5. Als artenreichste Gruppe sind schließlich die #_Agaricaceen_#

oder Blätterschwämme zu nennen, deren Hüte auf der Unterseite

radiale #Lamellen# tragen, die mit dem Hymenium überzogen sind. Die

Fruchtkörperanlagen sind rundliche Körper, in denen sich bald der

Stiel und der Hut differenzieren. Bei vielen Blätterpilzen spannt

sich eine dünne Hyphenhaut (#Velum#) in dem jungen Fruchtkörper

vom Hutrand quer zum Stiel; sie reißt später ein und kann als

ringförmiger, festsitzender oder verschiebbarer Hautlappen

(#Annulus#) am Stiele verbleiben (Fig. 417). Manche Arten besitzen

auch eine oben am Stiel hängende Haut (#Manschette#, #Armilla#),

die sich unter dem Hut von der Stieloberfläche ablöst. Bei

_Amanita_ (Fig. 418-420) und Verwandten ist eine gemeinsame Hülle

vorhanden, die am Grunde des Stiels als #Volva# und auf dem Hut in

weißen Fetzen zurückbleibt.

Manche Blätterschwämme Mitteleuropas werden als vorzügliche

#Speiseschwämme# geschätzt, so vor allem der auch in Kultur

genommene Champignon oder Egerling, _Psalliota campestris_ (Fig.

417), mit weißlichem Hut und erst weißen, dann rosenroten, zuletzt

braunschwarzen Lamellen; ferner der Pfifferling oder Eierschwamm,

_Cantharellus cibarius_, mit dottergelbem, kreiselförmigem Hut;

der Reizker, _Lactaria deliciosa_, mit rotgelbem Hut und rotgelbem

Milchsaft in besonderen Hyphenschläuchen; _Lactaria volema_, der

Brätling, mit rotbraunem Hut, dickem Stiel und weißem Milchsaft;

_Tricholoma equestre_, der Grünling, mit braungelber Hutoberseite,

sonst schwefelgelb gefärbt; der Parasolschwamm, _Lepiota procera_,

mit weißem braunbeschupptem Hut; der Kaiserling, _Amanita

caesarea_, mit orangefarbigem, oben anfangs einige dicke lose

weiße Hautfetzen tragendem Hut und gelben Lamellen. Eßbar sind auch

die bräunlichen Fruchtkörper des Hallimasch, _Armillaria mellea_,

der als sehr verderblicher Baumparasit an Laub- und Nadelhölzern

auftritt; sein Myzel zeichnet sich aus durch Bildung #photogener#

Substanzen, die das Leuchten des infizierten Holzes im Dunkeln

bedingen[293]. Bemerkenswert sind ferner die als #Rhizomorphen#

bezeichneten Dauerzustände seines Myzels, schwarze verzweigte

Stränge unter der Rinde oder zwischen den Wurzeln der Nährbäume.

Verhältnismäßig gering ist die Zahl der giftigen Blätterschwämme.

In erster Linie sind zu nennen der Fliegenschwamm, _Amanita

muscaria_ (Fig. 418), mit weißen Lamellen; die oft mit dem

Champignon verwechselten, tödlich wirkende Gifte enthaltenden

Knollenblätterschwämme, nämlich die besonders giftige, auf der

Hutoberfläche heller oder dunkler grünlich gefärbte _A. phalloides_

(Fig. 419), die rein weiße _A. verna_ und die gelblichweiße

_A. mappa_ (Fig. 420), alle drei mit weißen Lamellen und mit

dickknolligem Stielfuß, der bei den zwei erstgenannten Arten eine

große gelappte Scheide trägt, bei der dritten Art aber nur kantig

gesäumt ist; der Speiteufel, _Russula emetica_, mit rötlichem Hut

und weißen Lamellen; der Giftreizker, _Lactaria torminosa_, mit

rotbraunem, zottigem Hut und weißem Milchsaft.

[Illustration: Fig. 418. Amanita muscaria, Fliegenpilz. ½ nat. Gr. --

#Giftig.#]

[Illustration: Fig. 419. Amanita phalloides. Grünlicher

Knollenblätterschwamm. ½ nat. Gr. -- #Sehr giftig.#]

[Illustration: Fig. 420. Amanita mappa. Gelber Knollenblätterschwamm.

