Ebensowenig sehen wir über die #Phylogenie der Bündeltypen# klar.

Allen Grund haben wir freilich zu der Annahme, daß ein Stengel

mit #einem einzigen# zentralen Leitbündel als primitiv anzusehen

ist. Ein solches finden wir in den Stengelteilen mancher lebender

und ausgestorbener Farnpflanzen und in sämtlichen Wurzeln. Zu den

einfachsten und phylogenetisch ältesten Leitbündeln dürfte das

konzentrische Bündel mit einem soliden zentralen Xylemstrange

gehören; wenigstens ist ein solches, wie es scheint, in den

Keimsprossen fast aller lebenden Farne vorhanden (vgl. Fig. 123

_A_). Aber auch das radiale Bündel dürfte phylogenetisch sehr alt

sein. Dafür spricht, daß es #allen# Wurzeln lebender und fossiler

Kormophyten, soweit wir wissen, zukommt und daß es außerdem auch

in den Stengeln einiger Kormophyten ausgebildet ist, während kein

anderer Bündeltypus in Stengeln #und# Wurzeln sich findet. Die

Vielförmigkeit, die man im Bau und in der Anordnung der Sproßbündel

bei den Farnpflanzen im Gegensatz zu den Samenpflanzen findet,

erlaubt auch Vermutungen darüber, wie aus einem Stengel mit

#einem# konzentrischen Bündel Stengel mit anderem Bau entstanden

sein können. Einmal nämlich finden wir Formen (Fig. 123 _B_),

bei denen der Gefäßteil des einzigen zentralen Bündels zu einem

Hohlzylinder mit zentralem Strang von Parenchym („Mark“) geworden

ist (Gleicheniaceen, Schizaeaceen), weiter solche (Fig. 123 _C_),

wo auf den Xylemhohlzylinder noch ein innerer Phloëmmantel und

dann erst ein Mark folgt (z. B. Marsilia); endlich solche (Fig.

123 _F_), bei denen dieses Bündelrohr von rhombischen Lücken, den

Blattlücken (d. h. den Ausgangsstellen der Blattbündel), zu einem

netzartigen Maschenwerk durchbrochen ist (z. B. Aspidium Filix

mas). In diesem Falle findet man auf dem Stengelquerschnitte einen

Kranz von #zahlreichen#, übrigens typisch gebauten konzentrischen

Bündeln, jedes mit einem soliden, zentralen Xylemstrange. Ferner

kommen aber auch Formen vor (Fig. 123 _D_), bei denen in dem

zentralen, konzentrischen, markhaltigen Bündel der an das Mark

anschließende Xylemhohlzylinder in eine Anzahl nebeneinander

liegender, längs verlaufender Xylemstränge aufgelöst ist, die

durch radiale Parenchymplatten voneinander getrennt und von einem

geschlossenen Phloëmaußenmantel umhüllt werden (z. B. Osmunda).

