Der #Thallus# der Rotalgen weist große Mannigfaltigkeit auf.

Die einfachsten Formen stellen verzweigte Zellfäden dar (z. B.

_Callithamnion_). Bei anderen baut sich der verzweigte, zylindrische

Thallus aus mehreren Zellen im Querschnitt auf. Zahlreiche Formen

besitzen einen breiter oder schmäler bandförmigen und oft reich

fiederig oder gabelig verzweigten Thallus (z. B. _Chondrus crispus_

Fig. 364, _Gigartina mamillosa_ Fig. 365). Sodann gibt es Arten,

die in Form von Zellflächen der Unterlage aufliegen. Alle Florideen

sitzen an der Basis mittels Haftfäden oder Haftscheiben fest. Eine

der reicher gegliederten Formen ist z. B. die _Delesseria sanguinea_

(_Hydrolapathum_ Fig. 88) des Atlantischen Ozeans. Der blattartige,

einer Basalscheibe entspringende Thallus ist hier mit Mittel- und

Seitenrippen versehen. Im Herbst gehen die Spreiten zugrunde; die

Hauptrippen aber bleiben als Achsen stehen, um im nächsten Frühjahr

neue Thallusblätter zu treiben. Die Familie der _Corallinaceen_, deren

Gattungen teils einen zierlich verzweigten, teils einen krustenförmigen

Thallus aufweisen, zeichnet sich dadurch aus, daß in und um die

Membranen kohlensaurer Kalk massenhaft abgelagert wird, so daß diese

Algen etwa den Eindruck von Korallen machen. Die Kalkflorideen

vegetieren hauptsächlich an Küsten mit starker Brandung, besonders in

den Tropen.

Die Rotalgen sind meist rot oder violett, auch purpurschwarz oder

braunrot gefärbt. Ihre scheibenförmigen, ovalen oder gelappten

Chromatophoren treten in größerer Zahl und dichter Lagerung in den

Zellen auf und enthalten außer Chlorophyll einen roten Farbstoff, das

#Phykoërythrin#, bei gewissen Arten außerdem auch blaues #Phykozyan#;

sie gehen aus farblosen spindelförmigen Leukoplasten der Scheitelzellen

und Keimzellen hervor. Als Assimilationsprodukt wird aus Glykose

nicht echte Stärke erzeugt, sondern ein anderes Kohlehydrat, die

#Florideenstärke#, in Form von rundlichen, oft geschichteten, mit Jod

sich rötlich färbenden Körnchen. Auch Öltröpfchen kommen vor. Die

Zellen sind einkernig oder auch mehrkernig.

[Illustration: Fig. 364. Chondrus crispus. Nach einem Exemplar von

Helgoland. ½ nat. Gr. #Offizinell#.]

[Illustration: Fig. 365. Gigartina mamillosa. _s_ Warzenförmige

Fruchtkörper. ¾ nat. Gr. #Offizinell#.]

Die #Fortpflanzung# geschieht bei den Florideen einerseits

ungeschlechtlich mittels Sporen, andererseits geschlechtlich mittels

Befruchtung weiblicher Organe durch männliche Zellen.

Die #ungeschlechtlichen Sporen# werden auf zweierlei Weise

gebildet. Im ersten Falle sind es nackte, runde, unbewegliche,

einkernige Zellen ohne Zilien, die zu vier durch Teilung in einem

Sporangium entstehen. Die Sporangien sitzen als rundliche Körper an

den Thallusfäden oder sind dem Thallus eingesenkt; sie entlassen

die vier Sporen aus einem Querriß ihrer Wandung. Infolge ihrer

Entstehung zu vieren nennt man die Florideensporen #Tetrasporen#

(Fig. 366). Sie vertreten die Rolle der Schwärmsporen der übrigen

Algen und finden sich in ähnlicher Weise nur bei den Dictyotaceen

unter den Braunalgen wieder. Die #Tetrasporangien# führen in der

Regel anfangs #einen# Kern, der sich dann in die vier Sporenkerne

teilt. In einigen Fällen (_Martensia_, _Nitophyllum_) aber sind

sie zwar anfangs vielkernig, dann aber degenerieren alle Kerne bis

auf einen, der die vier Sporenkerne liefert. Den Tetrasporangien

gleichwertig sind die in der Gruppe der _Nemalionaceen_

auftretenden, nur je eine Spore entlassenden #Monosporangien#,

sowie auch die zahlreiche Sporen erzeugenden #Polysporangien# der

_Ceramiaceen_.

