Eigenartig wird ein Teil der Wurzeln bei vielen Bäumen der tropischen

Urwälder ausgebildet. Die außerordentlich hohen und dicken Stämme

vieler solcher Bäume sind an der Basis durch mächtige, strebenähnliche

#Brettwurzeln# oder durch stammartig verdickte, von den Ästen zur Erde

herabgewachsene #Luftwurzeln# (#Säulen- oder Stützwurzeln#) vor dem

Umfallen geschützt (z. B. bei vielen Ficus-Arten, vgl. Fig. 694).

c) Sekundäres Dickenwachstum des Kormus.

Wir sahen, daß die Sproß- und Wurzelteile, die in den

Vegetationspunkten durch Vermehrung der embryonalen Zellen neu angelegt

worden sind, durch #Streckung# fertig ausgebildet werden. Mit diesem

Längenwachstum ist meist auch ein gewisses Dickenwachstum der Teile

verbunden, das wie das Längenwachstum lediglich auf der bedeutenden

#Vergrößerung# der meristematischen Zellen während ihrer Umbildung

zu Dauerzellen, aber #nicht# auf Zellvermehrung beruht (primäres

Dickenwachstum oder #Erstarkung#, Fig. 98, 100, 102, 115). Es ist

freilich meist verhältnismäßig gering. An diese Dickenzunahme schließen

sich in Sproßachsen und Wurzeln oft noch andere Wachstumsvorgänge an,

denen wir nun unsere Aufmerksamkeit zuwenden müssen.

Je größer das Sproßsystem wird, um so besser vermag es der Beschattung

durch andere Gewächse zu entgehen und um so mehr organische Substanz zu

bilden. So sehen wir bei vielen Gewächsen aus einem zunächst kleinen,

blattarmen Keimpflänzchen durch Wachstum, oft auch durch Verzweigung

der Keimlingsachse, einen sehr blattreichen Kormus von riesigen,

baumartigen Größenverhältnissen sich entwickeln. Die Größenzunahme des

Sprosses im Luftraume stellt infolge Vermehrung der Blätter fortgesetzt

höhere Anforderungen an die Wasserversorgung durch die Wurzel, der

diese nur durch die Vergrößerung ihrer Oberfläche, meist verbunden

mit Verzweigung, genügen kann; oft werden sogar noch sproßbürtige

Wurzeln gebildet. Jede Vergrößerung des Wurzelsystems hat aber zur

Vorbedingung, daß dazu hinreichende Mengen organischer Nährstoffe

in den Blättern gebildet werden können. So stehen die Ausbildung

der Blattkrone und des Wurzelsystems in engsten Wechselbeziehungen

zueinander. Die Größenzunahme des Sproß- und Wurzelsystems hat ferner

zur Voraussetzung, daß in den Stengeln und Wurzeln die genügende

Anzahl von Leitungsbahnen einerseits für Wasser, andererseits für die

organischen Stoffe vorhanden ist oder ausgebildet werden kann, und daß

die Sproßachsen fest genug sind, um das größer und größer werdende

Gewicht der Blatt- und Zweigmassen, auch bei heftigem Winde, zu

tragen. Es bestehen also auch enge Beziehungen zwischen der Größe des

Kormus und der Ausbildung der Leitungsbahnen in seinen Achsen und der

Festigkeit der Sprosse.

Die Festigkeit muß um so größer sein, je größer die Pflanze wird und je

länger sie lebt. Pflanzen oder Sproßsysteme, die nur verhältnismäßig

kurze Zeit leben und nach Bildung der Fortpflanzungsorgane absterben,

bleiben meist „krautartig“: #Kräuter#. Große Kormi, die viele Jahre

leben und meist wiederholt fruktifizieren, erhöhen die Festigkeit

ihrer Sproßachsen und Wurzeln meist durch #Holzbildung#. Solche

#Holzgewächse# heißen #Bäume#[89], wenn sie einen Hauptstamm ausbilden

(der Säulenfestigkeit besitzen muß); sonst nennt man sie #Sträucher#.