Und schließlich gibt es Formen (Fig. 123 _E_), bei denen auch

dieser Phloëmmantel noch in entsprechende Stränge zerlegt ist, so

daß die radialen Parenchymplatten als „Markstrahlen“ die nunmehr

kollateralen Xylem-Phloëmstränge völlig voneinander trennen

(Rhizom von Ophioglossum). Diese Reihen zeigen uns, wie aus

#einem# zentralen konzentrischen Bündel durch Zerteilung erstens

ein netzartiges Bündelrohr, das im Querschnitt aus #vielen#

konzentrischen, kreisförmig angeordneten Bündeln besteht, zweitens

ein Hohlrohr aus kollateralen Bündeln entstehen kann. Nimmt man

an, daß die phylogenetische Entwicklung sich in dieser Weise

vollzogen hat, so würde also nicht #ein# kollaterales Bündel der

Samenpflanzen oder #eines# der vielen konzentrischen Bündel, die

man auf den Stengelquerschnitten vieler Farne findet, dem #einen#

zentralen konzentrischen Bündel „primitiv gebauter“ Farnpflanzen

homolog sein, sondern die #Gesamtheit# aller kollateralen oder

konzentrischen Bündel im Stengel, d. h. also der Zentralzylinder

wäre homolog zu setzen dem #einen# zentralen konzentrischen oder

radialen Leitbündel. Bezeichnet man nach dieser Auffassung, der

Stelärtheorie[70], das radiale Bündel oder das einzige #zentral#

gelegene konzentrische Bündel als #Stele#, so hätte die Gesamtheit

der konzentrischen oder kollateralen Bündel, die zu einem

Bündelrohr verbunden sind, samt dem umschlossenen Mark ebenfalls

als Stele zu gelten, da sie ja aus der Urstele entstanden gedacht

ist. Danach kann also ein „Einzelbündel“ eine ganze Stele oder

nur ein Teil einer solchen sein. Die Stele (der Zentralzylinder)

der Samenpflanzen liegt gewöhnlich als zentraler Gewebestrang im

Stengel (Monostelie). Doch kommen auch Fälle vor, wo er in mehrere

Teilzylinder zerlegt ist (Polystelie), so in den Stengeln der

Aurikeln und von Gunnera.

γ) +Die Blätter+[71]. +1. Anlage der Blätter.+ Wir sahen die

Blattanlagen am Vegetationspunkte des Sprosses exogen als #seitliche#

Höcker oder Wülste auftreten (Fig. 98, 102 _f_), die zunächst

ungegliedert sind. Man kann sie als #Blattprimordien# bezeichnen

(Fig. 127 _A_, _b_). Gewöhnlich nimmt eine Blattanlage nur einen Teil

des Vegetationspunktumfanges ein; doch kommt es auch vor, daß sie

als ringförmiger Wall den ganzen Vegetationspunkt umfaßt. Auch die

Anlagen mehrerer quirlständiger Blätter können zunächst als einziger

ringförmiger Wall auftreten und sich erst weiterhin sondern; entstehen

sie sogleich als selbständige Anlagen, so bilden sich diese entweder

gleichzeitig oder in der Regel[65], [114] nacheinander aus.

In freilich seltenen Fällen kann ein Blatt auch terminal am

Vegetationspunkte entstehen.

[Illustration: Fig. 124. Ahorn (Acer platanoides). _A_ Außenansicht

einer Knospe mit zwei Blattanlagen, zwischen denen der Vegetationskegel

des Sprosses zu sehen ist. In _sp_ die Blattspreite, an der fünf

Abschnitte angelegt sind, von denen der oberste Abschnitt zuerst

ausgebildet wurde. In _st_ die Zone, durch deren Wachstum der

Blattstiel später entstehen soll. _B_ Älteres Blatt von der Seite, die

Stränge in seinem Innern stellen die Leitbündelanlagen vor, die später

äußerlich die Nervatur bestimmen sollen. _C_ Ausgewachsenes Blatt mit

schematischer Darstellung des Leitbündelverlaufs. _D_ Querschnitt durch

den basalen Teil einer Knospe, mit je drei Bündelanlagen in jedem

Blatt. _E_ höher geführter Querschnitt durch eine Knospe, die Zahl der

Bündelanlagen durch Verzweigung innerhalb der Blätter vermehrt. _A_,

_B_ und _E_ schwach vergrößert. Nach DEINEGA aus Goebels Organographie.]

Während der Sproß im allgemeinen mittels seines Vegetationspunktes

#unbegrenzt#, und zwar an der Spitze weiterwächst, ist das Wachstum der

Blattanlagen, die meist nur kurze Zeit an ihrer Spitze wachsen, in der

Regel #begrenzt#. Ausgesprochenes und langdauerndes Scheitelwachstum

zeichnet dagegen z. B. die Blätter der Farne aus. Ist das Wachstum

begrenzt, so wird die Spitze, die in ihrer Entwicklung dem übrigen

Blatte voranzueilen pflegt, zuerst in Dauergewebe umgewandelt. Das

geschieht zum Schutze der jüngsten Knospenteile, den die Blätter

zunächst zu übernehmen haben, wie wir schon sahen. Das weitere Wachstum

des Blattes vollzieht sich in der Regel durch Streckung #interkalar#,

und zwar meist so, daß von der Spitze nach der Basis fortschreitend das

Blattmeristem in Dauergewebe übergeht, das Wachstum also am längsten

und stärksten in der #Blattbasis# bis zur fertigen Ausgestaltung des

Blattes fortdauert.

