Die #Askusbildung# vollzieht sich, soweit bisher bekannt, in der

Weise, daß das Myzelium zwischen die Epidermis und die Kutikula der

Blätter oder der Fruchtknoten eindringt und sich hier reichlich

verzweigt. Die einzelnen Hyphenzellen schwellen an und bilden

meist unter Abgliederung einer basalen Stielzelle je einen die

Kutikula nach außen durchbrechenden Askus, der wie bei den übrigen

Schlauchpilzen anfangs zwei Kerne aufweist und nach Verschmelzung

beider in drei Teilungsschritten acht Sporen erzeugt (Fig. 395).

Die zahlreichen Asci stehen dicht nebeneinander.

Die Sporen sprossen in Wasser oder zuckerhaltiger Nährlösung,

häufig sogar schon in den noch geschlossenen Schläuchen direkt

zu Konidien aus, eine Form der Konidienvermehrung, die als

#Hefesprossung# bezeichnet wird; so bei _Taphrina Pruni_.

Die Exoascaceae sind vielleicht als reduzierte Askomyceten

aufzufassen, bei denen die Sexualorgane vollständig rückgebildet

wurden.

_7. Ordnung. Saccharomycetes, Hefepilze, Sproßpilze_[377]. Die

zur Gattung _Saccharomyces_ vereinigten Bier-, Branntwein- und

Weinhefen stellen sehr einfache, einzellige Pilze vor, die nur in

Form von kugeligen, ovalen oder zylindrischen Zellen auftreten.

Sie enthalten einen Kern und vermehren sich fortgesetzt durch

#Zellsprossung# (Fig. 396). Myzelbildung fehlt, höchstens bleiben

die Zellen in Ketten eine Zeitlang vereinigt. Nach Erschöpfung des

Substrats, bei freiem Zutritt von Sauerstoff und bei günstiger

Temperatur bilden die Hefen #Asci#, die äußerlich den Hefezellen

gleichen, im Innern aber einige wenige Sporen erzeugen. Bei

manchen Hefepilzen ist eine mit Kernverschmelzung verbundene

#Kopulation# zweier Zellen beobachtet, so bei _Saccharomyces

Ludwigii_, dessen vier Sporen im Askus keimen und dann paarweise

durch je einen schnabelartigen Kopulationskanal fusionieren,

worauf dieser zum Keimschlauch sich verlängert und mit der

Abgliederung von Hefezellen beginnt, ferner bei der Ingwerbierhefe

_Zygosaccharomyces_ und bei _Schizosaccharomyces_, deren Hefezellen

mittels langer Schläuche vor der Sporenbildung kopulieren. Diese

Kernfusionen entsprechen vielleicht derjenigen im jungen Askus der

übrigen Askomyceten.

[Illustration: Fig. 395. Taphrina Pruni. Querschnitt durch die

Epidermis einer infizierten Pflaume. Vier reife Asci. _a__{1} _a__{2},

mit acht Sporen, _a__{3}, _a__{4} mit Konidiensprossung aus den Sporen,

_st_ Stielzelle des Askus, _m_ Myzel quer durchschnitten, _cut_

Kutikula, _ep_ Epidermis. Vergr. 600. Nach SADEBECK.]

[Illustration: Fig. 396. Saccharomyces cerevisiae. _A_ Hefezelle. _B_,

_C_ In Sprossung. _D_ Askus mit Sporen (in Vierzahl gebildet). Vergr.

1125. Nach GUILLIERMOND.]

Die Hefepilze sind in physiologischer Beziehung als

#Gärungserreger# bemerkenswert; sie bewirken vermittels der von

ihnen erzeugten Zymase die Spaltung von Trauben- und Fruchtzucker

in Alkohol und Kohlensäure (vgl. S. 238). Die Bierhefe,

_Saccharomyces cerevisiae_, ist nur in der kultivierten Form

bekannt; der Weinhefenpilz, _S. ellipsoideus_, dagegen tritt in

der Natur schon im Boden der Weinberge in Sporenform auf und

gelangt von dort auf die Trauben und so in den Most. Beide Arten

kommen in verschiedenen Rassen vor, die in Reinkulturen gezüchtet

werden, um so in den Gärungsbetrieben Verwendung zu finden.

