Das Verhalten der Sexualkerne bei und nach der Befruchtung

der Karpogone ist nur für wenige Fälle sicher erkannt. Für

einige Askomyceten (_Pyronema_, _Monascus_) ist in neuerer Zeit

festgestellt, daß #im Karpogon die Sexualkerne sich nur dicht

nebeneinander lagern#, daß sie sich in den askogenen Fäden

konjugiert weiterteilen und #daß erst in der Askusanlage die

Abkömmlinge je eines männlichen und je eines weiblichen Kerns

miteinander verschmelzen#. So erscheint die Kopulation der

Sexualkerne vom Karpogon in den Askus hinausgeschoben und der

Befruchtungsvorgang in zwei Stadien zerlegt.

Soweit sich aus den bisherigen Angaben schließen läßt, scheint

bei den Schlauchpilzen allgemein die #Reduktion# der Chromosomen

nach der Vereinigung der beiden Kerne in der #Askusanlage# bei der

ersten Teilung des Fusionskerns sich abzuspielen.

In dem Entwicklungsgange der Schlauchpilze tritt vor der

Fruchtkörperbildung vielfach noch eine ungeschlechtliche Vermehrung

mittels #Konidien# auf; diese sind behäutete Sporen, die durch

Zellsprossung an den Enden einfacher oder verzweigter Hyphenäste,

der #Konidienträger# (z. B. Fig. 385), entstehen und sich

abgliedern.

Von zahlreichen Fadenpilzen ist bis jetzt nur solche

Konidienvermehrung bekannt, nicht aber die Askusfrüchte. Man

bezeichnet sie daher als #Fungi imperfecti#, wobei die Frage offen

steht, ob nicht in gewissen Fällen die Askusbildung ganz in Wegfall

gekommen ist.

[Illustration: Fig. 382. Teil des Hymeniums von Morchella esculenta.

_a_ Asci, _p_ Paraphysen, _sh_ subhymeniales Gewebe. Vgr. 240. Nach

STRASBURGER.]

Nach der Beschaffenheit der Fruchtkörper unterscheiden wir zunächst

die Ordnungen der _Erysibeen_, _Plectascineen_ und _Pyrenomyceten_ mit

geschlossenen oder mit krugförmigen Fruchtkörpern (Perithecium), der

_Discomyceten_ mit offenen Fruchtkörpern (Apothecium), der _Tuberineen_

mit anfangs offenen, später fast geschlossenen Fruchtkörpern.

Diesen Ordnungen reihen wir die _Exoasceen_ an, bei denen die Asci ohne

Fruchtkörperbildung aus den Hyphenzellen hervorgehen, ferner die sehr

einfachen _Saccharomyceten_ oder Hefepilze. Beide Gruppen können als

reduzierte Askomyceten aufgefaßt werden.

Die _Laboulbenieen_ endlich, deren Asci in kleinen Perithecien

eingeschlossen sind, nehmen eine isolierte Stellung ein.

Die verwandtschaftlichen Beziehungen dieser Ordnungen zueinander

sind noch nicht geklärt.

_1. Ordnung. Erysipheae, Mehltaupilze_[296],[352],[368]. Die

kleinen kugeligen #Perithecien# besitzen eine geschlossene

Hülle (Peridie), die schließlich unregelmäßig aufplatzt und die

Askosporen entläßt. Die Asci stehen im Zentrum der Frucht in

Einzahl oder zu mehreren büschelig angeordnet.

Die Mehltaupilze überziehen als Parasiten die Blätter höherer

Pflanzen spinnwebartig und entsenden aus ihren Hyphen Haustorien

oder Saugfortsätze in die Epidermiszellen. In einzelnen Fällen

lebt das Myzel auch interzellulär im Blattgewebe. Die Perithecien

sind in den weißen Überzügen als kleine, mit eigentümlichen

Anhängseln versehene, kugelige, schwarze Körperchen zu erkennen.

