Die Mannaflechte, _Lecanora esculenta_, ist eine ursprünglich auf

Gestein lebende alpine Krustenflechte des Orients. Sie zerfällt

in Stücke, die zu kugeligen Knollen von 7-12 mm Durchmesser

heranwachsen und vom Winde weithin in die Steppen und Wüsten

Südrußlands, Kleinasiens und Nordafrikas verbreitet werden. Hier

dienen sie den Eingeborenen als #Nahrungsmittel#, den Tartaren zur

Bereitung von Erdbrot. Auch _Cetraria islandica_ (Fig. 426) kann

nach Auswässerung ihrer Bitterstoffe wegen ihres reichen Gehalts

an Kohlehydraten (Flechtenstärke) als Nahrungsmittel zu Brot

und zu Gallerte verwendet werden. _Cladonia rangiferina_ (Fig.

430) bildet die wichtigste Nahrung der Renntiere, kann auch nach

Entbitterung als Futter für Vieh und Geflügel benutzt werden und

dient in Norwegen zur Gewinnung von Alkohol. In Japan wird eine an

Stärke und Gallerte reiche felsbewohnende Laubflechte, _Gyrophora

esculenta_, mit kreisrundem, 3-13 cm großem, in der Mitte dem

Substrat angewachsenem bräunlichen Thallus, als wohlschmeckendes

Nahrungsmittel viel benutzt.

Einige an Flechtensäuren besonders reiche Arten werden zur

Darstellung der Farbstoffe #Orseille#, #Persio#, #französischer

Purpur# und #Lackmus# verwertet, in erster Linie _Roccella_-Arten

(besonders _R. Montagnei_, _R. tinctoria_ (Fig. 427), _R.

fuciformis_ und _R. phycopsis_, die an Küstenfelsen wärmerer Länder

wachsen, ferner die Krustenflechte _Ochrolechia tartarea_ im

nördlichen Europa und Amerika.

II. Bryophyta, Moospflanzen[288],[400],[401]-[425].

Die Moospflanzen umfassen die _Lebermoose_ (_Hepaticae_) und die

_Laubmoose_ (_Musci_). Sie sind in ihrer äußeren Gliederung zwar noch

Thallophyten, unterscheiden sich aber von diesen durch den eigenartigen

Bau ihrer Geschlechtsorgane, der #Antheridien# und #Archegonien#,

die in ähnlicher Ausbildung auch bei den Pteridophyten wiederkehren.

Bryophyten und Pteridophyten werden daher den Thallophyten gegenüber

auch als _Archegoniaten_ bezeichnet.

Außer der sexuellen Fortpflanzung findet allgemein bei den Moosen

wie auch bei den Pteridophyten eine ungeschlechtliche durch

einzellige, mit Membran umkleidete, an die Verbreitung in der Luft

angepaßte #Sporen# statt. Beide Fortpflanzungsweisen wechseln stets

miteinander ab und sind auf zwei scharf geschiedene Generationen

verteilt, eine geschlechtliche (#Gametophyt#), welche die Sexualorgane

erzeugt, und eine ungeschlechtliche (#Sporophyt#), welche die Sporen

hervorbringt. Die geschlechtliche Generation geht aus der Spore

hervor, die ungeschlechtliche aus der befruchteten Eizelle. Die Zahl

der Chromosomen der Zellkerne ist im Sporophyt doppelt so groß als

im Gametophyt. Bei der Vereinigung der Sexualkerne wird die doppelte

Chromosomenzahl gewonnen, bei der Teilung der Sporenmutterzellen

dagegen die Reduktion auf die Hälfte vollzogen. Dieser regelmäßige

#Generationswechsel# ist charakteristisch für alle Archegoniaten. Bei

den Bryophyten stellt die Moospflanze den haploiden Gametophyten,

die gestielte Sporenkapsel den diploiden Sporophyten dar; bei den

Pteridophyten ist der Gametophyt eine kleine Thalluspflanze, der

Sporophyt hingegen ein stattlicher Kormophyt.

[Illustration: Fig. 434. Funaria hygrometrica. _A_ Keimende Spore, _ex_

Exine. _B_ Protonema mit Knospen _kn_ und Rhizoïden _r_, _s_ Spore.