½ nat. Gr. -- #Giftig.#]

Ökologisch sehr interessant ist die südbrasilianische Agaricinee

_Rozites gongylophora_, deren Myzel nach A. MÖLLER von den

#Blattschneiderameisen# in ihren Nestern auf herbeigeschleppten und

zerkauten Blattstückchen regelrecht #kultiviert# wird. Das Myzel

erzeugt hier kugelige, dicht mit Plasma erfüllte Anschwellungen

seiner Hyphenenden, die sog. Kohlrabiköpfchen, welche den Ameisen

als Nahrung dienen. Die Ameisen verhindern die Entwicklung der

Konidien, die als Nebenfruktifikation dem Pilze eigen sind und nur

bei Kultur des Myzels ohne Ameisen gebildet werden, erhalten also

den Pilz in ihren Nestern stets in seinem vegetativen Zustande.

Die Fruchtkörper finden sich nur selten auf den Nestern; sie haben

in ihrer Form Ähnlichkeit mit denen des Fliegenschwamms, zu dessen

Verwandtschaft Rozites gehört. Im tropischen Asien wird nach

HOLTERMANN das Myzel von _Agaricus Rajab_ von Termiten in ihren

Nestern kultiviert[391].

#Offizinell#: _Fomes fomentarius_, liefert #Fungus Chirurgorum#

(Pharm. germ. austr.). -- _Polyporus officinalis_ (= Boletus

laricis) Lärchenschwamm liefert #Agaricus albus# (Pharm. helv.)

oder #Fungus Laricis# (Pharm. austr.), #Agaricinum# (Pharm. germ.)

und #Acidum agaricinum# (Pharm. helv.).

_7. Ordnung. Gasteromycetes, Bauchpilze_[373]. Die Gasteromyceten

haben #geschlossene Fruchtkörper#, die sich erst nach der

Sporenreife öffnen, wobei die als #Peridie# bezeichnete äußere

Hyphenrinde in charakteristischer Weise aufplatzt. Die von der

Peridie umschlossene sporenbildende Innenmasse wird insgesamt

als #Gleba# bezeichnet. Die Gleba ist von zahlreichen Kammern

durchsetzt, die von dem Basidienhymenium ausgekleidet werden, oder

sie ist erfüllt von locker verflochtenen Hyphen, deren Zweige in

Basidien endigen.

Das Myzel lebt saprophytisch im Humusboden der Wälder und Wiesen.

Die Fruchtkörper aber erheben sich über die Oberfläche. Nur die

Gruppe der _Hymenogastreen_ besitzt unterirdische, trüffelähnliche

Fruchtkörper.

Verhältnismäßig einfach gebaut ist der Fruchtkörper von

_Scleroderma vulgare_, dem Hartbovist, dessen breitkugelige, meist

5 cm dicke Basidienfrucht eine weißlich braune, lederartige, am

Scheitel rissig gefelderte Peridie besitzt (Fig.421, _1_). Die im

reifen Zustande schwarze Gleba ist von zahlreichen sterilen Adern

durchzogen und erfüllt mit birnförmigen Basidien, die vier sitzende

kugelige Sporen tragen (Fig. 421, _2_). Der Hartbovist gilt als

giftig und wird zuweilen mit Trüffeln verwechselt.

[Illustration: Fig. 421. _1_ Scleroderma vulgare, Fruchtkörper. _2_

Basidien aus demselben. Nach TULASNE. _3_ Lycoperdon gemmatum. _4_

Geaster granulosus. _1_, _3_, _4_ in nat. Gr. _2_ vergrößert.]

Die Gattungen _Bovista_ und _Lycoperdon_ (Fig. 421, _3_), Boviste

und Stäublinge, haben ebenfalls kugelige, bei letzterer Gattung

auch gestielte, anfangs weißliche, später bräunliche Fruchtkörper.

