Der Bau der Sporangien und Sporen und die Entwicklung der

Prothallien zeigen manche Unterschiede den Filices gegenüber.

Sie mögen zunächst für die _Salviniaceen_ an dem Beispiel von

_Salvinia natans_[435] erläutert werden. Die Sporokarpien enthalten

entweder Mikrosporangien in größerer Zahl oder Makrosporangien in

geringerer Zahl (Fig. 481 _A_, _ma_, _mi_). Beiderlei Sporangien

erinnern in ihrem Aufbau und ihrer Entwicklung an die Sporangien

der leptosporangiaten Farnkräuter; sie sind gestielt, besitzen

im reifen Zustande eine einschichtige dünne Wandung, aber

keinen Ring (_B_, _D_). Die #Mikrosporangien# umschließen 64

Mikrosporen, die in einer schaumigen, erhärteten Zwischensubstanz

eingebettet liegen, und zwar, ihrer Entstehung in Tetraden

aus den Sporenmutterzellen entsprechend, zu je vier genähert

(_C_). Die schaumige Zwischensubstanz geht aus dem Plasma der in

einschichtiger Lage gebildeten Tapetenzellen hervor.

[Illustration: Fig. 480. Salvinia natans. _A_ von der Seite. _B_ Von

oben. Verkleinert. Nach BISCHOFF. _C_ Keimpflanze, _msp_ Makrospore,

_p_ Prothallium, _a_ Stengel, _b_{1} b_{2} b_{3}_ die drei ersten

Blätter. _b_{1}_ das sog. Schildchen. Vergr. 15. Nach N. PRINGSHEIM.]

[Illustration: Fig. 481. Salvinia natans. _A_, _ma_ Makrosporokarp,

_mi_ Mikrosporokarp im Längsschnitt. Vergr. 8. _B_ Ein Mikrosporangium

von außen. Vergr. 55. _C_ In schaumige Zwischensubstanz eingebettete

Mikrosporen. Vergr. 250. _D_ Makrosporangium und Makrospore, im

Längsschnitt. Vergr. 55. Nach STRASBURGER.]

Die Mikrosporangien platzen nicht auf; die Mikrosporen entwickeln

nur je ein kurzes #schlauchförmiges# männliches Prothallium, das

nach außen durch die Sporangienwand hervortritt, nur aus wenigen

Zellen sich aufbaut und nur zwei Antheridien enthält (Fig. 482).

Jedes Antheridium erzeugt im ganzen vier Spermien, die durch

Aufbrechen der Zellwände nach außen gelangen. Obwohl somit dieses

Prothallium sehr vereinfacht erscheint, läßt es sich unschwer auf

die Prothallien der Filices zurückführen.

Die #Makrosporangien# sind größer als die Mikrosporangien und

besitzen ebenfalls eine einschichtige Wandung (Fig. 481 _D_),

enthalten aber nur eine einzige große Makrospore, da nur eine der

32 angelegten Sporen auf Kosten der übrigen sich weiter entwickelt.

Die Makrospore ist mit eckigen Proteïnkörnern, mit Öltröpfchen und

Stärkekörnern dicht erfüllt; an ihrem Scheitel liegt dichteres

Plasma und der Kern. Ihre braune Sporenwand (Exospor) ist von

einer dicken schaumigen Hülle, dem Perispor, überlagert, die der

Zwischensubstanz des Mikrosporangiums entspricht und wie diese aus

dem Tapetenzellplasma hervorgeht. Die Makrospore bleibt von der

Sporangiumwand umschlossen, wird mit dieser von der Mutterpflanze

frei und schwimmt an der Wasseroberfläche. Bei ihrer Keimung

teilt sie sich in eine scheitelständige kleinere Zelle, aus der

ein kleinzelliges weibliches Prothallium hervorgeht, und in

eine darunter liegende große Zelle, die mit ihrem Reichtum an

Reservestoffen zu dessen Ernährung dient und sich nicht weiter

teilt, obwohl ihr Kern durch freie Kernteilung zahlreiche,

wandständige Tochterkerne liefert. Die Sporenhaut platzt in drei

Klappen auf, ebenso springt die Sporangienwand auf, und das grüne

Prothallium ragt nun als kleines sattelförmiges Gebilde etwas

hervor. Es entwickelt drei bis fünf Archegonien; aber nur die

befruchtete Eizelle eines von ihnen kommt zur Weiterentwicklung

und zur Bildung eines Embryo, der mit seinem Fuß im erweiterten

und schließlich gesprengten Archegoniumbauch steckt (Fig. 483).