Die zweite Form ungeschlechtlicher Sporen der Rotalgen sind die

#Karposporen# (vgl. S. 374), die in Einzahl aus endständigen

Karposporangien als kugelige, anfangs nackte, zilienlose

Protoplasten entleert werden, also äußerlich sich den Monosporen

nähern.

Die Ausbildung der #Sexualorgane#, besonders der weiblichen,

ist sehr eigenartig und von dem Verhalten der übrigen Algen

sehr abweichend. Sie sei an dem Beispiel von _Batrachospermum

moniliforme_, einer einheimischen Süßwasserfloridee, erläutert.

Diese Alge besitzt einen in Gallerte gehüllten, bräunlichen, aus

wirtelig verzweigten Fäden bestehenden Thallus, der im Herbst

fruktifiziert. Die Sexualorgane sitzen in den Zweigquirlen an

kurzen, dicht zusammengedrängten Seitenästchen.

[Illustration: Fig. 366. Callithamnion corymbosum. Tetrasporenbildung.

_A_ Geschlossenes, _B_ entleertes Sporangium mit den vier ausgetretenen

Tetrasporen. Nach THURET.]

[Illustration: Fig. 367. Batrachospermum moniliforme. Wirtelzweige mit

Antheridien. Bei _s*_ ein Spermatium, bei _s_ ein solches im Augenblick

der Entleerung, bei _v_ ein leeres Antheridium. Vergr. 540. Nach

STRASBURGER.]

[Illustration: Fig. 368. Batrachospermum moniliforme. _A_ Anlage eines

Karpogons am Ende eines Zweiges. _B_ Reifes Karpogon, _t_ Trichogyn.

_C_ Nach Befruchtung durch ein Spermatium _s_, Eizelle _o_ mit den

beiden kopulierenden Sexualkernen. _D_ Gonimoblasten _g_ und Hüllfäden

_h_. _E_ Teil eines reifen Gonimoblasten mit den Karposporen _k_,

_k__{1} und _k__{2} entleert. _A-D_ Vergr. 960, _E_ Vergr. 720. Nach H.

KYLIN.]

Die #Antheridien#, auch Spermatangien genannt (Fig. 367), sprossen

meist in Zweizahl aus den Endzellen der Wirtelzweige hervor.

Jedes Antheridium besteht aus nur _einer Zelle_, deren gesamtes

Plasma in die Bildung eines einzigen #Spermatiums# aufgeht. Die

Spermatien werden aus der zurückbleibenden Zellhaut entleert, sind

rundlich, farblos, anfangs einkernig, nur bei _Batrachospermum_ und

_Nemalion_ später zweikernig. Sie sind nackte Zellen, können sich

nicht selbständig bewegen wie die mit Zilien versehenen Spermien

der übrigen Algen und verdanken diesem Unterschied ihre besondere

Bezeichnung. Die weiblichen Organe, hier #Karpogonien# genannt,

sitzen ebenfalls an Zweigenden, zwischen den Antheridien tragenden

Ästen. Das Karpogon (Fig. 368) besteht aus einer langen, im unteren

Teil flaschenförmig angeschwollenen, im oberen Teil keulenförmig

gestalteten Zelle. Der Basalteil enthält Eikern und Chromatophoren,

der obere wird als #Trichogyn# bezeichnet und fungiert als

Empfängnisorgan für die Spermatien, die zu einem oder mehreren an

seiner Spitze festhaften, sich mit einer Membran umgeben und dann

ihren Inhalt durch eine entstehende Öffnung in das Karpogon unter

Zurücklassung ihrer Membran entlassen. In der Regel enthält das

junge Karpogon der Florideen zwei Zellkerne, von denen der in dem

Trichogyn vorhandene später degeneriert. Bei _Batrachospermum_

aber ist nur ein Kern im Bauchteil sicher nachgewiesen, und bei

_Nemalion_ soll die Bildung des Trichogynkernes nach CLELAND meist

unterbleiben. Trotz ihres auffallend verschiedenen Baues sind beide

Sexualorgane der Rotalgen als homolog zu erachten[348].

