Jede Beschäftigung mit dem #Stoffwechsel# setzt die Kenntnis der

chemischen Zusammensetzung der Pflanze voraus. Diese studiert man mit

den Methoden der Chemie.

+Wasser und Trockensubstanz.+ Ein gewisser Einblick in die

Zusammensetzung der Pflanze wird freilich schon ohne besondere

Hilfsmittel gewonnen. Daß die Pflanze aus Wasser und Trockensubstanz

besteht, weiß jeder, der Pflanzen getrocknet, für das Herbarium

hergerichtet hat. Er weiß auch, wie durch diesen Wasserverlust

fundamentale physikalische Eigenschaften der Pflanze, wie Festigkeit

und Elastizität, beeinflußt werden. Mehrjährige Zweige von

Schlingpflanzen z. B. (Cobaea, Passiflora), die in frischem Zustande

außerordentlich biegsam und elastisch sind, werden nach dem Trocknen an

der Luft starr und spröde; sie brechen wie Glas, wenn man sie zu biegen

versucht. Nimmt man die Wage zu Hilfe, so stellt man leicht fest, wie

groß der Anteil des Wassers an der Gesamtmasse der Pflanzensubstanz

ist. Dabei genügt es freilich nicht, die Pflanzen der Luft zu

exponieren: vielmehr muß ihnen im Exsikkator oder in einer Temperatur

von etwas über 100° auch der nicht unbeträchtliche Rest von Wasser

entzogen werden, den sie im sog. „lufttrockenen“ Zustand noch führen.

Dann zeigt sich, daß der Wassergehalt sehr groß ist; er beträgt bei

holzigen Teilen etwa 50%, bei saftigen Kräutern 70-80%, bei Sukkulenten

und Früchten 85-95% und endlich bei Wasserpflanzen, namentlich Algen,

95-98% des Frischgewichts. Daß Körper mit so hohem Wassergehalt noch

„fest“ sein können, erscheint wunderbar, findet aber seine Erklärung

durch nähere Studien über die #Verteilung des Wassers# (S. 188).

+Asche.+ So wie uns die Austrocknung zur Unterscheidung von Wasser

und Trockensubstanz führt, so können wir mit Hilfe der Verbrennung

zwischen verbrennbarer oder #organischer Substanz# und unverbrennbarer

oder #Aschensubstanz# unterscheiden. Der Aschengehalt der Pflanzen

fällt beim Verbrennen von Holz, beim Rauchen einer Zigarre ohne

weiteres auf; daß auch winzige Zellhautfragmente oder Stärkekörner

Asche hinterlassen, weist das Mikroskop nach. Über die quantitativen

Verhältnisse gibt die Analyse Aufschluß, die vor allen Dingen zeigt,

daß die verschiedenen Organe einer Pflanze nicht den gleichen

Aschengehalt aufweisen; die Blätter z. B. pflegen mehr zu enthalten als

die Stengel. So hat man gefunden, daß in den Blättern von Brassica rapa

rund 20%, in den Stengeln 10% der Trockensubstanz aus Asche besteht

(vgl. S. 204).

Aber auch je nach dem Standort und anderen äußeren Einflüssen kann die

Aschenmenge variieren. Andererseits können wieder verschiedene Spezies,

selbst wenn sie den gleichen äußeren Bedingungen ausgesetzt sind, doch

ganz verschiedene Mengen von Asche führen.

Wenn auch die Mehrzahl der überhaupt auf der Erde vorkommenden

#Grundstoffe# in der Asche von Pflanzen gefunden worden ist, so treten

doch nur wenige Elemente in so großer Menge in ihr auf, daß man sie

quantitativ zu bestimmen pflegt. Es sind dies von Metalloiden Cl, S, P,

Si und von Metallen Na, K, Mg, Ca, Fe.