Im einfachsten Falle (z. B. bei der Gattung _Sphaerotheca_)

umschließt das Perithecium nur einen einzigen Askus mit acht

Sporen, der von sterilen Hyphen oder Hüllfäden in mehreren

Schichten dicht umwachsen ist. Bei den Gattungen _Erysibe_ und

_Uncinula_ dagegen finden sich in jedem Perithecium mehrere, bei

_Phyllactinia_ 12 bis 25 Asci vor. Die Zahl der Sporen beträgt

meist vier oder auch nur zwei, indem nicht alle acht Kerne des

Askus zur Sporenbildung verwendet werden. Wie HARPER nachgewiesen

hat, besteht die erste Anlage des Peritheciums aus einem #Oogonium#

und einem #Antheridium#. Beide werden an Hyphenästen als einkernige

Sexualzellen abgegrenzt, stehen dicht nebeneinander, und der

männliche Kern tritt durch ein Loch in der Zellwand in das

Oogon über (Fig. 383, _1_-_4_). Nach der Befruchtung wird das

Oogonium von Hüllfäden, die aus seiner Stielzelle oder auch aus

derjenigen des Antheridiums entspringen, umgeben (_5_) und zu einem

mehrzelligen Gebilde weiterentwickelt (_6_), aus dessen vorletzter,

zweikerniger Zelle bei _Sphaerotheca_ nach vorausgegangener

Kernvereinigung und Reduktionsteilung der achtsporige Askus

entsteht, während bei _Erysibe_ und bei _Phyllactinia_ diese

Zelle ausschließlich oder wenigstens vorwiegend askogene

Schläuche treibt, die ihrerseits die hier in Mehrzahl vorhandenen

Asci bilden. Die Mehltaupilze vermehren sich, bevor sie zur

Peritheciumbildung übergehen, zunächst durch Konidien, die an

kleinen aufrechten Myzelzweigen in Form von Ketten von der Spitze

nach abwärts fortschreitend, abgegliedert und durch den Wind

verbreitet werden.

[Illustration: Fig. 383. Sphaerotheca Castagnei. _1_ Oogonium _og_

und Antheridiumzweig _az_. _2_ Abgrenzung des Antheridiums _an_. _3_

Übertritt des Antheridiumkernes zum Oogoniumkern. _4_ Befruchtetes

Oogonium, in _5_ mit zwei Lagen Hüllfäden aus der Stielzelle _st_. _6_

Mehrzelliges Askogon durch Teilung des Oogoniums hervorgegangen, die

vorletzte zweikernige Zelle, _as_, liefert den Ascus. Nach HARPER.]

[Illustration: Fig. 384. Uncinula necator. _A_ Konidienbildung,

_c_ Konidie, _b_ Konidienträger. _B_ Myzelfaden _m_, der auf

Epidermiszellen die Anheftungsscheiben _a_ und ein Haustorium _h_

gebildet hat. _C_ Perithecium mit Anhängseln. Aus SORAUER, LINDAU, REH.

Handb. der Pflanzenkrankheiten, II_{1}, S. 246, 1921.]

Der auf Blättern und Beeren von Vitis in Amerika, seit 1845 auch

in Europa erschienene, sehr schädliche #Mehltau des Weinstocks#

ist die als _Oidium Tuckeri_ bezeichnete Konidienfruktifikation

von _Uncinula necator_ (= _U. spiralis_), deren Perithecien mit

an der Spitze spiralig eingerollten Anhängseln versehen sind.

Sie erscheinen nur selten bei uns, während sie in Nordamerika

regelmäßig im Spätherbst auftreten (Fig. 384). Auch der bei uns

seit 1907 sehr verbreitete Eichenmehltau, _Microsphaera quercina_

vermehrt sich hauptsächlich durch Konidien und erzeugt nur sehr

selten die Perithecien, deren lange Anhängsel an der Spitze

mehrfach gegabelt sind.

_2. Ordnung. Plectascineae._ Die #Perithecien# sind rundlich, haben

eine geschlossene Peridie und enthalten die Asci im Innern in

unregelmäßiger Anordnung.

1. _Aspergillaceae_[369]. Fruchtkörper klein, nicht unterirdisch.

Hierher gehören zwei der gemeinsten Schimmelpilze, _Aspergillus_

(_Eurotium_) _herbariorum_ und _Penicillium crustaceum_, die

saprophytisch auf organischen Stoffen leben. Beide vermehren sich

anfangs in reichlichem Maße nur durch Konidien, bevor sie zur

Bildung der Perithecien übergehen.

