ebenfalls einzeln oder auch zu Gruppen vereint, in der Epidermis, im
Parenchym oder in anderen Gewebearten oft #Drüsenzellen#, d. h. Zellen,
die Sekrete, also meist Endprodukte des Stoffwechsels, aus ihren
Protoplasten durch die Zellwände #nach außen#, aus dem Pflanzenkörper
oder in Interzellularen, ausscheiden. Auch die Drüsenzellen, die
immer lebend sind, gleichen den Parenchymzellen, sind aber wie die
Meristemzellen meist mit viel Plasma und mit großen Zellkernen
ausgestattet. Die ausgeschiedenen Stoffe haben oft eine ökologische
Bedeutung. Gruppen von lückenlos verbundenen Drüsenzellen, die eine
Zellschicht bilden, nennt man #Drüsenepithelien#.
Besonders häufig findet man in der #Epidermis# Drüsenepithelien
oder einzelne Drüsenzellen. Sie sind oft von einer porösen Kutikula
überzogen, oder eine Kutikula fehlt ganz. Hier kommen auch Drüsenhaare
vor, so auch #Köpfchenhaare#, deren als Köpfchen ausgebildete Endzelle
(Fig. 75) die Drüsenzelle ist. Andere solche Haare sind schuppenförmig
gestaltet (Fig. 76); auch Drüsenzotten (Fig. 56) kommen vor. Das
Sekret besteht sehr oft aus harzigen Stoffen; in diesem Falle tritt es
zunächst zwischen der Außenwand der Drüsenzelle und der Kutikula auf,
die Kutikula emporhebend und schließlich zersprengend. Ähnliches gilt
für andere klebrige Stoffe und Schleim.
[Illustration: Fig. 75. Drüsenhaar vom Blattstiel der Primula sinensis,
oben das Sekret. Vergr. 142. Nach DE BARY.]
[Illustration: Fig. 76. Gelbe Drüsenschuppen von den weiblichen
Blütenständen des Hopfens im senkrechten Durchschnitt. _A_ Vor Beginn
der Sekretbildung. _B_ Die Kutikula durch das Sekret emporgehoben, das
Sekret durch Alkohol entfernt. Vergr. 142. Nach DE BARY.]
[Illustration: Fig. 77. Sitzende Digestionsdrüse der Blattoberseite von
Pinguicula vulgaris. _A_ Im Längsschnitt. _B_ In Aufsicht. ROTHERT frei
nach FENNER.]
[Illustration: Fig. 78. Schizogener Ölbehälter im Blattquerschnitt von
Hypericum perforatum. _s_ Das Drüsenepithel. Nach HABERLANDT.]
Nach den Ausscheidungsprodukten, die recht verschiedene ökologische
Bedeutung haben können, unterscheidet man unter den epidermalen
Drüsen: Schleim-, Öl-, Harz-, Digestions- (Fig. 77), Salzdrüsen,
Wasserdrüsen (Hydathoden) und #Nektarien#[55]. Die letztgenannten
scheiden zuckerreiche Sekrete aus, die Insekten anlocken; sie
finden sich als Drüsenflächen oder Drüsenhaare vor allem innerhalb
der Blüten (nuptiale Nektarien), oder außerhalb (extranuptiale
Nektarien, vgl. Fig. 141 _n_) und haben recht verschiedenen Bau
(vgl. auch S. 99).
Die im #Parenchym# oder in anderem Gewebe eingeschlossenen Drüsenzellen
oder Drüsenepithelien grenzen stets an rundliche oder unregelmäßig
begrenzte Interzellularräume oder an gang- und röhrenförmige,
unverzweigte oder verzweigte Interzellularkanäle, die manchmal die
ganze Pflanze als kommunizierende Röhren durchziehen können. Diese
Interzellularen, die durch Auseinanderweichen der Drüsenzellen, also
schizogen, entstehen, sind es, in die die Sekrete ausgeschieden
werden; sie bilden die #schizogenen Sekretbehälter# (Fig. 78). Ihr
Inhalt besteht aus ätherischen Ölen, Harzen, Gummi, oder Schleim;
dementsprechend unterscheidet man zwischen Öl-, Harz- (Fig. 133 _A_,
_h_), Gummi- und Schleimgängen oder -kanälen. Solche Harzkanäle finden
sich bei vielen Coniferen, Ölgänge z. B. bei den Umbelliferen, Schleim-
und Gummigänge bei den Cycadeen und Araliaceen (wie dem Epheu). Runde
oder längliche schizogene Höhlungen (Lücken) mit ätherischen Ölen
kommen bei Hypericum-Arten vor (Fig. 78).
