+5. Bildung von Interzellularen und Durchlüftung der Gewebe.+ Fast

immer, wenn sich embryonale Zellen in Dauerzellen umwandeln, werden

die Mittellamellen nach Ausbildung von Verdickungsschichten lokal,

namentlich an den Ecken und Kanten der Zellen, gespalten, so daß

hier die Wände benachbarter Zellen auseinander weichen können. So

entstehen im Zellgewebe schon sehr frühzeitig, bis in die äußersten

Stengel- und Wurzelspitzen hinein, lufterfüllte #Zwischenzellräume#

(#Interzellularen#, Fig. 38 _i_, 40 _i_). Meist haben sie im

Querschnitt die Form kleiner Drei- oder Vierecke, die der erwähnten

Spaltung der Zellwand ihre Entstehung verdanken und daher #schizogen#

genannt werden. Die Interzellularen bilden ein #zusammenhängendes

System# (Interzellularsystem) reich verästelter feiner #Kanäle#, die

den Zellkanten entlang streichen und das Gewebe allseitig durchziehen.

Bei bevorzugtem Wachstum bestimmter Zellwandstellen können derartige

schizogene Interzellularen benachbarte Zellen nachträglich völlig

voneinander trennen und zu größeren Kammern oder Gängen von mehr oder

weniger regelmäßiger Gestalt erweitert werden. Auch durch Zerstörung

von Zellen kann die Bildung von Zwischenräumen veranlaßt werden; solche

auf #Zerreißung# von Zellen zurückzuführende Interzellularräume heißen

#rhexigen#, durch #Auflösung# von Zellwänden entstehende #lysigen#. In

manchen Fällen werden schizogene Interzellularen weiterhin rhexigen

oder lysigen vergrößert. Ungleich verteiltes Wachstum führt oft zu

einer Dehnung und Zerreißung ganzer Gewebegruppen. Auf diese Weise

entstehen z. B. die hohlen Stengel. In Geweben, die sich durch

Verflechtung von Zellfäden gebildet haben, sind die Zwischenzellräume

von vornherein vorhanden (Fig. 37).

Die Interzellularen enthalten gewöhnlich Luft und sind für die lebenden

Gewebezellen von größter Bedeutung. Eine Zelle, die allseits von Wasser

oder Luft umspült ist, findet jederzeit in ihrer Umgebung leicht die

Gase, die sie zum Leben braucht. Die zahllosen Protoplasten in den

Geweben der vielzelligen Pflanzen würden aber nicht lebensfähig sein,

wenn nicht dafür gesorgt wäre, daß auch zu ihnen solche Gase gelangen

können. Diese Aufgabe, die Gase im Innern der Gewebe zirkulieren zu

lassen, erfüllen die Interzellularräume.

II. Zellarten, Gewebearten und Gewebesysteme.

Nur bei den niederen mehrzelligen Pflanzen besteht das Zellgewebe des

Körpers aus lauter ziemlich gleichartigen kugelförmigen, polyëdrischen

oder zylindrischen Zellen (vgl. z. B. Fig. 84), die sämtlich in

fast gleicher Weise allen Lebensfunktionen dienen. Man kann diese

Gewebe #Parenchym# nennen. In dem Maße, wie mit fortschreitender

äußerer Organisation und mit Zunahme der Größe des Organismus die

Arbeitsteilung zwischen den Protoplasten zunimmt, erhalten Zellen

einzeln oder gruppenweise verschiedene Form, verschiedenen Bau und

besondere Aufgaben. So entsteht namentlich bei den höheren Pflanzen

eine Sonderung der gleichartigen Zellen in eine Anzahl verschieden

gebauter #Zellarten#, zwischen denen es aber immer Übergänge gibt.

Untersucht man vergleichend die verschiedensten Organe einer Pflanze

und aller höher organisierten Pflanzen miteinander, so findet man, daß

die Zahl dieser verschiedenen Zellarten klein ist und #daß bestimmte

Zellformen überall wiederkehren#.

Meist sind gleichartige Zellen zu Gruppen verbunden. Einen solchen

Verband aus lauter gleichartigen Zellen nennt man eine #Gewebeart#.

