an, die mit ihren Myzelien ebenfalls im Wasser meist saprophytisch
an der Oberfläche faulender Pflanzen, Insekten und sogar auf
lebenden Fischen vegetieren. Sie vermehren sich ungeschlechtlich
durch keulenförmige Sporangien (Fig. 372), aus denen zahlreiche,
mit zwei Zilien begabte #Schwärmsporen# nach außen entleert
werden. Bei _Saprolegnia_ umgeben sich diese mit endständigen
Geißeln versehenen Sporen nach dem Schwärmen unter Einziehung
ihrer Geißeln mit kugeliger Hülle, schlüpfen aber bald aus ihr von
neuem aus, in anderer Gestalt, nämlich als bohnenförmige Schwärmer
mit seitlicher Geißeleinfügung. Diese kommen schließlich zur
Ruhe, werfen die Zilien nun ab und entwickeln sich zum Myzel. Bei
anderen Gattungen tritt nur #eine# Form von Schwärmsporen auf.
An älteren Myzelfäden entstehen die Geschlechtsorgane (Fig. 373,
374). Die #Oogonien# bilden mehrere oder viele Eizellen (bis 50),
selten nur eine einzige aus. Sie enthalten anfangs viele Kerne,
die aber zum größten Teile zugrunde gehen; die übrig bleibenden
teilen sich nochmals mitotisch in Tochterkerne, von denen ein
Teil wiederum degeneriert, während um die übrigen sich die stets
einkernigen Eizellen abgrenzen. Die #Antheridien# enthalten
ebenfalls mehrere, sich nochmals mitotisch teilende Kerne. Sie
treiben einfache oder sich verästelnde Befruchtungsschläuche in die
Oogonien bis zu den Eizellen, in die nun je ein männlicher Kern
eintritt, um mit dem Eikern zu verschmelzen. Hierauf bilden sich
die Eizellen zu derbwandigen #Oosporen# um, bei deren Keimung
die Reduktionsteilung vollzogen wird. Bei einigen Formen dieser
wie auch der vierten Familie kann die Bildung der Antheridien
gelegentlich oder auch stets ausbleiben; die Eisporen reifen dann
ohne Befruchtung (Fig. 373 _op_). Eine in Abwässern massenhaft
vegetierende wasserreinigende Saprolegniacee ist _Leptomitus
lacteus_, von dem nur Vermehrung durch Schwärmsporen bekannt ist.
3. Die _Peronosporaceen_[358] sind parasitische Pilze, deren
Myzel in den Geweben höherer Landpflanzen lebt (Fig. 87). Gewisse
Arten bewirken in nassen Jahren epidemische Erkrankungen von
Kulturgewächsen, so vor allem die _Phytophthora infestans_, der
um 1830 aus Amerika bei uns eingeschleppte Pilz der bekannten
#Kartoffelkrankheit# (Kraut- und Knollenfäule). Seine Myzelfäden
leben interzellular, senden kurze Saugschläuche oder Haustorien
in die Zellen hinein und verursachen die Braunfärbung und das
Absterben der von ihnen befallenen Organe. Bis jetzt sind bei
dieser Art Geschlechtsorgane, die man bei Kultur des Pilzes
auf gewissen Nährböden zur Entwicklung bringen kann, auf der
Kartoffelpflanze selbst noch nicht beobachtet, sondern nur
ungeschlechtliche #Sporangien#, die als ovale Gebilde auf
verzweigten, vorzugsweise auf der Blattunterseite aus den
Spaltöffnungen herauswachsenden Sporangienträgern gebildet werden
(Fig. 375). Diese erscheinen dem bloßen Auge als weißer Schimmel.
Die Sporangien werden endständig angelegt und durch eine Querwand
abgegliedert; dann wächst der Träger neben dem Sporangium vorbei,
so daß es eine seitliche Stellung erhält. Noch vor der Teilung des
Inhaltes lösen sich die Sporangien (_B_) ab, werden durch den Wind
verbreitet und tragen so zur raschen Ausbreitung der Epidemie bei.
