Die Sporen (Fig. 315, _Chondrioderma_) keimen im Wasser oder auf

nassem Substrat. Der aus der Sporenhaut austretende Protoplast

erzeugt an seinem vorderen Ende nur eine einzige lange #Zilie#

oder Geißel als Bewegungsorgan und wird so zu einer #Schwärmspore#

(Fig. 315 _e-g_); sie besitzt einen Zellkern am vorderen Ende

und eine pulsierende Vakuole am hinteren Ende. Schon innerhalb

der Sporenhaut kann eine Zellteilung erfolgen, so daß dann zwei

Schwärmsporen aus ihr entlassen werden. Die Schwärmsporen können

sich bei gewissen Arten noch durch Zweiteilung vermehren. Nach

einiger Zeit verlieren sie ihre Zilien und gehen in den Zustand der

#Myxamöben# (Fig. 315 _i_, _k_) über. Die Amöben vermehren sich

ebenfalls durch Teilung (Fig. 316 _A_, _B_). Unter ungünstigen

Lebensbedingungen umgeben sie sich mit Membran und bilden

Ruhezustände, sogenannte #Mikrozysten#, die unter günstigen

Bedingungen wieder Schwärmsporen austreten lassen. Die Myxamöben

verschmelzen nach JAHN[310] paarweise miteinander, wobei auch ihre

haploiden Kerne kopulieren (Fig. 316 _C_).

Die so durch einen #Sexualakt# entstandenen einkernigen

Amöbozygoten vereinigen sich zu größeren mehrkernigen Plasmodien.

Diese nehmen auch noch weitere haploide Amöben auf, verdauen sie

aber in Vakuolen(Fig. 316 _D_). Schließlich schreiten sie zur

Fruchtkörperbildung. Die Kerne der Plasmodien sind diploid und

erfahren wiederholte mitotische Teilungen (Fig. 316 _E_). Ihre

letzte Teilung vor der Sporenabgrenzung ist eine Reduktionsteilung,

wodurch die Zahl der Chromosomen wieder auf die Hälfte verringert

wird. Jeder so entstandene haploide Tochterkern wird zum Kern

einer Spore. Die nicht zur Sporenbildung verwendeten Kerne gehen

zugrunde. Bei _Ceratiomyxa_ können die Sporen außer ihrem normalen

Kern auch noch einen degenerierenden enthalten. Aus dem ersteren

entstehen hier durch zweimalige Teilung in der reifen Spore vier

Kerne, die sich bei der Keimung nochmals teilen, so daß schließlich

acht Schwärmsporen aus einer Spore hervorgehen.

[Illustration: Fig. 315. Chondrioderma difforme. _a_ eine trockene

Spore, _b_ eine geschwellte Spore, _c_ und _d_ Austritt des Inhaltes

aus der Spore, _e_, _f_ und _g_ Schwärmsporen, _h_ Übergang der

Schwärmspore zur Myxamöbe, _i_ jüngere, _k_ ältere Myxamöben. Vergr.

540. Nach STRASBURGER. (Vgl. Fig. 4, S. 10.)]

[Illustration: Fig. 316. Physarum didermoides. _A_, _B_ Amöben in

Teilung. _C_ Kopulation zweier haploider Amöben, _kk_ die beiden Kerne

in Verschmelzung. _D_ Zweikerniges Plasmodium, in der Verdauungsvakuole

eine haploide Amöbe. _E_ Sechskerniges Plasmodium in Kernteilung

(_k__{1}). Mit Verdauungsvakuolen. Nach JAHN.]

In ihren Schwärmsporen und Myxamöben weisen die Myxomyceten auf

flagellatenartige Organismen als ihre Ausgangsformen hin; auch sind

plasmodienartige Zellfusionen bereits bei gewissen Flagellaten

nachgewiesen.

