Formen aus: 1. Einzelne Zellen, die oft durch Sprossung entstehen,
werden als Keimzellen aus dem Zellverband des Körpers losgelöst oder
abgeschnürt: #Exosporen# oder #Konidien#, so bei vielen Pilzen (Fig.
222). 2. Die Keimzellen entstehen als #Endo#- oder #Sporangiensporen#
in besonderen Behältnissen (#Sporangien#), aus deren Wandungen sie
durch ein Loch oder einen Riß ausschlüpfen oder ausgestoßen werden
(Fig. 223, 229 _sp_), so bei anderen Pilzen, vielen Algen, den Moosen,
Farn- und Samenpflanzen. Diese Sporangien sind bei den Thallophyten
Einzelzellen, deren Protoplast sich meist in mehrere oder viele
Endosporen teilt (Fig. 223). Bei den Moosen, Farn- und Samenpflanzen
sind es dagegen verwickelter gebaute, vielzellige Gewebekörper, in
denen eine bis mehrere äußere „sterile“ Zellschichten die Wandung
des Behältnisses bilden und nur das davon umschlossene Gewebe, das
#sporogene# Gewebe, Sporen liefert (Fig. 224 _sg_).
[Illustration: Fig. 222. Konidienbildende Hyphe des Schimmelpilzes
Aspergillus herbariorum. Vergr. 540. Nach KNY.]
[Illustration: Fig. 223. Saprolegnia mixta. Sporangium, die zweiziligen
Zoosporen _s^2_ entlassend. Nach G. KLEBS.]
Die ungeschlechtlichen Sporen sind zum Teil angepaßt an die Verbreitung
im #Wasser#, so viele Sporangiensporen bei Algen und Pilzen. Diese
Sporen entbehren eine Zellmembran völlig, sind also nackt und meist mit
eigenem Bewegungsvermögen im Wasser durch Zilien begabt (Fig. 223, 227
_A_). Solche Sporangiensporen heißen #Schwärmsporen# oder #Zoosporen#,
die Behältnisse, in denen sie entstehen, #Zoosporangien#.
Die Sporen anderer Thallophyten, der Moose, Farn- und Samenpflanzen,
sind dagegen angepaßt an die Verbreitung in der Luft, durch den Wind
oder durch Tiere. Alsdann sind sie von einer dicken Sporenmembran
umgeben und sehr widerstandsfähig gegen Austrocknung.
Bei den #Thallophyten# entstehen die ungeschlechtlichen
Fortpflanzungsorgane an beliebigen oder an bestimmten Stellen des
Thallus.
Bei den #Moosen# sitzt der meist langgestielte, große Sporenbehälter
ebenfalls entweder auf dem Thallus oder bei den beblätterten Formen an
den Enden beblätterter Zweige (Fig. 456).
Bei den #Farnpflanzen# werden die in der Regel ziemlich kleinen und
unansehnlichen Sporangien in sehr großer Zahl meist an Blättern, den
#Sporophyllen#, ausgebildet (Fig. 473). Diese können den Laubblättern
völlig gleichen; häufig aber ist eine Arbeitsteilung eingetreten
zwischen Laubblättern und Sporophyllen. Letztere dienen alsdann
vorwiegend oder nur noch der Erzeugung von Sporangien und haben
dementsprechend einen ganz anderen Bau als die Laubblätter, nämlich
keine flächenförmig entwickelten und grünen Spreiten. Nicht selten
werden die Sporophylle in größerer Zahl an Enden von Zweigen, meist
begrenzten Wachstums, gebildet: so bei den Schachtelhalmen und
Bärlappgewächsen (vgl. Fig. 488, 493). Die Sproßenden, die mit den
Sporophyllen besetzt sind, haben ein ganz anderes Aussehen als die
vegetativen; sie dienen ebenfalls nur noch der Fortpflanzung und
sterben danach ab. Sie gleichen Zäpfchen oder Ähren, werden deshalb
auch #Sporophyllzapfen# oder #Blüten# genannt. #Die einfachste Blüte
ist also das Ende eines Sprosses, das Sporophylle trägt.# Diese
Zäpfchen können wohl an ihrer Basis von einer Hülle aus einigen
schuppenförmigen, aber sterilen Blättern umgeben werden.