Das erste Blatt der Keimpflanze (Fig. 480 _C_) hat schildförmige

Gestalt, es schwimmt auf der Oberfläche des Wassers.

[Illustration: Fig. 482. Salvinia natans. Männliche Prothallien. _A_

Teilung der Mikrosporen in die drei Zellen _I-III_. Vergr. 860. _B_

Fertiges Prothallium von der Flanke. _C_ Von der Bauchseite. Vergr.

640. Zelle _I_ hat sich in die Prothalliumzellen _a_ und _p_ geteilt,

_p_ ist als Rhizoïdzelle zu deuten; Zelle _II_ in die sterilen Zellen

_c_, _b_ und die beiden spermatogenen Zellen _s_{1}_, von denen jede

zwei Spermien bildet; Zelle _III_ in die sterilen _e_, _d_ und die

beiden spermatogenen Zellen _s_{2}_. Die Zellen _s_{1} s_{1}_ und

_s_{2} s_{2}_ stellen zwei Antheridien vor, die Zellen _b_, _c_, _d_,

_e_ deren Wandungszellen. Nach BELAJEFF.]

[Illustration: Fig. 483. Salvinia natans. Embryo im Längsschnitt,

Prothallium _pr_, _s_ Sporenzelle, _e_ Exospor, _p_ Perispor, _spw_

Sporangiumwand, _embr_ Embryo, _f_ Fuß, _bl_, _bl_{2}_ _bl_{3}_ die

drei ersten Blätter, _st_ Stammscheitel. Vergr. 100. Nach PRINGSHEIM.]

Bei _Azolla_[436] verläuft der Entwicklungsgang in ähnlicher Weise,

aber die Sporangien und Sporen zeigen einige Besonderheiten. Die

Mikro- und Makrosporocarpien entwickeln sich anfangs in gleicher

Weise; ein jedes legt ein einziges Makrosporangium an, das von der

Hülle umwallt wird, und aus dessen Stiel dann innerhalb der Hülle

die Mikrosporangien hervorsprossen. Im #Mikrosporokarp# schrumpft

die Anlage des Makrosporangiums, und nur die Mikrosporangien

entwickeln sich weiter; im #Makrosporokarp# gelangt dagegen

nur das Makrosporangium zur Ausbildung. In den Mikrosporangien

werden die 64 Sporen durch eine schaumige Zwischensubstanz,

die von dem Periplasmodium geliefert wird, zu 5-8 rundlichen

Ballen, den #Massulae#, vereinigt. Jede Massula ist an der

Oberfläche mit gestielten Widerhäkchen, #Glochiden#, Auswüchsen

der Zwischensubstanz besetzt. Die Sporangiumwand platzt auf und

entläßt die Massulae, die im Wasser zu den Makrosporen gelangen. In

den Makrosporangien werden 32 Makrosporen angelegt, aber nur eine

Spore wächst weiter, verdrängt alle anderen und preßt schließlich

auch die Wandung des Makrosporangiums zusammen, so daß diese

dicht an die eiförmige Sporenfruchtwandung zu liegen kommt. Das

Perispor umgibt die Makrospore als schaumige, mit Vertiefungen und

fadenförmigen Verlängerungen versehene Haut und bildet an ihrem

Scheitel einen Aufsatz von drei birnförmig gestalteten Gebilden,

den #Schwimmkörper#. Die Massulae haken sich in das Perispor fest.