Sie erreichen bei dem Riesenbovist _Lycoperdon Bovista_ sogar bis

½ m Durchmesser. Ihre Peridie ist in Form von zwei Schichten

entwickelt, von denen sich die äußere bei der Reife gewöhnlich

ablöst und die innere sich am Scheitel öffnet. Die Kammern der

Gleba werden hier von einem regelmäßigen Hymenium aus Basidien

ausgekleidet. Eine Eigentümlichkeit der Boviste besteht ferner in

dem Auftreten von #Capillitiumfasern# in den Kammern der Gleba;

das sind braune dickwandige, verästelte Hyphen, welche die

Auflockerung der Sporenmasse besorgen. Die jungen, noch weißen

Boviste sind eßbar, die reifen dagegen enthalten Harnstoff.

[Illustration: Fig. 422. Ithyphallus impudicus. ½ nat. Gr.]

Bei _Geaster_ (Fig. 421, _4_), Erdstern, ist die Peridie der

Fruchtkörper ebenfalls als doppelte Hülle ausgebildet. Die äußere

Hülle breitet sich in sternförmigen Lappen aus, die innere öffnet

sich am Scheitel mit einem Loch.

Die höchste Ausbildung erreichen die _Phallaceen_[392], als deren

bekanntester Vertreter _Ithyphallus impudicus_, die Stinkmorchel,

in Wäldern Deutschlands einheimisch, zu nennen ist. Dieser Pilz

galt vielfach als giftig. Früher wurde er zu Gichtsalben verwendet.

Sein Fruchtkörper ähnelt den echten, zu den Diskomyceten gehörenden

Morcheln, hat aber eine ganz andere Entwicklungsgeschichte. Er

ist etwa 15 cm hoch, hat einen langen, innen hohlen, netzförmig

gekammerten, weißen #Stiel# und einen glockenförmigen, mit

der braungrünen, im reifen Zustand zu Schleim verflüssigten,

sporenhaltigen Glebamasse überzogenen #Hut#, unter dem am Stiel

noch die Reste eines zarthäutigen #Schleiers# (Indusium) haften,

der den Hut auf seiner Innenseite anfangs bedeckte (Fig. 422). Der

junge Fruchtkörper bildet einen eiförmigen weißen Körper (Hexenei

oder Teufelsei genannt) und wird von einer doppelwandigen Hülle

mit gallertartiger Mittelschicht ganz umschlossen. Im Innern der

Hülle oder #Peridie# (auch Volva genannt) differenziert sich das

Hyphengewebe in den axilen Stiel und in den glockenförmigen Hut.

Im Umkreise des Hutes wird die Gleba ausgebildet. Bei der Reife

streckt sich der Stiel rasch in die Länge, sprengt dabei die

an seiner Basis als Scheide zurückbleibende Hülle und hebt den

glockenförmigen Hut mit der Gleba empor. Letztere erzeugt aasartig

riechende Stoffe und lockt dadurch Aasinsekten an, die die Sporen

verbreiten.

Klasse XV.

Lichenes, Flechten [288],[352],[393]-[399].

Die Flechten sind symbiotische Organismen; sie bestehen aus

Fadenpilzen, und zwar aus Askomyceten, nur in ganz vereinzelten

Fällen aus _Basidiomyceten_, die mit einzelligen oder fädigen Algen,

_Cyanophyceen_ oder _Chlorophyceen_, gemeinsam vegetieren und so einen

eigenartigen zusammengesetzten Thallus, ein #Konsortium#, bilden. Die

Flechtenalgen und die Flechtenpilze sind im natürlichen System in

die Gruppen der nächstverwandten Algen und Pilze einzureihen. Doch

besitzen die Flechten untereinander so viel Übereinstimmendes in Bau

und Lebensweise und haben sich als Konsortien phylogenetisch weiter

entwickelt, daß sie zweckmäßiger als besondere Klasse behandelt werden.

Der Pilz ernährt sich von den durch die assimilierenden Algenzellen

erzeugten organischen Stoffen; er umspinnt mit seinen Hyphen die

Algen (Fig. 423), kann aber auch Haustorien in sie hinein entsenden

und als Parasit sogar ihren Inhalt aufzehren, auch als Saprophyt

abgestorbene Algenzellen ausnutzen. Andererseits gewährt der Pilz

den Algen bestimmte Vorteile, liefert ihnen die anorganischen

Stoffe und Wasser, wahrscheinlich auch organische Verbindungen.