Vergrößert. Nach MÜLLER-THURGAU.]

Die die #geschlechtliche Generation# liefernde Spore, deren Wand aus

zwei Häuten, einer äußeren kutinisierten Exine und einer inneren

zarten Intine besteht, keimt unter Sprengung ihrer Exine zu einem

Schlauche aus, der bei den Lebermoosen alsbald an seinem vorderen

Ende zur Ausbildung der Moospflanze schreitet, während er bei den

meisten Laubmoosen zunächst ein aus verzweigten Zellfäden bestehendes

#Protonema# erzeugt. Dieses gliedert sich in chlorophyllführende

aufwärts wachsende Fäden und in farblose, in den Boden eindringende

#Rhizoïden# (Fig. 434). An dem Protonema entstehen aus seitlichen

Knospen die beblätterten #Moospflanzen#. Protonema und Moospflanze

stellen aber, auch wo sie in solcher Weise voneinander abgesetzt sind,

nur die eine, geschlechtliche Generation der Pflanze vor. Alle Moose

wachsen mittels Scheitelzellen heran (S. 70). Viele Lebermoose weisen

noch einen aus dichotomisch verzweigten Lappen bestehenden Thallus

(Fig. 448 u. 449) auf, der an seiner Basis oder an seiner Unterseite

mittels Rhizoïden festgeheftet ist; sie wiederholen somit den

vegetativen Aufbau mancher Algen. Bei höheren Lebermoosen und bei allen

Laubmoosen ist dagegen eine scharfe Gliederung der Pflanze in Stämmchen

und kleine Blättchen durchgeführt (Fig. 451 u. 458). An den unteren

Teilen der Stämmchen entspringen Rhizoïden; echte Wurzeln fehlen den

Moosen, die sich somit in ihrer äußeren Gestaltung nicht über die Stufe

eines #reichgegliederten Thallus# erheben, wie wir ihn beispielsweise

bei Sargassum unter den Braunalgen antreffen. Die Moosstämmchen und

Blätter sind von einfacher anatomischer Struktur; sie werden, wenn

überhaupt, nur von sehr einfachen, aus gestreckten Zellen gebildeten

Leitbündeln durchzogen. Die Sexualorgane, Antheridien und Archegonien

entspringen, in der Regel zu mehreren, bei thallösen Formen dem Rücken

des Thallus, bei den in Stengel und Blätter gegliederten Formen auf dem

Scheitel des Stämmchens oder seiner Äste.

Die #Antheridien#[401] (Fig. 435) oder männlichen Organe sind auf

einem mehrzelligen Stiele sitzende, kugelige oder keulenförmige

Gebilde, deren dünne, meist einschichtige Wandung zahlreiche kleine

kubische Zellen umschließt, von denen eine jede sich schließlich

in zwei Spermienzellen diagonal oder quer teilt[402]. Das Öffnen

des Antheridiums vollzieht sich bei den Laubmoosen an seiner Spitze

in einer aus einer oder mehreren Zellen bestehenden besonderen

Öffnungskappe, deren schleimhaltiger Inhalt aufquillt und so die

Kutikula aufsprengt (Fig. 440 _A_); bei den Lebermoosen ist die Kappe

nicht scharf abgegrenzt, die schleimhaltigen aufquellenden Wandzellen

reißen im oberen Teile des Antheridiums unregelmäßig auseinander. Nun

werden die Spermienzellen entleert, aus denen durch Verquellung ihrer

Wandung die Spermien als kurze, etwas gewundene Fäden frei werden, die

nahe am Vorderende zwei lange feine Zilien tragen (Fig. 435).

[Illustration: Fig. 435. Marchantia polymorpha. _A_ Ein fast reifes

Antheridium im Durchschnitt, _p_ Paraphysen. Vergr. 90. _B_ Spermien.

Vergr. 600. Nach STRASBURGER.]

[Illustration: Fig. 436. Antheridiumentwicklung von Fegatella conica,

einem Marchantiaceen-Lebermoos. _A_ Einzellige Anlage. _B_ Die

Stielzelle _st_ abgetrennt. _C_, _D_ Querscheibenzellen abgeteilt,

die sich durch senkrechte Wände fächern. _E_ Anlage der Wandschicht

_w_. _F_ Halbreifes Stadium. _A_-_E_ Vergr. 400. _F_ Vergr. 220. Nach

BOLLETER.]

