+4. Der Bast.+ A. #Gewebearten und deren Funktionen.# Auch den Bast

(Fig. 173 _B_, 182) setzen meist drei Gewebearten zusammen: 1. längs

verlaufende Stränge von #Siebröhren# (_v_), bei den Dikotylen mit

Geleitzellen (Fig. 182 _c_), 2. bei vielen Gewächsen längs verlaufende

Stränge meist toter Sklerenchymfasern, #Bastfasern# (Fig. 182 _l_)

und 3. längs (_p_) und in den Markstrahlen (Fig. 173 _Bm_, 182 _r_)

radial verlaufende Stränge von #Parenchym# mit Interzellularen:

#Bast#- und #Markstrahlparenchym#. Dazu kommen oft noch #Sekretzellen#

verschiedener Art (Kristallschläuche _k_, Milchröhren). Der Bast dient

wie das Phloëm der Leitbündel vor allem dazu, die Assimilate zu leiten

und vorübergehend zu speichern. Daneben trägt er zur Speicherung

organischer Substanzen und oft zur Festigung bei. Die #Siebröhren#

des Bastes haben bei vielen Pflanzen schräge Endwände (Fig. 182

_v_*); sie sind eiweißreich, dünnwandig, unverholzt und meist nur

kurze Zeit tätig. Die #Bastfasern# sind sehr lang und englumig, stark

verdickt, verholzt oder unverholzt; die #Parenchymzellen# sind in der

Strangrichtung gestreckt, lebend, reich an Reservestoffen, dünnwandig

und meist nicht verholzt.

[Illustration: Fig. 182. Durchschnitt durch den Bast der Linde (Tilia

ulmifolia). _v_ Siebröhren, bei _v_* eine Siebplatte getroffen, _c_

Geleitzelle, _p_ Bastparenchym, _k_ Kristallzellen des Bastparenchyms,

_l_ Bastfasern, _r_ Markstrahl. Vergr. 540. Nach STRASBURGER.]

In einiger Entfernung vom Kambium erhalten die Siebplatten der

Siebröhren Kallusbeläge. Noch weiter außen werden die Siebröhren

und ihre Geleitzellen zerdrückt (Fig. 173 _B cv_). In seltenen

Fällen, so beim Weinstock, sind sie mehr als 1 Jahr tätig; in

diesem Falle wird ihr Kallusbelag für die Zeit ihrer Tätigkeit

wieder entfernt. Bei solchen Koniferen, die eiweißhaltige

Bastparenchymzellen im sekundären Baste besitzen, werden diese

wie die angrenzenden Siebröhren zerdrückt. Die stärkehaltigen

Bastparenchymzellen hingegen bleiben jahrelang am Leben; sie werden

sogar zwischen den zerdrückten Siebröhren vergrößert.

B. #Anordnung der Gewebearten im Baste.# Die einzelnen Gewebearten

des Bastes verlaufen ähnlich wie im Holze. Die Siebstränge bilden

verzweigte Bahnen, in denen die Siebröhren ohne Unterbrechung von

der Wurzel bis in die Laubblattkrone ausgebildet sind. Außerdem

grenzen die Siebstränge hier und da ebenso wie die längs verlaufenden

Bastparenchymstränge an die auch im Baste bandförmigen (Fig. 177

_ms″_) Markstrahlen an, die, wie wir schon sahen, die radialen

Fortsetzungen der Holzmarkstrahlen sind. So können die Assimilate aus

der Laubblattkrone einesteils innerhalb des Bastes nach den Wurzeln

abströmen, andernteils in der schon geschilderten Weise aus dem Baste

durch die Markstrahlen in die lebenden Zellen des Holzes gelangen, wo

sie gespeichert werden.

Die Gewebearten des Bastes sind oft sehr regelmäßig zu tangentialen,

nur von den Bastmarkstrahlen unterbrochenen Binden angeordnet (Fig.

182). Die Kambiumperiodizität spricht sich im Baste aber nicht aus;

Jahresringe kommen also nicht vor. Das Kambium fährt auch nach

Abschluß der Spätholzbildung im Sommer und Herbst, solange es die

Witterungsverhältnisse gestatten, noch fort, nach außen Bast zu

erzeugen.