Nachdem Spermakern und Eikern miteinander verschmolzen sind,

grenzt sich die Eizelle vom Trichogyn durch eine Querwand ab,

wird aber nicht zu einer Oospore, sondern aus den Seitenflächen

des Bauchteils des Karpogons wachsen vielmehr sich weiter

verzweigende Zellen oder Zellfäden hervor, die sporogenen Fäden

oder _Gonimoblasten_. Zugleich sprossen aus den Tragzellen des

befruchteten Karpogons Hüllzweige, die sich um diese Gonimoblasten

lagern und mit ihnen eine sog. Hüllfrucht, #Zystokarp#, bilden.

Die sporogenen Fäden erzeugen in ihren anschwellenden Endzellen

die kugelrunden, einen Kern und ein Chromatophor führenden Sporen,

die man hier als #Karposporen# bezeichnet. Sie werden aus den

zurückbleibenden Hüllen der Endzellen entleert. Aus den Karposporen

entwickelt sich bei _Batrachospermum_ zunächst ein aus Zellfäden

bestehender Vorkeim, der aus seinen Endzellen ungeschlechtliche,

einzellige, nackte, erst nach ihrer Festsetzung sich mit Membran

umgebende Sporen (Monosporen) erzeugt. Diese dienen der Vermehrung

des Vorkeims. Schließlich wachsen einzelne Zweige des Vorkeims

zu den geschlechtlich differenzierten Thallusfäden heran. Die

Sporenbildung am Vorkeim entspricht der Tetrasporenbildung der

übrigen Florideen.

Die Bildung der Antheridien[349] sowohl, wie auch der oft

sehr verwickelt gebauten Zystokarpien folgt bei den Florideen

verschiedenen Typen. Überall aber lassen sich die Karposporen nach

OLTMANNS in ihrer Entstehung als Abkömmlinge der befruchteten

Eizelle nachweisen.

Als Beispiel für reichere Ausbildung der karposporenbildenden

Generation sei die an den wärmeren europäischen Küsten verbreitete

_Dudresnaya coccinea_, mit büschelig reich verzweigtem Thallus,

gewählt (Fig. 369). Die Karpogonäste bestehen aus etwa sieben

Zellen; die endständige Karpogonzelle trägt ein sehr langes

Trichogyn. Nach der Befruchtung treibt die Karpogonzelle

einen Zellfaden nach unten, der sich weiterhin verlängert und

verzweigt und schrittweise mit bestimmten, dichten Inhalt

führenden vegetativen Zellen, den #Auxiliarzellen#, durch Fusion

in Verbindung tritt. Die ersten Auxiliarzellen liegen in dem

Karpogonast, die folgenden in anderen Seitenästen. Alle Kerne des

sporogenen Fadens sind durch Teilung des befruchteten Eikerns

hervorgegangen. Die Fusionen mit Auxiliarzellen führen nicht

zu Kernverschmelzungen, sondern dienen nur der Ernährung der

sporogenen Fäden. Aus der Karpogonzelle kann noch ein zweiter und

dritter sporogener Faden in gleicher Weise entspringen. Aus den

blasenförmig angeschwollenen Zellen der sporogenen Fäden, die mit

den Auxiliarzellen fusionierten, sprossen nun je zwei Ausstülpungen

hervor, welche sich weiter teilen und zu rundlichen Sporenhaufen

entwickeln, aus denen die Karposporen schließlich entlassen werden.

Wir können somit bei allen Rotalgen zwei #Generationen#

unterscheiden, einmal die geschlechtliche, den #Gametophyt#, der

Eizellen und Spermatien bildet, und dann die aus der befruchteten

Eizelle hervorgehende ungeschlechtliche, Karposporen erzeugende

Generation, den #Sporophyt#. Beide sind in ihrer Gestaltung

wesentlich voneinander verschieden, erstere eine selbständige

Pflanze, letztere in ihrer Entwicklung und Ernährung von dieser

abhängig, und vielleicht als eine eingeschobene, aus der Zygote neu

hervorgegangene Bildung aufzufassen.

Die in Tetrasporangien oder in ihnen gleichwertigen Monosporangien

oder Polysporangien erzeugten Sporen stellen eine zweite Form

ungeschlechtlicher Sporen vor, durch die eine Vermehrung der

Geschlechtspflanzen bewirkt wird. Sie können in einzelnen Fällen

(_Nemalion_) übrigens ganz fehlen.