Die Entwicklung der #Schwärmsporen# aus den Sporangien erfolgt
nur in Wasser, somit nur bei nassem Wetter. Der Sporeninhalt
teilt sich in mehrere, mit zwei Zilien versehene, ausschlüpfende
Schwärmsporen (_C_, _D_), die zu einem neuen, in das Blatt
eindringenden Myzelfaden auskeimen. Die Sporangien können auch
direkt ohne Teilung des Inhaltes und ohne Bildung von Schwärmsporen
zu Keimschläuchen auswachsen. Es läßt sich somit bei dem
Kartoffelpilz, wie auch bei anderen Peronosporeen eine Umbildung
von Sporangien zu Konidien verfolgen, die hier mit dem Übergang
von der aquatischen zur terrestrischen Lebensweise zusammenhängen
dürfte.
_Plasmopara viticola_, mit reich verästelten Sporangienträgern, ist
ein sehr schädlicher, aus Amerika stammender Parasit, der Pilz des
falschen Mehltaues der Blätter und Beeren des Weinstockes. Eine
sehr häufige Art ist _Albugo candida_ (= _Cystopus candidus_) auf
Cruciferen, besonders Capsella, weiße Auftreibungen der Stengel
verursachend. Die Sporangien werden bei dieser Art in Ketten am
Myzelium unter der Epidermis der Nährpflanze erzeugt und entleeren
bei Regenwetter zahlreiche Schwärmsporen.
[Illustration: Fig. 375. _A_ Blattepidermis von Solanum tuberosum
mit Sporangienträgern der Phytophthora infestans. Vergr. 90.
_B_ Sporangium. _C_ Ein solches mit geteiltem Inhalt. _D_ Eine
Schwärmspore. _B_-_D_ Vergr. 540. Nach STRASBURGER.]
Die #Sexualorgane# der Peronosporeen, die an Vaucheria (Fig. 350)
erinnern, entstehen meist im Innern der Nährpflanze, die Oogonien
als kugelige Anschwellungen von Hyphenenden, die Antheridien als
schlauchförmige Ausstülpungen meist dicht unter den Oogonien (Fig.
376). Beide Organe werden durch Querwände abgegrenzt und enthalten
viele Kerne, die dann eine einmalige Teilung erfahren. Im Verhalten
der Kerne zeigen sich bei den einzelnen Arten interessante
Verschiedenheiten. Bei _Peronospora parasitica_, _Albugo
candida_ und _lepigoni_, _Pythium_, _Plasmopara_, _Sclerospora_
differenziert sich im Plasma des Oogoniums eine einzige große
zentrale Eizelle oder Oosphäre, die im reifen Zustand nur einen
Eikern in der Mitte enthält, während die übrigen Kerne sämtlich in
dem peripherischen sog. Periplasma liegen. Die Antheridien treiben
in das Oogonium einen Fortsatz, der sich an der Spitze in die
Eizelle öffnet und nur einen männlichen Zellkern eintreten läßt.
Die Oosphäre grenzt sich sodann durch eine Membran ab, die Kerne
verschmelzen aber erst nach einiger Zeit, und das Periplasma wird
zur Bildung der äußeren Sporenmembran, des Episporiums, verbraucht.
Bei Peronospora parasitica ist die reife Oospore einkernig, bei
Albugo durch Teilung des Keimkerns vielkernig. _Albugo Bliti_ und
_A. Portulacae_ legen zwar ebenfalls eine zentrale Oosphäre, von
Periplasma umgeben, an; sie enthält aber zahlreiche Kerne, und
auch der Antheridiumschlauch führt zahlreiche Kerne in sie ein,
die paarweise mit den weiblichen Kernen kopulieren. Aus dieser
zusammengesetzten Eizelle geht dann eine vielkernige Oospore
hervor. Das Verhalten beider Arten kann als ein ursprüngliches
betrachtet werden, während die einkernigen Eizellen der zuerst
genannten Vertreter sich von den vielkernigen ableiten lassen. Eine
vermittelnde Stellung nimmt nun _Albugo Tragopogonis_ ein, deren
Eizelle zwar vielkernig angelegt ist, aber schließlich doch nur
#einen# weiblichen Kern infolge Schwindens der übrigen enthält.