Besonders auffällig ist das Vorauseilen in der Ausbildung der

Blattspitzen bei verschiedenen tropischen Gewächsen, besonders

Kletterpflanzen. Dort fällt diesen Blattspitzen nach M. RACIBORSKI,

der sie Vorläuferspitzen nennt, die Aufgabe zu, vor der

Fertigstellung des Blattes schon die Funktionen der Blattspreite zu

übernehmen.

Sehr eigenartig und abweichend von allen anderen Kormophyten

verhält sich Welwitschia mirabilis. Sie bildet über den

Keimblättern nur ein einziges Paar von Laubblättern, deren basale

Zonen in jährlicher Periode einen Zuwachs erfahren, während die

Blattenden allmählich verwittern.

+2. Verschiedene Ausgestaltung der Blätter.+ Die Blätter des Sprosses

haben sehr verschiedene Funktionen und werden dementsprechend an einem

und demselben Stengel ganz verschieden ausgebildet, obwohl sie alle

der Anlage nach gleich angelegt sind. Den Wechsel in der Ausbildung

aufeinanderfolgender Blätter am Stengel bezeichnet man als seine

#Blattfolge#.

[Illustration: Fig. 125. Maiblume (Convallaria majalis). _nd_

Niederblätter, _lb_ Laubblätter, _hb_ Hochblätter, _b_ Blüte, _ws_

Wurzelstock, _aw_ Adventivwurzeln. Etwas verkleinert. Nach SCHENCK.]

[Illustration: Fig. 126. Vogelkirsche (Prunus avium). Knospenschuppen

_1-3_ und die Übergangsformen _4-6_ zum Laubblatt _7_, _sp_

Blattspreite, _s_ Stiel, _nb_ Nebenblätter. Etwas verkleinert. Nach

SCHENCK.]

Der Hauptsproß der Keimpflanze trägt zu unterst die #Keimblätter# oder

Kotyledonen, die der Keimstengel, das Hypokotyl (Fig. 155), eines

Keimes schon im Samen besitzt. Nur ein einziges solches Blatt kommt bei

den Monokotylen vor; zwei Keimblätter sind bei den Dikotylen(Fig. 155)

und bei manchen Gymnospermen, mehr als zwei bei anderen Gymnospermen

vorhanden. Auf die Keimblätter folgen an den Erdsprossen und oft auch

an den Luftsprossen mehr oder weniger schuppenförmige #Niederblätter#

(Fig. 125 _nd_), an den Luftsprossen hierauf die #Laubblätter# (_lb_)

und weiter oben wieder einfacher gestaltete #Hochblätter# (_hb_). Wir

wollen zunächst die Laubblätter betrachten, da die übrigen Blätter nur

Umbildungen von ihnen sind.

+A. Die Laubblätter.+ Die Laubblätter sind äußerlich recht verschieden

gebaut. Ihre Gestalt und ihre Gliederung werden deshalb bei der

Diagnose der Pflanzen häufig verwertet. Meist ist das Laubblatt

#gegliedert#, und zwar in die lebhaft grüne, flächenförmige und

sehr dünne #Blattspreite# (Lamina, Fig. 126 _sp_), meist ungenau

Blatt genannt, in den stengelartigen #Blattstiel# (Petiolus, Fig.

126 _s_) und an seiner Basis in den #Blattgrund#. Dieser kann als

#Blattpolster# (Blattkissen) oder als #Blattscheide# (Vagina, Fig. 138

_v_) ausgebildet sein, die den Stengel oberhalb des Blattknotens mehr

oder weniger umhüllt oder #Nebenblätter# (Stipulae, Fig. 126 _nb_)