Die stattlichsten Plasmodien, oft von über 30 cm Durchmesser,

von lebhaft gelber Farbe und rahmartiger Beschaffenheit, bildet

_Fuligo varians_ (_Aethalium septicum_), die als sog. Lohblüte im

Sommer auf feuchter Gerberlohe sehr verbreitet ist. Auf trockenem

Substrat können diese Plasmodien unter Zerfall in zahlreiche,

behäutete Zellen zu kugeligen oder strangartigen Dauerzuständen,

sog. #Sklerotien#, sich umwandeln, die bei Zutritt von Feuchtigkeit

wieder in die bewegliche Form übergehen. Die Plasmodien der

meisten Schleimpilze besitzen solches Eintrocknungsvermögen und

können somit ungünstige Perioden überdauern. Schließlich wird

das Plasmodium zu einem gelblichen oder braunen, kuchenförmigen

Fruchtkörper, der eine stark kalkhaltige Hülle besitzt, im Innern

durch zahlreiche Wandungen gefächert ist, von einem fädigen

Capillitium mit unregelmäßigen, Kalkkörnchen enthaltenden Blasen

durchzogen wird und zahlreiche violettschwarze Sporen umschließt.

Dieser Fruchtkörper ist somit aus zahlreichen verschmolzenen

Einzelsporangien zusammengesetzt, während bei den meisten übrigen

Schleimpilzen die Sporangien getrennt ausgebildet werden.

Bau und Beschaffenheit der Sporangien geben die Merkmale zur

Unterscheidung der einzelnen Formen ab. Die meist braunen oder

ockergelben Sporangien sind kugelig, oval oder auch zylindrisch,

gestielt (Fig. 313, 314 _D_) oder ungestielt (Fig. 314 _A_).

Gewöhnlich öffnen sie sich durch Absprengung oder Zerfall

des oberen Teiles der Wandung, während der untere als Becher

zurückbleibt (Fig. 313 _B_, 314 _A_); bei _Cribraria_ (Fig. 313

_C_), deren Fruchtkörper kein Capillitium enthält, wird der

obere Teil gitterartig durchbrochen, bei _Stemonitis_ (Fig. 313

_A_) hingegen zerfällt das ganze Peridium, und das Capillitium

entspringt einer Columella, der Fortsetzung des Stieles.

Die Ordnung der _Plasmodiophoraceae_[311] enthält einige wenige

parasitäre Pilze, als Typus die _Plasmodiophora Brassicae_, die

die sog. Kohlhernie an Brassica-Arten: knollenförmige Verdickungen

am Strunk und an den Nebenwurzeln der befallenen Kohlpflanzen

verursacht. Ihre Myxamöben leben in den Zellen dieser Wucherungen,

und zwar in den Vakuolen des lebendigen Plasmas; sie zehren den

Inhalt der Wirtszelle auf und verschmelzen zu Plasmodien, die

schließlich die zahlreichen von Chitinmembranen umhüllten Sporen

liefern. Im Plasmodium vollzieht sich vor der Sporenbildung

eine der Reduktion der Chromosomenzahl dienende Kernteilung,

die die Kerne für die Sporen liefert. Die Sporen werden bei der

Verwesung der Pflanze frei und keimen wie bei Chondrioderma; die

Myxamöben dringen wieder in die Wurzeln junger Pflanzen ein. Eine

Peridiumbildung findet also nicht statt, so daß der Pilz einen

einfacher organisierten oder infolge der parasitären Lebensweise in

der Sporangienbildung reduzierten Schleimpilz vorstellt.

Die systematische Stellung der Ordnung ist noch zweifelhaft, da

sie in einigen zytologischen Merkmalen Ähnlichkeit mit den zu den

Phycomyceten gerechneten Chytridiaceen aufweist.

Klasse V.

Dinoflagellatae[288],[304],[313]-[315].

