Von hohem Interesse ist die Auffindung #samenähnlicher Gebilde# bei

einigen paläozoischen Lycopodinen (_Lepidocarpon_, _Miadesmia_),

die daher auch als _Lepidospermeae_ von den übrigen Ordnungen

abgesondert werden können. Das Makrosporangium war bei ihnen bis

auf eine enge Furche von einem Integument umhüllt und zum Teil auch

von dem Sporophyll bedeckt. Nur eine einzige Makrospore kam in ihm

zur Entwicklung; das Prothallium blieb wie bei Isoëtes in der Spore

eingeschlossen. Die Mikrosporen wurden in Lepidostrobus-ähnlichen

Blüten erzeugt. Wahrscheinlich gelangten die ausstäubenden

Mikrosporen zu den Makrosporangien bereits auf der Mutterpflanze,

von der sich später die Makrosporophylle samt ihren Sporangien

loslösten.

Klasse V.

Pteridospermeae, Samenfarne[450],[452].

Soweit unsere Kenntnisse reichen, stellen die _Equisetinae_ und

_Sphenophyllinae_ Seitenzweige des Pteridophytenstammes dar, die keine

Weiterentwicklung zu höheren Pflanzen erfuhren. Aus den _Lycopodinen_

aber scheinen die Koniferen sich entwickelt zu haben, während aus den

_Filicinae_ bereits im Paläozoicum die ersten #Samenpflanzen#, die

_Pteridospermeae_ (_Cycadofilices_) hervorgegangen sind, die, auf einer

höheren Stufe der Organisation als sämtliche übrigen Pteridophyten

stehend, ein verbindendes Glied zwischen den Farnkräutern einerseits

und den Cycadeen andererseits vorstellen. Sie sind bereits im Perm

wieder ausgestorben.

[Illustration: Fig. 507. Lyginodendron. Wedel (Sphenopteris

Hoeninghausii). Verkl. ⅓. Nach POTONIÉ.]

[Illustration: Fig. 508. Lyginodendron oldhamium. Stammquerschliff.

Vergr. 2½. Nach SCOTT.]

In ihren stattlichen vegetativen Organen trugen sie den Charakter

von eusporangiaten Farnen, im besonderen von Marattiaceen, zur

Schau. Ihre Wedel (_Sphenopteris_ Fig. 507, _Neuropteris_) waren

reich gefiedert, der Blattstiel über der Basis gegabelt. Die

axillär verzweigten Stämme (_Lyginodendron_) zeichneten sich

durch sekundäres Dickenwachstum mittels eines Kambiums aus,

das nach innen im Umkreis des großen zentralen Marks einen aus

radial gereihten Elementen bestehenden Holzkörper, nach außen

eine Phloëmzone abschied (Fig. 508). In der Rinde verliefen

Blattspurbündel, die den Holzkörper durchsetzten und an die

primären Gefäßstränge in der Markperipherie anschlossen. Auch die

Wurzeln wurden sekundär verdickt.

Die Samenfarne waren heterospor. Ihre Sporangien entsprangen an

Wedeln, die kaum von gewöhnlichen Farnwedeln verschieden waren.

Mikrosporangien sind noch nicht bekannt; die als _Crossotheca_

bezeichneten und hierher gerechneten Sporangien scheinen nicht

zu Lyginodendron zu gehören. Die Makrosporangien (_Lagenostoma_,

Fig. 509), bis zur Anheftungsstelle an der Basis frei, mit

#einem# Integument versehen, waren von einer Cupula umhüllt

und hatten #ähnlichen Bau wie die Samenanlagen der Cycadeen#;

die Makrosporophylle waren aber noch nicht wie bei diesen zu

zapfenartigen Blüten angeordnet.

[Illustration: Fig. 509. Lyginodendron oldhamium. Makrosporangium

(Lagenostoma). Die offene Cupula mit gestielten Drüsen besetzt,

Rekonstruktion. Nach SCOTT.]

Zweite Abteilung.

Spermatophyta oder Samenpflanzen.

