Konjugaten nur wenige Gattungen; sie besitzen eine einfache, nicht
wie bei den Desmidiaceen aus zwei Hälften bestehende Membran ihrer
kurzzylindrischen, in Gallerte an feuchten Orten lebenden Zellen.
Die Kopulation zeigt Verschiedenheiten. Bei _Cylindrocystis_
(Fig. 326) verschmelzen die Protoplasten von zwei Zellen als
Gameten zu einer Zygote, beide Kerne vereinigen sich, während
die vier Chloroplasten erhalten bleiben. Vor der Keimung teilt
sich die Zygote schrittweise in vier Keimzellen, die dann aus
ihr heraustreten. Im ersten Teilungsschritt vollzieht sich die
Reduktion der Chromosomen. Bei _Spirotaenia_ dagegen teilen sich
erst die Protoplasten der beiden kopulierenden Zellen in zwei
Tochterzellen, die dann paarweise zu Zygoten verschmelzen. Auch
sollen hier aus diesen nur zwei Keimlinge hervorgehen, indem die
beiden anderen unterdrückt werden.
[Illustration: Fig. 326. _A_ Cylindrocystis Brebissonii. Der Zellkern
in der Mitte zwischen zwei großen viellappigen Chloroplasten mit langen
Pyrenoiden. _B_ Zygote vor, _C_ nach der Verschmelzung der Kerne, _D_
Zygote vor der Keimung mit vier Tochterzellen. Nach KAUFFMANN.]
2. Die _Desmidiaceen_ sind ebenfalls einzellige oder in Zellketten
erscheinende Konjugaten; sie gehören zu den zierlichsten Algen
der Torfmoore und Sümpfe und weisen ebenso wie die Diatomeen eine
ungemeine Mannigfaltigkeit der Gestalt auf. Ihre Zellen bestehen
aus zwei symmetrischen Hälften, die meist durch eine Einschnürung
begrenzt sind. Jede Hälfte enthält einen großen Chloroplasten
mit einigen Pyrenoiden oder Stärkeherden; in der Mitte der Zelle
ist der Kern gelegen. Die Gesamtform ist sehr verschieden, bald
abgerundet eckig (z. B. _Cosmarium_, Fig. 327 _A_, _B_), bald
sternförmig (_Micrasterias_, Fig. 327 _D_). Häufig ist die Membran,
die wie bei den Diatomeen aus zwei Hälften besteht, mit stachel-
oder warzenartigen Verdickungen versehen und meist von Poren,
die der Gallertausscheidung dienen, durchsetzt. Einige Gattungen
zeigen keine Einschnürungen zwischen den beiden Hälften der Zelle,
so z. B. _Closterium moniliferum_ (Fig. 328 _F_)[321], dessen
zwei Chromatophoren die Gestalt von kegelförmigen, mit Rippen
besetzten Körpern haben, und das an den Zellenden je eine Vakuole
mit winzigen, in Bewegung befindlichen Gipskristallen aufweist.
Manche Desmidieen vollziehen phototaktische Bewegungen; sie stoßen
an ihren Enden durch Poren der Membran Schleimfäden aus, mittels
deren sie sich fortschieben und in die Richtung der einfallenden
Lichtstrahlen stellen können.
[Illustration: Fig. 327. _A_ Cosmarium coelatum in Teilung. _B_, _C_
Cosmarium Botrytis. _C__{1} Zwei gekreuzt stehende Zellen im Beginn
der Kopulation, die untere Zelle zeigt den Kopulationskanal. _C__{2}
Gameten zur jungen Zygote verschmolzen. _C__{3} Fertige Zygote. _D_
Micrasterias Crux melitensis. Nach RALFS, _C__{2} und _C__{3} nach DE
BARY.]
[Illustration: Fig. 328. Closterium. _A_ Zygote vor der Keimung mit den
beiden noch nicht verschmolzenen Gametenkernen. _B_ Zygote in Keimung,
Kerne zu einem vereinigt. _C_ Teilung in zwei Zellen, jede mit einem
Großkern und einem Kleinkern. _D_ Weiterentwicklung der Keimlinge.
_E_ Heraustreten derselben aus der Membran. _F_ Fertiges Stadium von
Closterium moniliferum. _A-E_ nach KLEBAHN.]