Die Sporenfrucht reißt am unteren Teile auf, ihr Scheitel verbleibt

an der freigewordenen Makrospore in Form eines Schirmes. Die

Prothalliumbildung stimmt im wesentlichen mit Salvinia überein,

an den wenigzelligen männlichen Prothallien, die aus den Massulae

hervorwachsen, entsteht aber nur je ein einziges Antheridium mit

acht Spermien.

[Illustration: Fig. 484. Marsilia salvatrix. _A_ Sporokarp in nat.

Gr., _st_ Stiel. _B_ In Wasser aufgesprungenes Sporokarp mit dem

hervortretenden Gallertring. _C_ Dieser (_g_) zerrissen und gestreckt

mit den Sorusfächern _sr_, Sporokarpschale _sch_. _D_ Unreifer Sorus.

_m_ Makrosporangien, _mi_ Mikrosporangien. Nach J. SACHS und J.

HANSTEIN.]

[Illustration: Fig. 485. Marsilia quadrifolia. Entwicklung des

männlichen Prothalliums aus der Spore _A_. In _B_ durch Wand _1_ eine

kleine Prothalliumzelle (rudimentäre Rhizoïdzelle) _p_ abgeteilt,

_C_ und _D_ weitere Teilungen. _s_{1}_ und _s_{2}_ die Mutterzellen

der spermatogenen Zellen in beiden Antheridien. _E_ Reifes Stadium,

die beiden Gruppen von je 16 Spermienzellen, aus _s_{1}_ und _s_{2}_

hervorgegangen, liegen in dem durch Auflösung der peripheren sterilen

Zellen gebildeten Plasma. _F_ Ein Spermium stark vergrößert, die

Zilien entspringen einem bandförmigen, dem schraubig gewundenen Kerne

anliegenden Blepharoplasten. Nach LESTER W. SHARP.]

Die Sporokarpien der _Marsiliaceen_[437] sind komplizierter

gebaut, enthalten bei _Pilularia globulifera_ vier Fächer, jedes

mit einem Sorus, bei _Marsilia_ zahlreiche Fächer (14-18) mit

je einem Sorus, in zwei Reihen nebeneinander gelagert. Die Sori

beider Gattungen führen zugleich Makro- und Mikrosporangien. Sie

entstehen wie bei manchen Farnen am Blattrande der Sporophyllanlage

aus Oberflächenzellen, die dann nachträglich vom umgebenden

Gewebe überwallt werden. So liegen sie schließlich eingebettet

im Sporophyllgewebe, dessen äußere Wandschichten zu einer harten

Schale sich differenzieren. Nach einer Ruhezeit keimen die

#Sporokarpien# in Wasser. Bei _Pilularia_ quillt das die Sori

umgebende Gewebe stark auf, sprengt die Schale am Scheitel

vierklappig auf und tritt als Schleimmasse mit den Sporangien

hervor, aus denen ebenfalls durch Verquellung der Wandungen

die Sporen frei werden. Prothalliumentwicklung und Befruchtung

erfolgen in dieser mehrere Tage lang sich haltenden Schleimmasse.

Die Sporokarpschale von _Marsilia_ dagegen wird zweiklappig

aufgesprengt. Eine den Sorusfächern an Rücken- und Bauchnaht des

Sporokarps ringförmig anliegende knorpelige Gewebemasse quillt

stark gallertig auf, sprengt die Bauchnaht, tritt hier hervor,

zieht die Sori, die von häutigen Hüllen umgeben sind, mit heraus,

verlängert sich wurmförmig und reißt schließlich durch (Fig. 484).

Aus der #Mikrospore# geht innerhalb der Sporenhülle ein reduziertes

männliches Prothallium hervor, das im fertigen Zustand nur

zwei Antheridien mit je 16 Spermienzellen umschließt und nach

dem Aufplatzen der Hülle die korkzieherartig gewundenen, mit

zahlreichen Zilien versehenen Samenfäden entläßt (Fig. 485).