Die überzähligen Kerne in den Oogonien und Antheridien können als
funktionslos gewordene Gametenkerne betrachtet werden, ähnlich
wie die überzähligen Eikerne bei gewissen Fucaceen. Die Oosporen
keimen entweder direkt zu einem Myzelium aus oder erzeugen zunächst
Schwärmsporen. Die Keimkerne in den Oosporen sind diploid; ihre
erste Teilung, die schon vor der Keimung erfolgen kann, ist eine
Reduktionsteilung.
[Illustration: Fig. 376. Befruchtung der Peronosporeen. _1_ Peronospora
parasitica. Junges vielkerniges Oogonium _og_ und Antheridium _an_. _2_
Albugo candida. Oogonium mit der zentralen einkernigen Oosphäre und
dem Befruchtungsschlauch _a_ des Antheridiums, der den männlichen Kern
einführt. _3_ Desgl. Befruchtete Eizelle _o_ umgeben von dem Periplasma
_p_. Vergr. 666. Nach WAGER.]
[Illustration: Fig. 377. Rhizopus nigricans. Teil eines Myzeliums
mit Sporangien, das rechts befindliche die Sporen entleerend mit
stehenbleibender, halbkugeliger Columella. Vergr. 38.]
_3. Ordnung. Zygomycetes._
Zu der ersten Familie, den _Mucoraceen_[359] gehören terrestrische
Schimmelpilze, die auf pflanzlichen und tierischen Stoffen
saprophytisch vegetieren. Die ungeschlechtliche Vermehrung
geschieht durch unbewegliche #behäutete Sporen# aus Sporangien
oder durch Konidien. Die sexuelle Fortpflanzung besteht in der
#Kopulation zweier gleichwertiger Cönogameten# zu einer Zygospore.
Eine der verbreitetsten Arten ist der Kopfschimmel, _Mucor
mucedo_, dessen Myzel weiße Schimmelrasen auf feuchtem Brot, Mist,
Fruchtsäften bei Abschluß von frischer Luft bildet, ferner auf
gleichen Substraten der Ausläufer treibende _Mucor stolonifer_ (=
_Rhizopus nigricans_) mit bräunlichem Myzelium. Bei den Mucor-Arten
entstehen die kugeligen #Sporangien# (Fig. 377) an den Enden von
senkrecht sich erhebenden Myzelschläuchen durch Abgrenzung mittels
Querwand, die sich kegelförmig als sog. Columella (Fig. 378) in
das Sporangium vorwölbt. Das Plasma des Sporangiums zerfällt durch
fortgesetzte Zerklüftung in zahlreiche Sporen, die durch Zerfließen
der Sporangienwandung unter Aufquellen einer zwischen ihnen
liegenden Zwischensubstanz entleert werden. Bei den auf Mist häufig
sich entwickelnden _Pilobolus_-Arten wird das Sporangium durch
den stark turgeszierenden und unterhalb der Columella schließlich
aufplatzenden Träger weit abgeschleudert. (Vgl. S. 308.) Nach
HARPER sind bei _Pilobolus_ die Sporen zweikernig, bei _Sporodinia_
vielkernig (Fig. 379).
Unter gewissen Bedingungen wird die ungeschlechtliche Fortpflanzung
abgelöst durch die sexuelle, die darin sich zeigt, daß an den
Myzelschläuchen keulenförmige Äste hervorkommen, paarweise mit
den Enden aufeinander stoßen (Fig. 380) und dann erst dort die
vielkernigen #Cönogameten# durch je eine Querwand abgrenzen. Die
Gameten verschmelzen nun zu einer #Zygospore# mit warzenbesetzter
Membran. Über das Verhalten der Kerne bei der Kopulation liegen
bis jetzt nur wenige Angaben vor. Bei _Sporodinia_, _Phycomyces_
und anderen Gattungen kopulieren die in die Zygospore eintretenden
Gametenkerne paarweise miteinander. Die Zygosporen keimen nach
längerer Ruhe; in der Regel schließen die Keimschläuche ihre
Entwicklung mit der Bildung von Sporangien ab (Fig. 380, _5_).
Die Reduktionsteilung soll nach BURGEFF bei _Phycomyces_ in der
Anlage des Sporangiums, das den aus der Zygospore hervorgehenden
Keimschlauch abschließt, stattfinden.
