Die Protococcales leiten wir ebenso wie die Volvocales von

Flagellaten ab. Im Gegensatz zu den Volvocales hat aber bei

ihnen, wie auch weiterhin bei allen höherstehenden Algen, der

unbewegliche zilienlose Zustand der Zellen die Oberhand gewonnen,

so daß bei einigen Gattungen sogar auch die Sporen keine Geißeln

mehr erzeugen, obwohl im allgemeinen gerade in den Keimzellen der

Algen der Flagellatencharakter sich recht zähe erhält. Hand in Hand

mit der Aufgabe der Beweglichkeit erfolgt dann bei den Arten mit

ruhenden Einzelzellen eine fortschreitend reichere Ausgestaltung

der äußeren Zellform.

_+3. Ordnung. Ulotrichales.+_ Sie bezeichnen den einzelligen

Grünalgen gegenüber einen Fortschritt in der äußeren Gliederung

des Thallus, der stets mehrzellig erscheint und meist aus

einfachen oder verzweigten #Zellfäden# besteht. Die Zellfäden

sitzen entweder mit einer farblosen Fußzelle am Substrat unter

Wasser fest (Fig. 342 _A_) oder schwimmen frei. Bei der im Meere

lebenden Gattung _Ulva_ (_Ulva lactuca_, Meersalat) besteht der

Thallus aber aus großen blattartigen, grünen, zweischichtigen

#Zellflächen# (Fig. 81, Keimpflanze), bei _Enteromorpha_ ist er

zylindrisch oder abgeflacht bandförmig (Fig. 341); in der Jugend

auch hier zweischichtig, wird er später innen hohl, so daß die

Wandschicht nur aus einer Zellage besteht. Die Ulotrichales leben

im Süßwasser oder im Meere. Nur einige Formen (_Chroolepideen_)

wachsen als #Luftalgen# an Felsen, Baumstämmen, in den Tropen

auch auf Blättern. Hierzu gehört die auf Steinen in Gebirgen

wachsende _Trentepohlia_ (oder _Chroolepus_) _Jolithus_, deren

Zellfäden infolge Hämatochromgehaltes rot erscheinen und einen

veilchenartigen Geruch besitzen (Veilchenstein).

Die Zellen besitzen stets nur #einen# Zellkern und meist auch

nur #einen# Chloroplasten. Die ungeschlechtliche Fortpflanzung

vollzieht sich durch zilientragende Schwärmsporen, die

geschlechtliche besteht entweder in Kopulation von Planogameten,

oder die Geschlechtszellen sind in Eizellen und Spermien

differenziert.

[Illustration: Fig. 341. Enteromorpha compressa. Häufige Grünalge der

Nordseeküsten. ½ nat. Gr.]

_Ulothrix zonata_[297] (Fig. 342 _A_), der typische Vertreter

der Gruppe, ist eine der häufigsten Fadenalgen. Sie besteht aus

unverzweigten, mit einer Rhizoïdzelle festsitzenden Fäden ohne

Spitzenwachstum; ihre kurzen Zellen enthalten einen bandförmigen

Chloroplasten. Die ungeschlechtliche Fortpflanzung geschieht durch

vierzilige #Schwärmsporen# (Zoosporen) (_C_), die einzeln oder

durch fortgesetzte Zweiteilung zu mehreren in einer Fadenzelle

gebildet werden und durch ein seitlich entstehendes Loch aus

der Zellmembran ausschlüpfen (_B_), umherschwärmen und dann zu

neuen Fäden auswachsen. Die geschlechtlichen Schwärmzellen,

#Planogameten#, bilden sich in gleicher Weise aus Fadenzellen

oder Gametangien, aber in viel größerer Zahl (_D_, _E_); sie

sind kleiner und besitzen nur zwei Zilien, außerdem einen roten

Augenfleck und einen Chloroplasten, wie die Schwärmsporen;

