+3. Das Holz. A. Gewebearten und deren Funktionen.+ Das Holz ist ein

Gewebekörper von verwickeltem Bau. Es setzt sich bei den +Dikotylen+

meist aus drei verschiedenen Gewebearten mit mehr oder weniger

verholzten Membranen zusammen: 1. aus längsverlaufenden Strängen

toter #Gefäße# (Fig. 171 _g_, _tg_), 2. aus längsverlaufenden

Strängen meist toter #Sklerenchymfasern: Holzfasern# (_h_) und

3. aus längs- und in den Markstrahlen auch radialverlaufenden

Strängen von #Speicherparenchymzellen# (_hp_): #Holzparenchym und

Markstrahlparenchym#. Dementsprechend dient das Holz 1. zunächst wie

die primären Gefäßteile der Leitbündel der #Wasserleitung#, außerdem

aber auch 2. der #Festigung# der Stämme und der Wurzeln gegen Druck

und Biegungen und 3. zur #Aufspeicherung organischer Substanzen#. Die

Eigenschaften, die das Holz als Baumaterial für uns so wertvoll machen,

werden aus seiner Festigungsfunktion verständlich.

[Illustration: Fig. 171. Tracheen, Tracheïden, Holzfasern und

Holzparenchym der Dikotylen nebst ihren Übergangsformen, schematisch.

Erklärung im Text. Nach STRASBURGER. (Verändert.)]

[Illustration: Fig. 172. Schematische Darstellung des gleitenden

Wachstums; für Holzfasern. _A I_ und _II_ jugendlicher Zustand der

Zellen, _B I_ und _II_ nach dem gleitenden Wachstum ausgewachsen. _I_

Im tangentialen Längsschnitte, _II_ im Querschnitte in der punktierten

Linie von _I_. Nach ROTHERT.]

Die Zellarten, aus denen das Holz sich aufbaut, lassen sich am

leichtesten untersuchen, wenn man das Holz mit SCHULZEschem Gemisch

mazeriert (vgl. S. 35).

Die #Gefäße# sind Tüpfel-, seltener Netzgefäße, und zwar in der

Regel teils sehr weite, kurzgliedrige und enge, mehr oder weniger

langgliedrige #Tracheen# (Fig. 171 _g_, _tg_), teils enge,

langgestreckte #Tracheïden#, die außer der Wasserleitung zugleich

zur Festigung des Stammes dienen. Die #Holzfasern# (_h_) sind meist

sehr eng und sehr langgestreckt, beiderseits nadelförmig zugespitzt

und dickwandig mit schrägen, schmalen, spaltenförmigen Tüpfeln. Die

#Speicherparenchymzellen# (_hp_) endlich sind rechteckig prismatisch

oder spindelförmig, in Richtung des Strangverlaufs in der Regel

gestreckt, dünn- oder dickwandig mit meist kleinen, rundlichen,

einfachen Tüpfeln und sind reich an Reservestoffen (Stärke, Zucker oder

Öl). Interzellularen kommen nur in den Parenchymsträngen vor.

Bei zahlreichen Leguminosen, bei Weiden, Pappeln, Ficus-Arten

kommen im Holz als wasserleitende Elemente nur Tracheen vor.

Die Tracheïden und Holzfasern sind wesentlich länger als die

Kambiumzellen, aus denen sie hervorgehen, oft bis über 1 mm lang.

Diese größere Länge erreichen sie, ebenso wie die weiten Tracheen

ihren Durchmesser, durch gleitendes Wachstum (S. 40 und Fig. 172).

Bei der Bildung von Holzparenchym werden die Gewebemutterzellen des

Kambiums wiederholt quer geteilt. Dieses Parenchym besteht also

(vgl. Fig. 171 _gh_, _hp_) aus Zellreihen, denen man ihre Herkunft

aus Kambiumzellen ansieht, da sie oben und unten mit zugespitzten

Elementen endigen.

Die Scheidewände zwischen den Holz- oder Markstrahlparenchymzellen

und den Gefäßen sind einseitig behöft getüpfelt, soweit Tüpfel

vorhanden sind: die meist großen Tüpfel sind innerhalb der lebenden

Zellen ohne Hof, behöft dagegen in den Gefäßen, zudem im Gegensatze

zu den typischen beiderseits behöften Tüpfeln stets ohne Tori in

den Schließhäuten. Die Scheidewände zwischen den Gefäßen und den

Holzfasern und die zwischen den Holzfasern und den Parenchymzellen

sind dagegen meist gar nicht getüpfelt.