Die Lebensdauer der Gewächse[90] und die Beschaffenheit ihrer

Sproßachsen wird in Pflanzenbeschreibungen und Katalogen

gewöhnlich durch besondere Zeichen kenntlich gemacht. Kräuter

sind: ☉ einjährige „annuelle“, ⚇ zweijährige „bienne“ Pflanzen,

♃ ausdauernde „perennierende“ Stauden; Holzgewächse: ♄ Sträucher

und ̄♄ Bäume. Einen besonderen Typus des Baumes finden wir in

den säulenförmigen, meist unverzweigten Stämmen der Palmen und

Farnbäume, denen mit dem sekundären Dickenwachstum ein echtes

Holzgewebe fehlt.

Dem Bedürfnisse nach der nötigen Anzahl von Leitungsbahnen und

der erforderlichen Festigung wird bei den Kormi der Sproßpflanzen

in verschiedener Weise Rechnung getragen: +Erstens+ nämlich gibt

es Pflanzen, bei denen die Hauptachse des Keimlings und die etwa

entstehenden Seitenzweige #schon, ehe# sie in die Länge wachsen, vor

oder während ihrer Erstarkung, also primär, so verdickt und mit so

viel Leitungs- und Festigungsgewebe ausgestattet werden, daß sie bei

ihrem späteren Längenwachstum der ganzen künftigen Größenzunahme des

Kormus genügen; die Keimwurzel bleibt bei ihnen aber dünn, stirbt meist

frühzeitig ab und wird durch sproßbürtige Wurzeln aus der Basis oder

auch aus höheren Zonen der Keimlingssproßachse ersetzt. +Zweitens+ gibt

es solche, bei denen zunächst lange, fadenförmig dünne Stengel und

Wurzeln mit wenigen Leitungsbahnen (und wenigen mechanischen Elementen)

entwickelt werden. Die Wasserversorgung der Blätter und umgekehrt die

Nahrungsversorgung des Wurzelsystems und hiermit die Größenzunahme des

Kormus würden bei ihnen meist sehr bald eine Grenze in der geringen

Zahl der Leitungsbahnen des Keimstengels und der Keimwurzel finden,

wenn nicht nach Umwandlung der Keimachse in Dauergewebe, entsprechend

den Bedürfnissen des heranwachsenden Kormus, später für Vermehrung

der Leitungsbahnen (und des Festigungsgewebes) im Wurzelsysteme und

im Keimstengel gesorgt würde. Das geschieht aber durch nachträgliche

#Zellvermehrung#, Bildung #sekundärer Gewebe# (des Sekundärzuwachses),

womit ein nachträgliches, #sekundäres Dickenwachstum# der Stengel und

Wurzeln verbunden ist. Sekundäre Gewebe nennt man solche Gewebe, die

durch Tätigkeit sekundärer Meristeme, der #Kambien# (vgl. S. 40), den

primären Geweben hinzugefügt werden oder die primären Gewebe ersetzen.

Sekundäres Dickenwachstum findet sich sowohl bei krautigen als auch bei

Holzpflanzen.

Zum #ersten# Typus[91] gehören die meisten krautigen Pteridophyten

und Monokotylen, ja selbst fast alle ihre stammbildenden Formen

(Baumfarne, Palmen, Pandanaceen, bestimmte Liliifloren). Bei den

stammbildenden Monokotylen z. B. bleibt der Keimstengel nach der

Keimung zunächst lange Zeit #sehr# kurz. Das Urmeristem seines flachen

Vegetationspunktes wächst an der Peripherie des Zentralzylinders

durch Zellvermehrung stark in die Breite. Infolgedessen erhält der

Vegetationspunkt und die Sproßachse des Keimlings, aus der der Stamm

hervorgehen soll, #von vornherein# einen sehr großen Durchmesser.

Bei solchen Formen, wie z. B. bei den Palmen und Pandanaceen,

kann der Stamm auch #nach# Ausbildung der Dauergewebe durch

Erweiterung der vorhandenen Dauergewebszellen noch längere

Zeit ein wenig weiter erstarken. Hauptsächlich die Zellen der

Sklerenchymfaserstränge, die die Siebteile der Leitbündel

begleiten, nehmen dabei an Weite zu, wodurch die ganzen Stränge

mächtiger werden. Hier und da freilich kann die Dickenzunahme von

Teilungen der Parenchymzellen begleitet sein (manche Palmen).

