Eine schwache Wasserdurchströmung der Pflanze, verbunden mit

Wasserausscheidung durch die Apikalöffnungen der Blätter (vgl. S.

99), läßt sich aber selbst bei vielen submersen Wasserpflanzen

nachweisen.

Auffallend bei fast allen Wasser- und auch Sumpfpflanzen ist die

#mächtige Entwicklung der Interzellularen#. Sie sind ganz besonders

weit, bilden ein System von oft sehr regelmäßig geformten Luftkammern

und Luftkanälen und werden durch parenchymatische Zellschichten

getrennt, die meist nur eine Zellage stark sind; so in den Stengeln

von Papyrus, Potamogeton u. a., den Blattstielen der Nymphaeaceen, den

Wurzeln der Onagracee Jussieua. Man hat solche Gewebe als Luftgewebe

oder Aërenchym bezeichnet; denn solche weiten Luftkanäle sind

Luftspeicher, zugleich ermöglichen sie eine sehr rege Gasdiffusion im

Innern des Pflanzenkörpers: den schnellen Transport von Sauerstoff aus

den assimilierenden grünen Teilen in die nicht grünen; sie begünstigen

also die Atmung.

[Illustration: Fig. 185. Blattquerschnitt von Zanichellia palustris.

Vergr. 146. Nach SCHENCK.]

Bei manchen Sumpfpflanzen, die mit ihren unterirdischen Organen in

sehr sauerstoffarmem Sumpfboden leben, so z. B. bei gewissen Palmen

und bei #Mangrovepflanzen# der tropischen Küstensümpfe, von denen

einige durch ein System sproßbürtiger, stelzenförmiger Luftwurzeln

(#Stelzwurzeln#) sich im Schlamme verankern (Fig. 187)[100],

werden besondere Organe zur Zuführung von Sauerstoff ausgebildet:

aus dem Sumpfboden aufsteigende #Atemwurzeln# (Pneumatophoren

Fig. 186), die aus der Luft durch Lentizellen-ähnliche Öffnungen

(Pneumathoden) Sauerstoff aufnehmen und durch Luftgewebe zu den

unterirdischen Teilen gelangen lassen.

[Illustration: Fig. 186. Atemwurzel von Sonneratia alba. Verkleinerung

einer Abbildung in den „Vegetationsbildern“; nach JOH. SCHMIDT.]

[Illustration: Fig. 187. Stelzwurzeln bei Rhizophora mucronata.

Malayischer Archipel. Nach G. KARSTEN.]

+2. Die Landpflanzen.+ Sie nehmen meist nur aus dem #Boden# Wasser und

Nährsalze, aus der #Luft# Kohlensäure, dagegen Sauerstoff sowohl aus

dem Boden wie aus der Luft auf und geben mit ihren Luftsprossen Wasser

in Dampfform (durch Transpiration) an den Luftraum ab.

Eine Ausnahme bilden nur einige Gewächse sehr feuchter

Örtlichkeiten, die mit ihrer #ganzen Oberfläche# Wasser

absorbieren; besonders die Hymenophyllaceen der tropischen

Regenwälder. Manche von ihnen bilden keine Wurzeln aus, besitzen

aber an den Wasser aufnehmenden Blättern oder Stengeln oder beiden

ein System von verschieden gestalteten Haaren, das eine gewaltige

Oberflächenvergrößerung bedingt.

Die Landpflanzen haben verschiedenen Bau, je nachdem es Pflanzen

immerfeuchter Standorte, Pflanzen trockener Standorte und Klimate oder

Pflanzen wechselfeuchter Klimate sind.

+a) Anpassungen an immerfeuchte Standorte, Hygrophyten+[103].

Landpflanzen, die dauernd in #sehr# feuchter Atmosphäre leben

(#Hygrophyten#, Hygrophile), z. B. viele tropische Schattenpflanzen,

bedürfen wie die Wasserpflanzen keine Einrichtungen, die die

Transpiration herabsetzen, ja haben sogar, scheint es, solche, die

die Wasserabgabe der Luftsprosse #fördern# (Hygromorphie). Nur durch

solche Einrichtungen dürfte die genügend starke Wasserbewegung aus

den Erdwurzeln in die oberirdischen Organe gesichert sein, die zur

Beschaffung und zur Fortbewegung der nötigen Nährsalzmenge erforderlich

ist. Im äußeren und inneren Bau gleichen viele Hygrophyten in mancher

Hinsicht den Wasserpflanzen, und zwar um so mehr, an je feuchteren

Standorten sie gedeihen.

