Bei manchen Pflanzen, z. B. vielen Monokotylen, kommt es in den

Chloroplasten überhaupt nicht zur Bildung von Stärke, und das

Assimilationsprodukt tritt gelöst in den Zellsaft über. Sorgt man

aber für eine starke Anhäufung des Assimilationsproduktes, so

findet auch hier Stärkebildung statt; in anderen Zellen dieser

Monokotylen, in den Spaltöffnungsschließzellen und den Zellen der

Wurzelhaube wird stets Stärke gebildet. Übrigens wird bei den

anderen Pflanzen stets nur ein Bruchteil, bei Helianthus z. B. ⅙

der Assimilationsprodukte in Stärke umgewandelt, der Rest bleibt

als Zucker erhalten oder wird sonst irgendwie verwertet. Man sieht

daraus, daß man die Menge der gebildeten Stärke nicht ohne weiteres

als Maß der Assimilation betrachten darf.

Daß die Stärkebildung nicht mit der Kohlensäureassimilation direkt

zusammenhängt, sondern nur die Folge einer gewissen Anhäufung

von Zucker in der Zelle ist, ergibt sich auch daraus, daß man

Stärkebildung im Finstern erzielen kann, wenn man Blätter auf

Zuckerlösungen von geeigneter Konzentration schwimmen läßt. Statt

Zucker kann man mit gleichem Erfolg auch andere organische Stoffe

verwenden, auch solche, die den Kohlehydraten ferner stehen, wie z.

B. Glyzerin.

[Illustration: Fig. 248. Ein stärkefreies Blatt von Tropaeolum

wurde mit einem Negativ-Porträt bedeckt der Sonne exponiert. Nach

Assimilation ruft Jodlösung ein positives Bild hervor. Nach MOLISCH.]

Bei manchen Algen kommen nicht Zucker und Stärke, sondern andere

Assimilationsprodukte vor, z. B. Florideenstärke.

Was für Stoffe die sog. „Fettröpfchen“ sind, die vielfach in

assimilierenden Zellen auftreten, und was für eine Beziehung zum

Assimilationsprozeß sie haben, ist noch nicht aufgeklärt.

+Die Quantität der Assimilate+ hängt einerseits von der Pflanzenspezies

ab, die wir untersuchen, andererseits von den äußeren Umständen, unter

denen die Pflanze weilt. Es hat sich gezeigt, daß unter möglichst

#günstigen# Verhältnissen der Quadratmeter Blattfläche pro Stunde 0,5-1

g Trockensubstanz produzieren kann. -- Wenn man bedenkt, wie viele

Quadratmeter Blattfläche auf der Erde Tag für Tag assimilatorisch

tätig sind, so bekommt man einen Begriff von der ungeheuren Produktion

von organischer Substanz in dieser größten aller chemischen Fabriken.

SCHRÖDER schätzt die organische Substanz, die durch die Landpflanzen

jährlich gebildet wird, im Mittel zu 35 Billionen kg. Allein die

deutsche Ernte enthielt im Jahre 1912 rund 9 Milliarden Kilo an

Assimilaten im Getreide (Roggen, Weizen, Spelt und Gerste).

Es gibt #zwei# Methoden[177] zur Bestimmung der Assimilationsmenge.

Die eine rührt von SACHS her. Nach seinem Vorgang verfährt

man in folgender Weise: Am Morgen werden Teile von Blättern,

gewöhnlich #Hälften#, sorgfältig ihrer Fläche nach ausgemessen,

dann getrocknet und gewogen. Am Abend werden #gleichgroße# Flächen

(die restierenden Hälften), die den Tag über dem Licht exponiert

waren, ebenfalls getrocknet und gewogen. Die Gewichtszunahme

bedeutet den Gewinn der Pflanze an C-Assimilaten (SACHSsche

Blatthälftenmethode). -- Eine ganz andere Methode zur quantitativen

Bestimmung der CO_{2}-Assimilation rührt von KREUSLER her und ist

auch von GILTAY und BROWN benutzt worden. Man bringt ein an der

Pflanze befindliches Blatt in einen abgeschlossenen Raum, der von

einem konstanten Luftstrom durchflossen wird, und bestimmt nun

die Menge Kohlensäure, die von dem Blatt der durchströmenden Luft

entrissen wird. Die Menge von Zucker oder Stärke, die aus einer

gegebenen Menge von Kohlensäure gebildet werden kann, läßt sich ja

leicht berechnen.

