durch ihre Verbreitung mittels #Samen# von den Kryptogamen, bei denen
allgemein #Sporen#, das sind #einzellige Keime#, von der Mutterpflanze
sich loslösen und den Ausgangspunkt für die Entwicklung eines neuen
Individuums abgeben. Die Kryptogamen verdienen daher richtiger den
Namen #Sporenpflanzen#. Bei den Samenpflanzen ist allerdings auch
Sporenbildung vorhanden, allein die Sporenbehälter und Sporen, aus
denen die Samen als vielzellige eigenartige Gebilde hervorgehen,
entwickeln sich in Verbindung mit der Mutterpflanze weiter, und erst
die Samen lösen sich von dieser ab.
Die Unterschiede zwischen Thallophyten, Bryophyten und Pteridophyten
sind in Kürze folgende:
Die _Thallophyten_ enthalten mannigfaltige Pflanzengestalten,
die einen einzelligen oder einen mehrzelligen, mehr oder weniger
reich verzweigten Thallus vorstellen. Die Fortpflanzung geschieht
ungeschlechtlich oder geschlechtlich, meist ohne bestimmte
Aufeinanderfolge beider Reproduktionsarten. Ein Generationswechsel ist
nur bei höher stehenden Vertretern vorhanden.
Die _Bryophyten_ und die _Pteridophyten_ legen ihre Entwicklung in
zwei regelmäßig miteinander abwechselnden Generationen zurück. Die
ungeschlechtliche Generation bildet Sporen und wird daher Sporophyt
genannt. Aus den Sporen geht die geschlechtliche Generation, der
Gametophyt, hervor, der Geschlechtsorgane von charakteristischem Bau
erzeugt; die männlichen heißen Antheridien, die weiblichen Archegonien.
Aus der befruchteten Eizelle der Archegonien geht wiederum der
Sporophyt hervor.
Bei den _Bryophyten_ oder Moospflanzen stellt der Gametophyt stets
einen Thallus vor, auch bei den höher stehenden Moosen, wo er zwar eine
Gliederung in Stämmchen und Blättchen, aber noch keine echten Wurzeln
und keine Leitbündel mit Gefäßen aufweist; der Sporophyt dagegen ist
eine gestielte oder ungestielte, auf der geschlechtlichen Moospflanze
halbparasitisch heranreifende Sporenkapsel.
Bei den _Pteridophyten_ oder Farnpflanzen ist der Gametophyt ein
kleiner Thallus, während der Sporophyt Gliederung in Stengel, Blätter
und Wurzeln, mit echten Leitbündeln, also schon den Aufbau der
Spermatophyten besitzt.
Die Moose und Farnpflanzen werden auf Grund des übereinstimmenden
Baues ihrer weiblichen Sexualorgane, der Archegonien, auch
als #Archegoniaten# vereinigt. Indessen treten diese Organe
in etwas vereinfachter Form auch noch bei tiefer stehenden
Spermatophyten (bei den meisten Gymnospermen) auf, so daß sich
eine scharfe Abgrenzung der Archegoniaten von den höher stehenden
Pflanzengruppen nicht durchführen läßt.
