Die Ausscheidung tropfbar flüssigen Wassers aus unverletzten Pflanzen

ist ungleich seltener wahrzunehmen als die Transpiration, denn sie

findet nur unter engbegrenzten Bedingungen statt, nämlich dann,

wenn die Pflanze wassergesättigt, die Luft dunstgesättigt ist. In

der Natur bemerkt man sie dementsprechend bei uns nur am frühesten

Morgen nach einer regenlosen, aber feuchtwarmen Nacht. Man sieht

da an den Blatträndern und Spitzen mancher Pflanzen glitzernde

Wassertropfen ansitzen, die langsam an Größe zunehmen, abfallen und

durch neue Tröpfchen ersetzt werden. Es handelt sich aber nicht

etwa um Taubildung, sondern um Tropfen, die von den Blättern selbst

ausgeschieden werden. Mit der Zunahme der Temperatur verschwinden sie

dann, weil die Pflanze nicht mehr voll wassergesättigt ist. Erhöht man

aber den Wassergehalt der Pflanze, entweder indem man ihre Verdunstung

herabsetzt (z. B. durch Überstülpen einer Glasglocke), oder indem

man Wasser künstlich in abgeschnittene Zweige einpreßt, so tritt die

Tropfenausscheidung alsbald wieder auf.

Die Tropfen treten bei den Gräsern an der Blattspitze, bei

Alchimilla an den Blattzähnen, bei Tropaeolum (Fig. 241) an den

stumpfen Ausbuchtungen des Blattes auf; sie kommen entweder aus

sog. Wasserspalten (S. 99) oder aus gewöhnlichen Spaltöffnungen,

oder sie werden von Apikalöffnungen oder von Haaren (manchmal auch

von Brennhaaren) sezerniert. Alle solche wasserausscheidenden

Organe nennt man #Hydathoden#.

Ungleich verbreiteter als in unserem Klima findet sich die

Wasserausscheidung im feuchten, tropischen Urwald. Besonders

auffallend ist sie bei manchen großblätterigen Araceen, an deren

Blattspitzen das Wasser oft in kurzen Zwischenräumen abtropft.

Bei Colocasia nymphaeifolia kann es sogar auf kurze Strecken

fortgeschleudert werden; dabei scheidet ein einziges Blatt zuweilen

190 Tropfen in der Minute, in einer Nacht oft 1/10 Liter aus. --

Auch an einzelligen Pflanzen, so an Schimmelpilzen, ist oft eine

reichliche Ausscheidung von Wassertröpfchen durch die Zellwand

und die Kutikula hindurch wahrzunehmen, die hier, wie auch bei

Wasserpflanzen, durchlässig ist.

[Illustration: Fig. 241. Ausscheidung von Wassertropfen aus einem

Blatte der Kapuzinerkresse (Tropaeolum majus). Nach NOLL.]

Die Ausscheidung flüssigen Wassers kann unter ungünstigen

Transpirationsbedingungen, vor allem bei submersen Wasserpflanzen, die

Verdunstung in gewissem Sinne vertreten oder ersetzen. Ihre Bedeutung

für die Pflanze deckt sich aber insofern nicht mit der Transpiration,

als in den Tropfen sehr häufig mineralische oder organische Substanzen

mit ausgeschieden werden. Diese Stoffe sind manchmal so reichlich

im ausgestoßenen Wasser enthalten, daß sie nach dessen Verdunstung

als kleine Krusten zurückbleiben. Auf diese Weise entstehen die

Kalkschüppchen der Steinbrecharten, die Salzmassen mancher Halophyten

(S. 206). STAHL hat wahrscheinlich gemacht, daß in der Ausscheidung

solcher gelöster Salze (Exkretion) die physiologische Hauptrolle der

Guttation liegen kann, da manche derartige Stoffe, wenn sie sich in

den Zellen anhäufen, schädlich wirken. Daß bei den Aussonderungen der

#Nektarien#, bei den #Verdauungsdrüsen# der Insektivoren (S. 222) und

bei den Ausscheidungen mancher #Narben# nicht das Wasser, sondern

der gelöste Körper das wichtigste ist, versteht sich von selbst. Bei

manchen Nektarien ist die Ausscheidung weitgehend unabhängig vom

Wassergehalt und kann auch noch an der welkenden Pflanze weiter gehen.