ausgliedert. Bei vielen Blättern fällt der Blattgrund aber nicht durch

besondere Form und Größe auf, sondern geht allmählich in den Blattstiel

über, oft auch in die #Nebenblätter# (Stipulae, _nb_). Fehlt der Stiel,

so heißt das Blatt sitzend; ist er vorhanden, gestielt. Die Anfänge

der Blattgliederung pflegen sich an den Laubblattanlagen schon sehr

frühzeitig bemerkbar zu machen: die Primordialblätter sondern sich sehr

bald, nachdem sie als Wülste am Vegetationspunkte sichtbar geworden

sind, in das #Oberblatt# (Fig. 127 _A_ und _B_, _o_) und in den

Blattgrund (_A_ und _B_, _g_). Aus dem Oberblatte geht die Blattspreite

(Fig. 124 _A_, _sp_) und, wo vorhanden, auch der Blattstiel hervor

(_A_, _st_). Dieser wird erst nachträglich, verhältnismäßig spät,

durch interkalares Wachstum zwischen die schon vorhandene Blattspreite

und den Blattgrund eingeschaltet, ist also niemals direkt am Stengel

befestigt.

+a) Die Blattspreite.+ +Äußerer Bau+ (Fig. 129). Die in der Regel

ausgesprochen dorsiventrale, oberseits meist dunkler grün gefärbte

Blattspreite kann #ungeteilt# oder #geteilt# (Fig. 124 _C_), ja sogar

aus Teilblättchen #zusammengesetzt# sein. Solche zusammengesetzten

Blätter entstehen entweder durch Verzweigung aus den Rändern der

Anlagen (Fig. 124 _A_) oder in seltenen Fällen (z. B. Palmen) durch

Zertrennung der jugendlichen unverzweigten Spreiten bei ihrer

Entfaltung. Den Monokotylen kommen vorwiegend einfache Blätter zu,

während die zusammengesetzten bei Dikotylen häufig sind.

[Illustration: Fig. 127. Blattentwicklung bei der Feldulme (Ulmus

campestris). _A_ Der Vegetationskegel _v_, mit zwei Blattanlagen. Die

jüngste Blattanlage _b_ noch ungegliedert, die nächstältere gegliedert

in Oberblatt _o_ und Blattgrund _g_. _B_ Das ältere Blatt von _A_,

schräg von außen gesehen. Vergr. 58. Nach STRASBURGER.]

Die Blattspreite heißt #schildförmig#, wenn der Blattstiel in ihrer

Mitte zu entspringen scheint (Fig. 241). An der #ungeteilten#

Spreite (Fig. 125 _lb_, 126 _sp_) ist der Rand nicht oder nur

seicht eingeschnitten; er kann #gesägt#, #gezähnt#, #gekerbt#

oder #ausgeschweift# sein. Sind tiefere Einschnitte vorhanden, so

heißt das Blatt, wenn sie nicht bis zur Mitte der Spreitenhälften

reichen, #gelappt#; wenn sie bis zu ihrer Mitte gehen, #gespalten#

(Fig. 140 _sb_); wenn sie darüber hinaus sich fortsetzen, #geteilt#

(Fig. 142 _l_). Nur wenn die einzelnen Abschnitte der Spreite

so selbständig sind, daß sie als gesonderte Teilblättchen, kurz

#Blättchen# genannt, an dem gemeinsamen Blattstiel oder an der

ursprünglichen Mittelrippe der Spindel eingefügt sind, heißt das

Blatt #zusammengesetzt# (Fig. 141, _1-5_); in allen anderen Fällen

gilt es als #einfach#. Die Teilung der Spreite ist #fingerartig#

(Fig. 142) oder #fiederartig# (Fig. 141, _1-5_), je nachdem die

Einschnitte gegen den Grund der Spreite zusammenlaufen oder gegen

deren Mittelrippe gerichtet sind.

Die Blättchen eines zusammengesetzten Blattes können während

ihrer Entwicklung ähnlich wie die Anlage gegliedert werden, aus

der sie hervorgingen; und an ihren Teilen kann sich die nämliche

Erscheinung wiederholen. Alsdann spricht man von doppelt, dreifach

und mehrfach zusammengesetzten Blättern. Häufig sind einfach und

doppelt gefiederte (Fig. 141) Blätter, deren Blättchen beiderseits

an Spindeln erster oder zweiter Ordnung eingefügt sind. Die

Blättchen eines zusammengesetzten Blattes können ganzrandig oder

mehr oder weniger tief eingeschnitten sein. Sie sitzen unmittelbar

der Spindel an, oder sie sind gestielt und unter Umständen sogar,

wie z. B. bei Phaseolus (Fig. 135 _fg_), Robinia, Mimosa, mit

angeschwollenen „Gelenkpolstern“ an den Einfügungsstellen versehen.

