Die #Äcidien# (Fig. 406) sind anfangs geschlossene, später

sich öffnende, becherförmige Fruchtkörper, die zahlreiche,

dicht nebeneinander stehende, von basalen Trägern abgegliederte

Sporenketten enthalten. Meist umgibt eine einschichtige, aus

dickwandigen Zellen bestehende Hülle (Peridie) das Äcidium. Die

von BLACKMAN[382] an dem auf Brombeerblättern vorkommenden Rost,

_Phragmidium violaceum_, untersuchte Entstehung eines solchen

Organs erfolgt in der Weise, daß die unter der Blattoberhaut

gelegenen Hyphenenden zunächst eine sterile, bald vergängliche

Zelle an ihrer Spitze abgrenzen, und daß die darunter gelegene

fertile Zelle anschwillt (Fig. 407 _A_). Sie enthält nur #einen#

Kern; aber sie wird zweikernig dadurch, daß der Zellkern

einer anstoßenden Myzelzelle in sie hinüberwandert, ohne daß

Kernverschmelzung eintritt (konjugierte Kerne). Diese zweikernige

„basale“ Zelle teilt sich nun in eine Kette von zweikernigen

Sporenmutterzellen, die nochmals je in eine obere zweikernige

Äcidiospore und eine untere, ebenfalls zweikernige, aber steril

bleibende, bald zusammenschrumpfende Zwischenzelle zerlegt werden

(_B_, _C_).

Nach CHRISTMAN[383] vollziehen sich diese Vorgänge in etwas

anderer Weise bei dem auf Rosen schmarotzenden _Phragmidium

speciosum_ (Fig. 408) und ebenso nach neueren Untersuchungen auch

bei _Puccinia_ und anderen Gattungen. Die Äcidiumentwicklung

dieser Formen darf als die typische gelten. Zwar teilen sich auch

hier die Hyphenenden (_A_) in eine obere, sterile, vergängliche

Zelle und in eine untere fertile Zelle (_B_); die fertilen Zellen

verschmelzen aber paarweise miteinander (_C_), indem ihre Wandung

im oberen Teile aufgelöst wird. Die beiden Kerne teilen sich darauf

gleichzeitig und nebeneinanderliegend (konjugierte Teilung) in je

zwei Tochterkerne, von denen zwei in den unteren Teil, zwei in den

oberen Teil der Zelle rücken (_D_). Dieser grenzt sich nunmehr als

erste Sporenmutterzelle durch eine Querwand ab. Die Bildung der

Äcidiosporenketten erfolgt im übrigen wie zuvor dargestellt. Eine

Peridie wird bei Phragmidium nicht angelegt, wohl aber bei Puccinia

u. a.; sie geht hervor aus den steril bleibenden peripherischen

Sporenketten und den die Decke des Peridiums bildenden Endzellen

der mittleren Sporenreihen.

[Illustration: Fig. 407. Phragmidium violaceum. _A_ Teil einer

Äcidiumanlage, _st_ sterile Zelle, _a_ fertile Zellen, bei _a__{2}

Übertreten des Kernes einer benachbarten Zelle. _B_ Bildung der ersten

Sporenmutterzelle _sm__{1} aus der Anlage _a_ einer Sporenkette. _C_

Weitere Teilung, aus _sm__{1} die Äcidiospore ae und die Zwischenzelle

_z_ gebildet, _sm__{2} die zweite Sporenmutterzelle. _D_ Reife

Äcidiospore. Nach BLACKMAN.]

[Illustration: Fig. 408. Phragmidium speciosum. _A_ Erste Anlage

eines Äcidiums unter der Blattepidermis von Rosa. _B_ Teilung einer

Hyphenendzelle in die obere sterile vergängliche und die untere fertile

Zelle. _C_ Kopulation zweier benachbarter fertiler Zellen. _D_ Weiteres

Stadium, erste Kernteilung vollendet. _E_ Abgliederung der ersten

Äcidiosporenmutterzelle. _F_ Kette von Äcidiosporen _a__{1} _a__{2},

Zwischenzellen _z__{1} _z__{2}, die zuletzt gebildete Mutterzelle _sm_

noch nicht geteilt. Nach CHRISTMAN.]

