Die #Schließzellen# enthalten stets Chlorophyll und zeichnen

sich, abgesehen von ihrer Form, durch ihre Wandverdickungen aus,

die an Querschnitten (Fig. 45 _B_, 47 _B_) kenntlich werden.

Diese Verdickungen bestehen meist aus je einer oberen und

unteren Verdickungsleiste an der Spaltseite (der Bauchseite) der

Schließzellen, während die Wand dort in halber Höhe ebenso wie die

ganze Rückenwand dünn bleibt (Fig. 45 _B_). Die Verdickungen haben

zu den Gestaltsänderungen, zu denen die Schließzellen befähigt

sind, Beziehung. Die Schließzellen haben nämlich die Aufgabe, durch

solche Gestaltsveränderungen die Spaltenweite zu verändern: durch

Verringerung ihrer Krümmung den Spalt z. B. etwa zu Zeiten allzu

großen Wasserverlustes zu schließen, durch Zunahme ihres Volumens und

Verstärkung ihrer Krümmung ihn zu anderen Zeiten weit zu öffnen. Sie

sind #Regulatoren# des Gasaustausches und der Transpiration.

[Illustration: Fig. 45. Epidermis der Blattunterseite von Tradescantia

virginica. _A_ In Flächenansicht von außen, _B_ im Querschnitt. Vergr.

240. Nach STRASBURGER.]

[Illustration: Fig. 46. Epidermis mit Spaltöffnungen auf der

Blattunterseite von Helleborus niger. Vergr. 120. Nach STRASBURGER.]

Wie unser Querschnitt in Fig. 45 _B_ lehrt, springen die

Verdickungsleisten der Schließzellen über und unter der Spalte

vor. So erweitert sich die Spaltöffnung meist oberhalb der

#Zentralspalte# zum sog. #Vorhofe#, unter ihr zum #Hinterhofe#.

An den Einfügungsstellen der Schließzellen verdünnt sich die

verdickte Außenhaut der angrenzenden Epidermiszellen oft plötzlich,

wodurch gewissermaßen Scharniere, #Hautgelenke#, entstehen, die

den Schließzellen die Gestaltsveränderungen erleichtern (vgl.

Fig. 47 _B_). Häufig werden die Schließzellen, wie in Fig. 45

_A_ zu sehen ist, von besonderen, schwächer verdickten oder

weniger hohen Epidermiszellen umgeben, den #Nebenzellen# der

Spaltöffnungsapparate.

Der Bau der Schließzellen und in Abhängigkeit davon auch die

Mechanik ihrer Öffnungs- und Schließbewegungen ist übrigens

verschieden. Zwei Hauptarten der Spaltöffnungsapparate lassen sich

dementsprechend unterscheiden, die aber durch Übergänge miteinander

verbunden sind: beim ersten Typus ändern die Schließzellen ihre

Form hauptsächlich #parallel# zur Epidermisoberfläche, beim

zweiten dagegen #senkrecht# zur Epidermis. #Typus I.# Je nach dem

Bau der Schließzellen kann die Spalte wieder in verschiedener

Weise geöffnet werden. a) Amaryllideentypus (Fig. 47, bei

den meisten Mono- und Dikotylen ausgebildet). Die Rückenwand

jeder Schließzelle (Fig. 47 _B_) ist unverdickt, die Bauchwand

dagegen verdickt, und zwar meist durch eine obere und untere

Verdickungsleiste. Nimmt der Turgor der Zelle zu, so wird die

dünne Rückenwand stärker gedehnt als die verdickte Bauchwand,

und die Zelle, die im wenig gedehnten Zustand kaum gekrümmt

war, wird in tangentialer Richtung halbmondförmig gekrümmt. b)