Bei den Hölzern, die aus Gefäßen, Holzfasern und Parenchymzellen

sich aufbauen, kann man nicht selten alle Übergänge zwischen

solchen typisch ausgebildeten Elementen beobachten; dementsprechend

gehen ihre Funktionen ineinander über. Neben mehr oder weniger

weiten Hoftüpfeltracheen (_g_) kommen enge Tracheen vor. Diese

(Fig. 171 _tg_) leiten über zu den Tracheïden (Fig. 171 _gt_, _t_).

Schmale, stark zugespitzte Tracheïden (Fasertracheïden _ft_), die

hauptsächlich der mechanischen Festigung dienen mögen, bilden einen

Übergang zu den Holzfasern (_h_). Wenig verdickte Holzfasern,

die ihren lebenden Inhalt behalten (die sog. Ersatzfasern _ef_),

ohne oder mit Querwänden (_gh_), vermitteln den Übergang zu den

Holzparenchymzellen (_hp_). Phylogenetisch sollen sich aber nach

STRASBURGER[68] die Fasertracheïden #nur# von den Gefäßen, die

Holzfasern dagegen #nur# durch Umbildung von Holzparenchymzellen

ableiten lassen.

Bei den +Gymnospermen+ kommen im Holze außer wenig Holz- und viel

Markstrahlparenchym nur noch Tracheïden mit typischen Hoftüpfeln vor.

Hier ist also die Arbeitsteilung noch nicht so weit fortgeschritten;

die Festigung wird noch von den gleichen Elementen besorgt, die auch

der Wasserleitung dienen. Ebenso ist es bei der Magnoliaceen-Gattung

Drimys unter den Dikotylen.

+B. Anordnung der Gewebearten im Holze.+ Bei den +Gymnospermen+ (Fig.

173-175) hat das Holz der Stämme und Wurzeln also einen verhältnismäßig

noch einfachen Bau. Die Tracheïden sind entsprechend ihrer Entstehung

(Fig. 173 _B_) in regelmäßigen radialen Reihen angeordnet (Fig. 173

_A_), da sie nur in radialer Richtung, aber so gut wie gar nicht in

tangentialer und longitudinaler wachsen; sie haben infolgedessen

ähnliche Gestalt wie die Kambiumzellen (Fig. 167) und besitzen oft nur

in ihren radialen Wänden große runde Hoftüpfel, so daß man diese vor

allem in radialen Schnitten von der Fläche zu sehen bekommt (Fig. 70

_B_, 71 _A_).

#Holzparenchym# ist in den meisten Gymnospermenhölzern nur sehr

spärlich vorhanden. Bei den Kiefern, Fichten und Lärchen umgibt es

ausschließlich die schizogenen #Harzkanäle#, die das Holz zwischen

den Tracheïden durchziehen (Fig. 173 _Ah_, 177 _h_) und mit radial

in einzelnen breiten Markstrahlen verlaufenden in Verbindung

stehen. Daher können große Harzmengen aus einem verwundeten

Kiefern- oder Fichtenstamme ausfließen. Bei den anderen Koniferen

ist die Bildung des Holzparenchyms auf einfache Zellreihen

beschränkt, deren Zellräume sich weiterhin mit Harz füllen.

Außer den Tracheïden findet man in den Gymnospermenhölzern, wie

gesagt, fast ausschließlich #Markstrahlparenchym#, das in Form sehr

zahlreicher, radial verlaufender, bandförmiger und meist nur eine

Zellschicht breiter Markstrahlen (Fig. 173 _m_, 175 _sm_, _tm_, 177

_ms_) das Holz durchsetzt. Eine jede Holztracheïde grenzt in ihrem

Längsverlaufe an einen oder auch an mehrere dieser Markstrahlen an.

Die Markstrahlzellen sind radial gestreckt, stärkereich, werden von

Interzellularen begleitet (Fig. 175 _i_) und dienen dazu, die in den

Blättern gebildeten und im Baste abwärts geleiteten Assimilate in

radialer Richtung dem Holz des Stammes und der Wurzeln zuzuführen und

hier zu speichern, umgekehrt Wasser aus dem Holzkörper nach außen zu

leiten. Diese Aufgaben können die Markstrahlen erfüllen, da sie, wie

wir sahen, mit ihren Enden gleicherweise in den Bast und in das Holz

eindringen (Fig. 173 _B_, 174, 177). Die Interzellularen münden in das

Interzellularsystem der Rinde und sichern den lebenden Zellen im Holze

den für ihre Lebensvorgänge notwendigen Gasaustausch mit der Atmosphäre.