+Bluten.+ Einen Wasseraustritt aus der Pflanze kann man vielfach nach

Verwundungen beobachten; regelmäßig sieht man ihn an beschnittenen

Bäumen und Sträuchern im Frühjahr, z. B. besonders stark an der Rebe.

Auch an Stauden, die man dicht über der Erde abgeschnitten hat, läßt

sich leicht ein Wasseraustritt aus der Wunde zeigen. Man spricht vom

Tränen oder Bluten der Wunden und stellt leicht fest, daß das Wasser

aus den Gefäßen hervorquillt und daß es auch #gegen hohen Widerstand

ausgepreßt# wird (#Blutungsdruck#).

Die Figur 242 zeigt, in welcher Weise man den Blutungsdruck, den

ein Stammstumpf _s_ produziert, mit Hilfe eines Manometers messen

kann. Die Quecksilbersäule wird bei gewissen Pflanzen bis zu 50 und

60, unter günstigen Bedingungen aber bis zu 140 Zentimeter (Birke)

oder noch höher emporgedrückt. Diese Druckkräfte könnten also eine

Wassersäule bis zu 6, 8 und 18 Metern halten.

Besonders reichlich ist der Wasseraustritt, wenn die Erde feucht

und warm ist; er dauert dann je nach der Pflanze und ihrem

Entwicklungszustand oft mehrere Tage bis Monate an, und das

ausgeschiedene Wasser beträgt unter Umständen bis zu einigen Litern

und mehr; bis zu 1 Liter am Tag bei der Rebe, bis 5 Liter bei

der Birke, 10 bis 15 Liter bei Palmen. Bei längere Zeit hindurch

blutenden Pflanzenteilen bemerkt man eine gewisse #Periodizität#

der Blutungsmenge; nachts wird mehr ausgeschieden als am Tag.

Der „Blutungssaft“ führt außer mineralischen Salzen zuweilen

erhebliche Mengen von organischen Substanzen (gelöste Eiweißstoffe,

Asparagin, Säuren, besonders aber Kohlehydrate) mit sich; bei

einigen Pflanzen ist der Zuckergehalt dieses Saftes so groß,

daß Zucker technisch daraus gewonnen werden kann. So liefert

der Zuckerahorn Nordamerikas mit ½% Zucker im Saft in #einem#

Frühjahr etwa 2-3 Kilo von einem Baum. Solcher Saft kann auch

gleich Most oder Biermaische zu berauschenden Getränken vergoren

werden und liefert dann Birkenwein, Palmwein oder die „Pulque“ der

Mexikaner. Diese wird aus dem Safte blühreifer Agaven gewonnen;

eine einzelne Pflanze kann in 4-5 Monaten nahezu 1000 Liter Saft

ausscheiden.

+Ursachen der Wasserausscheidung+[151]. Bei der Tropfenausscheidung

an der intakten Pflanze handelt es sich nur zum Teil um

Wasserausscheidung aus #Oberflächenzellen#. In anderen Fällen

wird Wasser in die #Gefäße# eingepreßt und tritt dann an Orten

geringeren Widerstandes zutage (S. 99). Auch bei den Erscheinungen

des Blutens wird Wasser aus Parenchymzellen in die Hohlräume der

Gefäße gedrückt, und wenn das auch ganz besonders häufig in der

Wurzel stattfindet, so fehlt der Vorgang doch in den Stengeln und

Blättern durchaus nicht.

Allen geschilderten Vorkommnissen gemeinsam ist also in letzter

Linie eine einseitige Flüssigkeitsausscheidung aus lebenden Zellen.

Auf die Ursachen einer solchen Drüsentätigkeit der Zellen kann hier

nicht eingegangen werden.

[Illustration: Fig. 242. Demonstration des Wurzeldruckes an einer

Georgine. Auf den glatt abgeschnittenen Stumpf _s_ ist mittels

Kautschukschlauchs _c_ das gebogene Glasrohr _g_ aufgesetzt. Das aus

der Erde durch die Wurzel aufgenommene Wasser _W_ wird so kräftig

ausgepreßt, daß es den Druck der Quecksilbersäule _Q_ überwindet. Nach

NOLL.]

#Leitung des Wassers#[152].

