traubenförmige Haufen von Kokken bildend, ist der häufigste
Eitererreger, ebenso der regelmäßig bei Wundrose oder Erysipel und
anderen Eiterungen auftretende, in Ketten wachsende _Streptococcus
pyogenes_ (Fig. 299_b_), während _Micrococcus_ (_Diplococcus_)
_Gonorrhoeae_ (Fig. 299_c_ u. 300_a_), dessen semmelförmige Kokken
paarweise nebeneinander liegen, den Tripper verursacht. Im Blut
und in den Organen milzbrandiger Tiere findet sich der durch R.
KOCH bekannt gewordene _Bacillus Anthracis_ (Fig. 299_d_, 300_c_),
dessen relativ große Stäbchen auch in kurzen Ketten vorkommen und
in Kulturen reichlich Endosporen, ähnlich wie der Heubazillus
bilden. Der im Erdboden verbreitete _Bacillus Tetani_ (Fig. 299_e_)
ist der Erreger des Wundstarrkrampfes. Seine geraden, peritrich
begeißelten Stäbchen wachsen nur in den Wunden selbst; sie bilden
die Sporen in ihren keulig angeschwollenen Enden. _Bacillus
influenzae_ zeigt sehr zarte Kurzstäbchen, _Bacillus pestis_
kleine dickere unbewegliche Stäbchen. Der LÖFFLERsche _Bacillus
Diphtheriae_ (Fig. 299_f_) besteht aus kleinen, zuweilen an den
Enden kolbig verdickten Stäbchen. Der KOCHsche Tuberkelbazillus
_Mycobacterium tuberculosis_ (Fig. 299_g_, 300_b_), der sich
in allen tuberkulösen Geweben und Sekreten und auch im Sputum
findet, ist für gewöhnlich ein schlankes Stäbchen, kann aber auch
verzweigte Formen bilden; er ist unbeweglich, bildet keine Sporen
und wird daher mit gewissen anderen Arten zu einer besonderen
Familie der Mycobacteriaceen vereinigt[297]. Der Unterleibstyphus
wird durch die peritrich begeißelten Stäbchen des _Bacillus typhi_
(Fig. 299_h_) verursacht. Die größte Ähnlichkeit mit letzterem
hat der meist unschädliche, stets im Darm des Menschen anwesende
Kolonbazillus, _Bacillus coli_ (Fig. 299_i_). Ebenfalls durch R.
KOCH entdeckt wurde der Kommabazillus der asiatischen Cholera
_Vibrio cholerae_ (Fig. 299_k_). Dieser findet sich nur im
Darm in Form kurzer, schraubig gekrümmter Stäbchen mit polarer
Einzelgeißel, nicht selten auch von längeren Schraubenketten.
[Illustration: Fig. 299. Pathogene Bakterien. _a_ Eiterkokken,
_b_ Erysipelkokken, _c_ Tripperkokken, _d_ Milzbrandbazillen, _e_
Starrkrampfbazillen, _f_ Diphtheriebazillen, _g_ Tuberkelbazillen, _h_
Typhusbazillen, _i_ Kolonbazillen, _k_ Choleravibrionen. Vergr. etwa
1500. Aus A. FISCHER, Vorles. über Bakt.]
[Illustration: Fig. 300. Färbungspräparate (aus ZIEGLERs Lehrbuch
der allgemeinen Pathologie). _a_ Tripperkokken im Trippersekret,
Schleim- und Eiterkörperchen mit Kokken (Methylenblau-Eosin),
Vergr. 700; _b_ Tuberkelbazillen im Sputum eines Lungenkranken
(Fuchsin-Methylenblau), Vergr. 400; _c_ Milzbrandbazillen in
Milzbrandpusteln (Methylenblau-Vesuvin), Vergr. 350. Aus A. FISCHER,
Vorles. über Bakterien.]