[Illustration: Fig. 173. _A_ Partie eines Querschnittes durch das

Kiefernholz an einer Jahresgrenze. _f_ Frühholz, _s_ Spätholz, _t_

Hoftüpfel, _a_ eine sich nach außen verdoppelnde Tracheïdenreihe,

_h_ Harzgang, _m_ Markstrahlen. Vergr. 240. _B_ Querschnitt aus dem

Stamme der Kiefer, den äußeren Hand des Holzkörpers, das Kambium und

den angrenzenden Bast in sich fassend. _s_ Spätholz, _c_ Kambium, _v_

Siebröhren, _p_ Bastparenchym, _k_ Kristallzellen, _cv_ außer Funktion

gesetzte Siebröhren, _m_ Markstrahlen. Vergr. 240. Nach SCHENCK.]

Bei bestimmten Gymnospermen, vor allem den Abietineen (etwa der

Kiefer), sind einzelne Zellreihen der Markstrahlen des Holzkörpers,

gewöhnlich die oben und unten randständigen, ohne lebenden Inhalt,

tracheïdal ausgebildet, durch Hoftüpfel untereinander und mit

den Tracheïden verbunden (Fig. 174 _tm_). Vor der Zerdrückung

durch die turgeszenten lebenden Markstrahlzellen werden sie durch

besondere Verdickungsleisten der Wand geschützt. Sie erleichtern

den Wasseraustausch in radialer Richtung unter den Tracheïden,

die nur in den radialen Wänden getüpfelt sind. Bei den meisten

anderen Nadelhölzern dagegen, denen solche tracheïdalen Elemente

in den Markstrahlen fehlen, sind auch tangentiale Hoftüpfel in den

Tracheïden des Holzes vorhanden, wodurch eine radiale Bewegung des

Wassers gefördert wird. Auch die parenchymatischen Markstrahlzellen

des Holzes sind mit den Tracheïden, und zwar durch große einseitig

behöfte Tüpfel verbunden (Fig. 175 _et_).

[Illustration: Fig. 174. Radialer Längsschnitt durch den Kiefernstamm,

den Außenrand des Holzkörpers, das Kambium und den anschließenden

Bast sowie einen Markstrahl in sich fassend. _s_ Spättracheïden,

_t_ Hoftüpfel, _c_ Kambium, _v_ Siebröhren, _vt_ Siebtüpfel, _tm_

tracheïdale Markstrahlzellen, _sm_ stärkeführende Markstrahlzellen im

Holzkörper, _sm′_ im Bastkörper, _em_ eiweißführende Markstrahlzellen.

Vergr. 240. Nach SCHENCK.]

[Illustration: Fig. 175. Tangentialer Längsschnitt durch das Spätholz

der Kiefer. _t_ Hoftüpfel, _tm_ tracheïdale, _sm_ stärkeführende

Markstrahlzellen, _et_ einseitig behöfte Tüpfel, _i_ Interzellularen am

Markstrahl. Vergr. 240. Nach SCHENCK.]