Außer Saccharomyces gehören zu den Hefepilzen noch einige andere

Gattungen, die zum Teil auch Myzelien bilden.

Die Hefen sind selbständige Pilze, wenigstens ist bis jetzt der

Nachweis nicht geführt, daß sie in den Entwicklungsgang anderer

Fadenpilze gehören, wenn auch bei verschiedenen Gattungen der

Exoasceen und Ustilagineen ebensolche Hefesprossung zu beobachten

ist. Ob sie reduzierte Askomyceten vorstellen oder zusammen mit

einigen Gattungen sehr einfacher Schlauchpilze an den Beginn der

Klasse gehören, bleibt noch unentschieden.

Infolge ihres Gehaltes an leichtverdaulichen Nährstoffen, besonders

Eiweiß und Glykogen, auch etwas Fett, hat Hefe einen bedeutenden

Nährwert und findet daher gereinigt und bei 125° C getrocknet

als #Nährhefe# Verwendung. Aus Hefe läßt sich eine plastische

hartgummiartige Masse, #Ernolith#, gewinnen, die zu technischen

Zwecken (Druckstöcken) unter Heißpressung gebraucht wird.

_8. Ordnung. Laboulbenieae_[378]. Diese durch THAXTER genauer

bekannt gewordenen eigenartigen Askomyceten sind winzige, auf

Insekten, besonders Käfern, parasitisch lebende Pilze mit zwei-

bis vielzelligem Thallus, der mittels eines spitzen Fortsatzes

der untersten Zelle in der Chitinhaut befestigt ist oder auch

mittels Rhizoiden in den Körper des befallenen Insektes eindringt.

Als Beispiel sei der auf Stubenfliegen in Europa verbreitete

_Stigmatomyces Baerii_ genannt. Die zweizellige, mit Schleimhülle

versehene Spore (Fig. 397 _A_) setzt sich mit der unteren Spitze

fest (_B_); beide Zellen teilen sich sodann (_C_), und aus

der oberen Zelle geht ein Anhängsel mit mehreren einzelligen,

flaschenförmigen #Antheridien# (_D_, _an_) hervor, aus welchen

die nackten, zilienlosen, kugeligen #Spermatien# entleert werden,

während die untere Zelle zunächst in vier Zellen (_D a_, _b_, _c_,

_d_) sich teilt, von denen _a_ sich vorwölbt und einen vielzelligen

weiblichen Apparat liefert. Die eigentliche Eizelle (_Eac_),

#Karpogon# genannt, ist von einer Hülle umgeben und über ihr stehen

zwei Zellen (_Etp_, _t_), von denen die oberste als #Trichogyn#

frei hervorragt und als Empfängnisorgan für die Spermatien

fungiert. Das Karpogon teilt sich nach der Befruchtung in drei

Zellen, von denen die obere verschwindet, die untere (_F_, _st_)

steril bleibt, die mittlere aber zu den Sporenschläuchen auswächst,

die je vier zweizellige spindelförmige Sporen erzeugen (_G_).

Die Sexualkerne treten im Karpogon nur paarweise dicht zusammen

und teilen sich dann konjugiert weiter; erst in den Askusanlagen

vollzieht sich die Kopulation der Kerne. Bei gewissen Arten fehlen

die Antheridien; nach FAULL erhält das Karpogon in diesen Fällen

einen zweiten Kern aus der Tragzelle des Trichogyns.

* * * * *

_Actinomycetes, Strahlenpilze_[379].

