Charakteristisch für die Sporophyten ist die gabelige Verzweigung ihrer

Wurzeln und Stengel (Fig. 144 u. 146), ferner die einfache Form ihrer

Blätter. Die beiden erstgenannten Gattungen besitzen gestreckte Stengel

und kleine Blättchen, Isoëtes dagegen gestauchte knollige Stengel und

lange pfriemliche Blätter. Während bei Filicinen und Equisetinen die

Sporophylle stets zahlreiche Sporangien erzeugen, tragen sie hier

diese Organe stets in Einzahl am Grunde der Blattoberseite oder in

der Blattachsel. Bei manchen Lycopodinen sind die Sporophylle von

den sterilen Blättern kaum verschieden, bei den meisten aber anders

gestaltet und an den Sproßenden zu ährenförmigen Sporophyllständen

oder Blüten, ähnlich wie bei Equisetum, vereinigt. Die Sporangien sind

im Verhältnis zu den Blättern relativ groß und besitzen eine derbe

mehrschichtige Wand ohne Ring. Die innerste Schicht der Wandung, die

Tapetenschicht, wird nicht aufgelöst. Daher weist auch die Membran der

Sporen kein ihr aufgelagertes Perispor auf. Der Raum zwischen den sich

entwickelnden Sporenzellen ist nur mit schleimiger, ihre Ernährung

vermittelnder Flüssigkeit erfüllt. Die Sporangien öffnen sich meist

mit zwei Klappen, die in einer über den Scheitel laufenden Spalte

sich voneinander trennen. Die Spalten sind durch zwei Reihen dünn

bleibender Zellen vorgebildet. Nur bei Isoëtes werden die Sporen durch

Verwesung der Sporangiumwand frei. Während Lycopodium und Psilotum

isospor sind, treffen wir bei Selaginella und Isoëtes Heterosporie

an und zugleich eine weitgehende Reduktion und sehr eigenartige

Ausbildung der Prothallien; bei Lycopodium und Psilotum dagegen sind

die Prothallien wohl entwickelt und zeigen gewisse Ähnlichkeiten mit

denen der Ophioglossaceen. Man kann die vereinfachten Prothallien der

Selaginellen und Isoëten mit Jugendzuständen der Lycopodium-Prothallien

vergleichen, die dann keine vegetative Weiterentwicklung erfahren

hätten, sondern frühzeitig zur Gametenbildung gelangt wären.

_Lycopodiaceen_ und _Selaginellaceen_ stehen einander näher in

der Gliederung des Embryos, der sich bei beiden durch den Besitz

eines Embryoträgers auszeichnet, und in der primitiveren Struktur

ihrer nur zwei Zilien tragenden Spermien. Die _Isoëtaceen_

dagegen zeichnen sich durch trägerlosen Embryo und ebenso wie die

_Psilotaceen_ durch vielzilige Spermien aus. Danach unterscheiden

wir _Lycopodinae biciliatae_ und _pluriciliatae_. Schon im

Karbon waren krautige Lycopodinen vorhanden, die Vorläufer von

_Lycopodium_ und _Selaginella_, während _Isoëtes_ erst aus der

unteren Kreide sicher bekannt ist, die Psilotaceen reichen bis in

das Devon zurück.

_1. Ordnung. Lycopodiaceae_[440]. Die zahlreichen Arten der Gattung

_Lycopodium_, Bärlapp, sind krautige, meist erdbewohnende Gewächse;