So wechseln bei der Linde Bänder von (Fig. 182) Siebröhren (_v_)

nebst Geleitzellen (_c_), stärkeführendem Bastparenchym (_p_),

Kristallzellen (_k_), Bastfasern (_l_), flachen Bastparenchymzellen

(_p_) und endlich wiederum Siebröhren miteinander ab. Der

Unterschied im Aussehen der Baststränge bei verschiedenen

Holzgewächsen wird vornehmlich durch die größere oder geringere

Weite der Siebröhren, das Vorhandensein oder das Fehlen von

Bastfasern, endlich durch die Art der Verteilung aller dieser

Elemente bedingt.

Bei den Kiefern und verschiedenen anderen Abietineen unter den

Gymnospermen sind eiweißreiche Zellreihen an den oberen und

unteren Markstrahlrändern ausgebildet (_em_ Fig. 174). Sie sind

den Siebröhren dicht angeschmiegt, mit ihnen durch Siebtüpfel

verbunden, werden zugleich mit den Siebröhren entleert und

hierauf zusammengedrückt. Bei den Dikotylen sind die Markstrahlen

im Baste einfacher gebaut als im Holzkörper. Die Aufgabe der

Markstrahlzellen, die innerhalb des Bastes abwärts geleiteten

Stoffe aufzunehmen, zeigt sich durch ihre Tüpfel an, die bei

den Dikotylen nicht nur die Zellreihen des Markstrahls mit dem

Bastparenchym, sondern auch mit den Geleitzellen der Siebröhren

verbinden.

+Folgen des sekundären Dickenwachstums für die Gewebe außerhalb des

Kambiummantels. 1. Dilatation.+ Indem das Kambium nach innen immer

mehr Holz, nach außen immer neuen Bast bildet, wächst der Stengel

oder die Wurzel sekundär in die Dicke. Die Dauergewebe, die außerhalb

des Kambiummantels gelegen sind: die Epidermis, die Rinde, die

primären Phloëmstränge und der Bast, bleiben von diesem Dickenwachstum

natürlich nicht unbeeinflußt; sie werden tangential gedehnt, zerrissen,

zerdrückt, verschoben oder auch durch tangentiales Wachstum verbreitert

(#Dilatation#). Zu solchem Dilatationswachstum sind natürlich vor

allem die lebenden Parenchymzellen der Rinde, des Phloëms, des Bastes

(namentlich des Markstrahlparenchyms), bei einigen Holzgewächsen sogar

die Epidermiszellen befähigt[97]. Alle diese Zellen wachsen dabei sehr

stark in tangentialer Richtung und werden meist durch radiale Wände

geteilt. Im Baste ist dieses Wachstum häufig bei den Markstrahlen

sehr auffällig: es kann in ihnen, z. B, bei der Linde, geradezu

zur Ausbildung sekundärer Meristeme kommen, die durch Teilungen

Parenchymzellreihen in tangentialer Richtung nach beiden Seiten

abgeben, wodurch die Bastmarkstrahlen von Jahr zu Jahr nach außen mehr

erweitert werden (Fig. 176 _pm′_). Die Siebröhren und ihre Geleitzellen

aber, die nur kurze Zeit tätig sind und dann absterben, werden samt den

Sekretzellen zerdrückt; auch die Sklerenchymfasern der Rinde und des

Bastes beteiligen sich an der Dilatation meist nicht. War in der Rinde

ein Hohlzylinder von Sklerenchymfasern vorhanden (Fig. 184 _sc_), so

wird er in tangentialer Richtung zerrissen; in die Risse wachsen die in

Dilatation begriffenen Parenchymzellen ein, füllen die Lücken aus und

werden darin bei vielen Gewächsen zu dickwandigen Steinzellen (Fig. 184

_s_). Auch sonst wandeln sich während der Dilatation Parenchymzellen

der Rinde und des Bastes einzeln, gruppen- oder schichtenweise

nachträglich in Sklerenchymzellen um.