Die reifen zweikernigen Äcidiosporen (Fig. 407 _D_) stäuben aus,

infizieren eine neue Wirtspflanze, und aus jeder Spore geht wieder

ein interzellulares Myzelium hervor, das dann bald im Sommer zur

Bildung von #Uredo#- oder #Sommersporen# übergeht. Diese entstehen

in kleinen rundlichen oder strichförmigen Lagern, einzeln aus den

anschwellenden Endzellen ihres Trägers (Fig. 404, _5_ und _6_) und

enthalten, wie auch die Zellen des ganzen, aus der Äcidiospore

hervorgehenden Myzels, zwei Kerne. Sie besorgen im allgemeinen die

Ausbreitung des Pilzes im Sommer. Später werden dann in denselben

oder in anderen Lagern die Teleutosporen gebildet, in denen erst

die Kopulation der beiden Kerne zu einem einzigen stattfindet, wie

dies überhaupt in den Basidienanlagen zu geschehen pflegt.

Die beiden Formen der Zellfusionen in den Anlagen der Äcidien

sind auch noch bei anderen Uredineen nachgewiesen und können nur

als Ersatz ehemaliger Befruchtungsvorgänge angesehen werden. Wenn

wir die Uredineen von den Askomyceten ableiten wollen, müssen wir

die Spermatien als funktionslos gewordene männliche Sexualzellen

ansehen und die sog. fertilen Zellen der Äcidienanlagen mit den

Karpogonen vergleichen. Zieht man den Vergleich noch weiter,

so würden in dem Entwicklungsgang der Uredineen diese fertilen

Zellen den Anfang von diploiden ungeschlechtlichen Generationen

vorstellen, die nach Bildung von Äcidio-, Uredo- und Teleutosporen

in den den Ascis entsprechenden Basidien ihren Abschluß finden,

während die haploide geschlechtliche Generation aus den

Basidiosporen hervorgeht und in den Äcidiumanlagen endigt. Die

Übereinstimmung zwischen Askomyceten und Uredineen zeigt sich auch

in dem Verhalten der Sexualkerne, die in den Sexualorganen nur sich

paaren, bei den Schlauchpilzen aber erst in den Askusanlagen, bei

den Rostpilzen erst in den Basidienanlagen endgültig miteinander

kopulieren.

Die drei Sporenformen der Uredineen zeigen nach CHRISTMAN in

ihrer Entwicklung aus den sie bildenden „basalen“ Zellen gewisse

Übereinstimmung, so daß sie als morphologisch gleichwertig

angesehen werden können.

Der Entwicklungsgang der Rostpilze ist also höchst kompliziert.

Entweder treten die verschiedenen Sporenformen im Laufe des Jahres

an ein und derselben Nährpflanze auf; solche Uredineen bezeichnet

man als #autözische#. Oder Spermogonien und Äcidien finden sich

auf der einen Nährspezies, Uredo- und Teleutosporen dagegen auf

einer anderen, der ersteren im System oft sehr ferne stehenden

Pflanze. Bei diesen letzteren #heterözischen# Arten liegt also ein

#Wirtswechsel# des Parasiten vor. Neben solchen sehr wählerischen

gibt es aber auch pleophage heterözische Rostpilze, deren Äcidien

oder deren Uredo-Teleutosporen auf zahlreichen verschiedenen

Nährpflanzen auftreten[384].