Schon mit dem bloßen Auge nimmt man auf Stammholzquerschnitten, ebenso

wie bei den meisten Dikotylenhölzern, #Jahresringe# wahr (Fig. 176,

177). Betrachtung dünner Querschnitte durch Gymnospermenholz bei

stärkerer Vergrößerung (Fig. 173 _A_) belehrt darüber, daß in jedem

dieser Ringe die inneren Elemente (_f_) jeder radialen Tracheïdenreihe

weitlumig und dünnwandig, die äußeren aber (_s_) englumig und

dickwandig sind. Der Übergang der weiten zu den engen ist im Jahresring

ganz allmählich, der Übergang der englumigen zu den weitlumigen des

nächst äußeren Jahresringes aber unvermittelt. Die Jahresringe[95] im

Holze kommen durch die #Periodizität# der Kambiumtätigkeit zustande,

die mit dem Wechsel der #Jahreszeiten# in Beziehung steht. Im Frühjahr,

zur Zeit, wo die neuen Triebe sich entwickeln, werden Tracheïden mit

größerem Hohlraum ausgebildet als in der Folgezeit. So entsteht ein

weitlumigeres #Frühholz# (Frühlings- oder Weitholz, Fig. 173 _Af_,

177 _f_), das vor allem der Wasserzufuhr nach den Verbrauchsorten

dient, und späterhin ein englumiges #Spätholz# (Sommer- oder Engholz,

Fig. 173 _As_, 177 _s_), das vor allem die Festigkeit des Stammes

erhöht. In der zweiten Augusthälfte hört die Holzbildung in unseren

Breiten bei den Stämmen meist auf. Sie beginnt von neuem im nächsten

Frühjahr mit weitlumigen Elementen. Demgemäß zeichnet sich zwischen

dem letztjährigen Spätholze und dem nächstjährigen Frühholze eine

scharfe Grenze (Fig. 173 _g_, 177 _i_), die eben dem bloßen Auge schon

kenntlich ist und die zur Feststellung des Alters des betreffenden

Pflanzenteils dienen kann. In dem Holzkörper der Wurzeln ist die Grenze

der Jahresringe meist undeutlicher.

Je weiter spitzenwärts eine sekundär verdickte Sproßachse oder

Wurzel quer durchschnitten wird, um so weniger Jahresringe

findet man. Das folgt naturgemäß aus dem Scheitelwachstum dieser

Organe. Je älter die Jahresringe, um so früher müssen sie sich

ja scheitelwärts auskeilen. In ähnlicher Weise hören auch ältere

Bastschichten nach dem Scheitel zu auf.

Unter Umständen vermag die Zahl der Ringe im Holz die Zahl der

Altersjahre zu überschreiten, nämlich wenn Blattverlust durch

Frost, Raupenfraß oder andere schädliche Einflüsse das Austreiben

der für die nächstjährige Vegetationsperiode bestimmten Knospen

veranlaßt und Neubelaubung eine Wiederholung der Frühholzbildung

bedingt. Andererseits kann bei Holzgewächsen, die sonst die

Jahresringbildung streng einhalten, ausnahmsweise die Zahl der

nachweisbaren Jahresringe kleiner ausfallen, als das Alter des

betreffenden Individuums verlangt, weil sich die Jahresgrenzen

gelegentlich nicht deutlich markiert haben. So kann es auch

kommen, daß eine Zählung in #einem# Stammradius etwas weniger

Jahresringe als in einem anderen ergibt.

[Illustration: Fig. 176. Querschnitt durch einen im 4. Jahre stehenden

Zweig der Linde (Tilia ulmifolia). _pr_ Rinde, _c_ Kambiumring, _cr_

Bast, _pm_ primäre Markstrahlen, _pm′_ äußeres, durch Dilatation

erweitertes Ende eines primären Markstrahls, _sm_ sekundärer

Markstrahl, _g_ Jahresgrenze, _m_ Mark. Vergr. 6. Nach SCHENCK.]

[Illustration: Fig. 177. Stück eines 4jährigen Stammteils der Kiefer

(Pinus silvestris) im Winter geschnitten. _q_ Querschnitt-, _l_

radiale Längsschnitt-, _t_ tangentiale Längsschnittansicht, _f_

Frühholz, _s_ Spätholz, _m_ Mark, _p_ primäre Gefäßteile, _1_, _2_,

_3_ und _4_ die vier aufeinanderfolgenden Jahresringe des Holzkörpers,

_i_ Jahresgrenze, _ms_ Markstrahlen in der Querschnittansicht

des Holzkörpers, _ms′_ in der radialen Längsschnittansicht des

Holzkörpers, _ms″_ innerhalb der Bastzone, _ms‴_ in der tangentialen

Längsschnittansicht, _c_ Kambiumring, _b_ Bastzone, _h_ Harzgänge,

_br_ die außerhalb der ersten Peridermlage befindliche, der Rinde

entsprechende Borke. Vergr. 6. Nach SCHENCK.]

