so letztere z. B. in manchen Blättern, wo sie auch nicht selten
verzweigt sind. Meist aber sind sie, namentlich die Fasern, #ohne#
Interzellularen zwischen sich zu lassen, zu Sklerenchymsträngen,
-bändern und -scheiden gruppenweise recht verschieden, aber so
angeordnet, wie es die Ansprüche an die Biegungs-, Zug- oder
Druckfestigkeit des ganzen Organs oder seiner Gewebegruppen unter
Aufwand von verhältnismäßig #wenig# Festigungsmaterial erfordern.
#Druckfestigkeit#, z. B. in den Schalen von Nüssen und von Steinen
der Steinfrüchte, kommt meist durch Steinzellengewebe, #Biegungs#-
und #Zugfestigkeit#, z. B. von Stengeln und Wurzeln, dagegen durch
Sklerenchymfasergewebe zustande; beide Sorten mechanischer Zellen
bedingen außerdem den Widerstand, den viele Organe dem Schneiden und
anderen mechanischen Eingriffen entgegensetzen.
Die Festigkeit der #einzelnen# Zellen beruht auf der Verdickung ihrer
Zellmembranen, die manchmal noch durch mineralische Einlagerungen
verhärtet sind, die Zerreißungsfestigkeit der Sklerenchymfaser#gewebe#
außerdem auf der Verzahnung der Fasern miteinander. Infolge ihrer
Faserform und der spindelförmigen Zuspitzung ihrer Enden ist nämlich
die Verwachsung benachbarter Fasern eine sehr viel innigere als die
anders gestalteter Zellen.
SCHWENDENERs Untersuchungen haben bestimmte Vergleichszahlen für
die mechanischen Eigenschaften dieser Zellen ergeben. Danach
kommt die Tragfähigkeit der Sklerenchymfasern innerhalb ihrer
Elastizitätsgrenze (ihr Tragmodul) im allgemeinen der des besten
Schmiedeeisens gleich; sie erreicht bei einzelnen Pflanzen sogar
die des Stahls. Dabei ist die Dehnbarkeit gegen 10-15mal größer als
die des Schmiedeeisens. Nach Überschreiten der Elastizitätsgrenze
tritt alsbald Zerreißen ein, während bei dem Eisen die
Festigkeitsgrenze erst bei etwa dreifacher Belastung erreicht wird.
Für die Bedürfnisse der Pflanze hat es aber große Bedeutung, daß
bei ihr die Elastizitätsgrenze bis nahe an die Festigkeitsgrenze
reicht.
[Illustration: Fig. 61. Eine Sklerenchymfaser etwa 100mal vergr. Nach
STRASBURGER.]
[Illustration: Fig. 62. Querschnitt durch das Sklerenchym im Blatte der
Liliacee Phormium tenax. Vergr. 240.]
+b) Das Kollenchym.+ Die Elemente des Sklerenchyms sind nicht mehr
imstande, zu wachsen; sie können deshalb in Pflanzenteilen, die noch
in lebhafter Streckung begriffen sind, keine Verwendung finden.
Bedürfen solche Pflanzenteile außer der Festigkeit, welche Zell- und
Gewebespannung ihnen verleihen, noch einer besonderen Verstärkung, so
wird sie durch #Kollenchym# erreicht.
Die Kollenchymzelle, die isodiametrisch oder meist sehr langgestreckt
(zugespitzt oder mit rechteckigem Umriß Fig. 64) ist, gleicht
der Parenchymzelle und enthält wie diese oft Chlorophyll,
unterscheidet sich aber von der Parenchymzelle wesentlich dadurch,
daß ihre Zellulosemembran ungleich, besonders an den #Zellkanten#
(Kantenkollenchym, Fig. 63) oder an den tangentialen Wänden
(Plattenkollenchym) stark verdickt ist. Ferner fehlen in ihrem
Plasma, abgesehen von großen Zellsaftvakuolen, leblose Einschlüsse.