Als Beispiel für Heterözie sei _Puccinia graminis_, der häufigste

#Getreiderostpilz#, erwähnt, der seine Uredo- und Teleutosporen

an Blättern und Halmen von Gräsern, besonders Roggen, Weizen und

Gerste erzeugt. Die Äcidien und Spermogonien dieser Art entwickeln

sich auf den Blättern der Berberitze (Berberis vulgaris). Im

Frühjahr treiben zunächst die überwinterten Teleutosporen ihre

Basidien, von denen die vier Basidiosporen sich ablösen (Fig. 404,

_2_), um auf die Berberitzenblätter durch den Wind verbreitet

zu werden. Der Keimschlauch dringt ein und entwickelt sich zum

Myzel, aus dem bald an der Blattoberseite die Spermogonien, auf

der Unterseite die Äcidien (Becherrost, Fig. 406) entstehen. Die

rotgelben Äcidiosporen stäuben aus der Peridie aus und gelangen

auf Gräser. Das aus ihnen hervorgehende Myzel bringt im Sommer

zunächst die Uredosporen (Fig. 404, _5_) hervor. Die Uredosporen

sind einzellig, mit vier äquatorialen Keimporen in der außen

mit kleinen Warzen bedeckten Wandung versehen und enthalten

rotgelbe Fettröpfchen in ihrem Plasma. Sie keimen auf Getreide

und verbreiten rasch die Rostkrankheit. Gegen Ende des Sommers

werden in denselben Lagern (Fig. 404, _1_) die dunkelbraunen,

stets zu zwei vereinigten, dickwandigen Teleutosporen mit je einem

Keimporus erzeugt, von denen im nächsten Jahr die Entwicklung

von neuem anhebt. Auch kann in dem durch Uredosporen infizierten

Wintergetreide der Pilz überwintern und mit Übergehung von

Basidiosporen und Berberis-Äcidium im nächsten Sommer seine Uredo-

und Teleutosporen bilden[385].

Nicht alle Uredineen weisen einen so reich gegliederten

Entwicklungsgang auf. Rostpilze, die sämtliche Sporenarten

erzeugen, heißen Eu-Formen, solche ohne Uredo: Opsis-Formen,

solche ohne Äcidien: Brachy-Formen, solche ohne Äcidien und

Uredo: Mikro-Formen. Bei denjenigen Rostpilzen, die keine Äcidien

besitzen, finden wir in den aus den Basidiosporen hervorgehenden

Myzelien einkernige Zellen, später aber, vor der Bildung der

Teleutosporen, zweikernige Zellen. Die Zweikernigkeit der Zellen

wird bei ihnen, wie bereits für einzelne Fälle festgestellt

wurde, in den Anlagen der ersten Uredosporen oder, wenn solche

fehlen, in den Anlagen der Teleutosporen (z. B. bei _Puccinia

Malvacearum_) durch Kopulation zweier Zellen ähnlich wie in den

oben geschilderten Äcidiumanlagen erreicht, ein Verhalten, das die

Homologie der drei genannten Sporenformen bestätigt.

Abweichend von allen übrigen Rostpilzen und einfacher verhält sich

_Endophyllum_[386], dessen Arten auf Sempervivum und auf Euphorbia

schmarotzen und weder Uredo- noch Teleutosporen bilden. Das aus

den Basidiosporen hervorgehende, aus einkernigen Zellen bestehende

Myzel bildet Spermogonien und Äcidien; in den Anlagen der

Äcidiosporenketten erfolgen Zellfusionen nach Art von Phragmidium,

wodurch sie zweikernig werden. Die reifen Äcidiosporen verhalten

sich nunmehr wie die Teleutosporen der übrigen Rostpilze; ihre

beiden Kerne verschmelzen zu einem einzigen; dann keimen die Sporen

aus zu Basidien mit vier einkernigen Basidiosporen und erfahren

vorher eine Reduktionsteilung ihrer Kerne (Fig. 409). Vielleicht

kann _Endophyllum_ als eine primitive Form betrachtet werden.

Ebenso verhält sich auch _Caeoma nitens_[387].

[Illustration: Fig. 409. Endophyllum Sempervivi. _A_ Junge noch

zweikernige Äcidiospore. _B_ Reife einkernige Spore. _C_ Keimende

Spore, deren Kern sich bereits in zwei Kerne geteilt hat. _D_

Äcidiospore zu einer jungen vierzelligen Basidie ausgekeimt. Nach

HOFFMANN.]

_3. Ordnung. Auricularieae._ #Basidien# wie bei den Uredineen

#quergeteilt#, mit vier Sporen. Hierher nur wenige Formen, unter

denen am bekanntesten der als Volksheilmittel noch vielfach

verwendete Holunderschwamm oder das Judasohr, _Auricularia

sambucina_ ist, mit gallertartigen, dunkelbraunen, muschelförmigen

Fruchtkörpern, die aus alten Holunderstämmen hervorbrechen und auf

ihrer Innenseite das Basidienhymenium tragen.

_4. Ordnung. Tremellineae, Zitterpilze._ #Basidien der Länge nach

geteilt# (Fig. 399). Die Fruchtkörper der Zitterpilze sind von

gallertartiger Beschaffenheit, lappig oder runzlig gefaltet und

auf ihrer Oberseite mit dem Basidienhymenium überkleidet. Nur

wenige Gattungen, saprophytisch in faulenden Baumstämmen, aus deren

Oberflächen die Fruchtkörper hervorkommen.