in den Tropen gibt es auch viele epiphytische Formen mit schlaff

herabhängenden Sproßbüscheln. Eine der häufigsten Arten unserer

Flora ist _Lycopodium clavatum_ (Fig. 493). Der Stengel dieser

wie auch anderer Arten kriecht weit über den Boden hin, gabelt

sich in aufsteigende Äste und ist dicht mit linealpfriemlichen

kleinen Blättchen besetzt. Auf der Unterseite der Stengel

entspringen dichotom verzweigte Wurzeln. Die ährenförmigen

Blüten stehen zu zwei oder mehreren an den Enden von aufrechten,

dichotom verzweigten Stengeln und tragen breit schuppenförmige,

lang zugespitzte Sporophylle, die am Grunde ihrer Oberseite je

ein großes nierenförmiges, zweiklappig aufspringendes Sporangium

mit zahlreichen winzigen Sporen erzeugen (Fig. 493 _H_). Das

einheimische _Lycopodium Selago_ weicht in seinem Habitus von den

übrigen Arten ab: seine gegabelten Stengel stehen alle aufrecht,

und die Sporophyllstände sind von der vegetativen Region der Zweige

nicht abgesetzt.

Die #Sporangien# sind isospor. Da die Sporen bis zu ihrer Reife in

Tetraden verbunden bleiben, behalten sie ihre kugeltetraëdrische

Gestalt bei. Ihr Exospor ist mit netzförmigen Verdickungsleisten

versehen oder mit rundlichen Grübchen getüpfelt (Fig. 493 _J_, _K_).

[Illustration: Fig. 493. Lycopodium clavatum. _A_ Älteres Prothallium.

_B_ Prothallium mit junger Pflanze. _C_ Antheridium, noch geschlossen,

Längsschnitt. _D_ Spermien. _E_ Jüngeres, noch geschlossenes, _F_

befruchtungsreifes geöffnetes Archegonium. _G_ Sporangientragende

Pflanze. ½ nat. Gr. _H_ Ein Sporophyll mit aufgesprungenem

Sporangium. _J_ und _K_ Sporen in zwei Ansichten. _L_ Junge

unterirdische chlorophyllfreie Keimpflanze, mit Fuß _f_, Wurzel _w_ und

Schuppenblättern _b_. Vergr. 10. _A_-_F_, _L_ nach BRUCHMANN.]

Während die Sporophyten der Lycopodien im wesentlichen

übereinstimmenden Bau aufweisen, zeigen dagegen die aus den Sporen

hervorgehenden #Prothallien# bemerkenswerte Verschiedenheiten.

Bei _L. clavatum_ (Fig. 493 _A_, _B_) und dem nahe verwandten

_L. annotinum_ stellen sie unterirdische, saprophytisch lebende,

weißliche Knöllchen dar, die anfangs kreiselförmig gestaltet,

später durch Auswachsen der Randpartien zu vielgestaltigen,

becherförmigen, wulstig gelappten, bis etwa 2 cm großen

Gewebekörpern werden, die mit langen, der Wasseraufnahme dienenden

Haaren oder Rhizoïden besetzt sind und auf ihrer oberen Fläche

zahlreiche Antheridien und Archegonien tragen. Die Sporen keimen

erst nach 6-7 Jahren und liefern auf Kosten ihrer Reservestoffe

zunächst einen fünfzelligen Keimling, der nach einer Ruhezeit

erst dann sich weiterentwickelt, wenn Pilzfäden in seine unteren

Zellen eintreten (Fig. 494 _A_, _B_). Die endophytischen Pilzfäden

bewohnen auch in älteren Prothallien nur die peripheren Gewebe, zum

Teil treten sie aber wieder ins Freie aus den als Durchlaßzellen

dienenden Fußzellen der Wurzelhaare und umspinnen diese [441].

Nach 12-15 Jahren tritt erst die Geschlechtsreife ein, und die

gesamte Lebensdauer der Prothallien mag etwa 20 Jahre betragen.

Bei _L. complanatum_ (Fig. 494 _C_) sind diese Gewebekörper

rübenförmige, bei _L. Selago_ an der Basis kegelförmige, dann

zylindrische dorsiventrale Knöllchen, die bei letzterer Art auch

an der Oberfläche des Erdbodens sich entwickeln können und dann

ergrünen. Anders dagegen verhält sich das auf feuchtem Torfboden

lebende kleine _L. inundatum_ unserer Flora und das tropische mit

aufrechten, reichverzweigten Sprossen versehene _L. cernuum_, deren

Prothallien kleine, im Boden steckende und mit Rhizoïden befestigte

chlorophyllarme Gewebekörper vorstellen, die am oberen Ende grüne,

oberirdische Thalluslappen entsenden. Die Archegonien entspringen

am Grunde dieser Thalluslappen, die Antheridien auch auf den Lappen

selbst. Alle Lycopodiumprothallien enthalten in ihren peripheren

Geweben endophytische Pilzfäden nach Art der Mykorrhizen.