[Illustration: Fig. 378. _1_ Mucor mucedo. Sporangium im optischen
Längsschnitt, _c_ Columella, _m_ Membran, _sp_ Sporen. _2_ Mucor
mucilagineus. Sporangium in der Sporenentleerung begriffen, die Membran
_m_ zerfließend, die Zwischensubstanz _z_ stark aufquellend. _1_ Vergr.
225. _2_ Vergr. 300. Nach BREFELD. Aus V. TAVEL, Pilze.]
[Illustration: Fig. 379. Sporodinia grandis. Schnitt durch ein reifes
Sporangium. Sporen mehrkernig. Vergr. 425. Nach HARPER.]
[Illustration: Fig. 380. Zygosporenbildung von Mucor mucedo. _1_ Die
Konjugationsäste. _2_ Abgrenzung der Gameten _a_ von den Suspensoren
_b_. _3_ Weiteres Stadium, die Warzen der Membran beginnen ihre
Bildung. _4_ Reife Zygospore _b_ zwischen den Suspensoren _a_. _5_
Keimung der Zygospore mit einem Sporangium. _1_-_4_ Vergr. 225, _5_
Vergr. ca. 60. Nach BREFELD. Aus V. TAVEL, Pilze.]
Interessant ist der von BLAKESLEE für die meisten Mucorineen
erbrachte Nachweis von #diözischen# (heterothallischen) #Myzelien#,
so bei _Mucor Mucedo_ und _Rhizopus nigricans_; Zygosporen werden
nur dann gebildet, wenn solche mit + und - bezeichneten Myzelien,
die zwar äußerlich nicht unterscheidbar, physiologisch aber
verschieden differenziert sein müssen, aufeinander stoßen. Bei
einigen Mucorineen (_Sporodinia grandis_) dagegen entstehen die
kopulierenden Gameten auf ein- und demselben, also homothallischen
Myzelium. Bei sonst heterothallischen Arten, wie _Phycomyces
nitens_, können unter gewissen Umständen homothallische Myzelien
auftreten oder auch neutrale, die nur Sporangien bilden[360].
Innerhalb der Gruppe der Zygomyceten ist eine #Rückbildung der
Sexualität# zu verfolgen: Bei gewissen Mucorineen werden zwar die
Konjugationsschläuche paarweise angelegt; es findet aber keine
Verschmelzung mehr statt, sondern die Endzellen bilden sich direkt
zu Sporen aus, die man dann als #Azygosporen# bezeichnet; endlich
bei anderen Formen werden die an ihren Enden Azygosporen bildenden
Schläuche einzeln am Myzelium angelegt. Bei vielen Arten stellt
sich die Zygosporenbildung nur selten ein.
Bei _Mucor mucedo_ unterliegt die Größe und die Sporenzahl der
Sporangien auffallenden Schwankungen. Bei der Gattung _Thamnidium_
hat sich ein #Dimorphismus der Sporangien# ausgebildet, ein
größeres vielsporiges steht am Ende des Trägers und eine
größere Anzahl keiner, wenigsporiger, sog. Sporangiolen, an
wirtelig verzweigten Seitenästen des Trägers. Letztere können
sogar unter bestimmten Ernährungsbedingungen einzellig bleiben
und auf diese Weise zu #Konidien# werden. Bei der tropischen
Gattung _Choanephora_ ist der Dimorphismus am weitesten
gegangen, indem hier neben den großen Sporangien auf besonderen
Trägern Konidien erzeugt werden. Endlich gibt es Zygomyceten
(z. B. _Chaetocladium_), bei denen ausschließlich Konidien als
ungeschlechtliche Fruktifikation auftreten. So lassen sich also in
derselben Pilzgruppe alle Übergänge vom vielsporigen Sporangium bis
zur einzelligen Konidie feststellen.
_Rhizopus nigricans_ enthält in seinem Zellsaft ein auf Tiere
tödlich wirkendes Gift[361].