Ulothrix ist morphologisch isogam, physiologisch aber heterogam,

denn Gameten, die aus ein und demselben Faden stammen, kopulieren

nicht miteinander, sondern nur solche von getrennter Herkunft; sie

verschmelzen dann paarweise zu Zygoten (_F-H_), welche die Zilien

einziehen, sich abrunden und mit Membran umkleiden. Die Zygote

stellt einen Ruhezustand dar, sie wird zu einem kleinen einzelligen

Keimpflänzchen (_J_); ihr Inhalt teilt sich in mehrere Zellen, aus

denen die neuen Ulothrixfäden wieder heranwachsen. Übrigens können

sich die Planogameten unter Umständen auch parthenogenetisch ohne

Kopulation direkt weiter entwickeln. Damit ist die Mannigfaltigkeit

der Schwärmerbildung noch nicht erschöpft, denn die Fäden können

außer den oben genannten Schwärmsporen mit vier Wimpern auch

kleinere ungeschlechtliche, aber gametenähnliche Mikrozoosporen

mit vier oder zwei Wimpern erzeugen, welche bei Temperaturen über

10° meist zugrunde gehen, bei solchen unter 10° nach einigen Tagen

zur Ruhe kommen und dann langsam keimen. Die Alge ist insofern von

Interesse, als bei ihr die sexuelle Differenzierung der Gameten

noch in einem Anfangsstadium steht.

[Illustration: Fig. 342. Ulothrix zonata. _A_ Junger Faden mit

Rhizoïdzelle _r_. Vergr. 300. _B_ Fadenstück mit ausschlüpfenden

Schwärmsporen, zu zwei in jeder Zelle. _C_ Einzelne Schwärmspore. _D_

Gametenbildung und Entleerung eines Fadenstückes. _E_ Gameten. _F_, _G_

Kopulation der Gameten. _H_ Zygote. _J_ Zygote nach der Ruheperiode.

_K_ Zygote, deren Inhalt in mehrere Zellen sich geteilt hat. _B-K_

Vergr. 482, nach DODEL.]

[Illustration: Fig. 343. _A_, _B_ Oedogonium. _A_ Schwärmsporen

beim Ausschlüpfen. _B_ Schwärmspore. _C_, _D_ Oed. ciliatum. _C_

Vor der Befruchtung. _D_ Während der Befruchtung. _o_ Oogonien, _a_

Zwergmännchen, _S_ Spermatozoid. Vergr. 350. Nach N. PRINGSHEIM.]

Als Beispiel #oogamer# Ulotrichales sei die Gattung

_Oedogonium_[331] genannt, an die sich _Bulbochaete_ anschließt.

Während letztere verzweigte Zellfäden aufweist, hat erstere

Gattung unverzweigte Fäden, deren Zellen einen aus zahlreichen

zusammenhängenden Bändern bestehenden Chloroplasten besitzen.

Die ungeschlechtlichen #Schwärmsporen# (Fig. 343 _B_) sind bei

Oedogonium besonders groß, haben ein farbloses Vorderende, an

dessen unterem Rande zahlreiche Zilien in Form eines Kranzes

entspringen. Sie entstehen in Einzahl aus dem ganzen Inhalt einer

Fadenzelle (Fig. 343 _A_) und schlüpfen unter Aufbrechen dieser

Zelle aus, um alsbald zu neuen Fäden auszukeimen, nachdem sie

sich mit ihrem farblosen Ende festgesetzt haben. Die #Oogonien#

gehen aus einzelnen Fadenzellen hervor, indem diese tonnenförmig

anschwellen und ihren Inhalt zu einer großen Eizelle ausbilden.

Am oberen Ende des Oogoniums entsteht in der Membran ein Loch und

unter diesem ein farbloser Empfängnisfleck an der Eizelle. An

anderen Stellen desselben oder eines anderen Fadens werden die

Spermien erzeugt, und zwar meist zu je zwei in relativ niedrig

bleibenden Fadenzellen, den #Antheridien#. Die Spermien sind

kleiner als die ungeschlechtlichen Schwärmsporen, aber wie diese

mit einem Zilienkranz versehen. Sie schlüpfen durch die Öffnung in

das Oogonium und verschmelzen mit der Eizelle, die dann zu einer

großen derbwandigen #Oospore# wird. Bei der Keimung teilt sich

ihr Inhalt in vier große Schwärmsporen, welche ausschlüpfen und

neue Fäden bilden. Fig. 344 stellt die Bildung dieser Sporen für

_Bulbochaete_ dar.

Bei gewissen Oedogonien liegen die Verhältnisse weniger einfach.