Die #Entwicklung des Antheridiums# erfolgt durch Teilung einer

Oberflächenzelle; nur bei _Anthoceros_ (Fig. 445) wird es

endogen angelegt. Bei den übrigen tiefer stehenden Lebermoosen

(_Marchantiales_) teilt sich diese Zelle in scheibenförmige

Quersegmente, die durch senkrechte Wände in je vier Zellen zerlegt

werden, worauf in diesen Quadranten durch tangentiale Wände die

peripherischen Wandzellen sich von den inneren, das spermatogene

Gewebe liefernden Zellen abteilen (Fig. 436 _A_-_F_). Bei den

höheren Lebermoosen (_Jungermanniales_) wird die Ausgangszelle

in drei Quersegmente zerlegt, von denen nur das oberste den

Antheridienkörper liefert, indem es sich zunächst senkrecht in

zwei Zellen teilt: dann wird in diesen durch je zwei schiefe

aufeinanderfolgende Längswände die Anlage der Wandung und die des

spermatogenen Gewebes geschieden. Bei den Laubmoosen (_Musci_)

hingegen baut sich das Antheridium auf aus Segmenten einer

zweischneidigen Scheitelzelle, die aus der obersten Querscheibe

durch zwei schräge Wände herausgeschnitten wird. Die einzelnen

Segmente werden dann in peripherische Wandzellen und je eine,

spermatogenes Gewebe liefernde Innenzelle zerlegt (Fig. 437

_A_-_F_).

Die #Archegonien# (Fig. 438)[401] stellen kurzgestielte,

flaschenförmige Organe vor, deren Wandung einen Bauchteil und

einen Hals unterscheiden läßt. Der Bauchteil umschließt eine große

Zentralzelle, deren Inhalt kurz vor der Reife in die Eizelle und in

eine am Grunde des Halses gelegene Bauchkanalzelle zerfällt. An diese

schließt im Halse eine zentrale Reihe von Halskanalzellen an, deren

Zahl bei den Lebermoosen geringer (4 oder 8), bei den Laubmoosen größer

(etwa 10-30 oder noch höher) ist. Die Öffnung des Halses geschieht

dadurch, daß seine obersten schleimhaltigen Zellen aufquellen, die

Kutikula zerreißen und sich, oft in Form von vier Lappen, zurückrollen

(Fig. 440 _B_)[403]. Die Kanalzellen verquellen alsdann zu Schleim. Da

der Befruchtungsvorgang sich nur im Wasser vollziehen kann, so erfolgt

er bei den Landformen nur nach Benetzung durch Regen oder Tau. Die

Bewegungsrichtung der Spermien, die auf die Archegonien zusteuern und

den Hals hinab zum Ei gelangen, wird bestimmt durch besondere Stoffe,

die aus dem weiblichen Organ herausdiffundieren.

[Illustration: Fig. 437. Antheridiumentwicklung von Funaria

hygrometrica, einem Laubmoos. _A_ Querteilung der Anlage. _B_

Bildung der Scheitelzelle aus der obersten Zelle. _C_ Teilungen der

Scheitelzelle. _D_ Scheidung in Wandung und Anlage des spermatogenen

Gewebes. _E_ Desgleichen im Querschnitt. _F_ Älteres Stadium. Nach D.

CAMPBELL.]

[Illustration: Fig. 438. Marchantia polymorpha. _A_ Junges,

_B_ geöffnetes, _C_ befruchtetes Archegonium mit achtzelligem

Keimling, _k′_ Halskanalzellen, _k″_ Bauchkanalzellen, _o_ Ei, _pr_

Pseudoperianth. Vergr. 540. Nach STRASBURGER.]

[Illustration: Fig. 439. Entwicklung des Lebermoosarchegoniums.

_A_ (Längsschnitt) und _B_ (Querschnitt) Teilung der oberen Zelle

durch drei Wände. _C_ Die mittlere Zelle in Deckelzelle _d_ und

Innenzelle _i_ geschieden. _D_ Die Innenzelle geteilt in Anlage

der Halskanalzellen _hk_ und Zentralzelle _c_, die die Eizelle und

Bauchkanalzelle liefert. _st_ Stielanlage. Nach GOEBEL.]