Das Wasser, das teils in Dampfform namentlich von den Blättern

abgegeben wird, teils durch Hydathoden oder Wunden in flüssiger Form

der Pflanze entströmt, ist im allgemeinen von der Wurzel aufgenommen

worden. Es hat also einen Weg zurückzulegen, der schon bei einjährigen

Pflanzen nach Metern messen kann, bei den Riesen des Pflanzenreiches

aber etwa 100 m beträgt (Eucalyptus amygdalina 110 m; Sequoia gigantea

95 m Stammhöhe). Durch osmotische Saugung von Zelle zu Zelle würde

diese Wasserbewegung viel zu langsam stattfinden, um die Verluste

decken zu können. Tatsächlich erfolgt denn auch die Strömung des

Wassers zur Deckung der Transpiration, der sog. #Transpirationsstrom#,

im Gefäßteil der Leitbündel bzw. bei Bäumen im Holzkörper. Das kann

man schon aus einem uralten Versuch, dem sog. #Ringelungs#versuch,

entnehmen. Werden an einem Aste eines Baumes eine Strecke weit die

Gewebe bis auf den Holzkörper fortgenommen, so bleiben zunächst, d. h.

solange nicht eine Austrocknung oder Zersetzung des Holzkörpers an

der entrindeten Stelle eingetreten ist, die Blätter dieses Astes

ebenso frisch wie die eines anderen, nicht geringelten Astes; das

beweist, daß der Transpirationsstrom nicht durch die Rinde, sondern

durch den Holzkörper sich bewegt. Entfernt man dagegen aus einem

Zweige sorgfältig eine Strecke weit den Holzkörper und läßt die

Rinde größtenteils im Zusammenhang, so welken die Blätter über der

Operationsstelle so rasch wie an einem völlig abgeschnittenen Zweige.

Man kann diese Versuche ebensogut an intakten Pflanzen ausführen wie

an abgeschnittenen, in Wasser gestellten Zweigen; denn letztere nehmen

wenigstens eine Zeitlang (solange keine sekundären Änderungen an der

Schnittfläche eingetreten sind) das Wasser ebenso lebhaft direkt mit

dem Holzkörper auf wie intakte Pflanzen mit der Wurzel. Wird ein

abgeschnittener Zweig mit seiner Schnittfläche in eine Lösung von

Gelatine gestellt, und läßt man dann die Gelatine, die eine Strecke

weit in die Gefäße eingedrungen ist, erstarren, so hat der Holzkörper

seine Leitfähigkeit für Wasser verloren. Man sieht daraus, daß das

#Lumen# der Gefäße für die Leitung des Wassers unentbehrlich ist.

Aber freilich, in der lebenden Pflanze sind die Gefäße nicht nur mit

Wasser gefüllt, sondern sie führen wenigstens in Zeiten lebhafter

Transpiration immer auch Luft.

Entsprechend ihrer Aufgabe findet man die Gefäßteile in

Wasserpflanzen und Sukkulenten, in denen gar keine oder eine sehr

schwache Transpiration besteht, nur spärlich entwickelt. Dagegen

besitzen die transpirierenden Blattflächen ein außerordentlich

reiches Leitbündelgewebe, das zudem durch vielfache Anastomosen

dafür sorgt, daß jeder beliebige Punkt auch bei Nichtfunktionieren

des nächsten Verbindungsstranges doch genügend Wasser enthält. Die

Fig. 128 gibt von diesem Berieselungssystem eines Blattes noch

keine vollständige Vorstellung, denn die feinen, nur mikroskopisch

nachweisbaren Stränge sind in ihr gar nicht dargestellt. Auch

in den Zuleitungen zu den Blättern, in den Stämmen, findet

man, insbesondere bei den in die Dicke wachsenden Bäumen, ein

außerordentlich leistungsfähiges Wasserleitungssystem. Es ist

freilich nicht mehr das gesamte Holz eines dicken Stammes, welches

der Wasserleitung dient; sie ist vielmehr stets #auf die jüngsten

Jahresringe beschränkt#. Wo Kernholz (S. 135) gebildet wird, ist

dieses von der Leitung völlig ausgeschlossen.

