Meist ist die Lage der vom Insekt aufgesuchten Nektarien derart,

daß das Haarkleid der Tiere an ganz bestimmten Stellen Pollenkörner

mitnehmen muß, die beim Besuche anderer Blüten auf die Narbe

übertragen werden. Da ist es denn wichtig, daß solche entomophilen

Pflanzen ihre Pollenkörner ganz anders ausrüsten als die vorher

betrachteten anemophilen. Viele stachlichte Hervorragungen, rauhe

oder klebrige Oberflächen oder das Zusammenbleiben in Tetraden, ja

in ganzen Pollenfächern wie bei Orchis (Fig. 842) und Asclepias

sind für den Pollen entomophiler Pflanzen charakteristisch. Daß

solcher Pollen neben dem Nektar für manche Insekten ein besonders

wertvolles, weil stickstoffhaltiges Nahrungsmittel bildet, wie für

die Bienen, die ihn zum „Bienenbrot“ verkneten, ist ebenfalls von

Bedeutung.

[Illustration: Fig. 540. Blütenbestäubung bei Salvia pratensis.

(Erklärung im Text.) Nach F. NOLL.]

Ein sehr inniges Zusammenwirken von Blütenbau und Insektenkörper

bietet die Bestäubung von Salvia pratensis durch Hummeln. Fig.

540 _1_ zeigt eine Salviablüte mit einer Nektar suchenden Hummel

auf der Unterlippe. Salvia hat nur zwei Staubblätter, deren

Antherenhälften ganz verschieden entwickelt sind: die eine ist

steril und bildet eine Verschlußklappe in der Blumenkronröhre

(Fig. 540 _4_), die andere sitzt am Ende eines langgestreckten

Konnektivs, das diese fertile Hälfte unter die Wölbung der

Oberlippe hinaufhebt. So ist ein ungleichseitiger Hebel gebildet,

der drehbar an der Filamentspitze befestigt ist. Bei Einführung

des Rüssels übt die Hummel einen Druck auf den kürzeren Arm, die

fertile Antherenhälfte wird damit durch die Hebelwirkung des

Konnektivs (_c_) um den Ansatzpunkt am Filament (_f_) gedreht und

fest auf dem Haarkleid des Hummelhinterleibes abgestreift (Fig. 540

_1_, _3_). Beim Besuche einer älteren Blüte findet sie den Griffel

weiter unter der Oberlippe hervorgewachsen (vgl. S. 483 Dichogamie)

und seine Narbe genau an der Stelle jener Antherenhälfte, so daß

von dort mitgenommene Pollenkörner auf dem sichersten Wege der

Narbe übermittelt werden müssen.

Jedoch nicht die Nahrung allein zieht die Insekten zu den Blüten

hin, auch der #Fortpflanzungsinstinkt# führt sie in einigen Fällen

zum Blütenbesuch. Das mißfarbige Aussehen und der Aasgeruch

mancher Araceen, Asclepiadaceen- und Aristolochiaceenblüten

veranlassen Aasfliegen zum Besuch der Blüten, in denen sie ihre

Eier ablegen und gleichzeitig Pollen anderer vorher besuchter

Blüten übertragen. Die Bestäubung der Feigenblüten (Fig. 541)

wird durch eine Gallwespe besorgt, welche in die krugförmigen

Blütenstände einkriecht, ihre Eier in die kurzgriffeligen

Gallblüten ablegt und dabei den vom „Caprificus“, den männlichen

Blütenpflanzen, mitgebrachten Pollen den langgriffeligen weiblichen

Samenblüten zuführt (Fig. 541). Yucca filamentosa endlich ist für

ihre Fortpflanzung gänzlich auf eine Motte (Pronuba) angewiesen,

welche ihre Eier in die Yucca-Fruchtknoten ablegt und die Narbe

gleichzeitig bestäubt. Wenn auch die Raupen einen großen Teil der

Samenanlagen fressen, so bleiben doch stets Samen übrig, während

ohne Bestäubungsvermittler, wie die bei uns kultivierten Exemplare

zeigen, überhaupt kein Samenansatz erfolgen kann.