Die Prothallien sind sämtlich monözisch. Die #Antheridien# (Fig.

493 _C_) sind in das Gewebe etwas eingesenkt und umschließen

zahlreiche Spermienzellen; jede Zelle entläßt ein ovales, unter

seiner Spitze zwei Zilien tragendes Spermium (Fig. 493 _D_). Die

#Archegonien# (Fig. 493 _E_, _F_) sind ähnlich wie bei den Farnen

beschaffen, an ihrem Halsteil gehen die obersten Zellen beim Öffnen

zugrunde. Die Zahl der Halskanalzellen ist bei den einzelnen Arten

verschieden (1, 3 bis 5, oder 6 bis 10, sogar bis 20).

[Illustration: Fig. 494. Lycopodium annotinum. _A_ Fünfzelliger

farbloser Sporenkeimling, mit Rhizoïdzelle _r_, Basalzelle _b_,

Scheitelzelle _s_, Sporenhaut _sp_. Vergr. 580. _B_ Junger Keimling,

in dessen unteren Zellen der endophytische Pilz _p_ wohnt. Die

Scheitelzelle in drei Scheitelmeristemzellen geteilt. Vergr. 470.

-- Lyc. complanatum. _C_ Reifes Prothallium mit Antheridien _an_,

Archegonien _ar_, _k_ junger Embryo. Vergr. 26. Nach BRUCHMANN.]

[Illustration: Fig. 495. Lycopodium complanatum. Embryoentwicklung.

_A_ Embryo mit den ersten Teilungen; die Basalwand _I_ teilt die

Anlage des Embryoträgers _et_ von der Anlage des Embryokörpers ab, die

Transversalwände _II_ und _III_ (letztere in der Ebene des Schnittes)

sowie die Querwand _IV_ liefern zwei vierzellige Stockwerke, von denen

das zwischen _I_ und _IV_ gelegene den Fuß liefert, das unterste den

Sproßteil. Vergr. 112. _B_ Mittleres Stadium, _s_ Stammscheitel, _b_

Blattanlage, _f_ Fuß. Vergr. 112. _C_ Embryo kurz vor dem Herauswachsen

aus dem Prothallium. _bb_ die beiden ersten, den Stammscheitel

bedeckenden Blätter, _w_ die erste Wurzel. Vergr. 40. Nach BRUCHMANN.]

Der #Embryo# bleibt während seiner Entwicklung (Fig. 495) im

Prothallium eingeschlossen. Er besitzt einen kugeligen, bei _L.

complanatum_ keulenförmigen und warzigen Fuß als Saugorgan für

die Keimpflanze; unter dem Fuße differenziert sich die Anlage des

Sprosses, dessen erste Blätter schuppenartig sind und aus dessen

basalem Teile die erste Wurzel hervorkommt. Zwischen Sproß und Fuß

befindet sich der Embryoträger oder Suspensor, ein Gebilde, das

als anfängliches Saug- und Ernährungsorgan des Embryos dient.

#Offizinell# sind die Sporen von _Lycopodium clavatum_ und anderen

Arten (#Lycopodium#, Pharm. germ., austr., helv.). Sie werden als

Hexenmehl bezeichnet.

[Illustration: Fig. 496. _A_ Selaginella helvetica. Nat. Gr. Nach der

Natur. _B_ S. Kraussiana, Keimpflänzchen mit der Makrospore. Vgr. Nach

BISCHOFF.]

[Illustration: Fig. 497. Selaginella helvetica. _A_ Makrosporangium

von oben mit Dehiszenzlinie _d_. _B_ Geöffnet von der Seite, die vier

Makrosporen _C_ ausgeschleudert. _D_ Mikrosporangium in der Achsel des

Schuppenblattes von innen. _E_ Geöffnet. _F_ Mikrosporen. Vergr. ca.