_5. Ordnung. Exobasidiineae._ Die Fruchtkörperbildung fehlt hier,

vielmehr entstehen die keulenförmigen, ungeteilten, an ihrem Gipfel

vier Sporen auf dünnen Sterigmen tragenden Basidien #frei aus den

Myzelfäden#, so bei _Exobasidium Vaccinii_, einem auf Ericaceen,

besonders Preißel- und Heidelbeeren auftretenden Pilz, dessen

Myzel Auftreibungen der befallenen Pflanzenteile verursacht. Die

Basidien werden in Lagern unter der Epidermis gebildet und brechen

durch diese nach außen hervor (Fig. 410). Als Nebenfruktifikationen

treten bei dieser Gattung, wie bei manchen anderen, #Konidien# auf,

die als schmal spindelförmige Zellen vom Myzel abgegliedert werden

und der Basidienbildung vorausgehen.

_6. Ordnung. Hymenomycetes_[373]. Die #Basidien# sind #ungeteilt#

und tragen an der Spitze auf dünnen Sterigmen vier Sporen (Fig. 411

_sp_). Sie werden an Fruchtkörpern erzeugt, die durch Verflechtung

von Hyphen entstehen, und sind in Schichten oder #Hymenien#

angeordnet. An der Zusammensetzung dieser beteiligen sich die

Saftfäden oder #Paraphysen# (Fig. 411 _p_) und vielfach auch die

ebenfalls sterilen #Zystiden# (_c_), einzellige Schläuche, die sich

durch größeren Umfang auszeichnen.

[Illustration: Fig. 410. Exobasidium Vaccinii. Querschnitt durch die

Stengelperipherie von Vaccinium. _ep_ Epidermis, _p_ Rindenparenchym,

_m_ Myzelfäden in den Interzellularräumen, _b_ die nach außen

hervorbrechenden Basidien, _b′_ noch ohne Sterigmen, _b″_ Anlage der

Sterigmen, _b‴_ mit vier Sporen. Vergr. 620. Nach WORONIN.]

Die vier Sporen werden vermittels des osmotischen Druckes der

Basidien von den Sterigmen nacheinander eine kurze Strecke

weit abgeschleudert; sie haften überall leicht an. Ihr freies

Herabfallen von den Hymenien wird aber durch die Paraphysen

begünstigt, die die Basidien voneinander trennen. Die Zystiden sind

nach KNOLL Wasser und Schleim abscheidende Organe. In einzelnen

Fällen mögen sie auch noch andere Funktionen erfüllen, so bei

_Coprinus_-Arten das Auseinanderhalten der Lamellen und somit die

Sicherung des Sporenfalles[388].

Da bei den Hymenomyceten wie auch bei den ihnen nächst verwandten

Ordnungen besondere Sexualorgane fehlen, die Basidien aber den

Schläuchen der Askomyceten entsprechen und anfangs wie diese

zwei miteinander kopulierende Kerne aufweisen, so entsteht die

Frage, ob in dem Entwicklungsgang beider Pilzgruppen noch weitere

Homologien bestehen, und wie bei ersteren die Zweikernigkeit der

Basidienanlage zustande kommt[389].

[Illustration: Fig. 411. Russula rubra. Teil des Hymeniums. _sh_

Subhymeniale Schicht, _b_ Basidien, _s_ Sterigmen, _sp_ Sporen, _p_

Paraphysen, _c_ ein Zystide. Vergr. 540. Nach STRASBURGER.]

[Illustration: Fig. 412. Armillaria mucida, Schnallenbildung

und Basidienentwicklung. _1_ Beginn der Schnallenbildung in der

zweikernigen Endzelle. _2_ Ein Zellkern nach der Schnallenausbuchtung

gerückt. _3_ Konjugierte Kernteilung. _4_ Schnallenzelle und Stielzelle

abgegrenzt von der Basidienanlage. _5_ Fusion dieser beiden Zellen.

_6_ Die beiden Kerne der Basidienanlage zu einem vereinigt. _7_ Junge

Basidie mit den vier Basidiosporen, oben mit vier Sterigmenanlagen

(eine davon verdeckt). Nach H. KNIEP.]