Außer diesen bösartigen Parasiten gibt es aber auch zahlreiche mehr
oder weniger harmlose, auf den Schleimhäuten, in der Mundhöhle
(Fig. 80), im Darm lebende Arten, so z. B. die im Magen und
Darm des Menschen auftretende _Sarcina ventriculi_, welche aus
würfelförmigen Klumpen von Kokken besteht.
[Illustration: Fig. 301. Salpeterbakterien nach WINOGRADSKY. _a_
Nitrosomonas europaea von Zürich, _b_ Nitrosomonas javanensis von Java,
_c_ Nitrobakter aus Quito. Vergr. 100. Aus A. FISCHER, Vorl. über Bakt.]
Den saprophytischen und parasitischen Formen stehen die
#autotrophen# gegenüber, die sich trotz ihres Mangels an
Chlorophyll ganz selbständig aus anorganischen Verbindungen
ernähren. So verhalten sich die im Boden lebenden #Nitritbakterien#
(_Nitrosomonas_) und #Nitratbakterien# (_Nitrobacter_), von
denen erstere Ammoniak zu salpetriger Säure und letztere die
salpetrige Säure zu Salpetersäure oxydieren. Beide benutzen als
Kohlenstoffquelle die Kohlensäure, kommen also gänzlich ohne
organische Substanzen aus (Fig. 301, vgl. auch S. 219).
_2. Ordnung Trichobacteria. Fadenbakterien._ Die Fadenbakterien
umfassen nur einige Gattungen. Sie stehen in ihrer Organisation den
fadenförmigen Cyanophyceen nahe und können, wenigstens zum Teil,
von diesen als farblose Formen abgeleitet werden. Die meisten Arten
leben saprophytisch im Wasser, einige auch autotroph.
Überall verbreitet in unreinen Gewässern ist die morphologisch
am höchsten stehende _Cladothrix dichotoma_. Ihre feinen, aus
stäbchenförmigen Zellen bestehenden, unecht verzweigten (vgl. S.
67), festsitzenden Fäden bilden schleimige Überzüge an Algen,
Steinen oder Holzwerk. Sie vermehren sich durch zilientragende
Schwärmzellen, die durch Teilung aus den Fadenzellen entstehen und
durch Verquellen der Fadenscheide frei werden (Fig. 295). Nach dem
Schwärmen setzen sich die Zellen fest und wachsen zu neuen Fäden
heran.
Sehr häufig ist ferner der Brunnenfaden, _Crenothrix polyspora_,
mit unverzweigten, festsitzenden, aber leicht zerbrechlichen
Fäden, die Eisenoxydhydrat in ihren Scheiden speichern können. Er
entwickelt sich oft in solchen Massen in Wasserleitungen, daß die
Röhren sich verstopfen und das Trinkwasser ungenießbar wird. Bei
Crenothrix zerfallen die Fadenzellen in der Scheide durch Teilung
in zahlreiche geißellose, rundliche Zellen, welche die Vermehrung
besorgen.
In Schwefelquellen und am Boden von Gewässern, wo durch Fäulnis
organischer Stoffe Schwefelwasserstoff auftritt, siedeln
sich zahlreiche #Schwefelbakterien#[298] an, unter denen die
fadenförmige _Beggiatoa alba_ (Fig. 302) am verbreitetsten ist.
Die Schwefelbakterien ernähren sich auch autotroph, also ohne
organische Substanzen, indem sie Ammoniumsalze und Kohlensäure
in ihrem Stoffwechsel verwerten. Den für ihre Lebenstätigkeit
nötigen Schwefelwasserstoff oxydieren sie zu Schwefel, den sie
in rundlichen Tröpfchen gleichsam als Reservestoff aufspeichern
und zu Schwefelsäure oxydieren, die weiterhin durch Karbonate
neutralisiert wird. Bei fortschreitendem Schwefelwasserstoffmangel
werden immer mehr Schwefeltröpfchen gelöst, die Querwände in
den Fäden treten deutlicher hervor, die Fadenzellen runden sich
schließlich ab und lösen sich voneinander los. So können die
Beggiatoen sich leicht nach neuen Standorten verbreiten. Zu den
Schwefelbakterien gehören auch einige Haplobakterien. (Vgl. S. 238.)