Der größere Vorteil in dieser mutualistischen #Symbiose# mag

auf seiten des Pilzes liegen, vor allem bei solchen Flechten,

die auf sterilem, jeglicher organischen Stoffe barem Gestein

wachsen, während der Pilz bei Humusboden- oder Baumrindenbewohnern

wenigstens einen Teil seiner Nahrung saprophytisch aus dem Substrat

beziehen kann. Wenn auch die Algen in manchen Fällen vom Pilz

stärker ausgenützt werden, so erfahren sie doch eine ausgiebige

Vermehrung, und beide können infolge ihres Zusammenlebens auch

an Orten gedeihen, wo weder Pilz noch Alge für sich allein leben

könnte.

Den Flechten eigene Stoffwechselsekrete sind die zahlreichen, nur

den Gallertflechten fehlenden #Flechtensäuren#, deren Bildung

durch das chemische Zusammenwirken von Pilz und Alge bedingt ist

und deren Ablagerung an der Oberfläche der Hyphenmembranen in Form

von Kristallen oder Körnchen erfolgt. Ihre Rolle als Schutzmittel

gegen Tierfraß (Schnecken) scheint nach ZOPF nicht von allgemeiner

Bedeutung zu sein[394].

[Illustration: Fig. 423. Cetraria islandica. Querschnitt durch den

Thallus. _or_ Rindenschicht der Oberseite, _ur_ der Unterseite, _m_

Markschicht mit den grünen Algenzellen von Cystococcus humicola. Vergr.

272.]

[Illustration: Fig. 424. Parmelia physodes. Soral (_a_) und Soredium

(_b_). Nach BITTER und NIENBURG.]

Die Flechten sind in großer Artenzahl über die ganze Erde

verbreitet; selbst in den Polarländern und auf den höchsten

Berggipfeln dringen sie viel weiter vor als die Moose. Ihre

Hauptentwicklung erfahren sie in feuchten Gebirgsregionen, wo

sie oft in geselliger Vegetation den Boden, die Felsblöcke und

Baumstämme überziehen oder in Form langer Bärte massenhaft von den

Baumästen herabhängen. In der Arktis bilden sie auf trockenem Boden

ausgedehnte Flechtentundren.

Die einfachsten Flechten sind die #Fadenflechten#; sie bestehen aus

Algenfäden, die der Länge nach von Pilzhyphen umsponnen sind. Als

Beispiel sei _Ephebe pubescens_ genannt, deren vielästige verzweigte

Fäden an feuchten Felsen in Form schwärzlicher Filzlager auftreten.

Sodann unterscheidet man #Gallertflechten#, mit gallertigem,

laubartigem Lager. Ihre Algen sind Chroococcaceen und Nostocaceen mit

aufquellenden Membranen. In der Algengallerte verlaufen die Pilzhyphen.

Von einheimischen Gattungen gehört z. B. _Collema_ hierher.

Sowohl bei den Faden- als Gallertflechten sind Algen und Pilzhyphen

gleichmäßig im Thallus verteilt, und dieser wird daher als

ungeschichtet oder #homöomer# bezeichnet. Die Algen bestimmen hier in

erster Linie seine Form.

Die übrigen Flechten weisen dagegen einen geschichteten oder

#heteromeren# Thallus auf. Die Flechtenalgen, unter denen die

einzellige Protococcacee _Cystococcus humicola_ die häufigste, von

fadenförmigen die zu den Ulotrichales gehörige _Trentepohlia umbrina_

zu nennen ist, treten hier in #Schichten# auf, die von einer aus

dicht verflochtenen Pilzhyphen bestehenden #Rindenschicht# bedeckt

werden (Fig. 423). Man unterscheidet unter den heteromeren Flechten

#Krustenflechten#, deren Thallus in Form von Krusten an Baumstämmen, an

Felsen oder auf dem Erdboden festgewachsen ist oder mittels Pilzhyphen

etwas in das Substrat eindringt; ferner #Laubflechten# (Fig. 428),

deren Thallus laubartig, klein- oder großlappig ist und auf der

Unterseite entweder nur in der Mitte oder bis auf die freien Ränder

mittels rhizoïdartiger Pilzhyphen (Rhizinen) angewachsen ist; endlich

#Strauchflechten# (Fig. 425, 427), mit verzweigtem, fadenförmigem oder

bandförmigem, an der Basis angeheftetem, zuweilen auch frei auf dem

Substrat liegendem Thallus.