Die Spermien werden nämlich bei diesen in kleinen, nur aus

wenigen Zellen bestehenden Pflänzchen, sog. „#Zwergmännchen#“

erzeugt. Diese Pflänzchen entwickeln sich aus spermienähnlichen

Schwärmsporen (Androsporen), die sich nach dem Ausschwärmen auf

den weiblichen Fäden, ja sogar auch direkt auf den Oogonien

festsetzen und zu den wenigzelligen Zwergmännchen heranwachsen,

deren obere Zellen die Spermien erzeugen. Fig. 343 _C_ zeigt ein

reifes Zwergmännchen auf einem noch geschlossenen Oogonium, _D_ den

Eintritt der Befruchtung, das Spermium auf dem Empfängnisfleck, die

obere Wandung des Zwergmännchens deckelartig abgesprengt.

[Illustration: Fig. 344. Bulbochaete intermedia. _A_ Oospore. _B_

Bildung von vier Schwärmsporen aus der keimenden Oospore. Vergr. 250.

Nach N. PRINGSHEIM.]

[Illustration: Fig. 345. Coleochaete pulvinata. _1_ Antheridium _a_

und junges Oogon _o_, _2_ Oogonium kurz vor der Öffnung, _3_ dasselbe

befruchtet, _ek_ Eikern, _sk_ Spermakern, _4_ Oospore durch Umwachsung

zur „Frucht“ entwickelt, _5_ keimende Oospore. Nach OLTMANNS.]

Die Gattung _Coleochaete_[332] zeichnet sich ebenfalls durch

#Oogamie# aus (Fig. 345). Ihr flaschenförmiges Oogonium hat einen

farblosen Hals, der sich an der Spitze zur Aufnahme des Spermiums

öffnet. Die Antheridien sind endständig und erzeugen nur je #ein#

mit zwei Geißeln versehenes Spermium. Die heranwachsende, kugelige

Oospore wird in ein einschichtiges, pseudo-parenchymatisches

Gewebe eingeschlossen, indem von der Tragzelle des Oogoniums und

benachbarten Zellen Zellfäden aussprossen und sie dicht umhüllen.

So entsteht eine #Oosporenfrucht#. Bei der Keimung führt der Kern

der Oospore eine Reduktionsteilung aus. Hierauf entsteht ein

16-32zelliger Körper, der die Oosporenhülle durchbricht und aus

jeder Zelle eine Schwärmspore entläßt, die sich zu einem neuen

Thallus entwickelt. Coleochaete vermehrt sich ungeschlechtlich

durch zweiwimperige Schwärmsporen, die in Einzahl in Thalluszellen

gebildet werden.

_+4. Ordnung. Siphonocladiales.+_ Die hierher gehörigen, meist

reich verzweigten Algen unterscheiden sich von den Ulotrichales

durch große, #vielkernige# Zellen, deren Chloroplasten entweder

in Einzahl groß und netzförmig gestaltet erscheinen oder als

zahlreiche kleine Plättchen auftreten.

Die Gattung _Cladophora_ mit zahlreichen Arten im Süßwasser und

im Meere kann als wichtigster Vertreter genannt werden. _Cl.

glomerata_ (Fig. 84) ist eine der häufigsten Flußalgen, oft

fußlange verzweigte Fadenbüschel bildend, die an der Basis mit

rhizoïdartiger Zelle festsitzen und Spitzenwachstum aufweisen,

das bei anderen Vertretern der Ordnung noch nicht zur Ausbildung

gelangt ist. Der Bau der Zellen ist aus Fig. 7, 9 und 18 zu

ersehen. Die Verzweigung erfolgt an den oberen Enden der Zellen

durch Ausstülpung und Abgrenzung von Astzellen. Die Vermehrung

geschieht durch zweiwimperige (Fig. 346), bei den marinen Arten der

Gattung durch vierwimperige #Zoosporen#, die in großer Zahl meist

aus den oberen Zellen der Fäden entstehen und durch ein seitliches

Loch aus diesen Sporangien austreten. Die geschlechtliche

Fortpflanzungsweise ist #Isogamie# wie bei Ulothrix.

Nur bei #einer# Gattung, der im Süßwasser in Form einfacher Fäden

vorkommenden _Sphaeroplea annulina_, ist die sexuelle Fortpflanzung

zur Oogamie vorgeschritten.