Ein jahrelanges Dilatationswachstum der #Epidermis# findet

sich bei verschiedenen Rosen, Akazien, Ilex-, Ahornarten, den

Misteln u. a. m. Solche Epidermen haben meist mächtig verdickte

Außenwände. Sie vermögen diese Wände in dem Maße, wie sie an der

Oberfläche Risse bekommen und zerstört werden, von innen durch neue

Verdickungsschichten zu verstärken.

+2. Periderm.+ Gewöhnlich nimmt aber die Epidermis an der Dilatation

nicht teil; sie wird passiv gedehnt und schließlich zersprengt. Schon

lange vor dieser Zersprengung bildet sich ein neues Abschlußgewebe,

der Kork aus, der die Epidermis später ersetzt und die Teile, die im

Dickenwachstum begriffen sind, gegen Austrocknung schützt. Der Kork

entsteht durch die Tätigkeit eines besonderen sekundären Meristems, das

sich an der Peripherie der Organe bildet (Fig. 183).

Meist beginnt die Bildung dieses #Korkkambiums# (#Phellogens#) schon

in der ersten Vegetationsperiode, bald nach oder gar schon vor Beginn

des sekundären Zuwachses. Es kann aus der Epidermis selbst, und zwar

durch tangentiale Teilungen ihrer Zellen hervorgehen. Meist aber bildet

es sich aus der Rindenschicht, die auf die Oberhaut folgt, seltener

aus tieferen Rindenschichten oder aus dem Perizykel. Das letzte ist

meist bei den Wurzeln der Fall (Fig. 169 _B k_). Das Korkkambium

erzeugt hauptsächlich nach außen Zellen, und zwar in radialen Reihen.

Dieses Meristem mit sämtlichen Produkten seiner Tätigkeit nennt man

#Periderm#. Die nach #außen# abgegebenen Zellen werden zu #Korkzellen#,

die nach #innen# gebildeten zu chlorophyllreichen, unverkorkten

Rindenzellen, die sich abrunden und die Rinde ergänzen. Hat die Bildung

des Periderms begonnen, so bräunt sich die Stengeloberfläche.

[Illustration: Fig. 183. Querschnitt durch die äußeren Teile eines

einjährigen Zweiges von Pirus communis im Herbst. Beginn der

Peridermbildung. _p_ Kork, _pc_ Korkkambium, _col_ Kollenchym. Die

Korkzellen haben verdickte Außenwände. Vergr. 500. Nach SCHENCK.]

Die Gesamtheit der Zellen, die aus dem Phellogen nach innen

entstehen, bezeichnet man als Phelloderm.

Das Korkkambium ist in der Regel ein typisches Initialenkambium

(vgl. S. 39), zumal wenn es Kork und Phelloderm liefert. Eine

Initialschicht kann aber auch, z. B. bei fast allen Monokotylen,

fehlen; alsdann teilen sich die Dauerzellen, aus denen das

Korkkambium hervorgeht, in eine Anzahl Tochterzellen, die zu

Korkzellen werden, worauf der gleiche Vorgang auf angrenzende

Dauerzellen übergreift (Etagenkork).

Peridermbildung pflegt auch in solchen Pflanzen späterhin

einzutreten, deren Epidermen zunächst jahrelang dilatiert werden.

Sie geht nur den Mistelarten ab.

Echter Kork fehlt aber noch den Kryptogamen, selbst den

Pteridophyten. Einen Ersatz hierfür bietet, wo ein entsprechender

Schutz nötig ist, die Imprägnierung der Zellwände mit einem

sehr widerstandsfähigen braunen Stoff oder die Anlagerung von

Suberinlamellen in unverkorkte Zellen, also die Umwandlung von

Zellschichten in Kutisgewebe[98].

Durch die Tätigkeit des Korkkambiums können #dicke#, außen rissige

#Korkkrusten# gebildet werden, wie z. B. bei der Korkeiche, aus

deren Kork die Flaschenkorke geschnitten werden. Die Schichtung, die

sie zeigen, entspricht Jahresproduktionen. In anderen Fällen werden

#Korkhäute# mit glatter Oberfläche von nur ganz wenigen Zellagen Dicke

gebildet (Fig. 59, 183), deren äußerste Schichten dem Dickenwachstum

des Stengels durch passive Dehnung lange Zeit folgen, schließlich

zerreißen und abschilfern.