[Illustration: Fig. 486. Marsilia vestita. _A_ Makrospore, am Scheitel

der Kern und das Plasma, aus dem das in _B_ dargestellte weibliche

Prothallium hervorgeht; _o_ Eizelle des Archegoniums, darüber

Bauchkanal- und Halskanalzelle; _k_ Kern der in der Sporenhülle

verbleibenden großen Sporenzelle. _C_ Junger Embryo im Archegonium nach

den ersten Teilungen, _1_ Basalwand, _2_ Quadrantenwand. _D_ Späteres

Stadium, _w_ Wurzelanlage, _b_ erstes Blatt, _st_ Stamm, _f_ Fuß. _A_

Vergr. 60, _B_ 360, _C_ 525, _D_ 260. Nach D. CAMPBELL.]

Die dickwandige #Makrospore# entwickelt in ähnlicher Weise wie

bei Salvinia an ihrem aufspringenden Scheitel aus dem hier

befindlichen dichteren Plasma, das von der großen, in der Hülle

verbleibenden Sporenzelle durch eine Zellwand abgeteilt wird, ein

kleines, wenigzelliges, im Längsschnitt sattelförmiges, ergrünendes

Prothallium, das nur ein einziges Archegonium erzeugt, also

weitestgehende Vereinfachung aufweist (Fig. 486).

Die Entwicklung des #Embryos# folgt dem Typus der leptosporangiaten

Farne, indem die Eizelle sich erst durch eine längsgerichtete

Basalwand, dann durch eine Querwand in Quadranten teilt, die darauf

in Oktanten zerlegt werden. Aus den beiden oberen Oktantenpaaren

geht die Wurzel und das erste Blatt, aus den unteren der Fuß und

der Stammscheitel hervor (Fig. 486 _C D_). Das Prothallium wächst

eine Zeitlang mit und umhüllt den Embryo; es treibt aus seinen

unteren Zellen einige farblose Rhizoïden. Findet keine Befruchtung

statt, so entwickelt sich aus ihm ein kleiner, längere Zeit

lebender Thallus, der keine neuen Archegonien mehr erzeugt.

Für gewisse neuholländische Marsilien der Gruppe _Drummondi_ ist

parthenogenetische Keimbildung nachgewiesen worden[438].

Klasse II.

Equisetinae, Schachtelhalme[288],[400],[426],[429],[439].

_1. Ordnung. Equisetaceae._ Die Schachtelhalme umfassen nur

die Gattung _Equisetum_, die in vergangenen Erdperioden bis

in die Trias zurückreicht und heute nur noch in 20 weit

verbreiteten Arten vertreten ist. Diese sind teils Land-, teils

Sumpfpflanzen. Sie zeigen einen sehr charakteristischen Aufbau

ihrer #ungeschlechtlichen Generation#. Aus einem im Boden

kriechenden Rhizom entspringen aufrechte Halme von meist nur

einjähriger Lebensdauer. Bei _Equisetum arvense_ (Fig. 488),

dem Ackerschachtelhalm, sowie auch bei anderen Arten werden

seitliche kurze Rhizomäste in Form von rundlichen Knollen als

Reservestoffbehälter und Überwinterungsorgane ausgebildet. Die

oberirdischen Halme bleiben entweder einfach, oder sie verzweigen

sich in quirlig gestellte Äste zweiter, dritter usw. Ordnung. Alle

Achsen sind aus gestreckten Internodien zusammengesetzt, innen von

einem zentralen und von peripherischen Luftgängen sowie von einem

Kreis von kollateralen Leitbündeln durchzogen (Fig. 487).

An den Knoten sitzen abwechselnde Quirle von zugespitzten,

unterwärts in eine den Stengel umschließende Scheide verwachsenen

Schuppenblättern. Die Internodien sind mit ihrer Basis in

diese Scheiden eingeschachtelt. Die Seitenzweige werden in den

Blattachseln angelegt und brechen quer durch die Scheiden nach

außen hervor. Entsprechend der geringen Größe und ungeeigneten

Beschaffenheit der Blattspreiten übernehmen die Halme die Funktion

der Assimilation und bilden das chlorophyllführende Gewebe aus.