An Spreitenanlagen, die nicht einfach bleiben, vielmehr während

ihrer weiteren Entwicklung sich mehr oder weniger verzweigen,

werden die seitlichen Abschnitte meist in basipetaler Richtung,

also von der Spitze gegen die Basis fortschreitend, angelegt

(Fig. 124 _A_); doch ist auch eine entgegengesetzte, akropetale

Entwicklungsrichtung oder eine Kombination von beiden nicht

ausgeschlossen.

Die gelappten und oft auch durchlöcherten Blattspreiten der

Aracee Monstera kommen dadurch zustande, daß an den jugendlichen

Blättern inselartige Gewebemassen zwischen den Rippen absterben

und sich herauslösen. Auch die Abschnitte der fächerförmigen

und fiederförmigen Palmenblätter entstehen durch nachträgliche

Zertrennung der Blattspreiten, und zwar in der Weise, daß innerhalb

der ungeteilt angelegten und gefalteten jugendlichen Blattspreiten

vor deren Entfaltung entweder Gewebestreifen an den Oberkanten der

Falten absterben oder die Zellwände hier verschleimen und sich

voneinander trennen (so z. B. bei Cocos und Chamaerops)[72].

Die Blattspreiten #ungestielter# Blätter sitzen meist mit breiter

Basis an dem Stengel. Greift diese Basis jederseits noch um den

Stengel, so ist das Blatt #stengelumfassend#: z. B. bei Papaver

somniferum; umgibt sie geschlossen den Stengel, dann heißt es

#durchwachsen# (Bupleurum-Arten). Sind die Spreiten zweier

gegenüberstehender Blätter am Grunde verbunden, dann sind sie

#verwachsen# (Lonicera caprifolium). Setzt sich die Spreite abwärts

am Stengel flügelartig fort, so wird das Blatt als #herablaufend#

bezeichnet (Verbascum thapsiforme).

[Illustration: Fig. 128. Blatt des Rotdorns (Crataegus) mit

Netznervatur. ¾ nat. Gr. Nach NOLL.]

[Illustration: Fig. 129. Schematisches Bild eines dorsiventralen

Laubblattes. Bei _A_ in Flächenansicht. Bei _B_ im Querschnitt. _ss_

Die Symmetrieebene (Mediane). Nach STRASBURGER.]

Die Blattspreiten sind von meist heller grünen #Nerven# (Adern)

durchzogen, die ein reichverzweigtes Netzwerk bilden. Diese Blattnerven

springen mit ihren dickeren Ästen (den #Rippen#) gewöhnlich auf

der Blattunterseite mehr oder weniger hervor, während ihnen auf

der Oberseite oft Furchen entsprechen. Die feineren Verästelungen

werden erst sichtbar, wenn man die Spreite im durchscheinenden Lichte

betrachtet. Vielfach ist ein in der Mediane der Spreite verlaufender

Nerv besonders kräftig entwickelt; er heißt #Mittelnerv# oder

#Hauptnerv#. Es können aber auch mehrere gleich starke Nerven als

Hauptnerven ausgebildet sein (Fig. 124). Von allen solchen Nerven

entspringen #Seitennerven# (Fig. 128).

