Die Zoosporen, Gameten und Spermien besitzen spindelförmige

Gestalt, stets einen roten Augenfleck und zwei seitlich eingefügte

Geißeln, eine nach vorn, die andere nach hinten gerichtet. Sie

haben große Ähnlichkeit mit gewissen gelbbraunen Flagellaten.

[Illustration: Fig. 354. _A_ Pleurocladia lacustris. Unilokuläres

Sporangium mit noch eingeschlossenen Zoosporen, _a_ Augenfleck, _chr_

Chromatophor nach KLEBAHN. _B_ Chorda filum, Zoosporen nach REINKE. Aus

OLTMANNS, Algen.]

[Illustration: Fig. 355. _A_ Ectocarpus siliculosus. Plurilokuläres

Sporangium in Entleerung (nach THURET). _B_, _C_, _D_ Sphacelaria

cirrhosa, desgl. in Entwicklung nach REINKE. Aus OLTMANNS, Algen.]

[Illustration: Fig. 356. Ectocarpus siliculosus. _1_ Weiblicher Gamet

von vielen männlichen Gameten umgeben, von der Seite gesehen. _2_-_5_

Verschmelzung der Gameten. _6_ Keimling nach 24 Stunden. _7_-_9_

Vereinigung der Zellkerne bei der Kopulation, nach fixiertem und

gefärbtem Material, _1_-_5_ nach BERTHOLD, _6_-_9_ nach OLTMANNS.]

[Illustration: Fig. 357. _A_ Antheridium. _B_ Oogonium von Cutleria

multifida. Vergr. 400. Nach REINKE.]

_1. Ordnung. Phaeosporeae._

Hierher gehört die Mehrzahl der Formen. Sie vermehren sich

durch ungeschlechtliche Schwärmsporen, die in großer Anzahl in

#einfächerigen# (unilokulären) #Sporangien# erzeugt werden und nach

dem Ausschwärmen bald keimen (Fig. 354).

Außer einfächerigen werden von den Phaeosporeen auch

#mehrfächerige# (plurilokuläre) #Sporangien# erzeugt (Fig. 355),

die in jedem Zellenfach nur eine, selten mehrere Schwärmsporen

bilden. Bei einigen Gattungen ist Kopulation dieser Schwärmsporen

beobachtet worden. Wir haben sie demnach als #Planogameten# und

ihre Sporangien als #Gametangien# zu bezeichnen. Allerdings ist die

Sexualität verschieden stark ausgeprägt, und die aus plurilokulären

Sporangien entlassenen Schwärmer keimen vielfach auch ohne

Kopulation zu neuen Pflanzen, wie dies unter den Chlorophyceen auch

für Ulothrix bemerkt wurde.

Als Beispiel für Kopulation sei _Ectocarpus siliculosus_ (Fig.

355) genannt, bei dem bereits ein Unterschied in dem Verhalten der

im übrigen gleichgestalteten Gameten festzustellen ist, derart,

daß männliche und weibliche, beide in besonderen, diözisch oder

monözisch verteilten Gametangien erzeugt, zu unterscheiden sind.

Die weiblichen Gameten setzen sich fest und zahlreiche männliche

Gameten berühren sie mit ihren Zilien. Schließlich verschmilzt

ein männlicher Gamet mit dem weiblichen zu einer Zygote (Fig.

356 _2-9_), die zuletzt nur einen Kern, aber zwei Chromatophoren

enthält, sich mit einer Membran umgibt und dann ohne Ruhezustand zu

einer neuen Pflanze heranwächst.

Bei anderen Phaeophyceen ist der Unterschied zwischen den Gameten

auch in Form und Größe ausgeprägt, und besonders in der Familie

der _Cutleriaceen_ ist ein entschiedener Übergang von Isogamie zur

#Oogamie#, eine Differenzierung der Gametangien in Antheridien und

Oogonien (Fig. 357), festzustellen.