Gramineentypus (Fig. 48, bei den Gramineen und Cyperaceen). Die

Schließzelle hat hantelförmige Gestalt. Die erweiterten Enden sind

dünnwandig, das schmalere mittlere Verbindungsstück dagegen hat

sehr stark verdickte Außen- und Innenwände (Fig. 48 _B_). Bei der

Turgorzunahme der Zelle werden die eiförmigen dünnwandigen Enden

gedehnt und dadurch die starren Mittelstücke der Schließzellen in

tangentialer Richtung voneinander entfernt. #Typus II.# Mniumtypus

(Fig. 49, bei manchen Moosen und Farnen). Die Bauchwände der

Schließzellen sind dünn, dagegen die Rückenwände verdickt, Außen-

und Innenwände entweder verdickt oder unverdickt. Nimmt der Turgor

in der Zelle zu, so entfernen sich die Außen- und Innenwände

voneinander, wobei die Krümmung der dünnen Bauchwand abnimmt und

die Spalte sich erweitert, während die Rückenwand ihre Lage nicht

ändert. Einen Übergang zwischen Typus I und II stellen z. B. die

Spaltöffnungsapparate von Helleborus dar (vgl. Fig. 238); hier

werden die Schließzellen durch Dehnung der dünnen Rückenwände

stärker halbmondförmig gekrümmt und zugleich die verdickten Außen-

und Innenwände voneinander entfernt.

[Illustration: Fig. 47.

Fig. 48.

Fig. 49.

Fig. 47 bis 49. Typen von Spaltöffnungsapparaten. Die starken Linien

geben die Formen der Schließzellen bei geöffneten Spalten, die dünnen

Linien bei geschlossenen Spalten wieder.

Fig. 47. Amaryllideentypus, _A_ in Flächenansicht, _B_ im Querschnitt.

Fig. 48. Gramineentypus mit den beiden Nebenzellen, _A_ in

Flächenansicht, _B_ im Querschnitt.

Fig. 49. Mniumtypus im Querschnitt, nach HABERLANDT. Im übrigen vgl.

den Text.]

Die Schließzellen entstehen durch Teilung junger Epidermiszellen.

Im einfachsten Falle zerfällt eine solche Zelle dabei in eine

kleinere inhaltsreichere Zelle, die zur Schließzellenmutterzelle

wird, und in eine größere inhaltsärmere, die sich zu einer

gewöhnlichen Epidermiszelle oder zu einer Nebenzelle ausbildet.

Die Mutterzelle rundet sich ellipsoidisch ab und teilt sich durch

eine Längswand in die beiden Schließzellen. In der Längswand bildet

sich hierauf der Spalt als schizogener Interzellulargang aus. Bei

Spaltöffnungsapparaten mit Nebenzellen folgen mehrere Zellteilungen

innerhalb einer jungen Epidermiszelle in bestimmter Weise

aufeinander, bevor die Schließzellenmutterzelle entsteht, oder die

Nebenzellen entstehen durch Teilungen von jungen Epidermiszellen,

die an die Spaltöffnungen angrenzen.

3. #Haare.# Der Epidermis fast keiner Pflanze fehlen #Haare#

(#Trichome#). Die Haare sind entweder #einzellige# Gebilde, und

zwar papillen- (Fig. 50), schlauch- (Fig. 51) oder pfriemförmige

(Fig. 52, 53, 56 links) Ausstülpungen der Epidermiszellen. Oder

sie sind #mehrzellig#, nämlich #Zellreihen#, gestielte und

ungestielte #Zellflächen# (#Schuppenhaare#, Fig. 55), die die

Gestalt von Blättchen haben können, wie z. B. die #Spreuschuppen#

der Farne, oder #Zellkörper#, die in der Epidermis befestigt

sind. Auch die mehrzelligen Trichome gehen ausschließlich aus

jungen Epidermiszellen, und zwar meist je aus einer solchen, der

#Initialzelle# des Haares, durch Wachstum und Teilung hervor. Die

einzelligen und mehrzelligen Haare sind ferner #unverzweigt# oder

#verzweigt# (Fig. 54, #Sternhaare#); sie haben dünne und weiche

Membranen oder stark verdickte, häufig verkalkte oder verkieselte

Seitenwände und stechende Spitzen (#Borstenhaare#, Fig. 52 rechts);

ihre Protoplasten sind entweder #lebend#, denen der Epidermiszellen

ähnlich, oder #abgestorben#. Abgestorbene Haarzellen, die (infolge

totaler Lichtreflexion) meist weiß aussehen, sind mit Luft gefüllt

oder seitlich zusammengedrückt (so an den langen einzelligen Haaren

der Baumwollsamen, Fig. 53, aus denen man das Baumwollgewebe und die

Watte macht). Stets wird an den Haaren der in der Epidermis steckende

Teil als #Fußstück# von dem herausragenden #Haarkörper# unterschieden.