Die Dinoflagellatae oder Peridineen schließen sich an gewisse

Flagellaten als weiter entwickelte Gruppe enge an, so daß sie auch

zu diesen selbst gestellt werden könnten. Sie leben als einzellige,

freischwimmende Organismen, teils im Süßwasser, überwiegend aber im

Meere, wo sie zusammen mit Diatomeen einen wichtigen Bestandteil des

Phytoplanktons abgeben. Ihre Zellen sind ausgezeichnet durch den Besitz

von #zwei langen Zilien#, die in der Mitte der Bauchseite in einer

Längsfurche entspringen; die eine Zilie ist nach hinten gestreckt, die

andere dagegen legt sich wellig gebogen in eine den Körper umziehende

Querfurche (Fig. 317). Der Protoplast besitzt einen Zellkern, Vakuolen

verschiedener Art, zahlreiche #gelbbraune Chromatophoren#, die mehrere

Farbstoffe enthalten. Als Assimilationsprodukt tritt Stärke oder Öl

auf. Während bei den _Gymnodiniaceen_ (Fig. 318 _d_) die Zellen nackt

sind, ist dagegen bei den _Peridiniaceen_ eine Zellulosewand vorhanden,

die sich aus polygonalen, meist zierlich gezeichneten, von Poren

durchbrochenen #Platten# zusammensetzt; die Querfurche wird von einer

gürtelförmigen Plattenreihe eingenommen (Fig. 317).

[Illustration: Fig. 317. Peridinium tabulatum. Nach SCHILLING.]

[Illustration: Fig. 318. Cystodinium Steinii. _a_ Zyste, _b_ Teilung

in zwei Schwärmzellen, _c_ Zyste in Quellung, _d_ befreiter Schwärmer.

Vergr. 480. Nach KLEBS.]

Bei vielen #Planktonperidineen# (Fig. 319) zeichnen sich die

Platten durch besondere Flügelbildungen aus, oder die Zellen

besitzen lange hornförmige Fortsätze, Einrichtungen, die das

Schweben und Steuern im Wasser ermöglichen[314].

Unter den Dinoflagellaten gibt es auch farblos gewordene, somit

#saprophytisch# lebende Formen, deren Chromatophoren noch als

Leukoplasten nachweisbar sind. Bei einigen Formen ist sogar

#tierische# Lebensweise nachgewiesen, so bei dem im Süßwasser

lebenden _Spirodinium hyalinum_, dessen Protoplast zum Zwecke

der Nahrungsaufnahme die Geißeln verliert und zu einer, kleine

Algenzellen aufnehmenden und verdauenden Amöbe wird.

[Illustration: Fig. 319. Planktonperidineen. _A_ Ceratocorys horrida

var. africana, Ind. Ozean. Vergr. 250. _B_ Ceratium tripos intermedium

var. aequatoriale, Ind. Ozean. Vergr. 62. _C_ Ceratium tripos gibberum

und _D_ Ceratium palmatum, Atl. Ozean. Vergr. 62. _E_ Ceratium furca,

Atl. Ozean. Vergr. 125. Nach G. KARSTEN.]

Gewisse marine Peridineen (z. B. _Ceratium tripos_, _Peridinium

divergens_) besitzen #Leuchtvermögen#; sie haben einen Hauptanteil

am Meeresleuchten[293].

Die #Vermehrung# geschieht durch Zweiteilung meist im beweglichen

Zustande der Zellen. Bei gewissen Gattungen (_Peridinium_,

_Cystodinium_, [Fig. 318]) gehen die beweglichen Zellen kürzere

oder längere Ruhezustände ein, bilden geißellose #Zysten#, in

denen die Teilung erfolgt; die Tochterzellen treten dann aus der

verquellenden Zyste als Schwärmzellen aus. Endlich kann auch

das bewegliche Stadium ganz unterdrückt werden, und die beiden

anfangs nackten Tochterzellen werden als behäutete geißellose

und unbeweglich bleibende Zellen aus der Mutterhülle entlassen

(_Hypnodinium_).

Einige Gattungen (_Ceratium_) bilden dickwandige #Dauerzysten#

innerhalb des alten Membranpanzers.

#Sexuelle Fortpflanzung# ist bei Dinoflagellaten nicht mit

Sicherheit nachgewiesen[315].

#Fossile Dinoflagellaten# sind zuerst aus der Kreideformation

bekannt geworden.

Klasse VI.

Diatomae, Kieselalgen[288],[304],[316]-[319].

Die Diatomeen (Bacillariaceae) stellen eine ungemein reichhaltige

Klasse von #einzelligen# Algen vor, die teils im Süßwasser, teils

im Meere, teils auf nassem Boden, meist in großer Menge gesellig

vegetieren.

