In manchen Fällen sieht man in den Verdickungsschichten einer

Membran bei Betrachtung von der Fläche feine Streifen (Fig. 34),

die schräg zur Längsachse der Zelle verlaufen. Diese #Streifung#

beruht entweder auf einer Sonderung jeder Verdickungslamelle in

abwechselnd verschieden dichte Streifen, wovon die dichteren oft

in das Zellinnere vorspringen, oder, bei vielen Algen (z. B.

Cladophora), auf einer wellblechartigen Fältelung der einzelnen

Lamellen. Ist die Wandung deutlich geschichtet, so sind die

Streifen in den aufeinander folgenden Verdickungslamellen meist

entgegengesetzt geneigt (Fig. 34).

+Chemie der Zellmembranen+[38]. Trotz diesen Wachstumsvorgängen ist

die Zellmembran von Anfang an kein lebender Teil des Protoplasten,

sondern ein Ausscheidungsprodukt von ihm, das sich im Laufe der Zeit

noch in verschiedener Weise, auch chemisch, verändern kann. In lebenden

Zellen ist sie stets von Wasser durchtränkt und #gequollen#, schrumpft

infolgedessen bei Wasserentziehung mehr oder weniger zusammen. Ihre

Lamellen bestehen aus #Kohlehydraten#, vor allem aus #Zellulosen#,

doch teilweise auch aus #Hemizellulosen# und #Pentosanen#, meist aus

mehreren dieser Verbindungen zugleich. In keinem Falle also sind die

pflanzlichen Membranen nur aus reinen Zellulosen aufgebaut, auch nicht,

wenn man kurz von Zellulosemembranen spricht. Die Zellulosen kommen in

den Membranen aller Pflanzen vor, mit Ausnahme der meisten Pilze; es

sind Polysaccharide von der Zusammensetzung (C_{6}H_{10}O_{5})_{n},

die sich in Jodlösung nicht, mit Chlorzinkjodlösung aber intensiv blau

färben. Die gleiche Reaktion gilt übrigens für viele Hemizellulosen,

die ebenfalls Polysaccharide sind. Die Zellhäute enthalten fast stets

in größeren Mengen auch noch andere Substanzen, z. B. auch solche,

die sich mit Chlorzinkjod nicht bläuen, sondern anders färben. Unter

ihnen sind die #Pektinstoffe# besonders wichtig, die mit diesem

Reagens gelbbraune Färbung annehmen. Darauf beruht es, daß viele

„Zellulosemembranen“ sich mit Chlorzinkjod nicht rein blau, sondern

violett, braunviolett oder braun färben. In den Membranen der meisten

Pilze und Bakterien ist #Chitin# vorhanden, das früher als spezifisch

tierischer Membranstoff galt; es soll bei den Pilzen die Zellulose

vertreten[39].

[Illustration: Fig. 34. Teil einer Sklerenchymfaser von Vinca major

bei oberer Einstellung. Auch die inneren Grenzen der Wand wurden

bei tieferer Einstellung in das Bild eingetragen. Vergr. 500. Nach

STRASBURGER.]

Die #Zellulosen# sind unlöslich in verdünnten Säuren, in Alkalien,

selbst konzentrierter Kalilauge. Dagegen sind sie unter schwacher

Hydrolyse löslich in Kupferoxydammoniak und, unter Umwandlung

in Dextrose, in konzentrierter Schwefelsäure oder sehr stark

konzentrierter Salzsäure. Ferner werden sie durch ein besonderes

Enzym, die #Zellulase#, das die Pflanze bildet, und zwar in diesem

Falle über das Disaccharid Zellobiose in Dextrose übergeführt. Nach

vorausgegangener Behandlung mit Schwefelsäure oder Phosphorsäure

werden sie durch wäßrige Jodlösung blau gefärbt, ebenso bei

gleichzeitiger Einwirkung der konzentrierten Lösungen bestimmter

Salze, wie Chlorzink oder Chloraluminium, mit Jod. Daher ist

das gebräuchlichste Reagens, um Blau- oder Violettfärbung der

Zellulosen zu erzielen, eben Chlorzinkjodlösung. Eine Reihe

von Stoffen, die den Zellulosen nahe stehen, aber schon durch

verdünnte Säuren in lösliche, von der Dextrose verschiedene

Zuckerarten (z. B. Mannose, Galaktose) umgewandelt werden, faßt

man als #Hemizellulosen# zusammen. Besonders reich daran sind die

Pflanzenschleime und die Reservezellulosen (vgl. S. 36). Einige von

ihnen sind in Kupferoxydammoniak unlöslich. So wie die Zellulosen

hochmolekulare Polysaccharide von Hexosen (C_{6}H_{12}O_{6})

