der geschlechtlichen Generation in drei Ordnungen, von denen die
_Anthocerotales_ und _Marchantiales_ ausschließlich Thalluspflanzen,
die _Jungermanniales_ teils ebensolche, teils aber Formen mit
dorsiventral beblättertem, seltener, und zwar nur in der Gruppe der
Haplomitrieen, mit radiär gebautem, beblättertem Stämmchen umfassen.
_1. Ordnung. Die Anthocerotales_[411], eine isoliert stehende
Gruppe, die nur wenige Formen umfaßt, können als eine primitive
Moosordnung gelten. Ihr Sporogon zeichnet sich durch einen
reicheren inneren Bau aus, als das der übrigen Lebermoose, bei
denen es eine fortschreitende Vereinfachung erfahren hat.
[Illustration: Fig. 444. Anthoceros laevis. _sp_ Sporogon, _c_
Columella. Nat. Gr.]
[Illustration: Fig. 445. Anthoceros Pearsoni. Entwicklung des endogenen
Antheridiums. _d_ Deckzellen, _st_ Stielzellen, _a_ Anlage des
Antheridiums. Nach D. CAMPBELL.]
Der Gametophyt hat die Gestalt eines gelappten, am Boden mittels
Rhizoïden festgewachsenen Thallus. Seine Zellen enthalten zum
Unterschied von allen anderen Moosen nur einen einzigen großen
pyrenoidführenden Chlorophyllkörper. Auf der Unterseite, seltener
auf der Oberseite finden sich Spaltöffnungen. Die #Antheridien#
stehen einzeln oder zu vier im Innern geschlossener Höhlungen unter
der Oberseite des Thallus (Fig. 445). Die Höhlung wird erst bei der
Reife der Antheridien vermittels Schleimbildung in den Deckzellen
geöffnet. Die Anlage der männlichen Organe ist also hier abweichend
von allen übrigen Archegoniaten sekundär zu einer endogenen
geworden, indem eine Oberflächenzelle sich zunächst in eine die
Decke liefernde äußere (_d_) und eine innere (_a_), die Mutterzelle
der Antheridien, teilt. Die #Archegonien# sind in die Oberseite des
Thallus eingesenkt und werden nach der Befruchtung von einer durch
Wucherung des Thallusgewebes entstehenden, mehrschichtigen Hülle
(Marsupium) überwölbt, die später von der Kapselfrucht durchbrochen
wird und eine Scheide an deren Basis bildet. Die befruchtete
Eizelle teilt sich im Gegensatz zu den übrigen Moosen zunächst
durch eine #Längswand# in zwei Zellen, diese dann weiter durch
Querwände. Das aus dem Embryo hervorgehende #Sporogon# besitzt
einen angeschwollenen, mit rhizoïdähnlichen Schläuchen im Thallus
befestigten Fuß und eine ungestielte, lang schotenförmige, mit
zwei Längsklappen aufspringende Kapsel, in deren Längsachse eine
aus wenigen Zellreihen bestehende Columella sich befindet (Fig.
444). Diese wird kappenförmig von der schmalen sporenbildenden
Zellschicht bedeckt. Außer Sporen erzeugt letztere auch Schleudern;
sie sind hier mehrzellig, vielgestaltig, oft gegabelt. Im Gegensatz
zu allen übrigen Lebermoosen reift der Kapselteil dieses Sporogons
nicht gleichzeitig heran, sondern von der Spitze ausgehend unter
andauernder Fortentwicklung an seiner Basis. Auch enthält die
Sporogonwand Chlorophyll und besitzt Spaltöffnungen, die sonst bei
Lebermoosen nicht auftreten.
An der Unterseite des Thallus der Anthocerotaceen werden durch
Auseinanderweichen benachbarter Zellen Spalten erzeugt, die in
Höhlungen führen, welche Schleim enthalten. In diese dringen
häufig Nostocfäden ein, um sich dort zu endophytischen Kolonien zu
entwickeln[412].