[Illustration: Fig. 302. Beggiatoa alba. _A_ Faden mit
Schwefeltröpfchen, Querwände nicht sichtbar. _B_ Faden bei Mangel an
Schwefelwasserstoff, in die Gliederzellen zerfallend. Vergr. 600. Nach
DÜGGELI.]
Zu den #Eisenbakterien#[299] gehört die in Wiesensümpfen und Bächen
häufige, fadenförmige _Chlamydothrix_ (_Leptothrix_) _ochracea_.
Sie oxydiert kohlensaures Eisenoxydul zu Eisenoxydhydrat, das
in den Fadenscheiden aufgespeichert wird, und kommt bei dieser
Ernährungsweise mit Spuren organischer Nahrung aus. Andererseits
gedeiht sie aber auch ohne Eisen recht gut in organischen
Nährlösungen. Andere Eisenbakterien, so nach LIESKE _Spirophyllum
ferrugineum_, sind rein autotroph. Sie gedeihen nur in Wasser, in
dem außer geringen Mengen anorganischer Salze Eisenoxydulkarbonat
gelöst ist. Sie oxydieren das Eisenoxydul zu Eisenoxydhydrat und
speichern dieses auf. Diese Oxydationen scheinen die Energie für
die Assimilation der Kohlensäure zu liefern.
Klasse II.
Cyanophyceae, Blaugrüne Algen oder Spaltalgen[288],[300].
Die Cyanophyceen sind einfach organisierte, teils einzellige, teils
fadenförmige, blaugrün gefärbte Thallophyten, deren Zellen oder
Fäden häufig durch Gallerte, die durch fortgesetzte Verquellung
der Außenschichten ihrer Membranen entsteht, zu Kolonien vereinigt
erscheinen. In zahlreichen Arten über die ganze Erde verbreitet,
bewohnen sie die Gewässer oder vegetieren auf feuchtem Schlammboden,
an feuchten Felsen oder Baumrinden in gallertartigen Massen oder
feinfädigen Überzügen. Sie sind wie die rein grünen Algen autotroph.
Der Protoplast besitzt ein hohlzylindrisches oder hohlkugeliges
peripherisches Chromatophor, welches außer Chlorophyll einen
blauen Farbstoff, das #Phykocyan#, nach dem die Gruppe ihren Namen
trägt, bei gewissen Arten außerdem auch rotes #Phykoerythrin#
in verschiedener Menge enthält und als Assimilationsprodukte
Glykoproteïde, die aus Glykose gebildet werden, liefert. Das
innerhalb des Chromatophors befindliche, als #Zentralkörper#
bezeichnete, farblose Plasma enthält chromosomenähnliche Gebilde;
es ist als Zellkern gedeutet worden. Besondere Einschlüsse
der Zellen sind ferner die aus Proteïnsubstanzen bestehenden
Cyanophycinkörner, die vorwiegend in den Chromatophoren liegen. Die
Membranen bestehen aus Zellulose und Pektinstoffen.
[Illustration: Fig. 303. _I A_ Oscillaria princeps. _B_ Oscillaria
Froelichii. _a_ Fadenenden, _b_ und _c_ Stücke aus dem inneren Teil des
Fadens, _t_ Zellen in Teilung. Nach Fixierung und Färbung. Vergr. von
_A_ 1080, von _B_ 540. Nach STRASBURGER. _II_ Nostoc Linckii, in Wasser
schwimmende Art. _A_ Fadenstück mit zwei Heterozysten _h_ und einer
Anzahl von Sporen _sp_. _B_ Spore in Keimung. _C_ Junger Faden aus der
Spore hervorgegangen. Vergr. 650. Nach BORNET.]
Die Vermehrung geschieht ausschließlich durch Zellteilung. Bei
vielen Arten werden #Sporen# als Dauerzustände gebildet durch
Vergrößerung und starke Wandverdickung einzelner Zellen (Fig. 303
_II_), also in anderer Weise als bei den Bakterien.