[Illustration: Fig. 541. Ficus carica. _A_ Längsschnitt durch einen

Blütenstand. _B_ Samenblüte. _C_ Gallenblüte. _D_ Männliche Blüte.

_B_-_D_ vergr. _D_ nach KERNER. _B_, _C_ nach H. Graf SOLMS-LAUBACH.]

Neben der Entomophilie spielt die auf amerikanische Kolibris und

die Honigvögel der alten Welt sich beziehend #Ornithophilie# eine

weit bescheidenere Rolle. Einen besonders merkwürdigen Fall von

Anpassung zwischen einer Blüte und ihrem Bestäuber stellt die

in unseren Gewächshäusern häufig kultivierte Strelitzia reginae

dar (Fig. 542). Ihre drei äußeren Perigonblätter (_t_) sind

lebhaft orangerot gefärbt; das große azurblaue Labellum (_p_)

entspricht einem der inneren Perigonblätter, während die beiden

übrigen (_p_) unscheinbar bleiben und den Zugang zum Nektarium

überdachen, das reichlich Nektar austräufeln läßt. Staubblätter

(_st_) und Griffel (_g_) liegen in einer das Labellum der Länge

nach durchziehenden Rinne, deren Ränder leicht auseinanderklappen;

die Narbe (_g_) ragt frei über das Labellum hinaus. Der in

den gleichen Farben prangende Vogel, Nectarinia afra, fliegt

zuerst die Narbe an und streift nachher, auf dem Labellum weiter

vordringend, den Pollen der Staubblätter ab, den er auf eine

nächste Narbe übertragen kann. Ebenso eigenartig ist der Bau der

hängenden Marcgravia-Infloreszenzen mit Deckblättern, die zu

Nektar haltenden Kannen umgewandelt sind; doch steht dieser nach

neueren Beobachtungen nicht mit der Entomophilie in Beziehung[460].

Durch die angeführten Untersuchungen von HESS (S. 480) wird es

erklärlich, daß die meisten ornithophilen Blüten intensiv rot

gefärbt sind (Aloë, Clianthus, epiphytische Loranthaceen usw.),

da die Empfindlichkeit für Rot beim Tagvogel jener für unser Auge

ähnlich ist.

[Illustration: Fig. 542. Ornithophile Blüte von Strelitzia reginae

und Querschnitt durch das große Labellum _p_. _t_ Äußere, _p_ innere

Perigonblätter, _g_ Griffel bzw. Narbe, _st_ Staubblätter. Aus A. F. W.

SCHIMPER, Pflanzengeographie.]

Der Vollständigkeit halber seien auch noch die #chiropterophilen#

Blüten erwähnt, z. B. diejenigen der Pandanacee Freycinetia,

deren innere Deckblätter den großen Fledermäusen des Malayischen

Archipels, den bekannten „fliegenden Hunden“, ein beliebter

Leckerbissen sind, wofür sie sich durch die Pollenübermittelung

dieser diözischen Pflanze nützlich erweisen. Endlich sollen Calla

palustris, Chrysosplenium und Aspidistra durch Schnecken bestäubt

werden, sie wären demnach als #malakophile# Pflanzen zu bezeichnen.

Da die Mehrzahl angiospermer Pflanzen hermaphrodite Blüten besitzt,

könnte es merkwürdig erscheinen, daß so mannigfache und verwickelte

Anpassungen der Übertragung des Pollens auf andere Blüten, also der

#Kreuzung# dienen müssen. Zunächst aber liefert oft die Bestäubung

mit eigenem Pollen, die Selbstbestäubung oder #Autogamie#, minder

guten Samenansatz, z. B. bei dem Roggen, oder bleibt ganz ohne Erfolg.

Derartige „selbststerile“ Pflanzen sind z. B. Lobelia fulgens,

Corydalis cava, Cardamine pratensis. Ebenso wird Fremdbestäubung,

#Allogamie#, eintreten müssen, wenn der Pollen nur nach Verwundung der

Narbe zu keimen vermag, wie bei Laburnum vulgare; hier erfüllt nur

Insektenbesuch, der in der Regel fremden Pollen mitbringen dürfte, die

Keimungsbedingung und schließt damit blüteneigenen Pollen aus. Bei

Orchideen aber wirkt der eigene Pollen vielfach direkt schädigend und

läßt die damit belegte Blüte alsbald absterben.