2. Die Familie der _Entomophthoraceen_[362] stellt eine kleine
Gruppe meist parasitisch in den Leibern von Insekten und
Raupen lebender Pilze vor, deren vielkernige, meist verzweigte
Myzelschläuche einzellig bleiben oder später in Zellen sich
zergliedern, die dann im Blut durch den ganzen Tierkörper
verbreitet werden. Sie vermehren sich ungeschlechtlich durch
vielkernige oder einkernige #Konidien#, die einzeln an den Enden
der Myzeläste entstehen und bei der Reife abgeschleudert werden,
geschlechtlich durch #Zygosporen#, an deren Stelle aber auch häufig
Azygosporen gebildet werden.
Am bekanntesten ist _Empusa Muscae_, der Schimmelpilz der
Stubenfliege (Fig. 381). Die abgeschleuderten, vielkernigen
Konidien umgeben die Fliegen, die durch den Pilz infiziert und
getötet wurden, mit einem weißen Hofe, der besonders auffällt, wenn
die Fliegen an Fensterscheiben haften.
3. _Basidiobolaceen_[363]. _Basidiobolus ranarum_, ein auf
Froschmist saprophytischer Pilz, muß von der vorhergehenden
Gruppe abgetrennt werden. Sein verzweigtes Myzel ist vielzellig,
die einzelnen Zellen enthalten je einen großen Kern. Die im
reifen Zustand abgeschleuderten, einkernigen #Konidien# entstehen
einzeln an ihren Tragzellen. Eigenartig verläuft die Bildung der
#Zygosporen#. Zwei benachbarte Zellen eines Fadens schwellen an
und kopulieren, nachdem sie vorher zwei schnabelartige Fortsätze
getrieben und diese durch Querwände als vergängliche und bei
der Kopulation nicht beteiligte Zellen abgegrenzt haben. In der
Zygospore teilen sich die beiden Gametenkerne in vier Kerne, von
denen ein Paar zugrunde geht, das andere Paar aber verschmilzt. In
diesen Vorgängen und auch in der Struktur der Zellkerne zeigen sich
Ähnlichkeiten mit Konjugaten.
[Illustration: Fig. 381. Empusa Muscae. _A_ Myzelschlauch aus einer
Fliege. _B_ Junger, aus solchem Schlauch entstandener und nach außen
hervorgebrochener Konidienträger. _C_ Bildung der Konidie, in welche
die zahlreichen Kerne des Trägers hineingewandert sind. Vergr. 450.
Nach OLIVE.]
Klasse XIV.
Eumycetes, Fadenpilze[288],[296],[352],[353],[364]-[392].
Zu dieser ungemein formenreichen Klasse gehören zwei große Gruppen
terrestrischer Pilze, die _Askomyceten_ und die _Basidiomyceten_,
über deren phylogenetische Ableitung noch Unsicherheit herrscht. Es
ist versucht worden, sie von den Phykomyceten abzuleiten; indessen
spricht nicht nur die Beschaffenheit des Thallus dagegen, sondern auch
der Bau der Sexualorgane und die Entwicklung der Fruchtkörper, die
im besonderen bei den Askomyceten einige Beziehungen zu den Rotalgen
zeigen, während zu den Grünalgen keinerlei Anknüpfungspunkte erkennbar
sind. Die Basidiomyceten lassen sich durch eine ihrer einfacheren
Ordnungen, die der Uredineen oder Rostpilze, auf die Askomyceten
zurückführen. Andererseits scheinen die Basidiomyceten durch eine
ihrer einfacheren Ordnungen, die der Uredineen oder Rostpilze, mit den
Askomyceten verknüpft zu sein.