+Organische Substanz.+ Die organische Substanz besteht in erster Linie

aus den Elementen H, O, N und C; sie werden bei völliger Verbrennung in

flüchtige Stoffe übergeführt, nämlich in Kohlensäure, Wasser, Ammoniak

oder freien Stickstoff. Auch in der Asche sich findende Elemente

können in der lebenden Pflanze organisch gebunden sein. -- Der Masse

nach nimmt stets der #Kohlenstoff# die erste Stelle in der organischen

Substanz ein, denn die Trockensubstanz besteht etwa zur Hälfte aus

ihm. Auch ohne chemische Untersuchung erkennt man den reichen Gehalt

der Pflanze an diesem Element durch das „Verkohlen“ jedes beliebigen

Teiles, wenn er erhitzt wird. Die Betrachtung eines Stückes Holzkohle,

in dem sich die feinste Holzstruktur erhalten hat, läßt weiterhin

darauf schließen, wie gleichmäßig die Verteilung des Kohlenstoffes in

der Substanz und wie vorherrschend seine Masse in dieser ist.

+Herkunft der Stoffe.+ In größerer Menge finden sich somit nur folgende

13 Elemente in der Pflanze:

H, Cl, O, S, N, P, C, Si und Na, K, Mg, Ca, Fe.

Während des Wachstums nimmt ihre Menge dauernd zu; sie werden demnach

fortwährend von außen aus dem Boden, dem Wasser, der Luft oder aus

anderen Organismen aufgenommen.

In der Regel werden nur Gase und Flüssigkeiten in die Pflanze

eindringen. Die starre Zellwand gestattet festen Körpern den Zutritt

ins Innere erst, nachdem sie gelöst sind. Wo die Zellwand aber fehlt,

wie bei Flagellaten und Schleimpilzen, da kann das nackte Protoplasma

auch feste Körper umfließen und so ins Innere aufnehmen.

Die Tiere stimmen in ihrer chemischen Zusammensetzung im wesentlichen

mit der Pflanze überein. Die Stoffaufnahme erfolgt aber bei ihnen

zunächst in das Darmsystem. Der Unterschied gegenüber den Pflanzen

ist indes nicht so groß, als er auf den ersten Blick zu sein scheint;

denn im allgemeinen treten die Stoffe auch erst, nachdem sie flüssig

geworden sind, in die Zellen ein.

II. Die Nährstoffe, ihre Aufnahme und ihre Bewegung in der Pflanze.

Die aufgenommenen Stoffe können notwendige, überflüssige oder

schädliche sein. Das läßt sich in jedem einzelnen Fall nur durch das

Experiment feststellen, denn es wäre ein großer Irrtum, zu glauben,

daß alle konstant vorkommenden Stoffe auch notwendig sind. Es hat sich

vielmehr gezeigt, daß #im allgemeinen# nur 10 von den eben genannten

13 Elementen wirklich #unentbehrlich# sind. Die notwendigen Stoffe

kann man als #Nährstoffe# bezeichnen. Sie treten fast alle #nicht#

als #Elemente#, sondern als #Verbindungen# in die Pflanze ein. Nur

#eines# von ihnen, der Sauerstoff, findet sowohl in Verbindungen als

auch in freiem Zustand Verwendung in der Pflanze. Wir unterscheiden

a) #Wasser#, b) in Wasser gelöste #Salze#, c) #Gase# als die drei

Hauptgruppen von Nährstoffen.

Ohne #dauernde# Zufuhr von Nährstoffen kann die Pflanze nicht

existieren. Das ist für die #wachsende# Pflanze selbstverständlich;

denn hier tritt ja eine Körpervergrößerung auf Kosten der von außen

aufgenommenen Stoffe ein. Aber auch die ausgewachsenen Teile bedürfen

ständig neuer Stoffzufuhr, da ihr „Stoffwechsel“ mit ständigen

Stoffverlusten verbunden ist.

+a) Das Wasser.+

Die ganze Fülle von chemischen Prozessen, die den Stoffwechsel der

Pflanze ausmachen, vollzieht sich in #wässeriger Lösung#. Daher

ist das #Wasser ein ganz unentbehrlicher Bestandteil der Pflanze#;

alle lebenstätigen Pflanzenteile sind stark wasserdurchtränkt: die

#Zellwände# sind mit Wasser imbibiert, im Zellumen finden sich die

großen mit wässerigen Lösungen erfüllten #Vakuolen# vor, und der

Träger des Lebens, das Protoplasma, ist stets etwa zu 75% oder mehr aus

Wasser aufgebaut. Nur in diesem Zustand der annähernden Wassersättigung

vermag die Pflanze voll zu vegetieren; jeder stärkere Wasserentzug

vernichtet entweder das Leben völlig oder setzt wenigstens alle

Lebensäußerungen so sehr herab, daß man sie nicht mehr nachweisen kann.