Das Wachstum der Flechtenthalli ist im allgemeinen ein recht langsames.

So beträgt der jährliche Zuwachs an den Thalluslappen gewisser

Laubflechten nur wenige Millimeter; _Parmelia furfuracea_ erreicht bei

günstiger Belichtung in 10 Jahren nur einen Durchmesser von 31 × 60

mm[395].

An den natürlichen Standorten entwickeln sich die Flechtenpilze nur

dann aus ihren Sporen weiter, wenn sie die ihnen zusagenden Algenzellen

zur Verfügung haben. Nur für wenige Flechten ist festgestellt, daß

ihr Pilz auch ohne Algen in der Natur existenzfähig ist, so für die

tropische _Cora pavonia_ (Fig. 433), deren Pilz zu den Basidiomyceten

gehört und auch algenfreie Fruchtkörper erzeugen kann, die denen der

Pilzgattung _Thelephora_ gleichen. Wohl aber ist es gelungen, aus den

Sporen gewisser flechtenbildender Askomyceten unter Zufuhr geeigneter

Nährlösung Myzelien zur Entwicklung zu bringen.

[Illustration: Fig. 425. Usnea florida. _ap_ Apothecium. Nat. Gr.]

[Illustration: Fig. 426. Cetraria islandica. _ap_ Apothecium. Nat. Gr.

-- #Offizinell.#]

Viele Flechten vermehren sich vegetativ dadurch, daß Teile des Thallus

sich lostrennen und wieder mit Rhizinen festsetzen. Die meisten

heteromeren Flechten besitzen ferner in der Bildung von #Soredien# ein

ausgezeichnetes Mittel vegetativer Vermehrung: Kleine Gruppen von sich

teilenden Algenzellen werden dicht von Myzelfäden umsponnen, lösen sich

los und bilden Körperchen, die unter Aufreißen von Thallusrinde als

staubartige Masse frei werden, um durch den Wind verbreitet, anderswo

wieder zu einer Flechte heranzuwachsen. Häufig entstehen die Soredien

am Thallus in scharf umschriebenen Brutstätten, den #Soralen# (Fig.

424, 427).

Im Flechtenthallus #fruktifizieren# nur die Flechtenpilze, nicht aber

die stets vegetativ bleibenden Flechtenalgen.

Nur bei einigen Gattungen (_Endocarpon_) finden sich besondere

klein ausgebildete Algenzellen auch in den Früchten vor, werden mit

den Sporen gemeinsam ausgeworfen und von den Keimschläuchen des

Flechtenpilzes alsbald umsponnen.

_1. Ascolichenes._ Nur wenige Flechtengattungen haben #krugförmige

Perithecien#; ihre Pilze gehören daher zu den Pyrenomyceten, so

die Laubflechte _Endocarpon_, die Krustenflechte _Verrucaria_. Die

meisten Gattungen aber besitzen #schüssel- oder scheibenförmige

Apothecien#, die wie die Fruchtkörper der Diskomyceten gebaut

sind. Von Strauchflechten gehört hierher als eine der häufigsten

Arten die an Baumstämmen festsitzende _Usnea florida_, die

Bartflechte, mit großen, am Rande bewimperten Apothecien (Fig.

425); die breit bandförmige, verzweigte, an Bäumen wachsende

_Ramalina fraxinea_; ferner die an Küstenfelsen der warmen Zone

verbreiteten _Roccella_-Arten mit gabelig verzweigtem, drehrundem

oder bandförmigem Thallus (Fig. 427). Eine Mittelstellung zwischen

Strauch- und Blattflechten nimmt die auf den Gebirgen und im Norden

der nördlichen Hemisphäre weitverbreitete #offizinelle# _Cetraria

islandica_, das isländische Moos (Fig. 426), ein, mit gegabelten,

blattartigen Thalluslappen, welche braun, auf der Unterseite

weißlich gefärbt sind und die Apothecien an ihren Rändern tragen.