Die Zellen leben einzeln oder in Kolonien, entweder freischwimmend oder

auf dünnen, aus Poren ausgeschiedenen Gallertstielchen festsitzend

(Fig. 320). Bei gewissen Arten bleiben die Zellen in Bändern oder

Zickzackketten durch kurze Gallertpolster vereinigt, oder sie sind in

festsitzende schlauchförmige Gallertröhren eingeschlossen, die bei

der im Meere lebenden Gattung _Schizonema_ sich büschelig verzweigen.

Der Umriß der Zellen ist höchst mannigfaltig, kreisrund, elliptisch,

stabförmig, keilförmig, gerade oder gebogen, oft regelmäßig bilateral

symmetrisch. Sehr charakteristisch ist die #Verkieselung# der aus

Pektinstoffen bestehenden Zellmembran und ihre Zusammensetzung aus

#zwei Schalen#, von denen die eine wie der Deckel einer Schachtel

über die andere übergreift. Die Zelle bietet daher zwei verschiedene

Ansichten dar, je nachdem man sie von der #Schalenseite# oder von der

#Gürtelseite# betrachtet (Fig. 79).

Die Seitenwände beider Schalen sind durch die unter ihren Rändern

sich ansetzenden Gürtelbänder gebildet; bei gewissen Gattungen

wird die Gürtelseite noch durch Einfügung von ring- oder

schuppenförmigen Zwischenbändern verlängert.

Häufig ist die Membran der Schalenseiten mit Querrippen, Warzen oder

Gruben besetzt und vielfach auch von offenen Porenkanälen durchbohrt,

welche der Gallertausscheidung dienen. Beim Glühen der Zelle auf

einem Glimmerplättchen bleibt das Kieselskelett der Membran mit allen

Strukturen zurück, beim Herauslösen der Kieselteile mit Flußsäure aber

ebenso das Pektingerüst.

[Illustration: Fig. 320. Licmophora flabellata. Diatomeen-Kolonie mit

verzweigten Gallertstielen. Nach SMITH, aus GOEBEL, Organographie.]

[Illustration: Fig. 321. Planktoniella Sol. Atl. Ozean. Scheibenförmige

Planktondiatomee mit hohlem, von der Gürtelseite entspringendem

Schwebeflügel. Plasma mit Kern und zahlreichen Chromatophoren. Vergr.

322. Nach G. KARSTEN.]

Die Diatomeenzelle enthält einen Zellkern (Fig. 79) und entweder

ein oder zwei bis vier (Fig. 324) große, flache, oft gelappte oder

auch zahlreiche (Fig. 321) kleinere, durch Chlorophyll und gelbes

#Phykoxanthin braungelb# gefärbte Chromatophoren, die häufig Pyrenoide

führen. Im Zellplasma finden sich gewöhnlich einige Tropfen von fettem

Öl, das an Stelle der Stärke als Assimilationsprodukt auftritt.

Die Diatomeen #vermehren# sich durch #Zweiteilung#, die sich immer

nur nach einer Richtung hin vollzieht. Die beiden Schalen werden

dabei durch den sich vergrößernden Plasmakörper an den Gürtelbändern

auseinander geschoben: jede der beiden Tochterzellen erzeugt eine

neue Schale, welche unter die von der Mutterzelle übernommene Schale

mit ihren Rändern eingreift; dann trennen sich die Tochterzellen

voneinander. Die beiden Schalen einer Zelle sind somit ungleichaltrig.

Diese Art der Membranbildung hat, da die verkieselten Wände nicht

wachstumsfähig sind, zur Folge, daß stets eine der Tochterzellen

fortschreitend kleiner wird, und dies geht so fort bis zur Erreichung

eines gewissen Minimums der Zellgröße. Alsdann tritt in der Regel die

Bildung von #Auxosporen# ein, die mehrmals größer sind als die Zellen,

aus denen sie hervorgegangen sind, und die bei ihrer Weiterentwicklung

somit die Anfangsgröße der Zellen wieder herstellen.

Die #sexuelle Fortpflanzung# besteht in Kopulation gleichgestalteter

Gameten.

Die Diatomeen umfassen zwei Ordnungen, _Centricae_ und _Pennatae_.