Bei gewissen Phaeosporeen hat sich bereits ein regelmäßiger

Generationswechsel herausgebildet, so u. a. bei den

_Cutleriaceen_[340]. Die haploiden geschlechtlichen Pflanzen

alternieren mit diploiden ungeschlechtlichen, an denen die

Reduktionsteilung in den Zoosporangien sich vollzieht. Bei

_Zanardinia_ sind beide Generationen gleich gestaltet, besitzen

einen scheibenförmigen Thallus, bei _Cutleria_ dagegen sind

sie verschieden, indem die Sexualpflanzen aufrechte gabelig

zerschlitzte Sprosse, die Sporangienpflanzen (_Aglaozonia_)

dagegen flache, gelappte, niederliegende Scheiben vorstellen. Der

Generationswechsel wird indessen bei Cutleria nicht überall strenge

eingehalten; aus Sporangienpflanzen oder aus Geschlechtspflanzen

können auch die gleichnamigen Generationen wieder hervorgehen. Die

Eizellen entwickeln sich öfters parthenogenetisch zu Sporophyten.

_2. Ordnung. Tilopteridaceae_[341]. Nur wenige Vertreter, die sich

in vegetativer Hinsicht an einfachere Phaeosporeen (Ectocarpus)

anschließen, so die nordatlantische _Tilopteris Mertensii_. Die

Oogonien erzeugen nur je eine große Eizelle, die Antheridien kleine

zweizilige Spermien. In den ungeschlechtlichen Sporangien tritt

keine Sonderung in einzelne Sporen ein, sondern ihr Inhalt wird zu

einer einzigen großen, mit Membran versehenen Monospore mit meist 4

Kernen, während bei den Dictyotaceen sich an ihrer Stelle 4 freie

Sporen bilden.

_3. Ordnung. Dictyotaceae_[342]. Hierher gehören nur wenige in

vegetativer Hinsicht weiter als vorige Ordnung vorgeschrittene

Gattungen, z. B. die mediterrane, fächerförmig gestaltete _Padina

Pavonia_, die in europäischen Meeren verbreitete bandförmige,

typisch gabelig verzweigte _Dictyota dichotoma_ (Fig. 83). Die

Sporen entstehen ähnlich wie bei den Rotalgen, meist zu vier

als sog. #Tetrasporen#, seltener zu acht, und sind membranlos,

unbeweglich, ohne Zilien, also als Aplanosporen zu bezeichnen

(Fig. 358 _1_). Man kann die Tetrasporangien von den unilokulären

der Phaeosporen ableiten. #Oogonien# und #Antheridien# stehen

bei Dictyota je gruppenweise zusammen; sie bilden sog. #Sori#

(Fig. 358 _3_, _2_), die aus nebeneinander stehenden Rindenzellen

nach Abgliederung je einer Stielzelle hervorgehen. An den

Antheridiengruppen bleiben bei Dictyota die peripheren Zellen

steril und bilden eine Art Hülle. Die Oogonien erzeugen nur je

eine große einkernige, ausschlüpfende Eizelle, die vielzelligen

Antheridien, die mit den plurilokulären Gametangien übereinstimmen,

aus jeder Zelle je ein Spermium, das im Unterschied zu den übrigen

Braunalgen nur eine einzige lange, seitlich inserierte Zilie

besitzt. Die Zygoten keimen, ohne einen Ruhezustand zu erfahren.

Dictyota ist zweihäusig. Die haploiden männlichen und weiblichen

Sexualpflanzen gehen hervor aus den ungeschlechtlich erzeugten

Tetrasporen; aus den befruchteten Eizellen entstehen diploide

Pflanzen, welche ungeschlechtliche Tetrasporen erzeugen. Die

Reduktion der Chromosomenzahl von 32 auf 16 findet bei der

Tetradenteilung in den Sporangien statt. So liegt hier ein

#regelmäßiger Generationswechsel# vor; Gametophyt und Sporophyt

zeigen aber im Bau ihres Thallus keinen morphologischen Unterschied.

[Illustration: Fig. 358. Dictyota dichotoma. Thallusquerschnitte.