Die Epidermiszellen, die das Fußstück umgeben, sind oft ring- oder

strahlenförmig angeordnet; man nennt sie Nebenzellen des Haares. Sehr

eigenartig gebaut sind die borstenförmigen #Brennhaare#, die sich bei

den Brennesseln (Fig. 52) und den Loasaceen finden.

[Illustration: Fig. 50. Oberhaut vom Blumenblatte des Stiefmütterchens.

Die Zellen mit faltenartigen Leisten an den Seitenwänden und mit

vorspringenden Papillen. Vergr. 250. Nach H. SCHENCK.]

[Illustration: Fig. 51. Wurzelhaare (_B_) und ihre Entstehung (_A_),

halb schematisch. Wurzelepidermis im Längsschnitt. Nach ROTHERT.]

[Illustration: Fig. 52. Brennhaar von Urtica dioica, nebst einem Stück

Epidermis, auf dieser rechts ein kleines einzelliges Borstenhaar.

Vergr. 60. Nach STRASBURGER.]

Sie gehen aus einer Epidermiszelle hervor, die während der

Haarbildung stark anschwillt und von benachbarten Epidermiszellen

becherförmig umwachsen wird. Durch Zellvermehrung in dem Gewebe,

das an den Haarfuß angrenzt, erhält das Haar gleichzeitig einen

säulenförmigen Stiel. Die Haarzelle spitzt sich oben zu und endet

mit einem kleinen, schräg aufgesetzten Köpfchen. Unter diesem

Köpfchen bleibt die Haarwandung unverdickt. Das glasartig spröde

Ende des Haares ist verkieselt, die übrigen Wandteile bis auf die

untere Anschwellung sind verkalkt. Wird das Köpfchen des starren

Haares leise berührt, so bricht es ab; die Haarspitze erhält

nun die Form einer Einstechkanüle und dringt in die Haut ein,

in die der Inhalt des Haares sich ergießt. Dieser enthält ein

sehr giftiges Toxin, das nach G. HABERLANDT eine eiweißähnliche

Substanz ist und in der Wunde eine mit brennendem Schmerz

verbundene Entzündung hervorruft. Sie kann, durch gewisse tropische

Brennesseln verursacht, gefährlich werden und starrkrampfähnliche

Zustände zur Folge haben.

[Illustration: Fig. 53. Samenhaare der Baumwollpflanze. _A_ Ein

Stückchen der Samenschale mit Haaren, dreimal vergrößert. _B_{1}_

Ansatzstelle und unterer Teil, _B_{2}_, mittlerer Teil, _B_{3}_ oberer

Teil eines Haares. Vergr. 300. Nach STRASBURGER.]

[Illustration: Fig. 54. Sternhaar in Flächenansicht, von der

Blattunterseite der Levkoje (Matthiola annua). Vergr. 90. Nach

STRASBURGER.]

[Illustration: Fig. 55. Schuppenhaar, _A_ in Flächenansicht, _B_

im Längsschnitt von der Blattunterseite der Elaeagnacee Shepherdia

canadensis. Vergr. 240. Nach STRASBURGER.]

Die Haare haben also sehr verschiedenen Bau und sie haben auch recht

verschiedene Funktionen. Vielfach unterstützen sie die Epidermis

in ihren schützenden Aufgaben. Alsdann bilden sie Überzüge an

ausgebildeten oder wachsenden Pflanzenteilen, besonders häufig aber

in der Knospe an den jungen Pflanzenteilen, die sie umhüllen. Solche

Überzüge, die seidig oder filzig sind, wenn sie aus abgestorbenen

#Wollhaaren# bestehen, können die Transpiration herabsetzen und

als Schirm gegen direkte Besonnung schützen. Die #Wurzelhaare#,

schlauchförmige Ausstülpungen der lebenden Wurzelepidermiszellen (Fig.

51 _B_, 155 _r_), dienen der Wasseraufnahme. #Drüsenhaare# (Fig. 75,

76, 77) scheiden Stoffe sehr verschiedener Art aus.

In den Dienst der Aufnahme mechanischer Reize treten nach G.