Wie die Bakterien als Spaltpilze, Schizomyceten, so werden die
blaugrünen Algen als Spaltalgen, #Schizophyceen#, infolge ihrer
Vermehrung durch Teilung oder Spaltung, bezeichnet. Beide Gruppen
werden vielfach zu einer Klasse der Spaltpflanzen, #Schizophyta#,
vereinigt. In der Tat zeigen sie vieles Gemeinsame, indessen ist
zu bemerken, daß die für Bakterien charakteristischen Geißeln und
Endosporen den Spaltalgen fehlen.
Die einfachsten Cyanophyceen bestehen aus blaugrünen rundlichen
Zellen, so die Arten der Gattung _Chroococcus_. Bei _Gloeocapsa_
(Fig. 35), deren Arten meist in gallertigen Überzügen an feuchten
Felsen und Mauern auftreten, bleiben die Zellen nach der Teilung
durch geschichtete Gallerthüllen zu mehrzelligen Kolonien verbunden.
Unter den fadenförmigen Arten, die teils unverzweigt sind,
teils unechte Verzweigung aufweisen (Fig. 85) und die kein
Spitzenwachstum zeigen, sind die überall im Wasser oder auf
Schlammboden häufigen _Oscillaria_-Arten die einfachsten, da
sich hier die meist von einer dicken Scheide eingeschlossenen
Fäden aus gleichartigen scheibenförmigen Zellen zusammensetzen
(Fig. 303 _I_). Die Fäden zergliedern sich in kurze Fadenstücke,
#Hormogonien#, die aus der Scheide nach außen gelangen, der
Vermehrung dienen und zu neuen Fäden heranwachsen. Die Gattung
_Nostoc_ besitzt rosenkranzförmige Fäden (Fig. 303 _II_); ihre
Arten leben auf feuchtem Boden oder im Wasser in Form von
unregelmäßig gestalteten oder kugeligen Gallertkolonien. Bei
manchen fadenförmigen Cyanophyceen kommt es zur Ausbildung
besonderer, wohl als Reservestoffbehälter dienender Zellen mit
gelblichem Inhalt, Grenzzellen oder #Heterozysten# (Fig. 303 _II_,
_h_), die nach einer Ruhezeit unter günstigen Umständen wieder
ergrünen und keimen können.
Die fadenförmigen Blaualgen, besonders die Oscillarien, aber
auch die Hormogonien von Nostoc und verwandten Gattungen, führen
auf festen Unterlagen photo- und chemotaktische Kriechbewegungen
aus. Das gewöhnlich unter Drehung um die Längsachse erfolgende
Vorwärtsgleiten der Fäden kommt dadurch zustande, daß die Zellen
aus Poren ihrer Längswände Schleim, ein nicht doppelbrechendes
Kohlehydrat, nach rückwärts abscheiden[301].
Gewisse Cyanophyceen leben an der Oberfläche von Teichen und
bedecken sie mit einer „#Wasserblüte#“; sie verdanken ihr
Schwimmvermögen nach KLEBAHN winzigen #Gasvakuolen#, die im
Zellplasma gelagert sind[302]. Eine in wärmeren Meeren schwimmende
Art ist _Trichodesmium erythraeum_, das als „Seeblüte“ dem Wasser
rote Färbung verleiht (Rotes Meer).
Manche Blaualgen beteiligen sich an der Zusammensetzung der
aus Pilzen und Algen bestehenden Flechten. Einige Arten leben
endophytisch in Gewebehöhlungen anderer Pflanzen, so _Anabaena_ in
_Azolla_; _Nostoc_-Arten in gewissen _Lebermoosen_, in Wasserlinsen
(_Lemna_), in den Wurzeln von _Cycas_; _Nostoc punctiforme_ als
fakultativer Parasit im Rhizom von _Gunnera_[303].