Neuere Untersuchungen, besonders von KNIEP, ergaben, daß

wohl bei den meisten Hymenomyceten die aus den Basidiosporen

hervorgehenden Myzelien aus einkernigen Zellen bestehen, daß

aber dann früher oder später schon vor und unabhängig von der

Fruchtkörperbildung weiterhin Zweikernigkeit sich einstellt,

daß die Kernpaare in den Zellen sich konjugiert weiterteilen

und daß diese Paarkernigkeit mit der eigenartigen Bildung von

#Myzelschnallen# Hand in Hand geht bis zu den Anlagen der Basidien.

Nur wenige Hymenomyceten haben vielkernige Hyphenzellen und erst

kurz vor der Basidienbildung paarkernige. Die Myzelschnallen

entstehen sowohl an den langzelligen vegetativen Hyphen als auch

an den kürzeren und dickeren Hyphen, aus denen die Hymenien

hervorgehen, in gleicher Weise als seitliche, hakenförmig nach

unten gerichtete, kurze Ausstülpungen, je eine etwa in der Mitte

einer endständigen Hyphenzelle (Fig. 412, _1_). Hierauf wandert

der eine der beiden Kerne zum Teil in diese Ausstülpung ein und

teilt sich hier (_2_, _3_); gleichzeitig teilt sich auch der

andere Kern, zwischen dessen Tochterkernen darauf eine Querwand

dicht unterhalb der Schnalle entsteht. In die Endzelle des Fadens

wandert auch der obere Tochterkern des Schnallenkerns ein, während

der untere in der Schnalle selbst verbleibt. Diese grenzt sich

durch eine Querwand von der Endzelle ab, fusioniert mit der

tieferstehenden Zelle und läßt ihren Kern in sie übertreten.

Durch diese Schnallenbildung erhalten also beide Fadenzellen ihre

neuen Kernpaare als Abkömmlinge des ursprünglichen Kernpaares.

Vielleicht liegt die Bedeutung dieses umständlichen Vorganges in

der Sicherung einer solchen Verteilung der Schwesterkerne auf zwei

getrennte Fadenzellen. Die zweikernige Endzelle wird zur Anlage

der Basidie. Beide Kerne kopulieren miteinander und teilen sich

dann in vier Sporenkerne (Fig. 412, _5_, _6_, _7_). Wie bei den

Askomyceten vollzieht sich also auch bei den Basidiomyceten der

Befruchtungsvorgang in zwei Stufen, Zellkopulation bei der ersten

Schnallenbildung und Kernkopulation in den Basidien.

Die Schnallenbildung entspricht nach KNIEP genau der Hakenbildung

vieler Askomyceten, bei denen sie aber nur auf die askogenen Hyphen

beschränkt ist.

KNIEP hat den Nachweis erbracht, daß die Myzelien wohl der

meisten Hymenomyceten #heterothallisch# sind, wie bei Mucorineen

(S. 382). Schnallenbildung und als Folge davon Paarkernigkeit,

ferner Fruchtkörperbildung tritt nur ein, wenn sexuell

verschieden differenzierte Myzelien miteinander, jedenfalls durch

Anastomosen, in Verbindung treten. Die beiden Kerne einer jeden

Myzelzelle entstammen dann verschiedenen Myzelien. Diese sexuelle

Differenzierung wird nach KNIEPs Feststellung bei _Aleurodiscus

polygonius_ bei der ersten Reduktionsteilung in der Basidie

vollzogen, so daß von ihren vier Basidiosporen zwei das eine

Geschlecht (+), zwei das andere (-) erhalten.

Nicht alle Basidiomyceten sind getrenntgeschlechtlich. Es gibt

auch solche mit zweikernigen #homothallischen# Myzelien, die

Fruchtkörper mit normalen Basidien bilden. Die Paarkernigkeit der

Hyphenzellen stellt sich dann an ein und demselben Einspor-Myzelium

ein, bei _Hypochnus_ nach KNIEP bereits durch Teilung des

Basidiosporenkerns.

Das Paarkernmyzel bezeichnet die diploide Phase, die haploide

beginnt in der Basidie, endigt unbestimmt mit dem Beginn der

Schnallen, bei Hypochnus aber bereits mit dem einkernigen

Anfangsstadium der Basidiospore. Der Generationswechsel ist also

infolge Unterdrückung der Sexualorgane nicht mehr bei allen

Vertretern in gleicher Weise ausgeprägt.