15.]

[Illustration: Fig. 498. _A_-_E_ Selaginella stolonifera.

Vergr. 640. Keimung der Mikrosporen, aufeinander folgende

Stadien, _p_ Prothalliumzelle, als Rhizoïdzelle aufzufassen, _w_

Antheridiumwandzellen, _s_ spermatogene Zellen, _A_, _B_, _D_ von der

Seite, _C_ vom Rücken. In _E_ die Prothalliumzelle nicht sichtbar, die

Wandzellen, aufgelöst, umgeben die Spermienzellen. _F_ Sel. cuspidata.

Spermien. Vergr. 780. Nach BELAJEFF.]

_2. Ordnung. Selaginellaceae_[442]. Die Gattung _Selaginella_ ist

bei uns nur durch wenige, in den Tropen dagegen durch zahlreiche

Formen vertreten. Diese besitzen teils niederliegende, teils

aufrechte, reich gabelig, mit sympodialer Ausbildung verzweigte

Stengel; einige sind rasenbildend, andere klettern sogar mit

mehrere Meter langem Stengel im Gesträuch empor. Gewisse xerophile

Arten (_S. lepidophylla_ im tropischen Amerika u. a.) können

monatelang, ja mehrere Jahre lang Trockenheit ertragen, wobei sie

ihre rosettig angeordneten Sprosse mittels Kohäsionsmechanismus

zusammenschließen; bei Eintritt von Regen breiten sie sich wieder

aus[443]. Im allgemeinen haben die Selaginellen ähnlichen Habitus

wie die Lycopodien. Der Stengel ist mit kleinen, schraubig oder

dekussiert in vier Zeilen stehenden, schuppenartigen Blättchen,

und zwar meist in dorsiventraler Ausbildung besetzt, so bei der

in den Alpen heimischen _Selaginella helvetica_ (Fig. 496), deren

Stengel zwei Reihen kleiner, sog. Oberblätter und zwei Reihen

diesen gegenüberstehender größerer Unterblätter trägt (vgl. auch

Fig. 141). Eigentümlich ist den Selaginellen, daß ihre Wurzeln

nicht unmittelbar dem beblätterten Stengel, sondern zu je einer

oder mehreren an den Enden von kürzeren oder längeren, verzweigten

oder unverzweigten #Wurzelträgern#[444] endogen entspringen.

Diese sind zylindrische, blattlose nach unten wachsende,

wurzelähnliche Sprosse, eigenartige Organe, die paarweise stets

an Gabelungsstellen der Stengel, gekreuzt mit dessen Gabelästen

exogen entstehen; sie sind befähigt, zu beblätterten Sprossen

weiterzuwachsen, wenn die normalen Sprosse zurückgeschnitten

werden. Schon an dem Keimling entstehen ganz kurze Wurzelträger,

aus deren Spitzen die ersten Wurzeln endogen sich bilden. Die

Blätter der Selaginellen sind ausgezeichnet durch eine am Grunde

der Blattoberseite entspringende kleine häutige #Ligula#, die

als Organ der Wasseraufnahme ein sehr rasches Aufsaugen von

Regentropfen durch die beblätterten Sprosse vermittelt[445].

Die epidermalen Assimilationszellen der Blätter führen bei

manchen Arten, ähnlich wie bei Anthoceros, nur je #einen# großen

muldenförmigen Chloroplasten[446].

[Illustration: Fig. 499. Selaginella Martensii. _A_ Aufgesprungene

Makrospore von oben. Prothallium mit drei Rhizoïdhöckern und mehreren

Archegonien. Vergr. 112. _B_ Längsschnitt, zwei Archegonien mit sich

entwickelnden Embryonen. Vergr. 112. Nach BRUCHMANN.]