Bei gewissen Gattungen treten diese Sporangien ausschließlich auf

den Geschlechtspflanzen selbst auf; bei der Mehrzahl der Gattungen

aber gehen aus den Karposporen zunächst Pflanzen hervor, die nur

Tetrasporen erzeugen, und aus den Tetrasporen erst die meist

diözischen Geschlechtspflanzen, so daß dann die Entwicklung in

drei Generationen, Gametophyt, Karposporophyt und Tetrasporophyt,

verläuft. Von der geschlechtlichen Hauptgeneration hat sich hier

also eine rein ungeschlechtliche, ihr im übrigen morphologisch

gleiche und ihr vorangehende Generation abgespalten. Bei manchen

Rotalgen mit solchem Entwicklungsgang tritt noch eine weitere

Komplikation hinzu, indem an dem Gametophyten auch noch Tetrasporen

oder diesen gleichwertige Monosporen erzeugt werden, aus denen dann

wiederum Gametophyten hervorgehen.

[Illustration: Fig. 369. Dudresnaya coccinea. _A_ Karpogon-Ast,

Karpogon _c_ mit Trichogyn _t_. _B_ Nach der Befruchtung, Karpogon zum

sporogenen Faden _sf_ ausgewachsen. _C_ Verbindung dieses Fadens mit

der ersten Auxiliarzelle _a__{1}. _D_ Die Verzweigung des sporogenen

Fadens und Verbindung mit sechs Auxiliarzellen _a__{1}-_a__{6}. Die

Zellen _a__{3}-_a__{6} sind Ästen eingefügt, die von der Achse _ha_

entspringen. Schema. _E_ Reifer Karposporenknäuel aus einem Ast

hervorgegangen. Vergr. _A-C_ ca. 500, _D_ 250, _E_ 300. _A-D_ nach

OLTMANNS, _E_ nach BORNET.]

Das Verhalten der Zellkerne und ihre Reduktionsteilung ist erst

für eine kleine Zahl von Arten untersucht worden, wobei sich

prinzipiell bemerkenswerte Verschiedenheiten in der Verteilung der

haploiden und diploiden Phasen auf die Generationen herausgestellt

haben[350].

Bei _Scinaia_ tritt nach SVEDELIUS die Reduktion der

Chromosomenzahl bei der ersten Teilung des befruchteten Eikernes

auf, so daß nur dieser diploid ist, der Karposporophyt, die

Karposporen und die aus letzteren hervorgehenden Gametophyten aber

haploid werden. Der Gametophyt vermehrt sich hier außerdem noch

ungeschlechtlich durch haploide Monosporen an Stelle der fehlenden

Tetrasporen. Ebenso verhält sich nach KYLIN _Batrachospermum_,

ferner _Nemalion_, bei welchem aber weder Monosporen noch

Tetrasporen am Gametophyten vorkommen.

Es steht zu erwarten, daß bei allen Rotalgen mit einfachem

Generationswechsel die Reduktionsteilung nach dem _Scinaia_-Typus

verläuft, der als der primitive angesehen werden darf.

Bei denjenigen Rotalgen, die ihre Entwicklung in drei

Generationen zurücklegen, ist dagegen die Reduktionsteilung in

das Tetrasporangium verlegt, so daß die aus den Tetrasporen

hervorgehenden Gametophyten haploid sind, während die

Karposporophyten, die Karposporen und die aus letzteren

hervorgehenden Tetrasporophyten hier die diploide Phase darstellen.

So verhalten sich _Polysiphonia_, _Griffithia_, _Delesseria_,

_Nitophyllum_, _Rhodomela_. Tritt nun in solchen Fällen an dem

haploiden Gametophyten außerdem noch eine ungeschlechtliche

Sporenbildung auf, so muß diese naturgemäß ohne Reduktionsteilung

erfolgen. So verhält sich nach SVEDELIUS der Gametophyt von

_Nitophyllum punctatum_, der außer Sexualorganen auch noch

Monosporangien bildet, durch deren Sporen er eine weitere

Vermehrung erfährt. Diese Monosporangien entsprechen den an den

Tetrasporophyten auftretenden Tetrasporangien, sind anfangs

vielkernig, erzeugen aber unter Degeneration aller Kerne bis

auf einen und unter Wegfall einer Reduktionsteilung nur je eine

haploide Monospore.