Übrigens gibt es auch einzelne sexuell reduzierte Basidiomyceten

(z. B. _Coprinus fimetarius_), bei denen die Schnallenbildung

unterbleiben kann und die Zellen der aus den Sporen hervorgehenden

Myzelien stets einkernig sind. So entstehen haploide Fruchtkörper,

in denen die Kernverschmelzung in der einkernigen Basidienanlage

ausfällt, trotzdem aber Basidiosporen erzeugt werden.

Die meisten Hymenomyceten leben mit ihrem Myzelium im humushaltigen

Boden der Wälder oder im faulenden Holz, in absterbenden

Baumstämmen und erheben ihre Fruchtkörper, die gemeiniglich als

#Schwämme# bezeichnet werden, über die Oberfläche des Substrats.

Das Myzel der im Boden vegetierenden Formen breitet sich an der

Peripherie immer weiter aus und nimmt eine von Jahr zu Jahr immer

größer werdende, ringförmige Zone ein. Infolgedessen erscheinen

dann auch die jährlich hervorkommenden Schwämme bei ungestörter

Entwicklung in Ringen angeordnet, die vom Volk #Hexenringe# genannt

werden. Weniger zahlreiche Hymenomyceten vegetieren parasitisch in

der Rinde und dem Holze von Holzgewächsen.

Die fortschreitend reichere Gestaltung der mannigfachen

Basidienfruchtkörper dient zur Einteilung der Hymenomyceten.

1. Die _#Thelephoraceen#_ erzeugen #einfach gestaltete

Fruchtkörper# meist von korkig lederartiger Beschaffenheit; sie

bilden auf Baumstümpfen teils flache Krusten von rundlichem oder

getapptem Umriß, und das Basidienhymenium überzieht die glatte

Oberseite dieser Krusten; oder die flachen Fruchtkörper heben sich

in horizontaler Richtung vom Substrat ab, bilden halbkreisförmige,

oft dachziegelartig gruppierte Hüte, und das Hymenium ist auf

ihrer Unterseite entwickelt, so bei dem an Laubholzstämmen

häufigen _Stereum hirsutum_. Eigenartige trichterförmige schwarze

Fruchtkörper hat _Craterellus cornucopioides_, die Totentrompete,

ein wohlschmeckender Speisepilz.

2. In der Gruppe der _#Clavariaceen#_ haben die von dem Hymenium an

ihrer Oberfläche bedeckten Fruchtkörper die Form von fleischigen

#Keulen# oder sind #korallenartig verzweigt#. Die größeren,

reich verästelten Formen liefern minderwertige Speiseschwämme,

so _Clavaria flava_ mit gelbem Fruchtkörper, und _Clavaria

Botrytis_ (Fig. 413), von blaßrötlicher Farbe, beide als Hahnenkamm

oder Korallenschwamm bezeichnet, ferner der krause Ziegenbart,

_Sparassis crispa_, auf Sandboden in Nadelwäldern auftretend, mit

blattförmigen, reich verzweigten Ästen, bis ½ m im Durchmesser

erreichend.

3. Die _#Hydnaceen#_ oder Stachelschwämme besitzen Fruchtkörper mit

#stachelartigen Auswüchsen#, auf denen die Hymenien als Überzug

entwickelt werden. Die einfachsten Hydneen haben krustenförmige

Fruchtkörper, auf deren Oberseite diese Stacheln stehen, andere

dagegen gestielte, hutförmige, fleischige Fruchtkörper, die auf der

Hutunterseite die abwärts gerichteten Stacheln tragen. Zu letzteren

gehören verschiedene eßbare Schwämme, so _Hydnum imbricatum_, der

Habichtsschwamm, in Kiefernwäldern, mit braunem, oben schwärzlich

beschupptem, bis 15 cm breitem Hut, ferner _Hydnum repandum_, der

Stoppelschwamm (Fig. 414) mit gelblichem Hut.

[Illustration: Fig. 413. Clavaria Botrytis. Verkl.]

[Illustration: Fig. 414. Hydnum repandum. Verkl.]

[Illustration: Fig. 415. Boletus Satanas, Satanspilz. ½ nat. Gr. Nach

KROMBHOLZ. #Giftig.# Verkl.]