Zum #zweiten# Typus[92] gehören die meisten krautigen und holzbildenden

Gymnospermen, Dikotylen und einige baumförmige Liliifloren. Bei

ihnen folgt also auf das primäre Dickenwachstum (die Erstarkung) der

Stengel und Wurzeln durch #Zellvergrößerung# meist ein sekundäres

durch #Zellvermehrung# in einer besonderen Meristemzone, dem

#Verdickungsring#.

Einjährige, kletternde und windende Pflanzen beginnen oft erst in

ziemlich alten Internodien, lange nach Beendigung der Erstarkung,

sekundär in die Dicke zu wachsen. An den Zweigen der Bäume fängt

das sekundäre Dickenwachstum dagegen meist schon an, ehe die

primären Dauergewebe ausgebildet worden sind.

Sekundäres Dickenwachstum trat zuerst bei gewissen, jetzt nur aus

fossilen Überresten bekannten Pteridophyten auf; aber erst bei den

Gymnospermen und Dikotylen gelangte es zu allgemeiner Verbreitung.

+Sekundäres Dickenwachstum monokotyler Stämme.+ Es gibt auch einige

baumartige Liliifloren (Dracaena, Cordyline, Yucca, Aloë), deren Achsen

befähigt sind, mit einem sekundären Meristem sekundär in die Dicke zu

wachsen. Dieses Meristem entsteht #außerhalb# der primären Leitbündel,

die im Zentralzylinder nach Monokotylenart zerstreut sind, und zwar in

der anschließenden Rinde, aus einer im Querschnitte ringförmigen Zone

von fertigen Rindenzellen, die sich wieder zu teilen beginnen (bei den

Dracaenen meist erst in größerer Entfernung vom Stammscheitel, sonst

schon in seiner unmittelbaren Nähe). Es bildet einen Zylindermantel

aus mehreren Schichten prismenförmiger, lückenlos verbundener,

embryonaler Zellen, die durch tangentiale Wände längere Zeit nur

Zellen nach innen, später auch einige nach außen abgeben. Das weitere

Schicksal dieser so durch Teilung entstandenen embryonalen Zellen ist

ein völlig anderes als bei den Gymnospermen und Dikotylen: Die von dem

Meristem nach außen gebildeten Zellen werden nämlich zu sekundären

Rindenzellen; die nach innen abgegebenen aber teils zu #vollständigen

konzentrischen Leitbündeln# mit Außenxylem, teils zu Parenchym, dessen

Zellwände sich stark verdicken und verholzen (Fig. 164).

Die Meristemzellen haben im Querschnitt und im radialen

Längsschnitt rechteckige, im tangentialen Längsschnitt polygonale

Gestalt; es sind also Prismen mit tangential gerichteter

polygonaler Grundfläche (vgl. Fig. 167 _A II_). Solange das

Meristem einseitig tätig ist, werden seine Initialen aus dem

nach außen angrenzenden Dauergewebe der Rinde ergänzt. Sobald

es beiderseitig tätig wird, bleibt dauernd eine Zellschicht als

Initialschicht erhalten.

Ein echtes sekundäres Dickenwachstum monokotyler Wurzeln ist nur

für die Gattung Dracaena bekannt. Der Kambiumring, der es besorgt,

nimmt in der Wurzelrinde seinen Ursprung und zwar in den inneren

Teilen, die an die Endodermis grenzen.

[Illustration: Fig. 164. Cordyline (Dracaena) rubra. Querschnitt

durch den Stamm. _f_ Leitbündel, und zwar _f′_ primäre, _f″_

sekundäre, _f‴_ ein aus einem Blatte kommendes, noch innerhalb der

Rinde befindliches Bündel, _m_ parenchymatisches Grundgewebe, _s_

Leitbündelscheide, _t_ Tracheïden, _c_ Verdickungsring (Kambium), _cr_

Rinde, _ph_ Korkkambium, _l_ Kork, _r_ Rhaphidenbündel. Vergr. 30. Nach

STRASBURGER.]