sind, so sind die #Pentosane# (C_{5}H_{8}O_{4})_{n}

entsprechende hochmolekulare Kondensationsprodukte von Pentosen

(C_{5}H_{10}O_{5}), z. B. von Arabinose, Xylose. Die #Pektine#

sind durch die Leichtigkeit ausgezeichnet, womit sie sich, nach

vorhergegangener Behandlung mit verdünnten Säuren, in Alkalien

lösen. Sie färben sich im Gegensatz zur Zellulose mit Safranin

und Methylenblau intensiv. Die Pektine sind verwickelt gebaute

Verbindungen, worin an Tetragalakturonsäure (C_{24}H_{34}O_{25},

einem Kondensationsprodukt der Galakturonsäure C_{6}H_{10}O_{7})

Monohexosen, Pentosane, ferner esterartig Methylalkohol und

salzartig Kalzium und Magnesium gebunden sind[40]. Anwesenheit von

Pektinen bedingt die Gelatinierung von Fruchtdekokten (also die

Bildung von Fruchtgelees).

Das #Chitin# ist ein stickstoffhaltiges Polysaccharid

(C_{30}H_{50}O_{19}N_{4}), das Azetylessigsäure in säureamidartiger

Bindung enthält.

Die Zellhäute erfahren im Laufe des Lebens einer Zelle oft

mannigfache #chemische Umwandlungen# dadurch, daß die bereits

ausgebildeten Schichten ihre Beschaffenheit ändern oder die neuen

Verdickungsschichten in ihrer Zusammensetzung von den vorhandenen

abweichen. Diese Umwandlungen stehen oft in engster Beziehung zu

den Anforderungen, die an die Zellen gestellt werden. Was zunächst

die „Zellulose“membranen betrifft, so sind sie, ganz jung, wenig

elastisch, dagegen, wie es mit Rücksicht auf das bevorstehende starke

Längenwachstum günstig erscheint, verhältnismäßig stark dehnbar; später

pflegt sich das umzukehren. Sie setzen der Diffusion von Wasser und

gelösten Substanzen kaum Widerstand entgegen.

Nicht selten #verschleimen# Zellulosemembranen durch Umwandlung

ihrer Substanz in gallertige oder schleimartige, in Wasser stark

quellende Massen. Besonders oft tritt aber #Verholzung#, #Verkorkung#

und #Kutinisierung# der Zellmembranen ein. Verholzung der Membranen

verringert die Dehnbarkeit der Zellen ganz bedeutend, erhöht also

die Starrheit, ohne die Durchlässigkeit für Wasser und darin gelöste

Stoffe aufzuheben. Verkorkte und kutinisierte Membranen aber sind

verhältnismäßig undurchlässig für Wasser und Gase und setzen die

Verdunstung stark herab. Häufig werden auch die Zellhäute nachträglich

durch Derivate von #Gerbstoffen# sehr dunkel gefärbt und gegen

Fäulnis geschützt, so in Samenschalen und in älterem Holz. In jede

ältere Membran sind ferner #anorganische Stoffe# unter Umständen in

bedeutender Menge eingelagert, sehr häufig #Kieselsäure#, seltener

#Kalziumkarbonat#, ferner organische Salze, z. B. besonders häufig

#Kalziumoxalat#.