Besonderes Interesse verdient eine kleine Nordseefloridee

_Harveyella mirabilis_[351], welche auf einer anderen Rotalge, der

_Rhodomela subfusca_, #parasitisch# in Form von kleinen weißlichen

Polstern auftritt. Chromatophoren sind in ihren Zellen nicht mehr

nachweisbar, so daß diese Floridee sich wie ein Pilz ernährt.

Ebenso verhalten sich noch einige andere Arten.

#Offizinell# sind _Gigartina mamillosa_ (Fig. 365) mit

zäpfchenförmigen, 2-5 mm langen, dem Thallus aufsitzenden

Zystokarpien und _Chondrus crispus_ (Fig. 364) mit ovalen, der

Thallusfläche eingesenkten, etwa 2 mm langen Zystokarpien und mit

Tetrasporangienlagern an den Thallus-Endsegmenten. Beide leben

an den Nordseeküsten als purpurrote Algen; getrocknet sind sie

von hellgelblicher Farbe und liefern, besonders Chondrus, das

offizinelle #Carrageen# oder irländische Moos (Pharm. germ.,

austr., helv.), das zur Gallertbereitung verwendet wird. --

Verschiedene Florideen liefern das ebenfalls zur Gallertbereitung

benutzte #Agar-Agar#; so _Gelidium corneum_ und _cartilagineum_ das

Agar von Japan; _Sphaerococcus_ (_Gracilaria_) _lichenoides_ das

Agar von Ceylon (auch Fucus amylaceus genannt); _Eucheuma spinosum_

das Agar von Java und Makassar.

#Klasse XIII.#

Phycomycetes, Algenpilze[288],[352],[353],[355]-[363].

Im Bau des Thallus und auch der Sexualorgane zeigen die meisten

Algenpilze nähere Beziehungen zu den Schlauchalgen oder Siphoneen,

unter denen vielleicht ihr phylogenetischer Ursprung zu suchen

ist; indessen deuten gewisse Formen auch auf andere niedere grüne

Algen hin, so z. B. die _Basidiobolaceen_ auf Conjugaten und die

_Chytridiaceen_ als einfache Algenpilze auf Protococcales und

Flagellaten. Wenn zurzeit die Phykomyceten noch als geschlossene

Klasse aufgeführt werden, so geschieht dies mit dem Vorbehalt ihrer

späteren Auflösung in mehrere an die entsprechenden Algenklassen

anzugliedernde Reihen.

Im einfachsten Falle, bei Chytridiaceen, besteht der #Thallus#

aus einer einfachen Zelle, die in den ersten Stadien sogar einen

membranlosen Protoplasten vorstellt. Bei den höher stehenden Formen

weist der schlauch- oder fadenförmige, meist reich verzweigte Thallus,

wie bei Vaucheria, bis zur Bildung der Fortpflanzungsorgane keine

Querwände auf und umschließt ein einheitliches Plasma, in welchem

zahlreiche sehr kleine Zellkerne, aber keine Chromatophoren enthalten

sind. Die Pilzfäden bezeichnet man als #Hyphen#,

den ganzen Thallus als #Myzelium#. Meist sind die Hyphen ungegliedert,

nur in wenigen Fällen tritt eine Gliederung der Hyphen durch Querwände

ein. Die Algenpilze leben teils saprophytisch im Wasser auf faulenden

Pflanzen oder Tieren oder an der Luft auf verwesenden organischen

Substanzen, teils parasitisch in den Geweben von höheren Pflanzen oder

auch von Insekten.

Die #ungeschlechtliche Vermehrung# geschieht durch Sporen, die

meist in #Sporangien# erzeugt werden. Das #gesamte# Protoplasma

der Sporangien zerklüftet sich in zahlreiche Sporenzellen, die bei

den wasserbewohnenden Gattungen als zilientragende Schwärmsporen

entlassen werden (Fig. 372), bei den terrestrischen dagegen vor der

Entleerung bereits mit Membran umkleidet und so der Verbreitung in der

Luft angepaßt sind (Fig. 378). Bei gewissen Gattungen werden neben

den Sporangien oder auch ausschließlich #Konidien# gebildet durch

Hervorsprossung und Abschnürung von Sporenzellen aus Hyphen, die dann

meist als Konidienträger sich vom Substrat erheben. Die Verbreitung der

Konidien findet ebenfalls in der Luft statt.