Die Gewebearten unterscheiden sich durch die Formen, den Inhalt und

den Membranbau der Zellelemente, aus denen sie bestehen; eine jede

Gewebeart hat ihre besonderen Aufgaben, die in einer Hauptfunktion

oder in mehreren Funktionen bestehen können. Je höher die Pflanze

organisiert ist, um so mehr Gewebearten setzen ihren Körper zusammen.

Doch ist entsprechend den Zellarten auch die Zahl der Gewebearten

klein, da sie in gleicher Weise bei den verschiedensten Gewächsen

immer wieder auftreten. Nicht selten kommt es vor, daß in ein Gewebe

aus sonst gleichartigen Zellen einzelne Zellen (wohl auch Idioblasten

genannt) oder Zellgruppen mit ganz abweichendem Bau und Inhalt

eingeschaltet sind, die also einer anderen Zellart angehören.

Bei den höheren Pflanzen bilden ferner einzelne Gewebearten größere

Gewebemassen, die #auf weite Strecken oder durch den ganzen

Pflanzenkörper in ununterbrochenem Zusammenhange stehen#. Man nennt

solche Verbände, die oft auch aus #verschiedenartigen# Gewebearten

zusammengesetzt sind, #morphologische Gewebesysteme#. Auch derartige

zusammengesetzte Gewebeverbände können durch ihre Baueigentümlichkeiten

sehr auffallen und bestimmte Hauptfunktionen haben; und zwar pflegen

die verschiedenen Gewebearten einander in ihren Funktionen zu ergänzen

oder zu unterstützen.

Zu einem #physiologischen# Gewebesysteme endlich faßt man alle

Zellen zusammen, die in ihren Hauptfunktionen übereinstimmen,

#gleichgültig# ob und wie sie morphologisch verbunden und woraus

sie ontogenetisch entstanden sind. Solche Systeme sind also etwas

ganz anderes als die morphologischen Gewebesysteme.

Wir können sämtliche Gewebearten der höher organisierten Pflanzen

in zwei Hauptgruppen teilen, nämlich 1. in die embryonalen oder

#Bildungsgewebe# und 2. in die fertigen oder #Dauergewebe#.

A. Die Bildungsgewebe.

Sie werden auch #Meristeme# genannt. Sie bestehen aus verhältnismäßig

kleinen, nach allen Richtungen ungefähr gleich großen, also

#isodiametrischen#, würfelförmigen oder aus prismatischen,

plattenförmigen oder langgestreckten, #embryonalen Zellen# mit dünnen

Zellmembranen, reichlichem Plasma, großen Zellkernen und wenigen

kleinen Vakuolen (vgl. Fig. 2). Bezeichnend für sie sind meist die

zahlreichen Zellteilungen, die man in ihnen, wenigstens so lange sie

tätig sind, findet. Diese Bildungsgewebe, aus denen die Dauergewebe

hervorgehen, zerfallen nach den Orten ihres Vorkommens und der Art

ihrer Entstehung in #Urmeristeme# und #sekundäre Meristeme#.

+1. Urmeristeme.+ Sie entstehen durch die Teilung der Keimzelle

und setzen zunächst den Embryo allein zusammen. Später sind sie

hauptsächlich an den Spitzen der Zweige und Wurzeln, an den

#Vegetationspunkten# dieser Organe (Fig. 102, 154) vorhanden. Hier

findet alsdann die Vermehrung der embryonalen Zellen und die Anlage

vieler Seitenorgane statt (#apikales# oder Spitzenwachstum).

Eine oder einige dieser Meristemzellen an der äußersten Spitze des

Vegetationspunktes bleiben dauernd embryonal und vermehren durch

Wachstum und darauffolgende Zellteilungen fortgesetzt die Zellen des

Meristems, während die embryonalen Zellen, die durch diese Teilungen

entstanden sind, sich meist nach weiteren Teilungen allmählich in

Dauerzellen umwandeln. Ist #eine# solche Spitzenzelle vorhanden (Fig.