Auch bei den #Samenpflanzen# werden die Sporangien in solchen
besonderen Sproßteilen, in #Blüten# gebildet, die mit allen ihren
Gliedern nicht mehr der Ernährung, sondern nur noch der Fortpflanzung
dienen. Diese Blüten sind denen der Farnpflanzen homolog, also wieder
stark metamorphosierte Teile von Laubsprossen, und zwar Enden von Lang-
oder meist #Kurztrieben#, deren Blattanlagen nicht zu Laubblättern
werden, sondern sich zu den dicht zusammengedrängt stehenden
andersartigen Blattgebilden der Blüte, zu #Kelch#-, #Kron#-, #Staub#-
oder #Fruchtblättern# umbilden.
[Illustration: Fig. 224. Schematisches Bild des Sporangiums einer
Farnpflanze mit steriler zelliger Wandung und mit sporogenem Gewebe
_sg_.]
Die Staubblätter oder #Staubfäden# entwickeln in vielzelligen
Sporangien mit mehrschichtiger Wandung, den #Pollensäcken#, in großer
Zahl die #Pollenkörner# (den Blütenstaub): zunächst einzellige Sporen
(Fig. 32). An den Fruchtblättern dagegen, die bei den Gymnospermen
frei, bei den Angiospermen zum geschlossenen #Fruchtknoten# verwachsen
sind, entstehen kurzgestielte, ovale Gewebekörper von verwickeltem Bau,
die #Samenanlagen#, die in ihrem Innern je eine Spore einschließen.
Bei den Gymnospermen[114] haben die zapfenähnlichen Blüten (vgl. Fig.
604-607), die nur aus zahlreichen, meist #schraubig angeordneten,
schuppenförmigen# Staub- oder Fruchtblättern bestehen, noch die
größte Ähnlichkeit mit den Sporophyllähren der Lycopodiaceen. Bei den
Angiospermen[114] erhält aber die Blüte eine meist völlig abweichende
Gestalt (Fig. 225): 1. durch die Beschränkung der #quirlständigen#
Blattgebilde auf eine oft kleine und meist konstante Zahl; 2. durch
die #Blütenblätter#, die in Form von grünen und derben #Kelchblättern#
und oft andersfarbigen und zarten #Kronblättern# zur Ausbildung
gelangt sind, 3. durch die #pfriemförmigen Staubblätter# (Staubgefäße)
und endlich 4. durch die Verwachsung der Fruchtblätter zu Behältern,
den #Fruchtknoten#. Alle diese Teile sind in regelmäßiger Weise in
der Blüte angeordnet. In der typischen Angiospermenblüte wechseln
nämlich fünf gleichgliedrige Wirtel von Blattgebilden alternierend ab
(Fig. 226): der äußerste Wirtel kommt den Kelchblättern zu, die die
jugendlichen Blütenteile in der Blütenknospe umhüllen und schützen,
der zweite wird durch die Kronblätter gebildet, der dritte und vierte
von den Staubblättern, der oberste fünfte von den Fruchtblättern[114],
[115]. Diese Blattgebilde, die der sehr kurzen, vielfach auch
abgeflachten oder ausgehöhlten Blütenachse entspringen, sind oft
untereinander und in manchen Fällen auch mit der Achse verwachsen;
eingehende vergleichende und entwicklungsgeschichtliche Untersuchungen
klären alsdann häufig erst den Sachverhalt auf.