Manche Vertreter der Ordnung leben im Meere, z. B. _Siphonocladus_,

und haben zum Teil einen reich gegliederten, aber stets aus

verzweigten Zellfäden aufgebauten Thallus, der bei gewissen

Gattungen durch #Kalkinkrustationen# eine korallenartige

Beschaffenheit annimmt. Als Beispiel solcher Kalkalgen sei die

zierliche, im Mittelmeer heimische _Acetabularia mediterranea_

(Fig. 347) genannt. Der dünne Stiel des Thallus sitzt mittels

einiger Rhizoiden fest, der Schirm besteht aus zahlreichen, dicht

zu einer Fläche zusammenschließenden radialen Schläuchen, deren

jeder als ein Gametangium aufzufassen ist. Ihr Inhalt aber bildet

die zweiwimperigen Gameten nicht direkt, sondern zerfällt erst in

eine große Zahl derbwandiger Zysten, welche ruhend überwintern und

dann zahlreiche, paarweise kopulierende Gameten entlassen. Die

Zygoten keimen sehr bald und wachsen schrittweise zu neuen Pflanzen

heran.

[Illustration: Fig. 346. Cladophora glomerata. Schwärmspore. Vergr.

500. Nach STRASBURGER. Hierzu Fig. 84.]

[Illustration: Fig. 347. Acetabularia mediterranea. Kalkalge. Nat. Gr.

Nach OLTMANNS.]

_+5. Ordnung. Siphonales.+_ Die Siphoneen oder #Schlauchalgen#

unterscheiden sich von den vorhergehenden Gruppen dadurch, daß

in ihrem äußerlich mehr oder weniger reich gegliederten Thallus

zunächst #keine Querwände# vorhanden sind. Die Zellhaut umschließt

somit eine #einzige Plasmamasse#, in welcher #zahlreiche Zellkerne#

und zahlreiche kleine grüne Chloroplasten enthalten sind. Ähnliche

Thallusformen kehren bei den Phycomyceten oder Algenpilzen wieder.

Die meisten Siphoneen leben im Meere und gehören infolge

ihres eigenartig gegliederten Thallus zu den interessantesten

Algentypen. So besitzt die in vielen Arten in wärmeren Meeren

vertretene Gattung _Caulerpa_[333] eine kriechende, an der Spitze

fortwachsende Hauptachse, die nach unten farblose Rhizoiden in

den Boden entsendet, nach oben dagegen grüne, bei den einzelnen

Arten sehr verschieden gestaltete Thallusglieder trägt. Bei

der mediterranen _C. prolifera_ (Fig. 348) sind diese Glieder

blattartig, entweder einfach oder durch wiederholte Aussprossungen

verzweigt. Dabei umschließt die ganze Pflanze nur einen einzigen

Zellraum, der von netzförmig verbundenen Zellstoffbalken

durchsetzt wird. In den farblosen Thallusteilen enthält das Plasma

stärkebildende Leukoplasten.

Die Gattung _Bryopsis_ hat einen zierlich federförmig verzweigten

Thallus[334]. Bei den in wärmeren Meeren lebenden _Halimeda_-Arten

setzt er sich aus scheibenförmigen Gliedern, ähnlich wie eine

Opuntia im kleinen, zusammen und erhält durch Kalkablagerungen eine

korallenartige Beschaffenheit. Die Glieder sind aus verzweigten und

miteinander verflochtenen Schläuchen gebildet.

Bei _Bryopsis_ hat sich eine Differenzierung der kopulierenden

zweiziligen Gameten in größere, mit einem grünen Chromatophor

versehene weibliche und dreimal kleinere, nur ein kleines

gelbliches Chromatophor führende männliche vollzogen; bei

_Vaucheria_ und _Dichotomosiphon_ ist bereits Oogamie scharf

ausgeprägt[335]. Diese letzteren Algen kommen im Süßwasser vor

oder bilden auf feuchtem Boden kleine Rasen. Ihr Thallus besteht

aus einem fadenförmigen, verästelten und im Substrat mit farblosen

Rhizoïden befestigten Schlauch (Fig. 349 _D_).

Die Bildung der ungeschlechtlichen _Schwärmsporen_ geschieht

bei Vaucheria in anderer Weise als bei den übrigen Siphonales.