100, 101, 153), die alsdann meist durch Form und besondere Größe

von den übrigen Meristemzellen abweicht, so spricht man von einer

#Scheitelzelle#, sind #mehrere# in einer oder mehreren Schichten

(Fig. 102, 154) vorhanden, von #Initialzellen#. Diese sind meist von

den übrigen Meristemzellen der Form nach nicht zu unterscheiden; bei

manchen Pflanzen ähneln sie jedoch mehr oder weniger den Scheitelzellen.

Dicht hinter dem Vegetationspunkte beginnen die annähernd

gleichartigen, lückenlos verbundenen Urmeristemzellen verschieden

zu wachsen und sich in Stränge und Schichten verschiedenartig

gestalteter Bildungszellen zu sondern, die aber sonst zunächst

die Eigenschaften der embryonalen Zellen noch behalten (Fig. 100,

102, 154). Schon hier treten Interzellularen auf. Erst in größerer

Entfernung vom Vegetationspunkte bilden sich allmählich die Merkmale

der verschiedenen Dauergewebe aus, basalwärts fortschreitend in immer

stärkerem Maße, bis der fertige Zustand schließlich erreicht ist. Bei

dieser #Gewebedifferenzierung# kommt es sehr häufig vor, daß Gruppen,

Stränge oder Schichten von Zellen ihre meristematische Beschaffenheit

beibehalten und zu Ausgangspunkten für weitere Neubildungen von

embryonalen und fertigen Geweben werden. In vielen Fällen stellen sie

vorübergehend eine Zeitlang ihre Teilungstätigkeit ein.

Bei vielen Monokotylen bleiben die basalen Abschnitte der

Stengelglieder lange Zeit meristematisch und dienen außer dem Meristem

der Vegetationspunkte als Bildungsherde für Dauergewebe, aber nicht wie

dieses Meristem auch zur Bildung von Seitenorganen. Dadurch kommt das

#interkalare# Wachstum dieser Sprosse und vieler anderer Pflanzenteile

zustande.

+2. Sekundäre Meristeme+ sind Meristeme, die aus untätig gewordenen

Resten von Urmeristemen durch neue Teilungen ihrer Zellen oder als

Neubildungen aus #Dauerzellen# entstehen, letzteres dadurch, daß

diese Dauerzellen einen Funktionswechsel durchmachen und durch

neue Zellteilungen sich in embryonale Zellen #zurückverwandeln#

(Folgemeristeme). Ihre Elemente gleichen denen der Urmeristeme, haben

aber in der Regel die Gestalt langgestreckter oder plattenförmiger

Prismen (Fig. 167). Solche sekundären Meristeme geben den Anlaß zur

Korkbildung und zum sekundären Dickenwachstum der Baumstämme und heißen

#Kambien#. Diese Kambien sind mehr oder weniger dünne Meristemschichten

(Fig. 165, 166), die als mantelförmige Hohlzylinder parallel zur

Organoberfläche im übrigen Gewebe verlaufen. In den Kambien pflegt

eine mittlere Schicht von Meristemzellen, die #Initialzellen#, durch

fortgesetzte #tangentiale#, also gleichgerichtete Teilungen nach außen

oder innen oder nach beiden Seiten in radialer Richtung Tochterzellen

(Gewebemutterzellen) abzugeben, die sich ihrerseits, manchmal erst nach

weiteren Teilungen, zu Dauerzellen umbilden.

Die in Meristemen bei den Zellteilungen entstehenden neuen

Zellwände sind sehr häufig ebenflächig und werden in der Regel,

doch nicht immer, senkrecht zu den schon vorhandenen älteren

Zellwänden gestellt (Regel der #rechtwinkligen Schneidung#), wobei

die Richtungen: mehr oder weniger parallel zur Organoberfläche

(#perikline# Zellwände) und senkrecht dazu (#antikline# Wände)

bevorzugt werden.

B. Die Dauergewebe.

Die Dauergewebszellen unterscheiden sich von den embryonalen Zellen

dadurch, daß in ihnen im allgemeinen keine Zellteilungen mehr

stattfinden, daß sie meist viel größer, verhältnismäßig plasmaarm und

reich an großen Vakuolen oder gar tot sind, und daß ihre Zellhäute

verschiedenartig verdickt und oft chemisch verändert sind. Meist wird

das Dauergewebe von Interzellularen durchzogen. Es besteht gewöhnlich

aus verschiedenen Zell- und Gewebearten, die auch ganz verschiedenen

Funktionen dienen.