Die #Sexualorgane# bieten viel Eigenartiges. Nach ihrer Beschaffenheit

unterscheiden wir bei den höher stehenden Phykomyceten die beiden

Gruppen der _#Oomyceten#_ und _#Zygomyceten#_. Bei den Oomyceten,

die den Siphonales noch am nächsten stehen, differenzieren sich

Oogonien und Antheridien, und letztere entleeren durch schlauchartige

Ausstülpungen ihren Inhalt in erstere, die dann nach der Befruchtung

Oosporen liefern. Nur bei Monoblepharis werden noch freie Spermien

gebildet. Bei den Zygomyceten sind die beiden Sexualorgane von

gleicher Beschaffenheit und liefern eine Zygospore. Sie sind aber

meist vielkernig und entsprechen dann morphologisch je einem ganzen

Gametangium der isogamen Grünalgen. Bei den einfacheren Phykomyceten,

den _#Archimyceten#_, sind nur in wenigen Fällen Sexualorgane,

Antheridien und Oogonien oder auch einander gleiche Gameten beobachtet

worden.

Vielkernige Gametangien, Oogonien und Antheridien, die ihre Gameten

nicht trennen und einzeln ausschlüpfen lassen, sondern direkt

miteinander kopulieren, werden insgemein als #Cönogameten# bezeichnet.

_1. Ordnung. Archimycetes_[355].

Die hierher gehörigen _Chytridiaceen_ sind mikroskopisch kleine,

in Algen, Wasserpilzen, Wassertieren oder in den Zellen von

Landpflanzen schmarotzende Pilze, deren Thallus nur bei einigen

höher stehenden Gattungen die Form eines kleinen verzweigten

Myzeliums aufweist, bei den meisten Vertretern aber eine #einfache,

in der Wirtszelle lebende Zelle# vorstellt. Die #ungeschlechtliche

Vermehrung# erfolgt durch ein- oder zweizilige #Schwärmsporen#,

die sich auf der Nährpflanze festsetzen und ihren Protoplasten

in die Wirtszelle eintreten lassen. Der Protoplast wächst heran,

bleibt anfangs membranlos, umgibt sich dann mit Membran und wird

zu einem vielkernigen Sporangium, das zahlreiche einkernige

Schwärmsporen, meist aus einem halsförmigen Fortsatz, nach außen

entläßt. Auch werden dickwandige #Dauersporangien# gebildet, die

erst nach längerer Ruhe Schwärmsporen erzeugen. So verhält sich u.

a. _Olpidium Brassicae_ (Fig. 370), das in der Stengelbasis junger

Kohlpflanzen schmarotzt und sie zum Absterben bringt.

[Illustration: Fig. 370. Olpidium Brassicae. _A_ Drei Zoosporangien,

eines entleert. Vergr. 160. _B_ Zoosporen. Vergr. 520. _C_

Dauersporangien. Vergr. 520. Nach WORONIN.]

#Geschlechtliche Fortpflanzung#, der Bildung der Dauersporangien

vorausgehend, ist nur bei wenigen Vertretern sicher nachgewiesen.

Bei dem auf Vicia unijuga schmarotzenden _Olpidium Viciae_ sind die

eingeißeligen Schwärmsporen teils asexuell, und aus ihnen gehen

nach ihrem Eindringen in eine Wirtszelle nach wenigen Tagen wieder

Zoosporangien hervor, teils aber kopulieren sie als Planogameten

paarweise miteinander zu einer dann mit zwei Geißeln versehenen

nackten Zygote, die sich auf der Nährpflanze festsetzt, mit Membran

umgibt und ihren Protoplasten in eine Epidermiszelle entleert.

Hier entwickelt sich die Zygote zu einem Dauersporangium, in

welchem erst die beiden Gametenkerne kopulieren und dessen Inhalt

zahlreiche Zoosporen liefert.