Die #Konidien# von _Aspergillus herbariorum_ sind unter dem Namen

Gießkannenschimmel bekannt; sein Konidienträger zeigt am oberen

Ende eine kugelige Anschwellung, von der radial angeordnete

Konidienketten entspringen (Fig. 385). Die Träger stehen

reihenweise nebeneinander und erscheinen als anfangs weißer, später

blaugrüner Schimmel auf feuchten Vegetabilien, Früchten, Brot

usw. Einige Arten von Aspergillus können auch als pathogene Pilze

Erkrankungen bei Wirbeltieren und Menschen hervorrufen, so bewirkt

_A. fumigatus_, der in gärenden Heuhaufen vorkommt und bei 40° C

sein Temperaturoptimum erreicht[370], die Mykosen des Ohrgangs, des

Rachens und der Lunge.

Die ebenfalls blaugrünen Schimmelrasen von _Penicillium

crustaceum_, dem überall verbreiteten Pinsel- oder Brotschimmel,

bestehen dagegen aus verzweigten Konidienträgern (Fig. 385).

_Penicillium brevicaule_, auf modrigem Papier vorkommend, wird zum

Nachweis von Arsen benutzt, da es auf arsenhaltigen Substraten

(Tapeten) in seinem Stoffwechsel das stark riechende Diäthylarsin

abscheidet.

Die #Perithecien# von _Aspergillus_ und _Penicillium_ erscheinen

später am Myzel, bei letzterer Gattung treten sie nur selten

auf. Sie sind verwickelter gebaut als bei den Erysibeen. In

ihrer ersten Anlage sind Sexualorgane, ein Antheridium und ein

mit Trichogyn versehenes Karpogon, nachgewiesen. In den reifen

Früchten erscheinen die Schlauchwandungen und das sterile, die

Asci umgebende Hyphengewebe bis auf die unregelmäßig aufplatzende

Fruchtwand aufgelöst.

[Illustration: Fig. 385. Konidienträger von Aspergillus herbariorum

(links), von Penicillium crustaceum (rechts).]

2. Die _Elaphomycetaceae_ besitzen unterirdische, knollenförmige,

trüffelähnliche Fruchtkörper, deren Peridie gegen den zu einer

pulverigen Sporenmasse reifenden Askuskomplex scharf abgesetzt

ist. #Offizinell# war früher und wird jetzt noch zu Tierarzneien

gebraucht die in Nadelwäldern Europas häufige Hirschtrüffel,

_Elaphomyces cervinus_ (Boletus cervinus) mit walnußgroßen,

gelbbraunen, bitter schmeckenden Fruchtkörpern.

3. Die _Terfeziaceae_ unterscheiden sich von den vorigen durch eine

nicht scharf abgesetzte Peridie ihrer Fruchtkörper. Hierher gehören

die besonders im Mittelmeergebiet verbreiteten _Terfezia_-Arten mit

eßbaren trüffelähnlichen Fruchtkörpern.

_3. Ordnung. Pyrenomycetes, Kernpilze._ Außerordentlich

formenreiche Gruppe von Pilzen, die teils parasitisch auf

Pflanzenteilen, teils saprophytisch auf faulem Holz, Mist usw.

leben. Einige wenige Gattungen befallen parasitisch verschiedene

Insektenlarven. Die Pyrenomyceten charakterisieren sich durch

die #krugförmige# Gestalt ihrer Askusfrüchte oder #Perithecien#,

die an ihrer Spitze eine offene Mündung und in ihrem Grunde ein

Hymenium aus Sporenschläuchen und haarförmigen, oft verzweigten

Saftfäden oder #Paraphysen# (Fig. 386) besitzen. Die Seitenwände

des Peritheciums sind bis zur Mündung ausgekleidet mit ähnlichen

Hyphenhaaren, den Periphysen. Die Askosporen werden aus der Mündung

nach außen entleert.

Die einfachsten Pyrenomyceten besitzen freie, dem Myzel

aufsitzende, meist schwarz gefärbte, kleine Perithecien (Fig. 386),

so die Gattungen _Sphaeria_ und _Podospora_. Bei anderen Kernpilzen

aber erscheinen die Perithecien zu mehreren oder vielen dicht

nebeneinander eingebettet in einen rundlichen, polsterförmigen

oder keulenförmigen, zuweilen verzweigten Myzelkörper von

pseudoparenchymatischer Struktur. Man bezeichnet diesen als

#Stroma#.