[Illustration: Fig. 225. Blüte von Paeonia peregrina. _k_ Kelch, _e_
Krone, _a_ Staubblätter, _g_ Fruchtblätter. Die vorderen Kelchblätter,
Kronblätter und Staubblätter wurden entfernt, um die beiden, zwei
getrennte Fruchtknoten bildenden Fruchtblätter zu zeigen. ½ nat. Gr.
Nach SCHENCK.]
[Illustration: Fig. 226. Diagramm der Liliaceenblüte, darunter das
Deckblatt; darüber, durch einen schwarzen Punkt angedeutet, die
Mutterachse. Nach STRASBURGER.]
+b) Geschlechtliche Keimzellen (Sexualzellen oder Gameten). 1.
Verschiedene Formen der Sexualzellen und Sexualorgane.+ Auch
die sexuelle Fortpflanzung tritt uns im Pflanzenreiche in sehr
mannigfaltigen Formen entgegen, deren Extreme zwar sehr verschieden,
aber durch zahlreiche Übergänge verbunden sind.
Die Geschlechtszellen oder #Gameten# sind bei der einfachsten Art
der sexuellen Fortpflanzung, wie wir sie bei niederen Algen und
Pilzen finden, #zwei völlig gleich große und gleich gestaltete, meist
nackte Protoplasten#, die wie asexuelle Schwärmsporen aussehen, aber
miteinander kopulieren (#Isogamie# Fig. 227 _B_). Man nennt die
Zellen, in denen sie auch ganz wie Sporangienschwärmsporen in Ein-
oder Mehrzahl aus den Protoplasten entstehen, #Gametangien#, das
Kopulationsprodukt #Zygote# oder #Zygospore# (Fig. 227 _B 4_). Alles
spricht dafür, daß solche Gameten den Schwärmsporen, von denen sie
sich oft nur durch geringere Größe unterscheiden, und desgleichen die
Gametangien den Sporangien homolog, d. h. durch Umbildung aus ihnen
phylogenetisch entstanden sind. Derartige Gameten können mit Zilien
aktiv beweglich sein. Sie suchen sich im Wasser gegenseitig auf, um
paarweise zu kopulieren (Fig. 227 _B_).
Nicht selten sind aber schon bei Algen und Pilzen und ganz allgemein
bei den Moosen, Farn- und Samenpflanzen die Gameten #ungleich groß#
(#Heterogamie#); alsdann bezeichnet man den größeren Gameten, der
gewöhnlich an Reservestoffen sehr reich ist, als #weiblichen# (#Ovium#
♀), den kleineren als #männlichen# (#Spermium# ♂). Der größere Gamet
kann auch ganz unbeweglich sein (#Eizelle#). In diesem Falle sucht das
Spermium das Ovium auf und befruchtet es (#Eibefruchtung#, #Oogamie#).
Liegt Oogamie vor, so werden die männlichen und weiblichen Keimzellen
in verschieden gestalteten Geschlechtsorganen (männlichen und
weiblichen) ausgebildet.
[Illustration: Fig. 227. _A_ Eine ungeschlechtliche Schwärmspore der
Grünalge Ulothrix zonata. _B 1_ ein Gamet, _2_ und _3_ kopulierende
Gameten, _4_ eine durch Kopulation erzeugte Zygote. Vergr. 500. Nach
STRASBURGER.]
[Illustration: Fig. 228. Monoblepharis sphaerica. Ende eines Fadens mit
einem Oogonium _o_ und dem darunter liegenden Antheridium _a_, in _1_
vor der Bildung der Eizelle und der Spermien, in _2_ die letzteren _s_
austretend und an dem Oogonium hinaufkriechend, in _3_ reife Oospore
_osp_, das Antheridium entleert. Vergr. 800. Nach CORNU.]
[Illustration: Fig. 229. Schematische Zeichnungen (nach Algen) für
Sporangium _sp_ mit Sporen; Antheridium _a_ mit Spermien; Oogonium
_o_{′}_ mit mehreren, _o_{″}_ mit einer Eizelle. _ö_ Das Loch in der
Zellwand.]