Die #Sporangien# werden von besonders gestalteten Blättern,

Sporophyllen, erzeugt. Diese sind in mehreren Quirlen an den

Enden der Sprosse angeordnet und bilden somit zapfenförmige

Sporophyllstände (Fig. 488), die in ihrem Aufbau den männlichen

Blüten der Koniferen gleichen und auch als Blüten zu bezeichnen

sind. Der unterste Quirl ist steril, bildet einen kurzen Kragen.

Die Sporophylle selbst haben die Form eines gestielten Schildes,

an dessen Unterseite 5-10 sackförmige, mit Längsriß aufspringende

Sporangien sitzen (Fig. 488 _B_, _C_). Das sporenbildende Gewebe

ist im jüngeren Sporangium von einer mehrschichtigen Wandung

umgeben. Während die inneren Lagen als Tapetenzellen ihre Wandung

auflösen und ihr Plasma zum Periplasmodium wird, das zwischen

die sich abrundenden Sporen eindringt und bei der Bildung der

Sporenwand aufgebraucht wird, bleibt bei der Reife nur die

äußerste Zellschicht als definitive Wandung erhalten; ihre Zellen

erhalten Spiral- und Ringfaserverdickungen; die Sporangien

gleichen darin den ihnen homologen Pollensäcken der Phanerogamen.

Das Aufspringen geschieht durch Kohäsionszug des schwindenden

Füllwassers und durch die Kontraktion der dünnen Membranteile

beim Austrocknen. Das geöffnete Sporangium entleert zahlreiche

grüne Sporen mit eigenartig gebauter Wand. Der aus Endospor und

Exospor zusammengesetzten eigentlichen Sporenwand wird von dem

Periplasmodium ein Perispor aufgelagert. Diese äußere Schicht

besteht aus zwei schraubig gewundenen, parallel laufenden, an ihren

Enden löffelförmigen Bändern (Elateren), die sich beim Austrocknen

der Sporen ablösen, aber an einer Stelle in ihrer Mitte miteinander

und mit dem Exospor verbunden bleiben; sie breiten sich aus, legen

sich bei Zutritt von Feuchtigkeit aber wieder zusammen und mögen

durch ihre hygroskopischen Bewegungen dazu dienen, die Sporen, die

meist diözische Prothallien bilden, gruppenweise zu verketten und

zu verbreiten (Fig. 488 _D_, _E_).

[Illustration: Fig. 487. Equisetum arvense. Stengel quer, _m_ lysigene

Markhöhle, _e_ Endodermis, _ci_ Karinalhöhlen in den kollateralen

Leitbündeln, _vl_ Vallekularhöhlen, _hp_ Sklerenchymstränge in den

Riefen und Rippen, _ch_ chlorophyllführendes Gewebe der Rinde, _st_

Spaltöffnungsreihen. Vergr. 11. Nach STRASBURGER.]

Bei gewissen Schachtelhalmen hat sich ein Unterschied in der

Ausgestaltung der oberirdischen Halme herausgebildet. Teils bleiben

sie steril und verzweigen sich reichlich, teils tragen sie an ihrem

Ende die Blüten und verzweigen sich dann später sparsamer oder

überhaupt nicht in unfruchtbare Seitenzweige. Am ausgeprägtesten

ist dieser Unterschied bei _Equisetum arvense_ und _E. Telmateja_,

bei denen die fertilen Halme ganz einfach sind, an ihrem Ende mit

einer einzigen Blüte abschließen (Fig. 488) und sich auch durch

den Mangel des Chlorophylls und ihre blaßrötliche Färbung von den

vegetativen Halmen unterscheiden. Sie verhalten sich also gleichsam

wie parasitische Sprosse, die aus dem Rhizom ihre Nahrung beziehen.

Das im tropischen Amerika einheimische _Equisetum giganteum_ ist

die größte Art der Gattung, sie erhebt sich kletternd im Gesträuch

mit ihren 2 cm dicken, quirlig verzweigten Halmen bis über 12 m

Höhe.