Die #Verholzung# beruht auf der Einlagerung von Ligninen in die

Kohlehydratlamellen. Die chemische Zusammensetzung der Lignine ist

aber noch wenig geklärt. Wahrscheinlich sind Benzolderivate an

ihrer Zusammensetzung beteiligt. In den Zellen, deren Membranen

verholzt sind, bestehen aber die innersten Membranschichten in

vielen Fällen aus Zellulose. Als besonders charakteristische

Reaktionen verholzter Zellwände gelten: Gelbfärbung mit

schwefelsaurem Anilin, Rotfärbung mit Phloroglucin und Salzsäure.

Diese Reaktionen werden wohl durch aromatische Stoffe bewirkt,

die in den verholzten Membranen vorkommen. Mit Chlorzinkjodlösung

färben sich verholzte Membranen gelb, nicht blau. Der Holzstoff

läßt sich technisch aus den verholzten Membranen durch längeres

Kochen mit Kalziumbisulfit- oder Natronlauge unter Druck

herauslösen (in mikroskopischen Schnitten auch durch Eau de

Javelle), so daß nur die Kohlehydratlamellen zurückbleiben. In

dieser Weise stellt man aus Holz „Zellulosezellstoff“ her.

Die #Verkorkung# beschränkt sich in der Regel auf die

mittleren Verdickungsschichten einer Membran. Die verkorkten

Lamellen bestehen #nur# aus #Suberinen#, enthalten also #keine

Kohlehydrate#; sie werden den unverkorkten Membranlamellen

angelagert. Mit der Verkorkung nicht völlig übereinstimmend,

wenn ihr auch nahe verwandt, ist die #Kutinisierung#. Sie

besteht in einer nachträglichen Auflagerung von #Kutinen# auf

Zellulosemembranen oder einer Einlagerung in solche. Zwischen

Kutinen und Suberinen bestehen keine scharfen Unterschiede.

Beide nehmen mit Chlorzinkjodlösung gelbbraune, mit Kalilauge

annähernd gleiche gelbe Färbung an, färben sich mit Sudanglyzerin

rot, und beide werden durch konzentrierte Schwefelsäure oder

Kupferoxydammoniak nicht gelöst. Doch widerstehen die Kutine besser

der Kalilauge. Die Kutine und die Suberine verhalten sich übrigens

je nach ihrer Abstammung gegen Reagenzien etwas verschieden. Die

Suberine sollen nach VAN WISSELINGH[41] fettartige Körper sein aus

Glyzerinestern und anderen zusammengesetzten Estern der Phellon-,

Suberinsäure und anderen höheren Fettsäuren; den Kutinen soll

dagegen die Phellonsäure, die in den Suberinen stets vorhanden ist,

immer fehlen.

#Kalziumkarbonat# kommt bei manchen Pflanzen, wie den meisten

Characeen unserer Seen und Teiche, so massenhaft in den Membranen

vor, daß diese starr und brüchig werden. #Kieselsäure# ist in

den peripherischen, dadurch sehr harten Zellwänden der Gräser,

Schachtelhalme und vieler anderer Pflanzen, z. B. der einzelligen

Diatomeen, vorhanden. Das #Kalziumoxalat# ist meist in Kristallen

ausgeschieden.

Auch die zur Flavongruppe gehörenden #Farbstoffe# der technisch

benutzten Farbhölzer haben ihren Sitz in den Membranen.

Feste Zellmembranen können nachträglich in #Gummi# umgewandelt

werden, so bei der Gummosis in einem Holzkörper. Bei Prunus- oder

Citrus-Arten spielt sich dieser Vorgang so ab, daß nacheinander die

einzelnen Verdickungsschichten der Zellwände zu Gummi verquellen.

Schließlich wird auch der Zellinhalt zu einem Bestandteil der

Gummimasse[42]. Der Gummi ist chemisch den Pflanzenschleimen sehr

ähnlich (vgl. S. 32).

Röntgenspektroskopische Untersuchungen der letzten Zeit machen

es wahrscheinlich, daß die Zellulosemembranen wie die Stärke

kristallinische Struktur haben. Sie bestehen aus Kristalliten,

die mit einer ihrer Hauptachsen parallel zur Längsachse der Zelle

angeordnet sind[43].

Zweiter Abschnitt. Gewebelehre (Histologie)[44].