_1_ mit mehreren Tetrasporangien, davon eins entleert, _2_ mit

Oogoniumgruppe, _3_ mit Antheridiengruppe, nach THURET, _4_ Spermien,

nach WILLIAMS. Aus OLTMANNS, Algen.]

[Illustration: Fig. 359. Laminaria digitata. _A_ Männlicher Gametophyt,

_a_ entleerte Spermatangien. _B_ Größerer, _C_ kleiner, _D_ auf das

Oogonium reduzierter weiblicher Gametophyt, _og_ Oogonium, _o_ Eizelle.

_E_ Junger Sporophyt, noch auf dem entleerten Oogonium sitzend. _F_

Weiteres Stadium mit zwei Rhizoïden. _A_ Vergr. 600, _B_ 292, _C_ 322,

_D_ 625, _E_ 322, _F_ 390. Nach H. KYLIN.]

_4. Ordnung. Laminariaceen_[343]. Der erst in den letzten Jahren

entdeckte regelmäßige Generationswechsel dieser stattlichsten

aller Braunalgen entspricht dem der Farne insofern, als auch

hier die Gametophyten, durchaus verschieden von den Sporophyten,

nur winzige Zwergpflänzchen vorstellen. Der diploide Sporophyt

erzeugt keulenförmige oder zylindrische #Sporangien#, die in

ausgebreiteter oberflächlicher Schicht angeordnet sind. Jede

Oberflächenzelle des Thallus setzt sich fort in eine mittlere

keulenförmige sterile Zelle oder Paraphyse, neben denen die

Sporangien als kürzere Zellen entspringen. In den Sporangien

vollzieht sich die Reduktionsteilung. Aus den zweiziligen

Schwärmsporen entwickeln sich winzige männliche und weibliche,

haploide Geschlechtspflänzchen (Fig. 359), die aus Zellfäden sich

aufbauen, die ersteren reicher verzweigt, die letzteren dagegen

nur wenigzellig und im Extrem sogar nur aus einer schlauchförmigen

Zelle gebildet. Die männlichen Gametophyten erzeugen die

Antheridien an den Zweigspitzen neben- oder auch hintereinander

als einzellige Gebilde, die nur je ein Spermium liefern; an den

weiblichen kann jede Zelle zu einem eineiigen Oogonium werden. Die

nackte Eizelle tritt durch ein Loch an der Spitze des Oogoniums

hervor, bleibt aber vor der Mündung liegen und wächst dann nach der

Befruchtung zum Keimling des Sporophyten (Fig. 359 _E_, _F_) heran.

Oogonien und Antheridien sind den Gametangien der Phaeosporeen

homolog.

Für _Laminaria saccharina_ hat PASCHER an kultivierten jungen

Keimpflänzchen des Sporophyten eine ausnahmsweise frühzeitig

eintretende Sporangienbildung beobachtet. Es kann also auch der

für gewöhnlich stattlich ausgebildete Sporophyt unter bestimmten

äußeren Bedingungen auf einer einfacheren Entwicklungsstufe stehen

bleiben. Wir gewinnen so einen Gesichtspunkt für die Erklärung des

Zustandekommens des auffallenden Dimorphismus der Generationen.

_5. Ordnung. Fucaceae_[344]. Bei den Fucaceen #fehlt die

ungeschlechtliche Sporenbildung#, dagegen ist sexuelle

Fortpflanzung vorhanden und als #Oogamie# ausgeprägt. Bei Fucus

sitzen die Oogonien und Antheridien in besonderen krugförmigen

Vertiefungen, sog. Conceptacula, die zu vielen in die letzten

angeschwollenen Auszweigungen des Thallus eingesenkt und für die

ganze Familie sehr charakteristisch sind (vgl. _Fucus serratus_,

Fig. 353). Bei _F. platycarpus_ enthalten die Konzeptakeln (Fig.