+Übergang von den Farnpflanzen zu den Samenpflanzen+[453]. Der scharf

ausgeprägte Generationswechsel ist eines der wesentlichen Merkmale

der Pteridophyten: Aus der Spore entsteht der selbständig lebende

haploide Gametophyt, das meist nur kurzlebige Prothallium, aus dessen

befruchteter Eizelle der ebenso selbständige diploide Sporophyt, das

Farnkraut, der Schachtelhalm oder Bärlapp hervorgeht. Das Auftreten

der Heterosporie führte zu weiterer Reduktion der Prothalliumpflanze,

welche damit der Aufgabe, beiderlei Sexualorgane hervorzubringen,

überhoben ward und nur verminderter Ausbildung bedurfte. So hatte

das männliche Prothallium, in der Mikrospore entwickelt, nur noch

Antheridien zu bilden, welche die Spermien lieferten; daneben blieb

lediglich eine kleine funktionslose vegetative Zelle des Prothalliums

erhalten. Auch das weibliche, in der Makrospore sich ausbildende

Prothallium, bei Salvinia noch ergrünend und aus der Makrospore

hervortretend, hat bei Selaginella und Isoëtes die Fähigkeit

selbsttätiger Ernährung bereits verloren. Es beginnt seine Entwicklung

schon innerhalb des mütterlichen Makrosporangiums, und die frei

gewordenen Makrosporen öffnen sich schließlich nur, um den Spermien

Zugang zu den scheitelständigen Archegonien zu gewähren. Aus der

befruchteten Eizelle wächst ohne Ruhepause der Embryo zu dem jungen

Sporophyten heran.

Von diesen am höchsten differenzierten Archegoniaten unterscheiden sich

die einfachsten Samenpflanzen (Spermatophyten) nur unwesentlich.

[Illustration: Fig. 510. _A_ atrope, _B_ anatrope, _C_ kampylotrope

Samenanlage. Schematisch und vergrößert. Modifiziert nach A. F. W.

SCHIMPER. Erklärung im Text.]

Die #Makrospore#, hier von altersher als #Embryosack# bezeichnet,

bleibt stets im #Makrosporangium#, der #Samenanlage# (Fig. 510),

eingeschlossen. Diese besteht aus dem #Nucellus# (_n_) und einer

oder zwei von seinem Grunde, der #Chalaza# (_ch_), aus rings

emporwachsenden Hüllen, den #Integumenten# (_ii_, _ia_), welche nur

über dem Nucellusscheitel einen schmalen Zugang, die #Mikropyle# (_m_),

freilassen. Mit einem oft sehr kurzen Stiele, dem #Funiculus# (_f_),

ist ein solches Makrosporangium dem Sporophyll, hier #Makrosporophyll#

oder #Fruchtblatt# genannt, angefügt. Die Ansatzstelle einer oder

mehrerer Samenanlagen trägt den Namen #Placenta#. Ist der Nucellus die

geradlinige Fortsetzung des Funiculus, so nennt man die Samenanlage

gerade, #atrop#. Sehr viel häufiger erleidet der Funiculus unterhalb

der Chalaza eine scharfe Krümmung, so daß die Samenanlage mit

dem äußeren Integumente an ihm entlang zurückläuft; sie ist dann

umgewendet, #anatrop#. Die in solchem Falle noch am reifen Samen

kenntliche Verwachsungslinie von Funiculus und äußerem Integument

heißt die #Samennaht# oder #Raphe#. Endlich kann der Nucellus selbst

gekrümmt sein, man spricht dann von einer #kampylotropen# Samenanlage

(Fig. 510 _C_).

Innerhalb einer solchen Samenanlage findet sich in der Regel nur ein

einziger Embryosack vor. Wie im Makrosporangium (von Selaginella z. B.)

