+Der Zentralzylinder+ besteht ebenfalls vor allem aus Parenchym,

das seiner Lage entsprechend farblos oder nur schwach grün ist und

hauptsächlich der Speicherung und Leitung von Stoffen dient; daneben

kommt oft auch Sklerenchym in ihm vor. Seine wichtigsten Bestandteile

aber sind die #Leitbündel#. Sie sind es, die die Blätter von den

Wurzeln her mit Wasser und mit den notwendigen Nährsalzen aus dem

Boden versorgen und umgekehrt organische Substanzen aus den Blättern

zu dem Wurzelsystem schaffen. Die Bündel sind in das übrige Gewebe

des Zentralzylinders eingebettet, wovon sie sich durch ihre engen

Elemente und den Mangel an Interzellularen schon bei ganz schwacher

Vergrößerung abheben. Sondert sich der Zentralzylinder gegen die Rinde

durch eine Scheide scharf ab, so pflegen die Leitbündel nicht direkt

an die Scheide anzugrenzen; den peripheren, ein- bis mehrschichtigen,

leitbündelfreien Gewebemantel des Zylinders, der nicht selten aus

Parenchym besteht (Fig. 112 _A_, _B_, _pc_), kann man als #Perizykel#

bezeichnen.

Entweder ist nur #ein# zentrales Leitbündel im Stengel vorhanden, wie

bei manchen Farnen und bei Lycopodium, oder es verlaufen im Stengel

#mehrere# Leitbündel. In diesem Fall, der die Regel bildet, haben die

Leitbündel einen #bestimmten# Verlauf und auf den Stengelquerschnitten

infolgedessen eine eigenartige Anordnung. Auf den Querschnitten

durch die Internodien sind sie nämlich im Zentralzylinder bei den

Schachtelhalmen (Equiseten), den meisten Farnen, Gymnospermen und

Dikotylen (Fig. 165) in einem Kreise angeordnet, dagegen bei den

Monokotylen (Fig. 109) ohne Ordnung zerstreut. Bilden die Leitbündel

einen Kreis, so gelten die von ihnen umschlossenen Gewebe des

Zentralzylinders, die meist aus lebenden oder auch aus frühzeitig

absterbenden Parenchymzellen bestehen, als #Mark# (Fig. 112 _A_, _m_),

die die Bündel seitlich trennenden Gewebe als #Markstrahlen# (_ms_).

Bei zerstreuter Verteilung der Bündel (Fig. 109) fehlt diese Sonderung.

[Illustration: Fig. 112. _A_ Teil eines Querschnittes durch einen

jungen Stamm von Aristolochia Sipho. _e_ Epidermis, _pr_ Rinde, _st_

Stärkescheide, _c_ Zentralzylinder, _pc_ Perizykel, in diesem Falle

mit einem Ring von Sklerenchymfasern, _cv_ Leitbündel, und zwar

_cv″_ Gefäßteile, _cv′_ Siebteile, _cb_ Kambiumring, _m_ Mark, _ms_

Markstrahl. Vergr. 48. _B_ Kleiner Teil eines Querschnittes aus dem

Umkreis eines noch jüngeren Stammteils. _e_ Epidermis, _pr_ Rinde,

_st_ Stärkescheide mit leicht beweglichen Stärkekörnern, _pc_ äußere

Zellschichten des Perizykels. Vergr. 350. Nach STRASBURGER.]

Doch gibt es auch Farne (z. B. Pteris) und #Dikotylen#, bei denen

die Leitbündel #zwei# (Cucurbita, Phytolacca, Piper) oder #mehr#

Kreise (Amarantus, Papaver, Thalictrum) bilden. Die inneren Kreise

pflegen wenig regelmäßig zu sein. Ferner gibt es in beiden Gruppen

Gewächse, bei denen außer dem Bündelring und den Markbündeln noch

kleine akzessorische Rindenbündel vorkommen.

Die Markstrahlen können aus Parenchym bestehen; nicht selten, z.

B. bei vielen Kräutern, werden aber ihre inneren Teile, zwischen

den #Gefäß#strängen der Leitbündel, aus Sklerenchym gebildet,

wogegen sich die äußeren parenchymatischen Teile zwischen den

#Sieb#strängen der Bündel alsdann scharf absetzen.