Zu den Laubflechten gehören die zahlreichen, an Bäumen und Felsen

wachsenden Arten von _Parmelia_ (Fig. 428). Eine eigenartige

Krustenflechte ist die Schriftflechte, _Graphis scripta_, deren

grauweißer Thallus auf Rinde, besonders von Buchen, lebt und deren

Apothecien die Form von schwarzen schmalen, strichförmigen oder

gegabelten, an Schriftzüge erinnernden Rinnen haben.

[Illustration: Fig. 427. Roccella tinctoria DC. Kanarische Inseln. Mit

randständigen Soralen. Nach WIESNER, Rohstoffe.]

[Illustration: Fig. 428. Parmelia acetabulum, an Bäumen. Nach REINKE.]

Eine besondere Entwicklung erfährt der Flechtenthallus bei der

vielgestaltigen erdbewohnenden Gattung _Cladonia_. Auf einem aus

horizontalen, dem Substrat aufsitzenden, gekerbten Schüppchen

bestehenden primären Thallus erheben sich vertikale Gebilde

(Podetien) von sehr verschiedener Gestalt und Größe. Sie sind bei

manchen Arten, so bei _Cladonia pyxidata_, der Becherflechte, und

bei _Cladonia coccifera_ (Fig. 429) gestielt kreiselförmig und

tragen am Becherrand oder seinen Aussprossungen, die bei ersterer

Art braunen, bei letzterer roten rundlichen Apothecien. Bei anderen

Arten sind die Podetien zylindrisch, einfach oder gegabelt; bei

_Cladonia rangiferina_, der Renntierflechte, die über die ganze

Erde verbreitet ist und rasenbildend in den nordischen Tundren

auftritt, sind die Podetien (Fig. 430) zierlich verästelt; ihr

Primärthallus geht frühzeitig zugrunde.

[Illustration: Fig. 429. Cladonia coccifera. _t_ Thallusschüppchen.

Nat. Gr.]

[Illustration: Fig. 430. Cladonia rangiferina. _A_ Steril. _B_ Mit

Askusfrüchtchen an den Astenden. Nat. Gr.]

Die #Askusfrüchte#, Apothecien und Perithecien, nehmen, wie zuerst

#Stahl# und in neuerer Zeit besonders BAUR[396] nachgewiesen

hat, ihren Ursprung aus befruchteten #Karpogonen#, weiblichen

Sexualorganen, die im jungen Thallus oft in sehr großer Anzahl

angelegt werden. Das #Karpogon# (Fig. 431) ist hier ein

vielzelliger, im unteren Teile mehrfach schraubig gewundener Faden,

der sich in ein langzelliges, mit seiner Spitze aus dem Thallus

hervorragendes #Trichogyn# fortsetzt. Die Zellen enthalten je

einen Kern, führen im unteren Teile des Karpogons dichteres Plasma

und sind durch Tüpfel verbunden. Abgesehen von der Vielzelligkeit

erinnern diese Gebilde an die Karpogone der Florideen. Als

männliche Sexualzellen erscheinen die in krugförmigen Behältern,

den #Spermogonien# (Fig. 432), erzeugten #Spermatien#, deren

Entwicklung auf verschiedene Art erfolgt[397]. Entweder ist die

Innenwand der Spermogoniumhöhlung mit einfachen oder verzweigten

Hyphenästen ausgekleidet, die an ihren Enden die Spermatienzellen

abgliedern (_Peltigera_, _Parmelia_), oder das Spermogonium ist

anfangs von Hyphengewebe dicht erfüllt, später aber durch dessen

Auseinanderweichen von Hohlräumen durchsetzt, aus deren Wandzellen

die Spermatien auf sehr kleinen und dünnen Stielchen hervorsprossen

(_Anaptychia_, _Physcia_, _Sticta_). Die Spermatien werden, in

Schleimmassen eingebettet, aus ihren Behältern entleert, kopulieren

mit den klebrigen Spitzen der Trichogyne (Fig. 431 _B_) und

erscheinen dann leer, ohne Kern; darauf kollabieren die Zellen des

Trichogyns, gehen später zugrunde, während die mittleren Zellen des

schraubigen Karpogons anschwellen, sich auch noch weiter teilen

und nun zu den askogenen Hyphen aussprossen, die an ihren Enden

die Asci bilden. Die vegetativen Hyphen und die Paraphysen der

Früchte entspringen aus den unter dem Karpogon befindlichen Hyphen.