durch #Tetradenteilung# vier Makrosporen entstehen, so werden auch

in den Samenanlagen von der Embryosackmutterzelle vier Tochterzellen

gebildet, von denen aber drei zugrunde gehen, während die vierte

sich zur Makrospore, dem Embryosacke, entwickelt. Der Embryosack der

einfachsten Samenpflanzen gleicht der Makrospore auch darin, daß er

mit Prothalliumgewebe, hier Endosperm genannt, ausgefüllt ist, an

dessen Scheitel ein oder mehrere Archegonien stehen, deren Eizelle

besondere Größe besitzt. Die befruchtete Eizelle wächst zum #Keim# oder

#Embryo# noch innerhalb der Makrospore und auf Kosten der Mutterpflanze

heran. Erst nachdem der Embryo eine bei den verschiedenen Pflanzen

verschieden hohe, aber für die betreffende Art charakteristische Stufe

der Entwicklung erreicht hat, stellt er das Wachstum ein und geht nach

Trennung von der Mutterpflanze einer Ruheperiode entgegen. Er ist

von den entsprechend weiter entwickelten und in ihrer Ausbildung ihm

angepaßten übrigen Teilen des Makrosporangiums umgeben, nämlich dem

Prothallium oder Endosperm, dem Nucellus und der aus den Integumenten

hervorgegangenen Schale. #Das ganze aus der Samenanlage entstandene

Gebilde wird Samen genannt. Diese Weiterentwicklung des geschlossenen

Makrosporangiums zum Samen ist das charakteristische Merkmal der

Samenpflanzen oder Spermatophyten.#

Die #Mikrosporen# der Samenpflanzen heißen seit altersher

#Pollenkörner#. Sie entstehen in großer Anzahl in den #Mikrosporangien#

oder #Pollensäcken#, die einzeln oder in Mehrzahl von den

#Mikrosporophyllen#, den #Staubblättern# (Stamina), erzeugt werden. Der

die Pollensäcke führende Teil der Staubblätter heißt #Anthere#.

Die Bildung der Pollensäcke wird durch eine Teilung der auf die

Epidermis folgenden Zellschicht der Anthere eingeleitet, die parallel

zu der Oberfläche erfolgt und das primäre #Archespor# von den

#Schichtzellen# trennt. Diese zerfallen in drei verschiedene Zellagen

(Fig. 511), deren direkt unter der Epidermis liegende äußerste Lage bei

den Angiospermen die #Faserschicht# gibt, die sich bei den Gymnospermen

aus der Epidermis selbst bildet. Die mittlere Zellschicht geht später

zugrunde, während die innerste die #Tapetenschicht# liefert, und das

Archespor in weiteren Teilungen die #Pollenmutterzellen# gibt, deren

jede, wie bei den Bryo- und Pteridophyten durch eine Tetradenteilung in

vier Tochterzellen, die #Pollenkörner#, zerfällt. Diese sind kugelige

bis ellipsoidische Körper; sie werden von einer Membran umhüllt, die

eine äußere kutinisierte #Exine# und eine aus pektinreicher Zellulose

bestehende #Intine# erkennen läßt.

Für die Beförderung der Pollenkörner zu den Samenanlagen wird bei den

Samenpflanzen der Wind oder Beihilfe von Tieren in Anspruch genommen,

während alle Farnpflanzen sich des Wassers als Transportmittel ihrer

männlichen Sexualzellen bedienen. Die fortschreitende Rückbildung des

männlichen Prothalliums, das schon bei den heterosporen Pteridophyten

auf einzelne Zellen beschränkt war, führt bei den Samenpflanzen

dahin, daß bei der Keimung des Pollenkornes, wenn von den bei vielen

Gymnospermen noch gebildeten, sehr vergänglichen Prothalliumzellen

(Fig. 512) abgesehen wird, nur noch zwei Zellen zu beobachten sind:

#eine vegetative und eine Antheridiumzelle#. Die #erstere wächst

zu einem langen Schlauch#, #dem Pollenschlauche#, aus, der durch

chemotropische Reizbarkeit (vgl. S. 311) zu den Eizellen geleitet wird;

#letztere, die Antheridium-Mutterzelle#, wandert in den Pollenschlauch

ein und bildet dort früher oder später #zwei generative oder

Spermazellen#, welche im Schlauche (daher die Bezeichnung Siphonogamen)

vorwärtsgleitend in den Embryosack eindringen und zur Eizelle gelangen.

Das Ergebnis dieser Übersicht läßt sich also dahin zusammenfassen,

daß die Samenpflanzen die Reihe der Pteridophyten fortsetzen und

ihnen im Besitze eines Generationswechsels gleichen. (Vgl. Schema S.