Die endständigen Sporophyllstände oder #Blüten# sind einfach

oder verzweigt, vierkantig radiär, seltener dorsiventral. Jedes

Sporophyll trägt nur #ein# über der Blattachsel aus dem Stengel

entspringendes Sporangium. In ein und derselben Blüte treten sowohl

Makro- als auch Mikrosporangien auf. In den ersteren (Fig. 497

_A_-_C_) gehen die angelegten Sporenmutterzellen alle zugrunde bis

auf eine, welche die vier großen, paarweise gekreuzten und die

Sporangienwand buckelig vorwölbenden Sporen liefert. Das durch

einen Kohäsionsmechanismus erfolgende Aufspringen vollzieht sich

auf vorbezeichneter Dehiszenzlinie mit zwei auf einem basalen,

kahnförmigen Teile stehenden, sich zurückkrümmenden Klappen; durch

den Druck des sich verengenden Kahnteils werden die Sporen dann

herausgeschleudert. In den flachen Mikrosporangien sind zahlreiche

kleine Sporen vorhanden. Die Öffnung geschieht hier in ähnlicher

Weise, nur ist der kahnförmige Teil viel kürzer, die Klappen

reichen fast bis zur Basis.

[Illustration: Fig. 500. Selaginella Martensii. Embryo vor dem

Hervorbrechen aus dem Prothallium im Längsschnitt. _f_ Fuß. _wt_

Wurzelträger, _et_ Embryoträger, _k_ Keimblätter mit Ligula. Vergr.

150. Nach BRUCHMANN.]

Die #Mikrosporen# beginnen ihre Weiterentwicklung schon

innerhalb des Sporangiums. Die Sporenzelle teilt sich zunächst

in eine kleine linsenförmige, der Rhizoïdzelle von Salvinia

entsprechende Zelle, und in eine große Zelle, die nacheinander

in acht sterile Prothallien- oder Wandzellen und zwei oder vier

zentrale spermatogene Zellen zerlegt wird (Fig. 498 _A_). Durch

weitere Teilung der letzteren Zellen, die ein einziges Antheridium

vorstellen, entstehen die sich abrundenden Spermienmutterzellen

in größerer Anzahl (_B_-_D_). Die Wandzellen lösen alsdann ihre

Wände auf und werden zu einer Schleimschicht, in welcher die

zentrale Masse der Spermienzellen eingebettet liegt (_E_). Die

kleine Prothalliumzelle (_p_) bleibt hingegen erhalten. Das

ganze männliche Prothallium ist bis zu diesem Stadium von der

Mikrosporenhaut noch umschlossen; schließlich bricht diese auf

und die Spermienzellen werden frei, um die keulenförmigen, an der

Spitze mit zwei langen Zilien versehenen Samenfäden zu entlassen.

Auch die #Makrosporen# beginnen, allerdings nicht bei allen

Arten, ihre Weiterentwicklung schon, wenn sie noch im Sporangium

eingeschlossen liegen. Der Zellkern teilt sich in Tochterkerne, die

in dem Wandplasma am Scheitel sich verteilen, und nun erfolgt hier

die Ausbildung von Zellwänden. So wird vom Scheitel bis zur Basis

fortschreitend die Spore mit großen Prothalliumzellen angefüllt;

zugleich beginnt aber auch in derselben Richtung die weitere

Teilung dieser Zellen in kleinzelliges Gewebe. Bei einigen Arten

wird zunächst nur am Scheitel eine kleinzellige Scheibe von Zellen

angelegt, die durch verdickte getüpfelte Innenwände (Diaphragma)

sich von der großen unteren Zelle abgrenzen, und diese teilt sich

erst später in großzelliges Gewebe. In dem kleinzelligen Gewebe

am Scheitel werden einige wenige Archegonien angelegt, und zwar

manchmal bereits, wenn die Spore noch nicht vom Prothalliumgewebe

ganz ausgefüllt ist. Meist werden die Archegonien erst gebildet,

wenn die Sporen aus dem Sporangium entleert sind; öfters findet

aber die Befruchtung auch noch auf der Mutterpflanze statt.