2. Kohlenstoffgewinn einiger Bakterien[178].

Gewisse Bakterien, von denen auch später (S. 238) die Rede sein wird,

zeichnen sich dadurch aus, daß sie bei Gegenwart von Karbonaten im

#Dunkeln# und #ohne Chlorophyll# in rein anorganischer Nährlösung

ihre Substanz vermehren; so die Nitrit- und Nitratbakterien,

die Wasserstoff-, Eisen- und gewisse Schwefelbakterien sowie

die Methanbakterien. Manche von ihnen sind durchaus auf den

Kohlenstoffgewinn aus CO_{2} angewiesen, während andere, vor allem die

Wasserstoffbakterien, daneben unter Umständen auch organisch gebundenen

Kohlenstoff zu nutzen verstehen.

Über die Produkte der Kohlenstoffassimilation dieser Bakterien

wissen wir noch gar nichts. Auch ist der Gewinn an organisch

gebundenem Kohlenstoff gering. Es verdankt also jedenfalls nur ein

ganz minimaler Bruchteil organischer C-Verbindungen, die momentan

auf der Erde vorhanden sind, ihre Entstehung diesen Bakterien.

Die Kohlensäureassimilation bei ihnen bleibt darum nicht minder

interessant, zumal sie in wesentlich anderer Weise erfolgt als bei der

grünen Pflanze. Vor allem findet sie ohne Gegenwart von Licht statt.

Demnach muß hier eine andere Energiequelle beim Aufbau der organischen

Substanz tätig sein als bei der grünen Pflanze; es ist die Energie,

die durch Oxydation des Ammoniaks, des Nitrits, des Eisenoxyduls, des

Schwefelwasserstoffes, Methans oder Wasserstoffes gewonnen wird. Man

kann die Bildung der organischen Substanz bei der grünen Pflanze eine

#Photosynthese#, bei den angeführten Bakterien eine #Chemosynthese#

nennen.

3. Kohlenstoffgewinn der Heterotrophen.

Den Gewinn des Kohlenstoffes aus der Kohlensäure betrachtet man als

#typische# Kohlenstoffassimilation der Pflanze, doch ist dieser

Modus keineswegs der einzige im Pflanzenreich. Da er -- von den

eben besprochenen Bakterien sehen wir jetzt ab -- an die Gegenwart

von Chlorophyll und von Sonnenlicht gebunden ist, kann er bei den

unterirdischen Pflanzenteilen, bei allen #nichtgrünen# Pflanzen

und bei #sämtlichen Tieren# nicht in Betracht kommen. In der Tat

sind #diese auf organische Kohlenstoffverbindungen# angewiesen, die

direkt oder indirekt der Assimilationstätigkeit grüner Pflanzenteile

entstammen. Man nennt alle Organismen, die in ihrer Ernährung von der

Tätigkeit der grünen Pflanzen abhängig sind, #heterotroph#; die grünen

Pflanzen und die soeben besprochenen Bakterien werden als #autotroph#

bezeichnet. Doch auch die Autotrophen hängen von anderen Organismen

ab. Es wird noch zu zeigen sein, daß das Leben auf der Erde nur

dadurch sich kontinuierlich erhält, daß jede einseitige Veränderung

der Stoffe, die sich unter dem Einfluß bestimmter Organismen ergibt,

durch die Tätigkeit anderer Organismen wieder kompensiert wird. --

Schon durch ihre Lebensweise, vor allem durch ihren Wohnort, weisen

die heterotrophen Organismen darauf hin, daß sie andere Ansprüche

auf Nährstoffe machen als autotrophe. Sie finden sich entweder als

#Parasiten# auf oder in lebenden Pflanzen und Tieren, oder sie leben

als #Saprophyten# von toten Organismen oder Derivaten derselben.

Die Ansprüche, die von heterotrophen Pflanzen an die Kohlenstoffquelle

gemacht werden, lassen sich am besten bei #saprophytischen# Bakterien

und Pilzen studieren. Man kann diese Organismen auf verschieden

zusammengesetzten Substraten kultivieren und aus ihrem Gedeihen

Rückschlüsse auf den Nährwert der dargebotenen Verbindungen ziehen.