Wie bei den Phykomyceten besteht der vegetative, an saprophytische
oder parasitische Lebensweise vortrefflich angepaßte Thallus der
Eumyceten aus reichverzweigten, farblosen Zellfäden oder #Hyphen#,
deren Gesamtheit als #Myzelium# (Fig. 86) bezeichnet wird. Die Hyphen
sind aber gegliedert, sie bestehen aus Zellreihen. In diesen weisen die
einzelnen Zellen eine meist dünne, chitinhaltige Membran auf und in
ihrem farblosen Plasma winzige Zellkerne, die oft zu mehreren (Fig. 6),
doch in bestimmten Fällen zu zweien oder auch nur in Einzahl vertreten
sind. Die Zellen enthalten keine Chromatophoren und nie echte Stärke,
an deren Stelle vielmehr #Glykogen#, oft in sehr beträchtlicher Menge,
und Fett treten. Die Hyphen durchziehen das Substrat und entnehmen ihm
die für ihren Aufbau erforderlichen Substanzen. Bei manchen Pilzen
bilden sie durch reiche Verzweigung Gewebekörper (Flechtgewebe oder
Plektenchym). Wenn die Fäden dabei dicht zusammenlagern und sich in
kurze Zellen teilen, so entsteht ein dem echten Parenchym überaus
ähnliches Gewebe (Pseudoparenchym) (Fig. 36), das bei gewissen Arten
erzeugt wird, wenn sie aus ihren Myzelien vegetative Ruhezustände,
sog. #Sklerotien# bilden; diese sind knollige oder strangartige feste
Körper, die unter bestimmten Bedingungen wieder auskeimen. Ferner
bestehen die Fruchtkörper aus lockerem oder dichterem Flechtgewebe
(Fig. 37).
Gewisse Fadenpilze bilden an den Wurzeln humusbewohnender grüner
Pflanzen die weit verbreiteten #Mykorrhizen# (S. 226). Die
Bestimmung der hier in Betracht kommenden Pilzarten, die wohl
beiden Unterklassen entstammen, ist nur auf experimenteller
Grundlage sicher zu stellen. Von MELIN wurde auf diese Weise
nachgewiesen, daß _Boletus_-Arten (S. 406) Mykorrhizen an Kiefern
und Lärchen liefern[354].
Die beiden Unterklassen unterscheiden sich durch die Art der
ungeschlechtlichen Sporenbildung. Für sämtliche Askomyceten ist der
#Askus# charakteristisch, ein keulenförmiger Sporenschlauch, der eine
bestimmte Zahl von Sporen (meist 8) in eigenartiger Weise durch freie
Zellbildung erzeugt (Fig. 382), während die Basidiomyceten an Stelle
des Askus die #Basidie# aufweisen, die von verschiedener Gestalt,
entweder schlauchförmig einzellig oder vierzellig die Sporen in
bestimmter Zahl (meist 4) durch Zellsprossung abgliedert (Fig. 398,
399, 401, 402, 404, 411).
1. Unterklasse. Ascomycetes,
Schlauchpilze[288], [296], [352], [353], [364]-[378].
Die Schlauchpilze besitzen in ihren typischen Vertretern
#Sexualorgane#, Oogonien, die hier als Askogone oder wie bei den
Rotalgen als Karpogone bezeichnet werden, und Antheridien. Nur für eine
geringe Zahl von Gattungen sind die Sexualorgane näher untersucht; sie
zeigen eine auffallende Mannigfaltigkeit in ihrer Gestaltung. Unter
Hinweis auf die spezielle Darstellung seien hier nur einige Typen kurz
erwähnt.
1. Bei den Laboulbenieen (Fig. 397) zeigen das Karpogon mit seinem
Trichogyn und die Antheridien, von denen Spermatien gebildet werden,
große Ähnlichkeit mit den gleichnamigen Gebilden der Rotalgen.
2. Die Flechten bildenden Askomyceten (Fig. 431, 432) schließen sich
am nächsten an die erstgenannte Gruppe an; ihr Karpogon ist aber
ein schraubig gewundener, vielzelliger Faden mit Trichogyn; die
Spermatien werden in besonderen krugförmigen Einsenkungen des Thallus,
den Spermogonien, erzeugt. Auch bei einigen nicht flechtenbildenden
Schlauchpilzen kommen solche Organe vor.
3. Einem anderen Typus folgen _Pyronema_[372] (Fig. 391) und verwandte
Gattungen, _Ascodesmis_ (= _Boudiera_ CLAUSSEN)[372], _Monascus_[366],
_Aspergillus_[369], bei denen die Befruchtung eines vielkernigen, mit
Trichogyn versehenen Karpogons durch ein vielkerniges Antheridium
stattfindet, die beide als Cönogameten (S. 377) zu bezeichnen wären.
Hier schließt sich auch _Lachnea_[367] an.