Unterirdische Stengelteile (Erdsprosse) und submerse

Wasserpflanzen, die zugfest gebaut sein müssen, haben die

mechanischen Gewebe oft in ihrer Mitte, also im Marke.

+Leitbündelverlauf.+ Ihren Funktionen entsprechend bilden die

Leitbündel in den Pflanzen #ununterbrochene# Stränge, die sich,

namentlich an Mazerationspräparaten, von den Wurzelspitzen bis in

die Blattspitzen verfolgen lassen. Solche Präparate kann man aus

krautartigen Pflanzenteilen gewinnen, die man in Wasser so lange liegen

läßt, bis die Gewebe mit Ausnahme der resistenteren Leitbündel verfault

sind.

Im Stengel ist der Verlauf besonders verwickelt. In die Basis der

Sproßachse tritt das Leitbündel der Wurzel ein, das sich mit den

Stengelbündeln vereinigt (vgl. S. 118). Die Stengelbündel können bis

zur Stengelspitze verlaufen, ohne an ihrem Ende in Blätter überzugehen.

Man nennt solche Leitbündel #stammeigene# Bündel. Umgekehrt sind

#blatteigene# solche, die gleich nach ihrem Eintritte aus den Blättern

in den Stengel mit stammeigenen Bündeln verschmelzen.

So bilden bei den Pteridophyten stammeigene Leitbündelstränge im

Stengel ein netzartiges Bündelrohr oder auch ein einziges zentrales

Leitbündel (Lycopodium u. a.), während die aus den Blättern

kommenden blatteigenen Bündelstränge sich mit diesen stammeigenen

Bündeln vereinigen.

Meist aber biegen die Bündel der Sproßachse an ihren Spitzen in die

Blätter aus: #gemeinsame# Bündel, die also mit ihren unteren Teilen

im Stengel, mit ihren oberen im Blatte verlaufen. In jedes Blatt

kann ein oder können mehrere solche Bündel eintreten, die man in

ihrer Gesamtheit als #Blattspur# bezeichnet. Es gibt also #ein#-

und #mehrsträngige# Blattspuren. Bei den Samenpflanzen besteht das

Leitbündelsystem des Stengels vor allem aus solchen Blattspuren.

In den Stengeln mancher Dikotylen (Begonien, Aralien) sind aber

die innerhalb des Kreises der Blattspurstränge verlaufenden Kreise

von Markbündeln stammeigene Bündel, die in den Knoten mit den

Blattspursträngen durch Querzweige verbunden sind.

Die Blattspurbündel können im Stengel dauernd voneinander getrennt

bleiben. Meist aber vereinigt sich jedes Bündel einer Blattspur bei

seinem Abwärtsverlaufe schließlich mit einem anderen Bündel, das aus

einem tiefer an der Achse befestigten Blatte stammt. Dieser Vereinigung

kann eine Spaltung (Gabelung) des Bündels vorausgehen. Durch einen

solchen netzartigen Verlauf der Bündel wird eine gleichmäßige

Versorgung der Pflanze mit Wasser erreicht, da ein jedes Bündel des

Stengels infolge seiner Verzweigungen größeren Sproßabschnitten

Wasser liefert. Je nach der Länge des Weges, den die einzelnen Bündel

im Stengel frei zurücklegen, der Richtung, die sie verfolgen, und

der Spaltung, die sie unter Umständen erfahren, ist das Bild des

Bündelverlaufes bei den verschiedenen Arten ein anderes. Natürlich

ist die Blattstellung für die #Eintrittsstellen# der Blattspuren in

den Stengel bestimmend; der #Verlauf# im #Stengel# ist aber von der

Blattstellung #ganz unabhängig#, so daß er bei ein und derselben

Blattstellung ganz verschieden sein kann.

Bei den Schachtelhalmen, den #Koniferen# und den #Dikotylen#

dringen alle Blattspurstränge gleich tief in den Stengel ein,

um im Stengel auch #gleich weit# von der Stengelmitte, also auf

dem Querschnitt zu dem charakteristischen Kreise geordnet, nach

abwärts zu laufen. Infolgedessen kann man den Bündelverlauf in den

Internodien auf einer Zylinderfläche darstellen, die sich in eine

Ebene ausbreiten läßt. In den Knoten freilich ist der Bündelverlauf

meist viel verwickelter, weil hier die Blattspurstränge noch

durch stammeigene Querverbindungen miteinander verbunden sind.