[Illustration: Fig. 165. Querschnitt durch einen 5 mm dicken Zweig von

Aristolochia Sipho. _m_ Mark, _fv_ Leitbündel, und zwar _vl_ Gefäßteil,

_cb_ Siebteil, _fc_ Faszikularkambium, _ifc_ Interfaszikularkambium,

_p_ Phloëmparenchym an der Außenseite des Siebteils, _pc_ Perizykel,

_sk_ Sklerenchymring, _e_ Stärkescheide, _c_ Rinde, in dieser _cl_

Kollenchym. Vergr. 9. Nach STRASBURGER.]

+Sekundäres Dickenwachstum der Gymnospermen und Dikotylen. 1. Bildung,

Bau und Tätigkeit des Kambiums in den Stengeln.+ In den offenen

Leitbündeln der Gymnospermen und der Dikotylen kann die sekundäre

Gewebebildung an die Fertigstellung der primären Gewebe anschließen

oder schon früher beginnen. Nur der erstere Fall sei hier besprochen,

obwohl er keineswegs häufig ist. Die #zwischen# den Gefäßteilen und

Siebteilen der offenen Bündel vorhandenen Reste von Urmeristem

werden dabei zu #Kambien#, indem sie sich von neuem lebhaft zu teilen

beginnen. Die Leitbündel sind meist im Kreise angeordnet. Nachdem

die Kambiumtätigkeit innerhalb der Bündel begonnen hat, bildet sich

Kambium auch in den Markstrahlen. Eine Zone von Dauerzellen nämlich,

die die Kambien dar angrenzenden Leitbündel verbinden, beginnt sich

tangential zu teilen. Dieses #interfaszikulare Kambium# ergänzt so die

innerhalb der Bündel gelegenen #faszikularen# Kambien zu einem vollen

Zylindermantel von Meristemgewebe. Seine Zellen, die in #radialer#

Richtung wachsen, teilen sich durch tangentiale und durch quere

Scheidewände.

[Illustration: Fig. 166. Querschnitt durch ein Leitbündel eines Zweiges

von Aristolochia Sipho im ersten Jahre seiner Entwicklung, nach

begonnener Kambiumtätigkeit. _p_ Xylemparenchym, an dem Innenrande des

Gefäßteils, _vlp_ Xylemprimanen, _m′_ und _m″_ Tüpfeltracheen, _ic_

Interfaszikularkambium, sich in das Faszikularkambium fortsetzend,

_v_ Siebröhren, _cbp_ Siebprimanen, _pc_ Gewebe des Perizykels, _sk_

innerer Teil des Ringes aus Sklerenchymfasern. Vergr. 130. Nach

STRASBURGER.]

Die Fig. 165 und 166 stellen den Vorgang der Kambiumbildung für

den Stengelquerschnitt von Aristolochia Sipho dar, wo er sich

in möglichst einfacher und übersichtlicher Weise vollzieht. Die

Fig. 166 gibt ein einziges Leitbündel nebst dem angrenzenden

Interfaszikularkambium aus der Fig. 165 bei stärkerer Vergrößerung

wieder. In diesem Bündel ist die Kambiumtätigkeit bereits in

vollem Gange. Besonders fallen die in Ausbildung begriffenen

sekundären Gefäße (_m″_) auf. Innerhalb der Markstrahlen sind die

Parenchymzellen, die dem Interfaszikularkambium den Ursprung gaben,

noch deutlich zu erkennen.