Einzelne Zweigenden schwellen zur Bildung des Sporangiums etwas

an und grenzen sich mit einer Querwand ab (Fig. 349). Der Inhalt

der Endzelle verwandelt sich nun in eine einzige, sehr große,

grüne, mit bloßem Auge schon sichtbare Schwärmspore, die einen

farblosen, zahlreiche Kerne enthaltenden Saum besitzt und vor jedem

Kern je zwei Zilien hervorstreckt. Bei der Entleerung reißt der

Sporangiumscheitel auf, und die Spore zwängt sich unter Drehung um

ihre Längsachse aus der Öffnung hervor. Morphologisch entspricht

die Vaucheriaspore der Gesamtheit der Zoosporen eines gewöhnlichen

Sporangiums.

[Illustration: Fig. 348. Caulerpa prolifera. Die feinen Linien auf den

Thallusblättern bezeichnen die Plasmaströme. _a_ Fortwachsende Spitze

der Thallusachse, _bb_ junge Thalluslappen, _r_ Rhizoïden. ½ nat. Gr.]

[Illustration: Fig. 349. Vaucheria sessilis. _A_ Anlage des

Sporangiums. _B_ Aus dem Sporangium ausgeschlüpfte Zoospore. _C_ Ein

Stück der Peripherie einer Zoospore. _D_ Keimpflanze aus einer Zoospore

mit Rhizoïd. _A_, _B_ nach GÖTZ, _D_ nach SACHS, aus OLTMANNS Algen,

_C_ nach STRASBURGER.]

#Die sexuelle Fortpflanzung# von Vaucheria weicht bedeutend von der

Gametenkopulation der übrigen Siphoneen ab, ist aber von dieser

als der ursprünglicheren Befruchtungsart abzuleiten. Oogonien

und Antheridien entstehen an den Thallusfäden als Ausstülpungen,

die durch eine Scheidewand abgegrenzt werden (Fig. 350 _o_ und

_a_). Die Oogoniumanlage enthält anfangs zahlreiche Kerne, die

aber nach OLTMANNS und HEIDINGER alle bis auf den zurückbleibenden

einzigen Eikern vor der Scheidewandbildung wieder in den

Tragfaden zurückwandern. Im reifen Zustande besitzt das Oogon

eine schnabelartige, mit farblosem Plasma angefüllte Vorstülpung,

an welcher es sich öffnet. Ein Ballen Plasma tritt zunächst aus,

und die Eizelle rundet sich ab. Das in seiner Anlage ebenfalls

vielkernige Antheridium ist mit seinem Tragast ein hornförmig

gekrümmtes Gebilde (_a_); es bildet einkernige Spermien, öffnet

sich bei der Reife an seiner Spitze und entleert seinen schleimigen

Inhalt, aus dem die winzigen, völlig farblosen, mit zwei seitlich

inserierten Zilien versehenen Spermien herausschwärmen, um an

dem farblosen Empfängnisfleck des Oogoniums sich anzusammeln.

Ein Spermium dringt ein und vollzieht die Befruchtung durch

Verschmelzung seines Kerns mit dem Eikern. Die befruchtete

Eizelle umgibt sich mit einer Membran, geht als Oospore in einen

Ruhezustand über und keimt dann zu einem neuen Faden aus.

[Illustration: Fig. 350. Vaucheria sessilis forma repens. Fadenstück

mit Oogonium _o_, Antheridium _a_, _ch_ Chromatophoren, _n_ Zellkerne,

_ol_ Öltropfen. Vergr. 240. Nach STRASBURGER.]

Klasse X.

Phaeophyceae, Braunalgen[288],[304],[336]-[344].

Die Phaeophyceen scheinen wie die Chlorophyceen ihren phylogenetischen

Ausgang von Flagellaten genommen zu haben; in ihrer vegetativen

Gestaltung erreichen sie aber höhere Stufen als die Grünalgen.

Sie sind mit Ausnahme einiger Süßwasserarten Meeresalgen, die ihre

größte Entwicklung in den kälteren Ozeanen finden. In der Gestalt ihres

#Thallus# herrscht eine ungemeine Mannigfaltigkeit. Die einfachsten

Vertreter (z. B. _Ectocarpus_) zeigen unverzweigte oder verzweigte,

festsitzende Fäden, die aus einfachen Zellreihen bestehen. Sodann

gibt es Formen mit zylindrischem, reich verzweigtem, vielzelligem

Thallus, z. B. _Cladostephus_, dessen Hauptzweige mit dichtem Filz von

kurzen vielzelligen Seitenzweigen bedeckt sind (Fig. 89), oder mit

bandförmigem, dichotomisch verzweigtem, vielzelligem Thallus (z. B.