Nachträgliche #seitliche# Verbindungen findet man übrigens oft auch

in den Internodien.

Ein relativ einfaches Beispiel eines Bündelverlaufs liegt in den

jungen Zweigen von Juniperus nana vor (Fig. 113). Ihre Blätter

stehen in dreigliedrigen Quirlen. Aus jedem Blatt tritt eine

#einsträngige Blattspur#, somit ein einziges Bündel in den Stengel

ein. Etwa in der Mitte des nächst unteren Internodiums gabelt es

sich in zwei Schenkel, die je rechts und links mit benachbarten

Blattspuren verschmelzen. Weniger einfach erscheint das Bild des

in Fig. 114 dargestellten Bündelverlaufs in einem jungen Zweige

von Taxus baccata, obwohl auch hier die Blattspuren einsträngig

sind. Jede Blattspur läßt sich frei durch 12 Stengelglieder abwärts

verfolgen, worauf sie mit einer anderen verschmilzt. Zunächst läuft

sie durch vier Internodien gerade abwärts, dann biegt sie seitlich

aus, um einer eintretenden Spur Platz zu machen und sich mit ihr zu

vereinigen. Bei Taxus stehen die Blätter nach 5/13; dementsprechend

zeigen auch die Eintrittsstellen der Blattspuren in den Stengel

5/13 Divergenz. Ein Beispiel #dreisträngiger Blattspuren# sei aus

einem jungen Zweige der italienischen Waldrebe (Clematis Viticella)

vorgeführt. Die Blattpaare an diesen Zweigen stehen dekussiert.

Die Medianstränge der Blattspuren (_a_ u. _d_, _g_ u. _k_, _n_ u.

_q_, _t_ u. _x_ Fig. 115) laufen durch ein Internodium abwärts,

teilen sich im nächsten Knoten in zwei Schenkel und fügen diese

den ihnen zugekehrten Lateralsträngen der Blattspuren des dortigen

Blattpaares an. Die zwei Lateralstränge jeder Blattspur (_b_ u.

_c_, _e_ u. _f_, _h_ u. _i_, _l_ u. _m_, _o_ u. _p_, _r_ u. _s_)

lassen sich ebenfalls durch ein Internodium frei abwärts verfolgen,

biegen im nächsten Knoten zusammenneigend nach außen und legen sich

den nämlichen Lateralsträngen wie die Schenkel des Medianstranges

an.

[Illustration: Fig. 113. Schematische Darstellung des

Leitbündelverlaufs in einem jungen Zweige von Juniperus nana, auf

der eben gelegten Zylinderfläche entworfen. Bei _k_, _k_ die in die

Achselsprosse tretenden Bündel. Nach GEYLER.]

[Illustration: Fig. 114. Schematische Darstellung des Bündelverlaufs in

einem jungen Zweige von Taxus baccata. Das Bündelrohr ist einseitig bei

_1_ längs aufgeschlitzt und in einer Ebene ausgebreitet.]

Einem ganz anderen Typus folgt der Bündelverlauf bei den

#Monokotylen# (Fig. 116). Hier befinden sich die einzelnen

Blattspurstränge im Zentralzylinder ungleich weit von

der Oberfläche des Stengels entfernt, sind also auf dem

Stengelquerschnitte zerstreut. Diese Anordnung kommt dadurch

zustande, daß das Dickenwachstum des Stengelvegetationspunktes

nach Anlage der ersten medianen Bündel des Blattes noch längere

Zeit anhält. Infolgedessen gelangen die später, und zwar

nacheinander erzeugten Bündel der Blattflächen nicht so weit,

und zwar verschieden tief nach innen. Besonders ausgeprägt

kommt diese Anordnung bei den Palmen (Palmentypus) vor. Jede

Blattspur besteht hier aus zahlreichen Strängen, die aus einem

stengelumfassenden Blattgrund im ganzen Umkreise in den Stengel

eintreten. Die in dem Blattgrund medianen Leitbündel (vgl. das

Bild des medianen Längsschnittes durch den Stengel Fig. 116, in

das für ein jedes Blatt _A_, _B_, _C_ nur das mediane und ein

seitliches Leitbündel eingezeichnet ist) dringen fast bis zur

Mitte, die seitlich angrenzenden (_a_, _b_, _c_) immer weniger

tief in den Zentralzylinder ein. In ihrem Abwärtsverlaufe nähern

sich die Bündel langsam der Peripherie des Zentralzylinders, wo

sie mit anderen verschmelzen. Die Zahl der Internodien, die jedes

durchläuft, ist verschieden, für die medianen besonders groß.