[Illustration: Fig. 446. Marchantia polymorpha. _A_-_C_
Brutkörperentwicklung, _st_ Stielzelle, _D_ Brutkörper von der
Fläche, _E_ im Querschnitt, _x_ Ablösungsstelle, _o_ Ölzellen, _r_
Rhizoïdanlagen. _A_-_C_ Vergr. 275. _D_-_E_ Vergr. 65. Nach KNY.]
[Illustration: Fig. 447. _A_ Männliche Pflanze von Marchantia
polymorpha, _b_ Brutkörbchen. Nat. Gr. _B_ Antheridiumstand mit den
eingesenkten Antheridien _a_, _t_ Thallus, _s_ Ventralschuppen. _r_
Rhizoïden. Etwas vergr.]
_2. Ordnung. Die Marchantiales_[413] besitzen zum Teil recht
komplizierten Aufbau. Als Typus sei die an Quellen häufige
_Marchantia polymorpha_ geschildert. Sie bildet bis 2 cm breite,
sich gabelig verzweigende Thalluslappen (Fig. 447 _A_, Fig. 448
_A_) mit schwachen Mittelrippen. An der Unterseite entspringen
einschichtige Zellamellen oder #Ventralschuppen# und die
#Rhizoïden#, die den Thallus befestigen und ihm Wasser zuführen;
sie sind zum Teil glattwandig, zum Teil aber mit zapfenförmigen,
nach innen vorragenden Wandverdickungen versehen (Fig. 31). Diese
Zäpfchenrhizoïden verflechten sich längs der Mittelrippe zu einem
Strange. Die Dorsiventralität des Thallus macht sich auch im
anatomischen Aufbau geltend. Auf der Oberfläche des Thallus bemerkt
man schon mit bloßem Auge eine rhombische Felderung. Jedes Feld
entspricht einer unter der obersten Zellschicht befindlichen,
von geschlossenen seitlichen Wänden abgegrenzten #Luftkammer#,
die durch eine Atemöffnung in der Mitte des Feldes nach außen
führt (Fig. 95 _A_, _B_). Die Öffnung besteht aus einem kurzen
Kanal mit einer aus mehreren ringförmigen Stockwerken von je
vier Zellen gebildeten Wandung. Vom Boden der Kammer erheben
sich zahlreiche kurze, aus rundlichen Zellen bestehende Fäden,
die Chlorophyllkörner enthalten und das #Assimilationsgewebe#
vorstellen. Auch in den Kammerwänden und in der Epidermis befindet
sich Chlorophyll, aber in geringerer Menge. Im übrigen besteht der
Thallus aus großen chlorophyllarmen, als #Speicherzellen# dienenden
Parenchymzellen, die an der Unterseite von einer einschichtigen
geschlossenen Zellschicht bedeckt werden. Auf die Ausbildung
der Luftkammern ist die Belichtung von großem Einfluß. Bei sehr
schwacher Belichtung kann ihre Bildung ganz unterbleiben.
Auf den Mittelrippen der Oberseite des Thallus treten in der Regel
becherförmige Auswüchse mit gezähntem Rand, die #Brutbecher# oder
#Brutkörbchen# (Fig. 447 _b_) auf, in denen eine Anzahl von flachen
Brutkörperchen sich befinden. Sie entstehen, wie Fig. 446 zeigt,
durch Hervorwölbung und weitere Teilung einzelner Oberflächenzellen
und sitzen mit einer Stielzelle (_st_) fest, von der sie sich (_D_
bei _x_) ablösen. Sie haben an den beiden Einschnürungsstellen
zwei Vegetationspunkte und bestehen aus mehreren Schichten von
Zellen, von denen eine Anzahl mit Ölkörpern erfüllt ist (_D_,
_o_), andere, farblose, als Anlagen der späteren Rhizoïden dienen.
Ölhaltige Zellen treten auch im fertigen Thallus zerstreut auf
und sind überhaupt bei Lebermoosen sehr verbreitet. Mit Hilfe der
Brutkörperchen kann sich Marchantia in reichlichem Maße vegetativ
vermehren. Die Dorsiventralität des aus dem isolateralen Brutkörper
hervorgehenden Thallus wird durch den Einfluß des Lichtes bedingt.