Die Sporenwand springt am Scheitel in den drei Sporenkanten auf;

das kleinzellige farblose Prothallium tritt etwas hervor und bildet

auch einige Rhizoïden auf drei Gewebehöckern, die zum Sprengen

und Aufsperren der Wand wie zum Festhalten von Wasser dienen. Es

erfolgt dann die Befruchtung von einem oder wenigen Archegonien und

die direkte Weiterentwicklung der befruchteten Eizellen zum Embryo

(Fig. 499).

Die Entwicklung des #Embryos#, an dem wir den ein- oder

mehrzelligen Embryoträger, den Sproßvegetationskegel mit den ersten

Blattanlagen, die ersten Wurzelträger und den Fuß unterscheiden,

verläuft in auffallend verschiedener Weise innerhalb der Gattung.

Die befruchtete Eizelle teilt sich zunächst quer; aus der

oberen, hypobasalen Zelle geht bei _S. Martensii_ und Verwandten

der Embryoträger allein hervor, aus der unteren, epibasalen

Zelle dagegen der Hauptkörper des Embryos (Fig. 500); bei _S.

denticulata_, _helvetica_ und den meisten anderen Arten aber

liefert die obere Zelle außer dem Embryoträger auch noch den Fuß

und Wurzelträger. Der Sproßscheitel mit dem ersten Blattpaar wächst

nach oben, die Wurzel abwärts; die junge Keimpflanze bleibt mit

ihrem Fuß in dem Prothalliumgewebe der Makrospore stecken (Fig. 496

B). Bei einigen Arten (_S. rubricaulis_, _spinulosa_, _helvetica_)

bleiben die Archegonien geschlossen. und die Eizelle entwickelt

sich parthenogenetisch zum Embryo. Bei _S. Kraussiana_ und

Verwandten ist der Embryoträger nach BRUCHMANN rückgebildet, aber

in seiner Funktion ersetzt durch einen eigenartigen Embryoschlauch,

der aus der Membran der Eimutterzelle hervorgehen soll; in diesem

soll sich die Anlage des Embryos abgrenzen und dann in das

Nährgewebe hinabwandern.

_3. Ordnung. Psilotaceae_[447]. Von jetzt lebenden Formen gehören

zu dieser anscheinend sehr primitiven Ordnung nur _Psilotum_ mit

zwei tropischen Arten und _Tmesipteris_ mit einer australischen

Art. Bemerkenswert ist das gänzliche Fehlen von Wurzeln. Die

gabelig verzweigten Sprosse tragen in schraubiger Anordnung kleine

einfache Blätter und in ihren oberen Teilen die Sporophylle, die

stets tief gegabelt sind und auf ihrer Innenseite am Grunde je ein

derbwandiges zwei- oder dreifächeriges Sporangium besitzen.

Die in neuerer Zeit erst bekannt gewordenen Prothallien beider

Gattungen sind im Substrat verborgene, zylindrische, verzweigte,

farblose, von einem Phykomycetenmyzel nach Art der Mykorrhizen

durchzogene, nur einige Millimeter große Thalli, die auf ihrer

Oberfläche zahlreiche Antheridien und Archegonien entwickeln. Die

Spermien haben zahlreiche Zilien.

Die im Devon vertretenen _Rhyniaceen_ scheinen zu den Anfangsformen

der Psilotaceen zu gehören und sind insofern besonders

bemerkenswert, als ihr wurzelloser, gabelig verzweigter Stengel

noch keine blattartigen Ausgliederungen zeigte, äußerlich also noch

einem Algenthallus glich, und an seinen Enden Sporangien trug, die

bei _Hornea_ eine Columella, ähnlich wie die Laubmoossporogone,

aufwiesen[448].