I. Die Gewebebildung.

+A. Begriffsbestimmung und Bedeutung des Zellgewebes.+ Jeder innigere

Verband umhäuteter Protoplasten wird als #Zellgewebe# bezeichnet.

Nur die niedersten Organismen bestehen aus #einem# ein- oder

mehrkernigen Protoplasten; sie sind zeitlebens #einzellig#. Meist ist

aber der Körper einer Pflanze #vielzellig#, d. h. er setzt sich aus

#vielen#, voneinander durch Zellwände getrennten Protoplasten, also

aus Zellgewebe, zusammen. Höhere äußere Organisation und größeres

Körpervolumen sind nämlich bei den weitaus meisten Pflanzen an die

Ausbildung #vieler# umhäuteter Protoplasten gebunden. Freilich gibt

es, wie wir schon sahen, auch äußerlich hochorganisierte Algen (die

Schlauchalgen), bei denen eine solche Kammerung nicht vorkommt,

sondern das Innere von #einem# vielkernigen Protoplasten eingenommen

wird. Man kann sie als nicht zellige Organismen den zellulären

gegenüberstellen. Solche Organismen gibt es aber nur wenige. Ausbildung

von Zellgewebe war eben für die Entwicklung höher organisierter

Pflanzenformen offenbar von größter Bedeutung. Sie ermöglichte es,

eine #Arbeitsteilung# im Protoplasma des Körpers durchzuführen.

Durch die Zerteilung des Protoplasmas in viele Protoplasten

entstanden ebensoviele einzelne #Elementarteile#, die verschiedene

Aufgaben übernehmen konnten, und vergrößerte sich außerdem die

Plasma#oberfläche# ganz erheblich. Durch die Ausbildung der trennenden

Zellwände wurde es ferner möglich, diese Elementarteile mehr oder

weniger gegeneinander zu isolieren, zugleich den Zusammenhalt und

die innere Aussteifung des ganzen, aus vielen weichen Protoplasten

bestehenden Körpers zu erhöhen.

Ein, freilich sehr unvollkommenes, lockeres Gewebe bildet sich

schon bei solchen Organismen, deren Zellen nach jeder Teilung

sich voneinander trennen, aber durch eine Gallerte aus ihren

verquellenden Zellhäuten zusammengehalten werden. Man nennt

derartige Verbände mehr oder weniger selbständiger Zellen

gemeinsamen Ursprungs #Zellfamilien# oder #Zellkolonien#.

Mannigfaltige Beispiele dafür bieten uns die Spaltalgen (Fig. 35)

und die Ordnungen der Volvocales und der Protococcales unter den

Grünalgen (vgl. diese). In den Zellfäden und Zellflächen niederer

Algen, deren Zellen bereits #fest# verbunden sind, beginnen

allmählich die Merkmale geschlossener Gewebe hervorzutreten. Diese

Merkmale werden mit wachsender Zellenzahl im Organismus und mit

der fortschreitenden Arbeitsteilung zwischen den Zellen immer

deutlicher.

[Illustration: Fig. 35. Gloeocapsa polydermatica. _A_ Beginn einer

Teilung. _B_ Links: kurz nach der Teilung. _C_ Im Ruhezustande. Vergr.

540. Nach STRASBURGER.]

[Illustration: Fig. 36. Längsschnitt durch das Mutterkorn Vergr. 300.

Nach SCHENCK.]

[Illustration: Fig. 37. Längsdurchschnitt durch den Stiel des

Fruchtkörpers des Steinpilzes. Vergr. 300. Nach SCHENCK.]

+B. Ursprung der Gewebe.+ Die Entstehung pflanzlicher Gewebe ist im

allgemeinen auf #Zellteilungen# zurückzuführen. Bei manchen niederen

Algen, z. B. bei Hydrodictyon, werden aber Gewebe durch #Anlagerung#

freier Zellen aneinander und durch Verwachsung ihrer Zellmembranen,

bei den Pilzen und Schlauchalgen (Siphoneen) durch #Verflechtung#

schlauchförmiger Zellen oder Zellfäden gebildet (Flechtgewebe oder

Plectenchym, Fig. 37). Kommt es dabei zu einer innigen Verwachsung der

verflochtenen Zellen und ist dieses Geflecht besonders dicht, so macht

es in dünnen Schnitten einen ganz ähnlichen Eindruck wie ein Gewebe der

höher organisierten Pflanzen (Fig. 36); bei nachträglicher Verdickung

der Wände können sogar die Tüpfel in den nachträglich miteinander

verwachsenen Zellhäuten aufeinander treffen.