Die #Sexualorgane#, Antheridien und Archegonien, werden von
besonderen aufstrebenden Zweigen des Thallus getragen. Im unteren
Teile sind diese Zweige stielartig zusammengerollt, im oberen Teile
verzweigen sie sich sternförmig. Antheridien und Archegonien sind
diözisch verteilt. Die #männlichen Zweige# schließen mit einer
lappig gerandeten Scheibe ab, an deren Oberseite die Antheridien
eingesenkt sind, und zwar ein jedes in einen flaschenförmigen
Hohlraum, der mit einer engen Öffnung nach außen mündet (Fig. 447
_B_ u. 435). Diese Höhlungen werden von Luftkammern führendem
Gewebe getrennt. Die Spermien sammeln sich oben auf dem Hut in
einem Wassertropfen, der durch den welligen Hutrand gehalten wird.
[Illustration: Fig. 448. Marchantia polymorpha. _A_ Weibliche
Pflanze mit vier verschiedenalterigen Archegoniumständen, _b_
Brutkörbchen. Nat. Gr. _B_ Archegoniumstand von unten, _st_ Strahlen,
_h_ Hülle, _spo_ vortretende Sporogone. Vergr. 3. _C_ Derselbe halb
durchschnitten. Vergr. 5. _D_ Junges Sporogon im Längsschnitt, mit dem
Fuß _spf_, dem sporenbildenden Gewebe _spg_, der Kapselwandung _kw_,
der Archegoniumwandung _aw_, dem Archegoniumhals _ha_, dem Perianth
_p_. Vergr. 70. _E_ Aufgesprungenes Sporogon, Sporen mit Elateren _e_.
Vergr. 10. _F_ Ein einzelner Elater. _G_ Reife Sporen. Vergr. 315. _H_
Gekeimte Spore mit Keimschlauch _vk_ und Keimscheibe _k_, letztere mit
der Scheitelzelle _v_ und dem Rhizoïd _rh_. Vergr. 100. _C_, _E_ nach
BISCHOFF. _B_, _D_, _F_-_H_ nach KNY.]
Die #weiblichen Zweige# (Fig. 448 _A_) schließen mit einem meist
neunstrahligen Schirm ab. Die Oberseite des Schirmes ist zwischen
den Strahlen umgeschlagen und trägt hier die Archegonien, die
somit der Unterseite des Schirmes zu entspringen scheinen. Sie
bilden radiale Reihen zwischen den Strahlen. Jede dieser Reihen
wird von einer zierlich gezähnten Hülle (Perichaetium) (_B_,
_C_, _h_) umgeben. Die Gestalt der Archegonien ist aus Fig. 438
ersichtlich.
Die #Befruchtung# erfolgt bei Regenwetter, indem Regentropfen die
Samenfäden enthaltende Flüssigkeit von den männlichen Hüten auf die
weiblichen Schirme spritzen, deren Epidermiszellen papillenförmig
vorspringen und ein oberflächliches Kapillarsystem darstellen, in
welchem die Samenfäden zu den Archegonien hinabgeleitet werden.
Nach der Befruchtung entwickelt sich die Eizelle zu einem
vielzelligen Embryo (Fig. 438 _C_), dieser zu einem gestielten
#ovalen Sporogon#. Seine Kapsel hat eine einschichtige Wandung,
deren Zellen Ringfaserverdickungen aufweisen. Nur am Scheitel
ist die Wandung zweischichtig, hier beginnt auch das Einreißen
der Kapsel, indem das Deckelstück zerfällt und die Wandung in
Form mehrerer Zähne sich zurückkrümmt. Die reife Kapselfrucht
ist anfangs noch bedeckt von der eine Zeitlang mitwachsenden
Archegoniumwandung (Fig. 448 _DE_, _aw_), die aber bei der
Streckung des Stieles durchbrochen wird und an der Basis als
Scheide zurückbleibt. Außerdem wird die Kapsel von einer vier- bis
fünfspaltigen, dünnhäutigen Hülle, dem #Perianth#, umgeben, das
schon vor der Befruchtung aus dem kurzen Stiel des Archegoniums
ringsum als sackartige Hülle hervorzusprossen beginnt (Fig. 438
_C_, _pr_, 448 _D_, _E_, _p_). Die Kapsel entläßt #Sporen# und
Elateren (Fig. 448 _F_, _G_).