Die #Vermehrung# geschieht durch Zweiteilung, die nach der
Kernteilung durch eine in der Einschnürung der Zelle auftretende
und dann sich spaltende Querwand vollzogen wird. Die Tochterzellen
bilden sodann neue Zellhälften aus, indem sie sich nach der
Teilungsfläche zu ausstülpen (Fig. 327 _A_).
Zur #Kopulation# legen sich zwei Zellen nebeneinander und umgeben
sich mit Gallerte; die Zellwand bricht in der Einschnürung auf, die
Protoplasten treten in die sich vorwölbenden, bald verschleimenden
Kopulationskanäle und vereinigen sich zur Zygospore, deren Wandung
häufig durch Stachelbildungen ausgezeichnet ist (Fig. 327 _C_).
Neben oder an den reifen Sporen liegen die vier Membranhälften. Bei
einigen Desmidieen werden die kopulierenden Zellen erst in je zwei
Tochterzellen geteilt, die dann paarweise sich vereinigen.
Die in die Zygoten eingetretenen beiden Gametenkerne verschmelzen
erst bei beginnender Keimung zu einem einzigen, der sich
darauf nacheinander in vier Kerne, zwei große und zwei kleine,
voraussichtlich unter Reduktion der Chromosomenzahl, teilt. Es
werden aber nur zwei Keimzellen gebildet, von denen jede zwei
ungleich große Kerne mitbekommt, deren kleinerer später schwindet
(Fig. 328). Die zweizellige Keimung erscheint so als Reduktion der
vierzelligen von Cylindrocystis. Die vier Chromatophoren der Zygote
gehen zur Hälfte zugrunde, die beiden übrigbleibenden teilen sich
vor der Keimung in je zwei.
3. Unter den fadenförmigen Konjugaten, den _Zygnemaceen_[322] ist
am bekanntesten die Gattung _Spirogyra_, deren zahlreiche Arten
als frei schwimmende, fädige grüne Watten im Frühjahr in ruhigen
Gewässern häufig auftreten. Die aus längeren oder kürzeren Zellen
bestehenden Fäden wachsen in die Länge unter Teilung und Streckung
aller Zellen. Auch ist der Fadenverband kein inniger, denn die
Zellen können sich unter Umständen leicht aus ihm lösen. Jede
Zelle besitzt einen Kern und einen oder mehrere wandständige,
bandförmige, schraubige Chloroplasten (Fig. 329 _C_ und 17).
Die Zellwand ist glatt und porenlos. Bei der Gattung _Zygnema_
sind zwei sternförmige Chloroplasten vorhanden, bei _Mesocarpus_
ein axiler bandförmiger. Die Fäden können sich in einer noch
unbekannten Weise fortbewegen.
[Illustration: Fig. 329. _A_ Kopulation von Spirogyra quinina. _z_
Zygosporen. Vergr. 240. _B_ Desgleichen von Sp. longata. Vergr. 150.
_C_ Zelle von Sp. jugalis, _k_ Kern, _ch_ Chromatophor, _p_ Pyrenoide
oder Amylumherde. Vergr. 256.]
[Illustration: Fig. 330. Spirogyra longata. Junge und alte Zygoten. _A_
Die beiden Sexualkerne vor der Kopulation, _B_ nach der Verschmelzung,
_C_ Teilung des Zygotenkerns in vier haploide Kerne. _D_ Die drei
Kleinkerne in Zerfall. Chlorophyllbänder wandständig, durchschnitten
gezeichnet. Nach TRÖNDLE.]
Die #Kopulation# der Gameten vollzieht sich innerhalb der Membranen
der Zellen, die durch Kopulationskanäle miteinander in offene
Verbindung treten (Fig. 329). Der Protoplast der einen Zelle
wandert dann durch den Kanal zu dem anderen hinüber. Ersterer kann
als männlich, letzterer als weiblich bezeichnet werden. Plasma und
Kerne verschmelzen miteinander, nicht aber die Chlorophyllkörper,
von denen die in der männlichen Zelle befindlichen zugrunde gehen.