Wir finden bei den Hygrophyten mannigfaltige Einrichtungen, die

der Transpiration günstig sind: Ausbildung großer und dünner

Blattflächen, schwache Ausbildung der Kutikula, Verlegung der

Stomata auf exponierte Vorsprünge, wo sie über die Epidermis

emporgehoben sind, schließlich Baueigentümlichkeiten des Blattes,

die es, wie STAHL zeigte, nach Regengüssen möglichst schnell

wieder trocken werden lassen. Eine vorgezogene Spitze, mit der

die Spreiten oft abschließen, die #Träufelspitze#, oder die

Unbenetzbarkeit des Blattes durch Wachsüberzüge erleichtern

das Abfließen des Wassers; eine Samtoberfläche, durch Papillen

bedingt, breitet Wassertropfen kapillar zu einer äußerst dünnen,

schnell verdunstenden Schicht aus. Ferner hebt vielleicht, nach

STAHL, die Ausbildung Lichtstrahlen absorbierender Farbstoffe,

die Buntblättrigkeit, durch Wärmeabsorption die Temperatur des

Blattes über die Umgebung, so daß die Transpiration am Tage

auch noch in dampfgesättigter Luft unterhalten werden kann. In

der Abgabe tropfbar flüssigen Wassers, (der sog. #Guttation#)

aus wasserausscheidenden Organen der Blätter, den #Hydathoden#,

besitzen manche dieser Pflanzen vielleicht ein Mittel, auch nach

völliger Hemmung der Transpiration noch genügend Wasser abzugeben.

Diese Organe sind entweder Drüsenhaare oder -flächen, die Wasser

sezernieren, oder Wasserspalten, aus denen Wasser von den

Leitbündeln her ausgepreßt wird (vgl. Fig. 134).

+b) Anpassungen an physiologisch trockene Standorte oder an trockene

Klimate, Xerophyten+[100], [104]. Dagegen bedürfen die Landpflanzen um

so mehr Einrichtungen, die auf #Hemmung# der Wasserabgabe berechnet

sind, in je trockenerer Luft ihre Sprosse wachsen und je schwerer

zugleich ein hinreichend schneller und großer Wassernachschub möglich

ist. Denn die Einschränkung der Transpiration, die unter ungünstigen

Verhältnissen auch in allen anderen Klimaten durch Verschluß der

Stomata bewirkt wird, würde für Pflanzen besonders trockener Klimate

und Standorte nicht ausreichen. Austrocknungsfähig aber (vgl. S. 189),

wie Flechten und Moose, sind nur wenige Kormophyten; die meisten werden

schon durch starkes Welken getötet.

Pflanzen mit solchen Einrichtungen zur Hemmung der Wasserabgabe

nennt man #Xerophyten# (Xerophile). Man erkennt sie schon an ihrem

Habitus. Die Summe von morphologischen Eigenschaften, die solche

Einrichtungen bilden, fassen wir in dem Worte „#Xerophytenbau#“

(Xeromorphie) zusammen. Besonders extreme Xerophyten sind natürlich

viele Wüstenpflanzen, die Gewächse trockener Felsen und viele Epiphyten

(vgl. S. 156).