Auch die Interzellularen fehlen oder sind sehr klein. Das Kollenchym
besitzt trotz hohem Wassergehalte infolge der Wandverdickungen seiner
Elemente eine ansehnliche Festigkeit gegen Zerreißen. Dabei gibt es
dem Wachstum seiner Umgebung dadurch nach, daß es selbst daran noch
teilnimmt. Die großen unverdickten Wandflächen, in denen noch rundliche
oder spaltenförmige Tüpfel vorhanden sind, ermöglichen zugleich einen
schnellen Transport von Baustoffen innerhalb dieser Gewebeart. Auch das
Kollenchym ist entsprechend seiner mechanischen Funktion angeordnet.
+4. Die Leitgewebe.+ Je größer der Körper einer Pflanze wird und aus
je mehr Zellen er sich zusammensetzt, vor allem aber je mehr Teile
er aus dem Wasser oder aus dem Boden in den #Luftraum# streckt, umso
mehr entsteht die Notwendigkeit, Stoffe schnell von einem Organe
in ein anderes, etwa von den Wurzeln in die Blätter und umgekehrt,
zu schaffen. Die Diffusionsbewegung durch die Querwände selbst
langgestreckter Parenchymzellen genügt dazu vielfach nicht, auch wenn
die Stoffbewegung durch Ausbildung von Tüpfelkanälen sehr erleichtert
wird. So sind besondere, Leitungszwecken dienende Gewebearten, die
#Leitgewebe#, entstanden mit sehr charakteristischen Zellelementen, die
in der Hauptleitungsrichtung meist langgestreckt sind, oft vergrößerte
Diffusionsflächen besitzen, ja meist zu eigenartigen Leitungskanälen
(Fusionen) verschmelzen und stets zu einem zusammenhängenden Systeme
verbunden sind, das die ganze Pflanze durchzieht. Bezeichnend für die
Leitgewebe ist ferner der Mangel an Interzellularen.
[Illustration: Fig. 63. Querschnitt durch das Kollenchym von Cucurbita
Pepo. Vergr. 240.]
[Illustration: Fig. 64. Eine Kollenchymzelle in Seitenansicht. Vergr.
240.]
+a) Siebröhren.+ Durch offene Poren, die dem Transporte von
Eiweißstoffen und Kohlehydraten zu dienen scheinen, werden die in
Längsreihen angeordneten Glieder der #Siebröhren#[52] verbunden. Die
quergerichteten oder steilen Endwände (manchmal auch die Seitenwände)
jedes dieser übrigens langgestreckten, im Querschnitt polygonalen
Glieder besitzen nämlich siebartig durchlöcherte Stellen, die von
Plasmasträngen ausgefüllt werden. Man nennt diese Stellen #Siebplatten#
(Fig. 65 _A_, _B_). Bei vielen Pflanzen, z. B. dem Kürbis (Fig. 65
_A_), ist die ganze Querwand eines Siebröhrengliedes eine einzige
Siebplatte mit verhältnismäßig groben Poren; auf den Längswänden
sind dagegen nur eng umgrenzte runde Stellen mit viel feineren Poren
als Siebplatten ausgebildet (Fig. 65 _C c*_), da wo zwei Siebröhren
seitlich aneinander grenzen. In anderen Fällen, z. B. auf den alsdann
meist steilen Endwänden der Siebröhren, findet man dagegen #mehrere#
solche durch nicht perforierte Membranteile getrennten tüpfelartigen
Siebplatten (Fig. 66) mit meist sehr feinen punktförmigen Poren. Die
Siebröhrenglieder, deren jedes einer Zelle entspricht, enthalten
lebende, dünne plasmatische Wandbeläge mit je einem Zellkern, mit
Leukoplasten und oft mit Stärkekörnern und als Zellsaft eine wäßrige
alkalische, mehr oder weniger konzentrierte gerinnbare Flüssigkeit, die
reich an Eiweißstoffen, oft auch an Kohlehydraten und anorganischen
Salzen (Phosphaten) ist (Fig. 65 _D_). Die Siebröhrenwandungen
sind fast stets unverholzt, bestehen aus Zellulose und sind durch
den Inhalt elastisch gespannt. Im allgemeinen funktionieren die
Siebröhren nur während #einer# Vegetationsperiode. Bevor sie untätig
werden, überziehen sich ihre Siebplatten mit stark lichtbrechenden
#Kallusplatten# (Fig. 65 _C_), die den Stoffaustausch zwischen den
Siebröhrengliedern herabsetzen oder wohl ganz unterbrechen. Soll die
Siebröhre in der nächsten Vegetationsperiode nochmals tätig sein, so
werden diese Kallusplatten wieder gelöst.