Übrigens gibt es auch #schizolysigene# Sekretbehälter.
Dritter Abschnitt. Organlehre (Organographie)[56].
Die Organismen, die wir zum Pflanzenreiche rechnen, sind sehr
verschieden gestaltet und gegliedert. Teils sind sie zeitlebens
einzellig, teils sind sie vielzellig. Einzellige wie Vielzellige können
sehr einfache und regelmäßige oder unregelmäßige Umrißformen haben
und äußerlich ganz ungegliedert sein oder einen durch Auszweigungen
mannigfaltigster Art reich und mehr oder weniger symmetrisch
gegliederten Körper besitzen.
+I. Symmetrieverhältnisse.+ Die ganze Gestalt eines ungegliederten
oder irgendwie gegliederten Organismus und ebenso die Form und die
innere Ausbildung seiner Teile wird beherrscht durch die #Eigenart der
Symmetrieverhältnisse#, d. h. durch die mehr oder weniger gesetzmäßige
Verteilung der organischen Massen, die das Lebewesen oder seine
Organe zusammensetzen. Die Symmetrieverhältnisse stehen wie fast
alle Eigenschaften organischer Formen in engster Beziehung zu der
Lebensweise des Organismus und zu den Funktionen seiner Organe, vor
allem der Wuchsrichtung der Pflanze und ihrer Glieder. Meist entspricht
deshalb den äußeren Symmetrieverhältnissen eines Pflanzenteiles auch
die Symmetrie seines inneren Baues.
Von wenigen, sehr einfachen Pflanzen abgesehen, deren
Symmetrieverhältnisse hier unerörtert bleiben sollen, finden wir am
Körper pflanzlicher Organismen und jedem seiner Teile fast stets
einen #polaren Gegensatz# seiner durch die #Längsachse# verbundenen
Körperenden, seiner Spitze und Basis ausgebildet. Ein solcher
Unterschied kommt vor sowohl bei frei beweglichen Formen, bei denen die
Fortbewegungsrichtung meist durch die polare Ausbildung des Körpers
bestimmt wird, als auch bei festgewachsenen Arten, bei denen der Körper
mit dem unteren Pole, der Basis, am Substrate festgeheftet ist.
Jeder Schnitt parallel zur Längsachse, gleichgültig ob er diese
in sich aufnimmt oder nicht, ist ein #Längsschnitt# durch den
Pflanzenteil; die rechtwinklig zur Längsachse geführten Schnitte sind
#Querschnitte#. Ein polar gebauter Organismus oder Pflanzenteil,
der rings um seine Längsachse annähernd gleich gebaut ist, wird als
#radiär#, polysymmetrisch oder #aktinomorph# bezeichnet (Fig. 529
_A_). Er läßt sich durch #mehrere#, in der Längsachse sich schneidende
Längsschnitte in jeweils zwei spiegelbildlich ungefähr gleiche Teile
zerlegen; er hat also mehrere #Symmetrieebenen#. An solchen Körpern
heißen Längsschnitte radial, wenn sie durch die Längsachse gehen (wie
es z. B. bei seinen Symmetrieebenen der Fall ist), tangential, wenn
sie senkrecht auf einem Radius stehen und nicht durch die Längsachse
hindurch gehen. Sind bloß #zwei# aufeinander senkrecht stehende
Symmetrieebenen vorhanden, die sich ebenfalls in der Längsachse
schneiden, so spricht man von #bilateralen# oder bisymmetrischen
Gebilden (Fig. 107). Gibt es schließlich bloß #eine einzige#
Symmetrieebene, so liegt ein #dorsiventraler#, monosymmetrischer oder
#zygomorpher# Körper vor, bei dem nur die beiden Flanken einander
entsprechen, Rücken- und Bauchseite aber verschieden sind (Fig. 529
_B_); die Symmetrieebene solcher Körper nennt man ihre #Medianebene#
oder #Mediane#. Pflanzen oder Pflanzenteile, die in der Lotrichtung
nach aufwärts oder abwärts (#orthotrop#) wachsen, sind meist radiär
oder wohl auch bilateral symmetrisch; wenn sie dagegen senkrecht
oder schräg zur Lotlinie (#plagiotrop#) wachsen, so sind sie oft
dorsiventral. Schließlich gibt es auch ganz #asymmetrische# organische
Gebilde, bei denen sich der Körper überhaupt nicht in spiegelbildliche
Hälften teilen läßt. Manche sonst dorsiventrale Gebilde, wie z. B.