_4. Ordnung. Isoëtaceae_[449]. Hierher gehört nur die Gattung

_Isoëtes_, Brachsenkraut, (Fig. 501), die als selbständiger Zweig

der in früheren Erdperioden viel formenreicheren Klasse anzusehen

ist. Die Isoëtes-Arten sind teils untergetauchte, teils auf

feuchtem Boden lebende, perennierende Kräuter mit knolliger,

gestauchter, selten dichotom gegabelter Achse, die nach unten

ein Büschel von dichotom verzweigten Wurzeln, nach oben eine

dichte Rosette von langen pfriemförmigen, von vier Luftkanälen

durchzogenen Blättern trägt. Die Stammknolle zeichnet sich aus

durch sekundäres Dickenwachstum mittels eines Kambiums, das

nach außen Rinde, nach innen Tracheiden und aus Prismenzellen

bestehendes Parenchym, das das hier fehlende Phloëm vertritt,

abscheidet. Die Blätter verbreitern sich am Grunde zu einer

breiten Scheide und sind an der Innenseite über ihrer Basis mit

einer länglichen grubenartigen Vertiefung, der #Fovea#, versehen.

Die Sporophylle tragen im Grunde der Fovea je ein Sporangium; im

übrigen gleichen sie den Laubblättern, die den innersten Teil

der Rosette einnehmen. Über der Fovea ist die Ligula, die hier

als schleimbildendes Organ dient, als dreieckiges Häutchen mit

eingesenkter Basis eingefügt. Im Habitus weicht also Isoëtes von

den übrigen Ordnungen bedeutend ab, mit Selaginella ist ihr die

#Ligula# gemeinsam; daher werden auch Isoëtes und Selaginella als

Ligulatae bezeichnet, zu denen auch die fossilen Sigillariaceen und

Lepidodendraceen gehören.

[Illustration: Fig. 501. Isoëtes lacustris. ½ nat. Gr.]

[Illustration: Fig. 502. _A_-_F_ Isoëtes setacea. Vergr. 640.

_A_ Mikrospore von der Seite. _B_-_D_ Teilung der Spore, _p_

Prothalliumzelle, _w_ die vier Wandzellen, _s_ spermatogene Zellen.

_E_ Die Wandzellen aufgelöst, umgeben die vier Spermienzellen,

Flächenansicht. _F_ Desgleichen, Seitenansicht. _G_ Isoëtes

Malinverniana, Spermium. Vergr. 780. Nach BELAJEFF.]

[Illustration: Fig. 503. Isoëtes echinospora. _A_ Weibliches

Prothallium mit Archegonium _ar_, Eizelle _o_. _B_, _C_ Entwicklung

des Archegoniums aus einer oberflächlichen Zelle, _h_ Halszellen, _hk_

Halskanalzelle, _b_ Bauchkanalzelle, _o_ Eizelle. Vergr. 250. Nach

CAMPBELL.]

[Illustration: Fig. 504. Isoëtes echinospora. Embryo vor dem

Herauswachsen aus dem Prothallium; Längsschnitt. _cot_ Keimblatt, _l_

Ligula, _v_ Scheide an der Basis des Keimblattes, in dessen Achsel

der Stammscheitel sich bildet, _w_ Wurzel, _f_ Fuß. Vergr. 200. Nach

CAMPBELL.]

Die #Makrosporangien#, die hier im Unterschied zu Selaginella noch

zahlreiche Makrosporen ausbilden, sitzen an den äußeren Blättern

der Rosette, die ihnen ähnlichen #Mikrosporangien# an den auf

diesen folgenden Blättern. Beide sind hier von querverlaufenden

sterilen Gewebesträngen, #Trabeculae# genannt, durchsetzt und

unvollständig gefächert. Die Sporen werden erst durch Verwesung der

Behälter frei.

Die Entwicklung der geschlechtlichen Generation geschieht in

ähnlicher Weise wie bei Selaginella. Das reduzierte #männliche

Prothallium# entwickelt sich bereits in der Spore (Fig. 502).