Die Sporen sind sämtlich von gleicher Beschaffenheit und keimen

zu thallösen #Prothallien# aus. Diese sind meist diözisch (Fig.

489); weibliche bedürfen zu ihrer Entwicklung guter Ernährung, bei

schlechter bilden sie Antheridien. Die weiblichen Prothallien sind

bedeutend größer als die männlichen und verzweigen sich reichlicher

in dorsiventrale krause Lappen, an deren Grunde die Archegonien

sitzen. Diese sind ganz ähnlich wie bei den Farnen beschaffen,

nur sind die obersten Zellen des aus vier Zellreihen bestehenden

Halses stark verlängert und biegen sich bei der Öffnung des

Archegoniums stark nach außen um. Die Spermien besitzen wie bei den

Farnen zahlreiche Zilien (Fig. 489 _III_). Am #Embryo# treten die

ersten Blätter gleich in einem Quirl angeordnet auf und umwallen

ringförmig den Stammscheitel, der mit dreiseitiger Scheitelzelle

weiterwächst (Fig. 489 _IV_, 100, 101).

[Illustration: Fig. 488. Equisetum arvense. _A_ Fertile Halme, dem

knollentragenden Rhizom entspringend, mit vegetativem Halm noch in der

Knospe. _F_ unfruchtbarer vegetativer Halm. _B_ und _C_ Sporophylle

mit Sporangien, in _C_ aufgesprungen. _D_ Spore mit den beiden

Spiralbändern (Elateren) des Perispors. _E_ Sporen mit den in trockenem

Zustand ausgebreiteten Spiralbändern. _A_, _F_ ½ nat. Gr. _B_, _C_,

_D_, _E_ Vergr.]

Die äußeren Membranen der Stengelepidermis sind bei den

Schachtelhalmen mehr oder weniger stark mit Kieselsäure

imprägniert, in besonderem Maße bei _Equisetum hiemale_, das ebenso

wie auch _E. arvense_ infolgedessen zum Scheuern von metallenen

Gefäßen, zum Polieren von Holz und zu ähnlichen Zwecken Verwendung

findet.

#Giftig#: In einigen Equisetum-Arten sind giftig wirkende Stoffe

nachgewiesen. Heu mit viel Schachtelhalmen untermischt ist für das

Vieh schädlich.

[Illustration: Fig. 489. _I_, _II_ Equisetum pratense. _I_ Weibliches

Prothallium von der Unterseite, mit Archegonien _A_. _II_ Männliches

Prothallium mit Antheridien _A_, _d_ deren Deckzellen. _I_ Vergr. 17.

_II_ Vergr. 12. Nach GOEBEL. _III_ Equisetum arvense. Spermium, _k_

Kern, _bl_ Blepharoplast (Zilienbildner) und Zilien, _zyt_ Zytoplasma.

Vergr. ca. 1250. Nach SHARP. _IV_ Equisetum arvense. Embryo. _1_, _2_

Oktantenwände. Aus der über der Basalwand _1_ liegenden Hälfte entsteht

der Stamm _st_ und der erste Blattquirl _b_, aus der unteren Hälfte die

Wurzel _w_ und der Fuß. Vergr. 165. Nach SADEBECK.]

[Illustration: Fig. 490. _1_ Asterocalamites radiatus, nach STUR. _2_

Annularia stellata, nach SEWARD. Aus LOTSY, Botan. Stammesgeschichte.]

#Offizinell#: Die sterilen Halme von _Equisetum arvense_ liefern

#Herba Equiseti# (Pharm. austr.).