Die Auxosporen wachsen bei den _Centricae_, die sich durch

zentrischen Bau der Schalen auszeichnen, ohne vorhergehenden

Kopulationsvorgang aus vegetativen Zellen heran, dagegen bei den

mit fiedriger Schalenskulptur versehenen _Pennatae_ aus den durch

Gametenkopulation hervorgegangenen Zygoten. Die Pennaten haben

diploide vegetative Zellen, und ihre Reduktionsteilung erfolgt bei

der Bildung der Gameten, während die Centricae haploid sein dürften

und schon bei der Teilung der Zygoten, die hier, soweit bekannt,

durch Verschmelzung begeißelter Gameten gebildet werden, ihre

einfache Chromosomenzahl erhalten. Die beiden Kieselalgengruppen

zeigen somit scharfe Unterschiede.

_1. Ordnung. Diatomeae centricae._ Die Schalenseite ist

zentrisch gebaut, mit radialer oder konzentrischer Anordnung der

Wandskulpturen. Die überwiegende Mehrzahl der hierher gehörigen

Arten lebt im Meere und beteiligt sich in hervorragendem Maße an

der Zusammensetzung des #Planktons#[314]. Die Planktondiatomeen

sind mit besonderen Schwimm- und Schwebeeinrichtungen, oft mit

hornförmigen Fortsätzen oder Membranflügeln ausgestattet (Fig. 321

u. 322).

[Illustration: Fig. 322. Corethron Valdiviae. Antarktisches Plankton.

_a_ Zelle mit Schwebeborsten und Fangarmen, _b_ Auxosporenbildung,

Protoplast nach Abwerfen einer Schale aus der anderen hervortretend und

zu etwa vierfachem Durchmesser herangewachsen, vom Perizonium umgeben,

_c_ Protoplast innerhalb des Perizoniums kontrahiert und die neue obere

Schale ausbildend, _d_ Perizonium oben aufgelöst. Die Auxospore bildet

die untere Schale und tritt aus dem Perizonium hervor. Nach G. KARSTEN.]

Die #Auxosporenbildung# der Centricae vollzieht sich als reiner

Wachstumsvorgang in der Weise, daß der sich von den Schalen

befreiende Plasmakörper einer Zelle zu einer vergrößerten Zelle

heranwächst, die zunächst von einer schwach verkieselten

Hülle (Perizonium) umgeben, in dieser die beiden neuen Schalen

nacheinander ausscheidet (Fig. 322, 323 _B_).

Den Pennaten gegenüber zeichnen sich die Centricae durch

bewegliche, #mit Zilien versehenen Gameten# aus. Die Bildung

dieser bisher als Mikrosporen bezeichneten Sexualzellen

wurde zuerst von BERGON bei _Biddulphia mobiliensis_ (Fig.

323 _A-D_) untersucht. Hier teilt sich die Zelle zunächst in

zwei sich gegeneinander abrundende Gametangien, deren Inhalt

durch wiederholte Zweiteilungen in viele (32) Gameten zerlegt

wird. Diese sind mit zwei gleich langen Geißeln versehen und

schlüpfen als nackte Schwärmzellen aus den Behältern aus (Fig.

323 _C-E_). KARSTEN beobachtete an konserviertem Material von

_Corethron Valdiviae_, daß die Mikrosporen #paarweise zu Zygoten

kopulieren#, die heranwachsen und sich in je zwei Tochterzellen

teilen. Jede Tochterzelle hat erst zwei Kerne, von denen einer

später verschwindet; sie wächst allmählich zu einer fertigen

Corethronzelle heran. Diese Vorgänge erinnern an das für Closterium

zu schildernde Verhalten der Desmidiaceen. Auch bei einigen

anderen Gattungen sind solche zweiwimperigen Gameten, und zwar von

zweierlei Form, größere chromatophorenführende und etwas kleinere

farblose, beobachtet worden (Fig. 323 _E_). Ihre Kopulation

wurde in neuester Zeit von P. SCHMIDT an lebendem Material von

_Melosira_ festgestellt[317]. Die Geißeln der Gameten deuten auf

phylogenetische Beziehungen der Diatomeen zu den Flagellaten, unter

denen in erster Linie die Chrysomonadinen als Ausgangsgruppe in

Betracht zu ziehen sind.