Die zur Kultur dienenden Nährlösungen müssen neben den unentbehrlichen

Aschensubstanzen und einer Stickstoffquelle (etwa einem Ammoniumsalz)

im allgemeinen #Zucker# als C-Quelle enthalten; sie sollen für

Schimmelpilze schwach sauer, für Bakterien meistens schwach alkalisch

oder neutral reagieren und werden oft durch Zusatz von Gelatine oder

Agar-Agar in den festen Aggregatzustand übergeführt. In der Regel kann

der Zucker durch zahlreiche andere organische Substanzen mehr oder

minder gut ersetzt werden, z. B. durch andere Kohlehydrate, durch

Fette, Eiweiß und Eiweißabbauprodukte, durch organische Säuren usw.

usw. Während man nun für einen einzelnen Organismus diese C-Quellen

nach ihrem Nährwert in eine bestimmte Reihenfolge bringen kann, ist das

#generell# ganz unmöglich, denn es gibt nicht wenige Saprophyten, die

sich ganz besonderen Bedingungen angepaßt haben, und die gerade solche

C-Quellen mit Vorliebe verzehren, die bei der Mehrzahl der anderen

kaum einen Nährwert besitzen (z. B. Ameisensäure, Kohlenwasserstoffe,

Oxalsäure).

Aber selbst solche Saprophyten, die mit recht verschiedenen

Kohlenstoffverbindungen auskommen (Omnivore), haben doch ein

sehr feines Unterscheidungsvermögen für diese. So wird von dem

Schimmelpilz Penicillium aus gewöhnlicher Weinsäure zunächst

überwiegend die Rechtsweinsäure, von einer Bakterienart dagegen

zuerst die Linksweinsäure verarbeitet. In einem Gemisch von

Glykose und Glyzerin wird erstere von Aspergillus bevorzugt. Das

Glyzerin wird also durch den Zucker vor dem Verbrauch geschützt

(#Elektion der Nährstoffe#), während es, allein dargeboten, völlig

aufgebraucht wird.

Sehr bemerkenswert ist die Fähigkeit mancher Pilze, auch solche

organische Verbindungen auszunutzen, die wie Stärke, Zellulose usw.

in Wasser unlöslich sind und demnach erst nach zuvoriger Verwandlung

und Lösung aufnahmefähig werden. Diese Pilze und Bakterien scheiden

Stoffe besonderer Art (Enzyme; vgl. S. 229) aus, die imstande sind, die

betreffenden Stoffe zu spalten und damit löslich zu machen.

Die Saprophyten sind nach dem Gesagten durch die Art ihrer

Assimilationstätigkeit charakterisiert: sie können #den ersten

Schritt der Assimilation des Kohlenstoffes, den die grüne Pflanze mit

Hilfe des Lichtes vollzieht, nicht ausführen#. Dagegen besteht aller

Wahrscheinlichkeit nach im weiteren Verlauf der Assimilation, in dem

Aufbau komplizierter Verbindungen, die den Körper zusammensetzen,

aus der gebotenen einfachen organischen Verbindung kein Unterschied

gegenüber den Autotrophen.

Über heterotrophe #Blütenpflanzen# vgl. auch S. 226.

Den #Saprophyten# stehen dann #Parasiten# gegenüber, die wir in reicher

Auswahl bei Pilzen und Bakterien finden; doch fehlen sie auch unter den

Algen, Cyanophyceen und den höheren Pflanzen nicht ganz.

Daß nun diese Parasiten oder wenigstens viele von ihnen Nährstoffe

aus dem Wirte aufnehmen, sieht man dem letzteren oft direkt an; er

kann durch den Parasiten schwer geschädigt, ja sogar schließlich

getötet werden. Welche Stoffe aber im einzelnen es sind, die der

Parasit aufnimmt und zu seinem Gedeihen bedarf, ist schwer zu sagen.