4. Bei den Erysibeen (Fig. 383) kopuliert ein einkerniges Antheridium
direkt mit einem einkernigen Oogonium.
Andere Gattungen weisen in der Gestaltung der Karpogone und Antheridien
Übergänge von dem Verhalten der Flechtenpilze zu dem von Pyronema und
dem der Erysibeen auf, so daß wir vielleicht erstere als primitive,
letztere als reduzierte Schlauchpilze betrachten können[365].
Bei gewissen Schlauchpilzen sind die Sexualorgane zwar noch vorhanden,
aber eine Befruchtung der Karpogone findet nicht mehr statt, oder
sie sind mehr oder weniger rückgebildet. Öfters kommt es vor, daß
Antheridien nicht mehr ausgebildet werden.
Das #Karpogon# liefert nicht eine ruhende Oospore, sondern
verbleibt im Zusammenhange mit der Mutterpflanze und läßt #askogene
Zellfäden# aussprossen, die sich verzweigen und schließlich an
ihren Enden die #Sporenschläuche# oder #Asci# bilden. Die aus einem
Karpogon, in gewissen Fällen auch aus einer Gruppe benachbarter
Karpogone hervorgegangenen Fäden und Asci vereinigen sich zu einem
#Fruchtkörper#, an dessen Zusammensetzung und Umhüllung auch
vegetative, dem Myzel der Mutterpflanze entsprossene und stets von
den askogenen scharf geschiedene Zellfäden sich beteiligen. Das die
Geschlechtsorgane erzeugende, aus den Askosporen hervorgegangene Myzel
stellt die geschlechtliche Generation (Gametophyt) vor, das aus dem
Karpogon hervorgegangene, in den Sporenschläuchen endigende Fadensystem
dagegen die ungeschlechtliche (Sporophyt).
In oder an den Fruchtkörpern gewisser Gruppen der Schlauchpilze stehen
die Asci parallel nebeneinander in einer Schicht (#Hymenium#), und
zwischen ihnen finden sich in der Regel Saftfäden (#Paraphysen#), die
dem sterilen Fadensystem der Fruchtkörper entstammen.
Bei einigen Ordnungen der Schlauchpilze fehlen die Sexualorgane und
Fruchtkörper, vielleicht infolge von Rückbildung, vollständig; die Asci
entstehen dann direkt aus den Myzelien.
Der #Askus# geht aus der endständigen Zelle eines askogenen Fadens
hervor, die bei ihrer Anlage zwei Kerne mitbekommt. Beide Kerne
verschmelzen miteinander, und aus dem Verschmelzungsprodukt gehen dann
durch dreimalige Teilung acht Kerne hervor, um die sich auf dem Wege
freier Zellbildung nach der in Fig. 21 dargestellten Weise die acht
Sporen mittels Membranen abgrenzen (Fig. 382 und 392).
Im Gegensatz zu den Sporangien der Phykomyceten wird nicht das gesamte
Plasma des Sporenschlauches zur Bildung der #Askosporen# verbraucht;
diese liegen vielmehr meist in einer Längsreihe angeordnet in dem
übriggebliebenen glykogenhaltigen #Periplasma#.
Das Ausstäuben der Sporen geschieht bei den Ordnungen der
Diskomyceten und Pyrenomyceten aktiv infolge Verquellens des
Epiplasmas, wodurch die Sporen aus den Schläuchen einige
Millimeter weit herausgeschleudert werden. Bei ersterer Ordnung
erfolgt sie als Wirkung des Reizes, den Licht- und Wärmestrahlen
auf das Hymenium ausüben. Die Sporen werden durch aufsteigende
Luftströmungen verbreitet. Bei den übrigen Askomyceten werden die
Sporen durch Zerfall der Fruchtkörper frei[367].
In seltenen Fällen teilen sich die acht Kerne vor der Abgrenzung
ihrer Zellen weiter; so entstehen zahlreiche freie Askussporen,
bei _Thecotheus_ z. B. 32; häufiger aber vollziehen sich Teilungen
der acht Zellen nach dieser Abgrenzung und führen zur Bildung von
acht zwei- oder mehrzelligen Sporenkörpern an Stelle von acht
Einzelsporen.