#Über die bewegenden Kräfte des Transpirationsstromes# ist man noch

nicht im klaren. Man wird in erster Linie an eine Druckwirkung von

unten oder eine Saugwirkung von oben her denken und für erstere

den Blutungsdruck, für letztere den Vorgang der Transpiration

verantwortlich machen. Allein der Blutungsdruck kommt aus mehreren

Gründen nicht in Betracht, und ob die Saugkraft der Transpiration

ausreicht, um Wasser bis zum Gipfel hoher Bäume dauernd in

ausreichender Menge zu heben, erscheint zweifelhaft. Eine allseitig

anerkannte Lösung des vielumstrittenen Problems existiert demnach heute

nicht.

Bezüglich des #Blutungsdruckes der Wurzel# (Wurzeldruck) ist

folgendes zu bedenken: Bei vielen Pflanzen erreicht der Wurzeldruck

nur sehr geringe Höhe oder fehlt ganz. Aber auch bei Pflanzen

mit kräftigem Wurzeldruck ist die von der Wurzel gelieferte

Wassermenge erheblich geringer als die bei der Transpiration

verbrauchte. Bei einigermaßen starker Transpiration kommt der

Wurzeldruck daher in der geschilderten Weise überhaupt nicht

zur Geltung. Wird eine #kräftig verdunstende# Pflanze am

Wurzelstumpf abgeschnitten, so tritt aus diesem #zunächst# gar

kein Wasser hervor, #im Gegenteil, der Stumpf saugt dargebotenes

Wasser begierig in sich auf# (es herrscht also ein Druck unter

Atmosphären-Größe). Erst nach seiner vollen Sättigung beginnt

eine Auspressung. Im Freien kommt der Wurzeldruck nur dann zur

Geltung, wenn bei feuchter kühler Luft, wie zumal des Nachts,

die Transpiration sehr vermindert ist. Am günstigsten liegen

die Umstände dazu im Frühjahr, wenn bei höchstem Wassergehalt

des Holzes das transpirierende Laub noch nicht entfaltet ist.

Bei Verletzungen des Holzkörpers quillt dann der „Saft“ aus

Tracheen und Tracheïden in Tropfen hervor. Ein Blutungsdruck über

Atmosphärengröße bei belaubten Bäumen dürfte nur im tropischen

Urwald vorkommen.

Daß die Transpiration eine #Saugung# von Zelle zu Zelle bewirkt,

ist schon hervorgehoben (S. 196), und es ist ohne weiteres

verständlich, daß diese sich dann von den Parenchymzellen in die

angrenzenden Gefäße fortsetzt. Auch ist diese Saugkraft leicht zu

demonstrieren.

Ein abgeschnittener, in Wasser gestellter Sproß zeigt durch

sein Frischbleiben an, daß er das Wasser bis in seine obersten

Zweigspitzen zu heben vermag. Er leistet aber noch mehr: luftdicht

mit einem langen wassergefüllten Rohre verbunden, vermag er

leicht eine Wassersäule von 2 Metern und mehr emporzusaugen; wird

das untere Ende des Rohres in Quecksilber gebracht, dann wird

selbst dieses bis zu ansehnlicher Höhe gehoben. Kräftige, sonst

unverletzte Koniferenzweige sind imstande, das Quecksilber unter

Umständen bis #weit über# Barometerhöhe zu heben, ohne zu welken.

Bedingung für eine solche Saugung ist einerseits ein luftdichter

Abschluß der Wasserbahnen, andererseits eine nicht unbeträchtliche

Kohäsion der Flüssigkeiten, die gehoben werden. Tatsächlich

erreicht denn auch die Kohäsion des Wassers ganz gewaltige Werte;

nach den Messungen von URSPRUNG und RENNER etwa 300 Atmosphären. So

konnte man zu der Vorstellung kommen, daß der Zug der Transpiration

durch die Kohäsion des Wassers bis in die Wurzelspitzen sich

fortpflanze. Die Versuche RENNERs, die den Nachweis beträchtlicher

negativer Drucke in den Leitbahnen transpirierender Pflanzen

erbracht zu haben schienen, sind von anderer Seite stark

angezweifelt worden[153]. Somit ist die #Kohäsionstheorie#[154]