Die meristematischen Kambiumzellen des Verdickungsringes, die

lückenlos verbunden sind und radiale Reihen bilden, pflegen die

Gestalt langgestreckter, in tangentialer Richtung mehr oder weniger

abgeplatteter Prismen zu haben mit beiderseits meißelförmig

zugeschärften Enden, deren scharfe Kanten radial gestellt sind, so

daß die Zellform auf Tangential-, Radial- und Querschnitten ganz

verschieden erscheint (Fig. 167). Die tangentialen Wände, die die

polygonalen oder rhombischen Grundflächen der Prismen bilden, sind

dünn, die radialen, die senkrecht auf den Grundflächen stehen, dagegen

ziemlich dick und oft getüpfelt. In dem mehrschichtigen Kambiummantel

ist eine mittlere Zellschicht, die #Initialschicht#. Ihre Zellelemente,

die in radialer Richtung wachsen, bleiben dauernd meristematisch und

geben durch fortgesetzte Teilungen mittels tangentialer Scheidewände

Tochterzellen (Gewebemutterzellen) in radialer Richtung nach außen, in

viel größerer Zahl aber nach innen hin ab. Diese Tochterzellen werden

ihrerseits, meist nach weiteren tangentialen Teilungen und nach oft

starkem Längen- und Dickenwachstum (Fig. 172), allmählich zu sekundären

Dauerzellen, deren Formen vielfach gar nicht mehr den embryonalen

Kambiumzellen ähnlich sind.

Dadurch, daß das Kambium nach innen Zellen abgibt, wird es mit

der Dickenzunahme des Stammes selbst immer weiter nach außen

geschoben; dementsprechend muß sich der Umfang des Kambiummantels

fortgesetzt vergrößern. Das ist nur möglich durch Wachstum und

Vermehrung der Zellen in #tangentialer# Richtung. Auf Querschnitten

durch das Kambium sieht es so aus, als käme diese Vermehrung durch

gelegentliche radiale Teilungswände zustande. KLINKEN[93] und

NEEFF haben uns aber darüber belehrt, daß solche Teilungen nicht

vorkommen; soll die Zellenzahl tangential vermehrt werden, so teilt

sich vielmehr eine Kambiuminitialzelle quer, worauf die Enden der

Tochterzellen durch gleitendes Wachstum tangential aneinander

vorbei wachsen.

#Alles# durch die Kambiumtätigkeit nach #innen# erzeugte Dauergewebe,

das meist hart und fest ist und aus mehr oder weniger #verholzten#

Zellen besteht, wird als #Holz, alles# nach #außen# gebildete Gewebe

dagegen, das aus meist unverholzten Zellen besteht, als #Bast#

bezeichnet.

Die vom Kambium nach außen abgegebenen Gewebe heißen wohl auch

#sekundäre Rinde#.

[Illustration: Fig. 167. Schematische Darstellung der Form der

Kambiumzellen. _A I_ und _II_ die beiden vorkommenden Formen

körperlich, die tangentiale (Breit-)Seite zeigend; _B_ Radialschnitt;

_C_ Querschnitt. Nach ROTHERT.]

Das sekundäre Gewebe, das vom #faszikularen# Kambium nach innen

gebildet wird, gleicht dem der Xylemteile, das nach außen gebildete

dem der Siebteile der primären Leitbündel. Durch die Tätigkeit des

#Interfaszikular#kambiums werden die #Markstrahlen# dauernd auf

der Holz- und der Bastseite verlängert, allerdings meist nicht in

ihrer ganzen Breite als Markstrahlen; denn der größere Teil auch des

interfaszikularen Kambiums bildet nach innen und nach außen in der

Regel ähnliche Gewebe wie das faszikulare. Da also in den Markstrahlen

nur an beschränkten, voneinander isolierten Stellen radiale Stränge von

Markstrahlgewebe gebildet werden, indem die Kambiumzellen eben nur hier

nach außen und innen Markstrahldauerzellen liefern, werden die zunächst

plattenförmigen Markstrahlen in zahlreiche neben- und übereinander

liegende kleinere, bandförmige, von spindelförmigem Querschnitt zerlegt

(Fig. 168), die das Mark mit der Rinde verbinden und als #primäre

Markstrahlen# des Holzes und des Bastes gelten. Bei zunehmender Dicke

des Holz- und Bastringes beginnen aber auch einzelne Streifen des

Faszikularkambiums, Markstrahlgewebe zu erzeugen. So werden die

#sekundären Markstrahlen# gebildet, die blind in dem Holze und Baste

endigen und um so weniger tief in beide hineinreichen, je später sie

angelegt wurden (Fig. 177).