Der Peritheciumbildung gehen in dem Entwicklungsgang der meisten

Kernpilze mannigfaltige Nebenfruktifikationen, hauptsächlich

#Konidien# voraus, die in verschiedener Weise von den Myzelfäden

teils direkt, teils auf besonderen Trägern abgegliedert werden

und zur Ausbreitung des Pilzes beitragen. Häufig erscheinen die

Konidienträger zu Fruchtkörpern vereinigt. Eine besondere Form

solcher Früchte sind die bei manchen Gattungen auftretenden

#Pykniden#, kleine kugelige oder flaschenförmige Gebilde, die als

Auskleidung verzweigte Hyphenfäden besitzen, an deren Spitzen

die Konidien, hier Pyknosporen (oder Pyknokonidien) genannt,

abgegliedert werden (Fig. 387). Die Pykniden und ihre Sporen

stimmen in ihrer Bildung mit den Spermogonien und Spermatien der

Flechtenpilze überein und mögen wohl auch als die ursprünglichen

männlichen Organe der Askomyceten zu betrachten sein.

[Illustration: Fig. 386. Perithecium von Podospora fimiseda im

Längsschnitt. _s_ Die Asci, _a_ die Paraphysen, _e_ die Periphysen, _m_

Myzelfäden. Vergr. 90. Nach V. TAVEL.]

[Illustration: Fig. 387. _1_ Konidienabschnürung an den Konidienträgern

aus der Pyknide von Cryptospora hypodermia. Vergr. 300. Nach BREFELD.

_2_ Pyknide von Strickeria obducens, im Durchschnitt. Vergr. 70. Nach

TULASNE. Aus V. TAVEL, Pilze.]

Wichtig als #offizinelles# Gewächs und als Schädling der

Roggenfelder ist _Claviceps purpurea_, der #Pilz des Mutterkorns#.

Er lebt parasitisch in den jungen Fruchtknoten von Gramineen,

hauptsächlich des Roggens. Diese werden im Frühsommer durch die

Askosporen infiziert. Das Myzel überwuchert die Fruchtknoten

und geht bald zur Bildung von Konidien über, die auf kurzen

seitlichen Trägern in kleinen Köpfchen vereinigt abgegliedert

werden (Fig. 388 _A_). Zugleich findet Ausscheidung eines süßen

Saftes statt, mit dem die massenhaft erzeugten Konidien zu Tropfen

zusammenfließen. Dieser sog. #Honigtau# des Getreides wird von

Insekten aufgesucht, auf andere Blüten übertragen und so der Pilz

verbreitet. Das Myzel geht nach Aufzehrung des Fruchtknotengewebes

schließlich in ein Sklerotium über, dadurch, daß die Hyphenfäden

dicht zusammenwachsen und namentlich an der Peripherie unter

Querteilung ein geschlossenes Pseudoparenchym bilden (Fig. 36).

Diese langgestreckten, schwarzviolett gefärbten, aus der Kornähre

mit schwach hornförmiger Krümmung hervorragenden #Sklerotien#

werden als #Mutterkorn#, #Secale cornutum#, bezeichnet (Fig. 388

_B_). Die mit Reservestoffen (Fett) dicht angefüllten Sklerotien

fallen zu Boden und keimen erst im nächsten Frühsommer zur

Zeit der Roggenblüte. Es kommen Hyphenbündel aus ihnen hervor,

die zu langgestielten, blaßrot gefärbten Köpfchen heranwachsen

(_C_). In letzteren werden zahlreiche eingesenkte #Perithecien#,

gleichmäßig über die Oberfläche verteilt, erzeugt (_D_, _E_).

Jedes #Perithecium# enthält eine Anzahl Asci mit acht langen,

fadenförmigen Askosporen, die aus der Mündung hervorgepreßt werden

und, durch den Wind verbreitet, auf die Grasähren gelangen.