Bei den Vegetationsorganen, insbesondere der höheren Pflanzen,

führt meist schon ein weitgehendes Welken zum Tod; nur selten

können Pflanzen, wie gewisse Sukkulenten, etwa 9/10 ihres

Wassergehaltes einbüßen, ohne geschädigt zu werden. Um so

auffallender ist es, daß manche epiphytische und xerophile Farne,

gewisse Isoëtes-Arten Algiers und Selaginella lepidophylla, die in

den regenarmen Hochebenen Zentralamerikas zu Hause ist, durch einen

bis zur „Lufttrockenheit“ fortschreitenden Wasserverlust nicht

getötet werden, sondern in #latentem Leben# verharren, um sofort

bei Wiederbefeuchtung weiter zu wachsen. Bei niederen Pflanzen, vor

allem bei Flechten und Moosen, ist diese #Austrocknungsfähigkeit#

viel weiter verbreitet und gestattet ihnen die Besiedelung von

Felsen, Baumrinden und ähnlichen Standorten, an denen sie nur

unmittelbar während und nach einem Regen wasserdurchtränkt sind, um

bald darauf wieder, von der Sonne ausgedörrt, zu pulverisierbaren

Massen zu erstarren.

Bei Samen und Sporen ist in der Regel mit der Ablösung von der

Mutterpflanze eine Austrocknung verbunden, die fast überall gut

und lange ertragen wird. Auch hier hört während des wasserarmen

Zustandes jede Lebensäußerung auf.

Manche Samen verlieren ihre Keimkraft im trockenen Zustand erst

nach einem oder einigen Jahren, manche schon nach Tagen, und wieder

andere sollen ein Austrocknen überhaupt nicht vertragen. -- Es muß

aber hervorgehoben werden, daß Pflanzenteile #auch im Zustande

völliger Lufttrockenheit immer noch etwa# 9-14% #Wasser enthalten#.

Selbst über der Schwefelsäure des Exsikkators bewahren Samen noch

wochenlang 6 und mehr Prozent Wasser. Aber auch den weitgehenden

Wasserverlust durch Trocknung bei 110° oder durch Einwirkung von

absolutem Alkohol vertragen manche Samen und Sporen ganz gut.

Aufnahme des Wassers.

+Wasseraufnahme der Zelle.+ Alle Teile der Zelle sind, wie bemerkt,

wasserdurchtränkt. Die #Zellhaut# führt das Wasser zwischen ihren

kleinsten Teilchen in so feiner Verteilung, daß man auch mit Hilfe der

stärksten Vergrößerungen Wasser und feste Substanz nicht unterscheiden

kann. Läßt man das Wasser verdunsten, so treten nicht etwa an

seiner Stelle lufterfüllte Hohlräume auf, sondern es findet eine

#Zusammenziehung# der Zellhaut statt. Umgekehrt ist die Wasseraufnahme

in trockene oder in nicht voll wassergesättigte Zellhäute mit einem

#Aufquellen# verbunden. Unter „#Quellung#“[133] versteht man die

#Volumvergrößerung#, die ein Körper durch Einlagerung von Flüssigkeit

erfährt. Bei gegebener Temperatur ist die aufgenommene Menge

Flüssigkeit eine begrenzte. -- Es gibt Substanzen, die in Alkohol oder

Xylol usw. quellbar sind; die pflanzliche Zellhaut aber quillt in

Wasser. Dabei nehmen die Wände der Holzzellen etwa ⅓ ihres Gewichts,

die Membranen mancher Algen und einzelner Samen- und Fruchtschalen das

Mehrfache ihres Gewichts an Wasser auf. Die Wasseraufnahme erfolgt

mit beträchtlicher Energie und dementsprechend auch gegen bedeutende

Widerstände.