noch nicht bewiesen. Wenn wirklich die Saugung durch Kohäsion

des Wassers nach unten weitergegeben werden soll, dann müßten

die Gefäße kontinuierlich mit Wasser erfüllt sein, während man

tatsächlich #Luft#- und #Wasser#säulchen in ihnen gefunden hat. Mit

Eintreten eines Zuges müssen sich die Luftbläschen expandieren,

und in der Tat findet man in lebhaft transpirierenden Zweigen

stark verdünnte Luft in den Gefäßen. Werden solche Gefäße unter

Quecksilber durchschnitten, so stürzt dieses unter dem äußeren

Luftdruck auf weite Strecken in sie hinein. Jedenfalls erfolgt

das Reißen der Wasserfäden in Gefäßen durchaus nicht immer, weil

die #Kohäsion# überwunden, sondern auch, weil die Adhäsion an

die Wand dem Zug nicht mehr gewachsen ist, oder weil Luft durch

die Wand tritt. Dadurch wird es verständlich, daß das Reißen in

verschiedenen Elementen bei ganz verschiedener Spannung erfolgt,

während die Kohäsion ja stets gleich groß sein muß. Es ist auch

schon der Gedanke ausgesprochen worden, daß zweierlei Typen

unter den Gefäßen existieren: 1. leitende (Tracheïden) mit hoher

Inhaltsfestigkeit und 2. speichernde (Tracheen), die, weil in ihnen

das Wasser leicht reißt, dieses auch leicht abgeben können[155].

-- Die Vertreter der Kohäsionstheorie nehmen an, daß neben

solchen lufthaltigen Bahnen immer auch völlig mit Wasser erfüllte

existieren, und daß nur diesen eine Leitfähigkeit zukomme, während

die anderen als Wasser#magazine# von Bedeutung sein sollen. --

Es ist aber keineswegs ausgeschlossen, daß auch den #lebenden#

Elementen, die in keinem Holzteil fehlen, eine Rolle bei der Hebung

des Wassers zukommt.

b) Die Nährsalze.

Die Nährsalze, die von einer Pflanze aufgenommen werden, finden sich

fast alle in der Asche wieder; nur die Stickstoffverbindungen fehlen.

Demnach kann uns die nachstehende Tabelle über den Gehalt einiger

Kulturpflanzen an #Aschenbestandteilen# schon einen gewissen Einblick

in die Menge und die Verteilung der Nährsalze geben.

Pflanzen | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9

teile | | | | | | | | |

-----------+-----+-----+-----+-----+-----+-----+-----+-----+-----

Asche in | | | | | | | | |

100 | | | | | | | | |

Tln. der | 2,09| 4,46| 2,73| 5,13| 3,79| 5,19|17,16| 1,14| 0,21

Trocken- | | | | | | | | |

substanz | | | | | | | | |

-----------+-----+-----+-----+-----+-----+-----+-----+-----+-----

In 100 | | | | | | | | |

Teilen der | | | | | | | | |

Asche sind | | | | | | | | |

enthalten: | | | | | | | | |

| | | | | | | | |

K_{2}O |32,10|22,56|43,10|22,90|60,06|56,20|29.09|36,96|19,66

| | | | | | | | |

Na_{2}O | 1,47| 1,74| 0,98| 4,07| 2,96| 1,42| 3,21|13,16| 1,37

| | | | | | | | |

CaO | 2,94| 8,20| 4,81|36,82| 2,64|10,77|36,02|17,52|33,97

| | | | | | | | |

MgO |11,22| 3,10| 7,99| 8,04| 4,93| 4,21| 7,36| 5,36|11,27

| | | | | | | | |

Fe_{2}O_{3}| 1,24| 1,91| 0,83| 1,72| 1,10| 0,37| 1,95| 0,60| 1,42

| | | | | | | | |

Mn_{3}O_{4}| -- | -- | -- | -- | -- | -- | -- | -- |22,96

| | | | | | | | |

P_{2}O_{5} |47,74| 6,53|35,90| 8,05|16,86|15,58|14,66|10,68| 2,12

| | | | | | | | |

SO_{3} | 1,28| 4,25| 3,42| 6,26| 6,52| 5,62| 6,07| 5,94| 2,64

| | | | | | | | |

SiO_{2} | 1,37|49,27| 0,91| 6,83| 2,04| 2,75| 5,77| 2,40| 2,73

| | | | | | | | |

Cl | 0,48| 2,18| 1,59| 5,64| 3,46| 1,52| 6,71| 7,60| 0,07

1: Roggen (Körner)

2: „ (Stroh)

3: Erbsen (Samen)

4: „ (Stroh)

5: Kartoffel (Knolle)

6: Weintraube (Beere)

7: Tabak (Blätter)

8: Baumwolle (Faser)

9: Fichte (Holz)

Zu diesen Zahlen ist zu bemerken, daß sie keine konstanten

Verhältnisse ausdrücken, daß vielmehr die Zusammensetzung der Asche

je nach dem Kulturboden wechseln kann. Auch ist es vielleicht nicht

ganz überflüssig, darauf aufmerksam zu machen, daß diese Oxyde

der Mehrzahl nach erst bei der Veraschung gebildet werden. In der

lebenden Zelle waren #Salze# gegeben und vor allem vielfach die

Metalle an #organische# Säuren gebunden.