[Illustration: Fig. 304. _A_ Myxococcus digitatus, hellroter
Fruchtkörper auf Mist. Vergr. 120. _B_ Polyangium primigenium, roter
Fruchtkörper auf Kaninchenmist. Vergr. 40. _C_ Chondromyces apiculatus,
rotgelbe Fruchtkörper auf Antilopenmist. _D_ Fruchtkörperanlage. Vergr.
45. _E_ Einzelne Zyste in Keimung. Vergr. 200. _A_, _B_ nach QUEHL,
_C-E_ nach THAXTER.]
* * * * *
Unter Vorbehalt reihen wir hier die _+Polyangideae+_
(_Myxobacteriaceae_)[312] an, die zuerst durch THAXTER genauer
bekannt geworden sind und von ihm zu den Bakterien gerechnet
wurden, nach VAHLE den Schleimpilzen näher stehen sollen, von JAHN
aber wieder zu den Schizophyten gestellt werden und vielleicht als
farblos gewordene Organismen aus dem Formenkreis der blaugrünen
Algen hervorgegangen sein mögen. Sie sind sehr verbreitet und leben
saprophytisch auf Mist von Tieren. Im vegetativen Stadium sind sie
plasmodienähnliche Schwärme von stäbchenförmigen kleinen Zellen,
die, in Schleim eingebettet, zusammenhalten, kriechende Bewegungen
ausführen und schließlich meist lebhaft gefärbte Fruchtkörper
bilden, in denen die Stäbchenzellen zu kugeligen Sporen sich
umwandeln. Die Fruchtkörper, mit Wandung versehene Zysten, sind
ungestielt oder erheben sich einzeln oder in Gruppen auf Stielen,
deren Substanz ebenso wie die Zystenwände aus dicht nebeneinander
gelagerten, von der Sporenbildung ausgeschalteten Stäbchenzellen
hervorgeht. Bei der Keimung treten die aus den Sporen entstehenden
Stäbchenschwärme aus der aufbrechenden Zyste hervor (Fig. 304).
Klasse III.
Flagellatae, Flagellaten[288],[304],[305].
Die Flagellaten bilden eine ungemein formenreiche Gruppe einzelliger,
wasserbewohnender Organismen, die pflanzliche und tierische
Eigenschaften in sich vereinigen und als Ausgangsformen einerseits für
niedere Thallophyten, andererseits für Protozoën betrachtet werden
können.
Der kontraktile oder amöboid sich bewegende Protoplast dieser
Organismen ist nach außen durch eine dichtere #Plasmahautschicht#
abgegrenzt. Er besitzt #eine# oder mehrere #Zilien# (Geißeln,
Flagellen) als Bewegungsorgane, einen Zellkern, pulsierende
#Vakuolen# und bei vielen Vertretern wohlausgebildete grüne oder
gelbbraune #Chromatophoren#, vielfach auch einen roten #Augenfleck#.
Als Assimilationsprodukt tritt meist Öl auf, aber auch Stärke oder
andere Kohlehydrate. Andere Formen sind farblos und ernähren sich
ausschließlich saprophytisch oder auch zugleich animalisch. Der
Protoplast mancher Flagellaten, besonders der farblosen, aber auch
gefärbter Arten, kann nämlich Formänderungen und kriechende Bewegungen
ausführen (Amöbenzustand) und auch fadenförmige dünne Fortsätze,
Pseudopodien (Rhizopodien), aussenden und wieder einziehen, durch
welche die Aufnahme von Nahrungskörpern vermittelt wird (Fig. 305, 311).
Die meisten Vertreter leben als nackte freie Zellen, andere in
mehr oder weniger komplizierten, durch Gallerte zusammengehaltenen
Zellkolonien; gewisse Gattungen zeichnen sich aus durch die Bildung von
eigenartigen, abstehenden, gestielten oder ungestielten, hornartigen
Gehäusen, durch Kieselskelett oder durch Kalkhüllen.