Das Dauergewebe geht dadurch aus den embryonalen Zellen hervor,

daß letztere sich strecken, stellenweise auseinander weichen,

ihre Zellwände verdicken und chemisch verändern, ihren Zellinhalt

eigenartig weiter ausgestalten, oft auch einbüßen, und unter Umständen

miteinander durch Auflösung der trennenden Wände verschmelzen. Das

Streckungswachstum vollziehen die embryonalen Zellen oft #ganz

unabhängig# voneinander (Fig. 172), so daß einzelne, die sich besonders

stark strecken, sich mit ihren Enden oder ihren Kanten zwischen andere

und aneinander vorbeischieben (#gleitendes# Wachstum[46].

Man kann die Dauergewebe in verschiedener Weise einteilen, einmal

nach ihrer #Herkunft#. #Primäre# Dauergewebe sind solche, die aus

den Urmeristemen hervorgehen; die #sekundären# sind solche, die den

sekundären Meristemen ihre Entstehung verdanken.

Eine morphologisch brauchbarere Einteilung der Dauergewebe gewinnen

wir, wenn wir #sämtliche Verschiedenheiten der Dauerzellen#, der

#Zellarten#, in Betracht ziehen, die sie zusammensetzen.

Früher berücksichtigte man dabei hauptsächlich die #Dimensionen#

der Zellen und unterschied #Parenchyme# und #Prosenchyme#.

Parenchym nannte man ein Zellgewebe, dessen Zellen isodiametrisch

sind oder, falls sie in einer Richtung gestreckt sind, mit queren

Wänden aneinander grenzen; als Prosenchyme dagegen bezeichnete man

solche Dauergewebe, die aus gestreckten, beiderseits zugespitzten,

also spindelförmigen oder faserförmigen und mit ihren zugespitzten

Enden fest zwischeneinander greifenden Elementen bestehen. Diese

beiden Gruppen genügen aber nicht, um eine Übersicht über die

Mannigfaltigkeit der Gewebearten zu ermöglichen. Ja selbst ihre

Begriffsbestimmungen sind veraltet.

Untersucht man vergleichend die höheren Gewächse, so findet man

zunächst Gewebe, die, wie die Gewebe der niedersten vielzelligen

Pflanzen, aus lebenden, nährstoffhaltigen Zellen mit meist ziemlich

dünnen Zellulosewänden bestehen und vielseitige Funktionen haben;

wir wollen sie auch als #Parenchyme# bezeichnen. Daneben finden

wir aber Gewebe, die sich durch ihre Baueigentümlichkeiten scharf

von den Parenchymen unterscheiden und #besonderen# Funktionen

dienen. Die auffälligsten Gewebe sind nach ihren Hauptfunktionen

die #Abschlußgewebe#, die #mechanischen# oder #Festigungsgewebe#

und die #Leitgewebe#. Als besondere Gewebe kann man weiter noch die

#Sekretgewebe# und die #Drüsengewebe# betrachten. Die Parenchyme

bilden das #parenchymatische# System, das primäre Abschlußgewebe das

#Hautgewebesystem#, die Festigungsgewebe das #mechanische# und die

Leitgewebe das #Leitbündelgewebesystem#.

Nicht selten begnügt man sich auch mit der Einteilung aller

Dauergewebe in Haut-, Leitbündel- und Grundgewebesystem.