+C. Die Zellmembranen im Zellgewebe.+ Betrachtet man Schnitte durch

pflanzliches Zellgewebe bei schwächeren Vergrößerungen, so sind es

meist ausschließlich oder vor allem die Zellmembranen, die ins Auge

fallen; sie scheinen bei weniger genauem Zusehen ein Netzwerk von

Fäden, ähnlich einem Stoffgewebe, zu bilden, woraus sich der Name

Zellgewebe erklärt.

+1. Schichtung.+ Alle #Scheidewände#, die bei den Zellteilungen im

Zellgewebe auftreten, sind, wie auch sonst bei Zellteilungen, zunächst

#einfache# und sehr dünne, meist plattenförmige Membranlamellen, die

den benachbarten Zellen #gemeinsam# zukommen. In diesem Zustande

bleibt die Zellmembran aber nie. Sie wird schon in den embryonalen

Zellen #verdickt#, während die Zellen durch #Flächenwachstum# der

Membranen sich vergrößern. Die Verdickung erreicht aber ihr Ende erst,

nachdem die Zellen längst zu ihren endgültigen Größen herangewachsen

sind. Sie fällt verschieden aus, je nach den Funktionen, die die

ausgebildeten Dauerzellen übernehmen: besonders dicke Zellmembranen

findet man bei Zellen, die der mechanischen Festigung dienen (Fig.

38). In der Regel wird die Verdickung einer Scheidewand von beiden

angrenzenden Protoplasten aus, und zwar meist durch #beiderseitige

Anlagerung# einer gleichen oder ungleichen Zahl neuer schalenförmiger

Membranlamellen an die dünne Scheidewand besorgt (Fig. 38, 40, 62). So

bekommt eine jede Zelle nachträglich ihre #eigenen# Membranschichten.

Die den benachbarten Zellen #gemeinsame# mittlere Membranlamelle einer

Zellhaut bezeichnet man alsdann als #Mittellamelle# (Fig. 38 _m_).

Sie ist meist sehr dünn, nur an den Zellecken und Kanten etwas dicker

(Zwickel, Fig. 71 _C m*_) und besteht hauptsächlich aus kalziumhaltigen

#Pektinstoffen#, die verhältnismäßig leicht löslich sind; in verholzten

und verkorkten Geweben ist sie außerdem oft verholzt.

In weichen Geweben lassen sich die Zellen schon durch Kochen

in Wasser voneinander trennen, das die Mittellamellen zum

Verquellen bringt, z. B. bei vielen Kartoffelknollen. In vielen

reifen Früchten tritt eine solche Isolierung von selbst ein.

Durch das SCHULZEsche #Mazerationsgemisch# (chlorsaures Kali und

Salpetersäure) oder durch heiße konzentrierte Ammoniaklösung

gelingt es, auch andere Zellen durch Auflösung der Mittellamellen

voneinander zu lösen, durch das Mazerationsgemisch z. B. die des

Holzes. Auch gibt es pektinvergärende Bakterien, die mittels des

Enzyms Pektinase die Mittellamellen zerstören und gewisse Zellen,

z. B. bei der Flachsrotte die mechanischen Zellen der Flachsstengel

von den anderen Zellen, trennen.