_Dictyota_, Fig. 83). Diese Vertreter wachsen an ihren Thallusenden

vielfach mittels großer Scheitelzellen weiter (Fig. 89 und 90). Andere

Arten haben scheiben- oder blasenförmigen Thallus.

Die höchste Entwicklung erfahren die Braunalgen in den Ordnungen

der _Laminariaceen_ und _Fucaceen_. Zu den ersteren gehört die in

den nördlichen Meeren verbreitete Gattung _Laminaria_, deren Thalli

einem großen einfachen oder gefingerten, gestielten Blatt gleichen,

das an seiner Stielbasis mittels eines verzweigten, wurzelähnlichen

Haftorganes befestigt ist.

Bei _Laminaria digitata_ und _L. Cloustoni_ (Fig. 352) zeigt das

handförmig geteilte Thallusblatt ein sehr eigenartiges Wachstum,

indem es an seiner Basis eine interkalare wachstumsfähige Zone

besitzt, die jährlich gegen Ende des Winters ein neues Blatt auf

dem perennierenden Stiel erzeugt. Das alte wird dabei emporgehoben

und stirbt allmählich ab; das neue spaltet sich in mehrere

zugespitzte Lappen. Die Laminarien erreichen riesige Dimensionen;

so wird der Zuckertang _L. saccharina_ (Nordsee) mit ungeteiltem,

ebenfalls sich jährlich erneuerndem Thallusblatt bis 3 m lang und

der Stiel über 1 cm dick.

Die größten Thalli unter den Phaeophyceen besitzen gewisse

Laminariaceen der kälteren Ozeane, vor allem die _Macrocystis

pyrifera_ (Fig. 351). Ihr in einer Tiefe von 2-25 m festsitzender

Thallus verzweigt sich nach SKOTTSBERG[336] anfangs dichotomisch.

Einzelne Thallussprosse wachsen zur Wasseroberfläche und an dieser

flottierend zu großer Länge heran; ihre Achsen tragen einseitig

lange herabhängende Thalluslappen, die an der Basis je eine

große Schwimmblase besitzen und durch Spaltung der endständigen

weiterwachsenden Thallusfläche gebildet werden. SKOTTSBERG

maß in der Antarktis Exemplare von 70 m Länge, FRYE, RIGG und

CRANDALL bestimmten an der kalifornischen Küste die Thalluslänge

bis zu 45,7 m. Sehr bemerkenswert sind ferner die antarktischen

_Lessonia_-Arten, die eine schenkeldicke verzweigte Hauptachse mit

überhängenden langen Thallusblättern an den Zweigen entwickeln und

mehrere Meter Höhe erreichen, also Algen mit baumartigen Habitus

vorstellen.

[Illustration: Fig. 351. Macrocystis pyrifera Ag. _a_ Junger, _b_

älterer Thallussproß. 1/80 nat. Gr. Nach _Skottsberg_.]

[Illustration: Fig. 352. Laminaria Cloustoni, Nordsee. Sporophyt im

April-Stadium. Auf ⅓ verkleinert. #Offizinell#.]

[Illustration: Fig. 353. Fucus serratus, Helgoland. ⅓ nat. Gr. Links

Endstück eines älteren Thallus mit Konzeptakeln.]

Die Fucaceen[337] bleiben hinter den Laminarien an Größe

zurück. Am bekanntesten sind von nordeuropäischen Formen _Fucus

vesiculosus_, der Blasentang, mit runden luftführenden Blasen in

dem bandförmigen, gabelig verzweigten Thallus, _F. platycarpus_

ohne Blasen, _F. serratus_ mit gezähntem Thallus (Fig. 353). Sie

sitzen mit Haftscheiben dem Substrat an und wachsen gesellig

in der Brandungszone; ihr Thallus erreicht über 1 m Länge. Die

höchste Gliederung erlangt der Thallus bei _Sargassum_ durch

eine scharfe Sonderung in zylindrische Achsen und in Seitenäste,

die je nach ihrer Funktion laubblattartig, hochblattartig oder

als fruktifizierende Seitenäste oder endlich als Schwimmblasen

ausgebildet erscheinen.

