

plasmatischen Wandbelag verteilter Kerne liefert. Durch Ausbildung

der Querwände zwischen den einzelnen von je einem Kern beherrschten

Plasmabezirken und weitere Vermehrung dieser Zellen zu einem massiven

Gewebekörper entsteht das Endosperm (Fig. 579 _A_).

[Illustration: Fig. 570. Befruchtung von Lilium martagon. Einer der

männlichen Kerne ist neben dem Eikern, der andere neben den gerade

verschmelzenden Polkernen sichtbar. Schematisiert. (Bezeichnung wie

Fig. 571.)]

[Illustration: Fig. 571. _A_ Embryosack von Helianthus annuus nach S.

NAWASCHIN. _B_ Die männlichen Kerne daraus stärker vergrößert. _ps_

Pollenschlauch, _s__{1} _s__{2} Synergiden, _sp__{1} _sp__{2} männliche

Kerne, _ov_ Eizelle, _ek_ Embryosackkern, _a_ Antipoden.]

[Illustration: Fig. 572. Entwicklung des Keims von Capsella bursa

pastoris. _h_ Hypophyse, _et_ Embryoträger, _c_ Kotyledonen, _p_

Plumula. Vergr. Nach J. HANSTEIN.]

[Illustration: Fig. 573. Junger Keim von Alisma plantago. _c_

Kotyledon, _v_ Vegetationspunkt. Vergr. Nach J. HANSTEIN.]

Übrigens ist bei zahlreichen Kompositen, ebenso bei Aponogeton,

Potamogeton usw., das Endosperm von der ersten Teilung des

sekundären Embryosackkernes an zellulär ausgebildet. Das Stadium

der frei im Wandbelag verteilten Kerne fällt hier aus, wie übrigens

auch schon W. HOFMEISTER es für verschiedene Familien angegeben

hatte.

Das unterscheidende Merkmal im Entwicklungsgange des

Angiospermen-Endosperms gegenüber dem Gymnospermen-Prothallium liegt

demnach in der Unterbrechung seiner Bildung, in der „#fraktionierten

Endospermbildung#“. Zunächst wird in dem der Befruchtung harrenden

Embryosack nur eine Andeutung des Prothalliums, die #Antipoden#,

gegeben. Die #eigentliche Endospermbildung# dagegen ist von der

Weiterentwicklung des betreffenden Embryosackes abhängig gemacht

und damit jeder Materialvergeudung vorgebeugt. Den Ausgangspunkt

dazu bildet der sekundäre Embryosackkern, welcher einer Anregung zur

Weiterentwicklung durch Vereinigung mit dem zweiten generativen Kern

des Pollenschlauches zum Endospermkern bedarf. (Vgl. dazu das bei den

Gnetaceen Gesagte.)

[Illustration: Fig. 574. Haustorien des befruchteten Embryosackes

von Melampyrum nemorosum nach BALICKA-IWANOWSKA. _b_ Haustorien des

Chalazaendes, _c_ Nährgewebe, _d_ Leitbündelzweig, _e_ Funiculus, _f_

Embryo, _g_ sein Suspensor, _a_, _a__{′}, _a__{″} am Mikropylenende

schon früh entstandene Haustorienschläuche, deren innere sich im

Funiculus weit ausbreiten, zum Teil die Epidermis durchbrechen, _h_

ihre Ansatzstellen, _i_ Querwände im Schlauche.]

Aus der befruchteten, alsbald mit fester Zellulosehaut bekleideten

Eizelle, der Keimzelle, geht eine Zellreihe, der #Vorkeim#, hervor,

welcher aus seiner Gipfelzelle die Hauptmasse des #Embryos#[467]

entwickelt. Der Rest des Vorkeimes bildet den #Embryoträger# oder

#Suspensor#. An der Grenze von Embryo und Suspensor liegt eine als

#Hypophyse# (Fig. 572 _D h_) bezeichnete Zelle, die an dem Aufbau des

unteren Embryoendes, der #Radicula#, in geringem Maße beteiligt zu

sein pflegt. Je nach der Zugehörigkeit der betreffenden Pflanze zu

der Unterklasse der _Monokotyledonen_ oder _Dikotyledonen_ ist die

Gliederung des Embryokörpers verschieden. #Die Dikotyledonen lassen

zwei Keimblätter, Kotyledonen, am Scheitel des heranwachsenden Embryos

hervorsprossen# (Fig. 572) #und bilden am Grunde des Spaltes zwischen

beiden den Sproßvegetationspunkt, die Plumula; die Monokotyledonen

dagegen besitzen der Regel nach einen scheitelständigen großen

Kotyledon und einen seitlich gelegenen Vegetationspunkt# (Fig. 573).

Die Wurzel, Radicula, geht in beiden Fällen aus dem der Mikropyle

zugekehrten Teile des Embryokörpers hervor; ihre Abgrenzung wird an

älteren Embryonen deutlich.

Da der Embryosack nach eingetretener Befruchtung für den Aufbau

des Keimlings, wie zur Füllung der Reservestoffbehälter im

jungen Samen sehr erheblicher Zufuhr von Nährstoffen bedarf,

so ist es verständlich, daß besondere Wege dafür eingeschlagen

werden. Während im einfachsten Falle das Endosperm sich mächtig

vergrößert und den ganzen Nucellus nach und nach verdrängt, sind

häufig die Antipodenzellen, als der Chalaza nächst gelegene Teile,

mit der Funktion der Embryosackernährung betraut. Sie erfahren

dann starke Vermehrung und bisweilen eine mächtige Entwicklung.

Aber auch andere Teile des Embryosackes selbst können zu langen

Saugorganen, Haustorien, auswachsen, die bald aus der Mikropyle

hervordringen, bald in der Chalazaregion das umliegende Gewebe weit

durchziehen und das in vielen Fällen, besonders bei insektivoren

und halbparasitisch lebenden Pflanzen, an diesem Orte vorher

angehäufte, reiche Reservestoffmaterial der Makrospore zuführen

(Fig. 574).

Völlig abweichende Entwicklung des Embryosackes und Embryos

ist endlich bei Pflanzen zu finden, die unter ganz besonderen

Lebensbedingungen vorkommen, wie die nur in reißenden

Gebirgswässern tropischer und subtropischer Gebiete lebenden

Podostemaceen. Hier kommt alles darauf an, daß während der

kurzen Trockenzeit die Blütenanlage und -entwicklung auf Kosten

vorher angesammelten Ernährungsmaterials vor sich gehe, und daß

Bestäubung, Befruchtung und Samenentwicklung in abgekürztem

Verfahren rasch durchlaufen werden, damit bei Wiederkehr des

Wassers die reifen Samen ihre Keimungsbedingungen finden und der

Vermehrung und Ausbreitung der Pflanzen dienen können.

[Illustration: Fig. 575. Vegetative Sprossung aus dem Nucellus von

Funkia ovata. (Apogamie.) _n_ Nucellus, dessen Zellen am Scheitel

Adventivkeime (_ae_) bilden, _s_ Synergide, _o_ aus der Eizelle

entstandener Embryo mit Eikern und Spermakern, _ii_ inneres Integument.

Nach E. STRASBURGER.]

Lehrbuch der Botanik für Hochschulen · 第 68 / 90 段