467.[454]) #Die immer reicher und mannigfaltiger werdende Gestaltung

und Ausgliederung des Sporophyten ist aber von einer fortschreitenden

Rückbildung des Gametophyten begleitet.# Der Sporophyt hält die

weibliche Geschlechtsgeneration während ihrer ganzen Entwicklung

eingeschlossen; erst in und mit dem fertigen Samen, der den Beginn der

nächsten ungeschlechtlichen Generation als Embryo in sich birgt, wird

sie von dem Sporophyten getrennt.

[Illustration: Fig. 511. Hemerocallis fulva. _A_ Querschnitt durch eine

fast reife Anthere, mit ihren durch den Schnitt geöffneten Fächern,

_p_ die Scheidewand zwischen den Fächern, _a_ Furche am Konnektiv, _f_

Leitbündel. Vergr. 14. _B_ Querschnitt durch eine junge Anthere. Vergr.

28. _C_ Teil des Querschnittes aus einem Fache, _e_ Epidermis, _f_

die spätere Faserschicht, _c_ später verdrängte Wandschicht, _t_ die

sich später auflösende Tapetenschicht, _pm_ Pollenmutterzellen. Vergr.

240. _D_, _E_ Pollenmutterzelle von Alchimilla speciosa in Teilung

begriffen. Vergr. 1125. _F_ fertige Pollentetrade von Bryonia dioica.

Vergr. 800. Nach E. STRASBURGER.]

In voller Übereinstimmung mit dieser Darlegung des innerhalb der

Samenpflanzen weiter zu verfolgenden Generationswechsels stehen die

Ergebnisse der Untersuchungen über die Reduktionsteilung[455] der

Sporenmutterzellen (vgl. S. 173). Die einer Pflanze zukommende Zahl von

Chromosomen verringert sich bei den zur Bildung der Sexualgeneration

führenden Teilungen auf die Hälfte, und erst der Befruchtungsakt stellt

für den Embryo die volle Chromosomenzahl wieder her. So verfügt der

Sporophyt stets über die diploide, der Gametophyt über die haploide

Zahl der Kernfadensegmente.

Übersicht des Generationswechsels.

Moose | Farne

|

{ Spore | }

{ | | }

{ | | }

{ Protonema | Spore }

{ | | | }

{ Moos | grünes Pro- }

{ | | thallium }

{ | | | }

1 { +-------+ | +-------+ } 1

{ | | | | | }

{ | | | | | }

{ Anthe- Arche- |Anthe- Arche- }

{ ridium gonium |ridium gonium }

{ | | | | | }

{ | | | | | }

{ Sper- Eizelle |Sper- Eizelle }

{ mium | |mium | }

| | | | |

+---+---+ | +---+---+

| | |

| | |

{ Sporogonium | Farn }

{ | | | }

{ | | | }

{ sporogene | Sporangium }

2 { Schicht | | } 2

{ | | | }

{ | | | }

{ | | | }

{ Sporen-Mutter- | Sporen- }

zelle | Mutterzelle

Selaginella | Cycadinae u.