Das lufttrockene Protoplasma mancher Samen und Sporen nimmt gerade wie

die Zellwand Wasser durch Quellung auf. Ähnlich wie Gummi arabicum

verliert es aber dabei den Charakter des festen Körpers und geht in

eine kolloidale #Lösung# über. In der gewöhnlichen, lebenstätigen

Zelle hat dann das Protoplasma in der Regel die Eigenschaften einer

solchen, doch können auch einzelne Partien festere Konsistenz annehmen.

Kolloidale Lösungen haben ja stets die Neigung, aus dem flüssigen

(Sol-) Zustand in den Gelzustand überzugehen.

Der Zellsaft endlich ist immer eine molekulare Lösung von Kristalloiden

in Wasser, denen auch Kolloide beigemengt sein können.

Nur eine Zelle, die nicht vollkommen wassergesättigt ist, kann ihrer

Umgebung Wasser entziehen. Es fragt sich also, wann ist die Zelle

wassergesättigt? Für die Zellwand ist diese Frage rasch beantwortet:

Sättigung ist eingetreten, wenn das Quellungsmaximum erreicht ist. Viel

schwieriger ist es, für das Protoplasma und den Zellsaft die Grenzen

der Wasserkapazität zu bestimmen. -- Halten wir uns zunächst an den

Zellsaft! Wir nehmen der Einfachheit halber zunächst an, er bestehe

lediglich aus #Kristalloiden#, und er sei direkt von einer #Zellhaut#

umschlossen, #ohne durch Protoplasma# von ihr getrennt zu sein. Wir

füllen also einen Schlauch aus Zellulose mit einer Lösung, z. B. von

Kochsalz, und tauchen ihn in Wasser; dann wird ein #Diffusionsprozeß#

beginnen. Wasser bewegt sich ins Innere des Schlauches, Salz dagegen

tritt aus dem Innern aus. Und wenn auch die Zellhaut dem Durchtritt

der Salze einen größeren Widerstand entgegensetzt als dem des Wassers,

so wird der Diffusionsprozeß doch so lange fortgesetzt werden, bis

#innerhalb und außerhalb überall die gleiche Konzentration# herrscht.

Eine Wand, die für Wasser und Salz durchlässig ist, wirkt also auf die

Diffusionsbewegung, die in jeder freien Flüssigkeitsmasse eintritt,

nur insofern ein, als sie die #Geschwindigkeit# dieses Vorganges

verringert. Im #Endzustand# aber herrscht gleiche Konzentration des

Salzes auf beiden Seiten der Membran.

[Illustration: Fig. 234. Osmometer. Schematisch. _T_ Tonzelle, _N_

Niederschlagsmembran, _R_ Manometer, _Q_ Quecksilber, _Z_ Zuckerlösung.

_1_ Osmometer nach Füllung mit der Lösung in Luft. _2_ Dasselbe nach

Eintauchen in Wasser. Ein osmotischer Druck ist aufgetreten, das

Quecksilber dementsprechend im Manometer gestiegen. Nach URSPRUNG.]

Wesentlich anders verläuft der Diffusionsprozeß, wenn die Wand aus

einer Substanz besteht, die für Wasser wohl, für Salz dagegen gar nicht

permeabel ist. Solche Membranen nennt man #semipermeabel#, und man

erhält sie z. B., wenn man eine Kupfervitriollösung mit Ferrocyankalium

oder Leim mit Gerbsäure in Berührung bringt. Da die semipermeablen

Membranen nur eine geringe Festigkeit besitzen, kann man aus ihnen

nicht wie aus Zellulose #Schläuche# herstellen. Man verleiht ihnen

die nötige Festigkeit dadurch, daß man sie auf einer porösen Wand von

gebranntem Ton auflagert; man benutzt also die bekannten, bei gewissen

galvanischen Elementen zur Verwendung kommenden #Tonzellen# und lagert

ihnen auf der Innenseite eine Schicht von Ferrocyankupfer auf. Füllt

man dann die so vorbereitete Tonzelle mit einer Salzlösung, verschließt

sie und taucht sie in Wasser ein, so kann wohl das Wasser nach innen,

aber nicht das Salz nach außen wandern; die Diffusion findet also

#einseitig# statt und als Folge davon tritt ein #Druck# im Zellinnern

auf, den man als #osmotischen# Druck zu bezeichnen pflegt. -- Ähnlich

wie Kochsalz können auch andere Salze, doch auch andere Verbindungen,

sofern sie nur wasserlöslich sind und Ferrocyankupfer schlecht

durchwandern können, einen osmotischen Druck erzeugen.