Sehr auffallend ist aber, daß mehr oder weniger ausgeprägter

Xerophytenbau auch bei Pflanzen von ganz anderer Lebensweise vorkommt,

wo er gar nicht oder wenigstens nicht auf den ersten Blick verständlich

erscheint, so bei den Pflanzen der Hochgebirge und des hohen Nordens,

bei vielen Sumpfpflanzen, bei den Pflanzen des Meeresstrandes,

namentlich den Salzpflanzen (Halophyten) (Fig. 192), selbst solchen,

die, wie die Mangrovegewächse tropischer Küsten, direkt im Wasser

wachsen. Wenn auch hier noch manche Frage ungelöst ist, wird man

doch annehmen dürfen, daß die Mehrzahl dieser Gewächse #wenigstens

zeitweise# in Gefahr ist, mehr Wasser durch Transpiration abzugeben,

als sie aus dem Boden aufzunehmen oder in die Blätter zu schaffen

vermögen. Wenn sie auch in verhältnismäßig feuchten Böden leben, so

scheinen diese für sie doch, zum mindesten vorübergehend, mehr oder

weniger #physiologisch trocken# zu sein, d. h. die #Wasseraufnahme# zu

erschweren.

Es gibt anatomische und morphologische Einrichtungen, die die

Transpiration herabsetzen. Ein Teil von ihnen mag zugleich als

Schutzmittel gegen zu starke Lichtbestrahlung oder gegen zu hohe

Erwärmung anzusehen sein.

+Anatomische+ #Einrichtungen#, die die Transpiration einschränken,

sind: Verstärkung der Kutikula und der kutinisierten

Epidermisaußenwände; verschleimte Epidermiszellen; Ausbildung von

Wachs-, Harz- oder Kalküberzügen, bei Stämmen oder Wurzeln auch von

Korkschichten; Verringerung der Spaltöffnungszahl; Verengung der

Spaltöffnung oder ihre Verstopfung durch Harz- oder Wachsmassen;

Einsenkung der Spaltöffnungsapparate einzeln in Vertiefungen der

Epidermis (Fig. 188) oder in größerer Zahl in besondere krugförmige

Vertiefungen der Blattunterseite, die nur durch enge Kanäle nach außen

münden, wie beim Oleander, ferner ihre Überwölbung durch Nachbarzellen.

Endlich werden als Schirm gegen die Sonnenstrahlen Filzhaare, Stern-

und Schuppenhaare ausgebildet, die sich frühzeitig mit Luft füllen

und dadurch der Pflanze eine weiße oder graue Farbe verleihen

(Edelweiß, Proteaceen Australiens, Ölbaum). Oder die immergrünen

Blätter sind klein, dicklich, lederartig und verhältnismäßig

saftarm (#Hartlaubgewächse#, Sklerophyllen des Mediterrangebietes,

z. B. Ölbaum, Myrte). Bezeichnend für die Blätter ausgesprochener

Sklerophyllen (Fig. 191) ist die Kleinheit der Interzellularen

im Mesophyll, das meist sehr kleinzellig ist und vielfach kein

Schwammparenchym enthält, sondern oft nur aus Palisadenzellen besteht

oder doch zum mindesten ober- und unterseits mehrere typische Schichten

solcher Zellen aufweist, so daß die Blätter vieler Sklerophyllen

#bilateral symmetrischen# Bau besitzen. Einige Xerophyten verzichten

aber auf jeden Transpirationsschutz durch anatomische Charaktere, weil

sie durch ihren hochkonzentrierten Zellsaft zu einer Wasseraufnahme

auch aus verhältnismäßig trockenem Boden befähigt sind (S. 195).

Meist verbinden sich diese Einrichtungen mit +morphologischen+

#Besonderheiten des# +äußeren Baues+, die ebenfalls die Transpiration

herabsetzen.

Viele kleinblättrige Xerophyten zeichnen sich durch #Polsterwuchs# aus

(#Polsterpflanzen#, z. B. viele Alpenpflanzen, Fig. 189), wodurch schon

die Transpiration eingeschränkt und zugleich ein Schutz gegen zu starke

Bestrahlung gewährt wird.

Ein sehr wirksamer Transpirations- und Lichtschutz wird durch

#Einstellung der Blattflächen in die Vertikalebene# erzielt, vor allem

bei neuholländischen Akazien und Myrtaceen; bei den Akazien verbunden

mit Reduktion der eigentlichen Blattflächen und #blattförmiger

Ausbildung der Blattstiele# (#Phyllodien#, Fig. 140 und Fig. 190). Auch

unter den einheimischen Pflanzen findet sich ähnliche Einstellung der

Blätter: so z. B. bei der als Kompaßpflanze bekannten Lactuca scariola,

die sämtliche Blätter vertikal, und zwar in eine Nord-Süd-Ebene

stellt. An solchen Blättern gleiten bei höchstem Stand der Sonne

die Lichtstrahlen mehr oder weniger seitlich vorbei. Dadurch wird

vielleicht eine übermäßige Erwärmung und Transpiration verhindert.