So entsteht eine sich abrundende mit dicker dreischichtiger Membran
umkleidete, dicht mit Fett und rotbraunen Schleimkugeln erfüllte
#Zygospore#. Bei den meisten Spirogyren erfolgt die Kopulation von
zwei, zuweilen auch von mehreren Fäden #leiterförmig# (Fig. 329
_A_). Zuerst legen sich diese dicht nebeneinander; dann wölben
sich die gegenüberstehenden Zellen aufeinander zu und werden an
den Berührungsstellen fest verbunden. Hier strecken sich die Wände
zu kurzen Kanälen, wodurch die Fäden etwas voneinander geschoben
werden. Schließlich wird die trennende Wand im Kanal aufgelöst.
Sind, wie es meist der Fall ist, die Fäden getrennt geschlechtig,
so liegen die Zygosporen sämtlich im weiblichen Faden. Es gibt
aber auch gemischt geschlechtige Arten, bei denen sie dann teils
im einen, teils im anderen Faden liegen. Bei diesen letzteren
Arten kann auch #seitliche# Kopulation von aufeinanderfolgenden
geschlechtlich verschieden differenzierten Gameten eintreten
(Fig. 329 _B_). Nach HEMLEBEN findet diese geschlechtliche
Differenzierung in der Regel vor der letzten Zweiteilung der
Fadenzellen statt und dem entspricht auch die Lagerung der
Zygosporen.
Es gibt übrigens auch Gattungen, bei denen die Zygote mitten in den
Kopulationskanal gelagert wird.
Der Kopulationskern der jungen Zygospore erfährt eine mit
Chromosomenreduktion verbundene Tetradenteilung. Von den vier
Kernen wird einer zum Kern des Keimlings, die drei übrigen werden
zu Kleinkernen und gehen zugrunde (Fig. 330). Von den Chloroplasten
der beiden Gameten werden die des übertretenden aufgelöst. So
entsteht nur ein Keimling, der schlauchförmig auswächst und durch
Zellteilung den Faden bildet.
Klasse VIII.
Heterocontae, Ungleichwimprige Grünalgen[288],[304],[323].
Die Heterocontae umfassen eine Anzahl Gattungen grüner Algen,
die zu den Chlorophyceen gerechnet wurden, besser aber als
selbständiger, aus Chrysomonadinen hervorgegangener Formenkreis zu
betrachten sind.
Sie zeichnen sich aus durch #gelbgrüne# Färbung ihrer
plattenförmigen Chromatophoren, die außer Chlorophyllgrün einen
gelben, mit Säuren sich blau färbenden Farbstoff enthalten und
als Assimilationsprodukt nie Stärke, sondern fettes Öl bilden,
ferner fast stets durch #zwei ungleich lange#, etwas seitlich
eingefügte #Zilien# ihrer Schwärmzellen, endlich in vielen Fällen
durch Zusammensetzung ihrer pektinhaltigen und meist verkieselten
Zellmembran aus zwei ineinander geschachtelten Teilen. Teils sind
die Heteroconten einzellig, teils leben ihre Zellen in gallertigen
Zellkolonien oder auf Gallertstielen, teils stellen sie Zellfäden
vor.
Die Vermehrung erfolgt durch Schwärmsporen, bei gewissen Gattungen
aber auch an deren Stelle durch endogene Aplanosporen; auch werden
endogene Zysten gebildet, die wie die zuletzt genannten Sporen
meist mit zweischaligen Kieselmembranen versehen sind. Bei einigen
Gattungen sind außer Schwärmsporen auch diesen ähnliche, paarweise
kopulierende Gameten beobachtet worden.
Die Heteroconten beteiligen sich mit mehreren einzelligen Gattungen
(_Meringosphaera_, _Halosphaera_) an der Zusammensetzung des
marinen Planktons.
An den Beginn der Klasse stellen wir flagellatenartige Formen, wie
die im Süßwasser lebende _Chloramoeba heteromorpha_ (Fig. 331),
deren nackte, amöboid veränderliche Zellen einen Zellkern, 2-6
gelbgrüne Chloroplasten und am Vorderende über einer Vakuole zwei
sehr ungleich lange Geißeln besitzen. Chloramoeba gehört zu den
niederen grünen Organismen, die bei Kultur im Dunkeln in Nährlösung
farblos werden und zu unselbständiger Ernährung übergehen.