Der Flaschenkork (Fig. 58) wird von breiten Lagen weicher, weiter

Korkzellen gebildet, mit denen schmale Lagen, die Grenzen der

Jahresproduktion bezeichnender, flacher Korkzellen abwechseln,

wie man bei Korkstöpseln erkennen kann. Die mit lockerem Pulver

angefüllten Poren, die den Flaschenkork in ganzer Dicke radial

durchsetzen, sind seine Lentizellen (vgl. S. 50). Die erste

Korkschicht der Korkeiche wird nach dem 15. Jahre bis auf

das Korkkambium künstlich vom Stamm entfernt, worauf einige

Zellagen tiefer sich ein neues Kambium bildet, das den technisch

verwertbaren Flaschenkork liefert. Dieser wird alle 6-8 Jahre

geschält. Da solche toten Korkkrusten der Dilatation nicht folgen

können, so müssen sie außen allmählich rissig werden.

+3. Borkebildung.+ Was vom Korkkambium nach außen zu liegen kommt,

wird von weiterer Nahrungs- und Wasserzufuhr abgeschnitten und muß

absterben. Alle auf solche Weise abgetrennten toten Gewebe werden

mitsamt den Peridermschichten als #Borke# bezeichnet. So können je

nach dem Entstehungsorte des Periderms die Epidermis oder kleinere

oder größere Teile der Rinde zu Borke werden. Gewöhnlich stellt das

erste Korkkambium in Stamm und Wurzel bald (aber z. B. nie bei der

Buche) seine Tätigkeit ein. Es wird ein neues tiefer im Stamm angelegt,

dessen Tätigkeit ebenfalls nach einiger Zeit erlischt. Hierauf entsteht

weiter innen wieder ein neues, wie es Fig. 184 für die Steineiche

zeigt. #Schließlich sind es nicht mehr primäre, sondern sekundäre

Gewebe, nämlich die lebenden Parenchyme der Bastzone, in denen das

neue Korkkambium sich bildet#, so daß an älteren Stämmen das lebende

Gewebe außerhalb des Kambiummantels nur noch sekundären Ursprunges

ist, und auch die Borke abgestorbene sekundäre Gewebe enthält. Die

Gewebe, die durch die Korkschichten vom übrigen Gewebe des Körpers

abgeschnitten worden sind, werden von Nährstoffen entleert und

enthalten nur Nebenprodukte des Stoffwechsels. Die Borke vermag der

weiteren Dickenzunahme des Stammes oder der Wurzel natürlich nicht mehr

zu folgen, blättert mit der Zeit entweder außen ab oder zerreißt durch

Längsrisse. Sie stellt einen noch viel vollkommeneren Schutzmantel als

der Kork sowohl gegen Wasserverlust wie gegen Erwärmung dar.

[Illustration: Fig. 184. Querschnitt aus der Stammoberfläche der

Steineiche (Quercus sessiliflora). _1_, _2_ und _3_ nacheinander

erzeugte Korkschichten. _pr_ Durch nachträgliche Dilatation veränderte

Rinde, _pc_ Grenze des Perizykels, _sc_ Sklerenchymfasern aus einem

zersprengten Sklerenchymfaserringe des Perizykels, _s_ Steinzellen,

nach der Zersprengung dieses Ringes aus Parenchym entstanden, _s′_

Steinzellen im sekundären Zuwachs, _cr_ Bastfasern von Kristallzellen

begleitet, _k_ Zellen mit Kristalldrusen. Alles Gewebe außerhalb der

innersten Korkschicht abgestorben und gebräunt, in Borke verwandelt.

Vergr. 255. Nach SCHENCK.]

Durch die Borkebildung werden an älteren sekundär verdickten

Pflanzenteilen die äußeren, jeweils ältesten Teile des Bastes

abgestoßen. Die Folge davon ist, daß der Bastmantel immer nur schmal

bleibt. Festigungselemente können also nur dann zu dauernden

Bestandteilen der Stämme werden, wenn sie innerhalb des Kambiums, d. h.

im Holze entstehen.