Die Stellung der Strahlenpilze im System ist zur Zeit noch

durchaus unsicher. Im vegetativen Zustand bestehen sie aus #sehr

feinen monopodial verzweigten# Fäden (Hyphen) von Bakteriendicke

(0,5-0,8 μ). Der Fadeninhalt erscheint homogen, doch zerfallen

die Fäden leicht in Bruchstücke und könnten daher doch wohl in

Zellen gegliedert sein. Stärker färbbare Körnchen im Plasma

sind vielleicht Zellkerne. Chlorophyll fehlt. Rundliche oder

zylindrische Sporen entstehen reihenweise durch Teilung und Zerfall

der Hyphenenden in kurze Zellen. Da weder Sexualorgane noch die

für Algenpilze oder für Fadenpilze besonders charakteristischen

Sporenbildungen bei den Strahlenpilzen nachgewiesen sind, fragt es

sich, ob sie #primitive Organismen# oder ob sie als #reduzierte

Fadenpilze# etwa den Ascomyceten anzuschließen sind. Von den

Bakterien unterscheiden sie sich durch die Verzweigung der Hyphen

und andere Sporenbildung, andererseits stimmen sie vielfach mit

ihnen in Vorkommen und Lebensweise überein. In zahlreichen Rassen

sind sie überall im Erdboden, an Pflanzen und Tieren, auf allen

möglichen Substraten verbreitet, meist als Saprophyten, einige

auch als Parasiten. So ist _Actinomyces scabies_ der Erreger der

Schorfkrankheit der Kartoffeln und Rüben. Eiterige Geschwüre

beim Rind erzeugt _A. bovis_, ähnliche Krankheiten, besonders

Eiterungen im Kiefer, beim Menschen _A. hominis_. Übrigens ist die

Unterscheidung bestimmter Arten bei dem jetzigen Stand unserer

Kenntnisse und bei der großen Variabilität der Rassen in Kulturen

noch nicht durchführbar.

[Illustration: Fig. 397. Stigmatomyces Baerii. Erklärung im Text.

_A_ Spore, _B_, _F_ Aufeinanderfolgende Stadien. _D_ Mit Antheridien

an, aus denen Spermatien austreten. _E_ Oben mit Antheridien, links

mit ausgebildetem weiblichem Apparat. _F_ Perithecium mit sich

entwickelnden Sporenschläuchen. _G_ Reifer Sporenschlauch. Nach

THAXTER.]

2. Unterklasse. Basidiomycetes[288], [352], [353], [380]-[392].

Die Basidienpilze scheinen #keine Sexualorgane# mehr zu besitzen;

nur bei den _Uredineen_ oder Rostpilzen treten noch Gebilde auf,

die man als überkommene, aber funktionslos gewordene männliche

Organe deuten kann, und sogar auch noch Zellen, die den Karpogonen

der Askomyceten zu entsprechen scheinen. An Stelle der Asci treten

die ihnen gleichwertigen #Basidien#, die aber durch Zellsprossung

die #Basidiosporen#, bei den meisten Vertretern in der Zahl #vier#,

erzeugen. Ihre Anlagen zeigen insofern Übereinstimmung mit denen der

Asci, als in sie ebenfalls zwei Zellkerne eintreten, die miteinander

verschmelzen. Auf diese Kernverschmelzung (Karyogamie) scheint

allgemein eine Reduktionsteilung zu folgen. In zwei Teilungsschritten

entstehen so die vier Sporenkerne, die in die Aussprossungen der

Basidie hineinwandern (Fig. 398).

Der bei den Askomyceten vorhandene #Generationswechsel# läßt sich

bei den Basidiomyceten innerhalb der Gruppe der Uredineen noch in

ähnlicher Form erkennen, bei den übrigen Gruppen aber mangels der

Sexualorgane nicht mehr feststellen. Als Ersatz einer Kopulation

von Sexualzellen kommen Zellfusionen in Betracht, die zweikernige

Zellen liefern. Jedes Kernpaar entspricht zwar einem diploiden

Kern, aber erst in der Anlage der Basidien kommt eine Verschmelzung

der beiden haploiden Kerne eines Paares zu einem wirklich diploiden

zustande, der dann bei seiner Teilung gleich wieder haploide Kerne

liefert.

Die #Basidien# treten in drei verschiedenen Formen auf. Bei den

Ordnungen der _Uredineen_ und _Auricularieen_ ist ihr oberer Teil durch

Querwände in vier Zellen geteilt, von denen eine jede an ihrem oberen

Ende eine auf einem dünnen Stielchen (Sterigma) sitzende Spore erzeugt

(Fig. 404, 409). Bei den _Tremellineen_ dagegen teilt sich die Basidie

durch zwei Längswände in vier mit langen schlauchförmigen Sterigmen

versehene Zellen (Fig. 399). Bei den _Exobasidiinen_, _Hymenomyceten_

und _Gasteromyceten_ ist der Basidienträger einzellig, ungeteilt; er

bildet an seinem Gipfel vier Sporen, die meist auf Sterigmen sitzen,

seltener ungestielt sind (Fig. 398, 421 _2_). Von Interesse ist das

Verhalten der _Ustilagineen_, indem bei der einen Familie dieser Pilze

quergeteilte Basidien, bei der anderen dagegen ungeteilte Basidien

auftreten. Die Zahl der gebildeten Sporen ist hier nicht scharf

begrenzt, sondern oft sehr groß.