Die Kambiumzellen, die Markstrahlzellen bilden, stehen den anderen

an Länge nach und haben auch weniger steile, ja zum Teil selbst

horizontale Endwände, weil die Kambiumzellen vor der Einschaltung neuer

Markstrahlen quer- oder schräggeteilt werden.

Man kann nach dem primären Bau der Stengel, der Entstehung des

Kambiums und der Art seiner Tätigkeit im wesentlichen drei Typen

unterscheiden[94]: 1. Im Stengel entsteht zunächst ein Ring von

kollateralen Leitbündeln, die durch breite Markstrahlplatten

aus #Dauer#gewebe voneinander getrennt sind; die Markstrahlen

behalten auch während des sekundären Dickenwachstums im Stengel

ungefähr ihre Breite, indem das interfaszikulare Kambium fast nur

Markstrahlgewebe erzeugt, so bei vielen krautigen Pflanzen, unter

verholzten fast nur bei Lianen. Bei den Kräutern, bei denen der

innere Teil der Markstrahlen zwischen den primären Gefäßsträngen

aus Sklerenchym besteht (vgl. S. 82), bildet das interfaszikulare

Kambium in den Strahlen nach innen ebenfalls solches Gewebe. 2. Im

Stengel entsteht wie bei 1. ein Kranz kollateraler Blattspurbündel,

die durch sehr breite Markstrahlen voneinander getrennt sind. Noch

#ehe# das primäre Dickenwachstum beendigt ist, entstehen aus dem

zum Teil noch #embryonalen# Markstrahlgewebe, das nun kambialen

Charakter annimmt, in jedem Markstrahle ein bis mehrere kleinere,

tangential netzartig verbundene stammeigene Zwischenbündelchen,

die den Raum des Markstrahles fast völlig ausfüllen und die

in den Maschen zwischen sich sehr schmale bandartige primäre

Markstrahlen mit spindelförmigem Querschnitt lassen (Fig. 168) (so

bei vielen Kräutern und Holzgewächsen). 3. Im Stengel entsteht

bei der Umwandlung des primären Meristemgewebes zu Dauergewebe

#von vornherein# nicht ein Kranz kollateraler Bündel, sondern ein

#ring#förmiges Bündelrohr, das man geradezu als konzentrisches

Bündel mit Innenxylem und mit zentralem Marke bezeichnen muß.

Dieses Rohr hat eine Schicht von embryonalem Gewebe zwischen

Phloëm und Xylem, das spätere Kambium, und ist von sehr schmalen,

spindelförmigen primären Markstrahlen durchsetzt oder kann auch

alle primären Markstrahlen entbehren (so bei vielen Bäumen).

[Illustration: Fig. 168. Auflösung eines primären Markstrahles in

viele kleine nach Beginn des sekundären Dickenwachstums. Tangentialer

Längsschnitt schematisch. _l_, _l_ Benachbarte primäre Leitbündel; _pm_

primärer Markstrahl, durch die Tätigkeit des interfaszikularen Kambiums

zerlegt in viele kleine spindelförmige Markstrahlen und in netzartig

verbundene sekundäre Leitbündel.]

[Illustration: Fig. 169. Schematische Darstellung des Dickenwachstums

einer dikotylen Wurzel. In _A_ bedeutet _pr_ Rinde, _e_ Endodermis. In

_A_ und _B_ sind _c_ Kambiumring, _g′_ Gefäßstrang, _s′_ Siebstrang,

_p_ Perizykel. In _B_ bedeuten außerdem _g″_ Holz, _s″_ Bast, _k_

Periderm (vgl. S. 138). Nach STRASBURGER.]

Die primären Gefäßteile ragen im sekundär verdickten Stengel

als Vorsprünge in das Mark; man nennt sie in ihrer Gesamtheit

#Markkrone#.