Die Benennung der Nervatur richtet sich nach der Art des

Nervenverlaufs. Die Blätter der meisten Nadelhölzer sind

#einnervig#. Bei #mehrnervigen# Blättern stellt die #gabelige#

Nervatur einen besonderen Typus dar, wobei ein Mittelnerv nicht

zustande kommt. Sie ist für verschiedene Farne, außerdem für

Ginkgo biloba bezeichnend. Im übrigen unterscheidet man bei den

mehrnervigen Blättern die #streifige Nervatur#, bei der mehrere

Hauptnerven annähernd parallel oder im Bogen in der Längsrichtung

der Spreite verlaufen (Fig. 138 _s_) und gegen deren Ende

zusammenneigen, und die #netzartige Nervatur# (Fig. 128), bei

der die Nerven, an Stärke abnehmend, auseinander entspringen und

schließlich in einem feinen Maschenwerk ihren Abschluß finden. Aber

auch bei streifiger Nervatur pflegen die Hauptnerven durch schwache

Quernerven (Anastomosen) verbunden zu sein. Bei netzartiger

Nervatur unterscheidet man weiter zwischen #fiedernervigen#

Blättern (Fig. 128), wenn einem medianen Hauptnerven schwächere

Seitennerven entspringen, und #handnervigen# Blättern (Fig. 124,

140 _sb_), wenn mehrere annähernd gleich starke Hauptnerven an

der Basis der Spreite auseinandergehen. Die streifige Nervatur

kennzeichnet im allgemeinen die Monokotylen, die netzartige einige

Farne und die meisten Dikotylen.

+Innerer Bau.+ Der innere Bau der Laubblätter ist sehr mannigfaltig,

aber meist ausgesprochen #dorsiventral# (bifazial): die Gewebe auf der

Oberseite sind anders ausgebildet als auf der Unterseite (Fig. 129,

132).

Viele Blätter, besonders solcher Arten, die stark besonnte,

verhältnismäßig trockene Standorte bewohnen, doch z. B. auch vieler

submerser Wasserpflanzen, sind aber oben und unten gleich, also

isolateral (äquifazial, zentrisch) gebaut (Fig. 185, 191).

a) #Nerven#. Sie enthalten in Ein- oder Mehrzahl die Leitbündel der

Blätter. Die #reiche Verzweigung#, die Ausbildung der Leitbündel als

ein #sehr feines Netzwerk#, das sich über die ganze Blattspreite

ausdehnt, ist für die Blattspreiten besonders bezeichnend. Es läßt sich

durch Mazeration der Blätter als sehr zierliches Blattskelett isolieren.

Der Bau der Leitbündel in der Blattspreite entspricht meist dem

im Stengel. Bei den Phanerogamen sind die Blattbündel gewöhnlich

kollateral. Da sie die Fortsetzungen der Blattspurbündel des Stengels

sind, so wenden sie ihren Gefäßteil nach oben, ihren Siebteil nach

unten.

Das Xylemparenchym der Blattbündel ist meist zu Platten angeordnet,

die auf den Bündelquerschnitten als radiale Zellreihen im

Gefäßteile erscheinen.

Im dem Maße, wie die Bündel sich in der Blattspreite mehr und mehr

verzweigen und schwächer werden, vereinfacht sich ihr Bau. Zunächst

schwinden die Tracheen; nur netz- und schraubenförmig verdickte

Tracheïden bleiben als wasserleitende Bahnen im Gefäßteile zurück.

Zugleich wird der Siebteil reduziert. Bei den Angiospermen, deren

Siebröhren von Geleitzellen begleitet werden, nehmen die Siebröhren

an Weite ab, während die Geleitzellen ihren früheren Durchmesser

behalten. Schließlich unterbleibt in den Zellen, die Siebröhren

fortsetzen, die Teilung in Siebröhrenglieder und Geleitzellen: es

werden #Übergangszellen# gebildet. Mit diesen hört der Siebteil

auf, während der Gefäßteil noch durch kurze Schraubentracheïden

vertreten ist und schließlich blind endigt (Fig. 130).

[Illustration: Fig. 130. Leitbündelendigung im Blatt von Impatiens

parviflora. Vergr. 240. Nach SCHENCK.]

Den Nadeln der Koniferen, die meist nur von 1-2 medianen längs

verlaufenden Leitbündeln durchzogen werden, fehlen alle feineren

Bündelverzweigungen. Den Außenrändern des Xylems folgt ein Saum

eigenartiger, toter, tracheïdaler Zellen mit Hoftüpfeln, den

Außenrändern des Phloëms ein entsprechender Saum eiweißreicher

Zellen. Dieses #Transfusionsgewebe#, das mehr oder weniger

tief in das lebende Blattgewebe beider Blatthälften eindringt,

vermittelt bei den Koniferen offenbar den Stoffverkehr zwischen

Nerv und diesem Blattgewebe.