HABERLANDT[49] bestimmte plasmareiche Haare. Sie kommen an

Staubgefäßen, Blumenblättern und Blattgelenken vor und haben

eigenartigen Bau; sie werden als Fühlpapillen, Fühlhaare oder

Fühlborsten bezeichnet.

4. #Emergenzen.# Ähnliche Funktionen wie viele Haare haben Auswüchse

auf der Epidermis, an deren Bildung sich im Gegensatz zu den Haaren

außer der Oberhaut noch mehr oder weniger tief reichende Teile des

darunter liegenden Gewebes beteiligen. Man nennt sie #Emergenzen#. Bald

sind es Haftorgane, bald Drüsen.

Nur wenige subepidermale Zellreihen setzen sich beispielsweise

in die, sonst bloß aus Epidermis aufgebauten Auswüchse

(#Drüsenzotten#) fort, die sich an den Enden und an den Zähnen der

Nebenblätter des Stiefmütterchens (Viola tricolor) befinden (Fig.

56). Tiefer reichende Zellschichten sind hingegen am Aufbau jener

Auswüchse beteiligt, die als ankerförmige Haftorgane den Früchten

der Hundszunge (Cynoglossum) aufsitzen, über 1 mm Länge erreichen

und der Verbreitung der Früchte durch Tiere dienen. Noch größere

Emergenzen sind die #Stacheln#, die z. B. dem Rosenstrauch und den

Brombeersträuchern beim Klettern behilflich sind.

[Illustration: Fig. 56. Eine Drüsenzotte vom Nebenblatt der Viola

tricolor, neben ihr ein einzelliges Haar. Vergr. 240. Nach STRASBURGER.]

+b) Abschlußgewebe aus verkorkten Zellen.+ In sehr vielen Fällen,

namentlich wo die Epidermis nicht während der ganzen Lebensdauer

des umschlossenen Organes lebt und tätig ist, wird der Abschluß des

Körpergewebes nach außen, z. B. auch der Schutz gegen zu starke

Erwärmung, noch viel wirksamer von Schichten verkorkter Zellen

übernommen. Solche Zellen werden in Form von Schichten oder Scheiden

sehr oft auch zur Abgrenzung und zum Abschlusse lebender Gewebemassen

gegen andere im Innern des Körpers verwendet. Sie können primären oder

sekundären Ursprungs sein. Die Verkorkung kommt dadurch zustande, daß

in jeder Zelle an die zunächst unverkorkten Kohlehydratmembranen eine

Suberinlamelle als sekundäre Verdickungsschicht angelagert wird, auf

die noch tertiäre, nicht verkorkte Verdickungsschichten folgen können.

Einige Schichten der Membranen sind oft verholzt. Wir können drei Arten

verkorkten Abschlußgewebes unterscheiden: 1. das #Kutisgewebe#, 2. die

#Endodermis#, 3. den #Kork#.

+1. Das Kutisgewebe+ ist ein primäres Dauergewebe. Es entsteht durch

manchmal schon sehr frühzeitige Verkorkung von Zellen, z. B. der

Epidermis, oder dünnerer oder dickerer oft lückenlos verbundener

Parenchymschichten. Kutisgewebe letzterer Art schließt in Form einer

ein- oder mehrschichtigen Scheide nicht selten ältere Pflanzenteile

(z. B. Wurzeln, deren Epidermis frühzeitig zugrunde geht, Fig. 156

_ex_) nach außen oder Gewebestränge im Innern des Pflanzenkörpers gegen

das umliegende Gewebe ab. Die Kutiszellen behalten in der Regel ihren

lebenden Inhalt.

An Stelle der Verkorkung kann manchmal auch die Einlagerung von

Kutin oder anderen chemisch noch wenig erforschten Substanzen die

Membranen schwer durchlässig für Wasser machen.