+Leitbündelbau+[68]. Die Stengelbündel sind Gewebestränge von

kreisrundem, breit- oder schmalelliptischem Querschnitte, und zwar

sind es fast stets #vollständige# Leitbündel, d. h. solche Bündel,

worin Sieb- und Gefäßstränge zu gemeinsamen Strängen verbunden sind

(vgl. S. 58). Die Siebstränge, deren wichtigster Bestandteil die

Siebröhren sind, bilden das #Phloëm# (den #Siebteil#), die Gefäßstränge

mit den wasserleitenden Gefäßen das #Xylem# (den #Gefäßteil#) des

Bündels. Die Stengelbündel können bei den einzelnen Kormophyten recht

verschieden gebaut sein. In den Sproßachsen findet man alle die

verschiedenen Bündeltypen, die sich in den Organen der Kormophyten

überhaupt unterscheiden lassen, nämlich #radiale#, #konzentrische#

und #kollaterale# Bündel. Diese Leitbündelformen unterscheiden sich

voneinander durch die Anordnung und die Ausbildung ihrer Sieb- und

Gefäßstränge.

[Illustration: Fig. 115. Clematis Viticella. Zweigende durch Entfernung

der Oberfläche und Einwirkung von Kalilauge durchsichtig gemacht, den

Verlauf der Blattspuren zeigend. Die austretenden Enden der Stränge

infolge leichten Druckes etwas verschoben. Die jungen Anlagen der

beiden obersten Blattpaare _bl_{1}_ und _bl_{2}_ noch ohne Blattspuren,

_v_ Vegetationskegel. Nach NÄGELI.]

[Illustration: Fig. 116. Schematische Darstellung des Bündelverlaufs

nach dem Palmentypus, innerhalb eines medianen Längsschnittes durch

den Stengel in der Ebene der Blattmedianen. Zweizeilig alternierende,

stengelumfassende Blätter sind vorausgesetzt. Die Blätter _Aa_, _Bb_,

_Cc_ sind nahe ihrer Basis abgeschnitten; die großen Buchstaben

bezeichnen ihre Medianen. Oben der Stengel im Querschnitt. ROTHERT frei

nach ROSTAFINSKI.]

Im #radialen# Leitbündel (Fig. 117, vgl. auch Fig. 158, 160) gibt

es #mehrere# Gefäß- und Siebstränge, die auf dem meist kreisrunden

Bündelquerschnitt wie die Radien eines Kreises neben- und miteinander

abwechselnd angeordnet sind und in Seitenansicht parallel zur

Längsachse des Pflanzenteils verlaufen. Stoßen die Gefäßstränge im

Zentrum des Leitbündels zusammen, so bilden sie eine sternförmige

Querschnittsfigur; die Enden der Zacken werden von den engsten Gefäßen

(den Gefäß- oder Xylemprimanen, vgl. dazu S. 90) eingenommen, während

die Gefäße nach dem Zentrum des Bündels hin immer weiter werden (Fig.

117). In den Buchten zwischen den Zacken liegen die Siebstränge und

in ihnen außen die engsten Siebröhren (die Sieb- oder Phloëmprimanen).

Radiale Bündel, die für die Wurzeln bezeichnend sind, kommen in

Sprossen freilich nur selten, und zwar stets in Einzahl, vor, z. B. in

manchen Lycopodienstengeln.

[Illustration: Fig. 117. Radiales Leitbündel aus dem Stengel von

Lycopodium Hippuris, _p_ Phloëm, _pp_ Phloëmprimanen, _x_ Xylem, _xp_

Xylemprimanen. Vergr. 30.]

[Illustration: Fig. 118. Konzentrisches Leitbündel mit Außenxylem aus

dem Wurzelstock von Convallaria majalis. _ph_ Phloëm, _x_, _t_ Xylem,

_s_ Xylemprimanen. Nach ROTHERT.]