Die Verdickungsschichten unterscheiden sich meist optisch und chemisch

von der Mittellamelle; da sie sich in der Regel zu beiden Seiten der

Mittellamelle gleichmäßig anlagern, so erhält die Scheidewand zwischen

zwei Zellen mehr oder weniger #symmetrischen# Bau (Fig. 38-40, 41,

62), der sich selbst auf die Tüpfel erstreckt. Nicht selten ist in

stärker verdickten Zellhäuten, besonders den Zellen des Holzes,

beiderseits der Mittellamelle eine Sonderung in #drei#, ihrem optischen

und chemischen Verhalten nach verschiedene Schichten zu erkennen, die

sich als #primäre#, #sekundäre# und #tertiäre Verdickungsschichten#

unterscheiden lassen und selbst wieder aus vielen Lamellen bestehen

können. Am stärksten pflegt alsdann die sekundäre Verdickungsschicht

entwickelt zu sein; sie bildet die Hauptmasse der Wandung. Die innerste

Verdickungsschicht einer Zellhaut ist meist stärker lichtbrechend; sie

wird als Grenzhäutchen oder Innenschicht bezeichnet (Fig. 71 _Ci_) und

besteht meist aus Zellulose.

Zellwände, die #nicht# an andere Zellen grenzen (Fig. 40, 44), vor

allem also die #Außen#wände an der Peripherie des Pflanzenkörpers,

sind dagegen #asymmetrisch# gebaut. Bei solchen Wänden können ja nur

einseitig nach dem Zellinnern hin Verdickungslamellen an die zunächst

allein vorhandene dünne Zellhaut angelagert werden.

[Illustration: Fig. 38. Stark verdickte Zellen aus dem Marke eines

älteren Stammstückes der Waldrebe Clematis vitalba. _m_ Mittellamelle,

_i_ Interzellularraum, _t_ Tüpfelkanäle in Seitenansicht. In der einen

Zelle ist die untere Wand _w_ mit den Tüpfeln in Aufsicht zu sehen.

Vergr. 300. Nach SCHENCK.]

+2. Tüpfelung.+ Die Zellmembranen, die die Protoplasten voneinander

trennen, erschweren begreiflicherweise den Stoffaustausch zwischen

den Zellen, und zwar um so mehr, je dicker sie sind. Ohne regen

Stofftransport von Zelle zu Zelle kann aber das Leben des ganzen

Organismus nicht bestehen. So muß also dafür gesorgt werden, daß die

Verdickung der Membranen, die der Festigung dient, die Stoffbewegung

nicht allzusehr hemmt. Diesem Bedürfnis wird meist durch Ausbildung

von #Tüpfeln# in den Scheidewänden zwischen den Protoplasten Rechnung

getragen. In den freien Wänden findet man dagegen in der Regel keine

Tüpfel.

Diese Tüpfel, die in stärker verdickten Zellmembranen Kanäle mit

kreisrundem (Fig. 38 bei _w_ und 39 bei _m_), elliptischem oder

spaltenförmigem Querschnitte sind, #treffen in den benachbarten Zellen

aufeinander#; sie sind also beiden Zellen gemeinsam, werden aber in

der Mitte von der unverdickten Zellhaut, ihrer Schließhaut, durchsetzt

(Fig. 38 _t_, 39 _p_, 40 _t_). Spaltenförmige Tüpfel pflegen schräg

gerichtet zu sein und in den Verdickungsschichten benachbarter Zellen

einander zu kreuzen.

Der Bau der Tüpfel läßt sich besonders leicht untersuchen an den

stark verdickten und reichlich getüpfelten Zellwänden der Samen

verschiedener Palmen, zahlreicher Liliaceen, z. B. von Ornithogalum

(Fig. 39), und anderer Monokotylen. Die Verdickungsschichten

bestehen hier aus einer Hemizellulose, die ein Reservestoff des

Samens ist und bei der Keimung durch ein Enzym (Zytase) aufgelöst

wird. Sie sind glänzend weiß und können so hart werden, daß solche

Samen, z. B. die der Palme Phytelephas macrocarpa, technisch als

„vegetabilisches Elfenbein“ zur Anfertigung von Knöpfen u. dergl.

verwertet werden.

[Illustration: Fig. 39. Zellen aus dem Samen (Endosperm) der Liliacee

Ornithogalum umbellatum. _m_ Tüpfel von oben, _p_ Tüpfelkanal in

Seitenansicht mit der Schließhaut. _n_ Zellkern. Vergr. 240. Nach

STRASBURGER.]