+2. Endodermis.+ Diese Gewebeart wird aus den #Endodermiszellen#

gebildet[50]. Die Endodermis tritt in Scheidenform auf; sie dient

ebenfalls, und zwar besonders häufig, als #einschichtige# Schutzscheide

der Abgrenzung und dem Abschlusse lebender Gewebemassen gegen

andere im Innern des Körpers, doch auch als Abschluß nach außen. Sie

ist bald primären, bald sekundären Ursprungs. Die prismatischen,

langgestreckten Endodermiszellen sind #lebende# Zellen, die lückenlos

zusammenschließen. In jugendlichem Zustande sind ihre Membranen noch

#nicht# verkorkt; in den radialen Seitenwänden ist aber ein schmaler

Membranstreifen in Form eines Bandes, das die Zelle rings umläuft

und für gewisse, in Wasser gelöste Stoffe schwer durchlässig ist,

durch Einlagerung eines noch nicht näher erkannten (holzähnlichen?)

Stoffes eigenartig verändert (Fig. 57 _A_). Dieser Streifen erscheint

im Querschnitte als dunkler Punkt oder als dunkles, linsenförmiges

Gebilde (CASPARYscher Punkt, Fig. 57 _B_ und Fig. 158 bei _S_), im

radialen Längsschnitte als meist etwas welliges Band. In älteren

Endodermiszellen wird wie bei den Kutiszellen an die Zellhaut ringsum

eine sekundäre Verdickungsschicht aus Korksubstanz angelagert, der

noch dicke tertiäre, oft stark verholzende Kohlehydratschichten folgen

können.

[Illustration: Fig. 57. _A_ Schematische räumliche Darstellung

einer Endodermiszelle mit dem CASPARYschen Streifen in den radialen

Zellwänden. _B_ Endodermis im Querschnitt. Der CASPARYsche Streifen

erscheint in Form einer dunklen linsenförmigen Figur.]

[Illustration: Fig. 58. Querschnitt durch Flaschenkork. Vergr. 120.]

[Illustration: Fig. 59. _A_ Tangentialer Schnitt, _B_ Querschnitt durch

die Korkhaut eines Lindenzweiges. Vergr. 120. Die Zellmembranen in _B_

weiß, der abgestorbene Zellinhalt punktiert gezeichnet.]

In einschichtiges Kutisgewebe und in die Endodermis sind nicht

selten einzelne Zellen von abweichender Form mit unverkorkten

Zellwänden zerstreut eingeschaltet, die man als #Durchlaßzellen#

bezeichnet.

+3. Kork.+ Wie die Epidermis und das Kutisgewebe stets primäre

Dauergewebe sind, so ist der Kork immer ein sekundäres Gewebe,

das der Tätigkeit eines sekundären Meristems, des #Korkkambiums#,

seine Entstehung verdankt. Das Korkgewebe bildet wie die Epidermis

in der Regel peripherische, aber #mehrschichtige# Scheiden in Form

dünner grauer und glatter #Korkhäute# oder dicker, außen rissiger

#Korkkrusten# aus regelmäßigen radialen Zellreihen (Fig. 58, 59) da, wo

an ober- oder unterirdischen Pflanzenteilen die Epidermis abgestoßen

oder lebendes Parenchym durch Verwundungen freigelegt wird. Die

Korkzellen sind meist lufthaltige und durch den abgestorbenen Inhalt

gebräunte Zellen. Sie haben meist prismatisch-tafelförmige Gestalt mit

tangential gestellter Grundfläche (Fig. 59 _A_), schließen lückenlos

zusammen und sind mit verkorkten sekundären Membranschichten versehen,

während die Mittellamellen zwischen ihnen oft verholzt sind. Tertiäre

Verdickungsschichten fehlen in ihnen oder bestehen aus Zellulose und

bilden die sog. Zelluloseschicht, die übrigens auch verholzt sein kann.

Schon dünne #Korkhäute#, die aus wenigen Zellschichten bestehen (Fig.

59), vermindern die Transpiration an der Oberfläche der Pflanzenteile

sehr, und zwar infolge der allseitigen Verkorkung der Zellhäute

begreiflicherweise viel stärker als die Epidermis; dickere Korklagen

(#Krusten#) verhindern außerdem das Eindringen von Schmarotzern. Zudem

besitzt Korkgewebe ein geringes Wärmeleitungsvermögen, schützt also

wirksam gegen zu hohe Erwärmung.

Korkhäute überziehen viele ältere Stengel, Stämme, Knollen,

Knospenschuppen und Früchte; aus einer Korkhaut besteht z. B. die

Kartoffelschale. Die Korkeiche besitzt eine Korkkruste, aus der die

Flaschenkorke hergestellt werden.