Zum Nachweis und zur Messung des osmotischen Druckes[134] bedient man

sich seit PFEFFER (1877) der eben geschilderten Tonzelle, die eine

Niederschlagsmembran von Ferrocyankupfer auf der Innenseite erhalten

hat. Sie wird mit Zuckerlösung gefüllt, verschlossen und mit einem

Quecksilbermanometer versehen. Das Quecksilber stellt sich dann in

beiden Schenkeln in gleiche Höhe ein (Fig. 234 _1_). #Wird nun die

Tonzelle in Wasser eingetaucht#, so dringt dieses ins Zellinnere ein,

und es entsteht ein Innendruck („osmotischer Druck“), der sich am

Steigen des Quecksilbers im rechten Schenkel bemerkbar macht (Fig.

234 _2_). Das Steigen erfolgt anfangs rasch, später langsam, und

schließlich -- nach vielen Stunden -- ist der #Maximaldruck# erreicht.

Er tritt dann auf, wenn durch den Druck der Quecksilbersäule dem

weiteren Eindringen von Wasser ein Ziel gesetzt wird. Die Höhe des

Quecksilberstandes gibt also direkt das Maß für den osmotischen Druck,

den man in Atmosphären anzugeben pflegt.

Messungen mit solchen „Osmometern“ haben ergeben, daß der

osmotische Druck innerhalb gewisser Grenzen der Konzentration

der angewandten Lösung proportional ist; für eine 1%ige

Rohrzuckerlösung fand PFEFFER ⅔ Atm. Vergleicht man mit Rohrzucker

andere nicht dissoziierte organische Substanzen, so zeigt sich, daß

allgemein die osmotische Wirkung der Zahl der gelösten Moleküle

proportional geht; #äquimolekulare Lösungen sind isosmotisch#.

Es ist deshalb zweckmäßig, statt der prozentischen Lösungen

molekular-normale #Lösungen# zu verwenden, im allgemeinen

#volum#normale. Bei dissoziierenden Verbindungen, z. B. den

Salzen, wirken auch die einzelnen Ionen neben den undissoziierten

Molekülen. Eine Lösung von 0,1 Mol. KNO_{3} hat deshalb eine viel

größere osmotische Wirkung als 0,1 Mol. Rohrzucker.

Vergleichen wir diese Tonzelle mit einer Pflanzenzelle, so entspricht

die Zellhaut der Wand der Tonzelle, das Protoplasma dagegen dem

Ferrocyankupfer; denn das Protoplasma ist, wenigstens solange es

lebendig ist, annähernd semipermeabel, die Zellwand dagegen permeabel.

[Es wird freilich S. 207 gezeigt werden, daß die Impermeabilität des

Protoplasmas für viele gelöste Körper #nicht# besteht, und es mag

hier betont sein, daß es auch #semipermeable Zellhäute# gibt[135].]

Es wird also auch in die pflanzlichen Zellen Wasser einströmen, ohne

daß Salz austritt, und somit wird ein osmotischer Druck entstehen.

Das Protoplasma dehnt sich unter diesem Innendruck ohne wesentlichen

Widerstand aus; die Zellhaut dehnt sich zwar ebenfalls aus, aber

sie übt auch vermöge ihrer Elastizität einen erheblichen Gegendruck

aus. Dieser nimmt mit dem Anwachsen des Innendruckes zu und führt

schließlich dahin, daß weiteres Wasser nicht mehr aufgenommen werden

kann.

Auf den Wassergehalt des Protoplasmas wollen wir nicht näher

eingehen; es sei nur bemerkt, daß auch er #begrenzt# sein muß, weil

das Protoplasma sich einerseits unter dem Druck des Zellsaftes,

andererseits unter dem der Zellhaut befindet.