Die Samenfäden der Laubmoose werden von #Rohrzuckerlösung#

angelockt, diejenigen des Lebermooses Marchantia von

#Proteïnstoffen#, außerdem bei Versuchen auch von Kalium-,

Rubidium- und Cäsiumsalzen[404].

Die #Entwicklung des Archegoniums# vollzieht sich aus einer

Oberflächenzelle. Bei den Lebermoosen teilt sie sich in eine den

Stiel liefernde untere Zelle und in eine obere Zelle, die durch

drei Längswände in drei äußere und eine mittlere zerlegt wird,

diese wiederum durch eine Querwand in eine Deckelzelle und eine

Innenzelle. Aus den äußeren Zellen geht die Wandung des Hals-

und Bauchteiles hervor, aus der Innenzelle die Halskanalzellen,

Bauchkanalzelle und Eizelle (Fig. 439). Bei den Laubmoosen

dagegen wird in der Ausgangszelle durch zwei schiefe Wände eine

zweischneidige Scheitelzelle abgeteilt, deren Segmente den Stiel

aufbauen. Dann wird die endständige zweischneidige Zelle durch

drei schräge Wände und eine Querwand in eine dreischneidige, unten

abgestutzte Scheitelzelle, eine unter dieser liegende Zentralzelle

und drei peripherische Wandzellen zerlegt. Die Zentralzelle liefert

die Eizelle, Bauchkanalzelle und Halskanalzellen, die Scheitelzelle

dagegen aus ihren Segmenten die Wandung des Halsteils und durch

Querteilung auch noch die obersten Halskanalzellen. Die Sphagnaceen

nehmen nach MELIN eine Mittelstellung ein, insofern der Stiel wie

bei den Laubmoosen, der Archegoniumkörper aber ähnlich wie bei den

Lebermoosen ohne dreiseitige Scheitelzelle gebildet wird.

Antheridien und Archegonien sind, wie aus gelegentlich auftretenden

intermediären Gebilden hervorgeht, homologe Organe; Bauchkanal- und

Halskanalzellen würden demnach funktionslos gewordene Gametenzellen

vorstellen. Die Bauchkanalzelle ist in der Regel kleiner als

die Eizelle, kann aber zuweilen gleichwertig mit der Eizelle

ausgebildet werden. Auch können sich gelegentlich mehrere Eizellen

in einem Archegoniumbauch entwickeln, so bei Sphagneen vier oder

noch mehr.

Nach der Befruchtung teilt sich die Zygote und entwickelt sich

im Archegonium weiter zum Embryo, ohne erst einen Dauerzustand

durchzumachen (Fig. 438 _C_). Der Embryo wächst heran zum #Sporogon#,

das die #ungeschlechtliche Generation# vorstellt, die aber

zeitlebens mit der anderen Generation verbunden bleibt und wie eine

halbparasitische Pflanze von dieser zum Teil die zu ihrer Entwicklung

nötigen Substanzen bezieht. Das #Sporogon# ist ein kürzer oder

länger gestielter, rundlicher oder ovaler Sporenbehälter, in welchem

zahlreiche Sporen erzeugt werden. Allgemein entstehen die Sporen der

Moose, wie auch die der Farnpflanzen und Samenpflanzen zu #vier#,

in #Tetraden#, durch zweimalige, mit Reduktion der Chromosomenzahl

verbundene Teilung der Sporenmutterzellen, die sich vorher voneinander

loslösen und abrunden.

[Illustration: Fig. 440. _A_ Spitze des entleerten Antheridiums von

Polytrichum mit Resten der Öffnungskappe, halbiert gezeichnet. Nach

GOEBEL. _B_ Geöffneter Hals des Archegoniums von Mnium undulatum. Nach

ZIELINSKI.]