[Illustration: Fig. 543. Blüte von Anthriscus silvestris. Schwach

vergr. _1_ im männlichen, _2_ im weiblichen Stadium. Nach H. MÜLLER.]

Aber auch wo keine Selbststerilität besteht, gibt es zahlreiche

und sehr mannigfaltige Einrichtungen, die eine Selbstbestäubung

hermaphroditer Blüten völlig unmöglich machen und Fremdbestäubung

begünstigen. Daß Diözie die Selbstbestäubung ausschließt, daß

monözische Blütenverteilung wenigstens die Bestäubung mit blüteneigenem

Pollen verhindern muß, bedarf ja keiner Erörterung. Ein gleiches

Verhältnis wird dort vorliegen, wo die beiden Geschlechter einer

hermaphroditen Blüte ungleichzeitig reifen. Dieser sehr häufige Fall

wird als #Dichogamie# bezeichnet. Naturgemäß sind bei dichogamen

Pflanzen zwei verschiedene Möglichkeiten vorhanden; entweder reifen die

Staubblätter zuerst, und der Pollen wird entleert, bevor die Narben

derselben Blüte belegungsfähig sind, die Pflanze ist #protandrisch#,

oder umgekehrt der Griffel mit seinen Narben ist reif, bevor der Pollen

verbreitet werden kann, die Pflanze ist #protogyn#.

[Illustration: Fig. 544. Blütenstand von Plantago media mit protogynen

Blüten. Aus den mittleren noch geschlossenen Blüten ragt der

bestäubungsfähige Griffel hervor (♀). Die unteren Blüten haben den

Griffel bereits verloren, dafür aber die langen Staubblätter entfaltet

(♂). Nach F. NOLL.]

Die #Protandrie# ist der weitaus häufigere Fall der Dichogamie. So sind

bei den Blüten der Kompositen, Campanulaceen, Lobeliaceen, Umbelliferen

(Fig. 543), Geraniaceen, Malvaceen (Fig. 709) u. a. die Narben noch

unentwickelt, wenn die Staubblätter ihre Pollenmassen entlassen. Auch

bei Salvia (Fig. 540) ist Protandrie notwendige Voraussetzung der

Fremdbestäubung. Bei der #Protogynie# dagegen wird die Bestäubung nur

von seiten älterer Blüten möglich sein, deren Pollen nach Abblühen

des Griffels und seiner Narben freigeworden ist. Hierher gehören

die Plantaginaceen (Fig. 544), Scrophularia nodosa, Aristolochia

Clematitis, Arum maculatum, Helleborus, Magnolia.

In gleichem Sinne wirkt die von DARWIN zuerst aufgedeckte

#Heterostylie#, die freilich TISCHLER zufolge durch Ernährungseinflüsse

verändert werden kann. Halten wir uns an das abgebildete Beispiel (Fig.

545) von Primula sinensis, so zeigt sich beim Vergleich von Blüten

verschiedener Individuen, daß sie sich in der Länge ihrer Staubblätter

und Narben unterscheiden. Man findet „langgriffelige“ Blüten, deren

Narben den Eingang der Kronröhre verengern, deren Antheren dagegen tief

unten in der Röhre sitzen; ein anderes „kurzgriffeliges“ Individuum

zeigt die Antheren in Höhe der Narbe jener erstbetrachteten Blüte, die

Narbe in Höhe ihrer Antheren. Ein und dasselbe Insekt kann natürlich

nur gleich hochstehende Blütenorgane mit derselben Körperstelle

berühren, also nur die sich ihrer Lage nach entsprechenden Blütenteile

bestäuben, so daß Fremdbestäubung gesichert ist. Die Betrachtung der

Pollenkörner und der Narbenpapillen läßt leicht erkennen, daß ihre

Größenverhältnisse wechselseitige Bestäubung bedingen.