Das Holz der Stämme und Wurzeln von +Dikotylen+ läßt sich schon bei

schwacher Vergrößerung leicht von einem Koniferenholze unterscheiden

(Fig. 178-180). Abgesehen davon, daß in den Dikotylenhölzern außer

Tracheïden und Parenchym stets noch Holzfasern und fast immer auch sehr

weite Tracheen vorhanden sind, wachsen die verschiedenen Elemente,

die Tracheen, Tracheïden, Holzfasern und Holzparenchymzellen, nicht

übereinstimmend; infolgedessen können sie nicht ihre ursprüngliche

radiale Anordnung und ihre ursprüngliche Form beibehalten. Außerdem

werden im Frühholze der Jahresringe hauptsächlich sehr weite

Wasserbahnen, besonders Tracheen ausgebildet (Fig. 178, 179 _m_),

während im Spätholze vor allem die englumigen Holzfasern (_l_) und die

faserförmigen Tracheïden (_t_) vorherrschen.

Wir besitzen unter unseren dikotylen Holzgewächsen auch solche,

bei denen die Jahresringe sich deshalb nicht sehr deutlich

abheben, weil die verschiedenen Formelemente des Holzes annähernd

gleichförmig über den Jahreszuwachs verteilt sind, so bei der

Weide. Ja, es kann in diesem Falle die Abzählung der Jahresringe

ganz unmöglich werden, wie beim wilden Wein. Bei den Holzgewächsen

der feuchtwarmen Tropengebiete mit ununterbrochener Vegetationszeit

können die Jahresringe ebenfalls fehlen. Bei vielen sind aber auch

hier jahresringähnliche Zonen ausgebildet.

Nur die wasserleitenden Elemente des jüngsten Jahresringes

stehen in direkter Verbindung mit den Blättern der betreffenden

Vegetationsperiode. Da die Pflanze mit der Entfaltung der Blätter

im Frühjahr plötzlich viel Wasser durch Transpiration verbraucht,

so versteht man, daß im Frühholz eben zunächst für die nötigen

Wasserbahnen gesorgt wird. Bei vielen Holzgewächsen wird die

Laubmenge während des Sommers nicht weiter vermehrt, infolgedessen

kann das Kambium im Spätholze vorwiegend Festigungsgewebe bilden.

[Illustration: Fig. 178. Teil eines Querschnittes durch das Holz von

Tilia ulmifolia an einer Jahresgrenze. Vergr. 540. Nach STRASBURGER.]

[Illustration: Fig. 179. Tangentialer Längsschnitt aus dem Holz von

Tilia ulmifolia. Vergr. 160. Nach SCHENCK.

_m_ Weites Tüpfelgefäß, _t_ Tracheïden, _l_ Holzfaser, _p_

Holzparenchym, _r_ Markstrahl.]

Trotz allen Verschiedenheiten, die in der Struktur dikotyler Hölzer

vorkommen, lassen sich für die Anordnung der verschiedenen Gewebearten

doch bestimmte Regeln angeben, die stets befolgt werden. Die aus

Tracheen oder Tracheïden bestehenden #Gefäßstränge#, reich verzweigt

in radialer und tangentialer Richtung, bilden in der Längsrichtung

des Holzes #zusammenhängende# Bahnen, die von den Wurzeln ohne

Unterbrechung bis zu den dünnsten Zweigenden verlaufen. Nur so wird die

ausreichende Wasserversorgung des Sproßsystems gewährleistet.

#Holzparenchym# (Fig. 178, 179 _p_) ist bei den meisten

Dikotylenhölzern reichlich vorhanden, und zwar ebenfalls in Form längs

verlaufender Stränge oder Schichten, die aber oben und unten im Holze

früher oder später blind endigen. Das Holzparenchym bildet mit den

Markstrahlen stets ein #zusammenhängendes# System lebender Zellen.

Die Gefäße stehen immer mit diesen lebenden Holzparenchymzellen in

Verbindung; bald werden sie rings von ihnen umhüllt, bald einseitig von

ihnen begleitet (Fig. 178 _p_).

Das Holzparenchym umscheidet die Gefäße z. B. bei den Akazien u.

a.; es bildet tangentiale Binden im Holze, an die die Gefäße sich

einseitig anlehnen oder worin sie eingebettet sind, z. B. bei der

Walnuß, der Edelkastanie und bei Eichen; manchmal ist es auf die

Außenseiten der Jahresringe beschränkt.