Umfassen die Korkschichten und die Korkkambien, aus denen sie

entstanden sind, nur begrenzte Teile der Stammoberfläche, so

schneiden sie schuppenförmige Gewebestücke aus ihr heraus. Dabei

setzen jüngere Korklagen mit ihren Rändern an ältere an. In solcher

Weise erzeugte Borke heißt #Schuppenborke#, so bei der Platane,

der Eiche (Fig. 184), unseren Nadelhölzern. Bilden die Korklagen

dagegen geschlossene Mäntel, so werden stammumfassende Rindenmassen

als #Ringelborke# entfernt, so beim Weinstock, Kirschbaum,

Geißblatt und bei der Waldrebe.

Bei solchen Stämmen, bei denen die Borke abblättert, geschieht

das nicht in rein mechanischer Weise, sondern durch Vermittlung

von #Trennungsschichten# aus besonders dünnwandigen Kork- oder

Phelloidzellen (vgl. S. 50), die zwischen die übrigen, oft stark

verdickten Kork- oder Phelloidschichten des Periderms eingeschaltet

sind. Diese Trennungsschichten werden durch hygroskopische

Spannungen der Borke durchrissen. Schwer sich ablösende Borke

wird während der Dickenzunahme des Stammes nur #rissig# (rissiges

Aussehen der Rinde bei den meisten alten Bäumen).

Die braune oder rote Färbung, die die Borken meist zeigen, wird

durch ähnliche Derivate von #Gerbstoffen# wie die Färbung vieler

Kernhölzer veranlaßt. Diese antiseptisch wirksamen Stoffe bedingen

die große Widerstandsfähigkeit der Borke. Die weiße Färbung

der Birkenborke rührt von Betulin (Birkenharz) her, das als

feinkörniger Inhalt die Korkzellen füllt.

+Wundenheilung+[99]. Im einfachsten Falle sterben die verletzten

Zellen am Körper der Landpflanzen ab, bräunen sich und vertrocknen,

während die Wände der darunter liegenden, unverletzt gebliebenen

Zellen mit Schutzstoffen imprägniert, unter Umständen auch mit

Suberinlamellen versehen, also zu Kutisgewebe werden. Bei größerer

Ausdehnung der Wunde bilden aber die Phanerogamen unter diesen

Zellschichten ein Korkkambium aus, das #Wundkork# erzeugt. So

werden auch die Blattnarben, die beim Laubfall entstehen (S.

104), zunächst durch Verholzung und Verkorkung der freigelegten

Zellen, hierauf meist noch durch Ausbildung einer Korkschicht

abgeschlossen, die an die des Stammteils ansetzt. Die Enden der

Gefäße an der Blattnarbe füllen sich entweder mit sog. Schutzgummi

oder mit Thyllen oder mit beidem; die Enden der Siebröhren werden

zerdrückt und verholzen.

Wenn eine Wunde ein noch junges Gewebe bloßlegt, kommt es

gewöhnlich zur Bildung eines #Kallus#. D. h. alle an die Wunde

grenzenden lebenden Zellen wuchern aus ihr hervor, teilen sich und

schließen zusammen. Diese Kalluswucherung kann an ihrer Oberfläche

unmittelbar verkorken und so den nötigen Schutz gewähren. In den

meisten Fällen bildet sich aber in der Peripherie des Kallus

ein Korkkambium aus, das Kork erzeugt. Ausgedehnte Wunden an

älteren Stammteilen der Gymnospermen und Dikotylen, die bis in

den Holzkörper reichen, werden #überwallt#: Das an die Wundränder

grenzende Stammkambium wächst wulstartig zu einem Kallus hervor;

der Wulst schließt sich durch den Kork nach außen ab, während in

seinem Innern eine Kambiumschicht differenziert wird, die mit

dem Stammkambium in Verbindung tritt. Dieses Kambium bildet, wie

das angrenzende, nach innen Holz, nach außen Bast. So vergrößern

sich die Überwallungswülste und decken allmählich die Wundfläche.

An der bloßgelegten Holzfläche sind, falls sie noch aus Splint

bestand, die toten Elemente durch Wundgummi verstopft, den die

lebenden Zellen des Holzes erzeugen; die ganze Stelle ist gebräunt.