manche Blätter, werden dadurch asymmetrisch, daß die eine Hälfte sich
anders ausbildet als die andere. Das ist z. B. bei den Blättern von
Begonia der Fall, weshalb man diese Pflanzen auch „Schiefblätter“
nennt, ferner in geringerem Grade u. a. bei den Blättern der Ulme.
Die Symmetrieverhältnisse sind für das Verständnis der pflanzlichen
Gestaltungsverhältnisse von sehr großer Bedeutung. Oft werden
die besonderen Symmetrieverhältnisse der Seitenglieder sofort
verständlich, wenn man den Aufbau der ganzen Pflanze in Betracht
zieht. So sind die asymmetrischen Blätter, z. B. bei den
Begonien[57], die Folge der dorsiventralen Symmetrie der ganzen,
meist mehr oder weniger plagiotropen Pflanze oder, wie bei der Ulme
und vielen anderen Gewächsen, ihrer Zweige.
+II. Bedeutung der äußeren Gliederung für den Organismus.+ Bau und
Gliederung zeigen meist enge Beziehungen zu den Lebensbedürfnissen und
zur Lebensweise der Einzelformen. Äußere Gliederung ist meist gerade so
wie die innere der Ausdruck einer #Arbeitsteilung#, die zwischen den
Teilen einer Zelle oder eines vielzelligen Körpers eingetreten ist.
Die äußeren Glieder sind nämlich meist zu #Organen# mit bestimmten
Lebensfunktionen geworden. Der phylogenetische Fortschritt von
einfacheren zu reicher gegliederten organischen Formen besteht zum
guten Teile in der Zunahme dieser Arbeitsteilung.
+III. Hauptgruppen von Organen.+ Jeder Organismus betätigt sich in
doppelter Weise: Er muß sich #ernähren#, um sich selbst zu behaupten;
und er muß sich #fortpflanzen#, um die Art zu erhalten, da sein Leben
begrenzt ist. #Diesen beiden fundamentalen Lebensregungen dient der
Körper.# Nur bei primitiven Pflanzen ist er in gleicher Weise mit
seiner ganzen Masse beiden Aufgaben dienstbar; sonst besorgen bestimmte
Teile die Ernährungsvorgänge, andere die Fortpflanzung. So finden wir
meist eine scharfe Arbeitsteilung zwischen den #Vegetationsorganen#
und den #Fortpflanzungsorganen#, die wie in ihren Funktionen, so auch
in ihrem äußeren und inneren Bau fundamental verschieden sind. Beide
Gruppen von Organen müssen wir getrennt betrachten.
I. Vegetationsorgane.
Die höchste Gliederung, die die Pflanze in ihren #Vegetationsorganen#
erfahren hat, ist die Gliederung in #Wurzeln#, #Stengel# und
#Laubblätter#. Stengel und Laubblätter faßt man auch als #Sproß#
zusammen. Einen aus Sproß und Wurzeln bestehenden Körper nennen
wir #Kormus#. Die Gewächse solchen Baues bezeichnet man wohl
als #Kormophyten#; dazu gehören die farnähnlichen Gewächse oder
Pteridophyten und die aus ihnen hervorgegangenen, noch reicher
gegliederten Samenpflanzen.