_Nectria galligena_, ein sehr schädlicher Parasit in der Rinde

einiger Laubbäume, besonders Apfel- und Birnbaum, verursacht den

sog. #Krebs der Obstbäume#; sie bildet im Winter und Frühjahr

zahlreiche kleine, rot gefärbte Perithecien[371].

#Offizinell ist Secale cornutum# (Pharm. germ., austr., helv.),

#Mutterkorn#, das Sklerotium von _Claviceps purpurea_.

[Illustration: Fig. 388. Claviceps purpurea. _A_ Konidienbildender

Myzelfaden. _B_ Roggenähre mit mehreren reifen Sklerotien. _C_

Gekeimtes Sklerotium mit gestielten, zusammengesetzten Fruchtkörpern.

_D_ Längsschnitt durch einen Fruchtkörper mit zahlreichen Perithecien.

_E_ Einzelnes Perithecium stärker vergrößert. _F_ Geschlossener Askus

mit acht fadenförmigen Sporen. _G_ Austreten der Sporen. _H_ Einzelne

Spore. _A_ nach BREFELD, _C_-_H_ nach TULASNE, _B_ phot. nach der

Natur. -- #Offizinell# und #giftig#.]

_4. Ordnung. Discomycetes, Scheibenpilze_[372]. Die formenreichen

Diskomyceten unterscheiden sich von den übrigen Ordnungen dadurch,

daß ihre reifen Schlauchfrüchte das aus Sporenschläuchen und aus

Saftfäden oder Paraphysen bestehende Hymenium offen an ihrer

Oberseite tragen (Fig. 382, 390).

[Illustration: Fig. 389. Peziza aurantiaca. Nat. Größe. Nach KROMBHOLZ.]

[Illustration: Fig. 390. Lachnea pulcherrima. Sporenreifes geöffnetes

Apothecium. Zwischen den Paraphysen sind alte und junge Schläuche

verteilt. Nach WORONIN. Aus V. TAVEL, Pilze.]

Die überwiegende Mehrzahl der Diskomyceten, als deren Typus die

Gattung _Peziza_ gelten kann, vegetiert auf lebenden oder toten

Pflanzenteilen, besonders auf altem Holz, zum Teil aber auch als

Erdpilze in Humusboden. Sie besitzen napf- oder becherförmige,

fleischige oder lederartige Askusfrüchte, meist von geringem

Durchmesser. Eine der größten Formen ist die erdbewohnende _Peziza

aurantiaca_ (Fig. 389) mit bis 7 cm breiten, unregelmäßig

becherförmigen Früchten, die lebhaft orangerot gefärbt sind,

während die Mehrzahl der Arten graue oder braune Färbung aufweist.

Solche Becherfrüchte bezeichnet man als #Apothecien#.

[Illustration: Fig. 391. Pyronema confluens. _A_ Anlage eines

Apotheciums, Oogonien _og_ mit Trichogynen _t_, Antheridien _a_. Vergr.

450. _B_ Fusion des Antheridiums mit der Trichogynspitze. Vergr.

300. _C_ Querschnitt, Paarung der männlichen und weiblichen Kerne im

Oogonium. Vergr. 1000. _D_ Einwanderung der Paarkerne in die askogenen

Schläuche des Oogoniums. Vergr. 1000. _E_ Junges Apothecium. Die den

Oogonien entspringenden askogenen Schläuche verzweigen sich und werden

von sterilen Hyphen eingehüllt. Vergr. 450. _B_ nach HARPER, _A_, _C_,

_D_, _E_ nach CLAUSSEN.]

Die #Apotheciumentwicklung# sei an dem Beispiel des zuerst von R.