I. Thallophyta[288].
Die Thallophyten unterschied man früher in _Algen_ oder _Algae_,
_Pilze_ oder _Fungi_ und _Flechten_ oder _Lichenes_. Algen sind
Thallophyten, die Chromatophoren mit Farbstoffen, vor allem
stets Chlorophyll, besitzen und dementsprechend zu selbständiger
Ernährungsweise oder Autotrophie befähigt erscheinen, während die
Pilze als heterotrophische Gewächse keine solchen Farbstoffe enthalten
und saprophytische oder parasitische Lebensweise führen. Jedoch gibt
es auch mixotrophe Algen, die nicht ausschließlich auf autotrophe
Lebensweise angewiesen sind, sondern auch in mehr oder weniger hohem
Maße organische Substanzen in ihrem Stoffwechsel verwerten können,
also in fauligem Wasser gut gedeihen. Die Einteilung in Algen und
Pilze hat nur physiologischen, keinen phylogenetischen Wert, da sie
die Verwandtschaftsbeziehungen der einzelnen Klassen, in die beide
Gruppen zerlegt werden müssen, nicht zum Ausdruck bringt. Der Thallus
der früher als einheitliche Organismen betrachteten Flechten stellt
eine Symbiose von Fadenpilzen mit Algen vor. Vom streng systematischen
Standpunkt aus müssen die Flechtenpilze und die Flechtenalgen in die
Klassen der ihnen nächstverwandten Organismen eingereiht werden;
andererseits zeigen die Flechten so viel Übereinstimmendes in Bau und
Lebensweise, daß eine zusammenfassende Behandlung im Anschluß an die
Fadenpilze für unsere Zwecke vorzuziehen ist.
Die verwandtschaftlichen Beziehungen der 14 Klassen, in die wir die
Thallophyten gliedern, bedürfen noch in vielen Punkten der Klärung und
sollen nur mit Vorbehalt in folgender Zusammenstellung veranschaulicht
werden:
+--_Bacteria_, Bakterien.
---|
+--_Cyanophyceae_, Blaugrüne Algen.
+--_Myxomycetes_, Schleimpilze.
|
+--_Dinoflagellatae_, Dinoflagellaten.
|
+--_Diatomeae_, Kieselalgen.
_Flagellatae_, |
+--_Conjugatae_, Konjugatenalgen.
Flagellaten. |
+--_Heterocontae_, Ungleichwimperige Grünalgen.
|
+--+--+--+-_Chlorophyceae_, Grünalgen.
| | | |
| | | +----_Rhodophyceae_, Rotalgen.
| | |
| | +----------_Eumycetes_, Fadenpilze.
| |
| +---_Phycomycetes_, Algenpilze.
|
+-----------_Phaeophyceae_, Braunalgen.
|
+----------------_Characeae_, Armleuchteralgen.
Zu den einfachsten Thallophyten gehören die Bakterien und die
Cyanophyceen, die untereinander nähere Beziehungen aufweisen
und die man daher auch als Schizophyta oder Spaltpflanzen
zusammengefaßt hat. Obwohl einige Gründe für die Angliederung der
Schizophyten an Flagellaten sprechen, erscheint es einstweilen noch
angemessen, sie in besonderer Stellung den übrigen einfacheren
Thallophyten gegenüber zu belassen, die mit mehr oder weniger
großer Wahrscheinlichkeit auf Flagellaten als Ausgangsformen
hinweisen. Die Flagellaten wurden und werden vielfach auch zu den
niedersten Tieren gerechnet; in der Tat vereinigen sie pflanzliche
und tierische Charaktere und sind auch als Ausgangsformen für
niedere Tiere zu betrachten. Die Schleimpilze dürften als farblose
Saprophyten ebenfalls von ihnen abstammen. Die Dinoflagellaten
stellen nur einen weiter entwickelten Zweig der Flagellaten dar.
Die einfachsten Formen der Heteroconten, der Grünalgen und der
Braunalgen schließen an Flagellaten an, während dagegen eine
direkte Verbindung der letzteren mit den Diatomeen und mit den
Konjugaten auf größere Schwierigkeiten stößt.
Von der Hauptreihe der Grünalgen haben sich die Algenpilze
abgezweigt; zweifelhaft ist die Anfügung der Rotalgen und der
Fadenpilze, welche beide auf gemeinsame Wurzel zurückzugehen
scheinen. Eine vorgerückte Stellung nehmen die Armleuchteralgen
ein, die meist als höchst entwickelte Grünalgen aufgefaßt werden,
in wichtigen Charakteren aber auch zu den Braunalgen einige
Beziehungen aufzuweisen scheinen; ihr Ursprung ist uns rätselhaft.