Die sehr selten getüpfelten Wände der fertigen Korkzellen bleiben

entweder verhältnismäßig dünn (Fig. 58) oder werden mehr oder

weniger stark verdickt (Fig. 59, 183 _p_). Stark verdickte

Korkzellen bilden den #Steinkork#. Die Korkzellen können mit dem

abgestorbenen, meist braunen Inhalt ganz angefüllt sein (Fig. 59

_B_).

Häufig wechseln im Korkgewebe Schichten verkorkter und unverkorkter

Zellen miteinander ab. Letztere Schichten, deren Elemente sich nach

Bau und Inhalt sonst nur wenig von den Korkzellen unterscheiden,

dünn- oder dickwandig sind und ebenso wie diese entstehen,

bezeichnet man als #Phelloid#gewebe.

Gewebemassen von noch verwickelterem Bau als der Kork bilden die

+Borke+, die an älteren Stämmen und Wurzeln als Abschlußgewebe an

Stelle des Korkes tritt (vgl. S. 139).

[Illustration: Fig. 60. Querschnitt durch eine Lentizelle von Sambucus

nigra. _e_ Epidermis, _pc_ Korkkambium, _pd_ aus dem Korkkambium nach

innen abgeschnittene Parenchymzellen, _pl_ Korkkambium der Lentizelle,

_l_ Füllzellen. Vergr. 90. Nach STRASBURGER.]

#Lentizellen.# Durch die Bildung eines von Interzellularen freien

Korkmantels an Stelle einer Epidermis würde der Gasaustausch zwischen

der Atmosphäre und dem Innern des Stammes aufgehoben werden, wenn

nicht für einen Ersatz der Spaltöffnungen gesorgt würde. Das geschieht

bei manchen Pflanzen, z. B. Clematis-, Vitis-, Lonicera-Arten, durch

#Porenkork#, d. h. dadurch, daß in die Korkhaut ovale oder rundliche,

eng umschriebene Flecke aus etwas kleineren verkorkten Zellen

eingeschaltet sind, die Interzellularen zwischen sich lassen, meist

aber durch die #Lentizellen#: längliche oder spindelförmige, rauhe und

poröse vorspringende Warzen, die man schon mit bloßem Auge auf den

Korkhäuten der Zweige unserer Holzgewächse sehen kann. Sie bestehen

aus abgestorbenem, meist unverkorktem und an Interzellularen reichem

Gewebe (#Füllzellen#), das pfropfenartig in das Korkgewebe eingesetzt

ist (Fig. 60). Die Interzellularen münden in die Außenluft und setzen

sich in das Interzellularsystem des lebenden Gewebes fort.

Die Lentizellen entstehen oft unter den Spaltöffnungen, und zwar

sogleich zu Beginn der Korkbildung. Das Korkkambium, das auch

unter den Spaltöffnungsapparaten auftritt, hier aber radial

verlaufende Interzellularen zwischen seinen Zellen enthält, bildet

an diesen Stellen (Fig. 60 _pl_) nach außen die Füllzellen mit

Interzellularen (Fig. 60 _l_). Die Lentizellen durchbrechen alsbald

die Epidermis und heben sie lippenförmig empor. Abwechselnd mit den

Füllzellen erzeugt das Korkkambium in den Lentizellen namentlich

zur Herabsetzung ihrer Durchlässigkeit während des Winters

Schichten fester verbundener, verkorkter und verholzter Zellen,

Zwischenstreifen oder Verschlußschichten, die später (im Frühling)

gesprengt werden.

+3. Mechanische oder Festigungsgewebe+[51]. Ohne eine gewisse

Festigkeit könnte die Pflanze ihre Gestalt nicht beibehalten, die

meist für ihre Lebenstätigkeit unentbehrlich ist. Bei einzelnen

Zellen und bei wachsenden Geweben wird die nötige Festigkeit durch

die Zellmembranen, den Turgor (vgl. S. 191) und die Gewebespannung

(vgl. S. 248) erzielt. Da indes die Zellhäute dünn sind, Turgor

und Gewebespannung aber schon durch jeden stärkeren Wasserverlust

aufgehoben werden (#Welken# der Pflanze), so reicht beides nicht aus,

um der Pflanze, namentlich der Landpflanze, auf die Dauer die nötige

Festigkeit zu verleihen. So sehen wir denn bei sehr vielen Pflanzen

besondere Gewebe aus Zellen mit #stark verdickten# Membranen, das

#Sklerenchym# und das #Kollenchym#, mit mechanischen Aufgaben betraut.