Die Kormophyten sind phylogenetisch entstanden aus einfacher
organisierten Gewächsen, bei denen der Körper noch nicht eine so
weitgehende Gliederung erfahren hat: bei denen die Wurzeln und echten
Blätter noch fehlen, wenn bei manchen auch #blattähnliche# Zweige
vorkommen können. Solche Gebilde bis herab zu ganz einfachen, völlig
ungegliederten Pflanzenkörpern hat man #Thalli# genannt. Gewächse,
die einen #Thallus# besitzen, kann man als #thallöse# Pflanzen den
Kormophyten gegenüberstellen. Einen Thallus haben die Algen, Pilze,
Flechten und alle Moose.
Mit den thallösen Pflanzen darf man die Thallophyten nicht
verwechseln. Alle thallösen Pflanzen haben zwar einen Thallus,
aber nicht alle sind Thallophyten. Unter diesem Namen faßt die
Systematik nur die Algen, Pilze und Flechten zusammen.
[Illustration: Fig. 79. Die Kieselalge Pinnularia viridis in zwei
Ansichten. _A_ Die Schalenansicht, _B_ die Gürtelbandansicht. Vergr.
540. Nach STRASBURGER.]
[Illustration: Fig. 80. Bakterien des Zahnschleims. _a_ Leptothrix
buccalis, bei _a*_ nach Jodbehandlung, _b_ Mikrokokken, _c_ Spirochaete
dentium nach Jodbehandlung, _d_ Spirillum sputigenum. Vergr. 800. Nach
STRASBURGER.]
A. Der Thallus[58].
+a) Algen, Pilze, Flechten. 1. Einfachste (Kugel-)Formen.+ Äußerlich
ganz ungegliedert ist bloß eine Reihe mikroskopisch kleiner einzelliger
oder vielzelliger Gewächse. Die einfachste Form, die ein Organismus
annehmen kann, ist die #Kugel#. Aus solchen Kugelzellen bestehen z. B.
manche Algen, die an feuchten Mauern grüne Überzüge bilden (Fig. 35),
und viele Bakterien (Fig. 80 _b_), die bei weitem kleinsten Organismen,
die wir kennen.
+2. Relative Oberflächenvergrößerung. Ausbildung einer Längsachse.+
Die Kugel hat von allen geometrischen Figuren gleichen Rauminhaltes
die kleinste Oberfläche; und zwar ist die Oberfläche der Kugel um
so kleiner im Verhältnis zu ihrem Volumen, je größer dieses wird,
und umgekehrt (gleiches gilt übrigens auch für alle anders geformten
Gebilde). Bei den winzig kleinen Bakterienzellen ist also die
Oberfläche im Verhältnis zu ihrem Rauminhalt ganz außerordentlich
groß; ja man darf die auffallend geringe Größe dieser Organismen
in dieser Hinsicht wohl geradezu als Anpassung an ihre Lebensweise
bezeichnen. Alle Abweichungen von der Kugelgestalt sind mit einer
mehr oder weniger ausgiebigen relativen Vergrößerung der Oberfläche
verbunden. Namentlich wenn das Körpervolumen zunimmt, im Verhältnis
dazu seine Oberfläche also sich verringert, wird meist auf diese Weise
die Oberfläche des Körpers vergrößert. Alsdann finden wir Zylinder-,
Stäbchen-, Faden-, Band- und Scheibenformen, sowie schließlich
äußerlich gegliederte, mit Fortsätzen ausgestattete Körper, also
zumeist Gebilde, die bereits eine deutliche Längsachse erkennen lassen.
Die #freie Oberfläche# des Körpers nämlich ist bei jeder Pflanze von
allergrößter Bedeutung für die Aufnahme der zur Ernährung unbedingt
notwendigen flüssigen und gasförmigen Stoffe aus der Außenwelt. So
ist eben die Oberflächen#vergrößerung# das wichtigste Prinzip der
Oberflächendifferenzierung.