+1. Parenchym, Parenchymsystem.+ Bezeichnend für diese Gewebeart,

die zu den phylogenetisch ältesten Geweben (vgl. S. 38) gehört, ist

die #Parenchymzelle#. Sie kann isodiametrisch oder gestreckt sein,

hat verschiedenen Umriß und wird (vgl. Fig. 3 _B_, Fig. 40, 41)

durch die folgenden Merkmale gekennzeichnet: Die wenig verdickte

Zellmembran bereitet dem Stoffaustausche keine Schwierigkeiten; sie

besteht in der Regel aus Kohlehydratlamellen. Sie besitzt außerdem

#einfache# runde oder elliptische Tüpfel, die den Stoffverkehr

zwischen den Zellen noch mehr erleichtern. Lebendes Protoplasma

ist meist vorhanden; es umschließt große Vakuolen, die in Menge

Nährstoffe enthalten können. Die Chromatophoren, die meist als Leuko-

oder Chloroplasten ausgebildet sind, enthalten oft mehr oder weniger

Stärke. Das Parenchym ist zur Durchlüftung meist von Interzellularen

durchzogen. Es kann ebensogut sekundäres wie primäres Dauergewebe

sein. Die Parenchymzelle dient, wie schon erwähnt, noch vielerlei

Funktionen. In ihr spielen sich die wichtigsten Lebensvorgänge der

ausgewachsenen Pflanze ab: die Nährstoffbereitung, -leitung und

-speicherung, die Atmung und die Wasserspeicherung; außerdem dient

sie infolge ihrer prallen Füllung mit Zellsaft der allgemeinen

Festigung des Pflanzenkörpers. Entsprechend der Vielseitigkeit der

Leistungen ergeben sich kleine Bauverschiedenheiten zwischen den

Parenchymzellen, je nach der Funktion, der sie #hauptsächlich# dienen.

Sind die Zellen reich an Chloroplasten, so nennt man das Parenchym

#Assimilationsparenchym# (Fig. 8), entsprechend seiner wichtigsten

Aufgabe: aus Kohlensäure organische Substanz zu bilden. In dieser

Weise ist das Parenchym vielfach in oberirdischen Pflanzenteilen

ausgebildet, soweit das Licht in sie einzudringen vermag. Weiter

im Innern liegen farblose Parenchyme. Sind sie besonders reich an

organischen Inhaltsstoffen, wie Zucker, Stärke, fetten Ölen und

Eiweißstoffen, oder in den alsdann stark verdickten Zellmembranen

an Hemizellulosen (Fig. 39), lauter Stoffen, die #aufgespeichert#

sind, um später wieder in den Stoffkreislauf gezogen zu werden, so

spricht man von #Speichergewebe# (Fig. 23 _A_, 24). Parenchym, das

der Wasserspeicherung dient, bezeichnet man als #parenchymatisches

Wassergewebe#; es besteht gewöhnlich aus besonders großen, plasmaarmen,

aber sehr zellsaftreichen, häufig mit dünnem Schleime gefüllten,

dünnwandigen Zellen, die sich bei Wasserabgabe stark verkleinern. Die

Leitung organischer Nährstoffe, namentlich der Kohlehydrate, findet in

Parenchymzellen statt, die zur Erleichterung des Stofftransportes meist

in der Hauptleitungsrichtung langgestreckt sind, dem #Leitparenchym#,

das oft in mantelförmigen lückenlosen Scheiden um andere Gewebemassen

auftritt. Parenchym, das von besonders großen Interzellularen zur

starken Durchlüftung oder Luftspeicherung durchzogen ist, heißt

#Aërenchym# (Durchlüftungsgewebe).

+2. Abschlußgewebe.+ In vielzelligen Gewebekörpern besteht, namentlich

bei Landpflanzen, die Notwendigkeit, den ganzen Körper oder

einzelne Gewebe gegen schädliche Wasserverluste, gegen mechanische

Verletzungen, gegen zu hohe Erwärmung[47] und oft auch gegen Verluste

von diffusiblen Nährstoffen zu schützen. Diese Aufgabe haben Zellen,

die meist in Schichten (#Scheiden#) angeordnet sind, durch besondere

Baueigentümlichkeiten erhalten. Dadurch ist eine Reihe weiterer

Gewebearten entstanden, deren Hauptelemente die #Epidermiszellen#

und die #verkorkten# Zellen sind. Die Epidermiszellen bilden die

#Epidermis# und zusammen mit anderen Zellarten das #Hautgewebesystem#.

+a) Hautgewebesystem.+ 1. #Epidermis#. Die Epidermis oder #Oberhaut#

geht stets aus oberflächlich gelegenen Urmeristemschichten (dem

Dermatogen, vgl. S. 74) hervor, ist also ein primäres Dauergewebe.