[Illustration: Fig. 398. Armillaria mellea. _A_ Junge Basidie mit

den beiden primären Kernen. _B_ Nach Verschmelzung der beiden Kerne.

-- Hypholoma appendiculatum. _C_ Basidie vor dem Übertritt der aus

dem sekundären Basidienkern entstandenen vier Kerne in die jungen

scheitelständigen Basidiosporen. _D_ Übertritt des Zellkernes durch das

Sterigma in die Basidiospore. Nach RUHLAND.]

[Illustration: Fig. 399. Basidie einer Tremellinee (Tremella

lutescens). Vergr. 450. Nach BREFELD. Aus V. TAVEL, Pilze.]

Außer den Basidien treten wie bei den Askomyceten auch hier

#Konidien# als Nebenfruktifikationen in dem Entwicklungsgang

mancher Arten auf. Von der Konidienbildung verschieden ist

die Entstehung ungeschlechtlicher Sporen durch Abrundung,

Membranverdickung und schließliche Abtrennung der Hyphenzellen

(#Chlamydosporen# nach BREFELD). So entstehen reihenweise die

Brandsporen der _Ustilagineen_, endständig die Rostsporen der

_Uredineen_. Bei ersteren gehen die Basidien #unmittelbar# aus

den keimenden Brandsporen hervor (Fig. 401), bei letzteren aus

bestimmten Rostsporen (Fig. 404 _2_). Beide Gruppen unterscheiden

sich dadurch scharf von den übrigen Basidiomyceten, bei denen,

abgesehen von einigen einfacheren Formen, von den Myzelien

durch Hyphenverflechtung Fruchtkörper angelegt werden, an deren

Oberfläche oder in deren Innerem dann die Basidien, meist in

besonderen Schichten oder Hymenien zur Bildung gelangen. Diese

Fruchtkörper entsprechen denen der Askomyceten, nur fehlen in

ihren Anlagen die Sexualorgane. #Die den Rost- und Brandsporen

entsprechenden Basidienanlagen gehen hier aus Hyphenzellen der

Fruchtkörper hervor, ohne daß Chlamydosporenbildung eintritt.#

_1. Ordnung. Ustilagineae, Brandpilze_[381]. Die Brandpilze leben

parasitisch in höheren Pflanzen. Besonders dienen die Gramineen

als Nährpflanzen. Gewisse Arten sind dem Getreide in hohem Maße

schädlich: sie erzeugen in den Fruchtständen von Hafer, Gerste,

Weizen, Hirse, Mais die als #Getreidebrand# bekannten Krankheiten.

Das Myzelium bildet die #Brandsporen#, indem seine Hyphen sich

durch Querwände in kurze Zellen teilen, die anschwellen, sich

abrunden, ihre Membran aufquellen lassen und sich als Sporen

innerhalb der später verschwindenden Gallerthüllen mit einer neuen

Membran umgeben. So zerfällt das Myzelium in eine dunkelbraune oder

schwarze Masse von Brandsporen. Diese sind Dauersporen, werden

von den Wirtspflanzen aus durch den Wind zerstreut und keimen

nach der Winterruhe zu den #Basidien# aus, deren Bildung bei den

beiden Familien der Brandpilze, den _Ustilaginaceen_ und den

_Tilletiaceen_, nach verschiedenen Typen erfolgt.

[Illustration: Fig. 400. Ustilago. _A_ In Nährlösung keimende

Brandspore _cl_ mit der Basidie (Promyzel) _t_, den Basidiosporen

(Sporidien) _c_. Vergr. 450. _B_ In Nährlösung sprossende Konidien.

Vergr. 200. _C_ Sproßverband von Konidien. Vergr. 350. Nach BREFELD.

Aus V. TAVEL, Pilze.]