Bemerkenswert sind die _Sargassum_-Arten, die in wärmeren Zonen der

Ozeane oft in großen, lebhaft bräunlichgelben Massen freischwimmend

auftreten. In dem nach ihnen benannten Sargasso-Meer des

Atlantischen Ozeans treten nach BÖRGESEN zwei Arten, _S. natans_

(= S. bacciferum) und _S. fluitans_ mit solcher ausschließlich

pelagischer Lebensweise auf; sie vermehren sich seit altersher

nur durch vegetative Sprossung und stammen ursprünglich wohl von

festsitzenden Arten der westindischen und tropisch amerikanischen

Küsten ab[338]. Auch im Pazifischen Ozean kommt _S. natans_ vor.

Die Zellen der Phaeophyceen[339] enthalten meist nur einen Zellkern und

mehrere scheibenförmige, ovale oder gelappte, #braune# Chromatophoren,

die den Algen eine gelbbraune oder dunkelbraune Gesamtfärbung

verleihen; außer den allgemein verbreiteten Chlorophyllfarbstoffen

enthalten sie noch einen besonderen gelben Farbstoff, das

#Phykoxanthin# (Fucoxanthin). Als Stoffwechselprodukt entsteht

hieraus Glykose das Polysaccharid #Laminarin#, das als Reservestoff

dient, ferner auch #Mannit#. In den Zellen findet man allgemein

verbreitet blasenartige Vakuolen, die einen gerbstoffartigen Stoff,

#Fucosan#, ein Nebenprodukt des Assimilationsprozesses enthalten.

Bei den höheren Formen zeigt sich bereits eine ziemlich weitgehende

anatomische Differenzierung des Thallus. Die äußeren Zellschichten sind

in der Regel als #Assimilationsgewebe# ausgebildet, die inneren als

#Speicherzellen#. Bei den Laminariaceen und Fucaceen finden sich im

Thallus #Schläuche#, die wie die Siebröhren der Kormophyten gebaut sind

und wohl auch der Leitung eiweißartiger Stoffe dienen (vgl. S. 69).

Selbst bei den stattlichsten Meeresalgen, auch bei den

Rotalgen, fehlen in den Geweben allgemein die lufterfüllten

Interzellulargänge. Nach KNIEP ist sowohl der assimilatorische

Gaswechsel als auch besonders der Atmungsstoffwechsel

dickfleischiger Algen dementsprechend sehr träge; andererseits

sollen Gase sehr leicht durch Algenmembranen diffundieren können.

Wir unterscheiden vier Ordnungen der Braunalgen. Die _Phaeosporeen_

umfassen die Formen mit einfacherem Bau ihres meist fädigverzweigten

Thallus; sie vermehren sich ähnlich wie die einfacheren fadenförmigen

Grünalgen ungeschlechtlich durch Zoosporen, geschlechtlich durch

zilientragende Gameten. Auf höherer Stufe stehen zunächst die

_Tilopteridaceen_ und _Dictyotaceen_, bei denen die Sexualzellen

in große unbewegliche Eizellen und kleine zilientragende Spermien

geschieden sind. Die Sexualorgane werden bei ihnen an besonderen

Individuen erzeugt, den Geschlechtspflanzen oder Gametophyten;

aus der befruchteten Eizelle geht eine der geschlechtlichen

gleichgestaltete ungeschlechtliche Generation, der Sporophyt, hervor,

der ungeschlechtliche Sporen erzeugt. So ist also hier ein regelmäßiger

Generationswechsel ausgeprägt, der übrigens bei gewissen Phaeosporeen

auch schon hervortritt. Auch bei den _Laminariaceen_ herrscht Oogamie

und regelmäßiger Generationswechsel; Sporophyt und Gametophyt sind aber

wesentlich voneinander verschieden, der letztere nur ein kleines fädig

verzweigtes Zwergpflänzchen. Die _Fucaceen_ zeichnen sich durch Oogamie

aus, erzeugen keine Sporen und entbehren also des Generationswechsels.

Lehrbuch der Botanik für Hochschulen · 第 51 / 90 段