Die Dehnung der Zellwand unter dem Einfluß des Innendruckes ist oft

eine recht beträchtliche; sie hängt einerseits von der Größe des

Druckes, andererseits von den elastischen Eigenschaften der Zellhaut

selbst ab. Sehr häufig können Zellwände durch den Innendruck um 10-20%,

manchmal sogar um 50% gedehnt werden. Sticht man die Zelle an oder

tötet man ihr Protoplasma, so hört der Druck auf, und die Membran zieht

sich elastisch auf ihre ursprüngliche Länge zusammen; während der

Dehnung war sie also #gespannt#, jetzt ist sie entspannt (Fig. 235).

Diese Spannung aber hat für die Pflanzenzelle eine große Bedeutung;

durch sie wird die Zellhaut fester, gerade wie auch ein dünner

Kautschukballon durch Einpressung von Luft gegen Gestaltsänderung

widerstandsfähiger wird. Eine Zelle, deren Haut durch den Innendruck

gespannt ist, heißt #turgeszent#. Dementsprechend nennt man auch den

Innendruck „#Turgordruck#“[136].

Der Turgordruck kann bei embryonalen Zellen des Vegetationspunktes, die

noch keine Vakuolen führen, lediglich auf der Quellung des Protoplasmas

beruhen. Bei der typischen ausgewachsenen Zelle aber pflegt man von dem

dünnen Protoplasma ganz abzusehen und zu sagen, daß der #osmotische

Druck# der Vakuolenflüssigkeit direkt auf die Zellmembran einwirkt und

diese spannt.

Diese Festigung der Pflanze durch die elastische Dehnung der Zellhaut

ist sehr wichtig, sie ist die einfachste und vielfach alleinige Art

der Zellenfestigung. Sie ist aber natürlich von der Gegenwart einer

genügenden Wassermenge abhängig; nimmt man eine pralle Zelle aus dem

Wasser und läßt sie an der Luft Wasser abgeben, so verschwindet immer

mehr die Spannung ihrer Wand und damit die Festigkeit; die Zelle wird

schließlich #welk#, d. h. #schlaff#. Durch erneute Wasserzufuhr kann

der frühere turgeszente Zustand wieder hergestellt werden. #Solange

eine Zelle das Maximum ihres Wassergehaltes nicht besitzt, wirkt sie

wie eine Saugpumpe, sie hat also ein# „#Saugvermögen#“. Um dieses

#Saugvermögen#[137] oder diese #Saugkraft# voll zu verstehen, kehren

wir nochmals zu der PFEFFERschen Zelle (Fig. 234) zurück. Diese

entwickelt nach der Füllung mit der Rohrzuckerlösung in dem Moment,

wo wir sie in Wasser tauchen, ein großes Saugvermögen; ihre Saugkraft

nimmt aber offensichtlich in dem Maße ab, als mit dem Eindringen

von Wasser sich der Innendruck steigert; schließlich wenn der volle

Innendruck eingetreten ist, der maximale „osmotische Druck“ sich

ausgebildet hat, ist die Saugkraft = Null geworden. Um die Größe

der Saugkraft beim #Beginne des Versuches zu messen#, wird man nach

Eintauchen des Osmometers (Fig. 234 _1_) in Wasser den Quecksilberdruck

soweit erhöhen müssen, daß überhaupt kein Wasser einströmen kann. Die

Höhe dieser Quecksilbersäule ist dann das Maß für die Saugkraft, und

ein Versuch zeigt, daß diese so groß ist wie der osmotische Druck,

den die Lösung entwickeln kann. Und von dieser Höhe sinkt dann, wenn

Wasseraufnahme ermöglicht wird, die Saugkraft bis auf den Wert Null.

In den zwischen den Extremen gelegenen Stadien findet man ihren Wert

so, daß man von der ursprünglichen #Saugkraft# des Inhaltes den

jeweiligen #Manometerdruck# abzieht. In ganz entsprechender Weise wird

die Saugkraft der pflanzlichen #Zelle# gefunden, indem man von der

#Saugkraft des Zellsaftes den Druck der Zellhaut# abzieht.