Allgemein verbreiten und vermehren sich die Thallophyten durch
ungeschlechtlich erzeugte #Sporen#, deren Bildungsweise große
Mannigfaltigkeit aufweist. In vielen Fällen entstehen die Sporen
durch Zellteilung im Innern von Zellen, die dann als #Sporangien#
bezeichnet werden, in anderen Fällen entstehen sie durch Umbildung und
Loslösung von Thalluszellen oder durch Zellsprossung. Die Sporen heißen
Schwärmsporen, #Zoosporen#, wenn sie kontraktile Zilien besitzen,
deren Schwingungen ihre Fortbewegung im Wasser bewirken; sie heißen
#Aplanosporen#, wenn sie keine Zilien tragen. Im letzteren Falle können
sie nackt sein bei Verbreitung im Wasser, oder mit Membran umgeben bei
Verbreitung in der Luft.
Außer der ungeschlechtlichen ist auch geschlechtliche Fortpflanzung
sehr verbreitet. Im einfachsten Falle besteht sie in #Isogamie#, d. h.
in der Verschmelzung von zwei zwar äußerlich gleichgestalteten,
physiologisch aber verschieden differenzierten Sexualzellen oder
#Gameten# zu einer einzigen Zelle, der #Zygote# oder #Zygospore#. Die
Organe, in denen die Gameten gebildet werden, heißen #Gametangien#.
#Planogameten# sind mit Zilien begabt, #Aplanogameten# dagegen
zilienlose Gametenzellen. Auf höheren Stufen ist die Isogamie in
#Heterogamie# übergegangen; die Gameten sind in kleinere männliche
und größere weibliche differenziert. Ist diese Differenzierung so
weit vorgeschritten, daß wir männliche, meist mit Zilien versehene
Zellen, #Spermien# (Spermatozoiden, Spermatozoen, Samenzellen),
die in #Antheridien# erzeugt werden, und weibliche größere,
reservestoffreichere, zilienlose, unbewegliche Zellen, #Ovien#
(Oosphären, Eizellen), die in #Oogonien# entstehen, unterscheiden
können, so sprechen wir von Eibefruchtung oder #Oogamie#. Die
befruchtete Eizelle, die #Zygote#, wird als #Oospore# bezeichnet,
wenn sie einen Dauerzustand eingeht; sie kann aber auch bei gewissen
Gruppen ihre Entwicklung sofort beginnen. Man nimmt an, daß die
Gameten aus ungeschlechtlichen Sporen phylogenetisch hervorgegangen
sind. Gametangien, Oogonien, Antheridien sind bei den Thallophyten den
Sporangien #homologe# Gebilde. Die sexuelle Fortpflanzung hat sich
in verschiedenen Gruppen, also unabhängig mehrmals, herausgebildet.
Parthenogenesis ist unter den Thallophyten verbreitet.
Während bei gewissen Thallophyten ausschließlich ungeschlechtliche,
bei anderen nur geschlechtliche Fortpflanzung stattfindet,
kommen bei vielen beide Formen der Fortpflanzung vor, sei es an
derselben Pflanze neben- oder nacheinander, oder in einander
ablösenden getrennten Generationen. Im allgemeinen ist aber
bei den Thallophyten keine regelmäßige Aufeinanderfolge von
ungeschlechtlichen und geschlechtlichen Generationen vorhanden, da
äußere Faktoren auf die Art der Fortpflanzung von großem Einfluß
sind[289]. Nur bei wenigen Gruppen (bei manchen Braunalgen, bei
den Rotalgen und bei gewissen Fadenpilzen) folgt #regelmäßig#
auf eine geschlechtliche Generation (#Gametophyt#) eine
ungeschlechtliche (#Sporophyt#); ein solcher #regelmäßiger
Generationswechsel# ist auch bei allen Archegoniaten vorhanden.