Von ellipsoidischer Form sind die einzelligen Individuen der
Bierhefe (vgl. Fig. 20); scheibenförmig oder zylindrisch sind
die Zellen vieler Algen, z. B. vieler Diatomeen-Arten. In dieser
Algengruppe gibt es auch spindel-, schiff- (Fig. 79), helm-,
fächer-, faden-, band- und kettenförmige Gebilde. Stäbchen- und
schraubenförmige Gestalten finden wir auch bei den Bakterien
(Fig. 80 _a_, _c_, _d_). Die Bakterienzellen besitzen natürlich
auch dann, wenn sie nicht Kugelgestalt haben, eben infolge ihrer
außerordentlichen Kleinheit gegenüber ähnlich gestalteten Zellen
anderer Organismen eine ungewöhnlich große freie Oberfläche.
Solche Lebewesen können mit Gallerte oder Schleim auf einer
Unterlage festsitzen oder auch frei in Flüssigkeiten, vor allem in
Wasser, flottieren. Die flottierenden Organismen des Wassers, der
Binnengewässer sowohl wie der Meere, bezeichnet man als #Plankton#
im Gegensatze zu den Wasserorganismen, die festgeheftet sind,
dem #Benthos#. Die Planktonflora, die sehr reich an eigenartigen
Formen ist, enthält fast lauter solche Gestalten, wie wir eben
genannt haben. Sie können mit aktivem Bewegungsvermögen begabt
sein (#Schwimmer#). Der Fortbewegung dienen alsdann in der Regel
besondere #Organe#: sehr häufig fadenförmige kontraktile #Geißeln#
oder #Zilien#, die Fortsätze des Plasmakörpers sind. Ihr Besitz
erlaubt es solchen Planktonten, durch Reizbewegungen die Stellen
mit den günstigsten Ernährungsbedingungen aufzusuchen, ungünstige
Stellen aber zu fliehen. Andere Planktonorganismen schweben
dagegen ohne eigenes Bewegungsvermögen im Wasser (#Schweber#);
viele von ihnen und andere Planktonten besitzen besondere
#Schwebeeinrichtungen#. Die Oberflächen ihrer Körper sind durch
lange Stacheln, Leisten, fallschirmartige Platten außerordentlich
vergrößert (Fig. 319, 321, 322); dadurch erhöht sich der
Reibungswiderstand des Körpers am Wasser bedeutend, und das Sinken
wird erschwert[59].
Haben alle diese einfach organisierten Pflanzen starre
Körperformen, so gibt es auch niedere Pflanzen, die ständig ihre
Gestalt wechseln, also ohne feste Umrisse sind, z. B. die Myxamöben
und die Plasmodien der Schleimpilze.
+3. Ausbildung des polaren Gegensatzes.+ Als nächste Stufe der
fortschreitenden Gestaltung kann bei Formen mit Längsachse jene
gelten, bei der sich ein Unterschied zwischen #Basis# und #Spitze#
oder #Scheitel# einstellt. Bei freibeweglichen Formen ist alsdann
der eine Pol oft #Träger# der #Fortbewegungsorgane# (Geißeln). Bei
festgewachsenen dient er meist als #Haft#- oder #Befestigungsorgan#
(als kreisrunde Haftscheibe oder als krallen- oder fingerförmig
verzweigte Haftlappen usw.) der Anheftung, während das Wachstum sich
auf eine eng umgrenzte Stelle des Körpers, einen #Vegetationspunkt#,
beschränken kann, nämlich bald auf eine Zone zwischen Basis und Spitze
(interkalares Wachstum, interkalarer Vegetationspunkt), bald mehr
und mehr auf den Scheitel (apikales oder Spitzenwachstum, apikaler
Vegetationspunkt). Ein Keimling der grünen Meeresalge Ulva Lactuca mag
für den letzteren Fall als Beispiel dienen (Fig. 81).
[Illustration: Fig. 81. Keimling von Ulva Lactuca. Oben der Scheitel,
unten die Basis. Vergr. 220. Nach STRASBURGER.]