[Illustration: Fig. 188. Querschnitt durch die Epidermis von Aloë

nigricans. _i_ Innere, nicht kutinisierte Verdickungsschicht. Vergr.

240. Nach STRASBURGER.]

[Illustration: Fig. 189. Raoulia mamillaris (Composite) von Neuseeland.

Polsterförmiger Zusammenschluß der Einzelpflanzen. Aus SCHIMPER,

Pflanzengeographie.]

Sehr häufig werden die #Blattspreiten reduziert#. Bei den

Steppengräsern geschieht dies durch Einrollung ihrer freien Oberfläche

(Fig. 192); bei Ericaceen, Genisteen, Cupressaceen und gewissen

habituell ihnen ähnlichen Veronica-Arten Neuseelands (vgl. auch Fig.

193) durch Verkleinerung der Spreiten; bei Kakteen, baumartigen

Euphorbia-Arten, einigen Asclepiadaceen durch völliges Schwinden

der Spreiten. Mit der Verkleinerung der Blätter muß aber außer der

Transpiration auch die Assimilation des Kohlenstoffs abnehmen; so sehen

wir zur Kompensation des Verlustes Chlorophyllparenchym in den Stengeln

dieser Pflanzen auftreten. In diesem Falle sind die Sproßachsen grün

gefärbt; so z. B. bei Sarothamnus scoparius, der an seinen langen,

rutenförmigen Zweigen nur vereinzelte hinfällige, lanzettliche

Blättchen entwickelt (#Rutengewächse#, Sklerokaulen).

[Illustration: Fig. 190. Acacia marginata mit senkrecht gestellten

Phyllodien. Aus SCHIMPER, Pflanzengeographie.]

[Illustration: Fig. 191. Querschnitt des Blattes der Capparidacee

Capparis spinosa var. aegyptiaca. Vergr. 40. SCHIMPER nach VOLKENS.]

[Illustration: Fig. 192. Blattquerschnitte des Grases Stipa capillata.

Oben ein Blatt in geschlossenem Zustande, unten die Hälfte eines

offenen Blattes. _U_ Spaltöffnungslose Unterseite. _O_ Oberseite mit

Spaltöffnungen (_S_). _C_ Chlorophyllhaltiges Assimilationsgewebe.

30fach vergr. Nach KERNER V. MARILAUN.]

Oft geht Hand in Hand mit einer Reduktion der Blätter eine #Abflachung

und blattähnliche Ausbildung der grünen Sproßachsen#, die alsdann

weit vollkommener als die rutenförmigen die Assimilationsfunktionen

des Blattes übernehmen können (Fig. 194, 195), aber natürlich zugleich

auch wieder stärker transpirieren. Solche blattartige Sprosse werden

als #Flachsprosse#, #Kladodien# oder #Phyllokladien# bezeichnet. GOEBEL

schlägt vor, jene Flachsprosse, die begrenzt wachsen und dadurch

besonders blattähnlich werden, Phyllokladien, andere verbreiterte

Sproßachsen Kladodien zu nennen. Ein lehrreiches Beispiel für

Phyllokladien ist Ruscus aculeatus, ein kleiner xerophytischer Strauch

des Mittelmeergebietes, der an seinen Zweigen (Fig. 194) in den

Achseln schuppenförmiger Blätter (_f_) breite, in eine scharfe Spitze

auslaufende Phyllokladien (_cl_) trägt, die durchaus den Eindruck

von Blättern machen. Ihrer Oberfläche entspringen manchmal in der

Mittellinie, annähernd in ihrer halben Länge, aus der Achsel eines

schuppenförmigen Blattes eine bis zwei Blüten. Diese Phyllokladien

sind ein sehr schönes Beispiel für #Analogie# von Organen: sie

sehen aus und funktionieren wie Blätter, sind aber Sproßachsen,

wie ihre geschilderten morphologischen Eigenschaften lehren. Eine

blattartige Abflachung des gesamten massig entwickelten Stammes, also

Kladodienbildung, mit Verschmälerung an den Verzweigungsstellen, zeigen

uns die bekannten Opuntien (Fig. 195).