Die #Markstrahlen# (Fig. 176 _pm_, _sm_: 178, 179 _r_) sind wie bei

den Gymnospermen radial verlaufende niedere oder hohe, eine oder

mehrere Zellschichten breite, unverzweigte oder meist verzweigte Bänder

(Fig. 180 _tm_, _sm_), die durch das Kambium hindurch in den Bast

eindringen (Fig. 176). Auch daran lehnen sich die Gefäßstränge hier

und da an. Das Markstrahlparenchym verbindet, wie schon hervorgehoben,

die Parenchymzellen des Bastes mit denen des Holzes, also #alle#

lebenden Gewebe des Stammes und der Wurzel zu einer Einheit. In den

Markstrahlen können auf diese Weise Assimilate, die im Baste abwärts

strömen, radial in den Holzkörper und dort im Holzparenchym eine

Strecke weit aufwärts oder abwärts geleitet werden. Diese Assimilate

werden in den Markstrahlen und im Holzparenchym meist als Stärke oder

auch als Fett aufgespeichert. Interzellularen, die den Markstrahl-

und Holzparenchymsträngen folgen, dienen dem Gaswechsel der lebenden

Elemente des Holzes.

Die Räume zwischen den Gefäß-, Holzparenchym-Strängen und Markstrahlen

werden von #Holzfasersträngen# (Sklerenchym) ausgefüllt.

Die Höhe und Breite der Markstrahlen läßt sich leichter an

tangentialen als an radialen Längsschnitten feststellen, weil man

alsdann ihre Querschnitte vor sich hat. An solchen tangentialen

Schnitten erscheinen die Markstrahlen spindelförmig (Fig. 179

_r_). Ihre Größe schwankt bei den meisten Hölzern nur innerhalb

relativ enger Grenzen, doch bei gewissen anderen, so der Eiche und

Rotbuche, sehr bedeutend. Die Eiche hat bis zu 1 mm breite und

fast 1 dcm hohe große Markstrahlen, dazwischen zahlreiche sehr

schmale niedrige. Bei der Pappel, der Weide, dem Buchsbaum sind

alle Markstrahlen so klein, daß man sie auch mit der Lupe kaum

unterscheiden kann. Besonders hoch und breit sind die primären,

sich über die Länge eines ganzen Internodiums erstreckenden

Markstrahlen bei vielen Lianen, so z. B. auch bei Aristolochia.

[Illustration: Fig. 180. Radialer Längsschnitt aus dem Holz von Tilia

ulmifolia mit einem kleinen Markstrahl. _g_ Gefäß, _l_ Holzfasern,

_tm_ mit den Wasserbahnen durch Tüpfel verbundene, _sm_ der Leitung

der Assimilate vornehmlich dienende Markstrahlzellen. Vergr. 240. Nach

SCHENCK.]

Auch bei den Dikotylen, sehr ausgesprochen z. B. bei den Weiden,

sind im Holzkörper meist Zellreihen des oberen und unteren

Markstrahlrandes mit den Wasserbahnen durch einseitig behöfte

Tüpfel verbunden. Ihre lebenden Zellen sind höher als die der

mittleren Zellreihen; man hat sie daher auch als #stehende

Markstrahlzellen# bezeichnet (Fig. 180 _tm_). Die mittleren

Zellreihen sind in radialer Richtung stärker gestreckt, ohne

besondere Verbindung mit den Wasserbahnen und vornehmlich

auf Leitung und Speicherung der Assimilate eingerichtet:

#liegende# Markstrahlzellen (Fig. 180 _sm_).

Die Markstrahl- und Holzparenchymzellen, die an die Gefäße angrenzen,

nehmen Wasser aus den Wasserbahnen auf und geben es nach Bedarf an

andere lebende Zellen ab; andererseits pressen sie im Frühjahr,

zur Zeit der Knospenentfaltung, einen großen Teil der in ihnen

gespeicherten Assimilate, vor allem Glykose und geringe Mengen von

Eiweißstoffen, in die Gefäße ein, so daß diese Stoffe rasch nach den

Verbrauchsorten gelangen. Demgemäß kann man während des Winters und zu

Beginn des Frühjahrs Zucker und Eiweiß in den Gefäßen nachweisen. Diese

Stoffe sind auch in dem Blutungssaft enthalten, den man im Frühjahr

durch Bohrlöcher aus Birken, Ahornarten, Hainbuchen und anderen Bäumen

gewinnen kann.