[Illustration: Fig. 230. _1_ Antheridium mit steriler, zelliger Wandung
und spermatogenem Gewebe; _2_ Archegonium mit entsprechender Wandung
und Eizelle. Beides von einem Lebermoos.]
Die Behälter, in denen die fast stets sehr kleinen und nackten
#Spermien# meist in sehr großer Zahl entstehen, also die männlichen
Geschlechtsorgane, werden #Antheridien# genannt (Fig. 228 _2a_, 229
_a_, 230 _I_). Es sind bei den Thallophyten (Fig. 228 _2a_, 229
_a_) meist Einzelzellen, bei den Moosen und Farnpflanzen dagegen
Gewebekörper mit einer Wandung aus sterilen Zellen, die das Spermien
bildende, #spermatogene#, Gewebe umschließt (Fig. 230 _I_). Dagegen
heißen die Behälter, in denen die #Ovien# in Ein- oder Mehrzahl
gebildet werden, bei den #Thallophyten#, wo sie ebenso wie die
Antheridien meist Einzelzellen sind, #Oogonien# (Fig. 228 _2_ und
229 _o_{′}_), _o_{″}_), bei den #Moosen# und #Farnpflanzen#, wo
sie aus verwickelt gebauten Gewebekörpern bestehen (Fig. 230 _2_),
#Archegonien#. Die Eizelle, die ebenfalls nackt zu sein pflegt,
bleibt gewöhnlich in ihrem Behältnis liegen, in dessen Wand eine
Öffnung ausgebildet wird (Fig. 228 _2_, 229 _o_{′}_ und _o_{″} ö_,
230 _2_). Die Befruchtung der #empfängnisfähig# gewordenen Eizellen
erfolgt in der Weise, daß die Spermien, die durch ein Loch in der
Antheridienwandung in das umgebende Wasser ausschwärmen, also meist
aktiv beweglich sind, von den Eizellen durch ausgeschiedene Stoffe
chemotaktisch (vgl. S. 292) angelockt werden.
Zahlreiche Übergänge zwischen Oogamie und Isogamie bei den Thallophyten
zeigen uns augenscheinlich, daß sich die Oogamie phylogenetisch durch
Weiterbildung aus der Isogamie entwickelt hat. Infolgedessen sind
bei ihnen die Antheridien und Oogonien einander und zugleich den
Gametangien und Sporangien der isogamen Pflanzen homolog (vgl. auch
Fig. 229).
Erst durch Aufnahme eines Spermiums hat die Eizelle die Fähigkeit
erlangt, sich, nachdem sie sich mit einer Membran umgeben hat, sofort
oder nach einer Ruhezeit als #Oospore# (Fig. 227 _3 osp_), weiter
zu entwickeln. Bei den Moosen und Farnpflanzen geht aus der Eizelle
alsbald nach der Befruchtung ein Gewebekörper, der #Embryo#, hervor,
der allmählich zu dem Keimling heranwächst.