Da vielfach nur Organismen einer bestimmten Verwandtschaft (Familie,

Gattung, Art, Kleinart) von einer Parasitenspezies befallen werden,

muß man annehmen, daß diese bezüglich Qualität und Quantität ihrer

Nahrung ganz spezifische Anforderungen macht. Eine solche Vermutung

wird noch dadurch unterstützt, daß man die Mehrzahl der Parasiten nicht

unabhängig von ihrem Wirt kultivieren kann.

B. Assimilation des Stickstoffes.

Wenn die grüne Pflanze den Kohlenstoff als Kohlensäure aus der Luft

bezieht, wo dieses Gas in relativ sehr geringer Menge vorhanden

ist, so könnte man glauben, daß der Riesenvorrat von Stickstoff in

der Atmosphäre die erste und die beste Quelle für den Bezug dieses

Baustoffes sei. Jede Wasserkultur lehrt indes auf das eindringlichste,

daß der Luftstickstoff von der typischen grünen Pflanze nicht

ausgenützt werden kann. Läßt man den gebundenen Stickstoff aus der

Nährlösung weg, so ist es mit dem Gedeihen der Pflanze vorbei.

In der KNOPschen Nährlösung war der Stickstoff als salpetersaures

Salz geboten, und diese Form gilt auch heute noch als die beste für

die höhere Pflanze. Immerhin muß zugegeben werden, daß auch gewisse

Ammoniumverbindungen, z. B. schwefelsaures oder salzsaures Ammonium,

den Nitraten gleichwertig sind, da sie nicht wie z. B. kohlensaures

Ammonium durch alkalische Reaktion die Pflanze schädigen. Auch

organische Stickstoffverbindungen können als Nährstoffe dienen, so

z. B. Aminosäuren, Säureamide, Amine usw., doch ist wohl mit keiner

von ihnen ein so guter Erfolg zu erzielen wie mit Salpetersäure. Auch

salpetrigsaure Salze können eine brauchbare Stickstoffnahrung abgeben,

wenn sie nicht durch zu hohe Konzentration schädigen.

Über die Assimilation der Salpetersäure und des Ammoniaks sind wir

nicht annähernd so gut orientiert wie über die der Kohlensäure. Wir

kennen den Ort der Assimilation nicht genau, wir wissen über die

mitwirkenden äußeren Umstände nicht so gut Bescheid, und wir sind

endlich über die auftretenden Produkte nicht ganz im klaren. In letzter

Linie handelt es sich vor allem um Bildung von #Eiweiß#, also um eine

sehr viel kompliziertere Substanz als die Kohlehydrate sind, eine

Substanz, die neben C, H und O stets ca. 15 bis 19% N und außerdem

auch noch S, eventuell auch P enthält. Einen Einblick in den Bau des

Eiweißmoleküls haben uns vor allem die methodischen Studien über den

#Eiweißabbau# gegeben. Sie zeigten, daß im Eiweiß eine große Anzahl

von Aminosäuren durch Wasserabgabe miteinander verkettet sind. So wie

nun EMIL FISCHER künstlich durch Zusammenschweißen von Aminosäuren

und darauffolgende Kondensation eiweißähnliche Körper (#Polypeptide#)