[Illustration: Fig. 119 Querschnitt durch ein konzentrisches Leitbündel

aus dem Blattstiel des Adlerfarns (Pteridium aquilinum). _sc_

Treppentracheïden, _sp_ Xylemprimanen (Schraubentracheïden); in der

Treppentracheïde _sc*_ Stück einer leiterförmig verdickten schrägen

Endwand, _lp_ Xylemparenchym, _v_ Siebröhren, _s_ Phloëmparenchym, _pr_

Phloëmprimanen, _pp_ Stärkeschicht, _e_ Endodermis. Vergr. 240. Nach

STRASBURGER.]

Im #konzentrischen# Bündel wird ein zentraler Gefäß- oder Siebstrang

allseits von #einem# hohlmantelförmigen Sieb- oder Gefäßstrang

konzentrisch umgeben. Liegt das Xylem zentral, so kann man das Bündel

als konzentrisch mit Innenxylem, liegt es dagegen außen, als ein

solches mit Außenxylem bezeichnen. Konzentrisch mit Innenxylem sind die

Bündel bei den meisten Farnen (Fig. 119) und bei bestimmten Dikotylen

das Stengelbündel (viele Holzpflanzen). Konzentrisch mit Außenxylem

sind sie z. B. in gewissen Erdsprossen und Stämmen von Monokotylen

(Fig. 118); solchen Bau haben ferner die markständigen Bündel z. B. bei

Piperaceen, Begonia, Campanula u. a.

Bei den Pteridophyten liegen die engsten Gefäße (die Gefäßprimanen)

(_sp_) in dem Xylemstrang entweder gruppenweise peripher oder

zentral oder zwischen den älteren Gefäßen. Die Gefäßstränge

werden von einer Parenchymschicht (_lp_) umhüllt. Daran schließt

im Umkreis der aus Siebröhren (_v_) und aus Parenchym (_s_)

bestehende Mantel, an dessen Außenrand die engsten Siebröhren (die

Siebprimanen) gelegen sind.

Im #kollateralen# Leitbündel endlich (Fig. 120 _A_), das auch nur

#einen# Gefäßstrang und meist nur #einen# Siebstrang enthält, liegt der

Gefäßteil #neben# oder besser hinter dem Siebteil, so daß Xylem und

Phloëm sich nur einseitig berühren. Die Medianebenen solcher Bündel

sind in den Stengeln #immer# radiär gerichtet, so daß diese Bündel

im allgemeinen ihre Gefäßteile nach innen, ihre Siebteile nach außen

kehren. Die engsten Gefäße (die Xylemprimanen) liegen im kollateralen

Bündel gewöhnlich am Innenrande des Gefäßteiles (bezogen auf den

Stengelquerschnitt), die Phloëmprimanen am Außenrande des Siebteiles.

Solche kollaterale Leitbündel sind den Sprossen der Samenpflanzen und

der Schachtelhalme eigentümlich. Doch kommen auch #bikollaterale#

Leitbündel vor, die nicht nur außen, sondern auch innen einen

Siebstrang besitzen, so in den Stengeln der kürbisartigen Gewächse

(Cucurbitaceen). Die kollateralen Bündel sind bei den Monokotylen, wie

die radialen und die konzentrischen Leitbündel, meist #geschlossen#,

d. h. das ganze Bündel besteht aus Dauergewebe, und der Gefäßteil

grenzt unmittelbar an den Siebteil (Fig. 120 A). Bei den Gymnospermen

und Dikotylen sind sie dagegen meist #offen#, d. h. die Sieb- und

die Gefäßteile bleiben #dauernd# durch eine Schicht meristematisches

Gewebe, das #Kambium# der Bündel, getrennt (Fig. 121).

Bei sämtlichen Leitbündelformen bestehen die #Gefäßstränge# vor allem

aus engen oder weiten, verholzten Elementen, die der Wasserleitung

dienen: #Tracheïden# und #Tracheen# (Fig. 120 _a_, _sp_, _m_; Fig.

122 _rp_, _sp_, _s_, _n_, _t_) oder Tracheïden allein, die sämtlich

einzeln für sich oder zu Gruppen ohne Interzellularen zwischen

lebende, enge, langgestreckte und oft unverholzte Leitparenchymzellen,

#Xylemparenchym#, eingebettet oder von ihnen in Form einer lückenlosen

Scheide umgeben werden (Fig. 119 _lp_). Auch Sklerenchymfasern sind

manchmal in den Gefäßsträngen vorhanden. Bei den Farnpflanzen sind

sämtliche Gefäße ausschließlich als Tracheïden ausgebildet; in den

Bündeln der Samenpflanzen kommen dagegen meist Tracheïden und Tracheen

nebeneinander vor. In allen Bündeln (vgl. Fig. 122) sind die engsten

Gefäße Ring- und Schraubengefäße, die übrigen aber meist Netz- und

Tüpfelgefäße, bei den Pteridophyten, abgesehen von den Primanen, nur

Treppengefäße (Fig. 70 _A_).