Auch hier wird die Sporenzelle in eine kleine linsenförmige

Prothalliumzelle (_p_) und eine größere, die Anlage eines einzigen

Antheridiums, zerlegt. Die große Zelle teilt sich weiter in

vier sterile Wandzellen (_w_), welche allseitig zwei zentrale

spermatogene Zellen umschließen. Aus beiden entstehen je zwei

Spermienzellen (_E_), im ganzen also vier, die nach dem Auflösen

der Wandzellen und Aufplatzen der Sporenhülle nach außen gelangen;

eine jede entläßt nun ihren schraubig gewundenen und am vorderen

Ende mit einem Zilienbüschel besetzten Samenfaden (_G_).

[Illustration: Fig. 505. _1_ Lepidodendron, Rekonstruktion, entworfen

von POTONIÉ. _2_ L. aculeatum. Schaftstück, Hohldruck nach STERNBERG.

_3_ und _4_ Lepidodendron, Blattpolster, nach POTONIÉ. _5_ Rindenstück,

nach SEWARD. Aus LOTSY, Botanische Stammesgeschichte.]

Wie bei Selaginella bleibt auch hier das einfach gebaute #weibliche

Prothallium# (Fig. 503) in der Makrospore eingeschlossen und

ist nicht zu selbständigem Wachstum befähigt. In seiner Bildung

zeigt es wie bei Selaginella Annäherung an die Koniferen, indem

zunächst der Kern der Makrospore in zahlreiche, freie, wandständige

Tochterkerne sich teilt, bevor die Zellwände, vom Scheitel der

Spore zur Basis längs der Wandung fortschreitend, angelegt werden.

Die ganze Spore wird so mit einem Prothallium gefüllt, an dessen

Scheitel einige wenige Archegonien zur Entwicklung kommen. Der

#Embryo# (Fig. 504) besitzt im Gegensatz zu den übrigen Lycopodinen

keinen Embryoträger.

_5. Ordnung. Sigillariaceae_[450]. Die Siegelbäume sind vom Kulm

ab nachgewiesen, waren im Karbon am artenreichsten und scheinen im

Rotliegenden ausgestorben zu sein. Sie waren stattliche Gewächse

mit mächtigen, in die Dicke wachsenden, säulenförmigen, einfachen

oder nur wenig gegabelten Stämmen, oben mit langen pfriemlichen,

einfachen, oberseits am Grunde mit Ligula versehenen Blättern

besetzt und am Schafte bedeckt mit den Längszeilen sechseckiger

Blattnarben, mit stammbürtigen, langgestielten, zapfenförmigen

Blüten, deren Sporangien in Einzahl auf jedem Sporophyll gebildet

wurden und heterospor waren.

_6. Ordnung. Lepidodendraceae_[450], [451]. Die Schuppenbäume,

vom Oberdevon bis in das Rotliegende, besonders aber im Karbon

verbreitet, waren ebenfalls baumartige bis etwa 30 m hohe Pflanzen,

aber mit dichotom verzweigten, rhombisch gefelderten, in die Dicke

wachsenden Stämmen, an denen oben die meist schraubig angeordneten,

schmalen, bis 15 cm langen, mit Ligula versehenen Blätter auf

rhombischen Blattkissen saßen (Fig. 505). Die zapfenförmigen Blüten

(_Lepidostrobus_, Fig. 506) entsprangen endständig oder am Stamme

selbst und enthielten Makro- und Mikrosporangien, je eins auf

jedem Sporophyll. Die Zahl der Sporen im Makrosporangium war eine

größere als bei Selaginella. In der Makrospore entwickelte sich ein

Prothallium von ähnlichem Bau wie bei dieser Gattung.

[Illustration: Fig. 506. Lepidostrobus Veltheimianus. _1_

Mikrosporangien, Querschliff, rechts Tetraden von Mikrosporen.

_2_ Sporangienstand, Längsschliff, oben mit Mikro-, unten mit

Makrosporangien. _3_ Makrosporangien, Querschliff. _4_ Makrospore

im Längsschliff. _5_ Makrospore, wahrscheinlich infolge der Keimung

aufgesprungen. _1_-_5_ nach SCOTT, KIDSTON, BINNEY. Aus LOTSY, Bot.

Stammesgeschichte.]

Lehrbuch der Botanik für Hochschulen · 第 64 / 90 段