Marchantia war früher als Mittel gegen Leberkrankheiten offizinell,
daher auch die Bezeichnung Lebermoose.
Die #_Ricciaceen_#[414] weisen zwar eine weitgehende Vereinfachung
ihrer Sporogone auf, schließen sich aber an einfacher gebaute
Marchantiaceen als reduzierte Formen an. Ihr dichotomisch
gelappter Thallus bildet auf Schlammboden am Ufer der Gewässer
oder auf feuchten Äckern kleine Rosetten. _Riccia natans_
schwimmt mit ihren breiten Thalluslappen auf der Oberfläche des
Wassers nach Art der Lemnaceen (Fig. 449 _C_). _Riccia fluitans_
(Fig. 449 _A_), vielleicht eine Sammelart von submersen Formen
verschiedener terrestrischer Arten, hat dagegen schmale, reicher
verästelte Thalluslappen. Diese beiden wasserbewohnenden Arten
können aber auch auf Schlammboden niederliegende Rosetten bilden
(Fig. 449 _B_). Der Thallus besteht an der Oberseite ähnlich wie
bei Marchantia aus einem von schizogen entstandenen Luftkammern
durchzogenen, assimilierenden Gewebe; an seiner Unterseite trägt
er feine Rhizoïden und außerdem eine Reihe von quergestellten
Ventralschuppen, die wie erstere sich an der Nährstoffaufnahme
beteiligen. Beide Organe fehlen vollständig der submersen Form von
_Riccia fluitans_.
Antheridien und Archegonien sind auf der Oberseite eingesenkt. Aus
der Eizelle entwickelt sich nach der Befruchtung ein ungestieltes
kugeliges Sporogon mit einschichtiger Wandung. Die Wandung wird vor
der Sporenreife aufgelöst, und die Sporen werden durch Verwitterung
der sie umgebenden Zellen des Thallus frei. Elateren fehlen.
[Illustration: Fig. 449. _A_ Riccia fluitans, untergetaucht schwimmende
Form. _B_ Riccia natans, Landform. Nat. Gr. _C_ Riccia natans.
Schwimmform mit langen Ventralschuppen. Vergr. 2. _B_ Nach GOEBEL, _C_
nach BISCHOFF.]
_3. Ordnung. Die Jungermanniales_, meist kleine, auf Erde oder
an Baumstämmen, in den Tropen auch auf Blättern von Waldpflanzen
lebende Lebermoose, weisen in ihren einfacheren Formen einen
breitlappigen Thallus wie Marchantia auf, z. B. die auf
feuchtem Erdboden häufige _Pellia epiphylla_, oder einen schmal
bandförmigen, dichotom verzweigten, ähnlich wie Riccia fluitans,
so die an Baumstämmen oder Felsen lebende _Metzgeria furcata_
(vgl. Fig. 94). Sodann gibt es Formen, deren breitlappiger, mit
Mittelrippe versehener Thallus bereits eine schwache Ausbildung
von blattähnlichen Gliedern an seinem Rande aufweist, so die
erdbewohnende _Blasia pusilla_ (Fig. 450). Die Mehrzahl aber
besitzt eine deutliche Gliederung in ein niederliegendes oder
aufstrebendes, reichverzweigtes, dorsiventrales Stämmchen und in
einschichtige Blättchen ohne Mittelnerv, die in zwei Zeilen an
den Flanken des Stämmchens mit schiefer Stellung ihrer Spreite
angeordnet sind (Fig. 451). Bei gewissen Gattungen tritt zu diesen
zwei Zeilen von Flankenblättern auch noch eine bauchständige Reihe
von kleineren und anders beschaffenen Blättchen, Amphigastrien oder
Bauchblättern, hinzu, so bei _Frullania Tamarisci_ (Fig. 452),
einem zierlich verzweigten, an Felsen und Baumstämmen häufigen
Lebermoos von bräunlicher Farbe. Die Flankenblätter gliedern sich
häufig in einen Oberlappen und einen Unterlappen. Der letztere
erscheint bei gewissen Arten, die an ihren Standorten zeitweise der
Gefahr des Vertrocknens ausgesetzt sind, sackartig ausgebildet und
dient als kapillarer Wasserbehälter, so bei _Frullania Tamarisci_.