[Illustration: Fig. 193. Salicornia herbacea (Chenopodiacee), eine

ausgesprochene Salzpflanze. Aus SCHIMPER, Pflanzengeographie.]

[Illustration: Fig. 194. Zweig der mediterranen Liliacee Ruscus

aculeatus. _f_ Blatt, _cl_ Phyllokladium, _bl_ Blüte. Nat. Größe. Nach

SCHENCK.]

[Illustration: Fig. 195. Opuntia monacantha Haw. Kladodien mit

Blattdornen, Blüte und Früchten. Nach SCHUMANN. Etwa fünfmal

verkleinert.]

Besonderes Interesse bieten schließlich einige Xerophyten, #bei denen

nicht allein die Blätter, sondern auch die Sproßachsen ganz schwinden#.

Dann übernehmen die abgeplatteten, grünen Wurzeln, aus denen die

Vegetationsorgane allein bestehen, die Funktionen der Blätter (so bei

der epiphytischen Orchidee Taeniophyllum, Fig. 196).

[Illustration: Fig. 196. Taeniophyllum Zollingeri. Xerophytische

Orchidee ohne Blätter und ohne Sproßachsen, mit grünen, abgeflachten

Wurzeln. Nat. Gr. Aus SCHIMPER, Pflanzengeographie; nach WIESNER.]

Mit dem großen Reichtum an Sklerenchym, der für die Sprosse vieler

Xerophyten bezeichnend ist und ihre nötige Festigkeit auch im Falle

schwächeren oder stärkeren Welkens sicherstellt, steht oft in

Zusammenhang die Ausbildung von #Dornen#, die aber auch bei einigen

nicht xerophytisch gebauten Pflanzen unserer Klimate vorkommen. Das

sind sehr spitze, verholzte und infolgedessen starre, verzweigte oder

unverzweigte, pfriemförmige Gebilde, die durch Umwandlung von Blättern

oder Blatteilen (#Blattdornen#) oder von Sprossen (#Sproßdornen#)

oder in sehr seltenen Fällen von Wurzeln (#Wurzeldornen#) entstanden

sind. Beim Sauerdorn (Berberis vulgaris) wird das ganze Blatt an

den Hauptsprossen in einen meist dreistrahligen Dorn umgestaltet;

die Seitentriebe, die entwickelte Laubblätter tragen, stehen in den

Achseln dieser Dornen. Auch bei den Kakteen (Fig. 195) gehen die Dornen

aus Blattanlagen hervor. Bei der Robinie (Fig. 197) und bei manchen

sukkulenten Euphorbien entwickeln sich die beiden Nebenblätter zu

Dornen. Sproßdornen treten bei Prunus spinosa, Crataegus oxyacantha und

den in unseren Gärten häufig kultivierten Gleditschien (Fig. 198) auf.

Bei Colletia cruciata, einer strauchartigen amerikanischen Rhamnacee,

die an trockenen, sonnigen Standorten wächst, sind alle Sproßachsen

domartig ausgebildet, zugleich etwas abgeflacht und grün; sie ersetzen

die bald abfallenden, kleinen Blätter. Wurzeldornen kommen bei einigen

Palmen am Stamme vor (z. B. Acanthorrhiza) und bei Myrmecodia unter den

Dikotylen. Der #Dornsproß# ist vor allem vielen Xerophyten der Wüsten

und Steppen eigentümlich.

[Illustration: Fig. 197. Stammstück von Robinia Pseudacacia mit dem

unteren Teile eines gefiederten Blattes und den zugehörigen, in zwei

Dornen verwandelten Nebenblättern _n_. _g_ Gelenkpolster. ½ nat. Gr.

Nach SCHENCK.]

[Illustration: Fig. 198. Sproßdorn von Gleditschia triacanthos. ½

nat. Gr. Nach SCHENCK.]