Die #Vermehrung# geschieht auf rein vegetativem Wege durch Teilung
der Zellen allgemein der Länge nach. Bei vielen Arten werden als
Ruhestadien geißellose, mit Membran umgebene Dauerzellen oder #Zysten#
erzeugt, die vielfach bei ihrer Keimung nach Teilung ihres Inhalts
mehrere Tochterzellen ausschwärmen lassen (Fig. 310).
[Illustration: Fig. 305. Chrysamoeba radians. Im Süßwasser; mit 1 Zilie
und 2 gelbbraunen Chromatophoren. _1_ Gewöhnliche Form. _2_ Amöboider
Zustand mit Pseudopodien. Nach KLEBS.]
[Illustration: Fig. 306. Dinobryon Sertularia. Gehäuse und Kolonie
bildend. Im Süßwasserplankton. Vergr. 600. Nach SENN.]
Eine wichtige Flagellatengruppe sind die _Chrysomonadinen_, zu
denen u. a. _Chrysamoeba_ (Fig. 305) und das Kolonien bildende
_Dinobryon_ (Fig. 306) gehören. Sie zeichnen sich durch radiären
Bau und durch meist #gelbbraune#, seltener durch rote oder
blaugrüne Chromatophoren aus, die ein im Plasma abgelagertes
besonderes Kohlehydrat (Leucosin) bilden. Als eine höher stehende
Chrysomonadine gilt _Hydrurus foetidus_ (Fig. 307), der in Form
von Zellkolonien, bis 30 cm langer verzweigter, gallertartiger
Fäden, an Steinen, in fließendem Wasser lebt. In der Fadengallerte
liegen zahlreiche geißellose, durch Längsteilung sich vermehrende
Zellen eingebettet. Diese liefern schließlich ausschlüpfende,
tetraëdrisch gestaltete, einzilige Flagellatenschwärmer, die
sich wieder festsetzen und zu neuen Gallertfäden heranwachsen.
Auch einige andere verwandte Flagellaten sind zu solchen
algenartigen Lebensformen vorgeschritten, bei denen das ruhende
Stadium vorherrscht, während das bewegliche der Vermehrung und
Ausbreitung dient. An die Chrysomonadinen schließen sich zwei
eigenartige Familien mariner sehr kleiner Planktonorganismen
an, die _Silicoflagellaten_[306], die sich durch ringförmige
oder hutförmige, durchbrochene Kieselskelette auszeichnen (Fig.
308 _A_), und die _Coccolithophoriden_[307], die eine Hülle aus
Kalkplättchen und Kalkstachelchen besitzen und sich durch meist
zu 4 gebildete Schwärmsporen vermehren (Fig. 308 _B_, _C_).
Aus dem Verwandtschaftskreise der Chrysomonadinen scheinen die
Diatomeen und auch die Heteroconten hervorgegangen zu sein, so daß
diese drei Gruppen auch als _Chrysophyta_ zusammengefaßt werden
können. Ihre gemeinsamen Merkmale sind u. a. die sehr häufige
oder stete Zusammensetzung der Gehäuse- und Zellmembranen aus
zwei Schalenstücken, die Verkieselung der Membran und die häufige
Ungleichheit der Geißeln.
[Illustration: Fig. 307. Hydrurus foetidus. _A_ Spitze eines
Gallertlagerzweiges nach BERTHOLD. _B_ Schwärmzelle nach KLEBS. Aus
PASCHER, Flagellaten.]
[Illustration: Fig. 308. _A_ Distephanus speculum nach BORGERT.
_B_, _C_ Calyptrosphaera insignis aus der Adria, _B_ im optischen
Durchschnitt mit 2 braungelben Chromatophoren, _C_ Außenansicht. Vergr.