Bei den #Samenpflanzen# entfernen sich die Sexualorgane am weitesten
vom einfachsten Typus. Die Gameten sind hier #in den Pollenkörnern
und Samenanlagen der Blüten eingeschlossen#, und zwar enthalten die
Pollenkörner die männlichen Sexualzellen, die Samenanlagen in Mehr-
oder Einzahl die Eizellen. Hiermit hängt es zusammen, daß sich auch
die Befruchtung der Eizellen bei den Samenpflanzen in eigenartiger
Weise vollzieht. Sollen die Eizellen befruchtet werden, so müssen
die Pollenkörner, die ja die männlichen Keime enthalten, bei den
Gymnospermen zunächst auf die Samenanlagen, bei den Angiospermen auf
ein besonders ausgebildetes Organ des Fruchtknotens, die #Narbe#,
übertragen werden (#Bestäubung#). Die meisten und sehr mannigfaltigen
Weiterbildungen, die die einfachsten Blüten bis zu den am höchsten
organisierten der Angiospermen erfahren haben, sind Anpassungen an
die Art der Bestäubung[116]. Diese erfolgt stets durch besondere
#Transportmittel# der Pollenkörner. Wenn, wie sehr häufig, männliche
und weibliche Organe in #einer# Blüte vereinigt sind, d. h. bei
den #Zwitterblüten#, sollte man freilich meinen, daß keinerlei
besondere Einrichtungen nötig wären, um den Pollen auf die Narbe zu
bringen. Genauere Untersuchung hat aber gezeigt, daß auch hier solche
Einrichtungen in Hülle und Fülle bestehen, ja daß sie oft sogar sehr
verwickelt sind. Sie alle zielen nicht einfach darauf hin, den Pollen
der Blüte auf die zugehörige Narbe zu befördern, sondern machen oft
eine derartige #Selbstbestäubung# (Autogamie) ganz unmöglich und
bewirken eine #Fremdbestäubung# (Allogamie), d. h. eine Übertragung
des Pollens auf Narben benachbarter Blüten des gleichen (Geitonogamie)
oder womöglich eines anderen Individuums (Xenogamie). Die #Übertragung
des Blütenstaubes# wird, je nach dem Bau der Blüten, durch #Wind#,
durch #Tiere# oder, in seltenen Fällen, auch durch #Wasser# besorgt;
dementsprechend kann man die Blüten in #anemophile#, #zoidiophile# und
#hydrophile# einteilen (vgl. den speziellen Teil). Die zoidiophilen
Blüten bilden bunte Blütenblätter, Duft oder Honig aus, wodurch die
Bestäubungsvermittler angelockt werden. Die meisten Samenpflanzen haben
sich also bei der Befruchtung von der Gegenwart von Wasser #ganz frei#
gemacht; sie konnten zu ausgeprägten Landpflanzen werden.
Neben Pflanzen mit Allogamie fehlt es aber auch nicht an solchen,
die Einrichtungen zur #Beförderung der Autogamie# haben, mag diese
erst, wenn die Allogamie nicht geglückt ist, oder, wie bei den
kleistogamen Blüten, von vornherein eintreten (vgl. den speziellen
Teil).
Nach der Bestäubung treiben die Pollenkörner je eine schlauchförmige
Ausstülpung, den #Pollenschlauch#, der in die Samenanlage bis zur
Eizelle vordringt, nachdem er bei den Angiospermen zuvor durch den
Griffel in das Fruchtknotengehäuse hinabgewachsen ist (vgl. Fig. 567,
569). Nachdem nun eine offene Verbindung zwischen dem Pollenschlauch
und der Eizelle hergestellt ist, wird die Eizelle meist nur durch
einen #Kern# des Pollenschlauches #ohne# Plasmahülle #befruchtet#. Die
befruchtete Eizelle entwickelt sich in der anschwellenden Samenanlage
zu einem vielzelligen Gewebekörper, dem #Embryo#, der sich schon hier
meist in die #Keimblätter#, das #Keimwürzelchen# (Radicula) und oft in
die #Keimknospe# (Plumula) gliedert: die Samenanlage aber wird durch
Umbildung ihrer Gewebe zum #Samen#, wobei ihre äußeren Zellschichten
die #Samenschale# liefern. #Der Same, der in reifem Zustande abgeworfen
wird und zur Vermehrung dient, ist also eine weiterentwickelte
Samenanlage, die einen Embryo umschließt.# Auch das Fruchtknotengehäuse
entwickelt sich nach der Befruchtung der Eizelle weiter, und zwar
zur #Frucht#. Diese kann sich als Ganzes mit den eingeschlossenen
Samen von der Mutterpflanze ablösen (so bei den Beeren, Nüssen und
Steinfrüchten), oder sie bleibt an der Pflanze sitzen, platzt auf und
entläßt die Samen (so bei den Kapseln).