Ähnlicher Entwicklungsgang ist von CURTIS auch für _Synchytrium_

(_Chrysophlyctis_) _endobioticum_ nachgewiesen. Dieser

sehr schädliche Pilz, der als Erreger des Kartoffelkrebses

warzenförmige, später zerfallende und verfaulende Wucherungen an

Knollen und Sprossen seiner Nährpflanze hervorruft, breitet sich

in neuerer Zeit in Europa aus. Seine mehrere Jahre lebensfähig

bleibenden derbwandigen Dauersporangien entlassen im Frühjahr

einzilige Zoosporen, die in junge Knollenzellen eindringen und

hier zu größeren, mit orangegelber äußerer und hyaliner innerer

Membran versehenen Zellen (Prosorus) heranwachsen. Ihr Protoplast

tritt dann in das Plasma der Wirtszelle aus, zehrt es auf und

teilt sich in eine Gruppe (Sorus) von rundlichen, dünnwandigen

Einzelsporangien, die je 200-300 einzilige kleine Schwärmsporen

bilden und nach Verquellung des umliegenden Knollengewebes nach

außen entlassen. Diese Zoosporen entwickeln sich in gleicher

Weise wieder zu neuen Sori. Außer dieser ungeschlechtlichen

Vermehrung kommt aber auch geschlechtliche vor. Die den Zoosporen

gleichgestalteten Gameten kopulieren paarweise zu Zygoten, die

als nackte Zellen wieder in die Kartoffeln eindringen und in

ihren Wirtszellen zu Dauersporangien heranwachsen. Ob Sporangien

oder Gametangien in den Sori gebildet werden, scheint von äußeren

Lebensbedingungen abzuhängen.

Bei der auf Saprolegniafäden schmarotzenden _Olpidiopsis_ vollzieht

sich die Kopulation in anderer, mehr an das Verhalten der höheren

Phykomyceten erinnernder Weise. Größere weibliche und kleinere

männliche Protoplasten, beide anfangs noch membranlos, liegen in

den Nährzellen nebeneinander, wachsen heran, werden vielkernig,

umgeben sich mit Zellulosewänden, und nun tritt der Inhalt des

männlichen in den weiblichen über, der zu einer dickwandigen

Oospore wird; die Kerne scheinen paarweise zu verschmelzen. Das

Schicksal der Oospore ist unbekannt. Außerdem vermehrt sich

Olpidiopsis durch zweigeißelige, in Sporangien gebildete Zoosporen.

_2. Ordnung. Oomycetes._

1. Nur bei der kleinen primitiven Familie der

_Monoblepharidaceen_[356] entlassen die Antheridien #freie

Spermien#, während bei den übrigen Oomyceten der vielkernige

Antheridiuminhalt sich nicht mehr in freie Spermien sondert.

Die _Monoblepharis_-Arten finden sich an Pflanzenresten im Wasser,

vermehren sich ungeschlechtlich durch einzilige #Schwärmsporen#,

die in größerer Zahl in Sporangien erzeugt werden. Die meist

terminal stehenden #Oogonien# enthalten nur #eine# Eizelle (Fig.

371); die den Sporangien ähnlichen #Antheridien# entlassen eine

Anzahl von einziligen Spermien. Diese gelangen zu den Oogonien,

deren Wandung sie an der Spitze auflösen, und dringen so zur

Eizelle vor, die dann nach der Befruchtung zu einer stachelig

behäuteten Oospore wird.

[Illustration: Fig. 371. Monoblepharis sphaerica. Ende eines Fadens mit

einem Oogonium _o_ und dem darunter liegenden Antheridium _a_, in _1_

vor der Bildung der Eizelle und der Spermien, in _2_ die letzteren _s_

austretend und an dem Oogonium hinaufkriechend, in _3_ reife Oospore

_osp_, das Antheridium entleert. Vergr. 800. Nach CORNU. Aus V. TAVEL,

Pilze.]

[Illustration: Fig. 372. Saprolegnia mixta. Sporangium die zweiziligen

Zoosporen s^2 entlassend. Nach G. KLEBS.]

[Illustration: Fig. 373. Saprolegnia mixta. Faden mit

Geschlechtsorganen. _a_ Antheridium, das einen Befruchtungsschlauch

in das Oogonium hineingetrieben hat, _o_^1 Eizelle, _o_^2 Oospore mit

Membran umgeben, _op_ parthenogenetische Oosporen, _g_ junges Oogonium.

Nach G. KLEBS.]

[Illustration: Fig. 374. Achlya polyandra. Befruchtung zweier Eizellen

_o_ eines Oogoniums durch zwei Schläuche des Antheridiums _a_. _ek_

Eikern, in _o__{2} der Eikern nicht im Schnitt getroffen, _sk_

Spermakerne. Nach TROW.]

Lehrbuch der Botanik für Hochschulen · 第 53 / 90 段