| Ginkgoinae

|

{ Mikrospore Makrospore |Mikrospore Makrospore }

{ | | | | | }

{ reduziertes in der |reduziertes von der }

{ Prothallium Makrospore |Prothallium Makrospore }

{ | verbleibendes| | umschlossenes }

{ | Prothallium | | Prothallium }

1 { | | | | = Endosperm } 1

{ | | | | | }

{ Antheridium Archegonium |Antheridium- Archegonium }

{ | | |mutterzelle | }

{ | | | | | }

{ | | | | | }

{ Spermium Eizelle | Spermium Eizelle }

{ | | | | | }

{ | | | | | }

+-----+-----+ | +-----+-----+

| | |

| | |

Selaginella | Cycas oder Ginkgo

{ +------------+ | +--------------+ }

{ | | | | | }

{ Mikro- Makro- |Mikrosporg. Makrosporg. }

{ sporangium sporangium |= Pollensack. = Samenanl. }

2 { | | | | | } 2

{ | | | | | }

{ | | | | | }

{ Mikrosporen Makrosporen- |Mikrosporen- Makrosporen- }

{ Mutterzelle |= Pollenkorn- = Embryosack- }

| Mutterzelle

Coniferae | Angiospermae

|

{ Mikrospore Makrospore |Mikrospore Makrospore }

{ | | | | | }

{ reduziertes von der |Prothallium reduziertes }

{ Prothallium Makrospore |fehlt Prothallium }

{ | umschlossenes | | = Antipoden, }

{ | Prothallium | | später }

1 { | = Endosperm | | Endosperm } 1

{ | | | | | }

{ Antheridium- Archegonium |Antheridium- Eiapparat }

{ mutterzelle | |mutterzelle | }

{ | | | | | }

{ | | | | | }

{ generative Eizelle |generative Eizelle }

{ Zelle | | Zelle | }

| | | | |

+-----+------+ | +------+-----+

| | |

| | |

{ Conifere | Angiosperme }

{ +-------------+ | +--------------+ }

{ | | | | | }

{ Mikrosporg. Makrosporg. | Mikrosporg. Makrosporg. }

{ = Pollensack. = Samenanl. |= Pollensack. = Samenanl. }

2 { | | | | | } 2

{ | | | | | }

{ | | | | | }

{ Mikrosporen- Makrosporen- |Mikrosporen- Makrosporen- }

{ = Pollenkorn- = Embryosack-|= Pollenkorn- = Embryosack- }

{ Mutterzelle | Mutterzelle }

1 Haploide Geschlechtsgeneration 2 Diploide ungeschlechtliche

= Gametophyt. Generation = Sporophyt.

Die Samenpflanzen zerfallen in zwei Klassen, die ihrem ganzen Aufbau

nach erheblich verschieden sind: 1. #die Gymnospermen oder nacktsamige

Pflanzen, und 2. die Angiospermen oder bedecktsamige Pflanzen. Die

Fruchtblätter der Angiospermen treten zur Bildung geschlossener

Hohlräume, der Fruchtknoten, zusammen, in denen die Samenanlagen sich

entwickeln; die Fruchtblätter der Gymnospermen bleiben offen, sie

tragen die Samenanlagen frei auf ihrer Oberseite oder an ihren Rändern.#

Die #Gymnospermen# sind die phylogenetisch älteren Pflanzenformen;

sie sind einfacher gebaut und schließen im Verhalten ihrer

Geschlechtsgeneration unmittelbar an heterospore Farnpflanzen an.

Die #Angiospermen# zeigen eine viel größere Mannigfaltigkeit im

morphologischen wie anatomischen Aufbau. Ihre Entwicklung weicht von

jener der Gymnospermen erheblich ab und läßt die Beziehung zu den

Archegoniaten nicht mehr so deutlich erkennen.

Paläontologische Befunde zeigen uns dementsprechend

Gymnospermenähnliche oder ihnen gleichende Formen neben Übergängen

von den Farnpflanzen in den Gesteinsschichten des Devon, in der

Steinkohlenformation und im Perm, während die Angiospermen erst viel

später, in der Kreideformation, sicher nachweisbar werden.

Morphologie und Ökologie der Blüte[456].

+1. Morphologie.+ Die +Gymnospermen+#blüten# sind stets

eingeschlechtig, #diklin#, Mikro- und Makrosporophylle bleiben

getrennt und bilden die männlichen oder die weiblichen Blüten. Beide

Geschlechter finden sich entweder auf #einem# Individuum: die Pflanze

ist #einhäusig#, #monözisch#, oder sie sind auf verschiedene verteilt:

dann ist die Art #zweihäusig#, #diözisch#. Gymnospermenblüten haben

außer den Sporophyllen, also den Staubblättern und den Fruchtblättern,

nur bei den Gnetaceen andere, als Hülle dienende Blattgebilde

aufzuweisen.

Die #männlichen Blüten# der Gymnospermen stellen Sprosse begrenzten

Längenwachstums dar, deren Achse mit Sporophyllen in meist schraubiger

Anordnung dicht besetzt ist. Ihre Knospenschuppen bleiben oft noch an

der Basis der entfalteten Blüte erhalten (Fig. 512).