Wie bei allen Fortpflanzungskörpern wird auch bei den Samen und den
sich loslösenden Früchten für eine #Verbreitung# gesorgt[117]. Dies
geschieht mit den gleichen Mitteln wie die Pollenübertragung: durch
Luft-, durch Wasserströmungen, durch Tiere, sowie endlich auch durch
eine Eigentätigkeit der Pflanze. Der Bau der Samen und Früchte ist an
ihre Verbreitungsmittel angepaßt (vgl. den speziellen Teil).
Früher oder später nach erfolgter #Aussäung# beginnt die
#Samenkeimung#[118]. In der Regel tritt am keimenden Samen zunächst
die Wurzel des Keimlings aus, indem sie die Samenschale durchbricht.
Da diese Schale oft außerordentlich fest gebaut ist, so sind nicht
selten besondere Austrittsstellen für die Keimwurzel ausgebildet
(z. B. bei der Kokosnuß). Der Keimling wächst zunächst allein auf
Kosten von Nährstoffen, die den Samen von der Mutterpflanze in
besonderen Speicherorganen mitgegeben worden sind.
Eine sehr eigenartige ungeschlechtliche Fortpflanzung, die sich
bei manchen Blütenpflanzen findet, täuscht eine geschlechtliche
Fortpflanzung vor. Hier entstehen nämlich innerhalb der
Samenanlage #an Stelle der unterdrückten Eizelle# aus anderen
Zellen #ungeschlechtliche# Embryonen, die also später im Samen
eingeschlossen sind[113] (#Apogamie#). Die Samen enthalten alsdann
kein Geschlechtsprodukt, sondern sind zu Organen der vegetativen
Vermehrung geworden. Diese „Adventivkeimbildung“ ist in der Regel
mit #Polyembryonie#, d. h. Ausbildung vieler Keime in einem Samen
verbunden (Funkia ovata, Citrus aurantium, Caelebogyne ilicifolia
u. v. a.).
+2. Die Vorgänge der Zellverschmelzung bei der Befruchtung und ihre
Folgen.+ Die Befruchtungsvorgänge selbst, in ihrer einfachsten Form,
kann man am besten beobachten bei den Geschlechtszellen niederer
Organismen, wo diese Zellen gleich gestaltet sind, also an Isogameten
(Fig. 227). Bei solchen Formen läßt sich leicht feststellen, daß
nicht bloß die Plasmakörper der beiden Zellen, sondern früher oder
später auch ihre #Kerne# verschmelzen. Dagegen vereinigen sich die
Chromatophoren der beiden Geschlechtszellen #nicht#, wenn in ihnen
solche vorhanden sind, was bei manchen Algen (Florideen, Chara u.
a.) nicht der Fall ist; entweder leben sie nebeneinander in der
befruchteten Zelle fort, oder es geht ein entsprechender Teil zugrunde,
falls die Zahl der Chromatophoren in der Zelle konstant ist. Bei den
Angiospermen dringt aber, nach unseren jetzigen Kenntnissen, #nur# ein
männlicher #Kern# (Spermakern) #ohne# Plasma und #ohne# Chromatophoren
in die Eizelle ein, um hier mit dem Eikern zu verschmelzen. Daraus hat
man geschlossen, #daß das Wesentliche bei der Befruchtung der Übertritt
des männlichen Kernes in die Eizelle ist#.
Wir haben bei der typischen Kernteilung gesehen, daß die Kerne
eines Individuums stets eine konstante, für die Art bezeichnende
Chromosomenzahl behalten. So bringt die männliche Zelle meist
ebensoviele Chromosomen wie die weibliche mit. Diese Chromosomen
verschmelzen bei der Kopulation der Geschlechtszellkerne #nicht#,
so daß der Kopulationskern die doppelte Chromosomenzahl besitzt wie
die Kerne der Geschlechtszellen[119]. Er ist #diploid# gegenüber den
#haploiden# Kernen dieser Zellen.