+4. Abplattung.+ Bei vielen Algen und Flechten ist der Thallus
bandförmig oder scheibenförmig abgeplattet (Fig. 83). Dadurch wird die
#freie# Oberfläche, worauf es der Pflanze ankommt, weiter #wesentlich#
vergrößert. Deshalb darf man diese Ausbildung wohl als eine Anpassung
an die Ernährungsverhältnisse dieser Organismen ansehen. Sie bauen
sich nämlich ihre organische Substanz aus dem Kohlenstoffe der
Kohlensäure auf, die sie zerlegen. Diese Zerlegung und Assimilation
aber erfolgt wie bei allen Pflanzen, die Chlorophyll enthalten, nur am
Lichte. Soll sie also in größerem Maße stattfinden, so müssen möglichst
viele Chlorophyllkörner dem Lichte ausgesetzt werden. Das aber wird
eben bei voluminösen Körpern vielfach durch Abflachung erreicht.
+5. Ausbildung von Dorsiventralität.+ Die Mehrzahl der bisher
besprochenen Formen ist radiär oder bilateral symmetrisch. Bei manchen,
namentlich solchen, die mit ihrem Thallus auf einer Unterlage sich
ausbreiten, also plagiotrop wachsen (z. B. bei vielen Flechten), ist
der Körper aber auch dorsiventral ausgebildet. Dorsiventrale Symmetrie
ist namentlich solchen Formen eigentümlich, deren Oberseite mehr Licht
erhält als die Unterseite. Alsdann ist vor allem die obere Seite für
die Assimilation eingerichtet.
+6. Ausbildung von Verzweigungen.+ Noch höher organisiert sind Fäden,
Bänder und Scheiben, die durch #Fortsätze verzweigt# sind. So ist die
Mehrzahl der Thalli bei Algen, Pilzen und Moosen gestaltet. Durch die
Verzweigung wird die freie Oberfläche meist noch weiter bedeutend
vergrößert und zugleich eine bessere Raumausnutzung ermöglicht. Es
können dadurch schließlich busch-, strauch- und baumförmige Thalli
entstehen, bei den Algen vielfach mit Zweigen sehr großer Biegsamkeit
und Geschmeidigkeit, die dem bewegten Wasser keinen Widerstand
entgegensetzen, sondern in ihm fluten.
[Illustration: Fig. 82. _a_ Schema der dichotomischen, _b_ der
seitlichen, razemösen Verzweigung. _K_ Keimlingsachse, _H_ Hauptachse,
_1_, _2_, _3_, _4_ Tochterachsen 1., 2., 3., 4. Ordnung]
[Illustration: Fig. 83. Dictyota dichotoma (braune Meeresalge). ⅔ nat.
Gr. Nach SCHENCK.]
Bei der Verzweigung kann sich der Scheitel der Keimlingsachse selbst
in zwei neue, gleichmäßig weiterwachsende Glieder teilen, gabeln
(#dichotome Verzweigung#), so bei dem sich fortdauernd gabelnden, da
durch fächerförmigen Thallus der braunen Meeresalge Dictyota dichotoma
(Fig. 83 und das Schema Fig. 82 _a_). Bei anderen verzweigten Formen
wachsen dagegen durch Neubildung von Vegetationspunkten Seitenzweige
hervor, oft mit gesetzmäßiger Anordnung (#seitliche# Verzweigung).
An höher organisierten Formen schränkt sich auch bei dieser Art der
Verzweigung die Bildung solcher Vegetationspunkte immer mehr und mehr
auf den Scheitel des Thallus ein; die dem Scheitel nächsten, jüngsten
Seitenzweige sind alsdann die kürzesten. Eine solche scheitelwärts
fortschreitende, #akropetale# Anlage neuer Seitenglieder ist bereits
bei der grünen Fadenalge Cladophora deutlich (Fig. 84, vgl. auch
Fig. 89). Bei der einfachsten Ausbildung der seitlichen Verzweigung
geht eine einheitliche #Hauptachse#, die an der Spitze immer weiter
wächst, ein #Monopodium#, durch das #ganze# Verzweigungssystem. Sie
ist die Mutterachse für eine größere Zahl nacheinander meist ringsum
entstandener und schwächer wachsender Seitenachsen, die sich in
gleicher Weise verzweigen können. Man nennt diese Verzweigung die
#razemöse# Verzweigung (vgl. das Schema Fig. 82 _b_).