+Maserbildung.+ Bei vielen technisch verwendeten Hölzern schätzt

man vor allem außer der Farbe die #Maserung#. Sie beruht zunächst

auf der Ausbildung der Jahresringe und der Markstrahlen, außerdem

aber sehr oft, z. B. beim Nußbaumholz, auf einem welligen Verlauf

der Formelemente des Holzes, der durch gedrängte Bildung von

Seitenästen, Adventivknospen, Seitenwurzeln oder auch durch

Wundreize u. dgl. veranlaßt worden ist.

+C. Nachträgliche Veränderungen des Holzes.+ Bei den meisten Bäumen

sterben die lebenden Elemente in den zentralen älteren Teilen des

Holzkörpers ab, und die Wasserbahnen werden verstopft (#Kern#bildung),

so daß nur die äußeren Holzschichten, die aus wenigen, und zwar den

zuletzt entstandenen Jahresringen bestehen, noch lebende Zellen

enthalten (#Splint#). Sie allein speichern noch Reservestoffe. Auch

die Wasserleitung ist auf den Splint, ja vielfach sogar nur auf

seine äußersten Schichten beschränkt; die peripheren Gefäße sind

es ja, wie wir sahen, allein, die direkt mit den Blättern und mit

den jüngsten Seitenwurzeln in Verbindung stehen. Der Kern dient

nur noch der Festigung. Viel seltener als solche #Kernhölzer# sind

#Splinthölzer#, deren gesamtes Holz Splint bleibt (Ahornarten, Birke,

Linde). Kernhölzer fallen meist unmittelbar durch die hellere Farbe

des Splintes auf; das dunklere Kernholz ist dichter, härter und fester

als das Splintholz und durch Einlagerung verschiedener Stoffe gegen

Zersetzung geschützt. Es gibt aber auch Kernhölzer, bei denen sich der

Kern vom Splint durch die Farbe nicht unterscheidet und leicht zersetzt

wird. Solche Stämme, wie die der Weiden, werden im Alter leicht hohl.

[Illustration: Fig. 181. Ein mit Thyllen erfülltes Gefäß, nebst

den angrenzenden Elementen aus dem Kernholz der Robinie (Robinia

Pseudacacia) im Querschnitt. Bei _a_ und _a_ ist der Zusammenhang der

Thyllen mit ihren Ursprungszellen zu sehen. Vergr. 300. Nach SCHENCK.]

Am schärfsten setzt sich der weißlichgelbe Splint vom Kernholz

dort ab, wo letzteres eine dunklere Färbung zeigt, so bei

unserer Eiche mit braunem Kern oder noch ausgesprochener beim

Ebenholz (Diospyros), dessen Kern schwarz ist. Je dunkler das

Kernholz, um so dauerhafter pflegt es zu sein. Vor dem Absterben

bilden die lebenden Zellen des Holzes, die ihre Reservestoffe

auflösen, meist verschiedene organische Stoffe, darunter besonders

Gerbstoffe, die in die Membranen der umgebenden Elemente

eindringen, ferner harz- und gummiartige Körper, die als Schutz-

und Kerngummi ihre Hohlräume zum Teil verstopfen. Meist verleihen

die Oxydationsprodukte der Gerbstoffe den toten Holzteilen die

dunkle Färbung, und die Gerbstoffe schützen den toten Holzkörper

vor Zersetzung. Die Gefäße in dem toten Holze werden teils durch

Ansammlungen von Kerngummi, teils durch „Zellen“ verstopft, die

die Gefäßlumina mehr oder weniger ausfüllen und als #Thyllen#[96]

bezeichnet werden (Fig. 181); sie entstehen dadurch, daß lebende

Holzparenchymzellen in die angrenzenden Gefäße durch die Tüpfel

unter Dehnung der Schließhäute hineinwachsen. Thyllen können ferner

in verwundeten Gefäßen entstehen; sie verschließen auch hier den

Gefäßhohlraum. Auch anorganische Stoffe sind nicht selten in den

Kernhölzern abgelagert, so bei Ulmus campestris und Fagus silvatica

kohlensaurer Kalk, und zwar hauptsächlich in den Gefäßen; in den

Gefäßen des Teakholzes (Tectona grandis) amorphe Kieselsäure. Die

Kerne mancher Hölzer dienen Färbezwecken, z. B. liefert das Blau-

oder Campecheholz (Haematoxylon campechianum L.) mit rotem Kern das

#Hämatoxylin#.

Lehrbuch der Botanik für Hochschulen · 第 18 / 90 段