[Illustration: Fig. 545. Primula sinensis. Zwei heterostyle Blüten

von verschiedenen Stöcken. Schwach vergrößert. _L_ Langgriffelige,

_K_ kurzgriffelige Blütenform, _G_ Griffel, _S_ Staubbeutel. _P_

Pollenkörner und _N_ Narbenpapillen der langgriffeligen, _p_ und _n_

Pollenkörner und Narbenpapillen der kurzgriffeligen Form. _P_, _N_,

_p_, _n_ bei 110facher Vergrößerung. Nach F. NOLL.]

Derartige „dimorphe“ Heterostylie finden wir noch bei Hottonia,

Pulmonaria, Linum, Menyanthes; dagegen besitzen Lythrum salicaria und

Oxalis-Arten dreierlei verschiedene Stellungen für Narben und Antheren,

sie sind „trimorph heterostyle“ Pflanzen.

[Illustration: Fig. 546. Blüten von Aristolochia Clematitis, längs

durchschnitten. _I_ Junge Blüte. _N_ Narben, _S_ Staubbeutel. _II_

Ältere Blüte, vgl. den Text. 2/1. Nach F. NOLL.]

Bei zahlreichen Blüten ist endlich die Anordnung derartig, daß

der Pollen durch seine Lage vollkommen verhindert wird, überhaupt

mit der eigenen Narbe in Verbindung zu kommen. Dies Verhalten

heißt #Herkogamie#. So trägt Iris ihre drei Antheren unter den

Griffelwölbungen, Orchis heftet die beiden Pollinien über der Narbe

fest, Asclepias schließt die fünf Pollinien an Griffelschwellungen mit

Klemmkörperchen paarweise zusammen (vgl. Fig. 755).

Bisweilen wirken Herkogamie und Dichogamie zusammen: Die protogyne

Blüte von Aristolochia Clematitis (Fig. 546) steht im ersten

Blütenstadium mit geöffnetem Schlunde aufgerichtet. Kleine Insekten

vermitteln die Bestäubung. Beim Einkriechen in den aufrecht

stehenden Trichter können sie zwischen abwärts gerichteten

Reusenhaaren hindurch in den Kessel vordringen. Ihrer Flucht aus

diesem Gefängnis stehen aber eben jene Haare so lange entgegen,

bis im zweiten Blütenstadium die Bestäubung der Narbe durch aus

älteren Blüten mitgebrachten Pollen vollzogen ist. Dann öffnen

sich die unter dem säulenförmigen Griffel befindlichen Antheren,

die Blüte sinkt schlaff herab und die Insekten können mit frischem

Pollen versehen über die gleichzeitig vertrocknenden Reusenhaare

hinweg ins Freie gelangen und neue, jüngere Blüten aufsuchen. Alle

diese mannigfaltigen und zum Teil direkt raffinierten Einrichtungen

zur Erzielung der #Kreuzung# weisen darauf hin, daß es bei der

Befruchtung darauf ankommen dürfte, derartige Geschlechtszellen

zu vereinigen, die in ihren vererbbaren Eigenschaften weiter

voneinander differieren, als es bei Abkömmlingen derselben Blüte

der Fall sein könnte. Auch pflegen allogam erzeugte Nachkommen

kräftiger zu sein als autogam entstandene.

Wenn nun trotzdem bei gewissen Pflanzen neben den für Wind- oder

Insektenbestäubung eingerichteten großen #chasmogamen# Blüten

kleine unscheinbare Blüten vorkommen, die sich niemals öffnen und

nur der Selbstbestäubung dienen können, so lassen sich solche

#kleistogamen# Blüten[461] wohl damit verständlich machen, daß

diesen Pflanzen ein weiteres Propagationsmittel gegeben ist, das

ihren Nachkommen wieder zu gelegentlicher Kreuzung mit Hilfe

der großen chasmogamen Blüten verhelfen kann. Kleistogamie ist

häufig oder regelmäßig vorhanden bei Impatiens-, Viola-, Lamium-,

Stellaria-Arten, bei Specularia perfoliata, den unterirdischen

Infloreszenzen von Lathraea squamaria, Juncus hufonius u. a.;

Polycarpon tetraphyllum besitzt nur kleistogame Blüten.

Entwicklung der Geschlechtsgeneration bei den Samenpflanzen.