4. Bei den artenreichen _Polyporaceen_ oder Löcherschwämmen

besitzen die gestielten oder sitzenden Hüte in der Regel auf ihrer

Unterseite #röhrenförmige Vertiefungen# oder tiefgewundene Gänge

oder dicht zusammenstehende Röhrchen, und das Basidienhymenium

ist in diesen auf der #Innenseite# entwickelt. Hierher gehört die

Gattung _Boletus_, Röhrling, mit großen, fleischigen, auf Waldboden

auftretenden, gestielten Hüten, deren Unterseite mit einer dicken

Schicht von feinen Röhrchen bekleidet ist. Die Arten sind teils

vorzügliche #Speisepilze#, so u. a. _B. edulis_, der Steinpilz,

_B. badius_, der Maronenpilz, _B. elegans_, der schöne Röhrling,

und _B. luteus_, der Butterpilz, teils aber sehr #giftig#, wie

der Satanspilz, _B. Satanas_ (Fig. 415), mit fahlweißlichem, bis

20 cm breitem Hut, gelb bis purpurrot gefärbtem und mit roter

Netzzeichnung versehenem Stiel und erst blutroter, dann orangeroter

Hutunterseite. Wegen seines bitteren Geschmacks ungenießbar ist

der dem Steinpilz ähnliche Gallenröhrling, _B. felleus_, der sich

durch hellrosa Röhren statt weißer von ihm unterscheidet. Von den

zahlreichen Arten der Gattung _Polyporus_ ist #offizinell# der

südeuropäische, an Lärchen vorkommende _Polyporus officinalis_,

dessen unregelmäßig knollige, weiße Fruchtkörper einen bitteren

harzartigen Bestandteil enthalten. Verwandt mit Polyporus ist

der ebenfalls offizinelle Feuer- oder Zunderschwamm, _Fomes

fomentarius_. Sein Myzelium lebt parasitisch in Laubbäumen,

besonders Buchen, und erzeugt große konsolförmige, bis 50 cm breite

und 35 cm dicke, mehrjährige Fruchtkörper mit harter, grauer Rinde

und wergartiger, den Zunderschwamm liefernder Innenmasse. Auf

der Unterseite stehen die engen Hymeniumröhren in übereinander

lagernden Jahresschichten. Der ähnliche _Fomes igniarius_, unechter

Zunderschwamm (Fig. 416), besonders an Eichen auftretend, ist

rotbraun gefärbt, viel härter und liefert nur einen schlechten

Zunder.

[Illustration: Fig. 416. Fomes igniarius. Durchschnitt durch einen

mehrjährigen Fruchtkörper mit Zuwachszonen. _a_ Befestigungsstelle des

halbkreisförmigen Hutes. ½ nat. Gr.]

[Illustration: Fig. 417. Psalliota campestris. Champignon, rechts

junger Fruchtkörper. Verkleinert.]

Manche Polyporeen sind sehr schädliche #Parasiten# der

#Waldbäume#, so _Fomes annosus_, an Kiefern und Fichten. Eine

sehr schädliche #saprophytische# Art ist _Merulius lacrymans_,

der #Hausschwamm#[390], dessen Myzelium in feuchtem Bauholz, in

erster Linie in Nadelholz, vegetiert und dieses zerstört; an der

Oberfläche des Holzes und an Mauerwerk bildet sein Myzel große

grauweiße Watten mit derben, sich verzweigenden Strängen, die

neben gewöhnlichen Hyphen siebröhrenartige Hyphen zur Leitung von

Wasser und Nährstoffen und verdickte Faserhyphen enthalten. Die

Hyphen zeichnen sich durch schnallenförmige Verbindungen ihrer

aufeinanderfolgenden Zellen aus. Die aus Ritzen hervorkommenden,

im jungen Zustand weißen, unregelmäßig lappigen Fruchtkörper

tragen das Hymenium auf ihrer grubigen Oberfläche und sind bei

der Reife mit rostbraunen Sporenmassen bedeckt. Trockenlegung und

gute Durchlüftung der infizierten Räume ist das sicherste Mittel

zur Bekämpfung des Hausschwammes. Nahe verwandt mit ihm ist der in

Wäldern vorkommende _Merulius silvester_.

Lehrbuch der Botanik für Hochschulen · 第 57 / 90 段