hergestellt hat, so wird es aller Wahrscheinlichkeit nach auch in

der Pflanze sich darum handeln, daß zunächst solche Aminosäuren

gebildet und dann gekoppelt werden. Betrachtet man nun die einfachste

Aminosäure, das Glykokoll NH_{2}CH_{2} · CO_{2}H, das freilich in der

Pflanze nicht sehr verbreitet ist, so zeigt sich, daß diese sich von

der Essigsäure ableiten läßt, wenn man ein am Kohlenstoff hängendes

H-Atom durch eine NH_{2}-Gruppe ersetzt. Es muß also die aufgenommene

HNO_{3} #reduziert# werden, wenn ihr Stickstoff zum Aufbau von

Eiweiß verwendet werden soll. Diese Reduktion ist #unabhängig# von

Sonnenlicht und Chlorophyll; auch im Dunkeln und von farblosen Teilen

wird Salpetersäure assimiliert[179]. -- Indirekt freilich wird das

Chlorophyll und ebenso das Licht von Bedeutung für die Eiweißsynthese

sein können, insofern als auch C-haltige organische Substanz für den

Eiweißaufbau nötig ist, und #diese# in der Sonne vom Chlorophyll

gebildet wird. Wegen ihres reichlichen Gehaltes an Kohlehydraten werden

deshalb die Laubblätter besonders zur Eiweißbildung geeignet sein; sie

sind aber durchaus nicht in dem Grade „#Organe der Eiweißbildung#“,

wie sie Organe der Kohlehydratbildung sind. Auch kann man bei vielen

Pflanzen (vor allem bei den Ruderalpflanzen, z. B. Chenopodium,

Amarantus, Urtica) die Salpetersäure noch in den Blättern nachweisen,

bei der Mehrzahl scheint sie schon sofort nach ihrer Aufnahme in der

Wurzel verändert zu werden.

Ebensowenig wie über die Assimilation der Salpetersäure sind wir über

die Assimilation des Ammoniaks unterrichtet. Da hierbei nicht erst eine

Reduktion nötig ist, sollte man das Ammoniak für leichter assimilierbar

halten als die Salpetersäure; in den Fällen, wo bei der Wasserkultur

ein Zusatz von Ammoniak weniger günstig wirkt als Salpetersäure, werden

wahrscheinlich irgendwelche #Nebenwirkungen# des NH_{3} in Betracht

kommen.

Die hypothetischen Zwischenprodukte zwischen den aufgenommenen

Stickstoffverbindungen und dem fertigen Eiweiß, d. h. verschiedene

Aminosäuren und ihnen nahestehende Substanzen, fehlen wohl keinem

Pflanzenteil. Besonders verbreitet sind Leucin, Tyrosin und Asparagin.

Aber nur selten wird man mit Bestimmtheit entscheiden können, ob diese

Stoffe #synthetisch# aus Ammoniak oder Salpetersäure, oder ob sie durch

Eiweiß#abbau# entstanden sind (vgl. S. 231).

Außer im #Eiweiß# finden wir den Stickstoff auch noch in den

#Lezithinen# und den organischen #Pflanzenbasen#. Erstere sind

komplizierte #Ester#, in denen sich Glyzerin mit zwei Molekülen

Fettsäure, einem Molekül Phosphorsäure und der N-haltigen Base

Cholin verbunden hat. Sie fehlen keinem lebenden Protoplasma. -- Die

meisten organischen Basen (#Alkaloide#) dürften Nebenprodukte der

N-Assimilation sein und keine Verwendung mehr finden.

Wenn man im allgemeinen sagen kann, daß die typische autotrophe Pflanze

den Stickstoff als Salpetersäure ebensogut oder besser zu assimilieren

versteht wie als Ammoniak, so trifft das für die Mehrzahl der #Pilze

nicht# zu. Nur wenige von ihnen nehmen überhaupt mit Salpetersäure

vorlieb; in der Regel gelten Ammoniumsalze als beste anorganische

N-haltige Nahrung für sie. Es ist oft behauptet worden, daß manche

Pilze mit so einfachen Stickstoffverbindungen nicht auskommen, oder daß

sie wenigstens leichter und sicherer aus #organischen# N-Verbindungen

die komplizierteren Körpersubstanzen aufbauen. Da aber offenbar viele

Fehlerquellen bei diesen Untersuchungen nicht berücksichtigt wurden,

bedarf diese Frage einer erneuten Untersuchung[180].

An dieser Stelle müssen auch die #insektenfressenden#,

#fleischfressenden# oder #karnivoren# Pflanzen genannt werden[181]