Man sieht aus dieser Tabelle zunächst einmal, wie allgemein verbreitet

die Aschensubstanzen sind, erkennt aber andererseits auch sofort, daß

sie in verschiedenen Pflanzen, ja sogar in verschiedenen Teilen einer

Pflanze, in recht ungleicher Menge vorkommen. So findet sich z. B.

in den Samen viel Phosphorsäure, dagegen wenig Kieselsäure und Kalk;

das #Stroh# aber verhält sich gerade umgekehrt. Die Kartoffel enthält

viel K_{2}O und wenig CaO, während Fichtenholz reichlich CaO und wenig

K_{2}O besitzt.

Trotz ihrer allgemeinen Verbreitung wird man die Aschensubstanzen

zunächst für Ballast, für eine zufällige Verunreinigung der organischen

Pflanzensubstanz zu halten geneigt sein. Allein jeder Versuch, eine

Pflanze aschenfrei zu erziehen, zeigt die Unentbehrlichkeit dieser

Stoffe.

Daß die mineralischen Inhaltsstoffe der Pflanze #wesentliche#

Bestandteile der Pflanzennahrung ausmachen, sprach zuerst BERTHOLLET

1803 aus; später (1832) betonte es KARL SPRENGEL, dann auch LIEBIG.

Exakt bewiesen wurde diese wichtige Tatsache aber erst 1842 durch

WIEGMANN und POLSTORFF.

[Illustration: Fig. 243. Buchweizen in Wasserkultur. _I_ In Nährlösung

mit Kali. _II_ In Nährlösung ohne Kali. Beide gleich stark verkleinert.

Nach NOBBE.]

Zwei Wege bieten sich, um diesen Nachweis zu führen und zugleich zu

zeigen, ob alle oder nur gewisse Aschensubstanzen notwendig sind.

Einmal kann man die Pflanze in künstlichem Boden kultivieren, der

aus unlöslichen Substanzen (wie Platin, reiner Kohle, reinem Quarz)

besteht und dem dann die in Frage stehenden Stoffe beigemengt werden.

Bequemer ist der andere Weg, die sog. Wasserkulturmethode. Es hat sich

gezeigt, daß viele Pflanzen ihr Wurzelsystem statt in Erde auch in

Wasser entwickeln können. Man hat es dann in der Hand, diesem Wasser

der Reihe nach alle Elemente der Asche in verschiedenen Verbindungen

zuzusetzen und so zu erproben, was nötig, was überflüssig ist. Ein

Blick auf Fig. 243 _I_ zeigt, daß in einer solchen „Nährlösung“ von

passender Zusammensetzung die Pflanze (Buchweizen) gut gedeiht; sie

produziert Wurzeln, Sprosse, Blüten und Früchte und vermehrt dabei ihr

Trockengewicht auf das Hundert- oder Tausendfache, gerade wie wenn sie

in gutem Boden stände. In destilliertem Wasser dagegen wächst sie zwar

anfangs ganz normal, stellt aber bald ihr Wachstum gänzlich ein und

bleibt ein außerordentlich kümmerliches Gewächs.

Nährlösungen werden in recht verschiedener Zusammensetzung

verwendet[156]. Besonders häufig wird die KNOPsche Lösung benutzt

(Wasser 1000, Kalziumnitrat 1, Magnesiumsulfat 0,25, saures

phosphors. Kalium 0,25, Kaliumnitrat 0,25, Eisenchlorid Spur). Die

V. D. CRONEsche Lösung (Wasser 1000, Kaliumnitrat 1, Kalziumsulfat

0,5, Magnesiumsulfat 0,5, tert. Kalziumphosphat 0,25, Ferrophosphat

0,25), die statt des Ferrisalzes ein Ferrosalz enthält und die

Phosphorsäure als fast ganz unlösliches Kalziumphosphat führt, wird

manchmal mit Vorteil verwendet. Neuerdings sind von amerikanischen

Forschern zahlreiche Salzkombinationen geprüft worden.