[Illustration: Fig. 401. Ustilago scabiosae. _A_ Aus der Brandspore

gekeimte junge Basidie mit vier Kernen. _B_ Sporenbildung an der

vierzelligen Basidie. Nach HARPER.]

Als wichtigster Vertreter der _Ustilaginaceen_ ist die Gattung

_Ustilago_ zu erwähnen. _Ust. Avenae_, _Hordei_, _Tritici_, die

früher als _U. Carbo_ zusammengefaßt wurden, verursachen den

Staubbrand in den Fruchtknoten von Hafer, Gerste, Weizen, _Ust.

Maydis_ an den Halmen, Blättern und Infloreszenzen des Mais die

Bildung von großen, mit schwarzem Brandsporenpulver erfüllten,

geschwürartigen Beulen und Blasen. _Ust. violacea_ lebt in

Caryophyllaceen (Lychnis, Saponaria), deren Staubbeutel von ihr an

Stelle des Pollens mit Brandsporen erfüllt werden. An weiblichen

Lichtnelkenpflanzen bewirkt der Pilz in den Blüten die Entwicklung

von Staubgefäßen mit brandigen Antheren.

Die Brandsporen von Ustilago keimen nach der Ruhezeit auf dem

Boden zu einem kurzen Schlauch (Promyzel), der sich durch drei

bis vier Querwände teilt (Fig. 401) und die #Basidie# vorstellt;

diese bringt seitlich am oberen Ende ihrer einzelnen Zellen sowie

an ihrer Spitze die eiförmigen, hier einkernigen #Basidiosporen#

(Sporidien) hervor. Wenn reichlich Nährstoffe dem Pilz zur

Verfügung stehen, wie bei Kultur in Nährlösungen, werden

beständig neue Sporen in großer Zahl abgegliedert (Fig. 400),

und diese vermehren sich dann, indem sie fortgesetzt in Konidien

weitersprossen. Sind keine reichlichen Nährstoffe im Substrat

vorhanden, so erfolgen bei manchen Brandpilzen paarweise Fusionen

zwischen den Konidien oder zwischen den Zellen des Promyzels (Fig.

403). Auf den Getreideäckern findet die Konidienbildung im feuchten

gedüngten Boden statt, also bei saprophytischer Ernährungsweise,

und die aus Konidien oder Fusionszellen schließlich hervorgehenden

Fäden gehen zur parasitischen Lebensweise über, indem sie in

Getreidekeimlinge eindringen und diese bis zur Vegetationsspitze

durchwachsen, wo später die Infloreszenzen angelegt werden. In

letzteren entwickelt sich das Myzel weiter und schließt mit der

Erzeugung der Brandsporen ab.

Außer der #Infektion# junger Pflanzen kommt auch eine Infektion

der Blüten vor, indem Brandsporen oder am Boden gebildete Konidien

auf die Narben gelangen und dort zu Myzelien auskeimen, die in die

Samenanlagen eindringen und schließlich im Keimling überwintern.

Entweder findet ausschließlich Blüteninfektion statt, so bei

_Ustilago Tritici_, _Hordei_, oder vorwiegend Infektion der

Keimpflanzen, so bei _U. Avenae_, _Sorghi_, _Panici miliacei_,

_Crameri_, während der Maisbrand mit seinen Konidien alle Teile

noch junger Maispflanzen infizieren kann und sich auf die

infizierte Stelle beschränkt.

Die _#Tilletiaceen#_ führen ähnliche Lebensweise wie die

Ustilaginaceen. Am bekanntesten sind _Tilletia Tritici_ (auch _T.

Caries_ genannt) und _Till. laevis_, die Pilze des Stein- oder

Stinkbrandes des Weizens. Die Weizenkörner werden vom Pilz mit

schwärzlichen, nach Heringslake riechenden #Brandsporen# erfüllt,

die bei ersterer Art netzförmig verdickte, bei letzterer glatte

Wandung besitzen. Im Gegensatz zu den Ustilaginaceen erzeugt der

Keimschlauch nach vorausgegangener mehrmaliger Teilung seines

Kernes die hier fadenförmigen #Basidiosporen# nur an seinem

Scheitel, in wirteliger Anordnung zu 8 bis 16 (Fig. 402 _A_). Sie

zeigen die Eigentümlichkeit, daß sie paarweise miteinander in

Verbindung treten (_B_) und somit auch paarweise abfallen. Die

Sporenpaare keimen leicht aus und erzeugen an ihren Keimschläuchen

wiederum je eine #Konidie#, aber von sichelförmiger Gestalt (Fig.