360) sowohl Oogonien als Antheridien, bei _F. vesiculosus_ dagegen

herrscht Diözie. Der Innenwand der Conceptacula entspringen

zahlreiche, unverzweigte, sterile Haare, sog. Saftfäden oder

Paraphysen, die zum Teil als Büschel nach außen hervortreten, und

zwischen ihnen die Oogonien und Antheridien. Die Antheridien sitzen

als ovale Zellen dicht gedrängt an reich verzweigten, kurzen Fäden

(Fig. 380 _a_, 361 _1_). Der Inhalt des Antheridiums teilt sich in

64 Spermien; er wird als Ganzes, von der dünnen inneren Wandschicht

umgeben, entleert (Fig. 361 _2_) und entläßt dann die birnförmigen,

hauptsächlich aus Kernsubstanz bestehenden, mit zwei verschieden

langen seitlichen Zilien, einem orangegelben Chromatophor und

einem roten Augenfleck versehenen Spermien. Die Oogonien (Fig.

360 _o_, 361 _3_) sind große rundliche, auf einzelligem Stiel

sitzende, gelbbraune Gebilde, deren Zellhaut acht große, aus der

Oogoniummutterzelle durch Teilung entstandene Eizellen umschließt.

Der Oogoniuminhalt tritt, von einer dünnen Hülle umgeben, aus der

aufplatzenden Oogoniumwand heraus; die Hülle verquillt am oberen

Teil, stülpt sich teilweise zurück, und die nackten braunen Eier

werden nun frei ins Wasser entleert (Fig. 361 _4_, _5_). Dort

haften die Spermien in großer Menge ihnen an, versetzen sie durch

ihre Zilien in rotierende Bewegung, wobei die Befruchtung durch ein

Spermium erfolgt (Fig. 361 _6_). Nach der Befruchtung umgibt sich

das Ei mit Membran, setzt sich fest und wächst unter Teilung zu

einer neuen Pflanze heran.

[Illustration: Fig. 360. Fucus platycarpus. Monözisches Conceptaculum

mit Oogonien verschiedenen Alters _o_ und Antheridienbüscheln _a_,

Paraphysen _p_. Vergr. ca. 25. Nach THURET.]

Bei anderen Fucaceen werden in dem Oogonium nur vier, zwei oder

schließlich auch nur ein befruchtungsfähiges Ei erzeugt; immer

aber teilt sich der eine Kern der Oogoniumanlage nach OLTMANNS in

acht Kerne, wovon dann in diesen Fällen vier, zwei oder einer zu

Eikernen ausgebildet werden, die übrigen als befruchtungsunfähige

Eikerne zugrunde gehen.

Da die Fucaceen der ungeschlechtlichen Sporenbildung ermangeln,

so #fehlt# ihnen der für Laminaria charakteristische

#Generationswechsel#. Der aus der befruchteten Eizelle

hervorgehende Fucus-Thallus, der durchaus dem Laminarien-Thallus

gleichwertig ist, hat diploide Zellkerne, deren Reduktion erst in

den Anlagen der Oogonien und Antheridien, und zwar in den ersten

zwei Teilungsschritten erfolgt, so daß vier haploide Kerne erzielt

werden, die im Oogonium dann noch eine, im Antheridium noch vier

Teilungen bis zur Bildung der Sexualzellen erfahren. Bei Fucus

ist also nur eine ganz kurze haploide Phase zu erkennen. Die

Entwicklung und Beschaffenheit der Sexualorgane, namentlich der

Oogonien, läßt die Deutung zu, daß sie morphologisch den Sporangien

der Laminarien homolog sind, daß aber in ihnen an Stelle von Sporen

Gameten differenziert werden. Die Fucaceen bezeichnen somit das

Endglied in der Reduktion des Gametophyten, die bei den Laminarien

noch nicht ganz so weit vorgeschritten erscheint.

#Nutzpflanzen der Phaeophyceen# sind: die früher #offizinellen#

_Laminaria digitata_ und _L. Cloustoni_ (Pharm. germ.), deren

Thallusstiele getrocknet als Quell-Stifte (_stipites Laminariae_)

in der Chirurgie Verwendung fanden. -- Verschiedene Laminariaceen

und Fucaceen lieferten früher aus ihrer Asche (Varec, Kelp) #Jod#;

auch wird Soda aus ihnen gewonnen. Viele Laminarien sind reich an

#Mannit# (z. B. _Lam. saccharina_), dienen zur Gewinnung seiner

und werden auch, besonders von Chinesen und Japanern, als Nahrung

genossen.