1600. Nach SCHILLER.]
Die etwas höher als die Chrysomonadinen differenzierten, meist
gelbbraun, doch auch grün oder blaugrün gefärbten _Cryptomonadinen_
unterscheiden sich von ihnen durch dorsiventrale, vorn schräg
abgestutzte Protoplasten mit zwei ungleich langen, aus einer
furchenartigen Vertiefung entspringenden Geißeln (Fig. 309). Zu
ihnen gehört auch _Chrysidella_ (_Zooxanthella_). Sie lebt in
Symbiose mit zahlreichen Meerestieren (Radiolarien, Actinien usw.),
in deren Plasma ihre gelben Ruhezellen liegen. Aus der Ruhezelle
schlüpft später der Protoplast als begeißelter Flagellat aus. In
die Verwandtschaft der Cryptomonadinen gehören die Dinoflagellaten.
Auch schließen sich an sie einige Gattungen (_Phaeocystis_,
_Phaeothamnion_ u. a.) an, die den größten Teil ihres Lebens in
unbeweglichen Gallertkolonien oder Zellverbänden verbringen und
bereits an Braunalgen erinnern, aber nur mit Zweifel als Vorstufe
zu solchen gerechnet werden können.
[Illustration: Fig. 309. Cryptomonas erosa. Vergr. 650. Nach STEIN.]
Unter den mit #grünen# Chromatophoren versehenen Flagellaten ist
der Ausgang für die Chlorophyceen zu suchen.
Die _Eugleninen_[308] sind eine hochstehende grüne
Flagellatengruppe. _Euglena_-Arten (Fig. 310 _A_) treten oft in
Dorfteichen in Form einer grünen „Wasserblüte“ auf. Nahe verwandt
mit ihnen sind ähnlich gestaltete, aber farblose saprophytische
Formen. _Euglena gracilis_ kann sogar durch Kultur in organischen
Lösungen unter Lichtabschluß in eine hyaline Dunkelform mit
Leukoplasten übergeführt werden. In dieser Gruppe scheint zum
ersten Male bei Flagellaten sexuelle Fortpflanzung, Kopulation
zweier gleichgestalteter Gameten vorzukommen; jedoch bedürfen die
Angaben noch weiterer Bestätigung.
An die Flagellaten mit gefärbten Chromatophoren schließen wir die
zahlreichen #farblosen#, saprophytisch oder animalisch lebenden
Formen an, die aus ersteren hervorgegangen sein dürften. Für
gewisse Vertreter läßt sich sogar noch nahe Verwandtschaft mit
gefärbten auf Grund übereinstimmender Zellstrukturen nachweisen.
Bei den _Pantostomatinen_ geschieht die Aufnahme von
Nahrungskörperchen durch die ganze Oberfläche des Protoplasten
meist mittels Pseudopodien (Fig. 311), bei den _Protomastiginen_
meist nur an einer Mundstelle, bei den _Distomatinen_ an zwei
Mundstellen. Zur zweiten Gruppe gehören auch gewisse im Blut und im
Darm von Tieren lebende Arten, die zum Teil Erreger gefährlicher
tropischer Krankheiten sind, so _Trypanosoma brucei_, das die
Tsetsekrankheit des Rindviehs, und _T. gambiense_ (Fig. 312), das
die Schlafkrankheit beim Menschen verursacht; beide werden durch
Fliegen der Gattung Glossina übertragen.
Wir dürfen annehmen, daß aus farblosen Flagellaten die Myxomyceten
ihren Ausgang genommen haben, ferner daß auch die niederen
Protozoën (Rhizopoden) hier ihren Anschluß nach unten finden.
[Illustration: Fig. 310. Euglena gracilis. _A_ Form mit grünen
Chromatophoren _ch_, Zellkern _n_, Vakuole nebst rotem Augenfleck
_v_, Geißel _g_. _B_ Halbsaprophytische Form mit kleinen grünen
Chromatophoren. _C_ Farblose saprophytische Form, bei Lichtabschluß in
Nährlösung gezogen. _D_ Dauerzyste der Form _C_, _r_ roter Augenfleck.
_E_ Keimung der Dauerzyste der Form _A_ in vier später austretende
Tochterzellen. _A_, _C_ Vergr. 360, _B_ 650, _D_, _E_ 1000. (Nach
ZUMSTEIN.)]