402 _C_). Bei reichlicher saprophytischer Ernährung wachsen die

Keimschläuche zu größeren Myzelien heran, an denen in reichem Maße

solche sichelförmigen Konidien an der Luft abgegliedert werden

(_D_). Tilletia weist somit im Gegensatz zu Ustilago zweierlei

Formen von Konidien auf. Im übrigen stimmt die Entwicklung bei

beiden Gruppen überein.

[Illustration: Fig. 402. Tilletia Tritici. _A_ Die aus der Brandspore

hervorgegangene Basidie mit vier Paaren endständiger Sporen _k_. Vergr.

300. _B_ Ablösung der fusionierten Sporenpaare. Vergr. 250. _C_ Ein

solches in Keimung mit sichelförmiger Sekundärkonidie _sk_. Vergr. 400.

_D_ Myzelium mit sichelförmigen Konidien. Vergr. 350. Nach BREFELD.]

Bezüglich des #Verhaltens der Kerne# der Brandpilze ist zu

bemerken, daß allgemein in die jungen Brandsporen zwei Kerne

eintreten, die dann verschmelzen. Bei der Keimung der Brandsporen

ist eine Reduktionsteilung zu erwarten. Die Zellen des Promyzels

und die Sporidien sind einkernig und bezeichnen den Beginn

der haploiden Phase. Die Zweikernigkeit der Zellen wird nun

auf verschiedene Weise erreicht. Bei _U. Maydis_, _Doassansia

Sagittariae_ besteht das parasitische Myzel aus einkernigen Zellen,

und erst kurz vor der Sporenbildung fusionieren benachbarte

Hyphenzellen durch Lösung der Querwand paarweise miteinander,

wodurch zweikernige, die Sporen liefernde Zellen entstehen.

Dagegen erhält bei _U. carbo_ und wohl den meisten Brandpilzen das

parasitische Myzel zweikernige Zellen dadurch, daß die Sporidien

oder die aus ihnen hervorgehenden Konidien oder sogar schon die

Promyzelzellen oder auch die Zellen der aus ihnen oft entstehenden

verzweigten Myzelien paarweise fusionieren (Fig. 403). Ähnlich

verhält sich auch _Tilletia_, bei der die Sporidien bereits vor

ihrer Loslösung paarweise in Verbindung treten; aus der einen

Sporidie tritt der Kern in die andere über. Die bei der Keimung aus

ihr hervorgehenden Hyphenzellen und sekundären Sporidien, ebenso

die Zellen des parasitischen Myzeliums sind demgemäß sämtlich

zweikernig.

Für Ustilago violacea hat KNIEP nachgewiesen, daß die

aus Sporidien hervorgehenden Konidien nicht miteinander

kopulieren, wenn sie Abkömmlinge nur #eines# Sporidiums sind.

Physiologische Geschlechtsdifferenzierung führt hier zur Bildung

zweier zwar äußerlich gleicher, innerlich aber heterogener

Sorten von Sporidien. Solche Geschlechtsdifferenzierung bei

Ustilagineen dürfte sich nach KNIEP und RAWITSCHER bereits bei

der Reduktionsteilung den Brandsporenkerns in die zwei ersten

Promyzelkerne vollziehen, von denen einer und seine Abkömmlinge das

eine Geschlecht (+), der andere das andere Geschlecht (-) erhält.

Bei den Brandpilzen sind somit haploide und diploide Phasen nicht

übereinstimmend festgelegt.

[Illustration: Fig. 403. Ustilago Carbo. _A_ Kopulierende Sporidien.

_B_ Die zwei obersten Zellen eines Promyzels zu einer zweikernigen

Zelle kopuliert. _C_ Kopulation zwischen zwei Promyzelien. Vergr. 1000.

Nach RAWITSCHER.]