Oft besitzen blattlose Xerophyten #angeschwollene Blätter# oder

#Stämme#: so die grünen säulenförmigen, prismatischen oder

zylindrischen, keulen- oder kopfförmigen Euphorbien und Kakteen. Viele

Xerophyten begnügen sich nämlich nicht damit, die Abgabe von Wasser

stark einzuschränken, sondern #speichern Wasser# in besonderen Geweben

während der Tage, wo es zur Verfügung steht, für die Zeiten der Not.

Solches #Wassergewebe# zeichnet sich bei typischer Ausbildung durch

große, chlorophyllfreie Zellen aus, die fast nur aus der riesigen

Vakuole bestehen. Im Grunde genommen ist jede Epidermiszelle ein

Wasserspeicher. Manchmal nehmen aber die Epidermiszellen ungewöhnliche

Dimensionen an, so daß sie die Hauptmasse eines Blattes ausmachen,

oder teilen sich auch parallel zur Oberfläche und werden zu einem ein-

bis mehrschichtigen (#äußeren#) Wassergewebe (verschiedene Piperaceen,

Begoniaceen, Ficus-Arten, Tradescantia). Sehr häufig ist aber das

Wassergewebe mehr #zentral# gelegen (#inneres# Wassergewebe). Wo

Wassergewebe sehr mächtig ausgebildet sind, bekommen die betreffenden

Organe dadurch einen #fleischig-saftigen# Charakter. Daher nennt

man solche Pflanzen „#Sukkulenten#“. Bei gewissen Umbelliferen,

Cucurbitaceen, Kompositen, Asclepiadaceen, ferner Angehörigen

der Gattungen Pelargonium und Oxalis der Steppen und Wüsten sind

#Wurzeln# zu Wasserspeichern ausgebildet. Häufiger findet man

#Blattsukkulenten#: Sedum, Sempervivum, Agave, Aloë, Mesembryanthemum;

oder #Stammsukkulenten#: Kakteen, Euphorbia-Arten, Stapelia und

andere Asclepiadaceen (Fig. 195, 199), Kleinia unter den Kompositen.

Ganz besonders bezeichnend für dürre Gegenden in der neuen Welt

sind die kugelförmigen oder säulenartigen Kakteen, in der alten die

säulenförmigen oder kandelaberartigen Euphorbien und Asclepiadeen,

die gewissen Kakteen zum Verwechseln ähnlich sehen. #Die Ähnlichkeit

in der Lebensweise hat hier aus ganz entfernt stehenden Pflanzen fast

übereinstimmende Gestalten geschaffen# (vgl. Fig. 199 _a-c_), #eine

Erscheinung, die außerordentlich häufig wiederkehrt# (#Konvergenz#).

Im Extrem nähert sich der Stamm oder das Blatt der Sukkulenten der

Kugel, nimmt also bei gegebenem Volumen die kleinste Oberfläche an,

wodurch die Transpiration natürlich ganz besonders stark vermindert

wird: NOLL hat berechnet, daß die Verdunstung eines Kugelkaktus 600mal

geringer ist als die einer gleichschweren Schlingpflanze (Aristolochia

sipho). Solche und ähnliche Sukkulentenstämme sind ausgesprochene

#Sproßknollen#, d. h. sehr geräumige #Speicherorgane# für Wasser.

[Illustration: Fig. 199. Stammsukkulenten: _a_ Stapelia grandiflora

(Asclepiadacee), _b_ Cereus Pringlei (Cactacee), _c_ Euphorbia erosa

(Euphorbiacee). ⅕ nat. Gr.]

+c) Anpassungen an wechselfeuchte Klimate. Tropophyten+[100]. In

einigen dauernd feuchtwarmen Tropengegenden ist das Klima jahraus

jahrein dem Pflanzenwachstume nahezu gleich günstig. Überall

sonst aber, wo eine ausgesprochene #Klimaperiodizität#, ein

regelmäßiger Wechsel zwischen einer dem Pflanzenwachstum günstigen

Vegetationsperiode und einer ihm mehr oder weniger schädlichen

Jahreszeit (Ruheperiode) besteht, die bald als trockne, bald als

kalte Zeit (Winter) ausgebildet sein kann, entspricht diesem Wechsel

eine auffallende #Periodizität# in den Lebensvorgängen der Pflanzen.