Bei den Laubmoosen dringt der untere, als Saugorgan dienende

Teil des Embryos in das sich oft stark vergrößernde Gewebe des

Archegoniumstieles, in manchen Fällen sogar bis in das Gewebe des

Stämmchens ein. Dieses Gewebe und der mitwachsende Archegoniumbauch

bilden dann zusammen die #Hülle#, die schließlich von dem sich

streckenden Embryo durchbrochen wird. Der oberste, aus dem

Archegoniumbauch hervorgegangene Teil der Hülle wird dabei als

#Calyptra# oder Haube emporgehoben, während der untere als Scheide

den Sporogonstiel an seiner Basis umgibt. In ähnlicher Weise wird

auch die Hülle bei einem Teil der Lebermoose (so in der Regel

bei den Marchantiales) gebildet; bei den übrigen aber wächst der

Embryo mit seiner Basis in das unter dem Archegonium befindliche

Thallus- oder Stämmchengewebe mehr oder weniger tief hinein; auch

kann in bestimmten Fällen das dem Archegonium benachbarte Gewebe zu

einem beutelartigen, meist in den Boden eindringenden Gebilde, dem

#Marsupium#, heranwachsen, in welches das Archegonium mit seinem

Embryo hineinversenkt erscheint. So kommt es schließlich für diesen

zur Bildung eines eigenartigen Schutz- und Ernährungsorganes.

Die #Entwicklung der Sporogone#[405] zeigt bemerkenswerte

Verschiedenheiten. Bei den #niederen Lebermoosen# (_Marchantiales_)

teilt sich die Zygote quer und längs in 8, dann radial weiter in

16 Zellen und diese durch perikline Wände in äußere und innere

Zellen (Fig. 441). Aus der unteren Hälfte des Embryos geht der

Fuß und der kurze Stiel hervor, aus der oberen die Kapsel, deren

zentrale Zellen, das #Archespor#, das vielzellige sporogene Gewebe

liefern. Diese Zellen werden zum Teil zu Sporenmutterzellen;

zum Teil bleiben sie steril und dienen zunächst als Nährzellen

für die ersteren (Fig. 441 _C_). Dann wachsen die Nährzellen

meist zu faserförmigen Gebilden mit schraubenbandförmigen

Wandverdickungsleisten heran, zu #Schleudern# (#Elateren#), die

nach der Öffnung ihrer Kapsel durch ihre hygroskopischen Bewegungen

die Sporen auflockern und ausstreuen. Nur bei den _Ricciaceen_

werden sämtliche Zellen des inneren Gewebes zu Sporenmutterzellen,

und das ganze Sporogon ist hier zu einer rundlichen ungestielten

Kapsel mit einschichtiger Wand vereinfacht.

[Illustration: Fig. 441. Sporogonentwicklung von Corsinia

marchantioides, einem Marchantiaceen-Lebermoos. _A_ Die Zygote in

16 Zellen geteilt. _B_ Die untere Hälfte des Embryos entwickelt

sich zum Fuß, die obere zur Kapsel, _w_ Wandzellen, _ar_ Archespor.

Vergr. 170. _C_ Älteres Sporogon. In der Kapsel die aus dem Archespor

hervorgegangenen Sporenmutterzellen und kleineren sterilen Zellen.

Letztere erfahren bei Corsinia keine Weiterentwicklung zu Elateren.

Vergr. 90. Nach K. MEYER.]

Bei den #höheren Lebermoosen# (_Jungermanniales_) teilt sich die

Zygote erst einigemale quer, die unterste Zelle wird meist zu einem

ein-, selten mehrzelligen Saugorgan, die oberen Zellen liefern Fuß,

Stiel und Kapsel. Aus dem sporogenen Gewebekomplex gehen auch hier

neben den Sporenmutterzellen sterile Zellen hervor, die bei den

meisten Gattungen wiederum zu Elateren sich weiterentwickeln.

Die Lebermoosgruppe der _Anthocerotales_ weicht im Bau des

Sporogons bedeutend von den vorher genannten ab und nähert sich in

einigen Eigentümlichkeiten den Laubmoosen (vgl. S. 423).

[Illustration: Fig. 442. Sporogonentwicklung von Funaria hygrometrica,

einem Laubmoos. _A_, _B_ Längsschnitt. Erste Teilungen der Zygote, _s_

Scheitelzelle. _C_-_E_ Querschnitt. _C_ Teilung in Endothecium _e_

und Amphithecium _a_. _D_ Weitere Teilungen. _E_ Älteres Sporogon, im

Endothecium die äußerste Zellschicht, das Archespor _ar_, abgeteilt von

der Columella _c_. Nach CAMPBELL.]