In den #Siebsträngen# der Leitbündel (Fig. 119 und 120) verlaufen die

der Eiweißleitung dienenden #Siebröhren# (_v_). Sie sind stets von

anderen lebenden Zellen begleitet, entweder nur von #Geleitzellen#

(Fig. 120 _s_), die meist kürzer als die Siebröhrenglieder und mit

diesen durch Siebplatten verbunden sind, oder von Geleitzellen und

von anderen gestreckten Parenchymzellen (#Phloëmparenchym#) oder von

letzteren allein (Fig. 119 _s_). Ist Phloëmparenchym vorhanden, so sind

die Siebröhren einzeln oder gruppenweise lückenlos darin eingebettet.

[Illustration: Fig. 120. _A_ Querschnitt, _B_ Längsschnitt durch

ein geschlossenes, kollaterales Leitbündel aus dem Stengel von Zea

mays. _a_ Ring einer Ringtracheïde, _sp_ Schraubentracheïde, _m_ und

_m′_ Tüpfeltracheen, _v_ Siebröhre, _s_ Geleitzelle. _cpr_ und _cp_

zerdrückte Phloëmprimanen, _l_ Gefäßgang, _vg_ Scheide. Vergr. 180.

Nach STRASBURGER.]

Geleitzellen kommen nur den Siebröhren der Angiospermen zu. Sie

sind Schwesterzellen der Siebröhrenglieder, gehen mit ihnen durch

Längsteilung aus derselben Mutterzelle hervor, erfahren aber

meist noch Querteilungen. Ihre Weite ist geringer als die der

Siebröhrenglieder, sie zeichnen sich vor letzteren auch durch ihren

reichlichen plasmatischen Inhalt aus. In einzelnen Fällen findet

man im Phloëm auch Milchsaft- oder Schleimröhren.

Das vollständige Bündel ist seinerseits gewöhnlich noch von

einer #Bündelscheide# mehr oder weniger umschlossen, die aus

interzellularenfreiem Parenchym (oft reich an großen Stärkekörnern:

#Stärkescheide#), aus Sklerenchym oder aus einer Schicht von

Endodermiszellen (manchmal auch aus Kutisgewebe) bestehen kann. Sie

wird #nicht# zum Leitbündel gerechnet. Die Scheiden dienen wohl

vielfach dazu, die Stoffleitung auf die Bündel zu begrenzen. Scheiden

aus Sklerenchym sind besonders häufig den Außenseiten der Siebteile als

halbmondförmige Sklerenchymschicht (Fig. 120 _A_, 121 _vg_) vorgelagert

und bei zerstreuter Bündelanordnung namentlich an den äußeren

Leitbündeln ausgebildet.

Wo eine sklerenchymatische Scheide ein kollaterales Bündel

umgibt, ist sie oft an jeder Seite des Bündels, an der Grenze

von Gefäß- und Siebteil, durch parenchymatische oder schwächer

verdickte und schwächer verholzte Elemente unterbrochen. Diese

Stellen erleichtern den Austausch von Wasser und Nahrungsstoffen

zwischen dem Bündel und dem Parenchym; sie werden als

#Durchlaßstreifen# bezeichnet.

[Illustration: Fig. 121. Querschnitt durch das offene, kollaterale

Leitbündel eines Ausläufers von Ranunculus repens. _s_

Schraubentracheïden, _m_ Tüpfeltracheen, _c_ Kambium, _v_ Siebröhren,

_vg_ Scheide. Vergr. 180. Nach STRASBURGER.]