[Illustration: Fig. 235. Einzelliges Stammglied einer Nitella

(Characee) etwa 6mal vergrößert. _F_ Frisch und durch Turgordruck

gespannt. _P_ Dasselbe nach zerstörtem Turgordruck, schlaff, kürzer und

schmäler; _ss_ Seitenglieder. Nach NOLL.]

Da man an der Pflanzenzelle kein Manometer anbringen kann, ist auch

eine direkte Messung des osmotischen Druckes in ihr unmöglich. Doch

kann man auf Umwegen, nämlich durch Studium der #plasmolytischen#

Erscheinungen zu diesem Ziele gelangen. Bringt man eine turgeszente

Zelle in eine Salzlösung, die osmotisch wirksamer ist als der Zellsaft,

so tritt zunächst eine Verkürzung der Zelle ein, die bis zur völligen

Entspannung der Membran geht, sodann aber erfolgt eine Abhebung des

Protoplasmas von der Zellwand, weil ja die Zellwand sich nicht weiter

verkürzen kann, während das Protoplasma dauernd der sich weiter

verkleinernden Vakuole folgt. Diese Abhebung („#Plasmolyse#“) beginnt

an den Ecken und führt schließlich zu einer Abrundung des Plasmas im

Innern der Zellhaut (Fig. 236). Es ist im Grunde gleichgültig, welche

Stoffe man zur Plasmolyse verwendet; sie dürfen nur das Plasma nicht

schädigen, und das Plasma muß für sie impermeabel sein. Am besten

eignet sich Rohrzucker, während der früher viel benutzte Kalisalpeter

doch sehr stark eindringt.

Hat man durch systematisches Ausprobieren diejenige Konzentration

des Plasmolytikums gefunden, die gerade die erste Abhebung des

Protoplasmas an den Ecken der Zelle bewirkt, so kann man sagen, daß

diese „#plasmolytische Grenzkonzentration#“ denselben osmotischen

Wert besitzt wie der Zellsaft dieser entspannten Zelle. Wenn z. B.

festgestellt ist, daß die Grenzkonzentration 0,2 Mol. Rohrzucker ist,

so ist der Zellsaft isosmotisch mit 0,2 Mol. Rohrzucker, man sagt

auch, der #Zuckerwert des Zellsaftes# beträgt 0,2 Mol. Da man nun in

physikalischen Versuchen (z. B. mit Osmometern, doch auch mit anderen

Methoden) den osmotischen Druck verschiedener Konzentrationen von

Rohrzucker bestimmt hat[138], so weiß man, wie groß der osmotische

Druck in einer solchen Zelle beim Eintauchen in Wasser #werden kann#.

Wenn die Zellwand stark verdickt ist und dementsprechend so gut

wie gar nicht dehnbar ist, dann kann auch der Zellsaft nicht durch

eindringendes Wasser verdünnt werden, und eine solche Zelle kann den

physikalisch ermittelten Wert als maximalen osmotischen Druck bekommen.

Bei dehnbarer Membran aber tritt mit dem Wachsen des Zellvolumens bei

der Wasseraufnahme stets eine #Verdünnung# des Zellsaftes ein. Nehmen

wir an, die plasmolysierte Zelle dehne ihr Volumen bei Wasseraufnahme

bis zur Sättigung auf das #Doppelte# aus, so wird also die

Konzentration ihres Zellsaftes und damit ihr osmotischer Druck auf die

#Hälfte# des Wertes sinken, den er bei fehlender Volumzunahme erreichen

könnte. Nur bei sorgfältiger Berücksichtigung der Volumänderungen

kann man also aus dem „Zuckerwert“ Schlüsse auf den tatsächlichen

osmotischen Druck in einer Zelle machen. In den meisten Fällen ist der

osmotische Wert nicht mit Zucker, sondern mit KNO_{3} bestimmt worden.

In gewöhnlichen Zellen ist der Salpeterwert 0,15-0,30 Mol.; er kann

aber auch auf 3 und mehr Mol. ansteigen. Im übrigen pflegt er selbst

bei Nachbarzellen eines Gewebes um 0,1-0,2 Mol. zu differieren und je

nach Außenbedingungen zum Teil periodisch zu schwanken[139].

Lehrbuch der Botanik für Hochschulen · 第 26 / 90 段