Die Leitbündel werden von #Parenchymscheiden# umgeben, die in den

dickeren Nerven vielschichtig sind, einschichtig aber selbst ihre

feinsten Verzweigungen umschließen. Die Zellen dieser Scheiden sind

meist gestreckt und stets lückenlos verbunden. Den Leitbündeln folgen

auf einer oder beiden Seiten (Fig. 131, _1_) häufig auch Stränge

von Sklerenchymfasern. Sie bilden namentlich an den Siebteilen der

stärkeren Bündel im Querschnitte sichelförmige Beläge, veranlassen

vorwiegend das Vorspringen der Blattrippen an der Spreitenunterseite

und machen die Spreite biegungsfest. Stränge aus Sklerenchym kommen bei

manchen Blättern auch #zwischen# den Nerven vor (Fig. 131, _1_), ferner

auch am Blattrande; solche sklerenchymatischen oder kollenchymatischen

Verstärkungen des Randes dienen zum Schutze gegen scherende Kräfte,

die die Blattflächen zu zerreißen suchen (Fig. 131, _2_). Große

Blattspreiten, denen ein solcher Schutz am Rande fehlt, werden im

Freien vom Winde zerfetzt (Banane).

b) #Epidermis und Mesophyll.# Das Laubblatt wird allseits von einer

typischen #Epidermis# umschlossen. Sie ist auf der Blattunterseite

#besonders reich# an Spaltöffnungen, die der Oberseite nicht selten

ganz fehlen (z. B. bei fast allen Laubbäumen).

[Illustration: Fig. 131. Blatt der Liliacee Phormium tenax (des

neuseeländischen Flachs). _1_ Blattquerschnitt. _Sc_ Sklerenchymplatten

und -stränge. _A_ Grünes Assimilationsparenchym. _H_ Epidermis

(Wasserspeicher). _W_ Farbloses Mesophyll (innere Wasserspeicher).

_2_ Randpartie desselben Blattes. _E_ Stark verdickte und gebräunte

Epidermis. _R_ Randbündel aus Sklerenchymfasern. Nach NOLL.]

[Illustration: Fig. 132. Querschnitt durch das Blatt der Buche

(Fagus silvatica). _ep_ Epidermis der Oberseite, _ep″_ Epidermis der

Unterseite, _ep‴_ längsgestreckte Epidermiszellen über einem der

Leitbündel, die der Querschnitt durch das Blatt der Quere nach trifft,

_pl_ Palisadenparenchym, _s_ Trichterzellen, _sp_ Schwammparenchym,

_k_ kristallführende Sekretzellen, _k′_ eine Kristalldruse, _st_

Spaltöffnung. Vergr. 360. Nach STRASBURGER.]

Man findet an der Unterseite durchschnittlich 100-300

Spaltöffnungen auf dem Quadratmillimeter; doch kann diese Zahl in

einzelnen Fällen bis über 700 steigen. Isolaterale Blätter pflegen

auf beiden Seiten, Schwimmblätter nur oberseits Spaltöffnungen zu

besitzen.

Die Blattepidermis kann auch ein #Wasserspeicher# sein. Besonders

in diesem Falle ist sie nicht selten #mehrschichtig#.

Das von der Epidermis umschlossene Gewebe der Blattspreite zwischen den

Rippen besteht hauptsächlich aus Parenchym, das man als #Mesophyll#

bezeichnet. Darin sind die feineren Nervenäste eingebettet. Auf die

Epidermis der Oberseite (Fig. 132 _ep_) pflegen eine bis drei senkrecht

zur Oberfläche gestreckte Lagen zylindrischer (schlauchförmiger)

Parenchymzellen zu folgen, die #Palisadenzellen# (_pl_). Sie sind

besonders chlorophyllreich, bilden also ein Assimilationsparenchym und

sind meist seitlich voneinander durch enge Interzellularen getrennt.

Oft neigen die Palisadenzellen mit ihren unteren Enden deutlich zu

Büscheln zusammen (Fig. 132) und schließen an trichterförmig erweiterte

Zellen (die Trichterzellen _s_) an.

Lehrbuch der Botanik für Hochschulen · 第 13 / 90 段