Gelingt es den Überwallungswülsten, sich über der Wundfläche

mit den Rändern zu erreichen, so verschmelzen schließlich ihre

Kambien zu einer einheitlichen Meristemschicht, die weiter eine

zusammenhängende Holzschicht nach innen und eine Bastschicht nach

außen bildet. Das deckende Holz verwächst nicht mit dem bei der

Verwundung bloßgelegten. Letzteres ist ja gebräunt und abgestorben.

Daher lassen sich in Stämme eingeschnittene Zeichen, die bis auf

den Holzkörper reichen, nach ihrer Überwallung wiederfinden.

Durch Überwallung vom Kambiummantel aus werden auch Aststümpfe

mehr oder weniger vollständig abgeschlossen. Das über den Wunden

erzeugte Holz ist in seinem Bau von normalem Holz zunächst

verschieden, wird daher als #Wundholz# bezeichnet. Es besteht aus

fast isodiametrischen Zellen, auf die erst allmählich gestrecktere

Formen folgen. Beim Kirschbaum erzeugt das Kambium infolge von

Verwundungen statt normaler Holzelemente Nester dünnwandiger

Parenchymzellen, die in Gummibildung eintreten (S. 33).

2. Anpassungen des Kormus an die Lebensweise und an die Umwelt[100].

Der äußere und innere Bau des Kormus steht in engen Beziehungen

zu seiner Lebensweise und diese wieder zur Außenwelt. Wir finden,

daß fast jede Pflanze durch ihren äußeren und inneren Bau an ihre

Lebensweise und an ihre gewohnte Umwelt, an ihren Standort, #angepaßt#

ist. Darauf vor allem beruhen die gemeinsamen Züge, die einheitliche

#Physiognomie#, der Gewächse eines Standortes und darauf auch die

Unterschiede in der Physiognomie der Vegetation zwischen solchen

Pflanzenstandorten auf der Erde, wo die Außenfaktoren, z. B. das

Klima, sehr verschieden sind. Infolgedessen sind die Vegetationsorgane

nicht bei allen Kormophyten typisch ausgebildet. Oft sehen sie

ganz anders aus, da die Grundformen in verschiedenster Weise

abgeändert, #metamorphosiert# sein können. Erst eine sehr genaue

entwicklungsgeschichtliche oder anatomische Untersuchung ermöglicht

es, bei vielen Kormophyten nachzuweisen, daß auch ihre ganz abweichend

gestalteten Organe immer wieder nur Metamorphosen der drei Grundorgane

des Kormus: Wurzel, Stengel, Blatt sind, und festzustellen, welcher

Grundform sie #homolog# sind. Der äußere Bau und die Funktionen der

fertig ausgebildeten Organe können nämlich sehr leicht irreführen,

weil nicht selten ein Grundorgan, z. B. eine Sproßachse, Bau und

Funktionen eines anderen, z. B. eines Blattes, übernommen hat, oder

weil verschiedene Grundorgane zu Werkzeugen von #gleichem# Bau und

#gleicher# Funktion umgebildet worden sind, also bloß analog, aber

nicht homolog sind. Bei Berücksichtigung aller morphologischen

Eigenschaften eines abgeänderten Organes wird man aber in der Regel

keinen Zweifel über seine Abkunft hegen.

Die Form einer Pflanze und die Ausbildung ihrer Teile ist in

#allererster Linie# an die #Ernährungsweise# des Gewächses angepaßt.

Infolgedessen sind wichtige und sehr auffällige morphologische

Unterschiede zwischen solchen Kormophyten vorhanden, die mit

anorganischen Nährstoffen auskommen (#autotrophe# K.) und solchen, die

organische Nahrung nötig haben (#heterotrophe# K.).

A. Autotrophe Kormophyten.

An Autotrophie sind die #grünen# Pflanzen in ihrem Bau angepaßt. Soweit

sie Kormophyten sind, wurden ihre typischen Baueigentümlichkeiten im

letzten Abschnitte besprochen. Die grünen Kormophyten können aber

untereinander wieder sehr verschieden gebaut sein; denn sie sind in

ihrem Bau auch noch an ihre Umwelt angepaßt, in der sie leben, und

diese Umwelt kann recht mannigfaltig sein.