+A.+ Bei den +Gymnospermen+[462] enthalten die #Mikrosporen# ein

wenigzelliges Prothallium, das sich innerhalb der großen, später zum

Pollenschlauch auswachsenden Zelle, deren Kern in Fig. 547 mit _k_

bezeichnet ist, der Außenwand anlegt. Die ältesten (_p_) stellen den

#Rest vegetativer Prothalliumzellen# dar. Auf sie folgt, als letzte

abgegebene Zelle, die #spermatogene Zelle# (_sp_). Diese zerfällt

früher oder später in die #Mutterzelle des Antheridiums# (Fig. 548

_B_[_m_]) und eine #sterile Schwesterzelle#, die jene an die übrigen

Zellen des Prothalliums anheftet (_s_). Nur durch Ab- oder Auflösung

der sterilen Schwesterzelle, die GOEBEL daher Dislokatorzelle

nennt, kann also die Antheridium-Mutterzelle frei werden und in den

Pollenschlauch einwandern. Sie bildet dabei, oder schon solange

sie noch festsitzt, zwei Tochterzellen, die #generativen Zellen,

Spermazellen# oder #männlichen Geschlechtszellen#.

[Illustration: Fig. 547. Pollenkorn von Ginkgo biloba noch innerhalb

des Mikrosporangiums. Vergr. 300. Nach E. STRASBURGER.]

a) Cycadeen.

Bei den Cycadeen und bei Ginkgo erhalten diese Zellen noch die Form

von Spermien, so daß sie sich hierin direkt an die spermiumbildenden

heterosporen Archegoniaten anschließen. Die Entwicklung ist in Fig.

548 an Zamia dargestellt, und die Figurenerklärung gibt über die

Einzelheiten Auskunft. Wie die Fig. 549 (_a_) weiter zeigt, bleiben die

beiden Rücken an Rücken ausgebildeten Spermien eine Zeitlang an der

sterilen Schwesterzelle des Antheridiums haften, nach ihrer Ablösung

(_b_) runden sie sich ab und zeigen ihr verjüngtes Vorderende mit

einem schraubig den Körper umlaufenden Zilienkranze versehen, der ihre

Schwimmbewegung ermöglicht (Fig. 552).

[Illustration: Fig. 548. Zamia floridana. Spermienbildung nach H.

J. WEBBER. _A_ Reifes Pollenkorn, 800. _B_, _C_, _D_ Verschiedene

Stadien der Antheridiumentwicklung, _B_, _C_ 400, _D_ 200. _k_

Kern des Pollenschlauches, _sp_ spermatogene Zelle, _p_ erhaltene

vegetative Prothalliumzelle, die (_B_) in die sterile Schwesterzelle

_s_ des Antheridiums hineinwächst, _m_ Antheridium-Mutterzelle, d. h.

Mutterzelle der Spermien. _e_ Exine. In der Mutterzelle sind die

großen sternförmigen Blepharoplasten _bl_ sichtbar, welche die Zilien

bilden werden, die in _D_ als kleine Körnchen die Querschnitte des

Zilienbandes zeigen. Stärkekörner sind im Pollenschlauch vorhanden,

in _C_ treten sie auch in der vegetativen Zelle und in der sterilen

Schwesterzelle auf, in _D_ erscheinen beide mit Stärke vollgepfropft,

_D_ zeigt die beiden aus der Spermienmutterzelle hervorgehenden

Spermien _sp_ durch eine Wand voneinander getrennt.]

[Illustration: Fig. 549. Oberes Ende des Pollenschlauches von Zamia

floridana mit vegetativer Prothalliumzelle _p_. steriler Schwesterzelle

_s_ und den beiden Spermien, _a_ Vor Beginn der Bewegung, _b_ nach

Eintritt der Zilienbewegung. Die Prothalliumzellen sind zerrissen, die

Trennung der beiden Spermien ist fortgeschritten. Nach H. J. WEBBER.

Vergr. ca. 75.]

[Illustration: Fig. 550. Zamia floridana. Frei schwimmendes reifes

Spermium. Nach H. J. WEBBER. Vergr. 150.]