Bei der Kopulation zweier Sexualzellen erhält der Keimkern die
doppelte Anzahl von Chromosomen; er wird #diploid#, während die
Sexualzellen #haploide# Kerne besitzen (vgl. S. 172). Im Laufe der
ontogenetischen Entwicklung muß also eine #Reduktionsteilung# der
diploiden Kerne zu haploiden erfolgen. Wir unterscheiden somit
eine haploide und eine diploide #Phase# im Entwicklungsgange
der Gewächse. Die Reduktionsteilung erfolgt bei vielen
Thallophytengruppen in der keimenden Zygote, kann aber auch selbst
innerhalb #eines# Verwandtschaftskreises verschieden, an anderen
Stellen einsetzen und ist somit ein Vorgang, der mit dem Beginn
einer neuen Generation nicht notwendig verbunden zu sein braucht.
Bei gewissen Braunalgen, Rotalgen und allen Archegoniaten erfolgt
die Reduktion in den Sporangien, so daß hier regelmäßig der
Gametophyt haploid, der Sporophyt diploid ausfällt. Die Wertigkeit
der Kerne kann aber nicht als maßgebend für die spezifische
Gestaltung der Generationen erachtet werden.
Die Keimzellen der von den Flagellaten abzuleitenden
Thallophytenklassen, sowohl Schwärmzellen, als auch Gameten,
sind in vielen Fällen zilientragende nackte Protoplasten von
Flagellatencharakter. Selbst bei den Moosen und Farnen, sogar
auch bei Cycadeen und Ginkgoaceen zeigt sich noch in der Gestalt
der männlichen Gameten, wenn sie auch sekundär verändert sind,
dieses Zurückgehen in der Ontogenese auf die phylogenetischen
Ausgangsformen.
#Klasse# I.
Bacteria, Bakterien oder Spaltpilze[288], [290]-[299].
Die Bakterien stellen sehr einfach gebaute, einzellige oder
fadenförmige Organismen dar, die des Chlorophyllfarbstoffs ermangeln
und meist saprophytische oder parasitische Lebensweise führen. Sie
sind in enormer Arten- und Individuenzahl über die ganze Erde, in
der Atmosphäre, im Wasser, im Boden, ferner auf und in toten oder
lebenden Pflanzen und Tieren verbreitet. Man bezeichnet sie auch
als #Spaltpilze# oder #Schizomycetes#, weil die Vermehrung ihrer
einzelligen Formen nur durch Zweiteilung oder Spaltung der Zellen sich
vollzieht, eine Vermehrungsweise, die übrigens auch bei den anderen
einzelligen Pflanzen vorkommt.
Die Zellen der Bakterien sind von einer dünnen Membran umgeben und
enthalten ein meist farbloses Protoplasma, das bei Plasmolyse sich
von der Wand ganz oder teilweise zurückzieht und das im Innern
des Wandbelag seinen einzigen Saftraum oder auch mehrere Vakuolen
umschließen kann. In den Protoplasten sind zwar körnige Gebilde in
Ein- oder Mehrzahl, sog. Chromatinkörner, beobachtet, die sich durch
Farbstoffe intensiv färben lassen und von verschiedenen Autoren als
Zellkerne gedeutet werden; indessen ist es bis jetzt nicht gelungen,
unzweifelhafte Kernteilung (Karyokinese) an ihnen nachzuweisen, so daß
das Vorhandensein von Kernen noch nicht sichergestellt ist.
Die Bakterien sind zum größten Teil außerordentlich winzige Organismen,
und es gehören zu ihnen überhaupt die kleinsten bekannten Lebewesen.
So messen die kugeligen Zellen der kleinsten Arten im Durchmesser nur
0,0008 mm, die stäbchenförmigen Zellen des Tuberkelbazillus haben nur
0,0015 bis 0,004 mm Länge, die meisten Arten etwa 0,001 mm Breite und
0,005 mm Länge.