Sie schließt als eine schützende Hülle den Pflanzenkörper nach außen

ab, vermittelt aber zugleich den Stoffaustausch mit der Außenwelt. In

typischer Ausbildung ist sie fast immer einschichtig (Fig. 45 _B_)

und besteht aus #lückenlos zu einer abziehbaren Haut miteinander

verbundenen#, in Flächenansicht tafelförmigen oder auch langgestreckten

lebenden Zellen, deren seitliche Umrisse meist wellig (Fig. 43) oder

zackig sind, was die Festigkeit ihres seitlichen Verbandes erhöht. Im

Querschnitt sind die Zellen tafel-, linsen- oder pflastersteinförmig.

Die Protoplasten der Oberhautzellen sind gewöhnlich auf dünne

Wandbeläge beschränkt, ihre großen Safträume meist mit farblosem,

manchmal aber auch gefärbtem Zellsafte gefüllt. Die Epidermis am

Lichte wachsender Teile der meisten Farne, doch auch einer großen

Zahl von Schatten liebenden Phanerogamen, ist mit Chlorophyllkörnern

ausgestattet und alsdann auch an der Assimilationsarbeit der Pflanze

beteiligt. Bei fortgeschrittenerer Arbeitsteilung unterbleibt aber auch

an oberirdischen Organen die Ausbildung der Chlorophyllkörner in der

Epidermis.

[Illustration: Fig. 43. Flächenansicht der Epidermis auf der

Blattoberseite von Mercurialis perennis. Vergr. 300. Nach H. SCHENCK.]

Alle für längere Lebensdauer eingerichteten, oberirdischen

Pflanzenteile haben, im Gegensatz zu den vergänglichen Blumenblättern,

#verdickte# Epidermis#außenwände#. Diese Verdickung kommt durch

Anlagerung von Zelluloseschichten zustande, von denen namentlich die

äußeren hierauf meist, doch nicht immer, mehr oder weniger stark

kutinisieren (Fig. 188). Die Kutinisierung kann sich auch auf die

mittleren Lamellen der Seitenwände erstrecken. An den unter Wasser

lebenden und unterirdischen Pflanzenteilen, vor allem also den Wurzeln,

bei denen die Oberhaut oft besondere Funktionen, z. B. die Absorption

von Wasser und Salzen hat, sind die Außenwände dagegen dünn und nicht

kutinisiert.

Die Außenwände der Epidermen, mögen sie verdickt oder unverdickt sein,

sind außerdem, abgesehen von den Wurzeln, auf ihrer Außenseite von

einem zarten Kutinhäutchen, der #Kutikula#, bedeckt, das ununterbrochen

über sie fortläuft und auf den primären Außenwänden der Epidermiszellen

entsteht. Häufig ist die Kutikula ohne Rücksicht auf die Zellgrenzen

etwas gefältelt; sie sieht alsdann in Flächenansicht gestreift aus.

Die Kutikula und die kutinisierten Schichten sind infolge ihres

Gehaltes an Kutinen für Wasser und Gase schwer durchlässig, und zwar

um so schwerer, je dicker sie sind; sie verhindern in wirksamster

Weise schädliche Wasserverluste des Gewebekörpers durch Verdunstung.

Die Verdickung erhöht zugleich die mechanische Festigkeit der

Oberhautzellen. Den Wurzeln wird durch den Mangel der Kutikula die

Aufnahme des Bodenwassers und der Bodensalze erleichtert.

In die Kutikula und in die kutinisierten Membranschichten ist oft

noch #Wachs# eingelagert, das sie noch weniger durchlässig für Wasser

macht. Von solchen Epidermen fließt das Regenwasser ab, ohne sie zu

benetzen. Tritt das Wachs aus der Kutikula nach außen hervor, so

entstehen #Wachsüberzüge#, die an Früchten, so besonders auffällig an

Pflaumen, Weinbeeren und anderen Organen einen hellgrauen, abwischbaren

Reif bilden. Sie können aus Körnchen (so z. B. bei den Pflaumen und

Weinbeeren), kürzeren oder längeren Stäbchen (Fig. 44) oder Krusten

bestehen und lösen sich in Äther oder in heißem Alkohol.