Alle Seiten- (oder Tochter-)achsen, die unmittelbar an der
Keimlingsachse entstehen, nennt man 1. #Ordnung#; solche, die an
Tochterachsen erster Ordnung durch Verzweigung entstehen, 2. #Ordnung#
und so fort (vgl. Fig. 82). Jede Achse, an der eine Tochterachse
irgendeiner Ordnung entsteht, wird mit Bezug auf diese Auszweigung
#Mutterachse# des Tochtergliedes genannt. Die Seitenachsen können
unbegrenztes Wachstum haben, #Langtriebe# sein, oder es sind
#Kurztriebe# mit begrenztem Wachstum.
An Achsen mit interkalaren Vegetationspunkten entstehen die
Seitenzweige entweder akropetal oder basipetal.
[Illustration: Fig. 84. Stück einer Cladophora glomerata
(Süßwasseralge). Vergr. 48. Nach SCHENCK.]
[Illustration: Fig. 85. Unechte Verzweigung bei Spaltalgen. _A_
Plectonema Wollei: nur das obere Ende des zerbrochenen Fadenstückes
wächst als Ast aus. _B_ Pl. mirabile: beide Enden wachsen weiter.
OLTMANNS nach KIRCHNER u. BORNET.]
Übrigens kommt bei Thallophyten auch die zymöse Verzweigung vor,
die wir später beim Kormus näher kennen lernen werden.
Diese Verzweigungsarten nennt man #echte#. Im Gegensatz dazu findet
sich bei einigen niederen, fadenförmigen Algen und Bakterien #unechte#
Verzweigung. Sie kommt dadurch zustande, daß der Faden in zwei
Stücke zerbricht, die aber durch eine Gallertscheide auch ferner
zusammengehalten werden, und daß jedes durch den Bruch entstandene neue
Fadenende zu einer fadenförmigen Zellreihe auswachsen kann (Fig. 85).
#Nicht# von Verzweigung, sondern von #Zerteilung# spricht man dagegen,
wenn ein unverzweigter Thallus #nachträglich# in eine Anzahl Lappen
#zerteilt# wird, wie es z. B. bei dem bandartigen Thallus von Laminaria
(Fig. 352) der Fall ist.
Bei den +Pilzen+, die keine Kohlensäure assimilieren, sondern sich
von organischen Stoffen ernähren, hat der Thallus dementsprechend ein
besonderes Aussehen. Man nennt ihn #Myzelium#. Er besteht meist nur
aus #sehr dünnen# in #reichverzweigten#, farblosen, zylindrischen
Fäden (Fig. 86 und Fig. 6), den #Hyphen#, die das Substrat, z. B. den
Waldhumus, allseitig durchziehen, so daß sie mit außerordentlich großer
Oberfläche die nötigen Nährstoffe aufnehmen können. Schmarotzerpilze
treiben meist Ausstülpungen von Hyphen als #Saugfortsätze#
(#Haustorien#) in die lebenden Zellen der Wirtspflanzen, sofern
sie nicht in den Zellen leben, sondern etwa mit ihren Hyphen das
Interzellularsystem durchziehen (Fig. 87).
[Illustration: Fig. 86. Teil eines Myzeliums von dem Schimmelpilz
Penicillium. Vergr. ca. 35.]
[Illustration: Fig. 87. Haustorien (_haust_) von Peronospora parasitica
in Parenchymzellen von Capsella. _hy_ Interzellulare Hyphe. Vergr. 240.]
[Illustration: Fig. 88. Thallus der Rotalge Delesseria sanguinea. ½
nat. Größe. Nach SCHENCK.]