Darauf ist es auch zurückzuführen, daß viele Gewächse solcher Klimate

in mancher Hinsicht anders gebaut sind als diejenigen gleichmäßig

feuchtwarmer Tropengegenden. Nur solche Formen werden ja dort

gedeihen können, die in irgendeiner Weise den in der ungünstigen

Jahreszeit drohenden Gefahren gewachsen sind. Letztere bestehen aber

in allererster Linie auch da, wo ein sehr kalter Winter mit einem

Sommer abwechselt, in einem Tode durch #Vertrocknung# während der in

den Frostperioden #sehr trockenen# Winterszeit. Ein solcher Tod droht

freilich extremen Xerophyten nicht, weil ihre Standorte auch in der

#günstigen# Jahreszeit dauernd oder zeitweilig sehr trocken sind;

sie können oft ohne weiteres die Trockenperiode überdauern. Anders

steht es dagegen um die Gewächse, die in der günstigen Jahreszeit

#nicht# an trockenen Standorten gedeihen und #nicht# xerophytischen

Bau besitzen. Zunächst sind ihre Transpirationsorgane, die Blätter,

in der Trockenzeit gefährdet. So sehen wir denn als sehr auffallende

Eigentümlichkeit dieser Gewächse wechselfeuchter Klimate, daß vor

oder zu Beginn der schlechten Zeit die Blätter von den Sproßachsen

abgeworfen werden (#laubabwerfende, sommergrüne# Holzgewächse)

oder sogar mit einem Teil der Sproßachsen absterben (sommergrüne

Kräuter). Das genügt aber vielfach noch nicht, die Pflanze vor dem

Vertrocknungstode und die Art vor dem Aussterben zu bewahren; denn

auch die #embryonalen# Gewebe, die zu Beginn der guten Jahreszeit die

verloren gegangenen Teile ersetzen müssen, würden in der Trockenzeit

vertrocknen, wenn sie nicht irgendwie besonders geschützt würden.

Solche Schutzeinrichtungen, bestimmt die Pflanze über eine

vegetationsfeindliche Zeit hinüber zu retten, kennzeichnen die Gewächse

wechselfeuchter Klimate, sofern sie nicht ausgesprochene Xerophyten

sind, #so auch die meisten Kormophyten unserer Heimat#. In der

günstigen Jahreszeit können sie einen wirksamen Transpirationsschutz

oft ganz entbehren und insofern Hygrophyten gleichen; in der

ungünstigen aber sind sie den extremsten Xerophyten ähnlich. Diesem

Wechsel im Aussehen verdanken die #Tropophyten# ihren Namen.

Entsprechend ist auch der anatomische Bau der ausdauernden Teile

xerophil, der nur in der feuchten Jahreszeit vorhandenen dagegen

hygrophil.

Die Gewächse wechselfeuchter Klimate können ausdauernde Holzgewächse:

Bäume und Sträucher, ausdauernde Krautgewächse (Perenne) und einjährige

Kräuter (Annuelle) sein. Jede dieser Gruppen hat ihre besonderen

Schutzeinrichtungen gegen Vertrocknung ihrer Transpirationsflächen und

ihrer embryonalen Gewebe.

+1.+ Die +Holzgewächse+ wechselfeuchter Klimate werfen mit Ausnahme

einiger weniger immergrüner, deren Blätter Xerophytenstruktur besitzen

(z. B. Koniferen, Ilex), am Ende der Vegetationsperiode das Laub ab und

schließen ebenso wie die erwähnten Immergrünen im Gegensatze zu vielen,

wenn auch nicht allen tropischen Formen, ihre Sproßvegetationspunkte

während der Trocken- oder Winterzeit in #schützende Gehäuse#, in

#Winterknospen# ein (Fig. 200).

Fig. 200. Winterknospen der Rotbuche (Fagus silvatica). _kns_

Knospenschuppen. Nat. Gr. Nach SCHENCK.

Lehrbuch der Botanik für Hochschulen · 第 20 / 90 段