_2. Ordnung. Calamariaceae_[450]. Die ausgestorbenen, im

Paläozoikum sehr reich entwickelten, besonders im Karbon sehr

häufigen Calamariaceen waren habituell den Schachtelhalmen

ähnliche, in einzelnen Arten wohl bis 30 m hohe, baumartige

Gewächse, deren mit Periderm bedeckte, hohle, monopodiale,

quirlig verzweigte Stämme (_Calamites_) sekundäres Dickenwachstum

aufwiesen. Ihre Blätter (_Annularia_, Fig. 490) standen in

abwechselnden Quirlen, waren schmal-lanzettlich, anfangs zu einer

Scheide verbunden, später sich trennend und in dem ältesten

Typus _Asterocalamites_ (Fig. 490) noch dichotom geteilt, also

farnblattähnlich. Die Sporangienstände hatten bei dieser Gattung

ähnlichen Bau wie bei Equisetum, bei den übrigen Vertretern

aber waren sie zusammengesetzt aus abwechselnden Quirlen von

Schuppenblättern, zwischen denen superponierte Quirle von

besonderen Sporangienträgern standen. Jeder solcher Träger

hatte die Form eines gestielten Schildes und trug unter diesem

vier Sporangien (Fig. 491). Bei _Calamostachys_ waren die

Sporangienträger ein Stück über die zugehörigen Sporophylle in

die Höhe gerückt, bei _Palaeostachya_ standen sie in den Achseln

dieser; sie können morphologisch als besondere Auswüchse der

schuppenförmigen Sporophylle angesehen werden. Interessant ist

die Tatsache, daß unter den Calamarien neben isosporen bereits

heterospore Arten vertreten waren.

Klasse III.

Sphenophyllinae, Keilblattgewächse[450].

Diese kleine, ausschließlich paläozoische Klasse nimmt eine

vermittelnde Stellung zwischen Equisetinen und Lycopodinen ein,

schließt sich aber im vegetativen Aufbau an erstere näher an.

[Illustration: Fig. 491. _1_ Calamostachys Binneyana. Sporangienstand

im Längsschnitt, _2_ im Querschnitt. _3_ Calamostachys Casheana.

Querschnitt durch den Stiel eines Sporangienträgers, das drei

Makrosporangien und ein Mikrosporangium trägt. _4_ Palaeostachya.

Sporangienstand mit axillären Sporangienträgern, Längsschnitt. Nach

SCOTT und HICKLING. Aus LOTSY, Botanische Stammesgeschichte.]

[Illustration: Fig. 492. _1_ Sphenophyllum, verzweigte Stengel mit

linearen und keilförmigen wirteligen Blättern, der rechte Zweig mit

längerem Sporangiumstand. Nach SCOTT. _2_ S. emarginatum. Nach SEWARD.

Aus LOTSY, Bot. Stammesgeschichte.]

Die Sphenophyllinen waren durch zwei Gattungen vertreten.

_Cheirostrobus_ aus dem untersten Karbon besaß reich gegliederte

Blüten von ähnlichem Bau wie bei den Calamarien. Die vom Devon

bis Perm verbreiteten _Sphenophyllum_-Arten waren krautige

Landpflanzen, anscheinend Kletterpflanzen, deren langgliedrige

verzweigte Stengel ein axiles dreistrahliges markloses Leitbündel

mit sekundärem Zuwachs aufwiesen. Sie waren mit übereinander

stehenden, meist sechszähligen Quirlen keilförmiger oder gabelig

geteilter Blätter, und mit ährenförmigen Equisetum-ähnlichen

Blüten, deren Sporophylle ein bis vier Sporangien trugen,

ausgestattet (Fig. 492).

Klasse IV.

Lycopodinae, Bärlappgewächse[288],[400],[426],[429].

Die Lycopodinen unterscheiden sich durch den Habitus ihrer Sporophyten

und ihre Sporangienentwicklung scharf von den übrigen Pteridophyten.

Sie waren bereits in der paläozoischen Periode reich vertreten und

umfaßten auch baumartige Vertreter hauptsächlich in den ausgestorbenen

Ordnungen der _Sigillariaceae_ und _Lepidodendraceae_.

Die heute noch lebenden zahlreichen Arten sind sämtlich krautige

Gewächse und gehören den Gattungen _Lycopodium_, _Selaginella_,

_Psilotum_ und _Tmesipteris_, _Isoëtes_ an, die sich auf vier Ordnungen

verteilen.

Lehrbuch der Botanik für Hochschulen · 第 63 / 90 段