Bei den #Laubmoosen# besitzt das Sporogon einen axilen, der

Stoffleitung dienenden Strang sterilen Gewebes, eine #Columella#,

in deren Umkreis das Archespor in Form einer meist einfachen

Zellschicht angelegt wird. Bei den _Sphagnales_ (Fig. 454 _C_)

und den _Andreaeales_ überwölbt die Archesporschicht kuppelförmig

die Columella, bei den _Bryales_ (Fig. 460) dagegen hat sie die

Form eines Zylindermantels. Der langgestreckte Embryo baut sich

aus Quersegmenten auf, die bei den Sphagnales durch Querteilung

der Zygote entstehen; bei den übrigen Laubmoosen aber, deren

Zygote zuerst auch quergeteilt wird, treten in der oberen Zelle

schiefe Wände auf und die von ihnen gebildete zweischneidige

Scheitelzelle scheidet nach beiden Seiten hin Quersegmente ab, die

sich dann weiter teilen. In den Quersegmenten, die die Mooskapsel

liefern, findet zunächst eine Längsteilung statt, dann in den so

entstandenen Quadranten durch perikline Wände die Zerlegung in

äußere Zellen (#Amphithecium#) und innere Zellen (#Endothecium#)

(Fig. 442). Das #Archespor# entsteht nur bei den Sphagnales

als innerste Zellschicht des Amphitheciums, bei allen übrigen

Laubmoosen dagegen als äußerste Zellschicht aus dem Endothecium.

Es liefert ausschließlich Sporen, aber keine sterilen Zellen (Fig.

443).

[Illustration: Fig. 443. Funaria hygrometrica. Querschnitt durch

das Archespor (_A su_) und die aus ihm hervorgegangenen, noch nicht

isolierten Sporenmutterzellen (_B sm_). Nach GOEBEL.]

Die Moose sind bis auf wenige, sekundär zum Leben im Wasser

übergegangene Formen Landpflanzen im Gegensatz zu den Algen

und zeigen dementsprechende Anpassungen in ihrer anatomischen

Struktur. So sind alle ihre oberirdischen Teile von einer Kutikula

überzogen. Die bemerkenswerte Kleinheit der Moose im Vergleich zu

den Farnpflanzen steht in Zusammenhang mit ihrem einfachen zelligen

Aufbau, mit dem Mangel echter Gefäße und echter Wurzeln. Manche

Arten sind winzige Pflänzchen, die größten Laubmoose sind die

neuseeländischen _Dawsonien_, deren einfache beblätterte Stämmchen

bis 50 cm Höhe erreichen.

Viele Moose besitzen rötliche, bräunliche, einige sogar fast

schwarze Färbung, die in den meisten Fällen durch besondere

Membranfarbstoffe (Anthocyane und Phlobaphene), seltener durch

gefärbten Zellsaft bedingt ist[406].

Die Moose weisen eine ungemeine #Regenerationsfähigkeit# aus

abgeschnittenen Stücken aller ihrer Organe auf; ferner ist bei

ihnen vegetative Vermehrung durch Brutkörper und Brutknospen sehr

verbreitet, die am Thallus, an den Stämmchen, an den Blättern, am

Protonema in verschiedener Art entstehen und sich loslösen[407].

Die #phylogenetische Ableitung# der Bryophyten von einer

#bestimmten# Algengruppe begegnet Schwierigkeiten. Zwischen

den Moosen einerseits, den höherstehenden Grünalgen und den

Characeen andererseits sind keine einen Übergang vermittelnde

Formen bekannt. Der morphologische Vergleich ergibt vielmehr eher

eine Anknüpfung der Moose an Braunalgen, deren vielfächerige,

bei einigen Gattungen bereits in Antheridien und Oogonien

differenzierte #Gametangien als homologe Vorläufer der Antheridien

und Archegonien# der Archegoniaten gelten dürfen. So zeigt das

Antheridium der niederen Lebermoose noch ganz übereinstimmenden

Zellenaufbau mit Braunalgengametangien (vgl. Fig. 436, 355, 357);