Die einfachsten Formen der Spaltpilze sind winzige kugelrunde Zellen,
#Kokken#. Formen mit stäbchenförmigen Zellen werden als #Bakterium#
oder als #Bazillus# bezeichnet, Stäbchen mit kurz schraubiger Krümmung
heißen #Vibrio#, längere Schrauben #Spirillum#. Die einzelligen Kokken,
Stäbchen, Vibrionen können nach der Teilung in Zellketten vereinigt
bleiben. Häufig kommt es vor, daß die äußeren Zellmembranschichten
gallertartig aufquellen und so die Zellen oder Zellketten in Gallerte
eingebettet werden. Ein solcher Zustand heißt #Zoogloea#.
[Illustration: Fig. 294. Geißeltypen. _a_ Vibrio cholerae. _b_, _d_
Spirillum undula. _d_ Entwicklung eines neuen Geißelbüschels bei der
Teilung, _c_ Bacillus Typhi, _e_ Bacillus subtilis. Vergr. 2250. Nach
A. FISCHER.]
[Illustration: Fig. 295. Cladothrix dichotoma. Bildung der
Schwärmstäbchen aus den Fadenzellen. Vergr. 1000. Nach A. FISCHER.]
Diesen einzelligen, als _Haplobakterien_ bezeichneten Formen stehen die
_Trichobakterien_ gegenüber, die meist einfache Zellfäden aufweisen
(#Leptothrix#, #Beggiatoa#, #Crenothrix#), bei #Cladothrix# aber eine
unechte Verzweigung der Fäden erreichen, die dadurch zustande kommt,
daß eine Fadenzelle sich in der Längsrichtung geradlinig weiter teilt
und dabei den über ihr gelegenen Teil des Fadens beiseite drängt.
Viele Bakterien sind durch Eigenbewegung ausgezeichnet, welche durch
Schwingungen von feinen #Plasmazilien# vermittelt wird[291]. Diese
Geißeln sind entweder über die Oberfläche verteilt (Heubazillus Fig.
296_a_, _d_; Typhusbazillus 294_c_; Tetanusbazillus 299_e_) oder sie
entspringen von einem Punkte aus, entweder als Einzelgeißel oder als
Geißelbüschel. Danach unterscheidet man peritriche, monotriche und
lophotriche Bakterien. Eine polare Einzelgeißel hat der Cholerabazillus
(Fig. 294_a_), ein polares Geißelbüschel Spirillum undula (Fig. 294_b_,
_d_); ein seitenständiges Geißelbüschel die Schwärmzelle von Cladothrix
(Fig. 295). Die Geißelbüschel können sich zu zöpfchenartigen Gebilden
zusammendrehen; sie werden niemals eingezogen, sondern gehen vor der
Sporenbildung oder durch ungünstige Einflüsse, oft unter vorheriger
Einrollung (Fig. 294_e_), zugrunde.
Die Vermehrung und Verbreitung geschieht auf vegetativem Wege durch
eine sehr ausgiebige Zweiteilung der Zellen, die bei gestreckten
Formen stets quer zur Längsachse erfolgt, die Erhaltung der Art durch
ungeschlechtliche Bildung von #Dauersporen#, die als #Endosporen# (Fig.
296_c_, 297_e_, _f_) entstehen, wohl überall in der Weise, daß die
Spore im Zellplasma entweder in der Mitte oder näher einem Ende der
Zelle sich abgrenzt und mit neuer Membran umgibt. Die Mutterzellmembran
geht nach der Reife der Sporen durch Verquellen zugrunde. Sporen sind
aber nicht bei allen Arten nachgewiesen.
_1. Ordnung Haplobacteria. Einzellige Bakterien._ Sie umfassen die
Hauptmasse der Arten.