[Illustration: Fig. 311. Mastigamoeba invertens. _A_ freischwimmend,
_B_ Amöbenzustand. Vergr. 1033. Dimorpha mutans, _C_ mit eingezogenen,
_D_ mit ausgestreckten Pseudopodien. In einer Vakuole ein aufgenommenes
Nahrungskörperchen. Vergr. 666. Nach LEMMERMANN.]
[Illustration: Fig. 312. Trypanosoma gambiense. _A_ aus dem Blut
infizierter Affen. Geißel eine undulierende Membran bildend. _B_ aus
der Fliege Glossina. Geißel im Innern. Nach MINCHIN.]
Klasse IV.
Myxomycetes, Schleimpilze[288],[309],[310],[311].
Die Schleimpilze bilden eine eigenartige, von Flagellaten abgeleitete
Gruppe niederer Thallophyten; sie nehmen ebenfalls eine Mittelstellung
zwischen Pflanzen und Tieren ein und werden daher auch als _Mycetozoa_
oder _Pilztiere_ bezeichnet. Zunächst sei das Verhalten der
umfangreichsten Ordnung, der _Myxogasteres_, dargestellt, die in
zahlreichen Arten über die ganze Erde verbreitet sind. Im vegetativen
Zustande bestehen diese Schleimpilze aus nackten, saprophytisch sich
ernährenden Protoplasmamassen, den #Plasmodien#, welche zahlreiche
kleine Zellkerne enthalten, des Chlorophylls vollständig ermangeln
und als Reservestoff keine Stärke, sondern Glykogen bilden. Die
Plasmodien (Fig. 4) finden sich mit Vorliebe auf dem Boden der Wälder,
auf abgefallenen Blättern, auf und in faulendem Holz. Sie nehmen auch
feste Nahrung auf, kriechen unter Formänderung und Verzweigung im
Substrat umher und gelangen dort zu den für ihre Ernährung günstigsten
Stellen hauptsächlich vermöge ihrer Befähigung zu chemotaktischen,
hydrotaktischen und negativ phototaktischen Bewegungen. Vor der
Sporenbildung aber ändern sich diese Reizbarkeiten; das Plasmodium
kriecht dann aus dem feuchten Substrat dem Licht entgegen und wandelt
sich je nach den Gattungen in einen einzigen oder in zahlreiche,
dicht nebeneinander stehende Fruchtkörper um. Jeder Fruchtkörper
(#Sporangium#) bildet an seiner Peripherie eine Hülle (#Peridium#) und
in seinem Innern zahlreiche kleine, mit Membran umkleidete #Sporen#.
Bei vielen Gattungen kommt es auch zur Ausbildung eines #Capillitiums#
(Fig. 313 _A_, _B_, 314 _B_), das entweder aus freien oder aus
netzförmig verbundenen feinen Röhrchen oder Fasern besteht und aus dem
zwischen den Sporen befindlichen Plasma hervorgeht. Bei der Fruchtreife
bricht das Peridium des Sporangiums auf; das Capillitium lockert sich,
streckt sich hervor und die Sporen werden durch seine hygroskopischen
Bewegungen und durch den Wind ausgestäubt. Die Gattung _Ceratiomyxa_
verhält sich insofern einfacher, als ihre Fruchtkörper keine Hüllen
besitzen, sondern die Sporen an der Oberfläche auf kleinen Stielchen
tragen.
[Illustration: Fig. 313. Reife geöffnete Fruchtkörper nach Entleerung
der Sporen. _A_ Von Stemonitis fusca. Vergr. 10. _B_ Von Arcyria
punicea. Vergr. 12. _C_ Von Cribraria rufa. Vergr. 32.]
[Illustration: Fig. 314. _A-C_ Trichia varia. _A_ Sporangien
geschlossen und geöffnet. Vergr. 6. _B_ und _C_ Capillitiumfaser und
Sporen. Vergr. 240. _D_ Leocarpus fragilis. Gesellige Einzelsporangien
auf Moos. Nat. Gr.]