[Illustration: Fig. 361. Fucus. _1_ Antheridiumstand. _2_ Antheridien

in Entleerung. _3_ Oogonium in acht Eizellen geteilt. _4_ Nach der

Ablösung vom Stiel _st_. _5_ Befreiung der Eier. _6_ Ei von Spermien

umschwärmt. Nach THURET, aus OLTMANNS, Algen, Hdw. d. Nat.]

#Klasse# XI.

Characeae, Armleuchtergewächse[288],[304],[345].

Die Characeen oder Charophyten bilden eine nach oben und unten hin

isoliert stehende Gruppe von hochentwickelten grünen Thallophyten.

Ihr Ursprung ist zwar bei den Chlorophyceen gesucht worden, jedoch

gestatten sie infolge des eigenartigen Baues ihrer Sexualorgane

keinen unmittelbaren Anschluß an oogame Grünalgen, verraten dagegen

in einigen morphologischen Charakteren Analogien mit Braunalgen,

von denen sie aber durch rein grüne Färbung der Chromatophoren

abweichen. Man kann sie nicht etwa als Vorläufer der Moose ansehen,

wenn auch ihre Karyokinese mit derjenigen der Archegoniaten

weitgehende Übereinstimmung zeigt.

Die Characeen vegetieren in Form von oft über fußhohen Wiesen in

Teichen und Bächen. Sie sind ausgezeichnet durch ihren #regelmäßigen

Aufbau#; ihre Hauptachsen bestehen aus langen Internodien und kurzen

Knoten, an denen aus wenigen Gliedern bestehende Seitenäste und Quirle

entspringen (Fig. 362). Diese Seitenachsen sind entweder einfach

oder tragen an ihren Knoten kurze Ausstrahlungen zweiter Ordnung. In

der Achsel #eines# Seitenastes entspringt in jedem Quirl eine der

Hauptachse ähnliche Seitenachse. So kommt ein armleuchterartiger

Habitus zustande. Am Grunde sind die Achsen mittels farbloser,

verzweigter, aus den Knoten entspringender fädiger Rhizoïdwurzeln

im Substrat befestigt. Diese zeigen ebenfalls eine Gliederung in

lange Fadenzellen und zwischen ihnen stehende kurze, hier einseitig

gerichtete Knotenzellen, aus denen die Verzweigung erfolgt.

Haupt- und Seitenachsen wachsen an ihren Spitzen mittels

#Scheitelzellen#, die durch Querwände Segmente abteilen; jedes

Segment teilt sich nochmals durch eine Querwand, und nun entwickelt

sich aus der unteren Zelle die langgestreckte, ungeteilt bleibende

Internodienzelle; aus der oberen Zelle dagegen unter weiterer

Teilung die Knotenscheibe, ferner die Seitenachsen und an dem

unteren Teil der Hauptachsen auch die Rhizoïden. Während bei

_Nitella_ die Internodiumzellen nach außen hin frei bleiben, werden

sie bei den meisten Arten von _Chara_ mit einer Schicht längs

verlaufender Zellreihen, die an den Knoten aus den Basilarzellen

der Seitenachsen hervorwachsen, dicht umschlossen; diese

morphologische Eigentümlichkeit wird in ähnlicher Art bei gewissen

Braunalgen (z. B. Spermatochnus) angetroffen.

Die #Zellen# enthalten je einen normalen, auf karyokinetischem Wege

entstandenen Zellkern. In den langen Internodialzellen aber teilt

sich dieser amitotisch in #zahlreiche Kerne#, die in dem einen großen

Saftraum umschließenden und lebhafte Strömung aufweisenden Plasmabelag

verteilt liegen. Die #grünen Chloroplasten# sind rundlich und in großer

Zahl vorhanden.