Entweder nur ein oder auch mehrere Karpogone zusammen liefern eine

Frucht. Das Verhalten der Sexualkerne bedarf noch eingehender

Untersuchung. Solche Karpogone sind bereits bei manchen Gattungen

als Anlage der Früchte nachgewiesen, indessen erscheinen sie bei

einigen (_Peltigera_, _Solorina_) reduziert und besitzen kein

Trichogyn mehr; diese Flechten sind anscheinend apogam geworden.

Spermogonien werden bei ihnen überhaupt nicht mehr gebildet, oder

sind, wie bei _Nephromium_, deutlich in Rückbildung begriffen. Von

A. MÖLLER wurde festgestellt, daß die Spermatien auch vegetativ

auskeimen können; indessen kann dies nicht als Beweis gegen die

ursprünglich sexuelle Natur dieser Gebilde gelten, da es sich

möglicherweise um Funktionswechsel handelt.

[Illustration: Fig. 431. Collema crispum. _A_ Karpogon _c_ mit

Trichogyn _t_. Vergr. 405. _B_ Spitze des Trichogyns mit Spermatium

_s_. Vergr. 1125. Nach E. BAUR.]

[Illustration: Fig. 432. Anaptychia ciliaris. Reifes Spermogonium.

Vergr. 192. Die runden Zellen im Thallusgewebe stellen die grünen

Algenzellen vor. Nach GLÜCK.]

Sehr merkwürdig verhält sich nach F. BACHMANN _Collema pulposum_.

Die Spermatien entstehen hier im Innern des Thallus zu wenigen

gruppenweise an den Hyphen und lösen sich nicht ab; die langen

Endzellen der Trichogyne bleiben im Thallus, wachsen auf sie zu und

fusionieren mit ihnen[398].

_2. Basidiolichenes (Hymenolichenes)_[399]. Als Typus der

_Basidiolichenen_ ist die in den Tropen weitverbreitete, auf

dem Erdboden oder an Bäumen lebende _Cora pavonia_ zu nennen.

Der Pilz der Cora ist eine #Thelephoree# (vgl. S. 405),

deren halbkreisförmige, gelappte, dachziegelartig gruppierte

Fruchtkörper auch ganz ohne Algen gefunden werden. Tritt der

Pilz in Symbiose mit einzelligen Chroococcusalgen, so resultiert

als Fruchtkörper die typische _Cora pavonia_ (Fig. 433), die wie

ein Thelephorafruchtkörper auf ihrer Unterseite ein durch Risse

gefeldertes Basidienhymenium entwickelt. Tritt dagegen derselbe

Pilz mit den Fäden der blaugrünen Alge Scytonema in Symbiose, so

bildet sich, wenn der Pilz überwiegt, die Flechte zu strahlig

fädigen, an Baumästen abstehenden Scheiben mit dem Hymenium

auf der Unterseite aus (_Dictyonema_-Form), und wenn die Alge

formbestimmend ist, in Form von feinfädigen filzigen Überzügen auf

Baumrinde mit unregelmäßigen, an den vom Lichte abgewandten Stellen

des Thallus erscheinenden Hymenien (_Laudatea_-Form).

[Illustration: Fig. 433. Cora pavonia. _A_ Von oben. _B_ Von unten.

_hym_ Hymenium. Nat. Gr.]

* * * * *

#Offizinell# ist _Cetraria islandica_, #Lichen islandicus# (Pharm.

germ., austr., helv.), die beim Kochen die bittere Licheningallerte

liefert. Als Volksmittel wird auch noch die Lungenflechte _Lobaria

pulmonaria_ (Muscus pulmonarius), die stattlichste einheimische, an

Bäumen wachsende Laubflechte, gebraucht.

Lehrbuch der Botanik für Hochschulen · 第 58 / 90 段