[Illustration: Fig. 404. Puccinia graminis. _1_ Querschnitt durch einen

Getreidehalm mit einem Teleutosporenlager. _2_ Keimende Teleutospore

mit zwei Basidien. _3_ Vegetativ, _4_ fruktifikativ keimende

Basidiospore. Letztere mit Sekundärspore, welche gebildet wird, wenn

zur Infektion einer Pflanze keine Gelegenheit geboten ist. _5_ Gruppe

von Uredosporen _u_, untermischt mit einer Teleutospore _t_, _p_ die

Keimsporen. _6_ Keimende Uredospore. _1_ Vergr. 150. _2_ Vergr. ca.

230. _3_, _4_ Vergr. 370. _5_ Vergr. 300. _6_ Vergr. 390. _2_, _3_, _4_

nach TULASNE. _5_, _6_ nach DE BARY. Aus V. TAVEL, Pilze.]

_2. Ordnung. Uredineae, Rostpilze_[382]-[386]. Die Rostpilze

leben als Parasiten mit ihren Myzelien in den Interzellularräumen

hauptsächlich der Blätter höherer Pflanzen und sind die Erreger

der sehr verbreiteten Rostkrankheiten. Von den Brandpilzen

unterscheiden sie sich durch viel mannigfaltigere Sporenbildungen.

Auch hier entstehen Basidien nicht direkt am Myzel, sondern bei der

Keimung besonderer Sporen, der #Teleuto#- oder #Wintersporen#, die

für fast sämtliche Rostpilze charakteristisch sind. Diese Sporen

werden in kleinen Gruppen unter der Epidermis der Nährpflanze aus

den Endzellen dicht nebeneinander stehender Hyphenäste gebildet,

entweder einzeln oder häufig zu zwei oder mehr in kurzer Kette; sie

sind dickwandige, den Winter überdauernde Ruhesporen (Fig. 404, _1_

und _5 t_). Die Sporenlager durchbrechen gewöhnlich die Epidermis.

Die Sporen besitzen anfangs, wie auch alle Zellen des sie bildenden

Myzels, zwei Kerne; in reifem Zustande aber sind letztere zu einem

Kern verschmolzen.

Bei der Keimung wächst aus der Teleutosporenzelle eine #Basidie#

(Promyzel) hervor, die sich, wohl allgemein unter Reduktionsteilung

ihres Kernes, in vier Zellen #quer teilt# und aus jeder Zelle

auf einem Sterigma eine #Basidiospore# (Sporidie) erzeugt, die

nur einen Zellkern enthält (Fig. 404, _2_). Die Sporen werden

durch den Wind verbreitet und keimen im Frühjahr auf den Blättern

von Nährpflanzen derselben Art oder einer anderen Art zu einem

interzellulären Myzelium, dessen Zellen sämtlich einkernig bleiben.

Aus diesem Myzelium entwickeln sich nun zweierlei Gebilde, und zwar

Spermogonien an der Blattoberseite, Äcidien an der Blattunterseite.

[Illustration: Fig. 405. Gymnosporangium clavariaeforme. Spermogonium

auf Crataegusblättern, die Epidermis durchbrechend. _sp_ Spermatien,

_p_ sterile Saftfäden oder Paraphysen. Nach BLACKMAN.]

Die #Spermogonien# (Fig. 405) sind krugförmige Gebilde, deren Grund

von Hyphenenden ausgekleidet wird, welche die mit je einem Zellkern

ausgestatteten Spermatien abgliedern. Sie entsprechen morphologisch

den gleichnamigen, bei gewissen Askomyceten auftretenden männlichen

Sexualorganen, die unter den Basidiomyceten nur bei Uredineen

zwar noch vielfach erhalten bleiben, aber keine Funktion mehr

ausüben und auch ganz fehlen können. Die Spermatien vermögen in

Nährlösungen kurze Keimschläuche zu treiben, sind aber nicht

imstande, auf Blättern neue Infektionen hervorzurufen.

[Illustration: Fig. 406. Puccinia graminis. Äcidium auf Berberis

vulgaris. _ep_ Epidermis der Blattunterseite, _m_ interzellulares

Myzel, _p_ Peridie, _s_ Sporenketten. Vergr. 142.]

Lehrbuch der Botanik für Hochschulen · 第 56 / 90 段