[Illustration: Fig. 512. Pinus montana. _A_ Längsschnitt durch eine

fast reife männliche Blüte. Vergr. 10. _B_ Längsschnitt durch ein

einzelnes Staubblatt. Vergr. 20. _C_ Querschnitt durch ein Staubblatt.

Vergr. 27. _D_ Ein reifes Pollenkorn von Pinus silvestris. Vergr. 400.

Nach E. STRASBURGER.]

Die Mikrosporangien stehen in Zwei- oder Mehrzahl auf der Unterseite

der Sporophylle. Ihre Öffnung wird, wie bei den Sporangien der

Pteridophyten, durch eigenartige Ausbildung meist der #äußersten#,

als „#Exothecium#“ bezeichneten Zellage der Wandung herbeigeführt.

Die Pollenkörner sind rundlich, häufig mit zwei Luftsäcken versehen,

welche die Verbreitung durch den Wind erleichtern (Fig. 512 _A_-_D_),

Bei der Keimung entledigen sie sich ihrer äußeren derben Wandschicht,

der Exine, vollständig; diese wird durch Dehnung des Plasmakörpers zum

Platzen gebracht.

Die #weiblichen Blüten# sind bei zahlreichen Gymnospermen den

männlichen ähnlich, insofern auch sie aus einer Achse und zahlreichen,

in schraubiger Anordnung daran sitzenden Sporophyllen bestehen, also

Zapfen darstellen. In anderen Fällen weichen sie aber erheblich von

ihnen ab und sind überhaupt von einer weit größeren Mannigfaltigkeit;

so kann über die Einzelheiten erst im speziellen Teil berichtet werden

(S. 511 ff.).

[Illustration: Fig. 513. Blüte von Paeonia peregrina. _k_ Kelch, _c_

Krone, zusammen das Perianth, _a_ Andröceum, _g_ Gynäceum, vorderer

Teil der Blüte entfernt. ½ nat. Gr. Nach H. SCHENCK.]

[Illustration: Fig. 514. Blüte von Acorus Calamus nach A. ENGLER. _pg_

Perigon. _a_ Andröceum, _g_ Gynäceum. Vgr.]

Die +Angiospermen+ zeigen dagegen in der Regel die Vereinigung von

Mikro- und Makrosporophyllen in einer Blüte, die danach zwittrig oder

#hermaphroditisch# heißt. (Ausnahme z. B. Querciflorae.) Daneben sind

in den Angiospermenblüten meist #farbige#, d. h. vom grünen Laubblatt

verschiedene Hüllblätter, insgesamt #Perianth# genannt, vorhanden

(Fig. 513, 514). (Ausnahme z. B. Querciflorae.) Der #schraubigen#

Anordnung gymnospermer Sporophylle an den #langgestreckten# Achsen

ihrer Blüten gegenüber fällt die meist #wirtelige# Stellung der

Hüllblätter wie der Sporophylle um #sehr verkürzte# Achsen in den

meisten angiospermen Blüten auf. (Ausnahme z. B. Polycarpicae.)

#Wirtelige Stellung der verschiedenen Blütenblätter, farbiges Perianth

und Zwittrigkeit sind also charakteristisch für Angiospermenblüten#,

ohne aber allen Angiospermenblüten eigen zu sein. Der wichtige Faktor

der #Pollenübertragung# ist für diese Verschiedenheiten verantwortlich

zu machen. Wo der Wind diese Funktion übernommen hat, bietet die

Streckung der Achse, die freie Stellung der weiblichen Empfängnisorgane

nur Vorteile. Sind aber Tiere, Insekten oder Vögel, für die Bestäubung

in Anspruch genommen, so ist Ausbildung des Perianths als eines

weithin sichtbaren Schauapparates oder anderer Lockmittel notwendig,

die etwa auf Formgefühl oder Geruchsinn wirken, und die Form der

Blüte, Anordnung ihrer Sporophylle wie der Orte für Absonderung süß

schmeckenden Nektars müssen sich den Körperformen oder den Gewohnheiten

der betreffenden Tiere anbequemen. Diesem Umstande ist der unendliche

Farben- und Formenreichtum angiospermer Blüten zum großen Teil

zuzuschreiben.