Um den Bau der Bündel und die Unterschiede zwischen den Leitbündeltypen

vollständig zu verstehen, ist auch noch ein Einblick in ihre

ontogenetische Entwicklung erforderlich. Die primären Leitbündel

gehen aus Strängen langgestreckter Urmeristemzellen hervor. In

ihnen vollzieht sich die Gewebesonderung nur allmählich, und zwar

#ungleichzeitig# in den Zellen eines Stranges. Solange nämlich ein

Pflanzenteil noch stark in die Länge wächst, bleiben die Stränge

der Hauptmasse nach undifferenziert. Nur an engbegrenzten Stellen,

die meist an den Rändern jedes Stranges gelegen sind, wandeln sich

einzelne Zellenzüge in Dauergewebe um, und zwar auf Streckung oder

Dehnung eingerichtete Elemente: ring- und schraubenförmig verdickte

Tracheïden einerseits, Siebröhren oder Siebröhren nebst Geleitzellen

andererseits. Diese Tracheïden werden deshalb als Erstlinge des

Gefäßteils, #Xylemprimanen# (Protoxylem), die Siebröhren als Erstlinge

des Siebteils, #Phloëmprimanen# (Protophloëm), bezeichnet. Erst nach

vollendetem Längenwachstum des Pflanzenteils werden die Leitbündel

fertiggestellt, wobei die Differenzierung der meristematischen Gewebe

von den Primanen aus fortschreitet und im Gefäßteil nacheinander

zuerst Ring-, dann Schrauben-, Netz-, schließlich Tüpfelgefäße

ausgebildet werden (Fig. 120 _B_, 122). Die Xylemprimanen sind im

fertigen Leitbündel vielfach zerdrückt, auch wohl durch Dehnung

zerrissen (_a_ und _a′_ Fig. 120 _B_, _l_; _rp_ Fig. 122); in manchen

Fällen ist ein lysigener, von Wasser erfüllter Interzellulargang

(„Gefäßgang“) an ihrer Stelle ausgebildet (Fig. 120 _l_), der aber noch

der Wasserleitung dient[69]. Die Wände der Phloëmprimanen (Fig. 120

_B_, _cp_) sind im fertigen Bündel verquollen, ihre Siebplatten durch

Kallusbeläge verschlossen.

Beim radialen Bündel schreitet die Ausbildung der Elemente entsprechend

der Lage der Primanen in den Gefäß- und Siebsträngen von der Peripherie

des Bündels nach dem Zentrum fort, beim kollateralen Bündel dagegen im

Siebteil vom Außenrande, im Gefäßteile aber vom Innenrande des Bündels

gegen die Mitte des Bündels; wird dabei alles Meristem aufgebraucht,

so entsteht ein geschlossenes kollaterales Bündel, bleibt etwas davon

erhalten, ein offenes. In den konzentrischen Bündeln vollzieht sich die

Ausbildung des Phloëms und Xylems nicht nach einem einheitlichen Typus;

dementsprechend ist die Lage der Primanen verschieden.

[Illustration: Fig. 122. Längsschnitt durch den Gefäßteil des

kollateralen Leitbündels von Impatiens parviflora. _rp_ Durch

Längenwachstum des Stengels weit auseinander gerückte Ringverdickungen

einer stark gedehnten Ringprimane; _sp_ gedehnte Schraubenprimane;

_s_ Schrauben-, _n_ Netz-, _t_ Tüpfelgefäß. _s_, _n_, _t_ erst nach

Beendigung des Streckungswachstums ausgebildet. Vergr. 120.]

Bündel, in denen man das Protoxylem am Innenrande des Xylems

(wie bei den kollateralen und den konzentrischen Bündeln

der Monokotylen) oder im Zentrum des Xylems (wie oft bei

konzentrischen) findet, nennt man auch wohl endarch. Die

Xylemprimanen können aber auch an anderer Stelle ausgebildet sein,

z. B. am Außenrande des Xylems, exarch, wie beim radialen Bündel;

oder in einer oder in mehreren Gruppen mesarch, d. h. zwischen

Außen- und Innenrand des Gefäßteiles, z. B. in den Blattstielen

der Cycadeen und im konzentrischen Bündel vieler Farne zwischen

Peripherie und Zentrum des Xylems, also zwischen weitere Gefäße

eingebettet.

Ob irgendwelche Beziehungen zwischen der Anordnung der Sieb- und

Gefäßteile und den Leitungsbedürfnissen der Pflanzenteile bestehen,

darüber wissen wir noch gar nichts[67],[68].

[Illustration: Fig. 123. Phylogenie der Leitbündeltypen, schematisch.

Weiß: Rinde und Mark, schwarz punktiert: Phloëm, weiß punktiert auf

schwarz: Xylem. Erklärung im Text.]

Lehrbuch der Botanik für Hochschulen · 第 12 / 90 段