[Illustration: Fig. 323. _A-D_ Biddulphia mobiliensis. _A_

Gürtelbandansicht. _B_ Auxosporenbildung. _C_ Zelle in zwei Gametangien

geteilt. _D_ Gametenbildung in diesen. Vergr. 228. Nach P. BERGON. _E_

Coscinodiscus, Gameten. Nach PAVILLARD.]

_2. Ordnung. Diatomeae pennatae._ Sie sind meist grundbewohnende

Kieselalgen. Die meist langelliptische oder stabförmige oder

schiffchenförmige oder auch keilförmige Schalenseite zeigt

fiedrige Anordnung ihrer Wandskulpturen (Fig. 320, 324, 325).

Bei manchen Pennaten (Fig. 79) verläuft über die Schalenseite

eine von zwei Endknoten ausgehende und in der Mitte zu einem

Mittelknoten anschwellende Längsleiste oder Raphe, in welcher

schraubig verlaufende Längsspalten die Zellwand durchsetzen. Die

Formen mit Raphe zeichnen sich durch eine eigentümliche, ruckweise

erfolgende #Fortbewegung# aus, deren Zustandekommen auf das in den

Spalten befindliche und aus ihnen hervortretende strömende Plasma

zurückgeführt wird. Die Bewegungen dieser Diatomeen werden durch

äußere Reize veranlaßt.

Die Bildung der #Auxosporen# vollzieht sich in mannigfaltiger

Weise. Wir gehen aus von dem Verhalten von _Navicula_,

_Pleurosigma_ u. a., auf das sich die anderen Typen zurückführen

lassen; zwei Zellen legen sich hier nebeneinander und scheiden eine

Gallerthülle aus. Ihre Kerne erfahren eine mit Chromosomenreduktion

verbundene Tetradenteilung in je vier Kerne, nämlich zwei Großkerne

und zwei Kleinkerne. Dann teilt sich jede Zelle in zwei Gameten,

von denen ein jeder einen Großkern und einen Kleinkern mitbekommt.

Die aus den Schalen hervortretenden Gameten kopulieren paarweise

zu anfangs vierkernigen Zygoten; in diesen verschmelzen die

Großkerne, während die Kleinkerne schwinden. Jede Zygote wächst

innerhalb einer dünnen Hülle (Perizonium) zu einer mehrmals

größeren Auxospore heran, die schließlich ihre beiden neuen Schalen

ausbildet und die Reihe der vegetativen Zweiteilungen beginnt (Fig.

324).

Bei _Surirella_ und _Cocconeïs_ (Fig. 325) teilen sich die

kopulierenden Zellen nicht in zwei Tochterzellen, sondern

verschmelzen direkt miteinander; aber die Zellkerne erfahren noch

Teilungen, und zwar teilt sich bei ersterer Gattung der Kern

einer jeden Zelle zweimal, so daß ein großer Sexualkern und drei

Kleinkerne entstehen, bei letzterer Gattung aber nur einmal in

einen Großkern und einen Kleinkern. Die Großkerne verschmelzen, die

Kleinkerne gehen zugrunde.

Bei _Achnanthes subsessilis_ teilt sich der Inhalt einer Zelle in

zwei austretende einkernige Tochterzellen, die sich alsdann zu

einer Auxospore vereinigen.

Bei manchen Pennaten tritt die Sexualität zurück, und die

Auxosporen entstehen parthenogenetisch. Bei _Synedra_ teilt

sich eine Mutterzelle in zwei zu Auxosporen heranwachsende

Tochterzellen, deren Kerne zwar noch eine zweite Teilung ausführen,

aber wieder verschmelzen; ebenso verhält sich _Rhabdonema

arcuatum_, nur ist die zweite Kernteilung nicht mehr nachzuweisen.

[Illustration: Fig. 324. Auxosporenbildung von Navicula viridula. _A_

Zelle von der Schalenseite. _B_ Zwei Zellen in je zwei Tochterzellen

mit zwei Kernen geteilt. _C_, _D_ Kopulation der Tochterzellen zu

zwei anfangs vierkernigen Auxosporen. _E_ Die beiden herangewachsenen

Auxosporen. Vergr. 500. Nach G. KARSTEN.]