Die Flankenblätter sind entweder #oberschlächtig#, wenn der
Hinterrand eines Blattes von dem Vorderrand des nächstunteren
überdeckt wird (Fig. 452 _Frullania_), oder #unterschlächtig#,
wenn der Hinterrand eines Blattes #über# dem Vorderrand des
nächstunteren liegt (Fig. 451).
[Illustration: Fig. 450. Blasia pusilla mit Sporogon _s_, _r_
Rhizoïden. Vergr. 2.]
[Illustration: Fig. 451. Plagiochila asplenioides mit Sporogon _s_.
Nat. Gr.]
Das #Sporogon# besitzt einen langen zarten und #weichen Stiel#;
es ist schon fertig ausgebildet, ehe es bei der rasch erfolgenden
Streckung des Stiels die Archegoniumwand durchbricht und als
häutige Scheide an seinem Grunde zurückläßt; es weist eine
kugelige, meist in vier Klappen sich öffnende Kapsel auf, bildet
keine Columella aus und erzeugt Sporen und Elateren. Bei einigen
Gattungen (_Pellia_, _Aneura_) sind in der Kapsel Elaterenträger
vorhanden, die aus Gruppen steriler elaterenähnlicher Zellen
bestehen. Die Kapselwandzellen sind mit ringförmigen oder
leistenartigen Verdickungen versehen oder gleichmäßig verdickt
bis auf die dünnen Außenwände. Das Aufspringen erfolgt durch die
Kohäsion des schwindenden Füllwassers unter Einbiegung der dünnen
Außenwände.
[Illustration: Fig. 452. Frullania Tamarisci, von unten. _o_
Flankenblatt, _ws_ als Wassersack ausgebildeter Unterlappen des
Flankenblattes, _a_ Amphigastrien. Vergr. 35.]
[Illustration: Fig. 453. Haplomitrium Hookeri. _a_ Anlagen neuer
Sprosse, _r_ Rhizome, _o_ untere Grenze des oberirdischen Sprosses.
Nach GOTTSCHE.]
Nach der Stellung der Sporogone gliedert sich die Mehrzahl der
Jungermanniales in zwei Gruppen. 1. Bei den #_Anacrogynae_# wird
der Scheitel zur Archegoniumbildung nicht mit verwendet, die
Sporogone stehen rückenständig und sind an ihrer Basis von einem
scheidenartigen Auswuchs des Thallus, einem Perichaetium, umgeben.
Hierher gehören die thallösen Formen (_Pellia_, _Metzgeria_) und
die Übergangsformen zu den beblätterten Formen (_Blasia_). 2.
Bei den #_Acrogynae_# dagegen stehen die Archegonien und somit
auch die Sporogone am Ende des Stengels oder seiner Äste und sind
von einem aus besonders gestalteten Blättchen gebildeten, nach
der Befruchtung heranwachsenden Perianth umhüllt. Hierher die
dorsiventral beblätterten Formen (z. B. _Plagiochila_, _Frullania_
und die artenreiche Gattung _Jungermannia_). 3. Eine vorgerückte
Stellung nehmen die _Haplomitrieae_ ein, die noch gewisse
Beziehungen zu den Anacrogynen aufweisen. Sie werden nur durch
zwei Gattungen vertreten, von denen _Calobryum_ in den Tropen,
_Haplomitrium Hookeri_ (Fig. 453) als einzige Art in Europa,
vielleicht als Überbleibsel präglazialer Lebermoose, vorkommt. Sie
weichen von allen übrigen Lebermoosen ab durch radiären Bau ihrer
dreizeilig oder ringsum beblätterten Sprosse. Die Sexualorgane sind
bei ersterer Gattung in terminalen Ständen vereinigt, bei letzterer
zwischen den oberen Blättern verteilt.
Klasse II.
Musci, Laubmoose [288],[400],[401],[415]-[422].