[Illustration: Fig. 362. Chara fragilis. Ende eines Hauptsprosses. Nat.

Gr.]

#Ungeschlechtliche Fortpflanzung# mittels Sporen fehlt vollständig;

die #sexuelle Fortpflanzung# besteht in Eibefruchtung. Die weiblichen

Organe, hier als #Eiknospen# bezeichnet, sind eiförmige, mit

bloßem Auge sichtbare Gebilde und stehen ebenso wie die kugeligen,

rotgefärbten männlichen Organe an den Knoten der Seitenachsen.

Meist sind die Pflanzen monözisch, einige Arten auch diözisch. Die

befruchtete Eizelle wird zu einer #Oospore#. Die Characeen zeigen

also keinen Generationswechsel, sondern stets Aufeinanderfolge von

Gametophyten.

Das #männliche Organ# (Fig. 363 _A_) geht aus einer sich zunächst

in 8 Zellen teilenden Mutterzelle hervor. Jeder Oktant wird durch 2

tangentiale Wände in 3 Zellen zerlegt. So ergeben sich 8 äußere flache

Wandzellen (Schilder), die durch einspringende Wände unvollständig

gefächert werden: 8 mittlere Zellen (Griffzellen), die sich radial

strecken, und 8 innere Zellen (primäre Köpfchenzellen), die rundliche

Form annehmen. Infolge stärkeren Flächenwachstums der 8 Schilder

entsteht im Innern des Organs ein Hohlraum, in den die Griffzellen

mit ihren aufsitzenden Köpfchenzellen hineinragen. Letztere bilden

3-6 sekundäre Köpfchenzellen, und aus diesen sprossen nun in den

Hohlraum hinein je 3-5 lange, aus scheibenförmigen Zellen bestehende,

einfache, #spermatogene Zellfäden#, die aus jeder Zelle ein spiralig

gewundenes, mit zwei Zilien versehenes Spermium (Fig. 363 _C_)

entlassen. Morphologisch erinnern diese Zellfäden oder Antheridien an

die plurilokulären Braunalgengametangien, die z. B. bei Stilophora

ebenfalls aus einfachen Zellreihen bestehen und in Gruppen (Sori)

beieinanderstehen. Das männliche Organ der Characeen, das als

Ganzes zwar gewöhnlich Antheridium genannt wird, #enthält also 8

Antheridiengruppen von endogener Entwicklung# und sollte demnach als

#Antheridienstand# bezeichnet werden.

[Illustration: Fig. 363. Chara fragilis. _A_ Medianer Längsschnitt

durch eine Seitenachse _r_, _a_ Antheridiumstand, und zwar _na_

Basilarknotenzelle, _p_ Stiel, _m_ die Griffzellen, aus deren

aufsitzenden Zellen die spermatogenen Zellfäden entspringen, _ob_

Eiknospe, und zwar _po_ Stielzelle, _no_ die Knotenzelle, _v_ die

Wendungszelle, _c_ das Krönchen. Vergr. 60. _B_ Ganze Seitenachse.

Vergr. 6. _C_ Spermium, _k_ Kern, _cl_ Zilien, _c_ Plasma. Vergr. 540.

Nach STRASBURGER.]

Die #Eiknospe# (Fig. 363 _ob_) besteht aus einem #Oogonium#, das nur

eine einzige mit Öltropfen und Stärkekörnern dicht gefüllte #Eizelle#

enthält, anfangs frei hervorragt und dann von 5 schraubig gewundenen

Hüllschläuchen dicht umschlossen wird. Letztere endigen in den Krönchen

_c_, zwischen dessen Spalten die Spermien eindringen. Am Grunde des

Oogoniums finden sich bei _Chara_ eine, bei _Nitella_ drei kleine

sog. Wendungszellen, die von der anfangs einzelligen Oogoniumanlage

abgeteilt wurden. Diese Teilungen entsprechen den ersten Teilungen in

den Mutterzellen des männlichen Organs. Die Eiknospe kann daher als

ein auf ein #einziges Oogonium reduzierter Oogoniumstand# betrachtet

werden.