HARPER eingehend untersuchten #_Pyronema confluens_# dargestellt,

dessen etwa 1 mm breite, fleischige, gelbliche oder rötliche,

gesellig beisammenstehende Fruchtkörper häufig auf Brandstellen

in Wäldern gefunden werden. Das Myzelium erzeugt eine Rosette von

mehreren größeren Karpogonen und kleineren Antheridien als Anlage

eines Apotheciums (Fig. 391 _A_). Das #Karpogon# oder #Askogon#

ist ein kugeliges, vielkerniges Oogonium, dessen Scheitel eine

vielkernige, schnabelförmig gebogene Zelle, das #Trichogyn#,

aufsitzt. Aus einem benachbarten Myzelfaden entspringt das

keulenförmige, vielkernige #Antheridium#, dessen Spitze mit dem

Trichogynscheitel mittels Durchbrechung der Wandung in offene

Verbindung tritt. Die männlichen Kerne wandern zunächst in die

Trichogynzelle ein (_B_), dann nach Durchbrechung der Basalwand

des Trichogyns in das Oogonium, während die Trichogynkerne

zugrunde gehen. Nun grenzt sich die Eizelle wieder ab und treibt

zahlreiche askogene Schläuche, die die Kerne aus ihr aufnehmen,

sich verzweigen und schließlich die Asci bilden (_E_), während die

sterilen Hyphen und die Paraphysen zwischen den Schläuchen aus den

Hyphenzellen unterhalb der Sexualorgane entspringen. Nach HARPER

sollen die männlichen und weiblichen Kerne im Karpogon paarweise

miteinander kopulieren; nach neuerer Untersuchung von CLAUSSEN aber

legen sie sich nur dicht nebeneinander (_C_) und bleiben auch in

den #askogenen Fäden#, in denen sie sich konjugiert weiter teilen,

deutlich voneinander getrennt (_D_). Die Zellen der askogenen Fäden

führen in der Nähe des Askogons bis zu acht Kernpaare, weiter oben

aber nur ein Kernpaar. Erst in der zweikernigen Anlage des Askus

findet die Kopulation der beiden Kerne, also eines männlichen mit

einem weiblichen Sexualkernabkömmling, zum Askuskern statt (Fig.

392).

Bei manchen Diskomyceten ist eine mit Geschlechtsverlust verbundene

#Rückbildung der Sexualorgane# eingetreten. Entweder funktionieren

die Antheridien nicht mehr oder sind ganz unterdrückt, und in

extremen Fällen fehlen auch die Askogone, an deren Stelle nur

Hyphenknäuel sich erkennen lassen. Stets aber lassen sich die

askogenen Hyphen in den Fruchtkörperanlagen nachweisen.

Die Asci entstehen an den Enden der askogenen Hyphen in

verschiedener Weise, entweder direkt aus den zweikernigen

Endzellen, meist aber indem diese je einen seitlichen, rückwärts

gerichteten, hakenförmigen Auswuchs bilden, worauf sich das

Kernpaar konjugiert teilt (Fig. 392 _A_). Seine beiden unteren

Tochterkerne liefern die Kerne für die Hakenzelle _h_ und die

Stielzelle _s_, die sich durch Querwände von der endständigen, die

beiden oberen Tochterkerne aufnehmenden Askusanlage _a_ abgrenzen

(_B_). Hierauf verschmelzen die beiden Kerne des jungen Askus

(_C_). Dieser wächst heran und bildet nach dreimaliger Teilung

seines Kernes die acht Askosporen (_D_). Die Hakenzelle tritt in

offene Verbindung mit der Stielzelle _s_, so daß eine zweikernige

Fusionszelle entsteht, die nun ebenfalls zu einer neuen Askusanlage

schreiten kann. So entstehen komplizierte askogene Hyphensysteme.

[Illustration: Fig. 392. Askus-Entwicklung. _A_-_C_ Pyronema confluens.

Nach HARPER. _D_ Junger Askus mit acht Sporen von Boudiera. Nach

CLAUSSEN. Erklärung im Text.]

[Illustration: Fig. 393. Morchella esculenta. ⅘ nat. Gr.]

Die eigenartigste Ausbildung erfährt der Fruchtkörper der

Diskomyceten in der Gruppe der _Helvellaceen_ oder #Morchelpilze#,

die mit ihrem Myzel im Humusboden vegetieren. Bei der Gattung

_Morchella_, Morchel (Fig. 393), besteht der große Fruchtkörper

aus einem aufrechten dicken Stiel, auf dem ein kegelförmiger oder

abgerundeter Hut mit grubiger Oberfläche sich erhebt. Sexualität

ist bei den Morcheln noch nicht nachgewiesen. Das Hymenium (Fig.