[Illustration: Fig. 44. Querschnitt durch einen Stengelknoten des

Zuckerrohrs mit stäbchenförmigen Wachsausscheidungen. Vergr. 540. Nach

STRASBURGER.]

Das Pflanzenwachs besteht gleich den Suberinen und Kutinen aus

Fettsäureestern des Glyzerins, denen aber freie höhere Fettsäuren

und Fettsäureester anderer Alkohole beigemischt sind.

Vielfach schützt die Epidermis das umschlossene Gewebe

nicht nur gegen schädliche Wasserverluste durch Erschwerung

der Wasserdampfabgabe, sondern auch dadurch, daß sie ein

#Wasserbehälter# ist: Die meist unverdickten Seitenwände legen

sich bei Abgabe des Wassers, das im Zellraume gespeichert ist,

in Falten, um sich wie in einem Blasebalge bei neuer Füllung der

Zellen wieder zu strecken. Solche Epidermen sind manchmal auch

#mehrschichtig#.

Die Widerstandsfähigkeit der Epidermisaußenwände wird in bestimmten

Fällen durch Einlagerung von Kalk oder Kieselsäure erhöht. Bei

den Schachtelhalmen (Equiseten) ist die Verkieselung so stark,

daß man sie zum Polieren von Zinngefäßen nutzbar machen kann. Die

Fruchtschale der Graminee Coix Lacryma ritzt sogar Opal.

Eine besondere Mannigfaltigkeit in der Art der Verdickung und

in dem Verhalten der Verdickungsschichten findet man an den

Epidermiszellen der Früchte und häufiger noch der Samen. Die

Epidermen besorgen hier nicht allein den Abschluß der inneren

Teile, sondern fördern vielfach auch die Verbreitung und

Befestigung der Früchte und Samen, oder sie bilden druckfeste

Samenschalen.

2. #Spaltöffnungsapparate#[48]. Bei den höher organisierten Gewächsen

sind sehr bezeichnend für die Epidermen der meisten oberirdischen,

namentlich grünen Teile, die in der Luft und nicht in Wasser wachsen,

Paare gekrümmter, halbmondförmiger Zellen, die eine Lücke, einen Spalt

(Porus), zwischen sich lassen. Sie heißen #Schließzellen# und samt den

Spalten #Spaltöffnungen# (Stomata) oder #Spaltöffnungsapparate# (Fig.

45 _A_, 46). Die größten Spaltöffnungsapparate hat man bei den Gräsern

beobachtet, so beim Weizen von 0,079 mm Länge und 0,039 mm Breite mit

einer 0,038 mm langen und 0,007 mm breiten Spalte. In der Epidermis

der Wurzeln kommen dagegen solche Spaltöffnungen niemals vor.

Der #Spalt# unterbricht die lückenlose Schicht der Epidermiszellen; er

ist ein mit Luft gefüllter Interzellulargang, der unter der Oberhaut

in einen großen Interzellularraum (Fig. 45 _B_) mündet, den man

#Atemhöhle# genannt hat, obwohl er mit Atmung nichts zu tun hat. Dieser

Raum steht mit den Interzellularen des Parenchyms in Verbindung. Die

Spalten sind für die Pflanzen von größter Bedeutung; denn sie setzen

das Interzellularsystem, das der Durchlüftung der Gewebe dient, in

Verbindung mit der Außenluft. Solche Verbindungen sind aber wegen des

lückenlosen Verbandes der Epidermiszellen, wenn diese infolge der

Ausbildung einer Kutikula für Gase schwer durchlässig sind, unbedingt

nötig, damit die Interzellularenluft genügend schnell erneuert, in den

grünen Pflanzenteilen namentlich die verbrauchte Kohlensäure ersetzt

werden kann. Dagegen vermag der in der Luft reichlich vorhandene

Sauerstoff auch durch die Epidermiszellen, selbst wenn sie von

einer Kutikula überzogen sind, meist in hinreichender Menge in die

Pflanzenteile einzudringen.

Lehrbuch der Botanik für Hochschulen · 第 6 / 90 段