[Illustration: Fig. 325. Cocconeïs Placentula. _1_ Vegetative

Einzelzelle, _2_ Zellenpaar vor der Kopulation, _3_ und _4_ in

Kopulation. _gk_ Großkern, _kk_ Kleinkern, _g_ Gallerte. Nach G.

KARSTEN, aus OLTMANNS, Algen.]

_Rhabdonema adriaticum_ geht noch einen Schritt weiter; es stößt

einen der beiden Tochterkerne aus dem Plasmakörper aus und

entwickelt aus der ganzen Mutterzelle nur eine Auxospore.

Viele Pennaten siedeln sich mit Vorliebe an Stellen an, wo

verwesende Substanzen reichlich vorhanden sind. Solche Arten können

zu #saprophytischer Lebensweise# übergehen. Ihre Chromatophoren

erleiden dabei unter Umständen eine bedeutende Verkleinerung

und eine Entfärbung. Für einige marine _Nitzschia_-Arten ist

sogar ausschließliche Ernährung aus organischen Substanzen

und vollständiges Schwinden der Chromatophoren und Farbstoffe

nachgewiesen[318].

_Navicula ostrearia_, eine im Mittelmeer vereinzelt auftretende,

in den Austernparks der französischen Küsten aber sehr verbreitete

und den Austern als Nahrung dienende Diatomee, zeichnet sich durch

einen im Plasma enthaltenen himmelblauen Farbstoff, Marennin, aus.

Das Marennin bewirkt #Grünfärbung der Austern#, in denen es sich

unter Änderung seiner Farbe ablagert. Bei Neapel kommt sie auf

Padina (S. 365) vor und verleiht ihr grüne Färbung[319].

Wegen ihrer außerordentlich feinen Membranskulptur dienen

gewisse pennate Diatomeen als #Testobjekte# zur Prüfung von

Mikroskopobjektiven, so namentlich _Pleurosigma angulatum_.

* * * * *

Fossile Diatomeen sind bis in den oberen Lias hinab nachgewiesen

worden, in besonders reicher Fülle im Tertiär, wo ihre Schalen

vielfach in größeren Massen abgelagert wurden, als Hauptbestandteil

der Kieselgur (Bergmehl, Diatomeenerde), die zur Dynamitfabrikation

Verwendung findet. Die tertiären Arten sind zum Teil mit jetzt noch

lebenden identisch oder gehören meist denselben Gattungen an.

Klasse VII.

Conjugatae, Konjugaten[288],[304],[320]-[322].

Die Konjugaten bilden eine formenreiche Gruppe von einzelligen oder von

unverzweigt fadenförmigen, im Süßwasser lebenden grünen Algen, die sich

von den Chlorophyceen scharf unterscheiden. Ihre Zellen vermehren sich

nur durch #Zweiteilung#, sind einkernig und haben im Gegensatz zu den

Diatomeen eine #kieselfreie Membran# sowie große, verwickelt gebaute

#grüne Chloroplasten#. Ungeschlechtliche Vermehrung durch Schwärmsporen

fehlt ihnen ebenso wie den Diatomeen, mit denen sie auch in ihrer

sexuellen Fortpflanzung zum Teil übereinstimmen. Diese besteht in der

Kopulation oder #Konjugation zweier gleichgestalteter, geißelloser

Gameten zu einer Zygospore# oder #Zygote#.

Die Konjugaten und Diatomeen sind daher auch zu einer nunmehr

als unnatürlich zu betrachtenden Gruppe der _Zygophyceen_

zusammengefaßt und in Rücksicht auf den Mangel von Zilien an den

Gameten auch als _Acontae_, Geißellose, bezeichnet worden. Letztere

Bezeichnung trifft indessen für gewisse Diatomeen, wie wir sahen,

nicht mehr zu. Die Reduktionsteilung erfolgt bei den Konjugaten

nach der Kopulation in den keimenden Zygoten, bei den Pennaten

dagegen bei Bildung der Gameten. Beide Gruppen haben offenbar

getrennt voneinander ihren Ausgang aus Flagellaten genommen.

Lehrbuch der Botanik für Hochschulen · 第 49 / 90 段