Auch die Kerne, die durch Teilung aus dem Kopulationskerne hervorgehen,
sind meist diploid. In jedem diploiden Kerne stammen meist ebensoviele
Chromosomen von dem männlichen wie vom weiblichen Kerne. Kommen in
den haploiden Kernen zwischen den einzelnen Chromosomen Größen- und
Formunterschiede vor, die bei jeder Kernteilung wieder sichtbar werden,
so sind die Chromosomen in den diploiden Kernen paarweise gleich groß
und gleich gestaltet. Diese paarweise gleichen Chromosomen, von denen
immer eines von dem Vater, das andere von der Mutter stammt, liegen in
den Kernplatten meist nebeneinander (Fig. 14).
Da die Kerne der Geschlechtszellen aller Individuen einer Rasse stets
haploid, die Kopulationskerne aber und meist auch ihre Teilungsprodukte
diploid sind, so müssen irgendwo im Entwicklungsgange des Individuums
aus den diploiden Kernen wieder haploide werden; sonst müßte ja von
Generation zu Generation die Zahl der Chromosomen sich verdoppeln!
Dieser Vorgang vollzieht sich in der #Reduktionsteilung#[120], d. h.
einer eigenartigen Kernteilung, wobei nicht die Längshälften der
Chromosomen, sondern die #ganzen# Chromosomen zur Hälfte auf die
beiden Tochterkerne gleichmäßig verteilt werden. Sie tritt im
Entwicklungsverlaufe an #ganz bestimmter# Stelle ein, die bei
verschiedenen Organismen freilich recht verschieden sein kann. So
ist für den Entwicklungsgang sexueller Organismen ein regelmäßiger
Wechsel von Haploidie und Diploidie der Kerne (ein #Kernphasenwechsel#)
bezeichnend.
Bei vielen Algen ist aber gleich die erste Teilung des befruchteten
Eikernes die Reduktionsteilung, so daß #alle# Zellen des
Organismus, also auch seine Geschlechtszellen, mit Ausnahme der
befruchteten Eizelle, haploid sind. Bei anderen (z. B. bei Fucus)
erfolgt die Reduktion erst bei Bildung der Geschlechtszellen,
so daß umgekehrt alle Zellen des Körpers mit Ausnahme der
Geschlechtszellen diploide Kerne haben. Oft ist aber der
Kernphasenwechsel mit einem Generationswechsel verbunden (vgl. S.
175).
Bei manchen Pflanzen wird indes der Reduktionsvorgang aus dem
Entwicklungsgange dadurch ausgeschaltet, daß sie #diploide
Eizellen bilden#[112], [113]. Ein solches Ei, das somit bereits
über die doppelte, sonst erst durch die Befruchtung geschaffene
Zahl von Chromosomen verfügt, entwickelt sich ohne Befruchtung,
also parthenogenetisch weiter. So ist es bei den S. 165 genannten
unbefruchteten Eizellen der Samenpflanzen, Marsiliaceen und
von Chara, während bei anderen Algen die #haploide# Eizelle
parthenogenetisch sich zu einer neuen Pflanze entwickeln kann.
Erwähnt sei hier, daß man vielfach dann nicht von Parthenogenesis,
sondern von Apogamie (vgl. S. 171) spricht, wenn #diploide#
und nicht mehr befruchtungsfähige Geschlechtszellen, also ohne
Befruchtung, sich weiter entwickeln.
[Illustration: Fig. 231. Pollenmutterzellen einer Lilie in Teilung,
etwas schematisiert. Nach Fixierung mit Chromosmiumessigsäure und
Eisenhämatoxylinfärbung. Die Chromatophoren nach solcher Fixierung und
Färbung nicht sichtbar. Erklärung im Text. Nach STRASBURGER.]