382) mit seinen achtsporigen Ascis überzieht die Oberfläche

des Hutes. Die Morcheln sind vorzügliche #Speisepilze#[373],

besonders _M. esculenta_, die Speisemorchel, mit blaßgelbbraunem,

eiförmigem Hut, bis 12 cm hoch, _M. conica_, die Spitzmorchel,

mit dunkelbraunem, kegelförmigem Hut, bis 20 cm hoch, u. a.

Verwandt sind die ähnlich gestalteten _Lorcheln_, deren Hut aber

mützenförmig herabgeschlagen, unregelmäßig gelappt und blasig

aufgetrieben ist, so _Gyromitra esculenta_, mit schwarzbraunem

Hut und weißlichem Stiel. Die Lorcheln sind eßbar, enthalten aber

in frischem Zustand die Helvellasäure, die unter Umständen giftig

wirken kann; starke Erhitzung beim Braten der Pilze oder längeres

Abbrühen ist anzuraten[374].

_5. Ordnung. Tuberineae, Trüffelpilze_[375]. Die Trüffelpilze sind

saprophytische, im Humus der Wälder unterirdisch (hypogäisch)

lebende Askomyceten, die zu den Mykorrhizen bildenden Pilzen

gehören. Die Askusfrüchte, unter der Bezeichnung #Trüffeln#

bekannt, stellen knollenförmige Körper vor. Sie sind von einer

dicken Hülle umgeben und von nach außen mündenden Gängen

durchzogen, deren Wandungen von Hymenien aus keulenförmigen Ascis

bedeckt sind (Fig. 394). Die Sporen werden zu wenigen in den Ascis

erzeugt, bei den echten Trüffeln (_Tuber_) meist zu vier und meist

mit stacheligem oder netzförmig verdicktem Epispor versehen. Sie

gelangen durch Zerfall der Asci und der Fruchtkörperwandung in den

Boden.

Manche Tuberaceen liefern #eßbare Fruchtkörper#[373] von

aromatischem Geschmack. Sie werden mit Hilfe dressierter Hunde

oder Schweine besonders in Frankreich und Italien gesammelt.

Die wichtigsten sind die schwarzen Trüffeln, _Tuber brumale_,

_melanosporum_ (Perigord-Trüffel), _aestivum_ und _mesentericum_,

die außen schwarzbraun gefärbt und mit Warzen versehen sind,

ferner die weiße Trüffel, _Choiromyces maeandriformis_, die außen

blaßbraun, innen weiß gefärbt ist.

Die Fruchtkörper werden in frühester Jugend offen angelegt, wie bei

den Diskomyceten, mit denen die Trüffeln verwandt sind.

_6. Ordnung. Exoasceae_[376]. Die wichtigste Gattung ist _Taphrina_

(einschl. _Exoascus_), deren Arten als parasitische Pilze auf

verschiedenen Bäumen leben und teils als einjährige Pilze sich

nur in den Blättern entwickeln und fleckiges Erkranken derselben

bewirken, teils mit ihrem Myzel im Gewebe der Nährpflanzen

überwintern, somit jährlich wiederkehrende Krankheiten an diesen

verursachen. Das Myzel veranlaßt dann häufig die befallenen Sprosse

zu reichlichen anomalen Verzweigungen, die man als #Hexenbesen#

bezeichnet. So erzeugt _Taphrina Carpini_ Hexenbesen auf der

Weißbuche, _Taphrina Cerasi_ solche auf Kirschbäumen. _Taphrina

deformans_ bewirkt die Kräuselkrankheit der Pfirsichblätter.

_Taphrina Pruni_ dagegen schmarotzt in den jungen Fruchtknoten der

Pflaumen, die sie zu hohlen Pilzgallen, sog. Taschen, umbildet; ihr

Myzel überwintert in den Zweigen.

[Illustration: Fig. 394, Tuber rufum. _1_ Ein Fruchtkörper im

Vertikalschnitt. Vergr. 5. _a_ Die Rinde, _d_ lufthaltiges Gewebe, _c_

dunkle Adern lückenlosen Gewebes, _h_ das askusbildende Gewebe. _2_ Ein

Stückchen des Hymeniums. Vergr. 460. Nach TULASNE. Aus V. TAVEL, Pilze.]

Lehrbuch der Botanik für Hochschulen · 第 55 / 90 段