Weibliche Zapfen von Zamia tragen eine Anzahl von Sporophyllen,

deren sechseckige Oberflächenbilder genau aneinander passen. Jedes

Sporophyll führt zwei Makrosporangien. Sie bestehen aus einem

Nucellus und einem Integument. Zwischen den Integumenträndern bleibt

über dem Nucellusscheitel die Mikropyle als offener Kanal erhalten.

Zur Zeit des Stäubens der männlichen Zapfen weichen die einzelnen

sechseckigen Makrosporophyllschilder auseinander, so daß der vom

Winde herbeigeführte Pollen freien Zutritt findet. Auf dem Scheitel

des Nucellus bildet sich zu dieser Zeit eine mehr oder minder

tiefe Höhlung -- die sog. #Pollenkammer# (Fig. 551) --, während die

dabei aufgelösten Zellen, vielleicht in Gemeinschaft mit flüssiger

Ausscheidung der angrenzenden Nucelluszellen, eine schleimige Masse

darstellen, welche den Mikropylenkanal füllt und als Tropfen aus ihm

hervorquillt. In diesen Tropfen gelangen die zwischen die Sporophylle

eingedrungenen Pollenkörner und werden mit der eintrocknenden

Flüssigkeit durch den Mikropylenkanal auf den Nucellus und in die

Pollenkammer niedergesogen.

[Illustration: Fig. 551. Längsschnitt durch ein junges Makrosporangium

von Ginkgo biloba nach COULTER und CHAMBERLAIN. Vergr. 35. _m_

Mikropyle, _i_ Integument, _p_ Pollenkammer. _e_ Embryosack, _w_

Wucherung des Sporophylls.]

[Illustration: Fig. 552. Dioon edule. Oberer Teil eines Nucellus zur

Zeit der Befruchtung. Die Pollenschläuche haben sich zunächst durch

seitliche Auszweigungen im Nucellusgewebe fest verankert und sind dann

aus der bereits zugewachsenen Pollenkammer heraus in den Nucellus

tiefer eingedrungen. Sie haben die Archegonienkammer erreicht, und

aus zweien ist der Inhalt bereits entlassen. Zwei große Archegonien

ragen mit ihren Halszellen in die Archegonienkammer vor. Nach CH. J.

CHAMBERLAIN.]

Während der geschilderten Entwicklung der Mikrosporen zu

Pollenschläuchen und der Bildung ihrer #Spermien# (Fig. 550) wächst

der im Grunde des Nucellus liegende, mit Prothalliumgewebe bereits

gefüllte Embryosack mächtig heran. Wie bei den Koniferen (Fig. 558)

geht er aus der Tetradenteilung einer Embryosackmutterzelle hervor,

die meist wie im Makrosporangium von Selaginella alle übrigen gleichen

Anlagen verdrängt hat, und von deren vier Tochterzellen nur #eine#

Makrospore, der Embryosack übrig bleibt. Der Nucellus schwindet

fast bis zum Gipfel, und der Embryosack gelangt so in die Nähe der

Pollenkammer. Am Scheitel des Embryosackes sind die großen Archegonien

meist in Vierzahl vorhanden, je durch einige Gewebelagen voneinander

getrennt. Jedes Archegonium besitzt einen Halsteil und gibt schließlich

auch eine Kanalzelle ab. Gerade über den Archegonien findet sich eine

Einsenkung im Prothallium, die #Archegonienkammer# (vgl. Fig. 552),

bei Dioon z. B. von 2 mm Durchmesser und 1 mm Tiefe. In diese Höhlung

wachsen die Pollenschläuche hinein und entlassen hier, sich vielleicht

unter Mitwirkung der mit Reservestoffen gefüllten Prothallium- und

Dislokatorzelle apikal öffnend, ihre Spermien zugleich mit einem

Tropfen wäßriger Flüssigkeit, der ihnen einige Bewegung gestattet. Sie

müssen beim Eindringen in das Archegonium ihre breite Form erheblich

zusammenpressen, um die schmale Pforte zwischen den aufgebrochenen

Halszellen hindurch zu passieren. Das Spermium streift im Eiplasma

vordringend das Zilienband ab und vereinigt sich mit dem Eikern,

womit die Befruchtung vollzogen ist. (Vgl. jedoch S. 491.) Aus der

Vereinigung der Kerne entsteht der #Keimkern# (Fig. 553), der alsbald

in Teilung eintritt. In seinen Tochterkernen werden in rascher Folge

stets gleichzeitig verlaufende Weiterteilungen durchgeführt, bis nach

der achten Teilung etwa 256 freie Kerne den Zellraum füllen. Sie

drängen ins untere Ende des befruchteten Eies, wo Zellwandbildung

zwischen ihnen eintritt.