Ruhestadien werden von derbwandigen Dauerzellen gebildet.
[Illustration: Fig. 331. Chloramoeba heteromorpha. _1_ Grüne Form. _2_
Farblose Form. _v_ Vakuole, _k_ Kern. _3_ Dauerzelle. Nach BOHLIN, aus
OLTMANNS, Algen.]
Unter den höher stehenden Heteroconten ist besonders die im
Süßwasser sehr verbreitete Gattung _Conferva_ (_Tribonema_) (Fig.
332) zu nennen, deren Arten unverzweigte Zellfäden vorstellen
mit eigenartig gebauter Membran, die aus zwei in der Mitte der
Zelle durch einen schräg-ringförmigen Spalt getrennten Stücken
besteht und bei der Teilung durch Einschiebung eines neuen,
im Längsschnitt ~H~-förmigen Membranstückes verlängert wird.
Die Zoosporen entstehen zu 1 oder 2 aus den Fadenzellen. Außer
Zoosporen werden auch, unter Zerfall der Fäden, geißellose
derbwandige Aplanosporen erzeugt.
Die Mehrzahl der Heteroconten besitzt einkernige, nur gelegentlich
zweikernige Zellen. Doch gehören auch Gattungen mit mehrkernigen
Zellen wie _Ophiocytium_ und _Sciadium_ in diese Klasse.
Zu den Heteroconten stellen wir mit Vorbehalt auch _Botrydium
granulatum_ (Fig. 333), eine auf feuchtem Lehmboden sehr
verbreitete Alge, deren einzelliger, aber vielkerniger Thallus die
Form von einer etwa 2 mm großen, birnförmigen, grünen, unterwärts
mit farblosem verzweigtem Rhizoïd festgeankerten Blase aufweist.
Die Zoosporen werden in großer Zahl erzeugt, treten aus einem Loch
am Scheitel aus, besitzen zwei Chloroplasten, eine endständige
Geißel, umgeben sich nach dem Schwärmen mit Membran und keimen
zu neuen Blasen heran. Geschlechtliche Fortpflanzung ist nicht
bekannt[289].
[Illustration: Fig. 332. Conferva bombycina. _1_ Faden, _2_, _3_
Zellwandbildung, _q_ Querwand, _5_ Aplanosporenbildung unter Zerfall
der Fäden, _10_ Zoosporen mit ungleich langen Geißeln. Nach GAY (_1_,
_5_), BOHLIN (_2_, _3_), LUTHER (_10_). Aus OLTMANNS, Algen.]
[Illustration: Fig. 333. Botrydium granulatum. _A_ Vergr. 28. _B_ Eine
Schwärmspore. Vergr. 540. Nach STRASBURGER.]
Klasse IX.
Chlorophyceae, Grünalgen[288],[304],[324]-[335].
Nach Ausscheidung der ebenfalls grünen Konjugaten und Heteroconten
verbleiben die Chlorophyceen als eine natürliche, in mehreren
Reihen aufsteigende Gruppe von Algen, von denen der größere Teil in
Süßwasser oder an feuchten Orten, manche größere Arten aber auch an
den Meeresküsten leben, während sie am marinen Plankton keinen Anteil
haben. Ihre mit Membran umhüllten Zellen zeichnen sich aus durch
#rein grün gefärbte#, fast stets Stärke bildende und häufig Pyrenoide
führende #Chloroplasten#. Ihre ungeschlechtlichen #Schwärmsporen# haben
birnförmige Gestalt und besitzen bei den typischen Vertretern #zwei
oder vier gleich lange Geißeln# (daher auch die Bezeichnung Isocontae
für die Gruppe), und im unteren Teil einen gebogenen oder auch
becherförmigen Chloroplasten. Bei einigen Gattungen treten an Stelle
der Schwärmsporen unbewegliche #Aplanosporen# auf; bei gewissen höher
stehenden Gattungen (Oedogonium, Vaucheria) sind die Schwärmsporen
weniger einfach gebaut, lassen sich aber auf die ursprünglicheren
Formen zurückführen.
Die Schwärmsporen gelangen durch phototaktische Bewegungen an Orte,
die ihnen für ihre Keimung die günstigsten Lichtbedingungen bieten
(vgl. S. 291).