+2. Bildung und Tätigkeit des Kambiums in der Wurzel.+ Wie wir gesehen

haben (Fig. 157, 158), wechseln im Zentralzylinder der Wurzeln die

Gefäß- und Siebstränge miteinander ab; sie sind durch Parenchymplatten

voneinander getrennt. Beginnt nun eine solche Gymnospermen- oder

Dikotylenwurzel sekundär in die Dicke zu wachsen, so bilden sich in

diesen Parenchymplatten parallel zu ihren Flächen, also zwischen den

Gefäß- und Siebsträngen, durch Teilung der Zellen Kambiumstreifen

aus, die nach innen Holz, nach außen Bast erzeugen. Die Ränder der

Kambiumstreifen treffen im Perizykel vor den Gefäßsträngen zusammen;

hier werden die Perizykelzellen ebenfalls zu Kambiumzellen: Nun

ist ein vollständiger Kambiummantel mit welligem Querschnitt da,

der, wie beim Stengel, im ganzen Umkreis seine Tätigkeit ausüben

kann (vgl. die dunkle Linie der schematischen Fig. 169 _A_). Die

Einbuchtungen gleichen sich bald aus, so daß der Mantel kreisförmigen

Querschnitt erhält (Fig. 169 _B_). Dem Holzkörper und dem Baste fehlen

die eigentlichen primären Markstrahlen, doch werden wie im Stengel

sekundäre erzeugt; bei manchen Pflanzen besonders große, plattenförmige

vor den primären Gefäßsträngen (vgl. Fig. 169 _B_). Der Querschnitt

durch eine Wurzel, die jahrelang in die Dicke gewachsen ist, läßt

sich von einem Stammquerschnitt ohne eingehendere Untersuchung nicht

unterscheiden; erst durch solche kann man inmitten der Wurzel das

Vorhandensein ihrer eigenartigen primären Gefäßstränge feststellen.

[Illustration: Fig. 170. Querschnitt durch einen Stamm von Mucuna

altissima. _1_, _2_, _3_ aufeinanderfolgende Holzkörper. _1*_, _2*_,

_3*_ aufeinanderfolgende Bastzonen. _3_ und _3*_ innerhalb des

Perizykels in Bildung begriffen. ¾ nat. Gr. Nach SCHENCK.]

+Wiederholte Kambiumbildung in Stämmen und Wurzeln.+ Außer den

allgemein verbreiteten Vorgängen des sekundären Dickenwachstums

kommen in den Stämmen und in den Wurzeln bei Gymnospermen und

Dikotylen auch andere vor, die als #Anomalien# dem normalen Typus

gegenübergestellt werden. Sie kennzeichnen sich durch abweichende

Verteilung und Tätigkeit der Kambien.

Bei einigen Cycadeen und bestimmten Gnetum-Arten unter den

Gymnospermen, bei Chenopodiaceen, Amarantaceen, Nyctagineen,

Phytolaccaceen und noch anderen Familien unter den Dikotylen

hört der erste, in gewohnter Weise entstandene Kambiumring nach

längerer oder kürzerer Zeit zu funktionieren auf. Es bildet sich

ein neuer Kambiummantel meist im Perizykel, also außerhalb der

Bastzone, oder in einem vom ersten Kambiummantel abstammenden

Gewebe. Dieses Kambium erzeugt wiederum nach innen Holz, nach

außen Bast, beides mit Markstrahlen. Alsdann erlischt es; wieder

ein neues, außerhalb des neuen Bastmantels entstehendes Kambium

tritt an seine Stelle. Der Vorgang wiederholt sich und führt

zur Bildung konzentrischer Holz-Bastzonen. Solche treten uns z.

B. an dem Fig. 170 dargestellten Stammquerschnitt einer zu den

Papilionaceen gehörenden Liane, der Mucuna altissima, als Ringe

deutlich entgegen. Konzentrische Holz-Bastmäntel findet man auch an

manchen fleischigen Wurzeln, die zwei oder mehr Vegetationsperioden

ausdauern. So bei der Runkelrübe (Beta vulgaris), wo man sie schon

mit dem bloßen Auge auf Querschnitten sehen kann. Sie entstehen

wie eben beschrieben; nur herrschen in diesen Zuwachszonen, ebenso

wie im typischen sekundären Zuwachs anderer fleischiger Wurzeln,

die Parenchyme vor, die vermehrt werden, um der Speicherung von

Reservestoffen zu dienen.

Lehrbuch der Botanik für Hochschulen · 第 17 / 90 段