Nach der Befruchtung umgibt sich die Eizelle mit einer dicken

farblosen Haut, und auch die Innenwände der Hüllschläuche verdicken

sich, werden braun und mit einer Schicht von amorphem kohlensaurem

Kalk bedeckt, während die äußeren weichen Zellwände der Schläuche

bald nach dem Abfallen der Frucht vergehen.

Bei der Keimung der Oospore teilt sich nach OEHLKERS und ERNST

der Kern schrittweise in vier Kerne: die erste Teilung ist eine

heterotypische. Dann wird die Membran an der Spitze durch die sich

hier vorwölbende Zygotenzelle geöffnet. Drei Kerne verbleiben

im Bauchteil der Zygote, wo sie degenerieren, der vierte, sich

vergrößernde Kern aber wandert in die hervortretende Ausstülpung,

die dann durch eine Querwand abgegrenzt wird. Aus dieser Zelle geht

unter weiterer Teilung ein einfach gestalteter, fadenförmiger,

mehrgliedriger Keimling hervor, an dessen erstem Knoten Rhizoïden

entspringen, während am zweiten einige einfache Seitenachsen

stehen, sowie eine oder mehrere Hauptachsen, aus deren weiterer

Verzweigung die fertige Pflanze heranwächst. Das diploide Stadium

beschränkt sich also bei den Characeen nur auf die Oosporen,

während die Armleuchterpflanzen selbst haploid sind.

Bemerkenswertes Verhalten zeigt _Chara crinita_. Nach ERNST

kommen von dieser diözischen Art die haploiden, 12 Chromosomen

führenden männlichen und weiblichen Geschlechtspflanzen nur sehr

zerstreut vor, weit verbreitet dagegen diploide 24 Chromosomen

führende weibliche Pflanzen, die sich vermittelst diploider

Eizellen parthenogenetisch vermehren und die aus der Kreuzung

der _Ch. crinita_ mit anderen Arten hervorgegangen sein sollen.

Nach WINKLER aber könnte diese Diploidie durch Verdoppelung der

Chromosomenzahl in der Scheitelzelle einer weiblichen haploiden

Pflanze zustande gekommen sein oder eher dadurch, daß von den bei

der Reduktionsteilung in der Zygote entstehenden 4 Kernen die

beiden weiblich differenzierten wieder miteinander verschmelzen. Es

liegt also hier somatische Parthenogenese und nicht, wie man früher

annahm, generative vor[346].

Einige Characeen zeichnen sich durch die Bildung besonderer, mit

Stärke dicht gefüllter #Knöllchen# in der unteren Partie der Achsen

aus. Diese dienen als #Überwinterungsorgane# und gehen entweder

aus Knoten mit verkürzten Astquirlen hervor (so bei _Tolypellopsis

stelligera_, wo sie sternförmige Gestalt haben) oder entsprechen

modifizierten Rhizoïden (z. B. bei _Chara aspera_, wo sie kugelige,

weiße Gebilde vorstellen).

In fossilem Zustand sind Characeen (in Form von Zygoten) schon

aus dem Jura sicher nachgewiesen. Vielleicht gehören auch gewisse

devonische Fossilien hierher.

#Klasse# XII.

Rhodophyceae, Rotalgen[288],[304],[324],[347],[351].

Die Rotalgen, Rhodophyceen oder Florideen, bilden eine scharf umgrenzte

Gruppe höherer Algen, deren phylogenetischer Ursprung vielleicht bei

höher stehenden Grünalgen zu suchen ist, die jedoch auch Beziehungen zu

den Braunalgen zeigt. Sie sind wie die letzteren fast ausschließlich

Meeresalgen und bewohnen vorzugsweise die tieferen Algenregionen an

den Küsten. Nur wenige Gattungen (_Batrachospermum_ z. B.) wachsen im

Süßwasser, am Boden fließender Gewässer.

Lehrbuch der Botanik für Hochschulen · 第 52 / 90 段