#Die sexuelle Fortpflanzung# geschieht meist durch Kopulation von
Gameten, die den Zoosporen ähnlich sind. Bei den Endgliedern aller
Gruppen mit Ausnahme der Protococcales hat sich aber an Stelle dieser
Isogamie bereits Oogamie herausgebildet. Die Reduktionsteilung erfolgt,
soweit untersucht, bei der Keimung der Zygoten.
Von den fünf Ordnungen der Chlorophyceen schließen sich die
_Volvocales_ am nächsten an die Flagellaten an, von denen sie sich aber
durch den Besitz von Zellmembranen unterscheiden; sie umfassen ebenso
wie auch die _Protococcales_ einzellige oder Zellkolonien bildende
Formen. Die _Ulotrichales_ und _Siphonocladiales_ stellen Zellfäden
vor, die bei ersteren aus einkernigen, bei letzteren aus großen
vielkernigen Zellen bestehen und in den einfachsten Fällen unverzweigt,
bei höher stehenden Formen oft vielfach verzweigt sind. Die
_Siphonales_ endlich haben einen aus einer einzigen schlauchförmigen,
vielkernigen Zelle aufgebauten Thallus.
Die Grünalgen stellen sicher eine sehr alte Gruppe
niederer Pflanzen vor. Mit Sicherheit sind aber nur die
durch Kalkabscheidungen widerstandsfähigen Thalli mariner
_Siphonocladiales_ bis in das Silur abwärts nachgewiesen worden.
Diese Kalkalgen spielten namentlich in der Trias eine bedeutende
Rolle und erreichten dort eine große Formenfülle.
_+1. Ordnung. Volvocales.+_ Sie zeichnen sich dadurch aus, daß
die Zellen, die #einen# Kern und #einen# Chloroplasten enthalten,
auch während ihres vegetativen Zustandes die Geißeln behalten,
also #ständig beweglich bleiben#. Darin verhalten sie sich wie
Flagellaten.
[Illustration: Fig. 334. _A_, _B_ Haematococcus pluvialis. _A_
Schwärmende Zelle. _B_ Bildung der Schwärmsporen. Vergr. 360. _C-G_
Haematococcus Bütschlii. _C_ Gametenbildung. Vergr. 400. _D_ Gamet. _E_
Kopulation zweier Gameten. _F_, _G_ Zygoten. Vergr. 800. _C-G_ nach
BLOCHMANN.]
[Illustration: Fig. 335. Chlamydomonas angulosa, nach DILL. _g_
Geißeln, _v_ Vakuole, _k_ Kern, _chr_ Chromatophoren, _py_ Pyrenoid,
_a_ Augenfleck. _2_ Polytoma uvella, nach DANGEARD. Aus OLTMANNS,
Algen.]
_Chlamydomonas_ (Fig. 335) und _Haematococcus_ (Fig. 334) gehören
zu den freischwimmenden #einzelligen# Formen[325]. Bei ersterer
Gattung liegt die Membran dicht dem Protoplasten an, der vorn
zwei Geißeln und einen roten Augenfleck besitzt; bei letzterer
dagegen ist der Protoplast bis auf einige Fortsätze von der Membran
durch eine Gallertschicht getrennt. _Haematococcus pluvialis_
tritt häufig in Regenpfützen auf und zeichnet sich ebenso wie die
auf Firnfeldern den „roten Schnee“ verursachende _Chlamydomonas
nivalis_ durch einen roten Farbstoff, Hämatochrom (= Karotin),
in seinen Zellen aus. Die Vermehrung geschieht ungeschlechtlich
durch Schwärmsporen, die zu 2-8-16 in einer Mutterzelle gebildet
und durch Zerreißen der Membran frei werden, und außerdem
geschlechtlich durch Kopulation kleiner, zweiwimperiger,
gleichartiger Gameten, die in größerer Menge (64 oder noch mehr)
in der Mutterzelle entstehen und paarweise mit den Vorderenden zu
ruhenden Zygoten sich vereinigen. Bei _Chlamydomonas coccifera_
ist nach GOROSCHANKIN[326] im Gegensatz zu den übrigen Arten eine
weitgehende Differenzierung der Gameten eingetreten. Einzelne
Zellen werden zu großen, zilienlosen weiblichen Gameten oder
Eizellen, andere teilen sich und liefern je 16 kleine, zweizilige
männliche Gameten. Der Übergang zur Oogamie vollzieht sich hier
also schon bei einzelligen Algen.