Der Erfolg einer solchen Wasserkultur lehrt, daß die typischen

Landpflanzen mit einigen #Verbindungen# auskommen, die sich aus

den Elementen K, Ca, Mg, Fe und H, O, S, P, N zusammensetzen --

vorausgesetzt, daß ihnen außerdem noch der Sauerstoff und die

Kohlensäure der Luft zur Verfügung stehen. Es sind also im ganzen 10

Elemente, aus denen sich die unentbehrlichen Nährstoffe aufbauen. Von

ihnen interessieren uns an dieser Stelle nur die nach Ausschluß von

H, O, C übrigbleibenden #sieben#, die als #Nährsalze# aus dem Boden

bzw. dem Wasser aufgenommen werden müssen. #Sechs# davon finden sich

in der Asche der Pflanze vor, #eines#, der Stickstoff, geht bei der

Verbrennung in flüchtige Substanzen über. Daß diese sieben Elemente

völlig unentbehrlich sind, ergibt sich daraus, daß das Fehlen jedes

einzelnen auch durch den größten Überschuß der anderen oder eines ihm

nahestehenden Elementes nicht kompensiert werden kann.

So kann z. B. Kalium im allgemeinen nicht durch Natrium, Lithium,

Rubidium ersetzt werden. Niedere Organismen (Algen, Bakterien,

Pilze) machen geringere Ansprüche als die höheren; sie können

das Ca entbehren. Der Mangel eines notwendigen Elementes macht

sich entweder nur in einer äußerst kümmerlichen Entwicklung der

Pflanze bemerkbar (Fig. 243 _II_, Kalimangel) oder er ruft höchst

charakteristische Veränderungen an ihr hervor. Am bekanntesten

in dieser Beziehung ist die Wirkung des Eisenmangels. Ohne Eisen

ergrünen die Pflanzen nicht (#Chlorose#). Bei Kalkmangel machen

sich schwere Schädigungen (Vergiftungen) bemerkbar.

Die genannten #Elemente# werden häufig auch schlechthin als

„Nährstoffe“ der Pflanze bezeichnet. Der Ausdruck ist indes nicht ganz

korrekt, weil die Pflanze mit wenigen Ausnahmen die #Elemente selbst#

gar nicht auszunützen vermag. H und O können das #Wasser# durchaus

nicht ersetzen, und metallisches Kalium ist ebenso unverwendbar wie

Schwefel. Die Pflanze bedarf ganz #bestimmter Salze# oder -- da diese

im Wasser zum Teil ionisiert werden -- bestimmter Ionen. Von Kationen

sind nötig: K^+, Ca^{++}, Mg^{++}, Fe^{++} (oder Fe^{+++}), von Anionen

SO_{4}^{--}, H_{2}PO_{4}^- und NO_{3}^-. Während nun der Phosphor und

der Schwefel in keiner anderen Verbindung Verwertung finden kann, ist

das beim Stickstoff anders; er kann auch als Kation NH_{4}^+ in vielen

Fällen wohl ebenso gute Dienste leisten wie als NO_{3}^-.

So wie C, N, H und O beteiligen sich auch manche Nährsalzelemente

am chemischen Aufbau wichtiger Pflanzenstoffe: so S und P, die

im Eiweiß und in Eiweißderivaten vorkommen, so das Mg, das im

Chlorophyllfarbstoff auftritt. Möglich ist es, daß auch die

anderen Metalle in Verbindungen notwendiger Stoffe eingehen,

sicher aber spielen sie auch noch eine ganz andere, nämlich eine

physikalisch-chemische Rolle. Die Salze greifen in alle physiologischen

Prozesse regulierend ein und erhalten das kolloidale Protoplasma in

normalem Zustand.

Neben dem positiven Ergebnis der Notwendigkeit gewisser Salze hat die

Wasserkultur auch gezeigt, daß viele #normalerweise# von der Pflanze

#aufgenommene# Stoffe #entbehrlich sind#, so vor allem Natrium, Chlor

und Silizium.

Lehrbuch der Botanik für Hochschulen · 第 28 / 90 段