[Illustration: Fig. 65. Teile von Siebröhren des Kürbis (Curcurbita
Pepo) in Alkohol gehärtet. _A_ Eine Siebplatte von oben gesehen. _B_
und _C_ Je zwei aufeinanderfolgende Siebröhrenglieder im Längsschnitt;
_s_ Geleitzellen, _u_ Schleimstrang, _pr_ plasmatischer Wandbelag, _c_
Kallusplatte, _c*_ kleine seitenständige Siebplatte mit Kallusbelag.
_D_ Die Inhaltsmassen von zwei Siebröhrengliedern nach Auflösung der
Zellhäute mit Schwefelsäure. Vergr. 540. Nach STRASBURGER.]
[Illustration: Fig. 66. _A_ Grenze zweier Siebröhrenglieder vom
Weinstock (Vitis) mit schräger, längsdurchschnittener Querwand. Vergr.
600. Nach DE BARY. _B_ Eine solche Querwand in Flächenansicht mit den
Siebplatten. Von ROTHERT schematisiert nach DE BARY.]
Die Kallusplatten bestehen aus #Kallose#, einem seiner chemischen
Zusammensetzung nach noch unbekannten Körper, der sich durch
seine Unlöslichkeit in Kupferoxydammoniak, aber seine Löslichkeit
in 1%iger kalter Kalilauge auszeichnet. Sie färbt sich in
Chlorzinkjodlösung rotbraun, glänzend blau mit Anilinblau und
glänzend rot mit Korallin (Rosolsäure). -- Kallose überzieht
übrigens in dünnen Schichten auch schon die Leisten der Siebplatten
zwischen den Poren, solange diese noch offen sind. Diese Schichten
werden allmählich dicker, die Poren mehr und mehr verengt und
schließlich ganz verstopft.
+b) Gefäße.+ Besondere und zwar #tote# Zellarten, die meist
langgestreckt röhrenförmig sind, rundlichen oder polygonalen
Querschnitt haben und in Längsreihen, entsprechend der
Hauptleitungsrichtung, angeordnet sind, mit sehr charakteristischen
und auffälligen Verdickungen in den meist verholzten Wänden dienen
der Leitung, manchmal auch der Speicherung des Wassers in der Pflanze
(#Gefäße#). Die Gefäße enthalten dementsprechend, solange sie
tätig sind, Wasser, außerdem aber oft auch begrenzte Mengen Luft.
Man teilt sie ein in #Tracheïden# und #Tracheen#. Die Tracheïden
sind Einzelzellen, die mit eigenartig getüpfelten Zellhäuten
aneinander grenzen, meist zugespitzte Enden und in der Regel kleinen
Querdurchmesser (Fig. 70 _B_) besitzen; sie dienen oft zugleich als
Festigungszellen, z. B. im Stamme der Nadelhölzer. Die #Tracheen#
dagegen sind verhältnismäßig weite oder enge Membranröhren, die
aus Längsreihen vieler Zellen (ihren #Gliedern#) durch Auflösung
der Endwände entstanden sind. Die Endwände werden dabei, wenn sie
quer stehen, meist bis auf einen schmalen Rand aufgelöst, der als
ringförmige Membranleiste stehen bleibt und verdickt wird (Fig. 67
_C_ bei _s_, Fig. 69 _I_ bei _q_ und _q′_); schräge Endwände sind
dagegen meist nicht von einem einzigen runden, sondern von mehreren,
übereinanderliegenden, spaltenförmigen oder elliptischen Löchern
(leiterförmige Perforation, Fig. 69 _II_; 171 _tg_) durchbrochen.
Einige der Endwände freilich sind nicht durchbrochen, sondern bloß mit
Tüpfeln versehen. Infolgedessen haben die Tracheen eine begrenzte Länge.
[Illustration: Fig. 67. Teile von Tracheïden und von einer Trachee. _A_
Ring- und Schraubentracheïde. _B_ Schraubentracheïde. _C_ Netztrachee
halb aufgeschnitten, bei _s_ eine der beiden durchlöcherten Querwände.
Vergr. 240. Nach H. SCHENCK.]