(vgl. S. 158). Es sind das Pflanzen, die mit Einrichtungen zum Fangen

und Festhalten kleiner Tiere, Insekten vor allen Dingen, versehen

sind, und die dann durch ausgeschiedene Enzyme die Beute soweit als

möglich auflösen, verdauen und resorbieren. Alle diese Insektivoren

besitzen Chlorophyll; es kann ihnen also gewiß nicht in #erster Linie#

auf den Gewinn organisch gebundenen Kohlenstoffes ankommen. Es ist

auch bekannt, daß sie ohne tierische Nahrung ganz gut gedeihen, doch

wird durch Zufuhr einer nicht zu großen Menge animalischer Substanz

eine entschiedene Förderung erzielt, die sich in vermehrter Frucht-

und Samenproduktion kenntlich macht. Es ist sehr wahrscheinlich,

aber keineswegs bewiesen, daß die Karnivorie auf den Gewinn von

brauchbarem Stickstoff hinausläuft. Ob dieser an den Wohnorten der

Insektivoren -- sie wachsen vielfach in nährsalzarmem Torfmoor

oder Wasser -- nur der Quantität nach unzureichend ist, oder ob

seine Qualität da nicht optimal ist, muß dahingestellt bleiben. Die

Möglichkeit besteht zweifellos, daß organisch gebundener Stickstoff

diesen Pflanzen besonders zuträglich ist. Daneben ist es freilich auch

nicht ausgeschlossen, daß die Insektivoren nicht allein Stickstoff,

sondern auch andere Nährsalze, vor allem Kali und Phosphorsäure, aus

ihrer Beute gewinnen. Ob diese Nährsalze dann in organischer Bindung

ausgenützt werden oder ob sie bei dem Verdauungsprozeß in anorganische

Form übergeführt werden, wissen wir nicht. Im letzteren Falle würde

der Nutzen der Insektivorie vor allem darin gesucht werden müssen, daß

#mehr# Nährstoffe gewonnen werden, als der Boden bietet.

Vollkommen geklärt ist die Karnivorie auch heute noch nicht. Man

hat darauf hingewiesen, daß die Insektivoren mehrfach ein sehr

schwaches Wurzelsystem besitzen; das trifft aber für #Nepenthes#

nicht zu. Eine Mykorrhiza (S. 226), die wahrscheinlich eine

vermehrte Aufnahme von Bodensalzen bewirkt, fehlt den Insektivoren

aber allgemein.

Die fleischfressenden Pflanzen scheinen dem Laien in ihrer

Ernährungsweise weit von den anderen Pflanzen abzuweichen und mehr

an die Tierwelt heranzukommen. Wie die Tiere, so nützen auch die

Insektivoren #feste# Nahrung aus, die sie durch ausgeschiedene Enzyme

verflüssigen, ehe sie sie in ihre Zellen aufnehmen. Daß bei den

Tieren die „Verdauung“ der Nahrung im Magen sich vollzieht, bei den

Insektivoren aber manchmal wenigstens in einem Gebilde, das dem Magen

vergleichbar ist (Kannen usw.), macht die Ähnlichkeit der beiden

Gruppen besonders groß. Es verdient aber hervorgehoben zu werden, daß

in #physiologischer# Hinsicht manche Pilze und Bakterien den Tieren

entschieden näher stehen. Denn sie können wie Tiere ihre #gesamte#

Nahrung durch Verdauung fester organischer Körper gewinnen, während ja

die Insektivoren wenigstens bezüglich des Kohlenstoffes autotroph sind.

An die Insektivoren schließen sich gewisse #phanerogame Parasiten#[182]

an, die oben S. 221 nicht erwähnt worden sind, weil sie durch den

Besitz #grüner# Blätter schon anzeigen, daß sie bezüglich des

Kohlenstoffes #autotroph# sind. Trotzdem sind sie ausgesprochene

Parasiten, die sich nur dann normal entwickeln, wenn ihr Wurzelsystem

mit fremden Wurzeln oder zur Not auch mit denen der Artgenossen durch

Haustorien verbunden ist. So leben z. B. die Santalacee Thesium und

auch viele Rhinanthaceen; von letzteren zeigt #Tozzia#, zumal in den

ersten Entwicklungsstadien, die parasitische Lebensweise am meisten

ausgeprägt. Unsere einheimische, in Baumkronen wurzelnde Mistel

besitzt, wie viele ihrer fremdländischen Verwandten (Loranthaceen),

ebenfalls noch stattliche Blätter und ist so reich an Chlorophyll,

daß sie ihren Bedarf an Kohlehydraten vollständig selbst zu decken

vermag. Wasser und Nährsalze aber entnimmt sie der Wirtspflanze.

Dementsprechend ist ihr Wurzelsystem weitgehend reduziert. Das gleiche

trifft auch für die oben genannten Rhinanthaceen zu. In welcher Form

sie die Nährsalze aus dem Wirt entnehmen, ist indes noch unbekannt.