Die Laubmoose sind in ungemeiner Formenfülle in allen Zonen
verbreitet, sie wachsen auf trockenem Erdboden, in Sümpfen, an
Felsen, an Baumstämmen, in tropischen Wäldern auch als Epiphyten
auf den Baumästen, seltener im Wasser, und zeigen dementsprechend
sehr verschiedene Strukturen. Für sehr trockene Standorte sind
besonders dichte Polster oder Rasen charakteristisch, während die
typischen Bodenbewohner unserer Wälder in ausgebreiteten lockeren
oder dichteren Filzen vegetieren. In feuchten Bergwäldern der
Tropen und Subtropen besiedeln Laubmoose oft in unglaublichen
Mengen die Äste in Form schwellender Polster oder in Form lang
herabhängender Schleier[416]. Ausgedehnte Bestände bilden die
Torfmoose in Mooren, ferner rasenbildende Arten (besonders
_Polytrichum_) auf feuchtem Boden in den arktischen Moostundren.
Das reich verzweigte #Protonema# der Laubmoose erscheint dem bloßen
Auge als ein feiner grüner Filz (Fig. 434). Es entsendet in den Boden
Rhizoïden, chlorophyllfreie verzweigte Fäden, die sich durch schräge
Stellung ihrer Querwände auszeichnen. Am Protonema entstehen die
Knospen der Moospflänzchen als seitliche Ausstülpungen einzelner Zellen
des Hauptfadens, meistens aber der Anfangszellen der Protonemazweige.
Diese Ausstülpungen werden durch eine Querwand abgetrennt, teilen sich
weiter in eine oder auch in zwei Stielzellen und eine anschwellende
Endzelle, die bei ihrer weiteren Teilung die dreiseitig pyramidale
Scheitelzelle des #Moospflänzchens# liefert[417]. Letzteres ist stets
in Stengel und Blättchen gegliedert. Die Laubmoose unterscheiden sich
leicht von den beblätterten Jungermanniaceen durch die spiralige
Anordnung ihrer Blättchen, die nur selten zweizeilig gestellt sind.
Bei solchen Laubmoosen, die niederliegende Stengel haben, sind
die Blättchen bei spiraliger Anordnung häufig einseitswendig oder
gescheitelt, so daß zwar ein Gegensatz von Ober- und Unterseite, aber
in anderer Weise als bei den Lebermoosen, zustande kommt.
Der #Moosstengel# wird von Zellen aufgebaut, die nach der
Oberfläche zu enger und dickwandiger werden. Bei verschiedenen
Gattungen, z. B. bei _Polytrichum_, bei _Mnium_ (Fig. 96), findet
sich in der Achse des Stengels ein #zentrales Leitbündel# aus
langgestreckten Zellen vor. Diese Wasser und organische Substanzen
leitenden Bündel stehen auf niederer Stufe der Differenzierung:
sie führen weder echte Siebröhren noch echte Gefäße, enthalten
aber neben lebendigen Elementen auch plasmaleere wasserhaltige
Zellen. Sie fehlen ganz den _Sphagnaceen_ oder Torfmoosen, die an
sumpfigen Standorten leben. Der Stengel dieser Formen zeigt eine
eigentümliche Ausbildung der peripherischen Zellschichten, die
plasmaleer sind, mit großen offenen Poren untereinander und mit der
Atmosphäre in Verbindung stehen und spiralige Verdickungsleisten
als Aussteifungen an ihren Wandungen besitzen, somit einen Bau
aufweisen, der sie befähigt, Wasser mit Leichtigkeit aufzusaugen
und als kapillare Wasserbehälter und Leitungsbahnen zu dienen.
Die #Blätter# mancher Moose bestehen nur aus einer Schicht von
polygonalen chlorophyllführenden Zellen; meist aber sind sie in
der Mittellinie mehrschichtig und von einem aus dem Zentralstrang
des Stengels entspringenden Bündel langgestreckter Zellen
durchzogen. Den Torfmoosblättern geht letzteres ab, dagegen sind
sie eigenartig differenziert, indem ihre einschichtige Blattfläche
ähnliche plasmaleere wasserspeichernde Zellen führt wie die
Stengelperipherie. Diese Zellen sind hier groß, langgestreckt und
ebenfalls mit queren Verdickungsleisten und offenen Poren versehen.