#Bei gewissen Angiospermen findet man hermaphrodite und

eingeschlechtige Blüten an demselben Individuum#, man nennt

diese Erscheinung #Polygamie#; und zwar liegt #Andro#- oder

#Gynomonözie# vor, je nachdem männliche oder weibliche Blüten neben

Zwitterblüten vorkommen. Sind #verschiedene# Individuen einer

Art teils mit Zwitterblüten, teils mit eingeschlechtigen Blüten

versehen, so ist #Andro#- (bzw. #Gyno#-)#diözie# vorhanden.

[Illustration: Fig. 515. Staubblätter von Hyoscyamus niger. _A_ Von

vorn, _B_ von hinten. _f_ Filament, _c_ Konnektiv, _p_ eine Theca.

Vergr. Nach A. F. W. SCHIMPER.]

Das Perianth angiospermer Blüten besteht aus meist zwei Wirteln, welche

gleich geformt und gefärbt sein können (z. B. Lilium) und dann als

#Perigon# bezeichnet werden, oder sie gliedern sich in einen äußeren

grünen #Kelch#blattkreis und einen inneren gefärbten Kreis, die #Krone#

oder #Korolle# (z. B. Rosa). Der äußere Wirtel umhüllt und schützt die

Blütenknospe. In jeder #vollzähligen# Blüte folgen #zwei# Kreise von

Mikrosporophyllen oder Staubblättern auf das Perianth, und #ein# Wirtel

von Fruchtblättern, Makrosporophyllen, schließt die Blüte. Die Wirtel

alternieren der Regel nach. Die gesamten Staubblätter pflegt man als

#Andröceum#, die Fruchtblätter als #Gynäceum# zusammenzufassen.

Jedes Staubblatt besteht aus einem fadenförmigen #Träger#, dem

#Filament#, und der #Anthere#, welche aus den beiden #Thecae#

zusammengesetzt ist; sie werden durch das #Konnektiv# miteinander und

dem Filament verbunden (Fig. 515). Jede Theca umfaßt ein Paar von

#Pollensäcken#. Die Anthere kann ihre Thecae der Innenseite der Blüte,

also dem Fruchtblattkreise, zuwenden oder sie nach außen kehren; sie

heißt danach #intrors# oder #extrors#. Dem Öffnen einer reifen Theca

dient meist (Ausnahme _Ericaceae_) die eigenartige Ausbildung der

#hypodermalen# Faserschicht (Fig. 511 _C f_), „#fibröse Schicht#“ oder

#Endothecium# genannt, während die Gymnospermen, bis auf Ginkgo (vgl.

S. 511), gleich den Farnen ein „Exothecium“ besitzen. In der Regel wird

die Scheidewand zwischen den beiden Pollensäcken beim Öffnen zerrissen,

so daß sie dann nur ein Fach bilden (Fig. 511 _A_). Die Mikrosporen

selbst sind in ihrer Ausrüstung verschieden; bei anemophilen Pflanzen

auf die Verbreitung durch Wind angewiesen, sind sie glatt, trocken und

leicht. Bei den von Tieren besuchten Blüten dagegen pflegen sie klebrig

oder mit Stacheln und Vorragungen der Exine versehen zu sein, die ein

besseres Haften am Haarkleid der bestäubenden Tiere ermöglichen. Sie

unterscheiden sich von denen der Gymnospermen auch dadurch, daß bei

ihrer Keimung die Exine nicht völlig abgeworfen zu werden braucht, weil

sie von vornherein mit mehr oder weniger zahlreichen Durchtrittstellen

für die Pollenschläuche ausgerüstet wird (Fig. 516). Sterile

Staubblätter, welche keinen fruchtbaren Pollen hervorbringen, werden

#Staminodien# (vgl. z. B. Scitamineen) genannt.

[Illustration: Fig. 516. Pollenkorn von Malva silvestris. _S_ Stacheln

der Exine, _s_ Stäbchenschicht der Exine, _a_ Austrittstellen der

Pollenschläuche, _p_ Stäbchen von oben. Nach A. MEYER.]

Lehrbuch der Botanik für Hochschulen · 第 65 / 90 段