[Illustration: Fig. 40. Zellen aus der Wurzelrinde von Iris florentina.

_t_ Tüpfel in den geschichteten Zellmembranen, _i_ Interzellularen.

Vergr. gegen 400.]

+3. Verbindung der Protoplasten im Gewebe.+ Ein harmonisches

Zusammenarbeiten aller lebenden Teile des Körpers, wie es in den

Lebensäußerungen des gesamten Organismus so auffällig zutage tritt,

wäre freilich wohl kaum möglich, wenn die lebenden Protoplasten

im Zellgewebe des Körpers durch die Zellwände völlig getrennt

nebeneinander liegen würden. Tatsächlich sind sie nicht ganz

gegeneinander abgeschlossen, sondern durch zahlreiche, äußerst feine

Protoplasmafäden verbunden, die von ihren Hautschichten ausgehen

und die Zellhäute durchsetzen. Meist sind diese Plasmaverbindungen

oder #Plasmodesmen#[45], die #sämtliche# lebende Zellen des Körpers

verbinden, auf die Schließhäute der Tüpfel beschränkt (Fig. 41 _s_);

doch können sie auch die Zellhäute außerhalb der Tüpfel durchsetzen

(Fig. 42 _pl_). Sie erheben die Protoplasten des ganzen Pflanzenkörpers

trotz der Ausbildung der Zellwände zu einer #organischen, lebenden

Einheit# und dienen wohl ebenfalls zur Stoff- und außerdem zur

Reizleitung von Protoplast zu Protoplast.

+4. Zellfusionen.+ Die Lebenstätigkeit des vielzelligen Organismus

macht es aber auch nötig, Stoffe noch schneller, als es selbst

durch weite Tüpfelkanäle möglich ist, innerhalb seines Körpers von

einem Organ in ein anderes, etwa aus den Wurzeln in die Blätter, zu

schaffen. Die Diffusion von Stoffen durch die Zellmembranen oder

die Stoffbewegung in den äußerst feinen Plasmodesmen genügt dazu

vielfach nicht, wenn sie auch durch die Ausbildung der Tüpfelkanäle

sehr erleichtert wird, die ja in den Scheidewänden zwischen

benachbarten Zellen stets korrespondieren. Dementsprechend verschmelzen

viele, besonders dem Stofftransporte dienende, außerdem aber auch

manche andere Zellen, nachträglich durch breite offene Löcher zu

zusammenhängenden Röhren (vgl. S. 54, 55 u. 59), zu #Zellfusionen#

miteinander. Solche Löcher in Ein- oder Mehrzahl entstehen alsdann

durch entsprechende Auflösung der Wandsubstanz in den Zwischenwänden,

namentlich in den Endwänden benachbarter Zellen.

[Illustration: Fig. 41. Eine Zelle aus der Rinde der Mistel (Viscum

album) nach entsprechender Härtung und Färbung der Protoplasten und

Quellung der Wände (_m_). Die Schließhäute (_s_) der Tüpfel von

Plasmodesmen durchsetzt, _ch_ Chloroplasten, _n_ Zellkern. Vergr. 1000.

Nach STRASBURGER.]

[Illustration: Fig. 42. _A_ Ein etwas gequollenes Wandstück aus dem

Endosperm der Elfenbeinpalme (Phytelephas macrocarpa). Bei _s_ und

_s_ die aufeinander treffenden, mit Plasma gefüllten Tüpfelkanäle der

beiden angrenzenden Zellen, in der Schließhaut zarte Plasmodesmen,

außerdem die ganze Dicke der Zellwand durchsetzende Plasmodesmen _pl_.

Vergr. 375. _B_ Die Tüpfelkanäle und die Plasmodesmen der Schließhaut

1500mal vergrößert. _C_ Tüpfelkanal und Schließhaut von der Fläche

gesehen, bei 1500facher Vergrößerung. Der kleinere Kreis ist der

Tüpfelkanal, der größere die Schließhaut, die dunkleren Punkte darin

sind die Plasmodesmen. Nach STRASBURGER.]

Lehrbuch der Botanik für Hochschulen · 第 5 / 90 段