_Polytoma uvella_, die wie Chlamydomonas gebaut ist, verdient
Erwähnung, weil sie eine farblose, saprophytisch sich ernährende
Form darstellt (Fig. 335, _2_).
Mehrere Chlamydomonaden verlieren unter gewissen Bedingungen ihre
Geißeln. Die Zellen teilen sich weiter, werden aber durch die
gallertig aufquellenden Zellwände noch in Kolonien zusammengehalten
(sog. Palmella-Stadium). Unter günstigen Bedingungen werden die
Zellen wieder beweglich.
Die Gattungen _Pandorina_, _Eudorina_, _Volvox_ u. a. vereinigen
ihre zweiwimperigen Zellen zu freischwimmenden #Kolonien# oder
#Cönobien#. _Volvox_ (Fig. 336) als höchststehende Form zeigt
hohlkugelige Kolonien, deren zahlreiche Protoplasten durch feine
Fortsätze noch in Verbindung bleiben, so daß eine solche Kolonie
bereite als ein Individuum oder auch als eine einfache Form
eines Plasmodiums aufgefaßt werden kann. Bei _Volvox_ sind die
Geschlechtszellen in #Eier und Spermatozoiden# differenziert. Die
Eizellen entstehen durch Vergrößerung einzelner Koloniezellen, sind
groß, grün, unbeweglich und von Gallerte umgeben, während die viel
kleineren, langgestreckten, nackten hellgrünen Spermien unter ihrem
schmalen farblosen Vorderende seitlich zwei lange Zilien tragen
und durch Teilung von Koloniezellen in zahlreiche Tochterzellen
entstehen. Nach Kopulation der Eizelle mit einem Spermium wird die
Eizelle zu einer derbwandigen, ruhenden Oospore, in der sich bei
der Keimung die Reduktionsteilung des Zygotenkerns abspielt[327].
Volvox vermehrt sich vegetativ durch Teilung einzelner
Koloniezellen zu neuen Tochterkolonien, ein Vorgang, welcher der
Schwärmsporenbildung der einfacheren Gattungen entspricht. Außer
Volvox zeichnet sich auch noch _Eudorina_ durch Oogamie aus.
[Illustration: Fig. 336. Volvox globator. _A_ Kolonie mit Eizellen
und Spermiengruppen in verschiedenen Entwicklungsstadien. Vergr. 165.
_B_ Spermienbündel, aus einer Zelle durch Teilung entstanden. Vergr.
530. _C_ Spermien. Vergr. 530. _D_ Eizelle, in der Gallertmembran von
Spermien umschwärmt. Vergr. 265. Nach F. COHN.]
_+2. Ordnung. Protococcales.+_ Einzellige oder in Zellkolonien
verschiedener Form lebende grüne Algen, deren #vegetative
Zellen# aber keine Zilien tragen, also #unbeweglich# sind.
Meist ist nur #ein# Kern und #ein# Chloroplast in der Zelle
vorhanden. Die Vermehrung geschieht durch Zoosporen, an deren
Stelle aber bei manchen Gattungen auch zilienlose Aplanosporen
treten. Die geschlechtliche Fortpflanzung besteht in Kopulation
gleichgestalteter Gameten; sie ist aber nur bei einigen Gattungen
nachgewiesen und scheint bei den einfacheren Formen überhaupt noch
nicht zur Ausprägung gekommen zu sein.
Zu den einfachsten Formen gehören die #einzelligen# Gattungen
_Chlorococcum_ und _Chlorella_[328], [329]. Erstere bildet kugelige
Zellen, die in Süßwasser, aber auch auf feuchten Substraten
vorkommen. Die Vermehrung geschieht ungeschlechtlich durch Teilung
der Zellen in eine Anzahl von ausschlüpfenden Zoosporen (Fig.
337), an deren Stelle unter gewissen Umständen auch zilienlose
Aplanosporen gebildet werden können. _Chlorella vulgaris_ (Fig.