Zwischen ihnen bilden die chlorophyllhaltigen, schmalen Zellen
ein zusammenhängendes Netz. Außer den Torfmoosen zeigt auch noch
die Familie der Leucobryaceen eine ähnliche Differenzierung der
Blattzellen (z. B. _Leucobryum glaucum_).
Eigenartigen Blattbau, der sich als Anpassung an die Wasseraufnahme
und Schutz gegen Trockenheit darstellt, besitzt unter den
Laubmoosen u. a. _Polytrichum commune_, der gemeine Widerton,
dessen mehrschichtige Blätter auf der Oberseite zahlreiche
einschichtige, dichtstehende Längslamellen aus chlorophyllhaltigen
Zellen tragen, die das assimilierende Gewebe vorstellen und in den
Zwischenräumen Wasser leiten und festhalten. Bei Trockenheit faltet
sich das Blatt mittels #Kohäsionsmechanismus# zusammen und legt
sich dicht dem Stamm an, wodurch die zarten Lamellen in eine vor
übermäßiger Transpiration geschützte Lage gebracht werden[418].
Überhaupt können viele Laubmoose unbeschadet große Trockenheit
vertragen.
Am Grunde des Stengels entspringen die fadenförmigen, verzweigten
#Rhizoïden# (Fig. 456, 458), die chlorophyllfrei sind, sonst aber
den gleichen Bau aufweisen wie das Protonema und auch gelegentlich
zu solchem auswachsen und neue Moospflänzchen in derselben Weise
wie dieses erzeugen können.
Die #Sexualorgane# stehen bei den Laubmoosen in Gruppen an den
Enden der Hauptachsen oder kleiner Seitenzweiglein, umgeben von
den obersten Blättchen, die oft als besondere Hüllblättchen,
#Perichaetium#, ausgestaltet sind (Fig. 458). Zwischen den
Sexualorganen steht gewöhnlich eine Anzahl von mehrzelligen, oft
mit kugeligen Endzellen versehenen #Safthaaren# oder #Paraphysen#.
Die Stände sind entweder zwitterig oder einhäusig oder zweihäusig.
Bei gewissen getrenntgeschlechtlichen Laubmoosen erscheinen die aus
besonderen Sporen hervorgehenden männlichen Pflanzen im Vergleich zu
den weiblichen als winzige Zwergpflänzchen, die nach Bildung einiger
weniger Blättchen bereits zur Erzeugung der Antheridien übergehen[419].
Die Antheridien und Archegonien der Laubmoose unterscheiden sich
entwicklungsgeschichtlich von denen aller übrigen Archegoniaten durch
den Aufbau ihres Körpers aus Segmenten einer bei ersteren Organen
zweischneidigen, bei letzteren aber dreischneidigen Scheitelzelle.
Das #Sporogon# der Laubmoose[420] weist in seiner Kapsel ein zentrales
Säulchen aus sterilem Gewebe, die #Columella#, auf, in deren Umkreis
der Sporensack mit den Sporen liegt (Fig. 460). Die Columella fungiert
als Nährstoffzuleiter und Wasserspeicher für die sich bildenden Sporen,
denen die plasmareichen Zellen der Sporensackwandung die Nährstoffe
zuführen. Elateren werden nie gebildet. Im jungen Sporogon liegt
außerhalb des Sporensackes ein wohlentwickeltes Assimilationsgewebe,
das von einer Epidermis bedeckt wird. Bei den meisten Laubmoosen
sind im unteren Teile der Kapselwandung Spaltöffnungen ausgebildet.
Die reife Kapsel zeigt eine Fülle eigenartiger Strukturen, die zu
ihrer Öffnung dienen und das Ausstreuen der Sporen vermitteln. Der
Kapselstiel, die #Seta#, hebt die Kapsel empor, so daß der Wind
die Sporen leicht weithin verbreiten kann. Im einzelnen weist die
Gestaltung des Sporogons bei den drei Ordnungen der Laubmoose, nämlich
den _Sphagnales_, den _Andreaeales_ und den _Bryales_, mancherlei
Verschiedenheiten auf.