es unterscheidet sich von ihnen durch den Besitz einer sterilen,

schützenden Wandschicht, deren Differenzierung als eine Anpassung

an terrestrische Lebensweise angesehen werden kann. Ferner zeigt

sich unter den Braunalgen, z. B. bei Dictyota, ein mit dem der

Moose übereinstimmender Generationswechsel. Gametophyt und

Sporophyt haben allerdings dort in ihrem vegetativen Bau gleiche

Form. Den #Tetrasporangien# des Dictyotasporophyten #entsprechen

die Sporenmutterzellen# des Moossporophyten, deren endogene Anlage

in zusammenhängenden Schichten auf den Einfluß terrestrischer

Lebensweise sich zurückführen ließe. Der Sporophyt der Moose geht

frühzeitig zur Entwicklung seiner Sporen über, beschließt damit

sein Wachstum, ohne erst eine Gliederung in vegetative Organe zu

erfahren, und wird so wesentlich verschieden von dem Gametophyten,

dessen Gestaltung bei den thallösen Lebermoosen mit dem Thallus

gewisser Braunalgen manche Analogien aufweist[408].

Die beiden scharf geschiedenen Klassen der Bryophyten charakterisieren

sich kurz folgendermaßen:

1. _Hepaticae_, _Lebermoose._ Geschlechtliche Generation mit schwach

entwickeltem und meist nicht scharf abgesetztem Protonema, ihr

Thallus entweder flächenförmig und gabelteilig oder in Stämmchen mit

dorsiventral angeordneten Blättchen gegliedert. Der Sporenbehälter

erzeugt bei den meisten außer Sporen auch Elateren. Nur bei einer

Ordnung, den Anthocerotales, wird in der Kapsel eine Columella

ausgebildet.

2. _Musci_, _Laubmoose._ Vorkeim der geschlechtlichen Generation meist

kräftig entwickelt, scharf abgesetzt, Thallus stets in Stämmchen

und Blättchen gegliedert. Die Blätter in spiraliger, mehrzeiliger,

seltener in zweizeiliger Anordnung, Stämmchen also poly- oder seltener

bisymmetrisch beblättert. Sporenbehälter stets ohne Elateren, aber mit

Columella.

#Fossile Moose.# Die Lebermoose sind primitiver organisiert als

die Laubmoose, scheinen auch älter zu sein, da ihre fossilen Reste

vereinzelt bis zum Karbon hinab, mit einiger Sicherheit aber erst

im Mesozoikum gefunden werden, während die ersten Laubmoose aus

der oberen Kreide bekannt wurden. Die meisten fossilen Moosreste

entstammen dem Tertiär und zeigen größte Ähnlichkeit mit heutigen

Gattungen.

#Klasse# I.

Hepaticae, Lebermoose[288], [400], [401], [409]-[415].

Die Mehrzahl der Lebermoose bewohnt feuchte Standorte und besitzt

dementsprechend hygrophile Struktur. Echte Wasserpflanzen sind

unter ihnen nur spärlich vertreten. Manche zarte Jungermanniaceen

leben versteckt in Laubmoosfilzen. Weniger zahlreich sind Formen,

die extrem trockene Standorte auf Baumrinden und Felsen oder auf

dem Boden bewohnen und xerophilen Bau sowie Einrichtungen zum

Wasserspeichern besitzen. Unter den epiphytischen Arten sind

die kleinen, epiphyllen, d. h. auf Blättern lebenden Lebermoose

feuchter Tropenwälder bemerkenswert. Im allgemeinen spielen

die Lebermoose keine bedeutende Rolle in der Zusammensetzung

kryptogamer Pflanzenformationen.

Die Rhizoïden vieler Lebermoose, namentlich der Jungermanniaceen,

sowie auch die chlorophyllfreien Thallusgewebe bei Marchantiaceen

werden häufig von endophytischen Pilzfäden (u. a. des Mucor

rhizophilus) besiedelt, die den Moosen keinen besonderen Nutzen,

aber auch keinen bedeutenden Schaden bringen[410].

Lehrbuch der Botanik für Hochschulen · 第 59 / 90 段