Von allen den vielen Faktoren, die in der Umwelt wechseln können, hat

den bei weitem größten Einfluß auf die Gestaltung der grünen Pflanzen

das #Wasser#, nächstdem das #Licht#. Das ist leicht begreiflich. Nur

wenn genügend Wasser verfügbar ist, vermag ja, wie jedermann weiß, die

Pflanze ihr Leben zu fristen. Und nur wenn sie genügend Licht aufnehmen

kann, kann sie autotroph sein, organische Substanz aus anorganischer

aufbauen.

a) Anpassungen an den Feuchtigkeitsgehalt der Umwelt.

+1. Wasserpflanzen, Hydrophyten+[101]. Zu besonderen

Baueigentümlichkeiten führte das Leben im Wasser, wo dauernd mit der

ganzen Oberfläche der Pflanze, also auch mit Stamm und Blättern, Wasser

und Nährsalze und nur aus dem Wasser die nötigen Gase (Kohlensäure

und Sauerstoff) aufgenommen werden können. Zum Verständnis der

Lebensbedingungen im Wasser ist es unerläßlich, den Gehalt des Wassers

an diesen Gasen zu kennen und mit dem der Luft zu vergleichen. Das

Liter Luft enthält etwa 210 ccm Sauerstoff und 0,3 ccm Kohlensäure.

Im Liter Wasser sind dagegen z. B. bei 20° (im Falle der Sättigung)

nur etwa 6 ccm Sauerstoff, dagegen wiederum etwa 0,3 ccm Kohlensäure

vorhanden. Den Wasserorganismen steht also zwar ungefähr ebensoviel

Kohlensäure (oder meist sogar noch etwas mehr) wie in der Luft, aber

sehr viel weniger Sauerstoff zur Verfügung, wenigstens im unbewegten

Wasser, da der Sauerstoff im Wasser #sehr# langsam diffundiert.

Nicht selten sind die #Wurzeln# überhaupt nicht mehr (Utricularia,

Ceratophyllum, Wolffia) oder nur schwach ausgebildet. Der Sproß aber

ist hier anatomisch insofern der Wurzel ähnlich geworden, als er auf

seinen stets sehr dünnen Epidermisaußenwänden nur eine sehr zarte

Kutikula ausbildet, die dem Wasser- und Salzeintritt, wenigstens an den

Blättern[102], kaum Schwierigkeiten entgegenstellt. Zur Langsamkeit der

Gasdiffusion im Wasser und zur Armut des Wassers an Salzen steht aber

wohl in Beziehung eine #Oberflächenvergrößerung der meist sehr dünnen,

submersen Blätter#, häufig durch feine Zerteilung der Blattflächen

(Batrachium Fig. 139, Utricularia, Myriophyllum, Ceratophyllum),

während die Schwimm- und Luftblätter meist typisch ausgebildet sind

(Heterophyllie, vgl. S. 102). Anatomisch sind die submersen Blätter

von diesen Blättern dadurch verschieden, daß ihrer chlorophyllhaltigen

Epidermis meist die Spaltöffnungen und in der Regel auch die Haare

fehlen, ferner dadurch, daß ihr an großen Interzellularen reiches

Mesophyll aus gleichartigem Parenchym besteht, also nicht in Palisaden-

und Schwammparenchym differenziert ist; infolgedessen zeigen die

Blätter im inneren Bau #bilaterale# Symmetrie (Fig. 185). Mit dem

Mangel der Transpiration und eines lebhaften Wassertransportes bei

untergetauchten Wasserpflanzen geht Hand in Hand #die schwache

Ausbildung der wasserleitenden Elemente# in den Stengeln und Blättern,

ferner der #Mangel eines sekundären Dickenwachstums#. Der Auftrieb im

Wasser macht auch das Festigungsgewebe unnötig; höchstens in rasch

strömendem Wasser wird für die nötige Zugfestigkeit durch zentrale

Lagerung der Leitbündel gesorgt.

Lehrbuch der Botanik für Hochschulen · 第 19 / 90 段