Obwohl ihr Formenkreis ein sehr einfacher ist, weisen ihre Arten
eine ungemeine Mannigfaltigkeit in ihrem Stoffwechsel auf. Die
meisten Bakterien haben Sauerstoff zu ihrer Atmung nötig wie die
übrigen Pflanzen, sind also #aërob#; manche können aber auch ohne
Sauerstoff sich weiterentwickeln, während gewisse Arten, wie z. B.
die Buttersäurebakterien, der Starrkrampfbazillus, streng #anaërob#
nur bei Abschluß von Sauerstoff gedeihen. Manche Bakterien erzeugen
durch ihre Atmung beträchtliche Wärmemengen; darauf beruht die
Selbsterhitzung von feuchtem Heu, Mist, Tabak, Baumwolle (_Bacillus
coli_ und _calfactor_. (Vgl. S. 241.)
Wir unterscheiden #autotrophe#, #saprophytische# und #parasitische#
Arten, obwohl eine scharfe Trennung oft nicht möglich ist und
die letztgenannten in Kulturen auf geeigneten Substraten auch
saprophytische Lebensweise führen können.
Eine sehr bekannte #saprophytische# Art ist der Heubazillus,
_Bacillus subtilis_ (Fig. 296), der sich in dem Extrakt, den man
durch Kochen von Heu gewinnt, in der Regel einstellt. Die Sporen
bleiben trotz der Hitze dabei lebensfähig und keimen zunächst zu
peritrich begeißelten, schwärmenden Stäbchen, die sich teilen
und auch in kurzen Ketten zusammenhaften. An der Oberfläche der
Flüssigkeit gehen die schwärmenden Stäbchen über in ruhende
geißellose, die sich zu langen geschlängelten Ketten weiter teilen.
Die Zellketten legen sich zu einer sog. Kahmhaut, einer besonderen
Form von Zoogloeabildung zusammen. Nach Erschöpfung der Nährstoffe
tritt dann Sporenbildung ein.
[Illustration: Fig. 296. Bacillus subtilis. _a_, _d_ Bewegliches
Stäbchen und Kette, _b_ unbewegliche Stäbchen und Kette, _c_ Sporen
aus der Kahmhaut _e_. Vergr. _a-d_ 1500, _e_ 250. Aus A. FISCHER,
Vorlesungen über Bakterien.]
Zu den saprophytischen Bakterien gehören als wichtige Vertreter
die #zymogenen# oder Gärungsbakterien und die #saprogenen# oder
Fäulnisbakterien. Erstere oxydieren oder vergären hauptsächlich
Kohlehydrate; letztere dagegen spalten stickstoffhaltige tierische
und pflanzliche Substanzen, Eiweiß, Fleisch usw. unter Abscheidung
übelriechender Gase. (Vgl. S. 238.)
Die _Essigbakterien_ (Fig. 297_a_, _b_, _e_) oxydieren den Alkohol
zu Essigsäure. Die Vergärung von Milchzucker zu Milchsäure
wird durch den Formenkreis des _Bacillus acidi lactici_ (Fig.
297_d_) bewirkt; die Bildung von Buttersäure aus verschiedenen
Kohlehydraten bei Abschluß von Sauerstoff erfolgt durch
_Clostridium butyricum_ (Fig. 297_e_) u. a., während gewisse
Sumpfbakterien (Fig. 297_f_) bei Sauerstoffabschluß die Vergärung
der Zellulose zu Methan oder auch zu Kohlensäure und Wasserstoff
besorgen. Der häufigste Fäulniserreger auf Fleisch, Eiweiß usw. ist
_Bacillus proteus_.
_Streptococcus_ (_Leuconostoc_) _mesenterioides_ (Fig. 298), der
Froschlaichpilz der Zuckerfabriken, wandelt den Zucker in Schleim
um; seine kugeligen Zellen teilen sich zu rosenkranzartigen Ketten
und umgeben sich mit dicken Gallerthüllen, deren Bildung in
zuckerfreien Substraten unterbleibt.