338) ist eine ungemein verbreitete Alge, deren kleine grüne Zellen
häufig symbiotisch im Plasma von niederen Tieren, Infusorien,
Hydra, Spongilla, Planarien leben und sich ausschließlich durch
Teilung der Zellen in 2, 4 oder 8 austretende Aplanosporen
vermehren, die sich mit Membran umgeben und heranwachsen.
[Illustration: Fig. 337. Chlorococcum (Chlorosphaera) limicola. _1_
Vegetative Zelle und Zelle in acht Zoosporen geteilt. _2_ Freie
Zoosporen. _3_ Dieselben nach Umhüllung mit Membran. Nach BEIJERINCK,
aus OLTMANNS, Algen.]
[Illustration: Fig. 338. Chlorella vulgaris. _1_ Zelle. _2_, _3_
Teilung in vier Aplanosporen. _4_, _5_ Desgleichen in acht. Nach
GRINTZESCO.]
[Illustration: Fig. 339. _A_ Scenedesmus acutus. _B_ Desgleichen in
Teilung. _C_ Scenedesmus caudatus. Vergr. 1000. Nach SENN.]
[Illustration: Fig. 340. Pediastrum granulatum. _A_ Alte Zellfamilie,
entleert bis auf die drei Zellen _a_; die Zelle _b_ entläßt 16
Schwärmzellen. _B_ Zellfamilie nach dem Austritt. _C_ Zellfamilien
4½ Stunden später. Vergr. 300. Nach AL. BRAUN.]
An Chlorella schließen wir die im Süßwasser sehr verbreitete
Gattung _Scenedesmus_ (Fig. 339) an, welche #Zellkolonien#
einfachster Art, meist aus je vier Zellen in einer Querreihe
vorstellt. Die häufigste Art, _S. acutus_, hat spindelförmige
Zellen, während _S. caudatus_ an jeder Endzelle zwei lange,
hornförmige Membranfortsätze besitzt. Jede Zelle teilt sich der
Länge nach in vier zilienlose und sich mit Membran umgebende
Tochterzellen, die nach Verlassen der alten Membran eine neue
Kolonie bilden. Reicher zusammengesetzte Zellkolonien treffen
wir bei _Pediastrum_ (Fig. 340) an in Form von zierlichen,
freischwimmenden Täfelchen. Die Bildung ungeschlechtlicher,
mit zwei Zilien versehener Schwärmsporen findet in der Weise
statt, daß der Inhalt einer Zelle sich in eine Anzahl (bei dem
abgebildeten _P. granulatum_ in 16) Schwärmsporen teilt, welche,
von einer gemeinsamen Blase umgeben, durch einen Riß in der Wandung
austreten, sich sodann in der Blase bewegen und schließlich zu
einer neuen heranwachsenden Zellfamilie zusammenlegen. Neben der
ungeschlechtlichen tritt bei Pediastrum auch geschlechtliche
Fortpflanzung auf. Die Gameten sind den Schwärmsporen ähnlich,
nur kleiner, und entstehen in den Zellen in größerer Zahl; sie
schwimmen frei im Wasser und kopulieren paarweise zu Zygoten. Beide
Gameten sind gleich gestaltet. Die Weiterentwicklung der Zygoten zu
den Zellfamilien ist noch nicht ganz lückenlos bekannt.
Ähnlich ist auch der Entwicklungsgang des Wassernetzes,
_Hydrodictyon utriculatum_[289], [330], einer der zierlichsten
freischwimmenden Süßwasseralgen, deren zylindrische vielkernige
Zellen zu einer Kolonie in Form eines sackförmigen,
langgestreckten, vielmaschigen Netzes verbunden sind.
Hierher gehört auch _Protosiphon botryoides_, eine auf Schlammboden
meist gemeinsam mit dem habituell ähnlichen _Botrydium_ (S.
352) lebende Alge, deren blasenförmige bis 5 mm breite, nach
unten in einen farblosen Wurzelschlauch sich verlängernde Zelle
einen netzförmig durchbrochenen Chloroplasten und zahlreiche
Kerne enthält und sich durch Sprossung und Teilung vermehrt.
Fortpflanzung erfolgt durch Isogamie. Protosiphon zeigt, daß der
Thallus schon bei den Protococcales siphonalen Charakter annehmen
kann.