Damit ist ein sog. #Proëmbryo# entstanden (Fig. 554), dessen

fortwachsender Scheitel von dem zunächst aus nur wenig Zellen

bestehenden #Embryo# gebildet wird. Die weiter zurückliegenden Zellen

strecken sich stark und schieben als #Embryoträger# oder #Suspensor#

den Embryo in das #Prothallium# hinein, das bei den Spermatophyten

#Endosperm# genannt wird und als #Nährgewebe# für den heranwachsenden

Embryo dient. Dieser besitzt schließlich an seinem in das Prothallium

vorgeschobenen Ende zwei mächtige #Keimblätter# oder #Kotyledonen#,

zwischen denen sich die Anlage der #Stammknospe#, die #Plumula#, birgt.

Der unterhalb der Kotyledonen befindliche Teil des Stammes heißt

#Hypokotyl#; er geht allmählich in die #Hauptwurzel# oder #Radicula#

über, die stets gegen die Mikropyle gekehrt ist.

[Illustration: Fig. 553. Zamia floridana. Eizelle unmittelbar nach

der Verschmelzung des eingedrungenen Spermakernes mit dem Eikern. Das

abgeworfene Zilienband in der Spitze des Eies. Ein zweites Spermium

versucht ins Ei einzutreten. Nach H. WEBBER. Vergr. 18.]

[Illustration: Fig. 554. Zwei junge Proembryonen von Dioon edule in

ihrer Lage an der Archegonkammer. _s_ Suspensor. _e_ Embryo. Nach CH.

CHAMBERLAIN.]

b) Koniferen[463].

Die #Koniferen# zeigen eine vom geschilderten Entwicklungsgange

abweichende Ausbildung ihrer keimenden Mikrosporen. Der Pollenschlauch

entwickelt sich an der morphologischen Basis der Mikrospore. Die

Prothalliumzellen, deren Zahl bei der sehr alten Gattung Araucaria

(Fig. 555) größer als bei den übrigen Koniferen und Cycadeen ist,

vergehen sehr bald (Fig. 556 _A_), und die generativen Zellen sind

niemals mehr in Form von Spermien ausgebildet.

[Illustration: Fig. 555. Pollenkorn von Araucaria brasiliensis

mit mehrzelligem Prothallium _pc_, _pc′_ und sich teilender

Antheridium-Mutterzelle _sp_. _k_ Pollenschlauchkern. 616. Nach L.

BURLINGAME.]

[Illustration: Fig. 556. Entwicklung des Pollenschlauches. _A_, _B_

Pinus Laricio. 300. Nach COULTER und CHAMBERLAIN. _C_ Picea excelsa.

250. Nach K. MIYAKE. _p_ Reste der Prothalliumzellen. _sp_ Spermatogene

Zelle. _m_ Antheridium-Mutterzelle, _s_ deren sterile Schwesterzelle.

_g_ Generative Kerne von ungleicher Größe in gemeinsamer Plasmahülle.

_k_ Pollenschlauchkern.]

[Illustration: Fig. 557. Torreya taxifolia. Längsschnitt durch ein

weibliches Prothallium mit großer Eizelle und Eikern (_on_); abgegebene

Bauchkanalzelle (_cl_) und ein aufliegender Pollenschlauch mit

Pollenschlauchkern (_k_), Kern der sterilen Schwesterzelle (_s_) und

zwei Spermazellen (_sp^1_), (_sp^2_), von denen die größere (_sp^1_)

allein funktionsfähig ist. Nach COULTER und LAND.]

Lehrbuch der Botanik für Hochschulen · 第 67 / 90 段