[Illustration: Fig. 68. Teil eines Längsschnittes durch drei
Schraubengefäße und eine Reihe von Parenchymzellen des Kürbis
(Curcurbita Pepo). Vergr. 560. Nach ROTHERT.]
Einzelne Tracheen können zwar, im besonderen bei den kletternden
Holzgewächsen, den #Lianen#, einige Meter lang sein. Auch bei
unseren Eichen sind 2 m lange Tracheen noch sehr zahlreich. Im
allgemeinen beträgt aber ihre Länge weniger als 1 m, nämlich meist
nur gegen 10 cm. Wie die längsten, so sind auch die weitesten
Tracheen bei den Kletterpflanzen zu finden; ihr Durchmesser kann
hier 0,7 mm erreichen, während er bei unseren Eichen im Mittel
0,25, unserer Linde 0,06 mm beträgt.
Die Bezeichnungsweise der wasserleitenden Elemente ist in der
Literatur leider recht verschiedenartig. Meist wird unterschieden
zwischen Tracheïden und Tracheen oder Gefäßen. DE BARY dagegen
nannte alle Elemente Tracheen und unterschied zwischen Tracheïden
und Gefäßen. Am zweckmäßigsten scheint der Vorschlag ROTHERTS, dem
wir gefolgt sind, als Sammelbegriff von Gefäßen zu reden und die
Gefäße in Tracheïden und Tracheen einzuteilen.
Die #Wandverdickungen# in vielen Gefäßen sind auf schmale Leisten
(Fig. 67 u. 68) in den sonst wenig verdickten Zellwänden beschränkt.
Diese Leisten können isolierte Ringe, zusammenhängende Schraubenbänder
oder ein Netzwerk mit großen queren Maschen bilden (Fig. 67,
68); man unterscheidet danach zwischen #Ring#-, #Schrauben#- und
#Netztracheïden# oder -#tracheen#. In anderen Gefäßen umfassen die
Verdickungen den größeren Teil der Zellmembranen; alsdann bleiben aber
zahlreiche kreisförmige, polygonale oder in querer Richtung mehr oder
weniger gestreckte elliptische oder spaltenförmige Tüpfel zwischen den
verdickten Teilen ausgespart (Fig. 69, 70): #Tüpfel#gefäße. Stehen an
den Seitenwänden quergestreckte Tüpfel regelmäßig in geraden Reihen
übereinander, so wird das Gefäß als #Treppen#- oder #Leitergefäß#
bezeichnet (Fig. 69 _II_, 70 _A_). Zwischen sämtlichen Gefäßformen gibt
es Übergänge.
Die Tüpfel sind in #allen# Tüpfelgefäßen #zweiseitig# oder #einseitig
behöft# (#Hoftüpfel#). Hoftüpfel heißt ein Tüpfel, dessen Kanal sich
nach der Schließhaut hin trichterartig erweitert (Fig. 71 _C_). Sehr
häufig sind die Hoftüpfel in der Flächenansicht kreisförmig; alsdann
sieht man in ihrer Mitte einen kleinen konzentrischen Kreis (Fig.
71 _A_). Der kleinere innere Kreis ist die enge Mündungsstelle des
Tüpfelkanals in den Zellraum, der große äußere Kreis (der „Hof“)
seine weiteste Stelle, womit er an die Schließhaut grenzt. Zwischen
beiden Kreisen überwölben die Verdickungsschichten der Membran die
Schließhaut als Tüpfelwandung. Die Schließhäute sind in der Mitte
oft zu dem #Torus# verdickt (Fig. 71 _C_), vermögen sich nach der
einen oder anderen Seite vorzuwölben und mit den Tori die engen
Ausgänge der Tüpfel auf einer Seite nach Art von Klappenventilen zu
verschließen (Fig. 71 _B_, _t_). Die Hoftüpfel lassen infolge ihrer
großen Schließhäute sehr rege Flüssigkeits-(Wasser)bewegungen von
einem Zellraum in den anderen zu, ohne daß die toten Zellen auf die
notwendige Festigkeit ihrer Membranen zu verzichten brauchten, die eben
durch die einem Gewölbe ähnliche Tüpfelwandung gewährleistet wird.
[Illustration: Fig. 69. _A_ Schemata von Tracheen in medianem
Längsschnitt. _I._ Weite Trachee mit kleinen elliptischen Hoftüpfeln
und mit einfacher Perforation der Querwände _q q_. Die Hinterwand
der Trachee ist im oberen Teil der Figur weggeschnitten. _II._ Enge
Treppentrachee mit leiterförmiger Perforation der Querwände _q_. _B_
Die Querwände beider Tracheen, von der Fläche gesehen. Nach ROTHERT.]
Die Hoftüpfel sind, wie es die Fig. 71 _C_ zeigt, #zweiseitig
behöft#, wenn sie zwischen zwei wasserleitenden Elementen ausgebildet
sind. Sie sind #einseitig behöft#, wenn sie die Zellwand eines
wasserleitenden Elementes durchsetzen, das an eine lebende Zelle
grenzt. In diesem Falle erweitert sich der Tüpfelkanal nämlich bloß
von dem wasserleitenden Elemente aus nach der Schließhaut hin und hat
keinen Torus in der Schließhaut; auf der anderen Seite der Schließhaut
dagegen, also in den Wandschichten der lebenden Zelle, ist ein gleich
weiter (einfacher) Tüpfelkanal ausgebildet.
Auch die Tüpfel in den Endwänden der Tracheen und Tracheïden sind
stets Hoftüpfel. In den Tracheen sind es ihre Schließhäute, die
aufgelöst werden (vgl. Fig. 69 _A_ _I_ und _II_).
Auch in den Ring- und Schraubengefäßen können übrigens die
Verdickungsleisten gelegentlich den Wänden von Hoftüpfeln gleichen[53],
und zwar dadurch, daß sie T-förmigen Querschnitt haben und mit den
verschmälerten Kanten der Gefäßwandung angefügt sind (Fig. 68).
Die dünnen Membranstellen zwischen den Leisten entsprechen alsdann
den Schließhäuten von Hoftüpfeln; manchmal sind sie sogar, wenn
sie zwei wasserleitende Elemente trennen, wie diese Schließhäute,
in ihrer Mitte etwas stärker, als Tori, verdickt. Bei der
Anfertigung von Schnitten lösen sich die fast stets verholzten
schraubenförmigen Verdickungsbänder oft leicht von den unverdickten
(und nicht immer verholzten) Gefäßwandungen ab und werden weithin
aus den Gefäßen herausgerissen. Diese Erscheinung findet aber
weder in der Befestigungsweise der Bänder noch in der chemischen
Beschaffenheit der Schraubengefäßwände eine hinreichende Erklärung.
[Illustration: Fig. 70. _A_ Unteres Drittel einer Treppentracheïde
aus dem Rhizom des Adlerfarns (Pteridium aquilinum). _t_ Die
quergestreckten Tüpfel an den Seitenwänden, _q_ die leiterförmig
getüpfelte Endfläche. Vergr. 95. Nach DE BARY. _B_ Eine Tracheïde mit
runden Hoftüpfeln. Vergr. 100. Nach STRASBURGER.]
[Illustration: Fig. 71. Tracheïden aus dem Holze der Kiefer (Pinus
silvestris). _A_ Radialer Längsschnitt mit Hoftüpfel in Flächenansicht.
_B_ Tangentialer Längsschnitt mit Hoftüpfel im Querschnitt, _t_ der
Torus. _C_ Querschnitt durch eine Tracheïde, _m_ Mittellamelle,
_m*_ ein Zwickel in dieser, _i_ das Grenzhäutchen. Vergr. 540. Nach
STRASBURGER.]
Nur die mit ring- oder schraubenförmigen Verdickungsleisten
versehenen Gefäße sind noch streckungsfähig und dehnbar; daher
werden nur solche in wachsenden Pflanzenteilen ausgebildet.
Die Wandverdickungen erhöhen die mechanische Festigkeit der
wasserleitenden Elemente, indem sie es verhindern, daß die benachbarten
lebenden Zellen sie zusammendrücken. Der lebende Inhalt der Gefäße
wird, während die Zellmembranen sich verdicken, immer ärmer;
schließlich schwindet er, in den Tracheen nach Durchbrechung der
Querwände, ganz.
+Leitbündelgewebesystem.+ Die Siebröhren treten fast nie für sich
allein auf, sondern sind meist mit Leitparenchym zu Strängen oder
Bündeln (#Siebsträngen#) verbunden, die die ganze Pflanze durchziehen.
Gleiches gilt für die Tracheïden und Tracheen (#Gefäßstränge#);
Tracheïden finden sich freilich auch einzeln oder in kleineren
Gruppen nicht selten als Wasserspeicher im Parenchym zerstreut
(Speichertracheïden).
Im primären Gewebe verbinden sich Sieb- und Gefäßstränge meist zu
#gemeinsamen# Strängen oder Bündeln, #vollständigen Leitbündeln#,
die meist parallel zur Längsachse eines Organes verlaufen, durch
Querzweige zu einem Netzwerk verbunden und so auffällig sind, daß man
für dieses Strangsystem den Namen #Leitbündelgewebesystem# geprägt hat.
Darin sind also die Elemente der Wasserleitung mit denen der Leitung
organischer Stoffe verbunden, so daß das Wasser und diese Stoffe auf
nahe benachbarten Wegen, wenn auch oft in entgegengesetzter Richtung
geleitet werden. Dieses Gewebesystem kann primären oder sekundären
Ursprungs sein. In jedem vollständigen Leitbündel, das sich durch seine
engen Elemente und den Mangel an Interzellularen schon bei schwächster
Vergrößerung von dem übrigen weniger dichten Gewebe abhebt, ja manchmal
sogar mit bloßem Auge sichtbar ist, z. B. in den durchscheinenden
Stengeln von Impatiens parviflora, lassen sich also Gewebestränge
zweierlei Art unterscheiden: Gefäßstränge bilden den #Gefäßteil# oder
das #Xylem#, und Siebstränge bilden den #Siebteil# oder das #Phloëm#.
Xylem und Phloëm können in den Bündeln verschieden angeordnet sein;
infolgedessen sind auch die Querschnittsbilder der Bündel recht
verschieden (vgl. S. 85 ff.).
Für das vollständige Leitbündel und seine Teile werden noch andere
Namen in der Literatur gebraucht. Statt Leitbündel sagt man
auch Gefäßbündel, Fibrovasalbündel oder Mestom, statt Gefäßteil
Holzteil, Vasalteil oder Hadrom, statt Siebteil Bastteil,
Kribralteil oder Leptom.
[Illustration: Fig. 72. Stück einer Milchröhre der Asclepiadacee
Ceropegia. Vergr. 150. Nach STRASBURGER.]
Sieb- oder Gefäßstränge kommen aber nicht selten auch für sich allein
vor. Solche Sieb- oder Gefäßstränge kann man als #unvollständige
Leitbündel# bezeichnen. Sie sind besonders im sekundären Dauergewebe
weit verbreitet, und zwar Gefäßstränge im Holz, Siebstränge im Bast
(vgl. S. 133, 136).
+5. Sekretzellen und Sekretgewebe.+ 1. #Einzelzellen.# In den
verschiedensten Geweben findet man besonders häufig #Sekretzellen#,
einzeln für sich oder oft in längs verlaufenden Reihen (so z. B. bei
Liliaceen, Amaryllidaceen, Commelinaceen). Sie sind isodiametrisch
oder schlauchförmig (Schläuche) und unterscheiden sich von den
übrigen Zellen vornehmlich durch ihren #Inhalt#. #In dem oft stark
geschwundenen#, nicht selten schließlich abgestorbenen #Protoplasten#
liegen als Endprodukte des Stoffwechsels #sehr große Mengen Sekrete#
verschiedenster Art, die als Schutzstoffe ökologische Bedeutung haben
können. Als solche Sekrete sind besonders verbreitet: Schleime,
Gummi, ätherische Öle, Harze, Gummiharze, Gerbstoffe, Alkaloide oder
Oxalatkristalle (Fig. 22). Die Wandungen dieser Zellen sind oft
verkorkt.
Zu den Sekretzellen gehören auch die #ungegliederten Milchröhren#, die
als Sekrete Milchsäfte enthalten. Es sind reich verzweigte Schläuche
#ohne alle# Querwände, Röhren, die eine meist unverdickte, glatte,
elastische Zellulosewand (Fig. 72), einen lebenden Wandbelag aus Plasma
mit zahlreichen Zellkernen, manchmal auch mit Stärkekörnern (bei vielen
Euphorbien von knochenförmiger Gestalt) besitzen[54] und als Zellsaft
eine milchige, meist weiße, wäßrige Flüssigkeit enthalten, die an der
Luft rasch gerinnt. Der Milchsaft hat ökologische Bedeutung; er dient
zum Wundverschluß und als Schutzmittel gegen Tierfraß. Leitfunktion
haben die Milchröhren dagegen nicht.
In dem Milchsaft kommen gelöst vor: Gerbstoffe, Glykoside, manchmal
giftige Alkaloide und besonders Kalkmalat, ferner bei Ficus Carica
und Carica Papaya auch peptonisierende Enzyme; weiter als Tröpfchen
in Emulsion: Gummiharze, d. h. Gemenge von Gummi und Harz,
Kautschuk (C_{25}H_{40}), Guttapercha, Fett und Wachs; als feste
Bestandteile: vielfach Proteïnkörner.
Solche Milchröhren findet man bei vielen Euphorbiaceen (z. B.
Euphorbia), Moraceen, Apocynaceen und Asclepiadaceen. Sie gehen aus
Zellen hervor, die schon in der Keimpflanze kenntlich sind und mit der
ganzen Pflanze weiterwachsen, sich fort und fort verzweigen, in alle
ihre Glieder eindringen und so viele Meter lang werden können.
2. #Zellfusionen.# Mehrere Sekretzellen können auch durch Auflösung
der trennenden #Querwände# zu einem geräumigeren Sekretbehälter
#verschmelzen#. Am auffälligsten ist das der Fall bei den #gegliederten
Milchröhren# oder #Milchgefäßen#. Sie sehen ganz ähnlich aus und
besitzen auch ganz entsprechenden Inhalt wie die ungegliederten
Milchröhren, unterscheiden sich von ihnen nur dadurch, daß sie aus
Zellverschmelzungen hervorgehen und meist zu einem Netzwerk verbundene
Schläuche sind (Fig. 73). Infolgedessen findet man in ihnen manchmal
Reste von Querwänden.
[Illustration: Fig. 73. Tangentialer Längsschnitt aus der Peripherie
der Wurzel des Löwenzahns (Taraxacum), die netzförmig verbundenen
Milchgefäße zeigend. Vergr. 240.]
[Illustration: Fig. 74. Lysigener Ölbehälter im Querschnitt des Blattes
von Dictamnus Fraxinella. _A_ Jung. _B_ Nach Auflösung der Zellwände
fertig ausgebildet. ROTHERT frei nach RAUTER.]
Wie die Milchröhren, so sind auch die Milchgefäße auf bestimmte
Pflanzenfamilien beschränkt, so auf gewisse Euphorbiaceen (z. B. bei
dem wichtigsten Kautschukbaum Hevea), die Papaveraceen mit Papaver
und dem durch orangerote Färbung seines Milchsaftes ausgezeichneten
Chelidonium, ferner auf die Campanulaceen und die Cichorieen unter
den Kompositen, etwa mit den Gattungen Cichorium, Taraxacum, Lactuca,
Scorzonera, Hieracium, Tragopogon. Ihre Funktionen entsprechen denen
der ungegliederten Milchröhren.
Den Milchgefäßen in vieler Beziehung ähnlich sind die
#Schleimröhren#, die bei vielen Monokotylen vorkommen. Ihr
Schleimsaft besteht aus Eiweiß, Stärke, Glykose, Gerbstoffen und
anorganischen Stoffen.
3. #Lysigene Interzellularräume.# Häufig entstehen ferner
Sekretbehälter auch lysigen, d. h. durch Auflösung der #ganzen
Sekretzellen# (Fig. 74) (#lysigene Sekretbehälter#). Sie stellen
rundliche Gebilde, unregelmäßige Hohlräume und schlauchförmige Gänge
dar. Sie gehen aus Zellgruppen hervor, in denen die Sekrete entstanden
sind und deren Wände allmählich aufgelöst wurden. Solchen Ursprung
haben unter anderem die mit ätherischem Öl gefüllten Sekretbehälter der
Orangen, Zitronen und anderer Rutaceen sowie vieler Myrtaceen.