Diese Gewebe werden auch #Stereome# genannt.

Welche Ansprüche an die Festigkeit und den Zusammenhang der Teile

bei Pflanzen gestellt werden, das leuchtet sofort ein, wenn man sich

z. B. einen Roggenhalm vergegenwärtigt, der, aus Hunderttausenden

einzelner Zellen zusammengesetzt, bei einer Höhe von 1500 mm kaum 3

mm Durchmesser an seiner Basis mißt. Bis zu 3000 mm erheben sich die

schlanken Schäfte des Pfeilrohrs bei einer Grundfläche von nur 15

mm Durchmesser. Die Höhe des Pfeilrohres beträgt das 200fache, die

des Roggenhalmes gar das 500fache des Grunddurchmessers. Dabei trägt

aber der Roggenhalm an seiner Spitze noch die schwere Last der Ähre,

der schlanke Palmstamm die schweren und im Winde wie Segel wirkenden

Blätter, die bei Raphia-Arten 15 m Länge und entsprechende Breite

erreichen, und zeitweise noch die große Last der Früchte.

Neben seiner Festigkeit verfügt der Pflanzenkörper aber auch über

eine Eigenschaft, die wir unseren Bauten nicht entfernt im gleichen

Maße geben können; das ist seine außerordentliche #Elastizität#.

Der Roggenhalm weicht der Gewalt des starken Windes aus, indem er

seine Spitze bis zum Boden hinabbeugt, schnellt aber in die frühere

Lage zurück, wenn die Wirkung des Windes aufhört. Die technischen

Leistungen des Pflanzenkörpers sind also einzig in ihrer Art und höchst

vollkommen. Von dem festen und zugleich elastischen Baumaterial, das

die Pflanze sich herstellt, macht ja auch die Technik aller Völker

den ausgedehntesten Gebrauch, indem sie Holz zu Stützen und Trägern,

„Bastfasern“ zu Fäden, Tauen und Geweben (z. B. Leinwand) verwendet.

a) Als +Sklerenchym+ bezeichnet man die Festigungsgewebe der

#ausgewachsenen# Pflanzenteile. Sie sind aus #Sklerenchymzellen#

(Steinzellen) oder aus #Sklerenchymfasern# („Bastfasern“)

zusammengesetzt, beides Zellen mit #sehr stark verdickten#

Zellmembranen aus Kohlehydratlamellen, die oft zugleich verholzt sind.

Die #Sklerenchymzellen# oder Steinzellen (Fig. 30) sind mehr oder

weniger isodiametrisch, polyëdrisch und haben runde, unverzweigte

oder verzweigte Tüpfel in ihren fast stets stark verholzten Wänden.

Die #Sklerenchymfasern# (Fig. 61) dagegen sind schmal spindelförmige,

sehr langgestreckte Zellen mit zugespitzten Enden und mit spärlichen

schräg aufsteigenden, spaltenförmigen Tüpfeln und haben polygonalen

Querschnitt (Fig. 62); ihre Zellwände sind nahezu unverholzt (z. B.

beim Lein) oder mehr oder weniger verholzt (z. B. beim Hanf). Die

Sklerenchymfasern haben immer eine für Pflanzenzellen sehr bedeutende

Länge, durchschnittlich von 1-2 mm. Sie können aber bei manchen

Gewächsen noch sehr viel länger werden: beim Lein 20-40 mm, bei der

Brennessel bis 77 mm, ja bei der Urticacee Boehmeria bis 220 mm. Solche

langen Fasern sind für Gespinste besonders brauchbar. Sie werden

erst nach vollendeter Streckung der Pflanzenorgane, vielfach unter

Beteiligung von gleitendem Wachstum, fertiggestellt.

Lehrbuch der Botanik für Hochschulen · 第 7 / 90 段