In scharfem Gegensatz zu den Karnivoren, die vielleicht durch organisch

gebundenen Stickstoff gefördert werden, stehen gewisse Mikroorganismen,

die bezüglich ihres Stickstoffgewinnes autotroph, bezüglich ihrer

Kohlenstoffassimilation dagegen durchaus heterotroph sind. Wir sprechen

von den Organismen, die imstande sind, den #atmosphärischen Stickstoff

zu binden#. Der Nachweis ihrer Existenz wurde erst am Ende des vorigen

Jahrhunderts, vor allem durch die Arbeiten von WINOGRADSKY, HELLRIEGEL

und WILFARTH erbracht[183].

[Illustration: Fig. 249. Eine aus dem Boden gehobene Wurzel der

Feldbohne (Vicia faba), dicht besetzt mit Bakterienknöllchen.

Verkleinert. Nach NOLL.]

[Illustration: Fig. 250. _1_ Junge Knöllchen _K_ auf einer Wurzel

_W_ von Vicia faba. _B_ Großzelliges mit Bakterienmasse angefülltes

Gewebe, bei _M_ dessen „Meristem“. _T_ Tracheïdenzüge. Vergr. 60fach.

_2_ Eine mit Tausenden von Bakterien erfüllte Zelle des Knöllchens,

mit benachbarten nicht infizierten Zellen. Vergr. 320fach. _3_ Ein

infiziertes Wurzelhaar mit dem „Infektionsfaden“ im Innern. Vergr.

320fach. _4_ Formen von „Bakteroiden“. _5_ Unveränderte Bakterien.

Vergr. 1200fach. Nach NOLL.]

Es sind zunächst einmal gewisse heterotrophe Bakterien, wie Clostridium

Pasteurianum und Verwandte sowie Azotobacter chroococcum, die im

einzelnen unter recht verschiedenen äußeren Bedingungen im Boden

des Ackers freien Stickstoff binden und damit eine für ihr eigenes

Gedeihen wie für das vieler anderer Organismen außerordentlich wichtige

Eigenschaft besitzen, die auch für die Landwirtschaft von großer

Bedeutung ist. Im Wasser scheinen wieder andere Bakterien im gleichen

Sinne tätig zu sein. Eine nach neueren Untersuchungen immer größer

werdende Zahl niederer Pilze scheint die gleiche Befähigung, wenn auch

meist in geringerem Grade, zu besitzen. Neben diesen freilebenden gibt

es auch noch im Innern von höheren Pflanzen auftretende Mikroorganismen

von gleicher Wirksamkeit. Unter diesen sind am besten studiert die

verschiedenen Formen des Bacillus radicicola, die die Wurzeln von

Leguminosen befallen und an ihnen in oft großer Zahl gallenartige

Knöllchen (Fig. 249 u. 250) erzeugen. Soviel wir wissen, handelt es

sich hier um eine Art gegenseitigen Parasitismus, d. h. um eine

auf wechselseitiger Ergänzung beruhende Lebensgemeinschaft, wie sie

von DE BARY als #Symbiose# bezeichnet worden ist. Die Leguminosen

erscheinen dann, abweichend von den meisten grünen Pflanzen, als

Stickstoffsammler[184], was durch GILBERT und LAWES in England, durch

SCHULTZ-LUPITZ in Deutschland zuerst festgestellt worden ist.

[Illustration: Fig. 251. _1_ Längsschnitt durch die Wurzelspitze von

Pinus silvestris mit #ektotropher Mykorrhiza#. Vergrößert. _2_ Ein Teil

der Fig. 1 stärker vergrößert; vom äußeren Pilzmantel gehen Hyphen aus,

die zwischen die Zellen der Rinde dringen. _3_ Längsschnitt durch die

Wurzelspitze von Neottia. Drei Zellreihen mit dunklem Inhalt führen

die Pilze (#endotrophe Mykorrhiza#). Vergrößert. _4_ Ein Teil der

Fig. 3 stärker vergrößert. Die mittlere pilzbewohnte Schicht besteht

aus #Pilzwirtzellen#, in denen die Pilze erhalten bleiben; die äußere

und die innere sind Verdauungszellen. Nach WERNER MAGNUS. (KNY,

Wandtafeln.)]

Lehrbuch der Botanik für Hochschulen · 第 31 / 90 段