Die #Purpurbakterien#, die sich auf in Wasser faulenden Substanzen
bei Sauerstoffmangel und bei Zutritt von Licht entwickeln,
enthalten nach MOLISCH[292] einen grünen und einen roten Farbstoff
(Bakteriochlorin und Bakteriopurpurin). Letzterer spielt nach BUDER
eine Rolle für photosynthetische Vorgänge; die Purpurbakterien
scheinen die absorbierten Lichtstrahlen zu einer Assimilation der
Kohlensäure unter Einbeziehung des freiwerdenden Sauerstoffs in den
Stoffwechsel auszunutzen. Auch andere #Pigmentbakterien# scheiden
Farbstoffe in ihren Zellen oder nach außen ab. Letzteres ist der
Fall bei _Bacillus prodigiosus_, dessen ellipsoide, peritriche
Stäbchen auf Milch oder Gebäck fuchsinrote Kolonien bilden und so
die Veranlassung zu dem Wunderglauben an blutende Hostien gegeben
haben.
[Illustration: Fig. 297. Gärungsbakterien _a-c_ Essigbakterien, _a_
Bacillus aceti, _b_ Bac. Pasteurianus, _c_ Bac. Kützingianus, _d_
Bac. acidi lactici, Milchsäurebazillus, _e_ Clostridium butyricum,
Buttersäurebakterie, _f_ Plectridium paludosum, Gärungsbakterie aus
Sumpfwasser. Vergr. 1000. Aus A. FISCHER, Vorles. über Bakt.]
Die #photogenen# Bakterien erzeugen in ihren Zellen eine
Substanz, die bei Oxydation leuchtet. _Bacterium phosphoreum_
ist die verbreitetste, auf Fleisch vorkommende und sein Leuchten
verursachende Leuchtbakterie[293].
Gewisse Bodenbakterien (_Clostridium Pasteurianum_, _Azotobacter
chroococcum_) und Meeresbakterien sind imstande, den freien
Stickstoff zu assimilieren[294]. Zu diesen #stickstoffbindenden#
Formen gehören auch die symbiotisch in den Wurzelknöllchen der
Leguminosen lebenden, unter der Bezeichnung _Bacillus radicicola_
zusammengefaßten Arten von Bazillen, die im freien Zustand
bewegliche, lophotrich begeißelte Stäbchen vorstellen (Fig.
249 u. 250), ferner _Mycobacterium Rubiacearum_, das analoge
Bakteriengallen an den Blättern tropischer Rubiaceen erzeugt und
mit diesen Pflanzen in dauernder Symbiose lebt[295]. Andererseits
gibt es auch im Boden und sogar im Meere #denitrifizierende#
Bakterien, die Nitrate und Nitrite unter Abscheidung von freiem
Stickstoff zersetzen (vgl. S. 240).
[Illustration: Fig. 298. Streptococcus mesenterioides. _A_ Zellen
ohne Gallerthülle. _B_, _C_ Bildung der Gallertkörper. _D_ Teil einer
erwachsenen Zoogloea. _E_ Rosenkranzartige Fäden der Zoogloea. Vergr.
620. Nach VAN TIEGHEM.]
Die #parasitischen# Bakterien leben entweder in Pflanzen oder in
Tieren. Als #Bakteriosen# erkannte Pflanzenkrankheiten sind z. B.
die krebsartigen Geschwülste, die das von SMITH entdeckte, auch
für Menschen pathogene _Bacterium tumefaciens_ an höheren Pflanzen
erzeugt, ferner die durch _Bacillus phytophthorus_ hervorgerufene
Schwarzbeinigkeit der Kartoffel[296].
Von den zahlreichen #pathogenen# Bakterien, deren schädliche
Einwirkung auf die Gewebe und das Blut des tierischen und
menschlichen Körpers durch Abscheidung von giftigen Substanzen,
Toxinen, bedingt ist, sind als wichtigste Erreger von
Infektionskrankheiten folgende zu nennen: